Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit

25.

Auf dem Hofgelände war es ruhig geworden, als Elaine langsam durch die Dunkelheit ging. Der Tag war zwar lang gewesen, doch wie es oft so der Fall war, konnte sie noch nicht schlafen. Bereits seit ihrer Jugend kam das immer wieder vor und sie hatte inzwischen so ihre Methoden, sich die Zeit zu vertreiben. An der Grenze des Grundstückes hatte Joey sich die entsprechenden Lokalitäten für seine Trainingseinheiten eingerichtet und das kam der Dunkelhaarigen in dieser Nacht gerade gelegen. Noch einmal blickte sie sich prüfend um, soweit es eben möglich war, schlüpfte dann aus ihren Schuhen und dem schwarzen Trainingsanzug, den sie über gezogen hatte und ließ sich vom Beckenrand aus in den Pool gleiten, den der Sportler sich hier vor kurzem angelegt hatte. Ein Mitgebrachtes großes Tuch lag neben den Kleidern. „Uh“, machte sie leise und über ihren Körper zog sich sofort eine deutliche Gänsehaut. Es war eben doch erst Anfang Mai und das Becken war derzeit nicht beheizt worden, Nachts konnte es da durchaus noch empfindlich kühl werden. Aber gut, jammern half nichts, sie hatte es sich ja selbst ausgesucht.
Elaine schwamm einige Bahnen und holte dann tief Luft, bevor sie kurz tauchte. Es fühlte sich irgendwie fast angenehm an, nachdem sie von der Feier zuvor doch recht überhitzt war, wenn es nur nicht außen herum auch so kalt wäre.
„Du holst dir noch eine Erkältung, wenn du nicht vorsichtig bist“, sagte eine leise Stimme vom Rand aus, nachdem die Brünette wieder aufgetaucht war. Langsam schwamm Elaine zu der Stelle hinüber, wo John in die Hocke gegangen war und sie beobachtete. „Spionierst du mir nach?“, kam die ehrlich berechtigte Frage, auch wenn sie es nicht böse meinte. Er schüttelte wahrheitsgemäß den Kopf. „Ich muss zugeben, dass ich den Gedanken heute Abend schon hatte, aber nun war es wirklich Zufall. Meine Schlaflosigkeit ist dafür verantwortlich“. Das kannten sie ja schon und bereits vor vielen Jahren auf Tour waren sie sich nachts öfter über den Weg gelaufen. Lange bevor diese ganze unselige Geschichte zwischen ihnen begonnen hatte.

Inzwischen hatte Elaine die Arme auf dem Beckenrand abgelegt und sah zu ihm hinauf, während er eine Hand nach ihrem Arm ausstreckte und mit dem Finger einige kleine Wassertropfen beiseite wischte. „Frierst du nicht?“, bemerkte er nebenbei, doch sie hob ihre Schultern. „Schmerz und Kälte lassen einen wenigstens spüren, dass man am Leben ist“. Er musste Lächeln und sein Blick wanderte über ihre Gesichtszüge. „Es war schon früher so, je später, desto poetischer deine Worte“, erinnerte er sich und stellte fest, dass Elaine sich wieder abgestoßen hatte um nun das Becken zu durchschwimmen. Er folgte ihrem Weg am Rand entlang und stoppte erneut, als er neben einem weißen Stuhl angelangt war, wie sie eben meistens an Pools oder in Schwimmbädern zu finden waren. „Was.. tust du da?“, fragte die Dunkelhaarige entgeistert, nachdem ihr aufgefallen war, dass er zuerst seine Sweatjacke und dann das Hemd auf dem Stuhl abgelegt hatte. „Na, was meinst du denn“, lachte er, denn die Frage schien eigentlich überflüssig zu sein. Spätestens als die Hose dran war, drehte Elaine sich in die andere Richtung, da ihr nicht klar war, wie weit er gerade gehen wollte.
„Krieg dich ein, ich hab noch was an“, hörte die junge Frau in belustigtem Ton hinter sich, wo auch das Wasser leise plätscherte, an der Stelle, an welcher er hinein geklettert war. Nur langsam drehte sie sich wieder um und sah ihm kurz zu, was auch immer er da tat. „Du hast gefragt, was das soll?“, erkundigte er sich nach ihrer vorherigen Frage und die deutsch-Irin nickte langsam. „Zum Beispiel...“, plauderte er und schwamm dabei auf sie zu. „Das hier!“, wobei seine Hände sich auf ihre Schultern legten und sie so kurz unter Wasser drückten. Prustend tauchte Elaine wieder auf und wischte sich das lange Haar aus dem Gesicht. „Das wird dir noch leid tun!“, kündigte sie Rache an und war dann auch schon quer durch den Pool hinter ihm her. „Shhht warte mal, ich hab was gehört!“, zischte sie nach einer Weile und schwamm langsam zu ihm hinüber, nachdem er vorher über den Beckenrand und ein kleines Sprungbrett vor ihr geflüchtet war. „Meinst du, da ist jemand?“, hakte John bei ihr nach. „Ja.. ICH!“ Damit hatte sie ihn auch schon rückwärts das fehlende Stück an den Beckenrand gedrängt und ihre Arme dabei zu beiden Seiten neben ihm abgelegt. „Und jetzt hab ich dich“, gab sie triumphierend zu verstehen und er lachte. „Punkt für dich, das war gut ausgedacht“.

