Narben

vor 3 Mon.
Sven trifft auf Manuel. Beide haben Schatten in ihrer Vergangenheit.
Allgemein Allgemein P18-Slash Romanze Beendet
Bemerkung des Authors: ... und mit diesem Kapitel endet diese Geschichte eher unspektakulär. Als ich die kurzen Kapitel am Anfang aus Svens Sicht geschrieben habe, wusste ich selbst nicht, was daraus einmal wird, ich wusste nur, es sollte etwas großes, dramamäßiges werden. Über ein Jahr später sind jetzt auch die Kapitel aus Manuels Sicht recht spontan entstanden. Es war nicht das, was ich ursprünglich im Sinn hatte, aber ich denke, es passt so ganz gut. Mir fehlt noch immer das Selbstvertrauen, in solche ernsten Themen tiefer einzusteigen. Hoffen wir, dass sich das mit der Zeit ändert. Bis zur nächsten Geschichte. Eure split

Dritte Nacht

Manuel war tierisch nervös, deshalb lief er auch schon die ganze Zeit Kreise und bekam langsam einen Drehwurm. Er hatte Sven seit siebenundzwanzig Tagen nicht gesehen. Nicht, weil er es nicht gewollt hätte, sondern weil es Arbeit und Alltag nicht zugelassen hatten. Sie hatten ein paar Mal telefoniert. Es waren kurze, ungemütliche Gespräche gewesen. Keiner hatte so richtig gewusst, was er sagen sollte. Gleichzeitig hatte es tausend Dinge gegeben, die Manuel hätte sagen wollen, und er war sich sicher, dass es auch Sven so ging. Doch ein Telefonat war einfach nicht die richtige Grundlage für das Gespräch, das sie beide nötig hatten.
Benshi neben ihm bellte einmal und wedelte mit dem Schwanz. “Ist ja gut, wir gehen gleich weiter. Wir warten nur noch auf Sven und Basta.“ Benshi bellte erneut und versenkte seine Nase dann wieder schnüffelnd im Gras am Wegesrand.

Nervös sah Manuel in die Richtung aus der Sven kommen musste. Sie hatten sich verabredet für eine große Runde mit den Hunden. Das war eine neutrale Grundlage und im Zweifelsfall hatten sie immer die Hunde, um peinliche Momente zu umgehen. Und es gab so einiges zu besprechen.
Das letzte Mal, als sie sich gesehen hatten, war der Samstag gewesen. Sven hatte es tatsächlich geschafft einige Stunden Schlaf nachzuholen, doch dann hatte er Manuel irgendwann nach Hause geschickt, mit der Erklärung, dass er erst ein paar Dinge für sich sortieren musste, bevor er sich wieder mit ihm treffen konnte.
Manuel hatte zum Protest angesetzt und dann mittendrin abgebrochen. So schwer es ihm gefallen war, hatte er zustimmen müssen. Sie waren beide zu kompliziert und hätten sich am Ende in eine Situation verrannt, aus der sie nicht mehr ohne Schaden herausgekommen wären.
Diesen Gedanken hatte er auch mit Doktor Peters geteilt, den er in den letzten Wochen ein paar Mal getroffen hatte. Doktor Peters hatte seiner Einschätzung der Situation zugestimmt und ihm Tipps gegeben, wie er mit allem umgehen konnte. Geduld hatte ganz oben auf der Liste gestanden und die hatte Manuel so gar nicht.
Deshalb hatte er sich auch fast überschlagen, als Sven endlich vorgeschlagen hatte, sich zu treffen, um ein paar Dinge zu klären. Jetzt konnte Manuel es kaum erwarten. Er drehte erneut einen Kreis und blieb dann abrupt stehen, als Sven am Ende des Weges auftauchte. Er ließ Benshi von der Leine und im Nu war der kleine Vierbeiner seiner großen Freundin mit freudigem Bellen entgegengelaufen. Die zwei Hunde hatten sich auf Anhieb verstanden und schienen unzertrennlich.

