Half way there

vor 14 Tagen
Es funktionierte. Es funktionierte für die beiden, in diesem kleinen Mikrokosmos, den sie sich geschaffen hatten. Und sie waren mehr als nur glücklich. Doch was, wenn die Realität die beiden einholte? Konnten sie so stark sein, wie sie es mussten? Oder würde unter dem Druck von Band, Fans und Familie alles zerstört werden?
The Vamps Romanze P16 Drama In Arbeit

+ Kapitel 3: So wait for me and I'll wait for you to call +

Mai – Juli 2018

‚Hast du gerade Zeit?‘, riss Connor mich aus meiner Arbeitslethargie – ich bereitete gerade ein paar Sachen für die Uni vor, starrte aber die meiste Zeit eh nur frustriert auf die vielen Zettel, ohne etwas zu tun – und lächelnd drehte ich mich weg von meiner Arbeit, um ihm zu antworten.
‚Ja, bin zuhause und hab heute nichts mehr vor‘, erwiderte ich und wartete dann darauf, was kommen würde. Was er mir mal wieder erzählen wollte und was anstand. Als mein Handy dann aber anfing, in meiner Hand zu vibrieren, erstarrte ich.
Connor… Er rief mich an, er wollte wirklich mit mir reden und… und… Panisch drückte ich auf den roten Hörer und warf mein Handy auf mein Bett.
Ich wusste gar nicht so genau, wie lange ich dort saß und mein Handy anstarrte. Ich wusste auch nicht so genau, wann ich das letzte Mal in so eine Schockstarre verfallen war wie jetzt. Und ich wusste beim besten Willen nicht, warum. Ich… ich wollte doch mit Connor reden, ich hatte mir das heimlich so oft gewünscht, einfach da sitzen zu können und wie immer seinen Erzählungen zu lauschen, die dann wirklich mal Erzählungen gewesen wären, und ich wollte, dass er mir etwas vorsang, weil er mir so oft davon erzählte, wie gerne er sang. Und ich wollte wissen, ob man in seiner Stimme einen Akzent hören konnte, da er mir mal erzählt hatte, dass er ursprünglich aus Schottland kam und ich… Ich wollte ihn so gerne reden hören, aber im gleichen Moment hatte ich panische Angst davor. Ich hatte unfassbare Angst davor, dass sich etwas zwischen Connor und mir ändern könnte. Ich brauchte ihn und seine Nachrichten viel zu sehr, als dass ich mir das kaputt machen wollte, nur weil wir es nicht schafften, uns vernünftig am Telefon zu unterhalten und nachher würde alles den Bach runter gehen und ich würde ihn verlieren und…
Ich stand langsam auf, stolperte mit kleinen Schritten auf mein Bett zu und ließ mich dann darauf fallen.
Connor hatte mir viele Nachrichten geschrieben. Was denn los sei und ob ich doch nicht mehr mit ihm reden wolle oder ob irgendetwas passiert sei. Er hatte sich entschuldigt und er hatte nicht aufgehört mir zu schreiben.
Mein Herz schlug schnell, als ich Connors Namen anschaute und dann – zehn Minuten, nachdem er es bei mir versuchte – zurückrief.
Das Tuten drang laut in meinen Ohren und meine Hände zitterten. Ich fühlte mich wie ein Tier, das bald dem Schlachter vorgeführt werden sollte; und als Connor dann tatsächlich abnahm, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurück halten.
„Die Hälfte haben wir jetzt schon mal geschafft“, war alles, was er sagte. Und dies waren die ersten Worte, die ich jemals von ihm hörte. Ich schluchzte laut auf und eigentlich wollte ich gar nicht weinen. Es war doch so ein schlechter erster Eindruck, den er von mir bekam, und dennoch konnte ich mich nicht zusammenreißen. „Victoria? Ist alles okay?“, fragte er nach und einen leichten Akzent konnte ich hören, wusste aber wirklich nicht, ob da nur seine schottische Herkunft reinspielte.
„Deine Stimme“, brachte ich nur hervor und wollte, dass er einfach nicht aufhörte zu reden. Seine Stimme war so unfassbar ruhig und weich und sie wirkte so, als ob er das, was er da sagte, auch genau so meinte.
„So schlimm?“, hakte Connor nach und man merkte Belustigung in seiner Stimme mitschwingen.
„Nein. So warm, so ... schön“, war alles, was ich sagte, und ich schniefte. „Ich fühle mich gerade echt nicht wie 25, sondern eher wie pubertäre 16“, setzte ich dann noch hinzu und Connor lachte ein wenig stärker. Und ich liebte sein Lachen jetzt schon, es war so warm und … schön wie seine Stimme und es wärmte einen von innen heraus, wenn sowas überhaupt möglich war.
„Du glaubst nicht, wie lange ich vor meinem Handy saß und auf diesen dummen grünen Hörer gestarrt habe, in der Hoffnung, dass er sich von selbst drückt“, erklärte er und auch ich lachte auf, unter Tränen, die einfach nicht versiegen wollten.
„Bereust du es?“, fragte ich mit heiserer Stimme und schniefte erneut.
„Auf keinen Fall!“, erwiderte Connor sofort und ich musste trotz all der Tränen lächeln. „Und ich wollte dir was erzählen, ich hoffe, ich störe nicht all zu sehr“, setzte er hinzu und war dann genau so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Mit dieser Motivation und Begeisterung in der Stimme.
Und natürlich störte er nicht, er würde niemals und nimmer nie stören, vor allem nicht am Telefon mit so einer Stimme und so einer guten Laune.
Und erzählte mir viel, von seinen nervigen Eltern und seinen nervigen besten Freunden und davon, dass es ihm allein schon dadurch besser ging, dass er mit mir reden konnte und dass ich da war und ich glaubte, ich war selten glücklicher gewesen.


