Half way there

vor 14 Tagen
Es funktionierte. Es funktionierte für die beiden, in diesem kleinen Mikrokosmos, den sie sich geschaffen hatten. Und sie waren mehr als nur glücklich. Doch was, wenn die Realität die beiden einholte? Konnten sie so stark sein, wie sie es mussten? Oder würde unter dem Druck von Band, Fans und Familie alles zerstört werden?
The Vamps Romanze P16 Drama In Arbeit

+ Kapitel 4: I'm just another boy without a car +

August 2018


‚Wann kommst du an?‘ (Connor, 15:24)
‚Ich bin noch nicht mal aus meiner Haustür raus?!‘ (Ich, 15:25)


Mit zittrigen Beinen trat ich vom Zug aus auf die Plattform, blickte mich panisch um und wollte doch nur ein wenig Zeit haben, um meinen Atem zu beruhigen und nicht vollkommen durchzudrehen.
Mein Blick glitt über die Menschen hier oben und niemand sah so aus, als ob er auf die grobe Beschreibung von Connor passen könnte. Also wartete er nicht hier oben und ich konnte in Ruhe noch einmal durchatmen und meine Gedanken ordnen.
Ich war schon lange nicht mehr so verdammt aufgeregt gewesen. Nicht diese luftabschnürende Aufregung mit den zittrigen, nassen Händen und den wackeligen Beinen und dem so schnell schlagenden Herzen, das so langsam wirklich weh tat.
Und ich wusste auch gar nicht, was ich machen sollte, wenn ich Connor wirklich gegenüberstehen würde. Wie sollte ich ihn begrüßen? Erkannte ich ihn überhaupt so einfach? Und wie sollte das alles überhaupt ablaufen?
So atmete ich aber noch einmal tief durch, bis ich mir meine Tasche nahm und dann als eine der letzten Richtung Ausgang lief. Ich konnte ja nicht ewig hier stehen bleiben.
Mein Blick fuhr über die wenigen Menschen, die in der kleinen Bahnhofshalle standen. Einige warteten wohl darauf, dass ihr Zug endlich kommen würde, damit sie hier weg kamen. Einige schienen auf ihre Liebsten zu warten, die sie ewig nicht gesehen hatten, und mittendrin stand ein junger Mann um die 20, sein Blick war auf sein Handy gerichtet und er achtete nicht wirklich auf die Umgebung um sich herum.
Mit vorsichtigen Schritten lief ich auf ihn zu, wurde mir immer sicherer, dass es wirklich Connor sein musste, bevor ich dem Fremden vorsichtig auf die Schulter tippte und dieser sich erschrocken zu mir umdrehte. Seine Augen waren geweitet, er hatte nicht mit mir gerechnet, nicht so schnell.
„Connor“, stellte ich dann fest und der verwirrte Ausdruck in seinen Augen verschwand sofort, Freude machte sich schnell in ihnen breit und ein Lächeln huschte auf seine Lippen.
„Victoria“, hauchte er und sah mich einfach nur an, schien jedes Detail, das er sah, in sich aufzusaugen, und es war weniger merkwürdig als es sich vielleicht anfühlen sollte.
Im nächsten Moment spürte ich dann, wie Con einen Schritt auf mich zu machte und seine Arme um mich schlang. Und auch, wenn Connor eigentlich trotzdem noch fremd für mich war und wir uns zwar kannten, aber nicht wirklich, hatten sich noch nie etwas so richtig angefühlt; ich hatte mich selten so wohl in den Armen einer Person gefühlt wie das bei ihm der Fall war.
Ich verstärkte meinen Griff und legte unwillkürlich meinen Kopf an seine Schulter, versuchte zur Ruhe und zu Atem zu kommen, die ganze Aufregung abzuschütteln, weil ich ja eigentlich gar nicht so stark aufgeregt sein brauchte.
„Ich bin so froh, dich zu sehen“, hörte ich Connor nach einigen Minuten der Stille, die wir einfach dort mitten in der kleinen Ankunftshalle des Bahnhofes gestanden hatten, leise sagen und ich musste einfach lächeln, ich konnte gar nicht anders.
„Und ich bin so froh, jetzt mehr als nur deine Stimme zu haben“, erwiderte ich selbst mit zitternder Stimme und mussten die Tränen, die sich in meinen Augenwinkeln gesammelt haben, vehement wegblinzeln. Nicht schon wieder wegen Connor weinen, das hatte ich mir doch fest vorgenommen.
Als Con und ich uns aber voneinander lösten und ich ihm direkt ins Gesicht blicken konnte, war es das auch schon gewesen, mein Vorsatz war gebrochen und die Tränen rannen einfach über meine Wangen.
