Who'll come with me?

vor 21 Std.
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

3.

Es war der 28. September 1995 und bereits seit vier Tagen gastierte die gesamte Tour inzwischen in Paris. Vier gut besuchte Konzerte und nun stand ein Tag Pause an, bevor es am frühen Morgen des 30.9 zurück nach Deutschland gehen würde zu einem weiteren Auftritt in Bielefeld. Elaine sah auf die Uhr – kurz nach halb drei - und blickte dann durch das Fenster des Wohnmobils hinaus in den dunklen Himmel. Sie schlief in letzter Zeit öfter erst sehr spät ein, da ihr zu viele Dinge durch den Kopf gingen. Für jemanden in ihrem Alter erlebte sie schon eine ganze Menge und führte seit Ende Februar eine Beziehung mit dem knapp zwei Jahre älteren Paddy Kelly, welcher DER Mädchenschwarm der Familienband war. Sie kannten sich schon mehrere Jahre, doch dann war es eben irgendwie passiert, dass es zwischen ihnen gefunkt hatte. Genauer gesagt war Paddy an ihr interessiert gewesen und Elaine hatte - weil sich sich natürlich auch geschmeichelt fühlte - einfach zugestimmt.

Elaine hatte kein Problem damit, dass sie nicht in der Öffentlichkeit als Freundin präsentiert wurde, denn um ehrlich zu sein, war sie kein Mensch der auf Bekanntheit abzielte. Ihr Freund war in dieser Beziehung die prominente Person und somit sollte er auch entscheiden, wie sie das handhaben sollten. Warum sie trotz so vermeintlich viel Glück schlaflose Nächte hatte? Sicher, sie hatte ihn durchaus gern, aber etwas entscheidendes schien einfach zu fehlen.

Die Brünette setzte sich in ihrem Bett auf und lauschte in die Dunkelheit. Irgendwo draußen vernahm sie verschiedene Geräusche, doch der Ton, auf den sie hoffte, war das gleichmäßige Schnarchen ihres Vaters im Schlafbereich auf der anderen seite des Wohnmobils. Sie schwang ihre Beine über die Bettkante und griff nach der Jeans an einem Stuhl unweit zu ihrer Rechten. Es war nicht das erste Mal, dass sie im Dunkeln raus ging, doch musste sie es stets heimlich tun, denn Ed als Sicherheitschef hatte es selbstredend nicht gern, wenn seine noch minderjährige Tochter sich mitten in der Nacht in einer fremden Stadt draußen allein herum trieb. Die blieb zwar stets in der Nähe der Trailer, aber dennoch war es Ed deutlich lieber, wenn sie in seiner Nähe blieb.

Elaine schlüpfte in ihre Hose und öffnete gut geübt die Tür des Trailers, welche ansonsten eigentlich deutlich quietschte. Nach mehreren Malen wusste man eben, wie man wohin fassen musste, damit das verräterische Geräusch ausblieb. Ein kleiner Schritt die zwei Metallstufen hinab und schon atmete sie die kühle Luft einer frühen Herbstnacht in Paris ein.
Zu gerne hätte sie den Eiffelturm aus der Nähe gesehen, doch ob am nächsten Tag dafür Zeit blieb wusste sie jetzt noch nicht. Ihrer Einschätzung nach nutzten die anderen die kleine Konzertpause bestimmt, um an etwas anderem zu arbeiten. Zumindest Paddy würde eher nicht verfügbar sein, denn er stellte für jeden einzelnen Auftritt sein ganz spezielles Programm zusammen, mit dem er den jeweiligen Abend moderierte. Er war wirklich zum Showmaster geboren.

Einige Schritte ging Elaine und hing ihren Gedanken nach, ehe sie abrupt stehen blieb und in die Dunkelheit lauschte, wo von einem der Trucks her Spanisch anmutende Gitarrenlaute klangen. Sehen konnte sie von ihrem jetzigen Platz aus nichts, obwohl dort jemand eine kleine Lampe entzündet hatte. Unschlüssig stand die Brünette da und sah zwischen ihrem Trailer und dem kleinen Lichtschein hin und her. Von der hellen Stelle schien eine Art magische Anziehungskraft auszugehen, denn noch während des Überlegens ging sie bereits langsam auf die Stelle zu. Hinter einem anderen blieb sie schließlich stehen und sah vorsichtig um die Ecke, wobei sie sich gleich erschrak. Viel näher als erwartet stand sie bei der dort sitzenden Person und obendrein bekam sie ob der Tatsache, WER dort spielte sogleich Herzklopfen. Am besten sie hörte noch eine kleine Weile zu und ging dann einfach wieder.

