Half way there

vor 14 Tagen
Es funktionierte. Es funktionierte für die beiden, in diesem kleinen Mikrokosmos, den sie sich geschaffen hatten. Und sie waren mehr als nur glücklich. Doch was, wenn die Realität die beiden einholte? Konnten sie so stark sein, wie sie es mussten? Oder würde unter dem Druck von Band, Fans und Familie alles zerstört werden?
The Vamps Romanze P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: Was bisher geschah: Tori und Connor waren „Half way there“. Nach ihrem gemeinsamen Urlaub schien alles nur noch bergauf zu gehen. Sie waren zusammen, schafften alle Widrigkeiten, die sich ihnen in den Weg stellten. Auch die Tourzeiten überstanden die Beiden irgendwie. Und die Zeit, die sie gemeinsam verbringen konnten, nutzten sie umso besser aus. Gerade noch feierten sie ihr sechsmonatiges Jubiläum in ihrem geliebten Cottage, doch die nächste Tour klopfte schon an die Tür und Connor musste gehen. An seinem Geburtstag dann war das Drama groß: Ein betrunkener, übereilter Heiratsantrag, eine verzweifelte Victoria und eine Entfernung, die die beiden gerade echt nicht brauchen konnten. Aber wenn man es im Nachhinein betrachtete, konnte es ab jetzt ja nur noch besser werden, oder? 

+ Kapitel 18: Let me share the burden +

Mai 2019

‚Was siehst du gerade?‘ (Ich, 23:23)
‚Die gelangweilte Nachricht meines Freundes, der mich fragt, was ich gerade sehe‘ (Victoria, 23:25)

Kopfschüttelnd betrachtete ich den Anfang unseres Gespräches. Victoria war anscheinend doch wach. Sie machte sich wohl gerade fertig, packte ihre Tasche oder war schon längst in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Ich hatte die derzeitige Zeitzone leider nicht ganz so genau im Kopf. Aber da sie antwortete, musste es bei ihr wohl nach 6 Uhr in der Früh sein.
‚Und ich muss gleich wieder Schluss machen. Aber was siehst du gerade?‘, wollte Tori dann doch von mir wissen und ich schmunzelte, sah mich um. Tris und Brad hockten mal wieder beieinander und tuschelten oder was auch immer sie da gerade taten. Und James unterhielt sich angeregt mit irgendeiner weiblichen Person, die ich nicht kannte.
‚Das übliche Chaos‘, antwortete ich also und wusste genau, dass Victoria sich etwas darunter vorstellen konnte. Sie kannte die Jungs mittlerweile. Sie kannte mich.