‚Das war das beste Telefonat, das ich je hatte!‘ (Connor, 2:34)
‚Ich hab nur geweint und fast nichts gesagt.‘ (Ich, 6:59)
‚Trotzdem. Deine Stimme, jedenfalls das, was ich hören durfte, ist atemberaubend.‘ (Connor, 13:09)


„Du bist so ein komplett bescheuerter Idiot, Con!“, konnte ich nicht aufhören zu lachen, während ich nebenbei dabei war, mein Essen zu essen bzw. versuchte, mich nicht daran zu verschlucken. Connor war der Meinung gewesen, mir die dümmsten Flachwitze zu erzählen, die er kannte. Und ich lachte natürlich bei jedem Einzelnen mehr als ich sollte.
„Du lachst darüber, also bist du auch einer“, meinte er aber nur und ich schüttelte lachend den Kopf.
Mittlerweile war ich mir echt nicht mehr sicher, ob der Humor von diesem Quatschkopf gesund war. Ich bezweifelte es sehr.
„Warum führen wir dieses Gespräch eigentlich schon wieder? Wir haben doch letztens erst festgestellt“, grinste ich und aß weiter.
Es war die beste Idee überhaupt gewesen, anzufangen mit Connor zu telefonieren. Es hatte sich so vieles geändert, aber alles auf einer positiven Ebene. Wir schrieben immer noch miteinander, aber wann immer wir abends Zeit fanden zu telefonieren, so oft telefonierten wir auch miteinander. Wir konnten rumalbern und ernste Dinge besprechen und ich hatte noch nie einen Menschen getroffen, der mich so verstand wie Connor. Und wenn man sich ganz allein nur über eine Stimme in eine Person verlieben konnte, dann war ich das schon viel, viel zu sehr… Es war der reinste Wahnsinn. Viel zu utopisch und ich konnte nicht aufhören, mich in diese ganze Connor-Sache zu verrennen.
Und so kam es, wie es kommen musste. Ich konnte ohne Connor nicht mehr leben. Mein Leben drehte sich komplett um diesen jungen Mann. Seine Stimme ließ mich all den Stress vergessen, den ich erlebte, und ich freute mich so sehr, abends seine Stimme zu hören, dass ich nicht wusste, wie ich einen Tag ohne ihn überstehen sollte.
Die Monate vergingen und nichts änderte sich, mein Herz war immer noch komplett verloren und ich wollte ihn unbedingt einmal sehen, aber hatte unfassbare Angst, dass sich dadurch alles ändern würde. Ich wollte nichts riskieren, dafür brauchte ich ihn zu sehr. Und alles würde sich ändern, wenn wir uns gegenüberstehen würden. Irgendwie.
Mittlerweile war Sommer, die Sonne ging früh auf und mir fiel das Aufstehen viel leichter als in den Wintermonaten. Ich war gerne draußen, wenn ich die Zeit fand, und ich hatte so viel bessere Laune.
‚Ich hab bald endlich mal Urlaub!‘, schrieb Connor mir eines Tages und solche Nachrichten machten mich glücklich. Ich war glücklich, wenn ihm etwas Gutes passierte.
‚Das klingt großartig! Wohin geht’s? Ich hab bald Semesterferien‘, erwiderte ich grinsend und wartete darauf, dass er mir von seinen Plänen erzählte. Dass er wegflog, in den Süden. Oder sonst irgendetwas tat, was er sich so sehr verdient hatte.