“Why are you hiding?”, fragte John kurz darauf, wobei in seiner Stimme ein Zögern zu hören war, als hätte er sich mehrfach überlegt, ob er überhaupt etwas sagen sollte. Er spielte noch immer, jetzt allerdings viel leiser. Wie hatte er sie denn sehen können? Elaine schämte sich ein wenig, dass sie ihn beobachtet hatte, denn wen sie genauer überlegte, so stellte sie fest, dass es ihr wohl ebenso unangenehm wäre, wenn man ihr zusah und sich dabei versteckte.
„Tut mir leid“, murmelte sie und kam schließlich aus ihrer Deckung. Sie schluckte kurz, denn so im Halbdunkel sah er einfach verboten gut aus. Das hüftlange Haar trug er im Nacken zusammengebunden und seine Kleidung bestand jetzt nur aus einem einfachen weißen Hemd und dunkler Hose. Ja, es konnte auch mal ohne bunte, fröhliche Hippiekleider gehen. „Aber wie konntest du mich denn sehen, du warst doch völlig auf deine Gitarre konzentriert?“ Die Hände nun still haltend lächelte John sanft und schüttelte kaum merklich den Kopf. „Ich sehe nicht viel außerhalb vom Licht das die Lampe gibt. Dein Parfum hat dich verraten“. Nur gut, dass es dunkel war, denn Elaine spürte, wie ihre Wangen heiß wurden und sie hatte die Befürchtung, dass sie noch dazu auch errötete. Er wusste, welchen Duft sie trug und hatte es sich gemerkt? „Oh..Ich wollte dich nicht stören und verziehe mich auch gleich wieder. Sorry nochmal“.

Sie mochte eigentlich nicht wieder ins Bett gehen, doch viel anderes blieb nun nicht mehr übrig, nachdem sie in dieser Nacht nicht die einzige Schlaflose war, die draußen herum streunerte. „No, please wait“, hielt John sie tatsächlich auf und rückte auf seiner Bank etwas beiseite, um ihr Platz zu machen. „Ich habe dich schon die letzten Nächte draußen gesehen. Du kannst öfter nicht gut schlafen, richtig?“ Verblüfft blickte Elaine in seine Richtung und kam dann tatsächlich näher, um sich etwas zögerlich neben ihn zu setzen. „Woher weißt du das?“, hakte sie nach und drehte den Kopf seitlich, um in sein Gesicht sehen zu können. Es war wohl näher und privater, als sie sich jemals zuvor unterhalten hatten, doch insgeheim war so eine Situation Elaine mehr als willkommen.
„Du bist nicht die einzige, die gut darin ist, andere still zu beobachten. Und auch mit der Schlaflosigkeit bist du nicht alleine“. Wollte er damit sagen, dass er auch eher schwer Ruhe fand? Elaine lächelte nur und sah zu seiner Gitarre. „Was war das für ein Song, den du gespielt hast? Ich habe ihn eben zum ersten mal gehört.“
Anstatt eine Antwort zu geben, stimmte John die Akkorde von zuvor wieder an und es dauerte eine Weile, bis der Part mit dem Text kam.

„Sin ti no puedo estar. Eres toda mi vida. Mi amor y mi pasión. y si te pierdo, pierdo mi corazón“, sang er leise, wobei Elaine zwar die Worte akustisch verstand, jedoch fehlten ihr die Sprachkenntnisse, um die Bedeutung dahinter zu verstehen. John wusste das anscheinend und während er leise weiter spielte, übersetzte er die gesungenen Worte sinngemäß ins Deutsche.
„Ohne dich kann ich nicht sein. Du bist mein ganzes Leben. Meine Liebe und meine Leidenschaft. Wenn ich dich verliere, verliere ich mein Herz... in etwa so“, erklärte er in leisem Ton und Elaine hing förmlich an seinen Lippen. Er ahnte ja gar nicht, was dieses außerplanmäßige Treffen gerade bei der jungen Frau neben ihm verursachte, wie sollte er auch?
„Das Lied habe ich in meiner Jugend in Spanien gelernt. Ich glaube, es ist gar nicht bekannt und wurde von jemandem aus dem Dorf erfunden, in dem wir damals gelebt haben. Kannst du Gitarre spielen?“

