Nebel der Nacht

vor 2 Mon.
Song und Karuah haben es geschafft. Sie haben den Rand der Nebel erreicht und alles scheint gut zu sein. Doch der Kampf gegen die Ninjas ist noch nicht gewonnen und ein neues Problem kommt auf sie zu. Werden sie es schaffen, dieses zu bewältigen? An der Seite von neuen und alten Freunden... Achtung! Fortsetzung der Fortsetzung *grins*: 1. Te..
Abenteuer Abenteuer P12 Fantasy In Arbeit

9. Überraschungsbesuch (Karuah)

Die Dunkelheit hatte ihren schweren Mantel um den Rand der Nebel gelegt, mein Zimmer war in vollkommene Finsternis getaucht.
Ein leichter Luftzug strich über die schweren Vorhänge und ließ sie im Wind flattern. Seltsam. Ich war mir sicher, dass ich das Fenster gestern Abend geschlossen hatte.
Schweren Herzens zog ich die Federdecke beiseite und streckte die Füße aus. Vorsichtig lief ich über die alten Dielen, ich wollte die anderen im Haus nicht stören.
Am Fenster angekommen, stütze ich mich auf den Rahmen und starrte hinaus. Ein Schatten lief um die Ecke, ein anderer verschwand hinter einer Mauer. Ich zuckte mit den Schultern, wahrscheinlich waren es nur Katzen oder ein nächtlicher Spaziergänger. Nachdem ich meinen Blick noch ein bisschen schweifen gelassen hatte, schloss ich das Fenster und machte mich auf den Rückweg. Plötzlich knarzte eine Diele ganz leise vor mir, für untrainierte Ohren wäre das Geräusch kaum hörbar gewesen. Da ich meine Augen in der Dunkelheit nun sowieso nicht gebrauchen könnte, schloss ich sie. Sogleich schienen meine anderen Sinne besser zu werden. Ich spürte das spröde Holz unter meinen Füßen, ich roch den Lavendelduft aus dem Kleiderschrank. Und meine Ohren vernahmen jedes Geräusch. Auch das leise Atmen vor mir. Jemand wollte nicht erkannt werden. Kein gutes Zeichen.
Ich rollte mich zur Seite und rannte zur anderen Wand. Dort lehnte mein Stock ... Sollte er zumindest. In Windeseile tastete ich an der rauen Wand entlang, Da war kein Stock. Panik stieg in mir auf, irgendwo hier musste er doch sein. Ich kniete mich nieder und tastete am Boden, vielleicht war er heruntergefallen.
Ach, wie wichtig war Licht doch für das menschliche Wesen?
"Suchst du das hier?", fragte eine heiserne Stimme, sie klang als würde jemand mit einem Schlüssel über eine Schultafel kratzen.
Innerlich stöhnte ich auf. Ninjas. Warum? Warum im Dunkeln? Warum hier? Warum???
Wenn ich mich nicht täuschte, dann befand sich die Tür auf der anderen Seite des Raumes, genau hinter dem Eindringling. Einfach durchrennen konnte ich nicht, das wäre ganz einfach Selbstmord.
Instinktiv rannte ich los und stieß dem Angreifer ein Knie in die Magengrube. Gleichzeitig verpasste ich ihm einen ordentlichen Kinnhaken. Ich griff nach meinem Stab, den der Ninja fallen gelassen hatte und stürmte zur Tür hinaus.
Hier auf dem Gang war ich wieder im Vorteil, Fackeln erhellten hier das Gebäude.
Ich musste die Anderen vorwarnen, doch wie? Wenn ich jetzt "Ninjas!" schrie, würden diese dann nicht schleunigst zusehen, dass das potenzielle Opfer sich nichtmal mehr den Schlaf aus den Augen reiben könnte?
Auch auf die Gefahr hin, ich musste etwas tun.
"Hilfe, Angreifer!" brüllte ich. Es war wirklich ein Brüllen. Meine Stimme hallte durch die Flure, es war als würde ihnen sogar ein Echo folgen.
Aus dem Augenwinkel sah ich einen Schatten, der mir hinterher lief. Also ich am Boden, er an der Wand. Dass sie immer so angeben mussten!