„Hey, weinst du schon wieder? Und hat dir meine Stimme nicht gereicht? Jetzt bin ich aber verletzt“, versuchte Connor mich aufzumuntern, griff sich melodramatisch an sein Herz, bevor er vorsichtig wieder einen Schritt auf mich zu trat und mich ansah. „Darf ich?“, setzte er noch hinzu und ich sah nur verwirrt zurück, nickte dabei wohl kaum merklich, denn im nächsten Moment merkte ich, wie er mir vorsichtig meine Wangen trocknete und die Tränen versiegen ließ.
„Besser?“, fragte ich leise und auf Cons Lippen bildete sich ein zufriedenes Lächeln.
„Viel besser. Und jetzt komm, lass uns gehen“, erwiderte er und nickte dann Richtung Ausgang.
Und ich musste mich kurz sammeln, wachte aus meiner Blase auf und realisierte erst dann wieder richtig, dass wir hier am Bahnhof standen und dass wir hier eigentlich gar nicht länger bleiben wollten.
So versuchte ich also, meine sieben Sachen zusammen zu sammeln, doch meine Tasche war schon in Connors Händen und er lächelte mich auffordernd an.
„Diskutieren ist unsinnig, oder?“, fragte ich so nur und er nickte, also folgte ich ihm seufzend in Richtung Ausgang. „Gibt es eigentlich schon Pläne fürs Abendessen? Ich gehe irgendwie nicht davon aus, dass wir viel in unserer Ferienwohnung haben werden?“, versuchte ich dann weiter ins Gespräch rein zu kommen und irgendwie fühlte sich das alles viel, viel weniger merkwürdig an als ich das erwartet hatte.
„Nein, keine Pläne, aber gut, dass du das erwähnst. Worauf hast du Lust?“, wollte Connor dann wissen und ich sah mich kurz in der Bahnhofshalle um. Ein Bäcker, eine Bücherei, ein Inder und McDonalds…
„Indisch?“, fragte ich also und Connor nickte nur.
„Ich bin froh, dass du das gerade gesagt hast“, lächelte er mich an und ich nickte ebenfalls. Ich auch.
Einige Minuten später und um hoffentlich leckeres Essen reicher schafften wir es dann endlich auf den Bahnhofsvorplatz. Mit den Fahrrädern und dem Busplatz, wo ein Bus gerade wartete, und einem Parkplatz, der ziemlich voll war. Und darauf lief Connor geradewegs zu.
„Ich besitze kein Auto, aber für den Urlaub hab ich mir mal eins ausgeliehen“, erklärte er mir, während er versuchte, den Kofferraum an seinem Leihwagen zu öffnen und es nicht auf Anhieb hinbekam.
„Ich auch nicht, aber das war ne gute Idee von dir“, stimmte ich ihm zu und trat dann neben ihn, öffnete selbst den Kofferraum und legte meine Tasche hinein.
Connor seufzte nur, schloss kopfschüttelnd die Klappe des Kofferraums – das bekam er auf jeden Fall hin – und im nächsten Moment saßen wir in seinem Leihwagen und waren dabei, den Bahnhofsparkplatz zu verlassen. Wir waren auf dem Weg. Wir waren auf einem guten Weg.
„Es ist so … schön. So komplett anders als zuhause“, meinte ich irgendwann leise, während Connor fuhr und sich auf die Straße konzentrierte, und ich Zeit hatte, aus dem Fenster zu schauen. Es war alles so schön grün und voller Bäume und Blumen und ein paar Vögeln. Kleine Einfamilienhäuser, Vorstadtfeeling, Alleen und die Sonne, die so tief stand, dass sie nur nervig blendete. Es war Sommer hier draußen, weit draußen auf dem Land.
„Wo wohnst du eigentlich?“, fragte mein Fahrer mich irgendwann, ließ seinen Blick aber auf der Straße und ließ sich vom integrierten Navi leiten, schaute nicht zu mir.
„Birmingham. Da ist das mit…“, wollte ich beginnen, Connor lächelte mir aber kurz breit zu und brachte mich damit zum Schweigen. „Alles okay?“
„Du hast gerade echt Birmingham gesagt, oder?“, erwiderte er und ich nickte nur.
„Äh, ja?“
„Könnte sein, dass ich dort auch lebe“, klärte Con mich noch viel besser gelaunt auf als er eh schon gewesen war – wenn das überhaupt möglich war – und erst starrte ich verwirrt auf die Straße vor uns, dann aber kam diese Nachricht bis zu meinem Gehirn durch und meine Mundwinkel zogen sich wie automatisch nach oben.
„Verrückt“, kommentierte ich und schüttelte nur den Kopf. Solche Zufälle waren doch fast unmöglich. Skurril.