Ein wenig verdutzt von dem raschen Themenwechsel blinzelte Elaine ihn an und schüttelte den Kopf. „Nur Klavier. Für Gitarrenstunden war nicht auch noch Zeit.“ Außerdem war sie längst kein Multitalent wie jeder einzelne der Kellys. Sie alle spielten gleich mehrere Instrumente, darunter auch solche, die sich gar nicht ähnlich waren. Man sagte ja, wer Klavier konnte, der war auch am Keyboard zu gebrauchen, Flöte und Klarinette, Gitarre und Banjo. Von John zum Beispiel wusste Elaine, dass er Gitarre und Bass, somit zwei sich ähnliche, spielen konnte dafür aber auch Schlagzeug und Harfe, die sich völlig davon unterschieden.
Eine flüchtige Berührung von ihm riss Elaine urplötzlich aus ihren Gedanken und sie stellte fest, dass er ihr kurzerhand die Gitarre übergeben hatte, wobei er ihre Hände mit seinen festhielt und somit ihre Finger die passenden Griffe machen ließ. „Wenn du musikalisch bist, dann liegt dir vielleicht mehr als nur ein Instrument. Allerdings darfst du dann nicht deinem Vater ähnlich sein, denn er ist ungefähr so musikalisch wie eine rostige Gießkanne“. Sie mussten beide lachen, denn es war die absolute Wahrheit. Ed konnte zwar bei einigen Gläsern Bier viele Songs auswendig schmettern, doch schön war leider ganz anders.

„Was ist das Problem, dass du nicht schlafen kannst?“, fragte John vorsichtig nach, während er Elaine leise „Too many ways“ spielen ließ. Sein Ton bei der Frage klang vorsichtig und doch ein wenig so, als hätte er eine bestimmte Ahnung. Er konnte es nicht wissen, oder? Nein, unmöglich.
Elaine holte kurz luft und sah währenddessen immer noch auf ihre übereinander liegenden Hände hinab. „Mir geht vieles durch den Kopf. Weißt du wie es ist, wenn es da etwas gibt, dass du niemandem sagen kannst? Es lässt dich einfach nicht los, aber es gibt keine Möglichkeit, mit jemandem darüber zu reden, weil du keinen anderen damit belasten möchtest..“ Das war es in etwa, wie sie sich fühlte, ohne nun ins Detail gehen zu müssen.
„Ich weiß sogar ganz genau, wie das ist. Believe it or not...“, gab John leise zur Antwort, während er Elaine vielleicht etwas zu aufmerksam seitlich beobachtete. Er fand, dass sie im leicht flackernden Licht der Campinglampe unglaublich hübsch aussah und hatte zu seiner eigenen Überraschung sogar tatsächlich Mühe, sich auf die Griffe an der Gitarre zu konzentrieren. Nicht nur ein mal hatte er sich selbst gesagt, dass sie zu jung war, obendrein die Freundin seines Bruders und die Tochter eines seiner längsten Freunde und Geschäftskollegen.

Elaine unterdessen merkte, wie sie bei all der Nähe von einer Flut an Gefühlen beinahe überrollt wurde und erhob sich völlig unerwartet, sie sprang beinahe auf und gab John die Gitarre zurück. „Danke, ich muss jetzt wieder..“, stammelte sie für ihre Art völlig untypisch und wirkte dabei enorm aufgelöst, ehe sie außerhalb des Scheins der Lampe davon stolperte. Er sollte sie so nicht sehen, denn aus allem, was sie sich insgeheim manchmal so vorstellte, würde nie etwas anderes als Träumerei werden, es sollte auch gar nicht sein. Sie war mit Paddy zusammen, er war ein anständiger Kerl und alles andere gehörte sich einfach nicht. Jetzt zurück in den Trailer? Nein, in dieser Stimmung musste sie irgendetwas tun. Einfach in ihrem Bett liegend würde sie wohl nur verrückt werden.

Bevor sie sich für eine Möglichkeit entscheiden konnte, kam John zwischen zwei stehenden Trucks hindurch und schnitt ihr seitlich den weg ab. „Bleib bitte stehen“, forderte er Elaine auf und sein Tonfall klang ehrlich besorgt. „For heaven's sake... was ist denn nur passiert?“, fügte er erschrocken an, nachdem er ihren Gesichtsausdruck gesehen hatte und wie sie fast panisch nach Luft schnappte. Sie konnte mit vielem umgehen, aber was derzeit in ihrer Gefühlswelt vor sich ging, überforderte sie einfach. Gerade weil sie bei allen anderen Angelegenheiten ziemlich robust reagierte, machte diese Sache sie umso mehr fertig.
„Beruhig dich bitte“, versuchte John weiter, sie zum stehenbleiben zu bewegen und bekam sie dann endlich an den Schultern zu fassen, so dass er sie nun zu sich drehen konnte. „Elaine..“.
Er wusste nicht so richtig, womit er sie beruhigen sollte und so tat er das erste, was ihm in den Sinn kam, wozu er keine Worte benötigte.
Elaine fand sich sanft an ihn gedrückt wieder und wollte ihm zuerst sagen, dass er es lassen sollte, doch sich jetzt zurückziehen, wo sie ihm so nahe gekommen war? Es wäre besser, aber Vernunft war eben nicht immer vorrangig.