„Hallo“, grüßte Manuel unsicher, als Sven nah genug herangekommen war.
„Hi.“ Sven lächelte und wirkte viel entspannter als beim letzten Mal. Einen Moment zögerte Manuel, doch dann überwand er sich und umarmte Sven. Er wollte keine unnötige Distanz zwischen ihnen. Sven erwiderte die Geste und Manuel atmete auf.
„Ich habe dich vermisst“, gab er offen zu und Sven drückte ihm dafür einen kurzen Kuss auf den Mundwinkel, bevor er sich wieder von ihm löste.
„Lass uns losgehen. Ich habe Basta eine extragroße Runde versprochen.“
Sie folgten dem Weg und während sie Basta und Benshi im Auge behielten, die sich austobten, aber dabei brav in ihrer Nähe blieben, begann Manuel mit einer einfachen Frage. „Wie geht es dir?“
„Besser. Die Termine mit Doktor Petersen haben wirklich was gebracht und ich habe vom Arzt Medikamente bekommen. Es ist noch nicht perfekt, aber es geht aufwärts.“
„Das freut mich wirklich.“
„Und du? Du warst auch ziemlich mitgenommen. Ich habe David einmal getroffen. Er hat mich zur Schnecke gemacht.“
Manuel sah Sven überrascht an und stöhnte innerlich. Davon hatte er nichts gewusst, aber es war typisch für David, dass er den Beschützer spielte. Diese verkehrten Rollen würden sie wohl nie wieder loswerden.
„Mir geht es auch ganz gut. Ich hatte auch ein paar Termine zum Reden und sie haben wirklich geholfen. Das schlimmste in den letzten Wochen war eigentlich das Warten und Hoffen, dass du dich meldest. Und dass wir uns wiedersehen und nicht nur ein paar knappe Nachrichten austauschen.“
„Ich wollte eher, aber es ging nicht. Nicht, so lange ich mir nicht sicher war.“
„Ich weiß.“ Manuel griff im Gehen nach Svens Hand und drückte sie kurz aufmunternd. Als er sie wieder loslassen wollte, hielt Sven seine Finger fest und sah ihn fragend an. Manuel nickte knapp, sodass sie Hand in Hand weitergingen. Ein ungewohntes Gefühl.

„Wie geht es jetzt weiter?“, fragte Manuel und kickte einen Stein vom Weg.
„So wie bisher auch. Mit viel Geduld und kleinen Schritten müssen meine Medis noch fein eingestellt werden, damit ich nicht so mit Nebenwirkungen zu kämpfen habe. Die machen echt keinen Spaß. Und dann wird es mir hoffentlich langfristig besser gehen.“
„Das klingt nach guten Aussichten. Und was denkst du, also, das zwischen uns.“ Manuel kam ins Stottern. Er hatte mit Doktor Petersen das Thema angesprochen. Der wusste schon länger, dass Manuel schwul war und dass sein Gewaltproblem da bisher ein Hindernis gewesen war, wenn es darum ging, eine Beziehung einzugehen. Es war paradox, dass er sich dann ausgerechnet in Sven verliebt hatte. Der Gedanke erschreckte ihn jedoch längst nicht mehr so sehr wie am Anfang.

Sven drückte seine Hand, sah aber zu Basta und Benshi. „Das weiß ich im Moment noch nicht, aber ich würde ‚uns‘ gerne versuchen. Sehen, wohin es führt. Nur, dass wir mit unserer Geschichte halt ein wenig mehr Arbeit reinstecken müssen, als andere, damit es funktioniert.“
„Ja, das müssen wir. Doktor Petersen...“ Manuel stockte. Er war nicht sicher, wie er das sagen sollte.
„Du hast mit ihm über mich gesprochen?“, fragte Sven und Manuel nickte schwach.
„Aber nur, was ich denke und was er dazu denkt. Er hat mir nichts über dich erzählt, was du ihm erzählt hast“, beeilte Manuel sich zu erklären und kaute verlegen auf seiner Unterlippe herum.
„Das weiß ich doch. Ich hab dich auch angesprochen bei ihm.“
„Oh.“
„Vielleicht sollten wir irgendwann einmal zusammen hingehen.“
„Ja, vielleicht.“

