This could be a fairytale

vor 4 Mon.
Steve Rogers hatte nur einen Wunsch geäußert, ohne zu ahnen, dass dieser in Erfüllung ging. // Gay Romance, Stucky, AU
Captain America: The Winter Soldier Allgemein P12-M+M Romanze In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

XII

Minutenlang wartete ich vor der Tür, bis sie hinaustrat und mich einließ. Sharon trug es mit Fassung, aber ich kannte sie lange genug, um zu wissen, dass alles nur Fassade war. Innerlich kochte sie vor Wut auf das verdammte Schicksal. So gern ich sie in diesem Moment auch in die Arme nehmen wollte, ich wusste auch, dass sie es nicht zuließe. Ich hatte mir diese Geste verspielt, nachdem wir miteinander Schluss gemacht hatten. Trotzdem war ich froh, dass sie mich benachrichtigt hatte.
»Sie freut sich, dich zu sehen«, teilte sie mir mit und ich lächelte, teilweise traurig, weil mein Bruch mit Sharon auch das Ende meiner Freundschaft mit Peggy bedeutet hatte. Weil ich Sharon nicht mit meinem Auftauchen kränken wollte. Peggy hatte meine Entscheidung nicht gut geheißen, aber sie zumindest akzeptiert. Es tat trotzdem weh. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr ich sie vermisste.
»Noch einmal danke ...«
»Lass es, Steve«, unterbrach sie mich mit diesem genervten Gesichtsausdruck, den sie mir immer wieder einmal geschenkt hatte, »Selbst, wenn ich dich mehr als alles andere auf der Welt hassen würde, ich erfülle ihr jeden Wunsch. Es ist sozusagen ihr Letzter und es wundert mich nicht, dass er dich beinhaltet. Du warst ihr Liebling.«
»Das hat dir nie gefallen, wenn ich mit ihr geredet habe.«
»Mit mir konntest du nie so lange Gespräche über Gott und die Welt führen. Mir hast du nie erzählt, was wirklich in dir vorgeht. Wenn ich gewusst hätte, dass du anders bist ...«
Da war es wieder. Dieses Wort, das sie mir schon damals an den Kopf geworfen hatte, als sie blind vor Wut meine Sachen aus dem Fenster direkt in den Vorgarten beförderte. Ich sah immer noch ihre Eltern mit hochrotem Kopf auf der Treppe stehen – wie versteinert, während ich versuchte, ihr alles zu erklären. Es war nie meine Absicht gewesen, ihr wehzutun. Ohne Peggy hätte ich mich vermutlich weiter verleugnet und Sharon sicher geheiratet. Wir sahen gut zusammen aus, sagten schon damals ihre stolzen Eltern. Obwohl ich mir sicher war, dass zumindest ihr Vater den Braten gerochen hatte. Ein Junge, der mit seiner Tochter nicht in ihrem Zimmer rummachte, wenn er zu Besuch war ... das kam ihm zu komisch vor.
»Es tut mir leid, wirklich sehr leid. Ich hoffe, du findest jemanden, der nicht anders ist«, beendete ich unser Gespräch und trat ins Krankenzimmer. Sobald ich sie hinter mir schloss, musste ich mich an sie lehnen und lauschte ihren Schritten.
»Sie wird darüber hinwegkommen.«
»Meinst du? Da wäre ich mir nicht so sicher.«
»Das gebrochene Herz einer Frau, mein Lieber. Komm her und lass dich anschauen.«
Ich trat an ihr Bett, damit Peggy mich in Augenschein nehmen konnte und erwiderte ihr Lächeln. Sharon rückte unweigerlich in den Hintergrund, als ich die Hand ihrer Tante zwischen meine nahm und mich neben sie auf den Stuhl neben ihrem Bett setzte. Ihre Wärme hatte mich damals schon immer mit Zuversicht erfüllt, dass alles besser wurde.
»Erzähl mir, was sich die letzten Jahre ereignet hat. Vor allem, wer der Grund dafür ist, dass du von Innen heraus strahlst.«
»Ich strahle nicht«, protestierte ich leise, begann aber meine Geschichte zu erzählen. Dabei betrachtete ich ihr Gesicht, das einige Falten mehr bekommen hatte. Sie sah trotzdem noch wunderschön aus. Wenn hier jemand etwas ausstrahlte, dann war es sie. Ihre Güte und innere Stärke konnte selbst der Krebs nicht in den Fußboden stampfen. Ich strich ihr eine braune Locke zurück hinters Ohr, als ich auf ihr Urteil wartete.
»Niemand hat gesagt, dass es leicht ist. Ich habe für dich gebetet, Steve, dass du es nicht so schwer haben würdest. Was Beziehungen angeht, hat es wenig geholfen, dafür hast du gute Freunde gefunden. Das ist ein Grund zur Freude.«
