Aus dem Leben eines Callcenteragenten

08.05.16 19:39
Wird das ein "Tagebuch"? So etwas in der Art sicherlich, aber möchte ich nicht den Zwang haben, täglich schreiben zu müssen :) Der Titel sollte wohl alles sagen. Ich werde hier meine Gedanken zum Allgemeinen, meinen Tag schildern und Dinge die mich beschäftigen, Probleme, die ich überwältigen muss und Tipps geben zum "Leben&q..
Fiktive Biographien Allgemein P12 In Arbeit
Bemerkung des Authors: "Wer neu anfangen will, soll es sofort tun, denn eine überwundene Schwierigkeit vermeidet hundert neue." Konfuzius

04.03.2016

Liebes Tagebuch ... fängt man so heutzutage noch an? Laut Douglas Funnie zumindest, einem Cartoon aus den 90ern, welchen ich damals gern gesehen habe. Aber wie schon im Intro erläutert, soll dies hier nicht unbedingt ein Tagebuch werden. Also wie nun beginnen?

Es ist jetzt 06:58 Uhr, als ich vor ungefähr noch einer halben Stunde im Bett lag, kamen mir die ganzen Sätze einfach in den Kopf und sitzt man nun erstmal vorm PC ist es, als wäre mein Hirn einfach nur noch ein Bausch Watte. Viele Autoren und Hobbyschreiberlinge kennen das sicherlich, habe ich mich doch auch schon an ein zwei Texten versucht. Der Grundstein einer Geschichte ist meist schnell gefunden, das Konstrukt schnell aufgebaut, aber wie geht es dann voran? Wie erzählt man eine "Geschichte"?

Prinzipiell weiß ich, jedes Buch, jede Geschichte, jeder (halbwegs) gute Text sollte einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende haben. Aber Tagebücher oder "sowas" hier auch? Zumindest einen Anfang, dass sollten sie haben :-) Also los.

Gestern Abend gab es arbeitsbedingt mal wieder wenig zu tun, wer ruft schon 20 Uhr noch im Callcenter an, die meisten Leute bereiten sich wohl auf das Fernsehprogramm vor, lesen mal ein Buch, räumen das Abendessen weg oder bereiten sich auf den Schlaf für die kommende Frühschicht vor. Was also tun, wenn man clever genug war, sich den Internetzugang am PC freizuschalten und mal keine Lust auf Schriftbearbeitung der Kundenanliegen hat? Man surft. Und was man dann alles surft. Unmengen an unnützen Informationen habe ich abgerufen, neue Gerichte die ich im Ofen machen kann, Songtexte, Infos zu neuem Büchern und Spielen uswusf. Da kam mir mal wieder ein Geistesblitz, nur ein kurzer Gedanke. Dinge, die einen nie wirklich loslassen, Erinngerungen, lange her, aber nie vergessen. Wie beispielsweise Momente in der Ausbildung, vllt schon wieder vier oder fünf Jahre her. Wenn es da nichts zu tun gibt, hat man sich bei "MyFF" eingelogt, mit der ein oder anderen Person gechatet, Texte gelesen und bewertet, die Seele baumeln lassen. "Die ein oder andere" Person kam mir in dem Moment wieder in den Kopf, ob sie immer noch schreibt, was sie wohl so treibt etc. Und warum schaut man da nicht einfach mal bei MyFF vorbei, der alten Zeiten wegen? Und siehe da, vllt nicht bei MyFF, aber meine Bekannte ist immer noch rege aktiv, und hat schon wieder viele neue Kurzgeschichten veröffentlicht.

Auch auf meiner Pinnwand sind noch ein zwei Kommentare gewesen, die in Zeiten meiner Inaktivität hinterlegt wurden, und das hat mich echt begeistert, keine Ahnung wieso ^^ somit wäre es nur fair, auf diese Beiträge auch zu antworten ;D

Wenn es nun andere Leute schaffen, weiterhin aktiv zu bleiben, kann ich es doch auch? Oft nehme ich mir vor, "dieses Spiel da wieder etwas öfters zu spielen", "öfters mal aufs Laufband zu gehen" und vllt auch "ab und an wieder ne Trennkost" ... aber mit vielen Dingen die Zeit beanspruchen ist es so, dass ich mich nur selten auf Dauer dafür begeistern kann. "Ich wollte Motivationstrainer werden, konnte mich aber nicht dafür begeistern." Fabrizius, einer meiner besten brachte diesen Spruch mal, und ich fand ihn passend. Ich weiß nicht, ob meine, von mir gut gepflegte "Zufriedenheit/Faulheit" ein typisches Widdersyndrom ist, ähnlich unserer "Strohfeuer"-liebe: Alles was wir tun, machen wir zu Beginn mit brennender Leidenschaft und Intensität, aber meist nur von geringer Dauer bis uns wieder die Langeweile einholt. So vllt auch mit meiner Aktivität bei MyFF...