„Ziemlich. Und hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, wie schön dein Lächeln ist? Das hab ich die letzten Monate also verpasst“, hörte ich Connor dann sagen und das Lächeln, was er gerade wirklich als schön betitelt hatte, wurde noch breiter. Meine Wangen wurden warm, ich schaute einfach wieder nach draußen, lächelte vor mich hin. Nein. Hatte man nicht.
Aber so verbrachte ich die letzten paar Minuten in diesem Auto schweigend, ließ Connor einfach weiter fahren und beobachtete die Umgebung und die Menschen hier draußen, bis wir kurze Zeit später auf eine Auffahrt lenkten und Con dann den Motor abstellte.
„Da wären wir wohl“, lächelte er und schnallte sich ab, stieg aus, während ich noch kurz sitzen blieb. Es war so ein richtiges, kleines Ferienhaus, das da vor uns zu sehen war. Mit den alten Holzfensterläden und dem Efeu an der Ziegelwand und ich fühlte mich jetzt schon so wohl wie ich mich selten gefühlt hatte. Ich hoffte sehr, dass das drinnen so weiter gehen würde. „Kommst du?“, riss meine Begleitung mich aus meinen Gedanken, er hatte mir inzwischen die Beifahrertür geöffnet, und ich nickte, schnallte mich ab und griff nach meiner Handtasche.
„Schon da. Es sieht total urig aus“, meinte ich dann und wollte Connor meine Reisetasche abnehmen, die er aus dem Kofferraum geholt hatte – dieses Mal hatte er es auch alleine geschafft, diesen zu öffnen –, doch wieder hatte ich keine Chance, sodass ich ihm einfach den Schlüssel abnahm, den er wohl schon vom Vermieter geholt hatte.
„Das klingt nicht so positiv?“, stellte Con skeptisch fest, ich schüttelte aber sofort den Kopf.
„Positiv urig. Ich mag sowas Altbackenes. Nicht für immer, aber in so nem Urlaub find ich das klasse und … oh mein Gott“, stoppte ich mich selbst, nachdem ich die Tür geöffnet hatte und eingetreten war. Wir standen direkt im Wohnbereich und alles sah genau so aus, wie ich das gerade vorhergesagt hatte. Es war urig. Es war altbacken. Und es war verdammt nochmal so unfassbar gemütlich, dass ich mich am liebsten gleich auf das grüne Sofa gesetzt hätte, mit den Blumensofakissen und dem großen Teppich auf dem Boden. Die Regale hier im Wohnzimmer waren voller Bücher und Katzenfiguren, die weißen Gardinen waren ein wenig vergilbt und allein die Fußmatte, die vor meinen Füßen lag, hätte schon gereicht, um mich quietschen zu lassen.
„Das klingt nicht so positiv?“, wiederholte Connor sich, während er die Koffer abstellte.
„Ich liebe es jetzt schon und dabei hab ich erst nur das Wohnzimmer gesehen!“, kicherte ich aber nur und lief ein wenig weiter in den Raum hinein, zu den Regalbrettern und den vielen Büchern darauf. Das Meiste waren irgendwelche uralte britischen Klassiker, nichts Neues dabei, aber auf jeden Fall interessant. Als ich mich umdrehte, erschreckte ich mich kurz, da an der Wand direkt gegenüber ein riesiges Gemälde hing, das ich vorher noch gar nicht wahrgenommen hatte. Wahrscheinlich Öl auf Leinwand, irgendein Jagdmotiv – mit Männern auf Pferden, mit Flinten in der Hand und Jagdhunden zu ihren Füßen – und der riesige Rahmen, dessen goldene Beschichtung abzublättern begann.
Es war wunderschön.
„Wollen wir weiter erkunden?“, riss mich Connor aus meinen Gedanken, er schien mich beobachtet zu haben, und ich nickte.
Und so machten wir nach und nach die anderen Räume unsicher. Die Küche sah ebenso alt aus wie der Rest des Cottages, aber nicht weniger gemütlich. Es war ein neuer Kühlschrank eingebaut worden und neben dem Porzellan mit dem abgenutzten Goldrand stand eine noch sehr neu aussehende Küchenmaschine. Die Stühle, die an dem kleinen Küchentisch standen, sahen alle sehr wackelig aus und der Landhausherd, der in einer der Ecken stand, schien nicht nur der Küchenherd zu sein, sondern auch für die gesamte Heizsituation des Cottages zuständig zu sein. Da müsste man auch erstmal mit auskommen.
Als wir schließlich im Bad ankamen, musste ich sehr schmunzeln, da hier vor uns wahrscheinlich ein gerade erst frisch renoviertes Badezimmer lag. Mit einer Duschbadewanne und großen, hellen, modernen Fliesen. Es passte so gar nicht zum Rest der Ferienwohnung.
