Memoiren eines Stubentigers

vor 7 Tagen
Der Kater Rossu erzählt uns seine emotionsgeladenen Kindheits- und Jugenderinnerungen, bis hin zu dem Tag, wo man ihn einfach gegen seinen Willen kastriert. Seine Welt bricht zusammen.
Fantasy - klassisch Allgemein P16 Drama In Arbeit

Untröstlich

Hierher hatte sie mich also geschleppt! Ich war gelähmt vor Entsetzen. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Jedes Mal wenn mich Celine in diese abscheuliche Transportbox steckte, stand mir wenig später Schlimmes bevor. Aber hatte ich denn eine andere Wahl, als mich meinem Schicksal zu fügen?
Ich hasste Autofahrten wie die Pest. Daran änderten auch die einfühlsamen, besänftigenden Worte Celines während der Fahrt nichts. Mir sträubten sich sämtliche Fellhaare und mir war speiübel. Als dieses bewegliche, verdammte Wohnzimmer auf vier Rädern endlich stehen blieb, atmete ich erleichtert auf. Jedoch das war noch nicht das Ende meines Horrortrips, oh nein! Wenig später stellte sich heraus, dass meine Befürchtungen fundiert waren. Denn als Celine die Tür der Tierarztpraxis öffnete, wusste ich gleich beim ersten Atemzug im Warteraum, was die Stunde geschlagen hatte. Keine Katze vergisst je wieder die Gerüche, die diesen Örtlichkeiten anhaften. Angst, Stress und Verzweiflung überkamen mich in meiner engen Box. Es gab keine Möglichkeit der Flucht, eingesperrt wie ich war. Ich miaute noch jämmerlicher als zuvor im Auto. Celine sprach mit sanfter Stimme beruhigend auf mich ein und streckte ihre Finger gefährlich nahe an das Gitter, hinter dem ich gefangen war. Ihre Schmeicheleien konnte sie sich sparen. Ich kochte vor Wut. Ohne auch nur das geringste Mitleid zu empfinden, schlug ich meine Krallen blitzschnell in ihren rechten Zeigefinger.
Der mächtigen Dogge neben mir ging es offensichtlich nicht besser. Sabbernd zitterte sie geradezu vor Unbehagen. Sie sah mich mit traurigen, resignierten Hundeaugen derart mitfühlend an, dass ich beinah vergaß, wie tief ich Hunde verabscheute. Nur den beiden Kanarienvögeln in ihrem Käfig schien nicht klar zu sein, was ihnen bevorstand, denn einer der Beiden trällerte unbekümmert seine Arien in die bedrückende Stille des hellen, modern eingerichteten Fegefeuers.
Nach einem knapp dreißigminütigen Martyrium in meiner unbequemen Kiste landete ich schließlich auf dem Behandlungstisch. Ich war dermaßen eingeschüchtert durch den professionellen Griff einer giftgrünen Gummihand, dass ich wehrlos alle unangenehmen Prozeduren geduldig über mich ergehen ließ. Celine sprach mit dem Arzt über meine Fettleibigkeit und nahm Anweisungen für die verordnete Diät entgegen. Auch das noch! Ich war entsetzt. Ich bekam doch eh nur Diätmahlzeiten…! Unter die künftig reduzierten Essensportionen sollte Frauchen Zucchinipüree mischen - wegen der scheinbar sättigenden Wirkung -, meinte der gefühlsarme Arzt. Zucchinipüree? Habe ich richtig gehört? Pfui Teufel! Nie und nimmer werde ich diesen Fraß zu mir nehmen.
Nach der schmerzhaften Impfung büxte ich lauthals protestierend aus und flüchtete unter den Schreibtisch, was mir aber nichts half, denn schnell schnappten mich die grünen Plastikhände wieder und fummelten noch an meinen Ohren herum. Dann durfte ich endlich wieder in mein sicheres Gefängnis zurück.