»Sie sind toll«, stimmte ich zu, »selbst, wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treiben. Ich möchte sie nicht missen.«
»Dazu sind Freunde für gewöhnlich da. Sie bereichern dein Leben auf gute und schlechte Art. Dieser James bedeutete dir auch eine Menge, ja?«
»Ja. Ich liebe ihn, obwohl wir uns noch nicht lange kennen. Ich bin ein Dummkopf, oder? Es ist noch viel zu früh dafür.«
Peggy tippte mir mit dem Finger an die Nase, was sie schon damals getan hatte, wenn ich ihrer Meinung nach dummes Zeug geredet hatte. Ich rieb mir über die Stelle und seufzte.
»Ich hab dich vermisst. Das hier, diese Gespräche. Du wusstest immer einen Rat.«
»Also, wenn du mich fragst, hast du dich bisher auch ohne meine Ratschläge gut durchs Leben geschlagen. Brauchst du denn einen?«
»Nicht wirklich, aber ...«, ich zuckte die Schultern, »glaubst du, James wird es auf Dauer mit mir und meinen Freunden aushalten? Er versteht sich nicht mit Tony. Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn sich die Lage zwischen ihnen zuspitzt. Wenn ... James ... geht.«
Dieser Gedanke war unerträglich. Ich wollte ihn besser kennenlernen und seine Pancakes im Bett essen, bis er mir eine Diät verordnete. Seine Arme um mich wissen, wenn ich einschlief. Es hatte sich bisher noch nie etwas so perfekt angefühlt.
»Gib ihnen und dir selbst Zeit. Mache dir nicht gleich wieder so viele Sorgen, weil Veränderungen anstehen. Sobald ihr euren Rhythmus gefunden habt, gibt sich alles von allein. Du musst nur offen und ehrlich zu ihnen sein.«
Und wenn ich einen von ihnen verletze ...
Dieser Gedanke musste mir vom Gesicht abzulesen sein, denn Peggy tippte mir erneut an die Nase, ehe sie sich ins Kissen zurücklehnte und leise seufzend die Augen schloss.
»Du kannst es nicht allen recht machen, Steve. Das habe ich dir schon so oft gesagt.«
»Ja, das hast du.«
Zwischen meinen Fingern verlor sich langsam ihr Griff, bis ich nur noch ihren Atem hörte. Ich hauchte ihr einen Kuss auf den Handrücken und verließ leise das Zimmer. An der Wand lehnte Sharon mit einem Kaffeebecher. Sie reichte mir wortlos einen Zweiten, bevor wir den Gang entlangschritten.
»Kann ich sie besuchen? Ich möchte ihr jemanden vorstellen.«
Peggy sollte Bucky kennenlernen. Nicht, weil sie mir sagen sollte, dass er der Richtige war. Sie sollte sicher sein, dass ihre Gebete wirklich etwas gebracht hatten. Ein Teil von mir wollte schon ihre Zustimmung, weil sie mich kannte. Niemand tat es besser als sie.
»Du musst mich nicht fragen, Steve. Bedeutet das, du hast jemanden?«
»J-ja.«
Was sie nicht wusste, weil ich Bucky bei unserem letzten Treffen noch gar nicht kannte. Sie mir sowieso nicht geglaubt hätte, dass es etwas Ernstes sein könnte.
»Wie lange schon?«
»Seit meinem Geburtstag. Da haben wir uns kennengelernt und ... na ja es hat sich so entwickelt.«
»Und es ist ein Mann, ja?«
»Ich werde mich nie wieder mit einer Frau verabreden, Sharon«, erklärte ich ihr, als wir in den Lift zum Erdgeschoss traten, »weil es nicht das ist, was will. Früher dachte ich es, aber jetzt nicht mehr. Wenn es dich glücklich macht, dann halte es in Ehren, dass du die einzige Frau für mich warst.«
Worte, die ich bereute, kaum dass ich sie ausgesprochen hatte. Sharon nippte stumm an ihrem Kaffee, statt mich anzugiften wie sie es immer tat. Ich hatte eine Grenze überschritten, die ich mir selbst gesetzt hatte. Ihr weiterhin wehzutun, war das Letzte, was ich wollte.
»Es tut mir leid, Steve. Ich gebe mir selbst die Schuld und lasse meine Launen an dir aus, dabei hast du nichts weiter getan, als dich selbst entdeckt. Es ist nicht fair von mir, dich dafür zu verurteilen. Tante Peggy wollte immer nur dein Glück. Ich sollte mir an ihr ein Beispiel nehmen.«
»D-danke.«
Was sollte ich davon halten? Ich wusste es nicht und selbst Sharon schwieg sich jetzt aus, bis wir uns am Ausgang trennten. Sie wollte nur noch wissen, ob ich sie benachrichtige, wenn ich Peggy mit meinem Freund besuchte. Sie würde dann nicht kommen. Dafür war ich ihr dankbar. Es war schon knifflig, Bucky und Tony unter einen Hut zu bringen, da brauchte ich keine Exfreundin dazu.