‚Dann husch, husch. Mach mit und hab Spaß. Ich schreib dir später wieder, meine Schicht beginnt‘, erwiderte sie nur und ich nickte, antwortete aber nicht sofort. Sie würden es jetzt eh nicht mehr lesen.
Ich steckte mein Handy wieder weg und schaute auf, eine junge Dame hatte sich zu mir gesetzt und hatte wahrscheinlich schon länger versucht, meine Aufmerksamkeit zu erlangen.
„Lust zu tanzen?“, fragte sie ein wenig zu verzweifelt und ich seufzte leise.
„Nein, tut mir leid“, lächelte ich sie dennoch freundlich an und die junge Frau sah mich kurz verwirrt an, bevor sie sich wieder aus dem Staub machte.
„Die war heiß“, hörte ich Brad nahe an meinem Ohr sagen und ich zuckte erschrocken zusammen.
„Dann schnapp du sie dir doch“, erwiderte ich aber nur und drehte mich zu ihm um.
„Wen soll Brad sich schnappen?“, grätschte dann Tristan rein und Brad verdrehte die Augen, ich musste einfach nur schmunzeln. Die beiden waren einfach viel zu gut zusammen.
„Dich. Ihr solltet endlich mal tanzen gehen, Brad zappelt so herum“, antwortete ich daher und Tristan sah mich erst musternd an, aber im nächsten Moment hatte er Brad von seinem Sitzplatz gezogen. Weg waren die beiden. Und ich hoffe, sie hatten Spaß.
„Du liebst Victoria ziemlich, hm?“, mischte sich dann auch James ein, dessen Gesprächspartnerin auch wieder verschwunden war, und ich konnte nur anfangen zu lächeln.
„Viel zu sehr. Wahrscheinlich mehr als gut für mich ist“, antwortete ich nur und James lächelte zurück.
„Es ist schön, dich so glücklich zu sehen. Und macht es dir was aus, wenn ich tanzen geh? Oder soll ich lieber hierbleiben?“, wollte er dann wissen und ich sah aus dem Augenwinkel, wie seine Gesprächspartnerin von eben wieder zu uns stieß.
„Geh nur“, erwiderte ich aber nur und stand dann auf. „Ich hau ab, bis morgen früh und viel Spaß noch!“, setzte ich noch schnell hinzu und streckte mich.
Ich wusste gar nicht, wieso wir schon wieder in einem dieser Clubs hier gelandet waren. Wir hatten heute frei gehabt und irgendwie war Tristan der Meinung gewesen, dass wir uns etwas amüsieren sollten, aber irgendwann reichte es auch wieder. Ich hatte mich für heute genug amüsiert. Und morgen war das nächste Konzert.
‚Macht nicht mehr zu lange!‘, schrieb ich schnell in die gemeinsame WhatsApp-Gruppe von Brad, James, Tristan und mir, bevor ich mich wirklich auf den Weg machte.