Als mein Verfolger merkte, das ich ihn ansah, verzog sich sein Gesicht. Es ähnelte einem Grinsen, falls man das überhaupt als etwas Positives sehen konnte. Naja, gleich würde ihm das Lachen vergehen, dafür würde ich sorgen. Ich sammelte meine ganze Energie und konzentrierte sie auf den Ninja, der nun sein Tempo verlangsamte.Es gab einen plötzlichen Ruck und Grüne Ranken schossen aus dem Boden, sie umschlangen seine Füße und krochen dann immer weiter hinauf, bis er schließlich vollständig gefesselt war. Während sich eine Abzweigung der der Schlingpflanze über dem Mund des Ninjas verschränkte, ertönte hinter mir ein kläglicher Applaus.
Ich drehte mich um. Song lehnte im nächsten Türrahmen und klatschte.
"Gut gemacht, kleine Waldelfe"
"Hör auf dumme Sprüche zu klopfen, wir haben Besseres zu tun", erwiderte ich, obwohl ich mich insgeheim darüber freute, als Waldelfe bezeichnet zu werden, warum auch immer,
"Was könnten die Ninjas hier wollen?"
"Ich als Ninja würde ... Hmm.. Vielleicht den Anführer der Feinde umbringen?"
"Mist, Maera!", ich stürmte auf den Platz vor unserer Unterkunft.
Mir gegenüber, etwa zweihundert Meter entfernt stand das Hauptgebäude, wo irgendwo zwischen Versammlungsräumen und anderen Zimmern auch die Unterkünfte von Maera und den Ältesten liegen müssten.
Schatten schlichen durch andere Schatten auf den Schatten hinter dem geöffneten Haupttor zu, andere Ninjas hockten auf den umliegenden Dächern. Ich sah keine Bewohner der Rand der Nebel, sie schliefen vermutlich noch.
Ich warf Song einen kurzen Blick zu, der nickte und seine Katanas zog. Ich lächelte ein kurzes "Wir-schaffen-das-Lächeln" und rannte los.
Wir brauchten keine Pläne, wir verstanden uns einfach so. Wir waren ein eingespieltes Team. Stolz stieg in mir auf, während ich daran dachte. Wir waren einfach unbesiegbar zusammen.
Ohne ein Wort zu sagen gingen wir um die Ecke des Hauptgebäudes und kletterten dort die Fassade hinauf. Auch wenn der wesentlich einfachere Weg auf den ersten Blick der war, der durch das Haupttor führte, hatte ich mich dagegen entschieden. Die Ninjas waren bestimmt nicht so dumm, und ließen den einfachsten Zugang unbewacht. Dort wäre man schneller tot gewesen, als man überhaupt "Eingangshalle" hätte sagen können.
Ich stieß das Fenster auf und sprang in den Raum dahinter. Schnell gewöhnten sich meine Augen an die Dunkelheit, ich erkannte einen zugemüllten Schreibtisch und viele vollgestopfte Regale, die die Wände verdeckten.
Es schien ein Büro zu sein, offensichtlich uninteressant. Kein Laut war zu hören, nur Song und ich befanden sich hier.
Bevor ich die Klinke hinunterdrückte, blickte ich wieder zu Song. Er drehte seine Katanas, ich sah diese Bewegung nicht zum ersten Mal bei ihm. Es war eine Art Konzentrationsübung, die er oft machte, wenn uns ein offensichtlicher Kampf bevorstand.
"Die machen wir fertig", grinste ich und stieß die Tür auf.
Es war ein furchtbares Gemetzel.
Nur der Gedanke, das man am nächsten Tag nichts mehr erkennen würde, machte es erträglicher. Ninjas hatten die angenehme Angelegenheit, sich einfach aufzulösen, wenn sie tot waren.
Nach einem weiteren stillen Kampf rannte ich um die nächste Ecke. Jetzt musste ich mich bei den Gemächern der Oberhäupter befinden. Gedanklich schüttelte ich mit dem Kopf. Nein, das klang seltsam. Als wäre der Rand der Nebel eine Monarchie oder ähnliches. Mit Herrschaftsformen kannte ich mich noch nie gut aus, doch einen Herrscher gab es hier bestimmt nicht.
In dem Gewirr von Schatten und Schemen brauchte ich eine Weile, bis ich einzelne Gestalten erkennen konnte. Es war, als hätten sich alle Ninjas hier versammelt.