Auf der Heimfahrt war ich stinksauer. Ich beschloss, nie mehr einem Zweibeiner zu vertrauen. Celine redete und redete erklärend auf mich ein: Wie wichtig regelmäßige Arztbesuche seien, wie sehr sie an mir hinge und wie sehr sie sich um mein Wohlergehen sorge. - Worte, nichts als Worte!
Es mochte ja stimmen, dass ich meiner Fettpölsterchen wegen die Treppen nicht mehr wie früher schaffte und dass ich genaue Berechnungen über die Kraft in meinen Hinterbeinen anstellen musste, ehe ich auf meinen Lieblingsplatz, die Fensterbank, sprang. Dabei war ich kam zwei Jahre alt. Dass Blutdruck und Cholesterinwerte stark in die Höhe geschnellt waren, seit dem letzten Arztbesuch vor einem Jahr, war allein die Schuld meiner Zweibeiner und dieses verfluchten Tierarztes. Oh, …was gäbe ich dafür, könnte ich diesen Tag der Verstümmelung aus meinem Leben streichen! Ja, liebe Katzenfreunde, Sie lesen schon richtig! Sie haben mich damals meiner Männlichkeit beraubt, …kastriert! Einfach so! Und nun wollen sie meine Mahlzeiten reduzieren. Auch einfach so! Dabei ist der Auslöser dieser katastrophalen Werte mein durch die Kastration durcheinandergeratener Hormonhaushalt und die daraus resultierende Lustlosigkeit an körperlicher Betätigung und nicht meine Essensgewohnheiten. Wobei ich der Wahrheit halber ungeniert zugebe, dass gutes Essen eine Leidenschaft von mir ist. Was blieben einem kastrierten Kater denn noch für Freuden im Leben außer gutes Essen und ein paar Streicheleinheiten? Seit jener Zeit hasse ich verständlicherweise Tierarztpraxen.

Als sich die Gitterstäbe endlich auftaten, spazierte ich langsam und erhobenen Hauptes vorbei an Celine in die vertraute Freiheit meines Zuhauses. Ich würdigte sie keines auch noch so kleinen Blickes. Meine Beine waren eingeschlafen und taten weh, und meine Mundhöhle war ausgetrocknet von den zahlreichen, vergeblichen Hilferufen der vergangenen Stunde. Als allererstes steuerte ich meine Trinkschüssel an und trank gierig und ausgiebig, um den bitteren Geschmack der Angst und Verzweiflung loszuwerden. Mein ganzer Körper stank nach Arztpraxis und Gummihandschuhen. Erneut überkam mich Übelkeit. Celine sah mich mitleidig an. Sie bot mir sogar Essen an. Vielleicht dachte sie, sie könnte mich mit den paar Diätkroketten um den Finger wickeln und ich würde vergessen, was sie mir angetan hatte. Aber mir war der Appetit - vorerst - gründlich vergangen.
Ich war katzenmüde. Doch an Siesta war jetzt nicht zu denken. Zuerst musste ich mein stinkendes Fell gründlich von den ekelhaften Spuren des schrecklichen Morgen reinigen, dann erst konnte ich vielleicht wieder zur normalen Tagesordnung einer Katze übergehen. Für meine ausgedehnte Ganzkörpertoilette zog ich mich in mein Privatgemach, die Veranda, zurück. Der Schaukelstuhl mit der wohlvertrauten, kuscheligen Wolldecke war genau der richtige Platz dafür.
Celine hantierte geschäftig in der Küche herum. Sie hatte es eilig. Es war schon weit nach 12 Uhr. Yves, Celines Herrchen würde in Kürze mit zwei seiner Wanderkumpels zum Mittagessen erscheinen und sie hatte noch nicht einmal den Tisch gedeckt, geschweige denn gekocht. Das kam nun davon…, …ach was!
Gäste im Haus mochte ich normalerweise sehr gerne. Sie brachten Stimmung in das ruhige Rentnerdasein von Celine und Yves. Das Gute an Besuch war auch, dass ich manchmal einige Streicheleinheiten zusätzlich bekam. Denn kein Mensch konnte meiner Schönheit, Klugheit und Grazie widerstehen. Ich war der Mittelpunkt und die Zierde, um die sich im Hause Lacroix alles drehte. - Glauben Sie mir nicht? Ich schwöre!