...aber die Sache mit dem Schreiben liegt mir schon seit Jahren im Kopf, und nun, wo ich eh schon mit Erkältung im Bett liege, kann ich mir auch mal die halbe Stunde Zeit nehmen, um ein Intro zu schreiben. Wenigstens um mir zu sagen, "Junge, du hast wenigstens angefangen", und bekanntlicherweise ist aller Anfang schwer. Ovid.

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Was hat sich also in den letzten Jahren getan, seit ich nicht mehr so aktiv bin? So einiges ^^ schaue ich mir mein Profil so an, muss ich leicht schmunzeln, vieles trifft nach wie vor zu, wenig hat sich geändert. Es ist irgendwie schön, diese Veränderungen auch anhand solcher Sachen zu erkennen, ruft es doch wieder schöne Erinnerungen auf.

Ich bin nach wie vor linkshänder, aktuell ca. 1,92 Meter groß, daran wird sich auch wohl nichts mehr ändern. Vllt habe ich aufgrund der guten Kochkünste meiner Frau auch ca. 10 Kilo zugenommen, bewege mich nun nur knapp über den 100 Kilo, aber dadurch dass ich von großer kräftiger Statur bin, verteilt es sich gut. Breite Schultern und (naja ^^;) vllt auch ein kleines Wohlstandsbäuchlein. Aber HEY!, meine Mutter sagt immer "ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel." Gut, dass ich Bauch habe xD mittlerweile bin ich verheiratet, bald 26 Jahre als, ca. 8 Jahre mit meiner Frau in einer Beziehung, Nachwuchs ist in Planung, seit ca. fünf Jahren im festen Arbeitsverhältnis als "Kundenbetreuer" (man kann auch ruhig Callcenteragent sagen, aber die Leute verbinden dies immer mit schlimmen Telefonterroristen xD) und mehr als zufrieden mit meiner Welt, wenn es auch ab und zu mal drunter und drüber geht. Und daran will ich euch gern teilhaben lassen, sofern ihr es bis hierhin geschafft habt und nicht weggenickt oder -geklickt seid ^^

Jetzt ist es ... 07:22 Uhr, ich bin mehr als zufrieden mit dem Start, mache mir jetzt noch nen Tee und werf mich wieder ins Bett, muss gott sei dank erst von 11-20 Uhr knechten, also kann ich noch versuchen bisschen zu schlafen, aktuell macht mir ne leichte Erkältung zu schaffen. Vor ein paar Tagen war es nur ein leichter Husten, bekommt man mit entsprechendem Hustensaft und Grippostat schnelle wieder in den Griff, aber seit gestern ist auch die Nase zu, und NUSCHELN am Telefon kann ich gar nicht leiden -.- aber ist ja morgen schon Wochenende, dann heisst es nur bei einem Umzug zu helfen, abends Pokern mit den Jungs, Sonntag auf nach Leipzig zu den Gamer Days ... und den Abend schön mit Ofenkäse und der Gattin vorm Fernseher lümmeln... UND DEN KATZEN natürlich ^_^
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Nur noch schnell ein zwei Leute auf der Pinnwand begrüßen und weiter gehts :) wir lesen uns - versprochen

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Es gibt Momente, in welchen ich nicht weiß, ob ich mich ärgern oder freuen sollte. Ob es ein schöner Tag ist, oder ein scheißtag. Das Wetter ist mehr als schön, es dürften trockene fünf Grad sein, keine einzige Wolke am Himmel und die Sonne strahlt so hell, dass ich kurz die Augen zusammenkneifen musste, wie ich aus dem Haus ging. Ich kann mich freuen, draußen zu sein. Aber ich steh an der Haltestellt, warte auf die Bahn, um auf Arbeit zu fahren, 11-20 Uhr, neun Stunden im Büro. Zudem tut mir auch die Nase enorm weh vom ganzen schnauben, diese Erkältung geht mir aufn Sack. Wenn ich Feierabend habe ist der Glanz des Tages verschwunden, ruhiger Abendverkehr besiedelt die Straßen, eine milde Kälte wird spürbar sein, mit etwas Glück ohne Schnee oder sonstigen feuchten Ergüssen.