Natürlich waren sie eigentlich ein wenig zu alt für solche Kindereien, aber manchmal tat es dann eben doch gut. „Und was hast du jetzt vor, wo du mich gefangen hast?“, schien er sich ehrlich interessiert zu erkundigen und Elaine ließ den Kopf hin und her wiegen. „Ich könnte dich foltern. Oder dich zu Sklavenarbeit zwingen. Außer du schaffst es irgendwie, mich zu überzeugen, dass ich dich verschone“. Um ehrlich zu sein war der früheren Security-Agentin durchaus klar, dass sie ihn gerade wieder zu vermeintlichen Dummheiten provozierte, aber darin hatten sie beide ja schon immer Talent gehabt. Was John vorläufig allerdings deutlich mehr Gedanken machte, war ihr unablässiges Zittern, dass sie vor ihm zu verstecken versuchte. „Du bist eiskalt“, merkte er besorgt an, nachdem er seine Hand prüfend an ihren Arm gelegt hatte. Wieder winkte sie nur ab, doch dieses mal ließ er sich nicht abwimmeln und fasste sie auch am anderen Arm „Ein richtiger Eiszapfen. Na los, raus jetzt!“. Elaine war nicht besonders groß oder schwer, so dass er nur wenig Mühe hatte, sie ein Stück nach oben zu heben und auf dem Rand abzusetzen. „Kscht!“, scheuchte er grinsend weiter und folgte dann auch gleich direkt, um ihr ohne Umschweife das Handtuch um die Schultern zu legen und sie leicht an sich zu drücken.
War es eigentlich wirklich öfter Zufall, oder brachte er sie jedes Mal mit voller Absicht in solche Situationen? „Du weißt, was du da gerade tust....“, hakte Elaine flüsternd nach und spürte, wie seine Hände langsam über ihren Rücken strichen. „Wofür hältst du mich? Ich wärme dich nur auf, das ist alles. Du kennst mich doch“, kam die leise Antwort und nun zog die Dunkelhaarige den Kopf ein kleines Stück zurück, um ihn ansehen zu können. „Ja, ich kenne dich. Genau deshalb hab' ich es gesagt“. John gab keine Antwort, sah aber zuerst nachdenklich aus und musste dann ergeben grinsen. Ein Unschuldslamm war er ja nicht gerade und wenn jemand das wusste, dann eindeutig Elaine.