Ganz langsam öffnete ich die Augen. Das kleine Nickerchen hatte mir gutgetan. Es war Abend geworden. Die Sonne stand schon ganz im Westen über den Baumwipfeln. Ich räkelte und streckte all meine Glieder sorgfältig. - Diese Übung haben die Yogis übrigens nicht den Hunden, sondern den Katzen abgeschaut -, behaupte ich. Sie nennen sie den >Sonnengruß<. Dann stand ich auf. Es war still im Haus. Wo die Beiden wohl wieder waren? Auf leisen Samtpfoten ging ich auf die Suche. Yves saß am Computer und sah sich die Fotos seiner morgendlichen Wandertour an. Ich schmiegte mich eng an seine Beine unter dem Schreibtisch, schlängelte mich zwischen ihnen schnurrend hindurch und miaute schließlich sanft. Yves kraulte mich liebevoll mit seinem großen Zeh an Kopf, Nacken und Hals, während er sich weiter mit seinem Lieblingsspielzeug, dem Laptop, beschäftigte. Plötzlich meinte er einladend mit beiden Händen auf seine Knie klopfend: „Komm Rossu, wir schauen uns ein paar Fotos von Dir an. Hast du Lust?“ Dieser Einladung folgte ich umgehend. Ich sprang auf seinen Schoß und starrte fasziniert auf den Bildschirm, wo sich ein Bild nach dem Anderen vor mir auftat. Ich war begeistert von mir selbst! Ich war noch schöner als ich dachte. Niedlich einerseits, frech verspielt andererseits, klug und erhaben präsentierte ich mich dem Betrachter. Die schönsten Klischees aber waren die Babyfotos.
„Toll, was? Schau mal da! Erinnerst du dich noch? Da warst du gerade einmal drei Monate alt, glaube ich. Du bist das erste Mal auf den Olivenbaum geklettert und hast dich dann nicht mehr runter getraut. Du hast verzweifelt um Hilfe gebettelt. Doch Celine wollte, dass du den Weg alleine meisterst, was du nach ewigem, gutem Zureden auch geschafft hast.“
Musste es sein, dass mir Yves genau diese unerfreuliche Szene unter die Nase rieb? Ich erinnerte mich nur zu gut daran, wie an so viele weitere erfreuliche und weniger erfreuliche Ereignisse in meinem Leben.
Plötzlich hatte ich eine wunderbare Idee. Sie würde meinem Leben eine neue Richtung geben. Zeit hatte ich mehr als genug. Wie wäre es wohl, wenn ich meine Geschichte niederschriebe? Mit meinen Pfoten in die Tastatur des Laptops hauen, stellt für mich überhaupt kein Problem dar. Im Gegenteil! Ich liebe das leise Klimpern, das beim Schreiben entsteht.
Yves sah auf die Uhr. Er unterbrach meine enthusiastischen Überlegungen. „Oh, es ist spät geworden! Wo wohl Celine wieder bleibt? Na Rossu, hast du Hunger? Wollen wir im Kühlschrank nachschauen, ob ich für dich die kleinen Stückchen Steak finde, die dir Celine aufgehoben hat?“ Mir lief sofort das Wasser im Munde zusammen. Den ganzen Tag hatte ich außer dem Frühstück noch nichts zu mir genommen.
Auch während ich die saftig-zarten Rinderfiletsteakstückchen langsam und genüsslich kaute, ging mir das eben geborene Projekt nicht aus dem Kopf. Unverzüglich nach dem Abendessen wollte ich damit beginnen, das erste Kapitel zu schreiben. Aber aus – unverzüglich - wurde dann doch nichts mehr, denn nach der leckeren Mahlzeit und der obligatorischen Toilette nach dem Essen überkam mich eine derart bleierne Müdigkeit, dass ich es gerade noch in mein behagliches Körbchen schaffte und sofort einschlief.