„It's Cause you had a fight?“ , versuchte John es nach einer weile noch einmal leise und seine Hand strich ganz sachte über ihren Hinterkopf, während ihr Gesicht seitlich an seiner Brust lag. Seiner Vermutung nach lag dem ganzen eine Auseinandersetzung mit seinem Bruder zugrunde. So etwas gab es in jeder Beziehung, war aber nicht für jeden gleich gut zu verkraften. Das bedenkliche fand John im Augenblick viel eher, dass ihm diese Nähe viel zu gut gefiel. Elaine sagte zwar etwas, murmelte zunächst aber nur unverständlich vor sich hin, bis John eine Hand unter ihr Kinn legte und sie somit dazu bewegte, ihn anzusehen. „Es wird dir nicht besser gehen, wenn du alles für dich behältst“, riet er noch einmal leise und verlor sich für einen Moment in ihren grünen Augen. Er wollte sie beschützen, für sie da sein und noch allerlei anderes, was viel eher die Aufgabe seines jüngeren Bruders war... dessen Freundin er sich gerade viel mehr näherte, als dass es noch gesund sein konnte.

„Wir hatten keinen Streit. Er hat nichts damit zu tun“, brachte die Dunkelhaarige schließlich hervor und blieb an seinem Blick hängen. Es war eine wirklich blöde Idee, aber sie konnte es nicht länger zurückhalten, jetzt wo sie sich unverhofft so nahe gekommen waren. „Ich...muss dir etwas sagen“, presste sie hervor, atmete mehrere Male tief ein und aus. Noch bevor sie weitersprechen konnte, hob er die Hand ein weiteres Stück an und ließ seinen Daumen leicht über ihre Wange streichen. „Das war es, was ich befürchtet hatte“, flüsterte er und der Ausdruck, der in seinen Augen lag, kam Elaine ein wenig merkwürdig vor. Er wusste es! Ganz ohne dass sie es wirklich hatte aussprechen müssen. Flatternd schloss die junge Frau ihre Augen, als John seine Wange an ihre legte und leise in ihr Ohr sprach. „Weißt du eigentlich, wie alt ich bin?“, hörte sie seine Worte und nickte nur kaum sichtbar. Altersunterschiede bedeuteten für sie eigentlich nichts. „Du musst verstehen, dass das nicht geht“, fuhr er kaum hörbar fort und sog den feinen Duft ein, der von ihr ausging.

Plötzlich umrahmte er ihr Gesicht mit beiden Händen, so dass Elaine erneut dazu gezwungen war, ihn direkt anzusehen. „Du bist jung und so eine vorübergehende Schwärmerei ist normal. Man darf niemals Freundlichkeit und Sympathie mit ernsthaften Gefühlen verwechseln“. Wem wollte er eigentlich gerade etwas vormachen? Sein Blick wanderte über ihre Züge und noch bevor Elaine wieder dazu ansetzen konnte, ihm zu widersprechen, hatte er ihren Mund plötzlich mit seinen Lippen verschlossen.
Nein, dieses Mal war es kein Traum und um sich davon auch tatsächlich zu überzeugen, hielt Elaine sich an seinem Hemd fest, wie ein Schiffbrüchiger an seinem Rettungsring.

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Mq 27. May 2017

*ob das

Mq 27. May 2017

Hallöchen,
Deine Fanfiction ist sehr spannend. Obdachlose mal gut läuft mit denen?
Der arme Paddy er tut mir richtig leid er ist so ahnungslos.
Bin echt gespannt wie es weiter geht.
LG

Cherry84 27. May 2017
Vielen lieben Dank für deinen Kommmentar. Mir tun die Jungs ja selbst alle beide Leid und Elaine gleich mit. Klar, das wächst alles auf meinem Mist, aber trotzdem *lach* Nun, wir werden sehen, was noch draus wird. Vorab verrate ich ja nichts, sonst habt ihr keinen Grund mehr zum weiter Lesen ^^ LG
Casnix 26. May 2017

Casnix 26. May 2017

Ich lese immer noch fleißig und bin total begeistert. Eine tolle Geschichte und sehr gut geschrieben. Richtig spannend.

Casnix 19. May 2017

Der Beginn klingt schon sehr vielversprechend. Gefällt mir sehr gut. Schön, dass John eine große Rolle spielt. Ich bin gespannt wie es weitergeht.

Cherry84 19. May 2017
Dankeschön :) John war schon früher immer mein Favorit und über ihn gibt es eher wenig an Fanfiction im vergleich mit zb. Angelo oder Paddy. Schauen wir mal, was hier noch so draus wird *grins*