»Steve, es tut mir so leid.«
Natasha fiel mir um den Hals, als sie von Peggy erfuhr. Ich schwankte zwischen der Frage, ob sie mich als Clint-Ersatz benutzte und dem Hinnehmen ihres Benehmens hin und her. Fürs Erste tat es gut, dass es jemanden gab, der mich nicht nur mit Worten tröstete.
»Danke, Nat. Wie war dein Tag?«
»Wie du siehst, bekam ich die Lust, was zu verändern.«
Das war auch kaum zu übersehen. Wir standen buchstäblich im Chaos. Ihr Wohnzimmer bestand lediglich aus Kartons und mit Laken verhüllte Möbel. Zu allem Überfluss drückte sie mir einen Farbroller in die eine Hand und einen Overall in die andere.
»Umziehen, dann geht’s auch schon los.«
Deswegen hatte sie mich eingeladen. Ich schaute von den Sachen in meinen Händen in ihr unschuldiges Gesicht und zog fragend beide Augenbrauen hoch.
»Hast du am Telefon bewusst verschwiegen, was du hier machen willst?«
»Ich dachte mir, wenn er schon rüberkommt, kann er helfen. Keine Sorge, du darfst bei mir übernachten und ich bestelle nachher Pizza.«
Keine der beiden Aussichten klang verlockend, denn sie verdammten mich dazu, ihr Schlafkissen zu werden. Es wurde Zeit, dass Clint zurück nach New York kam.
»Hat sich Clint gemeldet«, wollte ich wissen, was sie mit einem kurzen Nein verneinte. Ich war in gleich zwei Tretminen gelaufen – großartig. Seufzend zog ich mir den Overall über und begann damit, diese komisch anmutende Farbe, die wirklich den Namen Aubergine trug, an die Wand zu pinseln. Natasha nahm sich derweil die andere Wand vor. Sie musste mindestens zwei Pizzen spendieren, das war klar.
Wir betrachteten unser Werk eine Weile, bis Natasha ihren Pinsel in einen Eimer warf. Sie sah weder zufrieden noch sauer aus, was bedeutete, dass wir diese Wand noch einmal streichen würden.
»Auf dem Beispiel sah es viel schöner aus.«
Hieß so viel wie: durchgefallen. Ich schälte mich aus dem Overall, während Nat am Telefon die Pizzen bestellte. Sie fragte gar nicht erst, was ich als Belag wollte, weil sie es eh wusste. Ich räumte unser Zeug in eine freie Ecke und schaute auf mein Handy, in der Hoffnung, eine Nachricht von Bucky zu sehen. Da war aber keine.
Hey, vermiss dich. War ein mieser Tag bei mir. Bei dir?
»Na? Wieder mit dem Schatz simsen?«
»Wieso nur, klingt das in meinen Ohren so schrecklich«, fragte ich, mich schüttelnd über ihre Ausdrucksweise.
»Weil es das ist? Pizza kommt in dreißig Minuten. Soll ich schon das Bett anwärmen?«
Ich schlief heute auf keinen Fall in dieser Wohnung. Ein Blick auf Uhr sagte mir allerdings, dass ich recht spät nach Hause käme, wenn ich mich nachher auf dem Weg machte. Wer das eine wollte, musste das andere mögen ... oder so.
»Nein, danke. Ich nehme nur die Pizza.«
»Spielverderber.«
Sie zeigte mir die Zunge, ich ihr dafür die Zähne. Wie ich bereits zu Peggy gesagt hatte, mochte ich Natasha, dass ich ihr sogar ihre Maleraktion fast verziehen hatte.

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