In der Nacht träumte ich, dass meine Geschichte ein großer internationaler Erfolg wurde. In allen Ländern der Erde konnte man mein Buch lesen, denn ich konnte in aller Bescheidenheit behaupten, dass ich polyglott war. Die Rasse der Menschlinge riss sich geradezu um mein Werk. Den Verlagen ging bald Papier und Druckertinte aus. Ich war über Nacht berühmt geworden. Die Presse stand Schlange vor dem Hause Lacroix. Meine Leibwächter hatten alle Hände voll zu tun, um die Paparazzos abzufangen, die mir überall auflauerten. Der arme Postbote brachte täglich haufenweise Geschenkpakete mit Kaviar, Gänseleberpasteten und viele andere Leckereien für mich. Als ich mich gerade über eine gebratene Entenbrust hermachen wollte, wachte ich auf. Es war mitten in der Nacht. Ich verspürte einen Löwenhunger. Schuld daran war wohl mein wunderbarer Traum.
Was ich in meinen Porzellanschüsselchen dann vorfand, hatte rein gar nichts mehr von einem Traum. Celine hatte wirklich die Ratschläge des Doktors befolgt und mir eine Pampe aus Zucchinipüree und ordinärem Diätkatzenfutter zusammengepanscht. Es sah scheußlich aus und roch auch scheußlich. Niemals würde ich davon essen, -niemals! Lieber würde ich an Hunger sterben. Enttäuscht und traurig ging ich zurück in mein Körbchen. Doch ich konnte vor lauter Kummer nicht mehr einschlafen. Die ganze Nacht lag ich wach und überlegte, was ich tun konnte, um mich an Celine zu rächen. Ich wollte ihre neue, weiße Ledercouch zerkratzen, ihr die Vorhänge herunterreißen, sie beißen, sie einfach ignorieren … Aber so eine boshafte Katze bin ich nicht. Also blieb mir nur eines vor meinem jämmerlichen Hungertod. - Sie wissen was ich meine? Vielleicht gehen ja manchmal Träume in Erfüllung. Seien Sie also bitte etwas geduldig. Mit leerem Magen mitten in der Nacht fängt man keine Autobiografie an.

Vorbildlich

Wie schon gesagt, ich bin jetzt zwei Jahre alt. Die Lebensuhr von Katzen tickt wesentlich anders, als die der Menschlinge. Das heißt, wäre ich ein Mensch, wäre ich schon..., wäre ich schon...? Verflixt! Ach, was weiß denn ich? Rechnen war noch nie meine Stärke. Dafür habe ich ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Meine ersten Kindheitserinnerungen gehen bis in die Zeit zurück, als ich gerade einmal drei Wochen alt war.
Jacqueline hatte einige befreundete Nachbarn zum Aperitif eingeladen. Aperitif heißt übersetzt gemeinsames (Be)trinken, erklärte mir Mama einmal. Unter den Gästen waren auch Celine und Yves Lacroix. Ich hatte bisher außer Jacqueline und Marie-Anne noch keine Zweibeiner der menschlichen Rasse zu Gesicht bekommen.
Jacqueline war eine alleinstehende, ältere Dame mit mausgrauem Kopffell. Sie und meine Mama Jolie bildeten seit einigen Jahren eine harmonische Wohngemeinschaft. Eine bessere Katzenfreundin als Jacqueline gab es kein zweites Mal, dessen war sich Mama seit jenem Tag, als Jacqueline sie vor dem sicheren Tod gerettet hatte, sicher. Ihr ganzes Wesen strahlte Gutmütigkeit aus. Nie in ihrem Leben hatte sie ein angetrautes Herrchen besessen. Sie hatte es nicht so mit Menschen. Dafür liebte sie umso mehr Tiere. Tiere seien einfach die besseren Menschen, meinte sie immer dann, wenn sie jemand auf ihr Junggesellinnenleben ansprach. Anschmiegsamkeit, Dankbarkeit und bedingungsloses Vertrauen für ein ganzes Leben, das waren Eigenschaften, die vielen Menschen fehlten, so ihre Worte. Dabei sah sie verstohlen zu Paul hin.
Paul, ein weiterer Gast in der Aperitifrunde war ein gutes Beispiel dafür. Meine Mama konnte ihn nicht leiden, seitdem er ihr einmal einen Pantoffel nachwarf, als er sie in seiner Werkstatt auf Mäusejagd ertappte, erzählte sie uns. Kein Weibchen hielt es lange bei ihm aus. Er war zwei Mal geschieden. Auch keine der vielen Beziehungen danach war von Dauer. Jacqueline war als junge Frau einmal unsterblich in ihn verliebt, wusste Mutter weiter. Doch Paul hatte es nicht einmal bemerkt. Er hatte immer nur Augen für andere langbeinige Dorfschönheiten, Hauptsache sie waren blond und üppig um die Brust herum. Alles Merkmale, die Jacqueline nicht besaß. Sie war nicht sehr groß, sportlich-burschikos und hatte nur mit einer Hühnerbrust aufzuwarten.

