Scherben im Licht

vor 4 Mon.
Eine Sammlung von kleinen Kurzgeschichten, die ich hin und wieder schreibe um mich endlich mal wieder selbst zum schreiben zu bewegen.
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Farbenlehre

Farbenlehre

„Erkläre mir die Farbe blau.“
Ich stocke kurz und starrte sie verwirrt an. Ein Lächeln war auf ihren Lippen zu sehen, welches in mir alle Alarmglocken schrillen ließen. Was das sollte, konnte ich mir beim besten Willen nicht erklären, aber ich wusste, wenn ich ihrem Wunsch nicht nachkommen würde, würde sie mir damit ewig in den Ohren hängen.
„Die Farbe blau ist…“
Ja, was war diese Farbe eigentlich? Einwenig hilflos blickte ich in ihr noch immer lächelndes Gesicht und versuchte nach Worten zu suchen. Wie beschrieb man um Himmelswillen eine Farbe? So etwas hatte ich bisher noch nie gemacht und auch nie wirklich darüber nachgedacht. Für mich war blau einfach blau und nichts anderes.
„Die Farbe blau ist…“ wiederholte ich noch einmal, dieses mal in einem etwas nachdenklichen Ton. Mir schwirrten hunderte Worte im Kopf herum, aber nichts schien wirklich diese Farbe zu treffen. Wie sollte ich auch etwas nichts greifbares beschreiben. Schließlich beschreibt man doch auch nicht, wie der Wind aussieht, nicht wahr.
Dann kam mir plötzlich eine Idee.
„Die Farbe blau ist, der Schauer der dich überkommt, wenn du im Sommer das erste Mal ins kalte Wasser springst.“
Das Lächeln auf ihren Lippen wurde einwenig breiter, während sie verstehend nickte. Scheinbar hatte ich endlich die richtigen Worte gefunden. Ich war endlich auf den richtigen Weg, also machte ich weiter.
„Es ist das Gefühl der Kälte, die dich überkommt, wenn du Morgens aufstehst und die Bettdecke beiseite schlägst. Und das Gefühl von Eis, dass in deinem Mund schmilzt.“
Plötzlich schien es so leicht zu sein, diese Farbe zu beschreiben. Ich musste nur einfach das Gefühl der Farbe beschreiben und schon hatte ich die Farbe blau vor Augen. Es war wirklich kinderleicht, doch ich hatte einige Zeit gebraucht um das wirklich zu verstehen.
Nachdem ich ihr die Farbe Blau ausreichend erklärt hatte, verlangte sie eine Erklärung für die Farbe Grün. Danach wollte sie mehr über Rot hören. Sie verlangte alle Farben, deren Namen sie kannte und hörte all meine Worte mit einem Lächeln an. Ich fand nicht immer sofort die richtigen Worte und brauchte manchmal etwas um mich richtig auszudrücken, doch sie hörte mir voller geduld zu.
Mit der Zeit wurde ich immer besser im Beschreiben und wurde vom Elan gepackt. So gut wie ich nur konnte umschrieb ich ihr alles, was sie wissen wollte, bis ihr schließlich keine einzige Farbe mehr einfiel, von der ich ihr noch nicht berichtet hatte.
„Danke.“ Sagte sie schließlich, als ich schlussendlich die Farbe schwarz in meinen Worten da gelegt hatte. „Danke, dass du mich deine Welt hast sehen lassen.“
Und plötzlich fiel der Groschen.
Endlich verstand ich warum sie mich hatte all diese Farben beschreiben lassen, warum sie nie aufgehört hatte zu lächeln und warum sie so voller Geduld meinen Worten gelauscht hatte. Ich hatte vollkommen vergessen, dass sie blind war.

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Hades 07. Aug 2017

Hi StrichGloeckchen!

Ich hab gerade deinen Text durchgeblättert und dabei ist mir aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann: Was du schreibst, sind keine Drabbles. Ein Drabble hat IMMER genau 100 Wörter. Nicht mehr. Nicht weniger.
Was du veröffentlichst, sind eher Skizzen.

Louli 23. Feb 2017

Shalom.^^
Ich habe die ersten Paar Drabble gelesen und musste bei jedem lächeln. Es macht Spaß sie zu lesen. Ich muss sagen, es macht Mut die Welt mal ein wenig anders zu betrachten. Und vielleicht werde ich jetzt meine Texte, die deinen sehr ähnlich sind auch hier hochladen. :b
Liebe Grüße,
deine Lou x3

Feentaenzerin 12. Aug 2016

Huhu,

ich habe jetzt die ersten beiden Drabble gelesen und bin besonders von "Farbenlehre" begeistert.
So ab der Hälfte deines Drabbles habe ich ja schon vermutet das eine der Personen blind ist, aber das hat mich trotzdem nicht daran gehindert am Ende zu lächeln. Irgendwie hat mir die Atmosphäre die du gestaltet hast richtig gut gefallen.
Es war auch ziemlich gut lesbar. Flüssig und schön strukturiert. Über einen oder zwei Sätze bin ich ein wenig gestolpert, aber dafür hat die Botschaft hinter dem Drabble mehr als nur darüber hinweg geholfen.

Mit dem zweiten Drabble hatte ich ein wenig mehr Probleme was die Satzstruktur angeht. Manchmal haben sich Sätze nicht wirklich flüssig gelesen und dadurch habe ich nicht ganz so viel Spaß beim Lesen gehabt. Das ändert jedoch nichts daran, das mir die Idee und die Umsetzung ziemlich gut gefallen hat.
Ich bin selbst jemand der lieber kurze Sachen schreibt und manchmal kann es ganz schön knifflig sein das dar zu legen was man auch wirklich ausdrücken möchte, wenn man kein ganzes Buch darauf verwenden will.
So weit ich das für mich wahrgenommen habe, ist dir das aber ziemlich gut geglückt.
Wenn ich mehr Zeit habe werde ich auf jeden Fall noch die restlichen Drabbles lesen.

Bis dahin hab einen schönen Tag!
Liebe Grüße
Fee.

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