‚Lass uns wegfahren‘, schrieb er nach circa zehn Minuten aber und das verwirrte mich.
‚Was?‘
‚Wegfahren, einfach so, weg von der Realität. Urlaub. Nenn es, wie du willst. Nur wir beide‘, erklärte er sich und ich erstarrte. Ich fing an zu paniken.
‚Aber wir kennen uns doch gar nicht‘, schrieb ich zurück und fing an zu zittern. Zu viel.
‚Du kennst mich besser als jeder andere‘, erwiderte er simpel und ich schloss die Augen, antwortete nicht. Aber er hatte recht. Wir kannten uns so gut. Zu gut.
Irgendwann riss mich mein Handyklingeln aus meinen Zweifeln und ich wusste genau, dass Connor anrief. Und ich ging trotzdem ran.
„Victoria“, begrüßte er mich und ich seufzte leise. Ich liebte es, wenn er einfach nur meinen Namen sagte. „Ich hätte dich eh bald gefragt, ob ich irgendwann bei dir auf der Matte stehen darf“, versuchte er mich weiter zu überzeugen und überzeugt war mein Herz doch schon lange. Mein Kopf aber machte sich wieder einmal zu viele Gedanken.
„Wohin?“, fragte ich trotzdem und biss mir dann auf die Unterlippe.
„Irgendwohin. Wo es ruhig ist und uns niemand finden kann“, erwiderte er und ich schüttelte schmunzelnd den Kopf.
„Damit du mich heimlich umbringen kannst?“
„Dein Ernst?“, schnaubte er nur. „Das würdest du mir zutrauen?“
„Nein, würde ich nicht. Aber warum dann? Warum willst du gerade mit mir… Urlaub machen?“, fragte ich weiter und war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte.
„Weil ich dich verdammt nochmal endlich kennen lernen will. Wir haben das viel zu lange aufgeschoben. Und damit ich weiß, ob es möglich ist, sich über Textnachrichten und Gespräche in jemanden... sich ein Bild von jemandem zu machen“, verhaspelte er sich am Ende und mein ganzer Körper erschauderte. Wollte er wirklich gerade das sagen, was ich dachte?
„Wie lange?“, ruderte ich daher ein wenig zurück, während mein Hals sich weiter zuschnürte.
„Zwei Wochen?“, schlug er dann vor und ich nickte ganz langsam. Hatte meine Entscheidung doch längst getroffen.
„Ich…“, fing ich an und musste dann lächeln. „Ich bin dabei.“
Und auch, wenn ich das wirklich noch nicht realisieren konnte, verliefen die Planungen einfach und schnell. Zu schnell und zu einfach. Connor schickte mir ein paar Links von ein paar Ferienhäusern, die er ausgesucht hatte, und ich pickte mir das heraus, was am nächsten war und preislich in meinen Rahmen passte. Connor buchte es schnell und damit war es in Stein gemeißelt. Connor und ich würden uns wirklich sehen. Zeit miteinander verbringen. Urlaub machen, zusammen. Er. Mit mir.
Und auch, wenn ich das wirklich nicht realisieren konnte, verging die Zeit, wenn auch viel zu schleppend. Doch irgendwann, irgendwann war es dann so weit. Ich durfte meine sieben Sachen packen und aufbrechen. Und ich war selten so aufgeregt gewesen.