‚Können wir bitte skypen? Sobald wie möglich?‘ (Victoria, 22:36)
‚Tut mir leid, ich war bis eben auf der Bühne und in der Halle gewesen. Ich bin jetzt im Hotel, ich ruf dich gleich an, ja?‘ (Ich, 23:47)

Es war spätabends, als ich in mein Hotelzimmer kam. Ich hatte Gott sei Dank mal wieder ein eigenes Zimmer und ein wenig Ruhe von allen anderen zu haben, war immer ganz angenehm – so gerne ich die Jungs auch hatte. Aber der gestrige freie Tag, der für mich so kurze Clubbesuch und das permanente Zusammensein mit den anderen brachte mich auch manchmal an den Rand meiner Nerven.
Ungeduldig fuhr ich meinen Laptop hoch. Ich hatte Victoria eben geschrieben, dass ich jetzt Zeit hatte, sodass ich jetzt darauf wartete, sie endlich sehen zu können. Wir hatten viel zu lange nicht mehr geskyped und so schön es auch war, die Nachrichten und Telefonate zu haben, sie sehen zu können tat mir gut. Allgemein ihre Aufmerksamkeit zu haben war im Moment alles, was ich brauchte. Und die Gewissheit, dass es trotz der momentanen Entfernung mit uns klappen würde, dass sie sich nicht von mir abwendete und dass sie mich wirklich liebte.
Als der Laptop schlussendlich an war und ich Skype gestartet hatte, fing ich erst an, meine Jacke auszuziehen. Und dann sah ich sie endlich. Meine Victoria, eingewickelt in ihre Decke und mit … traurigen Augen?
„Hast du geweint?“, fragte ich perplex und sah nochmal genauer hin. Das Licht war schlecht, aber sie sah nicht gut aus. „Was ist los?“ Und Tori? Die saß einfach nur da und fing an zu weinen und zu schluchzen. „Man Victoria! Sag mir, was passiert ist!“, forderte ich dann und wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Sie redete nicht mit mir, sie zeigte keinerlei Regung und sie redete einfach nicht. Und so eine Situation hatte ich noch nie erlebt. Also redete ich. Um die Stille zu füllen und irgendetwas zu Tori zu sagen, was sie aus ihrer Starrte holte. In meinem Kopf gingen nur die skurrilsten Fragen umher: War irgendetwas mit ihrer Familie passiert? Mit einem ihrer Freunde? War irgendwer gestorben? Musste ich mir richtige Sorgen um sie machen?
Ich wusste nicht, wie lange ich auf sie einredete, bis irgendwann mein Handy vibrierte. Victorias Name starrte mir entgegen, sie hatte mir eine WhatsApp-Nachricht geschickt. Besser gesagt ein Foto, das ich mir auch sofort anschauen wollte. Ich rechnete mit einer Todesanzeige, einem Zeitungsartikel oder sonst es etwas. Als es dann aber endlich geladen hatte – das Wlan war hier nicht das Beste – und ich es mir angeschaut hatte, ließ ich mein Handy los. Einfach so. Es fiel einfach auf die Bettdecke, das Bild schrie mir aber immer noch entgegen und ich wusste absolut nicht, was ich damit anfangen sollte.
„Das… sag mir, dass das nicht dein Ernst ist?“, hörte ich mich selbst sagen und hätte mich im nächsten Moment für eben diese Frage ohrfeigen können. „Nein, ich meine…“, wollte ich sofort zurückrudern, aber das war schon längst zu spät. Victoria hatte den Anruf beendet, sie verschwand von meinem Bildschirm und ich war komplett alleine. Ohne sie und mit diesem verdammten Bild, das einfach nicht in meinem Kopf wollte.
Wie in Trance versuchte ich sie erneut anzurufen. Sowohl bei Skype als auch übers Handy. Ich schrieb ihr, schaute dieses Bild an, rief sie wieder an und schrieb ihr erneut.
„FUCK!“, schrie ich und fuhr mir zum tausendsten Mal durch meine Haare. Anrufen. Schreiben. Auf und ab laufen. Die Haare raufen. Und so langsam immer panischer werden.
„Connor? Ist alles okay?“, hörte ich eine Stimme durch die Tür schallen und ich griff kurz nach dem Griff, um sie zu öffnen.
