Whisper of the sea -Annie und Finnick

vor 7 Mon.
"Ja. Annie ist durchgedreht, als ihr Distriktpartner enthauptet wurde. Rannte allein los und versteckte sich. Doch bei dem Erdbeben brach ein Damm und der größte Teil der Arena wurde überflutet. Sie gewann, weil sie am besten schwimmen konnte." - Peeta zu Katniss in Gefährliche Liebe
Die Tribute von Panem Drama P12 Romanze In Arbeit

8. Schwarz und Weiß

Das Essen würde bald zum Abend serviert werden, doch niemand verließ den Abteil geschweige denn dachte daran es zu tun.
Unsere Mentoren waren immer noch nicht eingetroffen und wir würden immer noch auf sie warten müssen, ehe wir den Bahnhof verlassen konnten. Mase starrte immer noch raus, betrachtete den Seesturm, den Distrikt 4 bevorstand.
Wieder würde die Arbeit der Menschen ausfallen. Sie werden ihren Häusern verstecken müssen.
Was war mit Mom? Lag sie immer noch auf dem Justizplatz allein im Sturm. Frustiert und krank vor Sorge kickte ich den Sessel.
Nein, Annie man hat bestimmt versucht ihr zu helfen. Schließlich hat es jeder bemerkt. Sie sind nicht menschlos, versuchte es die eine Stimme.
-Aber sie haben ihr vor drei Jahren auch nicht geholfen. Nur ihr die Familie genommen, konterte die andere.
Was ist mit John, der es versprochen hat, hakte die Stimme nach.
-Was ist mit seinem Sohn gegen sie antreten werden muss, erwiderte die andere.

Und so ging es immer weiter ich vergrub meine Hände immer tiefer in das Haar und brüllte: "STOPP!"
Erst dann bemerkte ich, dass Mase sich endlich vom Fenster gelöst hatte und mich erschrocken anstarrte.
Ian, der inzwischen zu unserem Abteil zurückgekehrt war, nachdem er etliche Male die Arbeiter und Friedenswächtern im Zug nach Statusberichten gefragt hatte, hob vorsichtig seine Arme hoch. Die Handflächen waren nach außen gerichtet.
"Es reicht.", wimmerte ich leise und rieb mir fest die Schläfen, bis sie schmerzten.
Jemand setzte sich zu meinen Füßen und streckte vorsichtig den Arm aus. Als dieser meine Schulter berührte zuckte ich zurück und mein Herz schlug schneller. Angst.
"Ähm... Also alles ok bei dir?", fragte Mase stotternd.
Ich spürte förmlich wie er verzweifelt und hilflos aufschaute und nach Ian sah.
Sie halten dich für verrückt, stellte die eine Stimme fest.
Die andere Stimme lachte bloß gehässig auf.

"Ich bin nicht verrückt.", sagte ich schnippisch.
Mase sagte schnell: "Das hab ich auch nicht gemeint."
Er zog seinen Arm vorsichtig weg und sagte zu Ian: "Kriegen wir keinen Ärger, wenn wir zu spät ankommen werden? Ich mein wird Snow uns nicht bestrafen?"
Ian der vor einer Sekunde besorgt war lächelte düster, kam langsam auf uns zwei zu und setzte sich schließlich zu uns: "Geografisch gesehen sind wir zwar einer der Distrikten, die weit vom Kapitol entfernt liegen. Aber diese paar Stunden von Verspätung werden uns nicht beeinträchtigen. Sie haben keinerlei Bedeutung."
Mase der zu etwas anheben wollte, wurde von Ian's Zeigefinger unterbrochen: "Alle hier im Zug sind nicht wirklich scharf drauf irgendjemanden im Kapitol von der Verspätung eurer Mentoren zu erzählen."
Er grinste düster: "Sie würden sonst alle Arbeiter und Wächter in dem Zug hinrichten lassen. Und sie? Sie wissen es selbst auch. Und eine Hinrichtung wollen wir alle nicht, nicht wahr?"
Er lachte auf und grinste die Tür an: "Sie schicken schon seit Stunden falsche Berichte und haben unseren Navigator lahmgelegt, damit man unseren Standort nicht verfolgen kann. Glaubt mir wir werden pünktlich da sein. Diese treuen Arbeiter des stolzen Kapitols werden einfach mehr Gas geben müssen. Gemeinschaft? Von wegen. Solidarität? Als ob. Letzten Endens ist es die eigene Sicherheit, die Selbstsucht die uns spaltet."
Der Spott in seiner Stimme verwunderte mich. Hatte er gerade sein Volk und seine Heimat verspottet? Und warum klang er dabei so verbittert.
Ich starrte seine golden beschmückten Wangen an: "Würden sie dich nicht auch umbringen lassen?" Ich vermutete, dass er die Bedeutung hinter den Worten verstand. Die anderen tausend Fragen. Ist dir dein Volk nicht wichtig? Warum verspottest du sie?
Seine grauen Augen funkelten und seine schmächtige Gestalt wirkte nicht mehr so kleinlich: "Die sind mir allesamt egal. Ich sorge mich nicht um mein Kopf, eher um die eurer Mentoren."
Ich hob die Brauen, ein Betreuer, der sich wie einer von uns benahm. Und der sich nicht um die verwanzte Kabine zu sorgen schien. Wahrscheinlich manipulierten die Arbeiter alles nicht nur unsere Navigationssysteme.
"Keine Angst ich hab einen Anruf aus einem Krankenhaus mitbelauschen können. Eure Mentoren werden bald hier eintreffen. Und dann wird es mit unseren kleinen aufregenden Reise weitergehen.", murmelte unser Betreuer. Krankenhaus? Ich zerbrach mir nicht länger den Kopf darüber, dafür schockierten -nein- faszinierten mich seine Worte zu sehr.
Mase und ich starrte unseren Betreuer sprachlos an und er flüsterte einfach: "Was? Dachtet ihr alles wäre nur schwarz und weiß?"