‚Ein paar Stunden‘ (Ich, 14:35)
‚Eine kleine Ewigkeit‘ (Connor, 14:36)

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StayingStrong 02. Oct 2017

Hey :)
Ich dachte, ich lass dir mal wieder einen Kommentar da. Da geht's ja ganz schön zur Sache bei den Vamps. Sehr viel Trubel haha
Aber mir gefällt's!
Außerdem finde es klasse, dass Connor Victoria so unterstützt. Und dein Schreibstil ist auch super!
LG

Aprocure 08. Oct 2017
Hey, vielen Dank für deine lieben Worte! Ich freu mich, dass du die Story immer noch verfolgst, dass ist klasse! Und ja, diese Story ist wohl eine der "typischeren" Fanfictions mit ein paar Klischees eingestreut, ich hatte da echt mal Lust drauf, sowas zu schreiben. Aber wenn es doch gut ankommt, ist ja alles super! Ich wünsche dir sehr viel Spaß bei den nächsten Kapitel :) Liebste Grüße!
StayingStrong 09. Jul 2017

Guten Abend,
das Kapitel ist echt der Hammer! :D
Ich musste so lachen, als sie Brad um den Wangenkuss gebeten hat!
Und der von Connor initiierte Abgang am Schluss ist auch sehr amüsant. Ich konnte quasi das ganze Kapitel bildlich vor mir sehen.
Hat mir sehr gut gefallen!
LG :)

P.s.: Die armen Bandmitglieder. Da hat Connor sie aber ordentlich verwirrt und geschockt haha

Aprocure 11. Jul 2017
Hallöchen! Mal ein wenig gute Laune und andere ärgern/verwirren muss ja auch mal sein, nach dem ganzen Kitsch :D. Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat. Und vielen Dank für dein Review, natürlich! Liebste Grüße :)
NiiNchen0815 09. Jul 2017

Hey,

deine Gechichte ist wirklich gut.:)
Schade dass du nur Sonntags die Kapitel online stellst.

LG

Aprocure 11. Jul 2017
Hey! Vielen Dank, das freut mich! Leider schaffe ich es nicht noch öfter, aber ich bemühe mich, immerhin jeden Sonntas zu posten! Liebe Grüße!
StayingStrong 30. May 2017

Hey :)
Also ich bin eigentlich zufällig über deine FF gestolpert. Ich kenne weder die Namen der Bandmitglieder von The Vamps, noch viele Songs von ihnen. Aber ich muss wirklich sagen, dass mir deine Story und dein Schreibstil sehr gut gefallen. :)
Ich finde es gut, wie du mit den random WhatsApp-Nachrichten angefangen hast und wie sie sich jetzt, Monate später (was die Geschichte noch realer macht - tiefe Freundschaften und das dafür benötigte Vertrauen entstehen erst mit der Zeit), immer mehr näher kommen.
Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel und bin gespannt, was sich zwischen den Beiden entwickelt! Und ich bin neugierig darauf, wann sie denn in Kontakt mit dem jeweiligen Freundeskreis treten!
LG

Aprocure 05. Jun 2017
Hallöchen! Ich freue mich sehr, dass du überhaupt über diese Story gestolpert bist. Das Fandom ist hier ja noch ziemlich leer und ich bin die einzige Story hier uuund wenn du die Jungs auch gar nicht kennst, find ich das noch toller! Die Bandmitglieder werden später - wenn es dann irgendwann dazu kommen sollte, dass Victoria sie kennen lernt - auch nochmal ganz kurz vorgestellt, damit auch jeder mitkommt, wer jetzt alles Teil der Band ist und so weiter. Ich liebe diese Nachrichten viel zu sehr, sodass ich sie nicht loslassen konnte und somit sie auch jetzt immer noch vorkommen. Von daher wird es auch später noch viele Nachrichten geben ;) Und ich bin wirklich kein Fan von diesen überstürzten FF-Beziehungen, von daher gibts das bei mir einfach nicht und ich freu mich, dass dir meine Art, das zu behandeln, gefällt ;) Und vielen, vielen Dank für deine ganzen lieben Worte! Liebste Grüße und ich wünsche dir weiterhin viel Spaß!
StayingStrong 05. Jun 2017
Ja, das stimmt. Ich finde auch, dass es generell immer weniger FFs hier auf der Seite gibt... Das freut mich, dann lerne ich quasi was über die Band :D Die Nachrichten sind auch unglaublich süß! Also behalte sie ruhig bei! Dein Schreibstil ist einfach toll, also keine Ursache und gern geschehen :D Danke dir! Den werde ich bestimmt haben! ;)