„Paddy weiß es“, erinnerte sie sich nach einer Weile an das kurze Gespräch beim Tanzen mit seinem Bruder. „Wohl nicht das von ganz früher aber..“ Sie merkte, wie er nickte. „Raelyn auch. Sie hat Andeutungen gemacht, als wir beieinander standen“, berichtete John von seiner eigenen Unterhaltung und schließlich fanden sie dann auch heraus, dass keiner von ihnen wirklich eine Antwort gegeben hatte. Schon Jahre zuvor hatten sie öfter Gespräche darüber gehabt, endlich reinen Tisch machen zu müssen und tatsächlich war das auch der Grund für ihre Trennung gewesen, nachdem sie gut anderthalb Jahre mehr oder weniger eine Beziehung geführt hatten – wenn auch heimlich. „Schon absurd, dass ich mir so viele Gedanken über seine Reaktion gemacht habe und jetzt geht er dermaßen gelassen damit um“, warf Elaine ein und wurde in dem Moment praktisch von einer Sekunde auf die andere einfach unglaublich traurig über die gesamte Situation. Es entging auch John nicht und er legte eine Hand jetzt auf ihre Schulter. „Was hast du?“, erkundigte er sich über ihren plötzlichen Stimmungswechsel und Elaine löste sich, um ein paar Schritte zu gehen. „Hatte ich früher gewusst.... damals in München... ich hab alles kaputt gemacht...“
Es traf ihn auch jetzt wieder, wie jedes mal, wenn sie so verletzlich wirkte und mit nur wenigen Schritten stand er auch schon erneut vor ihr. „Tu das bitte nicht. Dir wieder an allem die Schuld geben. Das ist jetzt sechs Jahre her. Eigentlich eine lange Zeit.“ Für Elaine offenbar nicht lange genug, um wirklich darüber hinweg zu kommen.

„Dinge passieren, aber inzwischen führt doch jeder von uns ein ganz anderes Leben, über das wir glücklich sein sollten. Du bist verlobt und hast einen ganz tollen kleinen Sohn. Ich bin verheiratet und Maite ist... ich glaube es gibt kaum einen besseren und netteren Menschen als sie. Wir harmonieren einfach in jeglicher Hinsicht.“ Das traf Elaine jetzt deutlich mehr, als es ihr lieb sein konnte, obwohl sie wusste, dass es absolut gut und richtig war, wenn er so positiv über seine Frau redete. „Ich weiß was du meinst“, gab sie nickend zu verstehen und schaffte dann sogar ein kleines Lächeln, während sie nach ihren Sachen am Boden langte. „Manchmal zeigt sich eben doch, das du älter und schlauer bist als ich und nicht anders herum. Selten, aber wahr“. Sie probierte es mit einem Scherz und zwinkerte ihm noch zu. „Es wird wirklich frisch und ich sollte gehen. Ich glaube nicht, dass wir morgen zum Brunch noch da sind, eigentlich hab ich Termine und sollte zurück.“
Der Musiker hatte das erreicht, was er mit seinen Worten bezwecken wollte, doch der Gedanke, dass sie am nächsten Tag wieder einfach weg sein würde, bereitete ihm deutlich Unbehagen. „Ansonsten schätze ich, bis Weihnachten oder Silvester? Es sei denn, vorher heiratet nochmal irgendjemand oder sonst was. Bis dann“. Und sie hatte es plötzlich ziemlich eilig, weg zu kommen und in ihrem Zimmer zu verschwinden. Dort angekommen blieb die Dunkelhaarige zunächst mit einem Seufzen einfach mitten im Raum stehen, raffte sich nach einer Weile dann aber wieder auf und hängte ihre nassen Sachen über einige Stühle und auf Kleiderbügeln an den Schrank.