Irgendwann war ich eingeschlafen.
Traumlos und schwebend befand ich mich im dunklen Fernsehabteil und hörte halb den Gesprächen zwischen Mase und Ian zu. Halbschlaf also.
Irgendwann wurden die Stimmen lauter besonders Ian's und dann summte es.
Dann waren es mehrere Stimmen. Inzwischen war ich schon wach geworden. Nicht ganz aber fast. Ich stöhnte leise, innerlich auf, drehte mich um und presste meine Ohren zu.
War niemandem hier etwas Schlaf vergönnt?
"Wach auf Annie! Deine Mentoren sind hier.", hörte ich Ian's Stimme zwischen all dem Geschwafel heraus. Mein betäubtes Gehirn nahm war, dass er besonders glücklich an.
Eine weibliche unbekannte Stimme ertönte und sagte was unverständliches. Sie klang stark, selbstsicher und sprach in kurzangebundener Sprache. Vermutlich stellte sie sich gerade vor.
Vermutlich war es Pollet die weibliche Mentorin in diesem Jahr.
Ich wollte nicht länger unhöflich sein... Meine Mutter hatte mich besser erzogen und ich war jetzt wach genug um aufzustehen.
Doch ehe ich mich umdrehen konnte, fragte die unbekannte Frau: "Was ist los mit ihr?"
Ich versteifte mich und wartete auf einer Antwort. Ian sprang ein und klang dabei überraschenderweise sehr sanft:" Sie... Sie ist erschüttert. Im Sinne von sehr stark erschüttert. Bisher wissen wir nicht warum genau, aber ich vermute sie wird es selbst erzählen. Poll, sie ist-", Ian konnte den Satz nicht beenden. Ich vermutete, dass Poll Pollet war.
Mir entging auch nicht der liebevolle Tonfall mit dem er ihr begegnete.
War das also der Grund gewesen warum er heute so besonders stark besorgt war?
"Dein Name ist also Mason Stuart?", hakte Pollet nach.
"Karriero?", hakte sie nach.
"Sieben Trainingsjahre. Stufe Rot hab ich letzten Monat erreicht.", erwiderte Mase. Stolz klang er nicht wirklich aber ich musste unwillkürlich das Zittern anfangen.
In Distrikt 4 trainierte man insgesamt 8 Jahre lang.
Im Alter von 10 Jahren fing man an und trainierte bis zum 18. Lebensalter.
Desto länger man trainierte, desto tödlicher wurde man.
Während des Trainings wurde man eingestuft. Es gab insgesamt vier Stufen, die einen erreichten die eine oder andere höhere Stufe während des Trainings viel schneller und wurden somit in die nächste Stufe befördert.
Das Training würde schwerer und intensiver werden.
Sobald man die letzte, die rote Stufe erreicht hatte, galt man als lebensbedrohlich.
Diese Stufe hatte Mase bereits mit 17 erreicht. Passierte oft im 17. oder 18. Lebensalter... Manchmal erreichten Schüler sie auch nie. Ein Schüler aus unserer Schule war eine Legende gewesen, da er die rote Stufe bereits mit 16 erreicht hatte.
Ich befand mich immer noch auf der Anfangsstufe, der grauen Stufe also.
Ich war nur 1 Jahr und drei Monaten in den Trainingshallen gewesen, ehe meine Geschwister gestorben waren und ich als Brotverdiener der Familie die Schule und das Training ausfallen lassen musste.
Ich besaß die Kenntnisse eines 11 Jährigen also und diese lernten nur das Sprinten und Springen.
Beides hatte ich nach Jahren verlernt.
Vorallem besaß ich die Leichtfüßigkeit eines Kindes nicht mehr und mir fehlten die nötigen Muskeln.
Ich bekam es mit der Angst vor Mase zu tun. Jemand der die rote Stufe erreicht hatte, war genauso tödlich wie die Arena selbst und ich teilte den Zug mit jener Person. Finnick Odair hatte sogar im 14 Lebensalter die rote Stufe erreicht. Er war nicht nur in seiner Schule eine Legende gewesen sondern auch in ganz Distrikt 4.
Eine tödliche Legende. Wir hatten alle in der Arena gesehen wie tödlich er gewesen war.
Plötzlich wurde mir die kalte Wahrheit vor die Augen geführt. Die rohe Gewalt mit der ich es bald zu tun hatte. Jagende und Gejagte. Jäger und Beutetiere. Tote und Überlebende.
Wie würde ich sterben? Wann würde ich sterben. Wird es Mase sein, der mich tötet? Ich betastete meine Brust und versuchte mit meinen Krallen mein Herz zu beruhigen.
Vergeblich. Mein Puls raste und mein Atem wurde flacher. Sie bemerkten es: "Annie? Annie Cresta?"
Es summte wieder und jemand trat rein. Die Stimmen verstummten.
Ich rappelte mich auf, wollte nach Luft schnappen und sah einen besorgten Ian neben der kleinen kurvigen Pollet, die ihre Hände in das feine, schwarze, kurze Haar vergrub.
Mase starrte mich schamlos erschrocken an und hinter ihm bewegt sich eine Person, die die gerade eben wieder zurückgekehrt war.
Ich sah hinunter und setzte mich wieder hin.
Benimm dich, Annie! Stell dich vor!
Ich atmete tief ein, mein Gehirn fühlte sich blank an. Der Abteil wurde schwach beleuchtet und eine leichte Brise wehte in dem Abteil... vermutlich von den Lüftungsystemen ausgehend. Ich sah direkt in das fremde Gesicht des Ankömmlings.