„Victoria geht nicht mehr ans Handy“, erwiderte ich, während ich im nächsten Moment in meine Schuhe schlüpfte.
„Habt ihr euch gestritten?“, wollte Brad wissen, der immer noch in der Tür stand, und ich schnaubte.
„Ja…, nein…, ja? Ach was weiß ich?“, murmelte ich nur, während ich erneut ihre Nummer wählte. Sie drückte mich wieder weg. „FUCK! Wenn sie gleich nicht ab nimmt, dann ist mir alles egal“, fauchte ich und schlüpfte in meine Jacke.
„Was ist dir egal?“, fragte Brad weiter, den ich mit dieser Aufmachung total irritierte, aber das war mir vollkommen egal.
„Dann fahr ich zu ihr“, meinte ich abgelenkt, während ich Victoria ein weiteres Mal anrief. Und natürlich drückte sie mich wieder weg.
„Du kannst nicht einfach zu ihr fahren!“, stellte Brad fest und ich sah ihn an.
„Weißt du, wie egal mir das gerade ist? Ich hab echt andere Probleme. Fuck! … Ich brauch frische Luft“, sagte ich dann und drückte mich an meinem Bandkollegen vorbei. Ich musste hier raus. Ich hatte gerade echt keine Nerven dafür, mich mit jemand anderem als meinen Problemen rumzuschlagen. Und da drinnen schienen mich die Wände zu erdrücken.
Nachdem ich das Hotelgebäude verlassen hatte, wählte ich ein letztes Mal Toris Nummer. Sie wurde immer schneller darin, mich wegzudrücken.
‚Victoria, wenn du nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten abnimmst oder irgendetwas schreibst, dann setz ich mich in den nächsten Flieger‘, schrieb ich ihr und hoffte wirklich, dass ich damit irgendetwas erreichen konnte.
‚Würdest du nicht‘, bekam ich nach einigen Minuten zurück und schnaubte nur, während ich immer weiter in den kleinen Park ging, der neben dem Hotel war, und mich irgendwann unter einem der großen Bäume an den Stamm fallen ließ.
‚Glaub mir, wie ich das gerade würde‘, schrieb ich und versuchte sie dann doch noch ein weiteres Mal anzurufen. Und sie drückte mich nicht sofort weg, sondern hob tatsächlich ab.
„Du kannst nicht herkommen“, meinte Victoria mit gebrochener und verweinter Stimme und ich schluckte. Zum Teil war ich daran schuld, dass sie so klang.
„Und wieso nicht? Du brauchst mich doch“, erwiderte ich und wusste überhaupt nicht, was ich da überhaupt alles sagte.
„Was?“, fragte sie dann und ich schnaubte.
„Was, was?“, erwiderte ich nur und legte meinen Kopf zurück, an den Baumstamm, und schloss die Augen.
„Du willst herkommen, weil ich dich brauche?“, erklärte sie sich und ich schnaubte erneut.
„Ich weiß es doch auch nicht. … Es tut mir leid, Victoria. Meine Reaktion war… ich hab mich selten so sehr wie ein Arschloch aufgeführt“, meinte ich dann und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass das, was ich sagte, wirklich richtig war. Dass ich das Richtige machte. „Wie lange weißt du das?“, fragte ich dann weiter und ich merkte, wie sie zittrig einatmete. Sie atmete schwer.
„Gestern nachmittag“, erwiderte sie dann und ich schluckte, fuhr mir über mein Gesicht.
„Es tut mir so leid“, meinte ich dann, als ich realisiert hatte, dass es ihr nicht besser gegangen sein musste als mir. Sie war alleine. Sie hatte alles alleine erfahren und dann war ich so idiotisch, sie so anzufahren und…
„Was tut dir leid? Dich überhaupt auf mich eingelassen zu haben, mich getroffen zu haben oder…“, fragte sie nur zynisch und ich stoppte sie sofort, wollte nicht, dass sie weiter so einen Schwachsinn redete.