Meine zwei Geschwister und ich interessierten uns nicht für die fröhlich quatschenden Gäste Jacquelines, sowie die feinen Häppchen, deren Duft Mamas Nase kitzelte. Doch sie konnte sich vorerst nicht erheben, denn wir drei hingen hungrig an ihrer Brust.
Wir waren noch zu jung für feste Nahrung. Vorerst reichte uns die Milch aus den dick gefüllten Zitzen unserer hingebungsvollen, geduldigen Mama. Am Tag zuvor hatte sie uns eine halbtote Maus ins Wohnzimmer mitgebracht, um uns einen Vorgeschmack darauf zu geben, was später einmal eines unserer Hauptnahrungsmittel werden würde.
Genau diese Begebenheit schilderte Jacqueline gerade ihren Gästen in allen Einzelheiten. Wir lagen zusammen mit unserer Mutter Jolie in einer mit einer flauschigen Wolldecke ausgestatteten Weinkiste, von wo aus Mama die gutgelaunte Gesellschaft gut im Auge hatte. Marie-Anne, Jacquelines beste Freundin, die vor einem Jahr ihren Mann bei einem Unfall verloren hatte, stand plötzlich auf und kam zu uns. Celine folgte ihr interessiert. Marie-Anne nahm meinen Bruder und meine Schwester vorsichtig aus der Kiste. „Diese zwei süßen Babys hat Jacqueline mir versprochen!“ Sie setzte sich mit ihnen neben Yves. „Ich freue mich riesig auf sie. Sie werden es gut bei mir haben.“ Liebevoll streichelte sie die kleinen Knäuel in ihrem Schoss. Celine hatte nach mir gegriffen. Ängstlich zitterte ich in ihren unbeholfenen Händen. Jacqueline witterte sofort eine Gelegenheit auch mich an die Frau zu bringen. „Dieser kleine Tiger ist noch zu haben! Willst du ihn nicht zu dir nehmen. Er würde gut zu euch passen.“ Sie sah zuerst Celine, dann Yves bittend an.
„Wir haben doch gar keine Erfahrung mit Katzen“, wehrte Yves sofort ab. Er hatte nie Haustiere gewollt. Celine und er waren oft auf Reisen, deshalb haben sie immer auf Haustiere verzichtet.
„Aber Mäuse habt ihr, Yves! Erst letzte Woche hast du wieder Fallen im Keller aufgestellt, hast du mir erzählt. Damit wäre bald Schluss, wenn ihr euch eine Katze zulegt“, meinte Jacqueline zu Recht.
Celine war hin und weg von mir. Ich spürte gleich, -das war Liebe auf den ersten Blick. Sie redete zärtlich auf mich ein, während sie gleichzeitig mit den Fingern vor meinem Gesichtchen herumfuchtelte. Ich war nicht grösser als ihre Hand. Vor Unbehagen miaute ich lauthals nach meiner Mutter. Celine verstand und setzte mich vorsichtig ab. Sofort verkroch ich mich am wohlriechenden Busen meiner Mutter und nuckelte gierig an der dicksten Zitze, die sonst immer mein großer Bruder für sich in Anspruch nahm.
Celine kam ab da beinahe jeden Tag. Ihr Interesse galt nur mir. Langsam gewöhnte ich mich an sie. Yves wusste nichts von ihren Besuchen bei mir. Celine hatte am selben Abend nach Jacquelines Einladung zuhause noch eine fette Auseinandersetzung mit ihrem Gatten, denn sie redete nur noch von dem süßen Katzenbaby.
„Bitte, lass uns das Kätzchen adoptieren. Jacqueline weiß nicht wohin damit. Soll sie es denn einschläfern lassen?“ Doch Yves schien kein Erbarmen zu kennen.
„Warum hat sie die Katze nicht schon lang sterilisieren lassen? Dann hätte sie jetzt dieses Problem nicht. Wir können keine Katze brauchen. In zwei Wochen fliegen wir nach Indien, schon vergessen?“ Yves putzte sich wütend die Zähne. Doch Celine gab nicht nach.
„Die Katzen sind mindestens noch acht Wochen bei der Mutter, bis dahin sind wir längst aus dem Urlaub zurück. Außerdem, wer ist denn immer ganz aus dem Häuschen, wenn Jolie zu Besuch kommt? Wer sitzt mit ihr auf dem Schoss stundenlang am Computer und wer krault ihr den Rücken und verwöhnt sie nach Strich und Faden?“
„Das ist ganz was anderes! Jolie gehört mir nicht. Ich trage keine Verantwortung für sie. Schluss jetzt, ich gehe ins Bett!“ Celine war enttäuscht. So schnell würde sie aber nicht aufgeben. Langsam, ganz langsam und sachte würde sie ihren Willen durchsetzen, das wusste sie.