„Und wo ist das Schlafzimmer?“, wollte ich schließlich wissen, als ich keine weitere Tür mehr erkannte, und sah zu Connor, der irgendetwas zu suchen schien.
„Die Vermieter meinten, der kleine Dachboden sei als Schlafzimmer umgebaut worden“, erklärte er, bis er eine Sekunde später mit einer metallenen Stange nach der Dachbodenklappe angelte und dann die Leiter ausklappte. „Ich hoffe, du hast kein Problem mit Leitern?“, fragte er weiter und ich schüttelte den Kopf, bevor ich auf die hölzerne Konstruktion zuging und daran rüttelte. Fühlte sich sehr stabil und wertig an. Also kletterte ich kurzerhand nach oben, Connor folgte mir auf dem Fuß.
Als ich schließlich oben im Schlafbereich stoppte, spürte ich seine Körperwärme nahe an meinem Rücken. Sehr viel Platz war hier auch nicht und man konnte nur im mittleren Bereich bequem stehen, da die Schrägen das sehr schnell sehr unmöglich machten.
„Schick. Das ist also dein Schlafzimmer“, stellte er fest und ich nickte zuerst in Gedanken, stoppte aber, drehte mich um.
„Was hast du gerade gesagt?“, fragte ich verwirrt.
„Schick…“, wollte er sich wiederholen, ich unterbrach ihn aber wirsch. Und dabei standen wir uns direkt gegenüber, weil einfach kein Platz war. Es war hier auch einfach nicht der richtige Ort für eine richtige Diskussion.
„Das hab ich verstanden. Du hast gerade DEIN Schlafzimmer gesagt!“
„Ja? Ich schlaf unten auf dem Sofa“, erwiderte Connor, als ob das das Selbstverständlichste der Welt wäre, und ich sah nur ungläubig zurück.
„Das ist doch nicht dein Ernst, hast du das Sofa mal angeschaut?! Und…“, fing ich an, stoppte mich aber selbst. „Nein“, meinte ich dann, „wir werden diese ‚Du schläfst nicht auf dem Sofa‘-Diskussion nicht weiter führen. Das ist mir zu klischeehaft. Entweder wir schlafen beide im Bett oder wir wechseln uns ab. Und jetzt lass uns runter, ja?“, beendete ich unser Gespräch und drehte Connor an seinen Schultern um, der nur irgendetwas Unverständliches nuschelte und dann wirklich die Leiter nach unten kletterte.
Ich hatte Hunger und ich wollte nicht schon am ersten Abend mit Connor so viel diskutieren, dass wir uns irgendwann stritten und ich wollte einfach keine Probleme…
Nachdem wir unser lauwarmes Abendessen verspeist hatten, lungerten wir jetzt im Wohnzimmer herum. Ich blätterte gerade durch ein paar der Bücher, die hier waren, und schaute in alle verschlossenen Schränke, während Connor sich dem Röhrenfernseher verschrieben hatte und versuchte, ihn irgendwie zum Laufen zu kriegen. Der Kabelfernseher spuckte aber irgendwie nicht viele Sender aus und da es hier kein Radio gab, begnügten wir uns erstmal mit irgendeinem Musiksender, den wir rein bekamen.
Ich dagegen hatte mittlerweile einen der Schränke komplett auf dem großen Teppich hier verteilt und schaute durch all die Kästen, als Connor sich zu mich setzte.
„Irgendwas Gutes dabei?“, fragte er und räumte die Skatkarten zur Seite.
„Bist du gut in Skat?“, wollte ich wissen und legte auch Mensch-Ärgere-Dich-Nicht zurück in den Schrank.
„Eher schlecht“, meinte er und räumte auch das Vier-Gewinnt zurück, das wir aber irgendwann nochmal spielen müssten.
„Schach?“, fragte ich dann und strich dann über das leicht eingestaubte Schachbrett, das ich gerade entdeckte, und suchte nach den Schachfiguren.
„Besser, aber auch nicht gut?“, zuckte Connor mit den Schultern und ich lächelte ihn an, hielt die Holzschachtel mit den Figuren, die ich gefunden hatte, hoch und sah ihn an.
„Lust auf eine Runde?“, hakte ich nochmal nach und er nickte nur.
„Wenn du damit umgehen kann, dass ich zwar weiß, was ich da tue, aber richtig schlecht bin, was Taktik angeht?“, erwiderte er und räumte auch die restlichen Sachen zurück in den Schrank, während ich das Spielfeld hier auf dem Teppich aufbaute.