„Was? Nein! Dass ich so ne Scheiße von mir gegeben habe, dass ich nicht bei dir sein kann, dass du da gerade alleine durch musst und ich dir nur noch weiter das Leben schwer mache. Aber ich… ich bin überfordert“, versuchte ich alles richtig zu stellen, aber ich wusste überhaupt nicht mehr, was ich überhaupt sagen sollte. Dieses eine kleine Bild, das hatte alles verändert.
Und dann schwiegen wir. Victoria atmete immer noch schwer, wurde aber immer ruhiger und ruhiger.
„Ich… ich schaff das schon alleine und … und das wird alles und…“, fing sie dann irgendwann wieder an zu reden und ich stutzte, brauchte ein paar Sekunden, um das alles zu realisieren.
„Moment mal, wovon redest du gerade?“, meinte ich verwirrt, wusste dann aber, worauf sie hinaus wollte. „Halt! Warte mal, du denkst doch jetzt gerade echt nicht daran… Victoria!“, meinte ich und wollte ihr doch gerade einfach nur gegenüber sitzen.
„Aber das ist es doch, was du denkst“, erwiderte sie und ich wusste absolut nichts mehr.
„Was? Nein! Denk das niemals!“, meinte ich scharf, dann wurde meine Stimme aber sanfter. „Victoria! Versprich mir, hörst du, versprich mir, dass du nichts tust, was euch beide in Gefahr bringt!“, redete ich mit Nachdruck auf sie ein. „Versprich mir das, Tori!“
„Ich… ich versprech es dir“, hauchte sie und ich atmete tief durch. Immerhin.
„Und verzeih mir bitte alles, was ich im Schock eben gesagt habe. Ich wusste mir einfach nicht zu helfen“, setzte ich leise hinzu und war gerade so froh, dass ich Victoria das alles sagen konnte und dass sie mir zuhörte.
„Ich mir doch auch nicht“, antwortete sie. „Was mach ich denn jetzt?“
„Was machen wir denn jetzt“, korrigierte ich sie sofort.
„Ich muss dich da nicht mit reinziehen…“, fing sie dann wieder an und ich konnte einfach nicht mehr, wusste nicht, wie ich mich wieder einkriegen sollte.
„VICTORIA!“, meinte ich somit lauter und fuhr mir übers Gesicht. „Ich liebe dich, verdammt nochmal. Denkst du wirklich, ich würde dich bei was auch immer es auch sein mag, alleine lassen?“
„Aber… ich bin schwanger“, sagte sie und legte so viel Gewichtung in das letzte Wort, dass es mir tausendfach eiskalt den Rücken runter lief. Es nochmal so laut zu hören machte es so viel realer.
„Ja und?“, erwiderte ich und schüttelte den Kopf. „Also nicht ‚Ja und‘, ich meine… Ach Fuck!“, fluchte ich und konnte nicht aufhören, mir durch meine Haare zu fahren. „Wir sollten drüber schlafen.“
„Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Und ich muss gleich zur Uni…“
„Es tut mir leid…“, murmelte ich und wusste einfach nicht, was ich tun sollte. Am besten wäre es, wenn ich bei ihr wäre. Aber das war nicht möglich.
Und irgendwann, irgendwann saßen wir da und schwiegen vor uns hin. Wir hatten nichts mehr zu sagen. Versuchten das alles in unsere Köpfe zu kriegen, auch wenn ich nicht wusste, wie das funktionieren sollte. Ich war überfordert. Ich war müde. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte.
Und irgendwann, da hatten wir aufgelegt. Sie musste los, sie musste sich fertig machen. Und ich wollte ihr helfen, konnte aber nicht.
Mein Handy lag in meinen Händen, der WhatsApp-Chat geöffnet, das Bild von ihr vergrößert und ich starrte es einfach nur an. Ich war mir sicher, dass es sich mittlerweile in mein Gedächtnis eingebrannt haben musste. Nicht mehr löschbar. Nie wieder.
Victoria hatte dieses Ultraschallbild abfotografiert. Ihre Hand hatte etwas gezittert, es war nicht scharf, aber es war klar, was es darstellen sollte.
Victoria war schwanger. Dieses kleine Etwas da auf diesem Bild, was so unfassbar winzig erschien, wuchs da in ihrem Bauch heran. Ein kleiner Mensch. Eine Tochter oder ein Sohn. Ein Lebewesen. Mein Kind. Und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.