Zwischen all den grauen und schwarzen Gestalten konnte ich Maera erahnen.
Zorn flammte in mir auf, genau der, den man brauchte, wenn man sich durch zahlenmäßig weit überlegene Massen kämpfen musste und am Ende lebend wieder herauskommen wollte.
Einige Minuten später standen Song und ich vor Maera, umringt von toten Ninjas.
Ich musterte die Anführerin der Rand der Nebel. Sie war blass und in dem schwachen Licht wirkte es, als wäre sie komplett aus Porzellan. Blaue Stellen zeichneten sich unter ihrer Haut ab, sie blutete aus einigen Wunden.
"Wir ... müssen die restlichen Ninjas besiegen, sie dürfen ... nicht entkommen", sagte Maera mit stockender Stimme, bei jedem Wort sah es so aus, als würde sie gleich zusammenbrechen.
Sie lief auf wackeligen Beinen los, ich registrierte nicht, was sie vorhatte. Warum war sie so fertig, was war passiert? Naja, klar. Sie war von Ninjas angegriffen worden, aber sah man danack wirklich so schlimm aus? Wenn ja ... Oh Gott, in was für erbärmlichen Zuständen hatte mich Song denn dann gesehen?
"Warten sie, sie können doch nicht einfach weitermachen. Sie sind doch vollkommen kaputt!", riss Song mich aus meinen Gedanken. Er hielt Maera am Arm und hielt sie davon ab, alle übrigen Ninjas zu erdrosseln. Die nötige Entschlossenheit hatte sie zumindest, stellte ich fest.
"Sie bleiben jetzt hier und ruhen sich aus. Meinentwegen können sie sich verstecken, aber Sie verlassen diesen Bereich jetzt nicht mehr. Dafür sind Sie viel zu schwach. Ich möchte Sie damit nicht verletzten, es geht um Ihr eigenes Wohl. Karuah und ich kümmern uns um die Ninjas, keine Sorge", sagte Song, ich hatte ihn noch nie so höflich gehört.
Maera musterte uns kurz, dann nickte sie kaum merklich. Sie drehte sich um und verschwand in ihr Zimmer.
Song seufzte, sein Gesicht blieb unergründlich.
"Komm, lass uns die anderen Biester suchen", sagte ich und lief den Gang wieder hinab, "vielleicht sind auf dem Platz noch welche."
Und so war es. Als wir unten ankamen, entdeckte ich sofort einige vereiste Statuen auf dem unregelmäßigen Kopfsteinpflaster.
"Ach, sieh an. Ava am Start", murmelte ich, während ich über einige umgefallene Kisten stieg. Einige Meter entfernt herschte ein großes Getümmel, die Ninjas schienen sich um Ava herum gedrängt zu haben, schloss ich.
Ich griff meinen Stab fester und mit einigen Feuerbällen machte ich mir den Weg zum Zentrum des Kampfes frei. Dort stand Ava, sie deckte Hikaro, der wie eine Statue dastand und sich konzentrierte. Was machte er da? Gab es nichts besseres zu tun, als den großen Denker zu spielen?
"Hey, helft mir mal Hikaro zu decken!", rief Ava, als sie mich entdeckte.
Ich nickte, doch als ich mich zu dem nächsten Ninja umdrehte, spürte ich einen seltsamen Druck. Instinktiv warf ich mich auf den Boden. Nicht eine Sekunde zu früh.
Eine gewaltige Wand aus Licht fegte über uns hinweg, nicht ein Ninja blieb unversehrt. Es war wie ein gewaltiger Wüstenwind, der ganze Landschaften verwüsten konnte.
Nachdem die Lichtwand verschwunden war, hob ich den Kopf und sah mich um. Die Gefahr schien vorüber, nicht ein Ninja stand mehr, sie schienen tot. Ich rappelte mich auf. Tagsüber war hier ein Markt, doch nun lag alles in Stücken. Die Kisten und Bretter hatte die Wand aus Licht einfach an die Seite geschoben, es erinnerte mich an Songs typische Aufräummethode. Er und Ava lagen ebenfalls am Boden, Hikaro strahlte stolz, er hatte sich immernoch nicht bewegt.
"Warst du das?", fragte ich nach einer Weile des Schweigens.
Ava nickte. "Er macht die coolsten Partybeleuchtungen, das haut jeden Ninja von den Socken!"

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