„So viel besser als du bin ich dann auch nicht. Welche Farbe?“, lächelte ich ihn nur an und nachdem er schwarz gewählt hatte, setzte ich im nächsten Moment einer meiner mittleren Bauern zwei Felder nach vorne und betrachtete die hölzernen Spielfiguren. Sie sahen echt schön aus, edel. Mit vielen geschnitzten Details und gut abgeschliffen.
Und so lieferten wir uns eine sehr lange Partie Schach. Da wir beide gleich schlecht waren, war das aber nicht all zu tragisch. Jeder von uns machte Fehler machte, die vermeidbar gewesen wären, jeder verlor Spielfiguren und immer wieder übersahen wir etwas, sodass es ein verdammt spannendes Spiel wurde. Zu etwas anderem hatten wir auch gerade keine Lust. Die alten R’n’B-Lieder, die im Fernsehen liefen, hatte ich schon ewig nicht mehr gehört, und da es Wlan wohl erst morgen früh geben würde – so hatte Connor mir erzählt – war das wohl die beste Abendbeschäftigung, die wir finden konnten. Dass ich ihm gesagt hatte, dass ich weder mein hochmodernes Smartphone noch meinen Laptop mit hatte, da hatte er nur den Kopf drüber schüttelt. Und mit Wlan konnte man bei dem alten Nokia-Knochen, der drüben in meiner Tasche lag, auch nicht mehr viel anrichten.
Aber jetzt, hier alleine ohne all den Firlefanz, da konnten wir warm miteinander werden, auch wenn wir das gerade gar nicht brauchten. Wir konnten uns aneinander gewöhnen, an diese physische Anwesenheit des anderen. Und wir konnten abtesten, wie gut wir so im normalen Leben miteinander klar kamen. Und hier bei dieser irrwitzigen Partie Laien-Schach, da kamen wir so unfassbar gut miteinander klar. Wie in den Gesprächen, wie in den Nachrichten. Wenn nicht noch besser. Und es war so ein schönes, warmes Gefühl, was der Gedanke daran in mir auslöste.
Wie lange wir hier wirklich saßen, wusste ich nicht. Nachdem wir die Partie Schach irgendwann beendet hatten – und einfach keiner gewonnen hatte, weil wir irgendwann aufgegeben hatten, nachdem wir uns ne viertel Stunde sinnlos mit den wenigen Figuren übers Brett gejagt hatten – waren wir nun aufs Sofa gewechselt, hatten das Vier-Gewinnt-Spiel zwischen uns stehen und spielten um halbe Streichhölzer. Ich hatte vor mir schon vier dieser Gewinnanzeiger liegen, während Connor nur eine Streichholzspitze vor sich liegen hatte. Bisher lag ich also vorne.
„Wieso gewinnst du eigentlich immer?“, murmelte er angestrengt, während er auf das kleine Spielfeld starrte und seinen Chip an den Platz fallen ließ, den er für richtig erachtete. Dabei hatte er so ein nachdenkliches Gesicht aufgelegt, dass ich nicht aufhören konnte, zu lächeln.
„Können“, erwiderte ich aber nur und platzierte meinen roten Chip. Ich schaute wieder auf, um genau sein Gesicht beobachten zu können, wenn er realisierte, dass er gleich verlieren würde. Und wie er sich ärgerte, dass er schon wieder nicht gewonnen hatte.
Und so verloren wir uns in der Zeit, an unserem ersten gemeinsamen Abend, in diesem altbackenen Cottage, mit der altbackenen Musik und den altbackenen Spielen, aber ich hatte selten so unfassbar viel Spaß gehabt, mit der ganzen Situation und dem Menschen da vor mir. Den wundervollen Menschen, der Connor halt war und der mich immer wieder anlächelte und mit voller Begeisterung erzählte und mir das Gefühl gab, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, mit ihm in dieses Cottage zu fahren. Wie richtig diese Entscheidung war, wusste er wohl aber selbst nicht.
Und so verloren wir uns in der Zeit, die Sekunden, Minuten und Stunden vergingen und die alte Pendeluhr, die fast eine Stunde vor ging, wurde irgendwann von uns ausgeblendet. Wir waren im Urlaub, Zeit spielte keine Rolle und ich wollte so viel von dem ersten Abend hier in mich aufsaugen, dass mir die Zeit irgendwann auch egal wurde. Doch irgendwann, da wurde die Zeit nicht mehr ganz so unwichtig und meine Augenlider wurden langsam schwer, ich hatte Probleme, sie weiter offenhalten zu halten. Und so driftete ich langsam ab, die leise Hintergrundmusik wiegte mich immer weiter in den Schlaf und mein Kopf kippte zur Seite.