‚Verzeih mir, Victoria. Bitte verzeih mir!‘ (Ich, 4:03)

Ich hatte mich gestern Abend spät zurück in mein Hotelzimmer geschleppt und die meiste Zeit der Nacht dagelegen und nachgedacht. Das Bild angestarrt. Alle Bilder von Victoria und mir angestarrt. Ich hatte nachgedacht. Versucht, es zu begreifen. Ich hatte Pläne geschmiedet. Vage Ideen. Irgendetwas, um das greifbarer zu machen, denn so ein Bild war zwar aussagekräftig, aber es war immer noch nur ein Bild.
Ich hatte Angst.
„Du siehst richtig fertig aus, nicht gut geschlafen?“, fragte Tris mich am Frühstückstisch und ich schnaubte nur, schüttelte den Kopf, während ich mir die erste Tasse Kaffee einverleibte. Es würden wahrscheinlich noch viele folgen heute.
„Gar nicht geschlafen“, erwiderte ich und starrte auf mein Essen. Ich hatte absolut keinen Hunger, versuchte aber trotzdem in kürzester Zeit das Essen hinunterzuschlingen. Ich wollte hier raus. „Wann ist Soundcheck?“, fragte ich dann und schaute auf meine Uhr, als ich die Antwort bekam. Zu wenig Zeit. „Ich muss telefonieren, bis später“, meinte ich dann noch und kippte den Rest Kaffee runter, bevor ich aufstand und im Laufen die Nummer wählte, die ich nie wieder vergessen würde, und mich auf in mein Zimmer machte. Ich hatte keine Zeit, mich mit den Fragen der Jungs rumzuschlagen. Ich musste nochmal mit Victoria reden.
„Hey Connor“, begrüßte sie mich leise und ich war so froh, dass sie sofort abnahm und mich nicht wieder von sich schob.
„Wie geht’s dir?“, fragte ich sie, weil sie immer noch so traurig klang wie gestern. Immer noch so verweint und verzweifelt.
„Frag mich was anderes“, erwiderte sie auch nur und ich seufzte, während ich meine Zimmertür hinter mir zuschlug.
„Es tut mir leid, Victoria. Alles gestern. Ich war so ein riesiger Idiot und ich weiß nicht, wie ich das jemals wieder gut machen soll. Und wenn du mich brauchst, dann komm ich zu dir, hast du das verstanden?“, redete ich auf sie ein und wollte irgendetwas sagen, um ihren Schmerz weg zu machen. Aber ich wusste nicht wie.
„Ich weiß nicht, wie wir das schaffen sollen“, erwiderte sie aber nur und ich schloss die Augen, atmete tief durch.
„Ich auch noch nicht. Aber wir kriegen das hin“, meinte ich sofort und Tori schwieg ein paar Sekunden.
„Wir kriegen das hin…“, murmelte sie dann leise, ungläubig. „Meinst du das ernst? Meinst du wirklich, dass das so sein muss? Verdammt, das könnte alles ruinieren“, sagte sie dann noch und ich musste mich wirklich dazu bringen, ruhig zu bleiben. Sie nicht wieder anzufahren.
„Was soll es denn bitte ruinieren?“, fragte ich daher und fuhr mir über meine Augen. Ich war zu müde, um so etwas vernünftig besprechen zu können. Und ich wollte ihr gegenüberstehen und sie in den Arm nehmen können.
„Alles? Verdammt Connor, du bist 23. Mit 23 hat man andere Pläne, als Vater zu werden“, fing sie an und ich schnaubte nur.
„Du bist nur drei Jahre älter als ich. So ein großer Unterschied ist das auch nicht. Und versuchst du mir gerade dieses verdammte Kind auszureden?“, erwiderte ich perplex. Sie seufzte nur.
„Ich hab nicht gesagt, dass ich nicht auch andere Pläne hätte, als mit 26…“, fing sie an, brachte das Wort Mutter aber nicht über sich. „Und wie stellst du dir das bitte vor? Du bist verdammt nochmal ein Popstar. Oft einfach mal unterwegs, querfeldein über die verdammte ganze Welt verteilt. Das zerstört alles!? Und ich bin doch so gut wie fertig mit dem Studium und wollte doch anfangen zu unterrichten und… und…“, erklärte sie weiter ihre Bedenken und ich seufzte.
„Du bist bald fertig, innerhalb des nächsten halben Jahres, und kannst auch ganz normal zu Ende studieren. Und danach kannst du immer noch irgendwann als Lehrerin anfangen. Und für alles andere findet sich auch schon ne Lösung. Aber dafür muss ich erstmal dem Management davon erzählen…“, meinte ich gedehnt.