Basta kam mit einem Aststück im Maul angelaufen, der kleinere Benshi mit einem noch viel größeren Ast folgte ihr nicht ganz so elegant. Sie lachten beide und nahmen ihre Hunde mit Streicheleinheiten in Empfang.
Sven warf Bastas Stock weit in die Büsche, und übernahm dann auch Benshis sperrigen Ast nach einem etwas ratlosen Blick von Manuel.
„Der Hund war schon immer größenwahnsinnig“, murrte Manuel. „Der versucht was zu kompensieren, aber dabei ist er zu niedlich als das man ihm böse sein könnte. Er wird hoffnungslos verwöhnt.“
„Dazu sind die Kleinen ja da, so lange sie dann noch halbwegs auf einen hören.“
„Das tut er glücklicherweise.“
Beide Hunde kamen zurück und Sven warf die Stöcke erneut. „Wie geht es Basta in dem Tierheim eigentlich so?“
„Ganz okay, denke ich. Ich würde sie gerne zu mir nehmen, aber es geht eben nicht.“
„Und was ist...“ Manuel bremste sich aus. Er wollte keine falschen Versprechungen machen oder Hoffnungen wecken, die er dann nicht erfüllen konnte, doch er schätzte Sven realistisch genug ein, um sich einfach mit ihm über seine Idee unterhalten zu können. „Basta und Benshi verstehen sich ziemlich gut. Was wäre, wenn wir sie mit zu uns nehmen? Ich müsste natürlich erst fragen, ob meine Großeltern und David damit einverstanden wären, aber unser Garten wäre groß genug und es wäre sicherlich ein schönerer Ort für sie als das Tierheim. Du könntest jederzeit vorbei kommen und sie abholen und wenn es mal nicht geht, kümmern wir uns mit um sie und...“ Manuel zuckte mit den Schultern. Sven sagte nichts und er wurde unsicher. „Naja, das war nur ein Gedanke. Das muss nicht...“
„Ein sehr schöner Gedanke. Wenn das wirklich klappen würde, würde ich mich sehr darüber freuen.“
„Wirklich?“, fragte Manuel hoffnungsvoll und grinste verlegen.
„Wirklich“, erwiderte Sven und nahm Manuels Hand, während sie ein Stück weiterliefen. Benshi und Basta hatten offenbar etwas Interessanteres als das Apportieren der Stöcke gefunden.

Nach einigen Metern kam Sven auf ihr ursprüngliches Thema zurück.
„Wenn wir es wirklich miteinander versuchen wollen, wird es wohl auch an der Zeit, dass ich dir mehr davon erzähle, was in meiner Vergangenheit liegt. Was tatsächlich passiert ist, nicht nur die vereinfachte Kurzform. Und wenn du so weit bist, möchte ich auch alles von dir erfahren. Sonst werden wir umeinander immer wie auf rohen Eiern laufen.“
„Ja, da hast du Recht.“ Manuel wollte Sven alles erzählen, wirklich, aber ob er tatsächlich auch die Worte dafür finden würde, war fraglich. Deshalb war er froh, dass Sven den Anfang machen wollte.

Sie kamen an eine Weggabelung, doch Benshi und Basta kannten den Weg und liefen in die richtige Richtung voraus. An dem ihnen entgegenkommenden Jogger störten sie sich nicht weiter.
Sven lächelte. „Du musst nicht, wenn du nicht willst. Lass dir Zeit. Ich erzähl dir derweilen die wirkliche Kurzfassung. Anfang des Jahres war ich auf meinem zweiten Einsatz. Ich war gerade ein paar Wochen da, als wir eine routinemäßige Erkundung absolvierten und in einen Hinterhalt kamen. Wir waren in der Unterzahl und wurden gefangen genommen. Zwei meiner Kameraden waren so schwer verletzt, dass es nicht gut aussah. Aber wir haben durchgehalten. Wir waren drei Tage in den Händen von Rebellen und wussten nicht, ob und wann Hilfe kommen würde. Als sie uns transportieren wollten, haben wir schließlich eine Chance bekommen und konnten sie überwältigen. Wie durch ein Wunder haben wir alle überlebt. Und jetzt bin ich wieder hier.“
Manuel hörte ganz genau zu und versuchte zu erfassen, was Sven da sagte. Es klang wie die Handlung eines Hollywoodstreifens. Die Guten kamen in Gefahr, retteten sich, die Bösen wurden besiegt. Happy End. Aber es war nur die Oberfläche und niemand wusste, wie das war, wenn er nicht selbst dort gewesen war. Auch Manuel nicht.