Dann heißt es wieder ab in die Bahn, ab nach Hause, eine gute Stunde Fahrtweg, vllt kurz nach neun ankommen, Essen machen oder gemacht bekommen, evtl. bisschen Haushalt und dann "zeitig" ins Bett, vermutlich noch etwas fernsehen und kuscheln mit der Gattin. Am nächsten Tag wartet der Umzug einer Kollegin auf mich, FRÜHS natürlich.

Ein Tag, der eigentlich schön ist, aber verschwendet, man hätte ihn besser nutzen können. Wobei ... ist verschwendet das richtige Wort? Natürlich bin ich froh, Arbeit zu haben. Ich verdiene damit mein Geld, finanziere die Wohnung, Essen, Klamotten, anderen schnick schnack und gönn mir auch ab und zu mal was. Aber was nutzt einem das Geld, wenn man so wenig Zeit hat? Es ist generell schade, dass man mittlerweile wirklich nur noch lebt, um zu arbeiten. Zumindest in meiner Branche. Alle nur noch gewinnorientiert. Wir sollten uns aber auch mal mehr schonen, inne halten, wenn auch nur für einen Moment und wieder einen Gang zurückschalten. Mal wieder die Familie oder Freunde besuchen. Oder einen Kurzurlaub in der Gegend, mal an die Spree fahren oder in eine Herberge. Schadet nicht. Mir zumindest nicht ^^ es ist nicht so, dass ich arbeitsfaul wäre. Aber arbeitswütig definitiv ni xD mir würden auch vier Tage die Woche Arbeit und drei Tage frei gefallen.

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Und nun ist es 15:30 Uhr und ich sitze im Bus, nicht erst fünf Stunden später in der Bahn, aufm Weg nach Hause. Und wie kommts? Verdammte Erkältung 1:0 Duchhaltevermögen... und ich hatte eh noch gute 35 Überstunden, die ich irgendwann mal abbauen muss, also warum zum Arzt gehen und dem Unternehmen mit Kranktagen schaden, wenn man mich doch einfach mal fünf Stunden eher nach Hause schicken kann? Ich danke, Frau Vorgesetzte. Zumal mir eh langsam die Kunden am Telefon auf den Wecker gingen. "Ich verstehe sie nicht, wenn sie so nuscheln." oder "Ihre Verbindung ist ganz schlecht, und sowas nennen Sie guten Service?". Egel, vergeben und vergessen, denn sie wissen nicht was sie tun. Zumal die Kunden eh meist nur einen Prellbock für ihre Probleme suchen. So konnt und wollt ich heute jedenfalls nicht mehr, nur noch am rumschnauben (Nase hab ich glaube bis aufn Knochen runtergeputzt), rumbellen und leichte Kopfschmerzen. Grippostat am Allerwertesten.

Alles in allem kann ich aber zufrieden sein, ich durfte eher gehen. Sowie ich zu Hause bin, mach ich mir ne Hühnersuppe, bissl Ingwer rein und ab ins Bett. Oder in die Badewanne, wer weiß ...

Und da ich danach keine Lust mehr habe, weiter heute in mein "Tagebuch" zu schreiben, frag ich mich nun, was für ein Tag war das? Einer dieser tollen Tage? Tolles Wetter. Eher nach Hause. Morgen ist WE. Oder scheißtag? Wegen Krankheit nach Hause. Erkältet. Heut Abend noch was cooles machen kann ich knicken...

Es liegt wohl immer daran, von welcher Perspektive man es betrachtet, wie bei so vielen Dingen im Leben. Ich persönlich halte daran fest, dass es ein guter Tag war, denn, wie vorher schon beschrieben, freue ich mich immer über Zeit, die ich "dazugewonnen" habe :) und so fühlt es sich gerade an.

In diesem Sinne, Vogelspinne

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Katniss2000 10. Mar 2016

Die Geschichte hat was, schön locker geschrieben! Aber eine Frage stellt sich mir... Wie kommst du auf Vogelspinne? O.o

Maskentraeger 10. Mar 2016
Ein Kollege von mir hatte sich so vor kurzem nach einer Plauderei in den Feierabend begeben. Und mir gefiel dieser Abschiedsgruß so gut, dass ich ihn gleich übernehmen musste ^^ Ich selbst bin als Arachnophob eigentlich kein großer Spinnenfan xD