„Musst du?“, fragte Victoria nur und ich wollte wirklich nicht.
„Ja. Natürlich muss ich. Ich kann doch nicht in der Weltgeschichte rumturnen, während du…“, fing ich an, doch Victorias Schluchzen stoppte mich. „Tori?“
„Ich hab alles kaputt gemacht, oder?“, fragte sie nur und ich schüttelte sofort den Kopf.
„Nein, wieso denn? Falls du es vergessen haben solltest, zu sowas gehören immer noch zwei Menschen…“, erwiderte ich und versuchte so gefasst zu bleiben, wie ich konnte. Ich hatte gestern Nacht genug geweint.
„Du nimmst es so leicht“, meinte Tori dann auch und ich schüttelte nur den Kopf.
„Eigentlich nicht. Ich versuch nur gerade stark zu bleiben, auch wenn ich gerne durchdrehen möchte…“, erwiderte ich leise. „Es wird nicht leicht.“
„Ich weiß“, stimmte sie zu. „Willst du das alles immer noch? Mit mir zusammen sein? Wenn wir das … Kind behalten, dann ist das für immer und wir müssen das nicht machen. Nicht jetzt“, setzte sie mit zitternder Stimme hinzu und man hörte ihr genau an, dass sie das nicht ernst meinte. Sie würde dieses Kind niemals abtreiben, das war sie nicht. Sie würde wahrscheinlich alles tun, damit dieses Kind ein Leben bekam, das es verdiente. Egal, ob ich dabei war oder nicht. Und ich konnte sie nicht verlieren.
„Natürlich. Man, Tori. Ich werde dich für den Rest deines Lebens nicht mehr in Ruhe lassen. Ob du willst oder nicht“, erwiderte ich daher nur.
„Das klingt irgendwie weniger angsteinflößend als es sollte.“
„Es sollte dir eigentlich helfen und Sicherheit vermitteln“, schnaubte ich, aber ein leichtes Lächeln bildete sich auf meinen Lippen.
„Sicherheit…“, meinte Victoria aber nur und ich stutzte.
„Was denn? Sicherheit ist schon mal gegeben, darüber musst du dir erstmal keine Gedanken machen“, sagte ich daher, doch Tori antwortete nicht. „Victoria? Hallo? Vergessen, wer ich bin?“, machte ich weiter, doch immer noch keine Antwort. „Darf ich mich vorstellen? Connor Ball. The Vamps-Bassist. Wenn ich jetzt aus der Band aussteigen würde, könnten wir trotzdem auch die nächsten was weiß ich wie viele Jahre ohne Probleme über die Runden kommen, so ist das nicht“, meinte ich dann und endlich reagierte Victoria.
„Wenn du aus dieser scheiß Band aussteigst, dann verlass ich dich“, murrte sie nur und ich schüttelte lächelnd den Kopf.
„Würde mir glaube ich auch ein wenig zu sehr das Herz brechen. Aber trotzdem, wir sind jetzt eine Familie, Victoria. Und die steht bei mir an erster Stelle“, sagte ich und lange nicht mehr hatte sich etwas so richtig angefühlt zu sagen.
„Das ist dein Ernst“, stellte sie dann fest und man hörte ihr an, wie sie wirklich mit dem Gedanken spielte, dem Ganzen hier eine Chance zu geben.
„Natürlich ist das mein Ernst“, erwiderte ich dann. „Auch wenn ich keine Ahnung habe, wie wir das alles hinkriegen, werden wir das trotzdem schaffen. Das verspreche ich dir. Hast du das gehört?“, wollte ich dann wissen und warf einen kurzen Blick auf meine Uhr. Verdammt.
„Ja, habe ich… Und ich weiß wirklich nicht, was ich ohne dich machen würde“, seufzte sie dann und auch, wenn das die dümmste Idee war, musste ich leicht schmunzeln.
„Nicht in so einer Situation stecken“, erwiderte ich, hätte mich aber im nächsten Moment gerne geohrfeigt. Tori schien aber wieder in einem besseren Zustand zu sein und fing nicht wieder an zu weinen.
„Du bist manchmal so ein verdammter, verdammter Idiot, Connor… Ich muss Schluss machen, ich muss wieder zur Uni“, meinte sie dann und ich atmete erleichtert durch.
„Ich muss auch zum Soundcheck. Pass auf dich auf, ja?“, erwiderte ich und sie schnaubte nur.
„Viel mehr passieren als schwanger zu werden kann ja jetzt nicht mehr. Bis nachher“, erwiderte sie und hatte dann aufgelegt. Perplex starrte ich den Hörer an.
Was zur Hölle?