„Diese drei Tage...“, begann Manuel, wusste aber nicht wie er es formulieren sollte. Wie er danach fragen sollte.
„Die waren nicht lustig, wie du dir denken kannst. Die meiste Zeit waren wir einfach nur eingesperrt, ohne Nahrung, kaum Wasser und das Klima dort ist nicht gerade erholsam. Die beiden, die schwer verletzt waren, wurden zumeist in Ruhe gelassen. Man hatte sie nur als Druckmittel mitgenommen, aber ohne wirkliche Anstrengung sie am Leben zu halten. Wir drei mit den geringeren Verletzungen waren die Glücklichen, die Fragen beantworten sollten.“
Manuel wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er griff wieder nach Svens Hand und drückte sie kurz. „Deshalb sind deine Instinkte jetzt so auf Abwehr eingestellt. Ein Teil von dir ist noch immer dort und versucht dich zu schützen.“
„Ja“, sagte Sven nur, sah Manuel aber nicht an.

„Ich wünschte, ich wäre so stark gewesen, dann wäre es vielleicht nie so weit gekommen.“ Manuel zögerte nicht mehr, sondern erzählte direkt weiter. „Deine Geschichte hört sich an wie die Handlung eines Filmes. Meine im Grunde auch. Als wir klein waren, haben wir zu viert in einem kleinen Häuschen gewohnt. Alles war ganz normal. Manchmal wurde unser Vater zornig und ausfallend, aber dann ging er eben aus dem Haus und wenn er wieder nach Hause kam, war alles gut. Aber als ich etwa acht war, verlor er seinen Job. Er fand zwar neue, aber die waren nur von kurzer Dauer. Seinen Frust hat er, wie das nicht selten passiert, mit Alkohol bekämpft. Nur hat ihn das nicht besänftigt, sondern nur noch aggressiver gemacht. Das ließ er dann an unserer Mutter aus und als ich mich traute, dazwischen zu gehen, an mir.
Ich war in keiner Weise stark genug mich gegen ihn zu behaupten und musste lernen, dass es schneller vorbei ging, wenn ich mich nicht wehrte. Das Problem ist, wenn man das lange genug mit macht, dann fängt man an, aufzugeben, zu resignieren. David hat er zum Glück immer in Ruhe gelassen, denn der war sein kleiner Liebling. David war stark, ein guter Sportler, aus ihm würde etwas werden. Ich hatte diesen Schutz nicht, als Erstgeborener war ich eine Enttäuschung und unser Vater hatte leider immer noch diese altmodischen Ansichten. Trotzdem hatte ich Angst, wenn ich abhaue, dann würde er seinen Zorn an Ma oder David auslassen. Und ich wusste damals auch nicht, wo ich hingehen sollte.
Er fand schließlich einen neuen Job und plötzlich waren wir wieder eine glückliche Familie. Das ging eine Weile gut, aber irgendwann ging das auch den Bach runter. Nur diesmal war es viel schlimmer. Ich war in meinem Zimmer, als es passierte. Er war betrunken nach Hause gekommen und in einen Streit mit Ma geraten. Als ich dazukam, war alles schon vorbei. Sie lag mit einer blutenden Kopfwunde bewusstlos am Boden. Unser Vater lag daneben, eine riesige blutende Wunde im Bauch und David, mein kleiner Bruder, stand daneben, das größte Messer der Küche in Händen. Ich konnte nur noch den Notruf wählen, danach erinnere ich mich nicht mehr an viel.
Später erfuhr ich, dass unser Vater diesmal auch David geschlagen hatte, weil er ausnahmsweise einmal eine schlechte Note nach Hause gebracht hatte. Als Ma dazwischen ging, hat er sie so hart geschlagen, dass sie gestolpert ist und mit dem Kopf an die Arbeitsplatte knallte. David hat darauf im Affekt nach dem Messer gegriffen und auf ihn eingestochen. Und damit war dieses Kapitel beendet.“