‚Wahrscheinlich werde ich es bereuen, wenn du diese verdammten Nachrichten nach dem Urlaub jemals lesen solltest (wieso nimmst du dein Handy auch nicht mit), aber… Du siehst ziemlich süß aus, wenn du schläfst‘ (Connor, 23:56)


Ich brauchte wirklich einige Minuten, um mich zu reorientieren und zu wissen, wo ich war. Es war dunkel, stockdunkel, und meine Gliedmaßen waren so steif, dass ich Probleme hatte, mich aufzurichten. Irgendetwas piekte auch unangenehm in meine Seite und ich brauchte wirklich einige Momente, um zu verstehen, dass ich wohl gestern Abend einfach so eingeschlafen war. Auf diesem Sofa. Während des Spiels. Neben…
„Tori?“, hörte ich Connor leise und verschlafen murmeln und mein Herz zog sich kurz zusammen. Ich liebte diesen Spitznamen viel zu sehr. Und er war irgendwie der Einzige, der diesen Namen benutzte. Das machte das Ganze noch ein Stück besonderer.
„Wir sind auf dem Sofa eingeschlafen“, erwiderte ich leise und versuchte irgendwie aufzustehen. Meine Augen gewöhnten sich so langsam an die Dunkelheit und der schwarze Bildschirm des Röhrenfernsehers flackerte unangenehm.
„Mhm. Ich weiß, du bist irgendwann einfach eingeschlafen“, erwiderte er aber nur und ich streckte mich ein wenig.
„Also hast du mich beim Schlafen beobachtet?“, scherzte ich daher nur und stand auf, stolperte auf meinen Koffer zu, der neben Cons Tasche immer noch neben der Eingangstür stand.
Und eigentlich hatte ich erwartet, dass er irgendwas Scherzhaftes erwiderte, so wie er das immer tat, aber er schwieg nur, war mittlerweile neben mir an seiner Tasche angekommen.
„Normalerweise hätte ich dich wahrscheinlich ins Bett getragen, aber naja…“, meinte er, ohne meine Frage zu beantworten, und nickte zur Leiter, die direkt neben uns war.
„Wie klischeehaft“, murmelte ich lächelnd. „Und komm, wir sollten uns fertig machen und ins Bett. Und du gibt’s mir sicher recht, dass das Sofa so schrecklich unbequem ist, dass keiner von uns darauf schlafen sollte, hm?“, meinte ich dann und wartete gar nicht mehr auf eine Antwort. Ich wusste ja, dass ich recht hatte. Und ich wollte es auch gar nicht anders.

