Concerto amabile

vor 5 Tagen
Sophie führt ein einsames Leben: kaum Freunde in der Schule, keine Partys und ganz andere Interessen, als "normale" 14jährige. Sie lebt für die Musik, spielt Klavier und möchte unbedingt Musik studieren. In ihre ehrgeizigen Pläne passen keine Schwärmereien für Jungs oder Dates, die nichts anderes als Herzschmerz und Ablenkung vom..
Liebe/Romantik Romanze P16 Allgemein In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

*1*

Oliver schnaubte verärgert und schaute zum fünften Mal auf seine Uhr. Es passte ihm so gar nicht in den Kram, dass er seinen Bruder zum Zahnarzt begleiten soll, da seine Mutter es doch nicht pünktlich schafft. Lucas galt als Großmeister der Ausreden und ist schon mehrmals zwischen Schule und Zahnarztpraxis „verlorengegangen“. Jetzt steht Oliver in der Schule und wartete, obwohl er schon längst zu Hause chillen könnte, da in der 10. Klasse heute die letzte Doppelstunde ausfiel. In solchen Momenten fand er seinen Bruder echt doof.

Endlich! Die Tür öffnete sich und einige aufgebrezelten Hühner kamen kichernd aus dem Klassenzimmer. Als sie Oliver sahen, blieben sie gleich neben der Tür stehen und schmachteten. Normalerweise tat das seinem Ego ganz gut, von der halben Schule bewundert zu werden, jetzt wollte er aber nur seinen Bruder abholen, ihn in die Zahnarztpraxis bugsieren und verschwinden, damit er vor dem Basketballtraining noch etwas abhängen kann. Sein bescheuerter Bruder war allerdings weiterhin verschollen. Eine hübsche Blondine verließ als eine der letzten den Klassenraum. Ihr Blick war vertieft in ihre Mappe, so konnte sie auch nicht sehen, als einer der Hühner heimtückisch und voller Absicht ihre Sporttasche Richtung Tür kickte. Es kam, wie vermutet: Das Mädchen stolperte über die Tasche und verlor ihr Gleichgewicht. Ihre Unterlagen verteilten sich über den kompletten Flur. Die blöden Tussis kicherten und die kleinste von den dreien zischte auch noch giftig: „Sophielein, Du solltest lieber die Augen offen halten, sonst stolperst Du schon wieder.“

Das Mädchen seufzte genervt, aber erwiderte nichts. Sie fing an, ihre Papiere einzusammeln. Da Lucas immer noch unauffindbar war, konnte Oliver das nicht tatenlos mit ansehen, wie sie hektisch ihre Papiere zusammensuchte. Ganz spurlos ist die Erziehung seiner Mutter doch nicht an ihm vorbeigegangen. Er sammelte die Blätter vor seinen Füßen auf und musste automatisch die Blätter etwas genauer anschauen. Es waren Noten. Eigentlich eher eine Partitur mit mehreren Instrumenten, sah wirklich aufwendig aus. Es war mit Bleistift notiert und er konnte die Spuren des Radierers deutlich erkennen. Wer schreibt noch Noten mit der Hand? Es stand kein Komponist dabei. Er lief auf das Mädchen zu und reichte ihre die Blätter: „Hier sind auch noch welche!“ Das Mädchen murmelte ein unsicheres „Danke“ und blickte ihm beschämt in die Augen. Oliver erstarrte. Die tiefblauen Augen, lange Wimpern und zartrosa Lippen waren wunderschön, trotz der Traurigkeit, die sie ausstrahlte. Es war offensichtlich, dass sie nicht das erste Mal so etwas erleben musste. Sie sammelte die restlichen Blätter ein und verschwand Richtung Ausgang. Er konnte nicht anders, als ihr hinterher zu starren. Ein amüsiertes Hüsteln unterbrach ihn: „Vergiss es, das schafft nicht mal dein Charme.“
„Wie bitte?“ fragte Oliver irritiert und blickte in das schadenfreudig grinsendes Gesicht seines kleinen Bruders.
„Sophie ist ein Freak. Sie lebt gar nicht auf dieser Welt. Ich warte auf den Augenblick, dass sie sich vor unseren staunenden Augen in eine Partitur verwandelt.“
„Hm. Unterschätze mal meinen Charme nicht" grinste Oliver siegesgewiss.

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Gelöschter Kommentar
Gelöschter Kommentar
Jessi87 20. Mar 2017

Ach wie niedlich die beiden Brüder doch sind. :D
Hoffentlich haben sie beide bei ihrer Flamme eine Chance.

LG