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aeffle 20. Jun 2017

Hallo wolkenloch,

ich bin es wieder. ;-)
Deine Überarbeitungen gefallen mir sehr gut, die sind wunderbar! Jetzt habe ich das Gefühl, dass alles in sich stimmig ist. Dazu fügen sich die Gespräche gut ein - irgendwie ergibt sich eines aus dem anderen und der Verlauf wirkt natürlich. Da hast du also etwas Tolles vollbracht! :-)

Kleine Kritikpunkte habe ich noch, denn mir sind ein paar sprachliche Sachen aufgefallen. Keine Sorge, nichts Großes, dafür schreibst du einfach zu gut. ;-) Ich glaube, das sind vor allem Flüchtigkeitsfehler.
Im ersten der beiden Kapitel hast du, ganz am Ende, das Wort "Gram" verwendet, meinst aber sicherlich "Kram". In der Zeile darunter hast du in einem Satz "und" geschrieben, wo es "uns" heißen müsste - das wird ein ganz klassischer Tippfehler sein. ;-)

Ein bisschen größere Sachen sind es im zweiten der Kapitel, der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat:
Dort beschreibst du die neugeborenen Kätzchen als drei Tigerchen, kurz darauf jedoch erwähnst du, dass eines nach Rossu kommt (also tatsächlich getigert ist?) und die anderen zwei schwarz-weiß gefleckt sind. ;-)
Außerdem sagt Rossu später zu Priska: "Du bist wegen Vertrauensbruch tierisch sauer...", da muss natürlich noch ein Artikel rein: "wegen des Vertrauensbruchs."

Abgesehen davon war deine Sprache, wie gewohnt, sehr gut und fehlerfrei, noch dazu einfach schön zu lesen. :-)
Ich freue mich, wenn es weitergeht! Jetzt wünsche ich dir aber erst einmal viel Spaß in deinem Urlaub - vielleicht bist du ja gerade schon dort?
Liebe Grüße
aeffle

wolkenloch 20. Jun 2017
Bonsoir aeffle, er freut mich riesig, wie tapfer Du hinter meiner Geschichte stehst und dass Dir nun die letzten Kapitel gut gefallen. Die Fehler werde ich natürlich gleich korrigieren, Dank Deiner Aufmerksamkeit. Jetzt geht es aber zuerst in den Urlaub. Trotzdem kann ich Dir aber verraten, dass ein neues Kapitel schon in Arbeit ist. Liebe Grüße und eine gute Nacht Wolkenloch
Gelöschter Kommentar
aeffle 09. Jun 2017

Hallo wolkenloch,

jetzt habe ich mich endlich einmal daran gesetzt, deine letzten Kapitel (noch einmal) zu lesen und mir Gedanken darüber zu machen.
Viel Stoff bieten sie ja - zum Beispiel auch das Thema der Kastration/Sterilisation von Katzen. Ich finde es schön, dass du das anschneidest und auch so ausführlich thematisierst. Ich weiß gar nicht, ob ich das so gut könnte, wie du. Meistens traue ich mich einfach an solche Themen nicht so richtig heran, aber hier gehört das natürlich dazu.
Dementsprechend gut fand ich auch die Kapitel, die du da geschrieben hast.
Da ich bei einer im Tierschutz aktiven Mutter aufgewachsen bin, fand ich Kastration von Katzen eigentlich immer sehr sinnvoll, in deinen Kapiteln jedoch hast du es geschafft, dass mir das Thema mehr wie ein Damoklesschwert vorkam, das nun auch über Rossu hängt. "Der Arme!", dachte ich da. Immerhin wird er einer wichtigen Chance beraubt, auch, wenn ihm als Kater Nachwuchs vermutlich nicht so wichtig sein kann, wie es bei Priska der Fall ist. Dass er dementsprechend auch etwas überfordert reagiert, als er kurz nach der Geburt seiner Halbgeschwister dazu kommt, ist verständlich und gut nachvollziehbar - ich finde aber, dass er das Ganze doch noch relativ positiv sieht. Vielleicht kannst du da tatsächlich noch etwas ausbauen? Ansonsten fand ich die Gespräche zwischen Jolie und Rossu gut. Er platzt zwar ziemlich schnell mit seinem Geständnis heraus, allerdings ist das nicht allzu verwunderlich - immerhin vertraut er seiner Mutter und hat eine sehr enge Bindung zu ihr.