Sie erschrak, als in der Stille plötzlich ein Geräusch von der Tür her kam, denn auch wenn es nur ein kurzes, einzelnes Klopfen gewesen war, hörte man so etwas bei Nacht immer viel deutlicher als Tags über. Womöglich hatte nur einer der betrunkenen Gäste das Zimmer verwechselt und würde gleich wieder verschwinden, wenn er merkte, dass er hier nicht hinein kam. Ungefähr eine Minute später wiederholte es sich dann tatsächlich und machte Elaine doch stutzig, so dass sie nach einem Zögern hinüber ging und langsam öffnete. „Ich hätte nicht geglaubt, dass ich doch ein so guter Schauspieler bin“, gab John leise zu verstehen, der ihr im Dunkeln gegenüber stand. Ja, er hatte zuvor am Pool bezweckt, dass sie einsah, wie viel besser es war, wenn sie jeweils bei ihren aktuellen Partnern blieben und das was zwischen ihnen passiert war endlich vergessen konnten. Kaum dass sie gegangen war, hatte es ihm allerdings schon wieder leid getan und er konnte es scheinbar nicht so auf sich beruhen lassen. Die deutsch-Irin war nicht ganz sicher, was er mit seinen Worten zu sagen versuchte und war gerade dabei, den Mund zu öffnen, als er stattdessen erneut sprach.
„Die letzten drei Jahre waren vielleicht die Schlimmsten in meinem bisherigen Leben. Mir war absolut klar, dass es besser wäre, Dich und unsere gemeinsame Vergangenheit zu vergessen, aber ich konnte einfach nicht.“ Elaine sah ihn mit einem undefinierbaren Blick an, denn es schien wieder einmal einer der Momente zu sein, in denen sie sich einfach nur wünschte, dass all die Probleme mit einem Schlag verschwanden. „Nicht zu wissen, wie es dir geht, wo du bist und das alles einfach, hat mich beinahe verrückt gemacht. In Irland damals, ich war mir so sicher, dass mein Plan funktionieren könnte... bis wir unterbrochen wurden“. Die Brünette nickte, denn sie erinnerte sich an den Augenblick, als wäre es gestern gewesen. John hatte sie praktisch überredet, mit ihm nach Spanien zu kommen, sie hatten sich geküsst und genau dann war seine Frau aufgetaucht. Die Spanierin hatte ihnen mit ihrem Erscheinen deutlich gemacht, dass es unmöglich war, diese Heimlichkeiten für immer und ewig aufrecht zu erhalten. Es war wohl wieder mal nur ein schöner Traum gewesen, nicht mehr und nicht weniger.

„Es ist nicht deine Schuld, sondern meine“, sagte Elaine zwischendurch und John musterte sie kopfschüttelnd, während er näher kam und die Arme langsam um sie legte. „Bitte nicht das wieder. Wir sind alle Menschen und jeder macht Fehler. Ich hätte Maite damals in Irland sagen können, was zwischen Dir und mir ist.. oder war. Ich hätte ihr zwar damit sehr weh getan, aber uns beiden vieles leichter gemacht. Doch ich hab es nicht getan und dafür kannst DU nun wirklich nichts“. Mit geschlossenen Augen lehnte sie sich an ihn und jede einzelne Berührung tat wieder einmal so unglaublich gut. „Ich hoffe nur, dass wir entweder irgendwann darüber hinweg kommen und bis in ein paar Jahren als Freunde darüber lachen können.. oder dass wir doch eines Tages auf einen gemeinsamen Nenner kommen“. Was von beidem er lieber wollte, das sagte er nicht, doch Elaine wusste zumindest, in welche Richtung sie selbst tendierte. Immer würde sie sich in so einem Fall für ihn entscheiden, so war es schon seit jeher gewesen.
„Du musst mir noch etwas beantworten. Und sei bitte ehrlich, in Ordnung?“ Elaine wurde nervös, denn solche Fragen befassten sich meist mit eher unangenehmen Fragen. Sie hatte da eine bestimmte Befürchtung, nickte aber, als sie einander nun anblickten.

„Wenn wir hier weg fahren... kann ich dann damit rechnen, dass bis zu unserem nächsten Treffen wieder mehrere Jahre vergehen?“ Sofort schüttelte Elaine eifrig den Kopf. „Es war wegen Ryan, dann wurde ich schwanger und brauchte einfach Zeit für mich.. oder uns. London hatte mir schon einmal geholfen, Abstand zu gewinnen und da schien das die beste Lösung zu sein“. Zwar entsprach nur ein Teil dieser Erklärung der Wahrheit, doch das tat in dem Moment nichts zur Sache. „Ich hoffe, dass du mir gerade die Wahrheit sagst“, meinte John leise, und küsste die Jüngere dann vorsichtig auf die Stirn. Noch eine Weile standen sie beieinander, schafften es irgendwann aber tatsächlich, sich auf gewöhnliche Art zu verabschieden und jeder ging am kommenden Morgen wieder seine eigenen Wege. Sie hatten es dieses Mal tatsächlich geschafft, nicht im selben Bett zu landen, wobei Elaine hier und da darüber nachdachte, dass genau das fast schade war.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^