Mein Puls wurde langsamer und mein Atem beruhigte sich.

Meergrüne Augen betrachteten mich und schienen durch mich sehen zu können.
Ich wagte es nicht den Blick abzuwenden und starrte Finnick Odair gebannt an, der die breiten Arme nun verschränkte und die perfekte Braue anhob.
Ich schaute hin...
Der populärste Sieger der Hungerspiele sah mich ausdruckslos an und schien auf etwas zu warten. Warum ich ihn anstarrte? Seine Haltung, seine Austrahlung, die Art wie er mich einschüchterte und sein Aura, kam mir schrecklich bekannt vor. Etwas fast in Vergessenheit geratenes Ereignis.
Ich runzelte die Stirn seine Mimik und Gestik passte nicht zur seinen Augen.
Ich hätte schwören, dass er auch dem Zeitlosen verfiel. Aufeinmal wurde ich traurig, als meine scharfen Augen mal wieder mehr erfassten, als es Irgendjemanden lieb gewesen wäre.
Ich sah es...
Ich konnte den Blick von seine unnatürlich intensiven meergrünen Augen nicht abwenden. Augen die mich an meine geliebten Meere erinnerte und mich in ihren Bann zog und tief mit sich rissen. Ich musste unwillkürlich die Braue heben, sein attraktive Miene war wie in Stein gemeißelt, passte jedoch wirklich nicht zu seinen lebendigen tiefgründigen Augen.
Ich verstand...
Der Zug bewegte sich endlich.


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X

Nur um es klarzustellen. Ich hab nicht im geringsten vor eine Dreiecksbeziehung in meiner Geschichte darzustellen. Es mag in meinen Geschichten hin und wieder nach einer Entwicklung einer Liebesbeziehung zwischen meinen Charakteren klingen, aber um Himmels Willen, damit möchte ich nur eine Entfaltung von mehreren Charakteren oder eine besonders starke emotionale Beziehung darstellen. Ich habe nicht im geringsten vor eine Mason/Annie Schwachsinn hinzuklatschen oder eine Ian/Annie Liebesklatsch darzustellen. Glaubt mir jeder hat in meiner Geschichte seinen eigenen glücklichen Platz gefunden und ist viel mehr und wichtiger als "Finnick's Konkurrenz".


Alles Liebe

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