Ich denke also, dass du an den Teilen nicht mehr so viel nacharbeiten musst, wie du geschrieben hast. Das letzte Kapitel mit Priska gibt aber, denke ich, noch viel mehr her. Da ist schließlich einiges zu bereden zwischen den beiden. Den Anfang finde ich super - wie Rossu um das Haus herumschleicht, wartet, bis Jean-Marc weg ist, das ist alles sehr glaubwürdig. Später dann ist er doch erstaunlich entschlossen, vielleicht kannst du ihn da doch noch etwas zögern lassen? Immerhin will er Priska ja irgendwie seine Liebe gestehen und sie auf ihre Vergangenheit ansprechen, was ein ganz schöner Brocken ist.

Etwas überrascht hat mich Priskas Reaktion auf Rossus Eröffnung, dass er von ihrer Vergangenheit weiß. Dass sie erst einmal schlucken muss und ihre aufgewühlten Emotionen irgendwie besänftigen, das finde ich sehr realistisch, auch ihre Frage danach. Dann jedoch wird es schwierig. Ich hätte irgendwie erwartet, dass sie - gerade mit ihrem Hintergrund - auch irgendwie wütend ist, dass Rossu die ganze Geschichte erfahren hat, dass sie sich vielleicht ein wenig in ihrem Vertrauen verletzt fühlt. Aber vielleicht führt das auch zu weit und in eine Richtung, die nicht zu dem passt, was du schreiben willst. Etwas sehr schnell enthüllt sie Rossu dann ja auch weitere Details ihrer Geschichte.
Ich denke, dass diese auf jeden Fall in das Kapitel gehören, denn sie sind wichtig, um Priska zu verstehen. Allerdings kannst du da vielleicht auch noch ein bisschen mehr ausbauen - Rossus Reaktionen zum Beispiel beschreiben oder wie Priska diese Dinge erzählt.

Ebenfalls etwas schnell geht mir der Teil, nachdem Rossu ausruft, dass er Priska liebt. Ich finde es gut, dass er etwas unbedacht damit herausplatzt, vielleicht könnte er dann aber auch etwas beschämt reagieren oder sich erschrecken, dass er das nun doch so impulsiv gesagt hat? Es wirkt nicht so, als hätte er den Satz in diesem Moment sagen wollen. Auch Priskas und Rossus Reaktionen direkt danach würden mich persönlich noch interessieren.

Ansonsten finde ich den Verlauf des Gesprächs jedoch sehr gut und schlüssig und am Ende war alles wieder wunderbar beschrieben. Da habe ich dann richtig mit Rossu mitgelitten. Mit dem letzten Satz hast du einen wunderschönen Abschluss geschafft.

Ich hoffe, dass ich dir hier nicht zu sehr herumgekrittelt habe - da du meintest, du bist selbst nicht so richtig zufrieden und möchtest gerne noch etwas überarbeiten, dachte ich, ich könnte dir vielleicht mit etwas konkreteren Punkten helfen. Ich habe versucht, so konstruktiv wie möglich zu sein und hoffe, das habe ich geschafft.
Demnächst verfalle ich dann beim Kommentieren sicherlich wieder mehr in den Fangirl-Modus. ;-)
Ich bin gespannt auf deine weiteren Kapitel und natürlich auch die Überarbeitung.
Liebe Grüße
aeffle

Gelöschte Antwort
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