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StayingStrong 02. Oct 2017

Hey :)
Ich dachte, ich lass dir mal wieder einen Kommentar da. Da geht's ja ganz schön zur Sache bei den Vamps. Sehr viel Trubel haha
Aber mir gefällt's!
Außerdem finde es klasse, dass Connor Victoria so unterstützt. Und dein Schreibstil ist auch super!
LG

Aprocure 08. Oct 2017
Hey, vielen Dank für deine lieben Worte! Ich freu mich, dass du die Story immer noch verfolgst, dass ist klasse! Und ja, diese Story ist wohl eine der "typischeren" Fanfictions mit ein paar Klischees eingestreut, ich hatte da echt mal Lust drauf, sowas zu schreiben. Aber wenn es doch gut ankommt, ist ja alles super! Ich wünsche dir sehr viel Spaß bei den nächsten Kapitel :) Liebste Grüße!
StayingStrong 09. Jul 2017

Guten Abend,
das Kapitel ist echt der Hammer! :D
Ich musste so lachen, als sie Brad um den Wangenkuss gebeten hat!
Und der von Connor initiierte Abgang am Schluss ist auch sehr amüsant. Ich konnte quasi das ganze Kapitel bildlich vor mir sehen.
Hat mir sehr gut gefallen!
LG :)

P.s.: Die armen Bandmitglieder. Da hat Connor sie aber ordentlich verwirrt und geschockt haha

Aprocure 11. Jul 2017
Hallöchen! Mal ein wenig gute Laune und andere ärgern/verwirren muss ja auch mal sein, nach dem ganzen Kitsch :D. Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat. Und vielen Dank für dein Review, natürlich! Liebste Grüße :)
NiiNchen0815 09. Jul 2017

Hey,

deine Gechichte ist wirklich gut.:)
Schade dass du nur Sonntags die Kapitel online stellst.

LG

Aprocure 11. Jul 2017
Hey! Vielen Dank, das freut mich! Leider schaffe ich es nicht noch öfter, aber ich bemühe mich, immerhin jeden Sonntas zu posten! Liebe Grüße!
StayingStrong 30. May 2017

Hey :)
Also ich bin eigentlich zufällig über deine FF gestolpert. Ich kenne weder die Namen der Bandmitglieder von The Vamps, noch viele Songs von ihnen. Aber ich muss wirklich sagen, dass mir deine Story und dein Schreibstil sehr gut gefallen. :)
Ich finde es gut, wie du mit den random WhatsApp-Nachrichten angefangen hast und wie sie sich jetzt, Monate später (was die Geschichte noch realer macht - tiefe Freundschaften und das dafür benötigte Vertrauen entstehen erst mit der Zeit), immer mehr näher kommen.
Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel und bin gespannt, was sich zwischen den Beiden entwickelt! Und ich bin neugierig darauf, wann sie denn in Kontakt mit dem jeweiligen Freundeskreis treten!
LG

Aprocure 05. Jun 2017
Hallöchen! Ich freue mich sehr, dass du überhaupt über diese Story gestolpert bist. Das Fandom ist hier ja noch ziemlich leer und ich bin die einzige Story hier uuund wenn du die Jungs auch gar nicht kennst, find ich das noch toller! Die Bandmitglieder werden später - wenn es dann irgendwann dazu kommen sollte, dass Victoria sie kennen lernt - auch nochmal ganz kurz vorgestellt, damit auch jeder mitkommt, wer jetzt alles Teil der Band ist und so weiter. Ich liebe diese Nachrichten viel zu sehr, sodass ich sie nicht loslassen konnte und somit sie auch jetzt immer noch vorkommen. Von daher wird es auch später noch viele Nachrichten geben ;) Und ich bin wirklich kein Fan von diesen überstürzten FF-Beziehungen, von daher gibts das bei mir einfach nicht und ich freu mich, dass dir meine Art, das zu behandeln, gefällt ;) Und vielen, vielen Dank für deine ganzen lieben Worte! Liebste Grüße und ich wünsche dir weiterhin viel Spaß!
StayingStrong 05. Jun 2017
Ja, das stimmt. Ich finde auch, dass es generell immer weniger FFs hier auf der Seite gibt... Das freut mich, dann lerne ich quasi was über die Band :D Die Nachrichten sind auch unglaublich süß! Also behalte sie ruhig bei! Dein Schreibstil ist einfach toll, also keine Ursache und gern geschehen :D Danke dir! Den werde ich bestimmt haben! ;)