Manuel rieb sich über die Augen und merkte, dass sie feucht waren. Er musste noch immer heulen, wenn er darüber sprach. Das nervte ihn. Als Sven ewig nichts darauf sagte, sah Manuel schließlich doch zu ihm. Sven hatte die Stirn in Falten gelegt und schien angestrengt nachzudenken. Plötzlich blieb er stehen.
„Und dann komme ich, und tue dir so sehr weh.“ Svens Stimme war kaum hörbar. Manuel schüttelte den Kopf.
„Ich sagte dir doch, das war nicht deine Schuld. Ja, ich hatte im ersten Moment tierische Angst und es hat mich an damals erinnert, aber zu sehen, wie sehr es dich selbst verletzt hat, hat mir geholfen, das zu differenzieren. Du bist nicht wie er. Vielleicht wäre es besser, wenn ich mich von dir fernhalten würde. Es wäre definitiv das einfachste. Doch es ist nicht das, was ich will. Das haben mir die letzten Wochen gezeigt, denn ich habe dich wirklich vermisst. Okay?“
Sven sah ihn lange an und Manuel wusste nicht, ob der Sinn seiner Worte wirklich zu ihm durchgedrungen war. Schließlich nickte Sven sehr langsam und ging weiter.
„Was ist aus euren Eltern geworden?“, fragte Sven ruhig.
„Unser Vater ist im Gefängnis und wird da auch noch eine ganze Weile sein. Ich weiß noch nicht, was passiert, wenn er entlassen wird. Davor habe ich wirklich Angst und ein Teil von mir wünscht sich deshalb, dass er vor vier Jahren gestorben wäre. Aber das würde David zum Mörder machen und mir ist bewusst, dass das etwas ist, was ihn noch viel schwerer belasten würde, als es die Ereignisse jetzt schon tun.
Unsere Mutter hat überlebt, aber schwere Verletzungen am Gehirn erlitten. Sie befindet sich in einem Pflegeheim, wo es ihr den Umständen entsprechend wohl ganz gut geht. Aber sie erkennt weder mich noch David. Die Ärzte sind der Meinung, dass sich das auch nicht mehr ändern wird. Ich ertrage es nicht, sie so zu sehen, deshalb habe ich irgendwann aufgehört, sie zu besuchen. David genauso. Im Grunde ist sie in jener Nacht für uns gestorben.“
„Das ist auch eines der Dinge, die dich belastet, oder? Dass du nicht dabei warst, es nicht verhindern und sie retten konntest?“ Sven traf damit Mitten ins Schwarze und Manuel konnte jetzt die Tränen nicht mehr zurückhalten. Er nickte und musste schniefen. Er tastete seine Taschen ab, aber natürlich war er nicht so schlau gewesen, an Taschentücher zu denken. Sven hielt ihm plötzlich eine Packung entgegen und Manuel nahm eines heraus, um sein Gesicht trocken zu bekommen. Doch vorerst schienen die Tränen nicht trocknen zu wollen.
Starke Arme zogen ihn plötzlich an eine warme Brust und Manuel ließ es zu, gehalten zu werden. Es fühlte sich wundervoll an, einfach nachgeben zu können, ohne zu fallen.
„Also, was denkst du. Willst du es mit mir versuchen? Mit all meinen Macken und Fehlern und der Aussicht, dass wir es nicht leicht haben werden?“
„Ja, will ich“, erwiderte Sven ohne zu zögern. „Und willst du es mit mir versuchen? Obwohl ich ein Wrack bin und auch wenn ich dir verspreche, dass ich dir nie wieder wehtun werde, dass da immer die Gefahr bleibt?“
„Ja, will ich“, antwortete Manuel seinerseits und musste unter Tränen lachen. Und obwohl er so verheult war und sie mitten auf dem Weg standen, küsste Sven ihn warm und atemlos, während irgendwo hinter ihnen über den Feldern die Sonne unterging.
Es gab für sie beide Hoffnung, für sie zusammen. Viellicht nicht für die Ewigkeit, aber für die nahe Zukunft auf jeden Fall.

Ende

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