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StayingStrong 02. Oct 2017

Hey :)
Ich dachte, ich lass dir mal wieder einen Kommentar da. Da geht's ja ganz schön zur Sache bei den Vamps. Sehr viel Trubel haha
Aber mir gefällt's!
Außerdem finde es klasse, dass Connor Victoria so unterstützt. Und dein Schreibstil ist auch super!
LG

Aprocure 08. Oct 2017
Hey, vielen Dank für deine lieben Worte! Ich freu mich, dass du die Story immer noch verfolgst, dass ist klasse! Und ja, diese Story ist wohl eine der "typischeren" Fanfictions mit ein paar Klischees eingestreut, ich hatte da echt mal Lust drauf, sowas zu schreiben. Aber wenn es doch gut ankommt, ist ja alles super! Ich wünsche dir sehr viel Spaß bei den nächsten Kapitel :) Liebste Grüße!
StayingStrong 09. Jul 2017

Guten Abend,
das Kapitel ist echt der Hammer! :D
Ich musste so lachen, als sie Brad um den Wangenkuss gebeten hat!
Und der von Connor initiierte Abgang am Schluss ist auch sehr amüsant. Ich konnte quasi das ganze Kapitel bildlich vor mir sehen.
Hat mir sehr gut gefallen!
LG :)

P.s.: Die armen Bandmitglieder. Da hat Connor sie aber ordentlich verwirrt und geschockt haha

Aprocure 11. Jul 2017
Hallöchen! Mal ein wenig gute Laune und andere ärgern/verwirren muss ja auch mal sein, nach dem ganzen Kitsch :D. Ich freu mich, dass es dir so gut gefallen hat. Und vielen Dank für dein Review, natürlich! Liebste Grüße :)
NiiNchen0815 09. Jul 2017

Hey,

deine Gechichte ist wirklich gut.:)
Schade dass du nur Sonntags die Kapitel online stellst.

LG

Aprocure 11. Jul 2017
Hey! Vielen Dank, das freut mich! Leider schaffe ich es nicht noch öfter, aber ich bemühe mich, immerhin jeden Sonntas zu posten! Liebe Grüße!
StayingStrong 30. May 2017

Hey :)
Also ich bin eigentlich zufällig über deine FF gestolpert. Ich kenne weder die Namen der Bandmitglieder von The Vamps, noch viele Songs von ihnen. Aber ich muss wirklich sagen, dass mir deine Story und dein Schreibstil sehr gut gefallen. :)
Ich finde es gut, wie du mit den random WhatsApp-Nachrichten angefangen hast und wie sie sich jetzt, Monate später (was die Geschichte noch realer macht - tiefe Freundschaften und das dafür benötigte Vertrauen entstehen erst mit der Zeit), immer mehr näher kommen.
Ich freue mich schon auf die nächsten Kapitel und bin gespannt, was sich zwischen den Beiden entwickelt! Und ich bin neugierig darauf, wann sie denn in Kontakt mit dem jeweiligen Freundeskreis treten!
LG

Aprocure 05. Jun 2017
Hallöchen! Ich freue mich sehr, dass du überhaupt über diese Story gestolpert bist. Das Fandom ist hier ja noch ziemlich leer und ich bin die einzige Story hier uuund wenn du die Jungs auch gar nicht kennst, find ich das noch toller! Die Bandmitglieder werden später - wenn es dann irgendwann dazu kommen sollte, dass Victoria sie kennen lernt - auch nochmal ganz kurz vorgestellt, damit auch jeder mitkommt, wer jetzt alles Teil der Band ist und so weiter. Ich liebe diese Nachrichten viel zu sehr, sodass ich sie nicht loslassen konnte und somit sie auch jetzt immer noch vorkommen. Von daher wird es auch später noch viele Nachrichten geben ;) Und ich bin wirklich kein Fan von diesen überstürzten FF-Beziehungen, von daher gibts das bei mir einfach nicht und ich freu mich, dass dir meine Art, das zu behandeln, gefällt ;) Und vielen, vielen Dank für deine ganzen lieben Worte! Liebste Grüße und ich wünsche dir weiterhin viel Spaß!
StayingStrong 05. Jun 2017
Ja, das stimmt. Ich finde auch, dass es generell immer weniger FFs hier auf der Seite gibt... Das freut mich, dann lerne ich quasi was über die Band :D Die Nachrichten sind auch unglaublich süß! Also behalte sie ruhig bei! Dein Schreibstil ist einfach toll, also keine Ursache und gern geschehen :D Danke dir! Den werde ich bestimmt haben! ;)