Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: * Stammt aus Irland, Verfasser unbekannt

43.

„Welchen Namen haben sie ihrem Kind gegeben?“, fragte der grauhaarige Mann und sah lächelnd zwischen Paddy und Rae hin und her, die in der ersten Kirchenbank saßen und sehr aufmerksam auf ihren kleinen Sohn hinab sahen, der auf dem Arm seiner Mutter halb eingedöst war. „Aidan Patrick. Und wir erbitten für unseren Sohn von der Kirche Gottes die Taufe“, antworteten sie gemeinsam und sahen sich daraufhin mit einem Blick an, den wohl nur Leute verstanden, die selbst Eltern waren. Natürlich hatten sie ihren Text auswendig gelernt, aber das änderte nicht die Tatsache, dass die drei einfach ein total süßes Bild miteinander abgaben.
Elaine saß im linken Mittelschiff der Kirche ebenfalls in erster Reihe, direkt neben John zu ihrer rechten, Noah links und neben ihrem Sohn saß Rion McGregor, Rae's älterer Bruder. Der Schotte schien ein sehr aufgeschlossener Mensch zu sein, denn kaum das sie einander vorgestellt worden waren, hatte er auch gleich eine rege Unterhaltung angefangen. Er hatte einen ganz leichten Dialekt, doch auch hier merkte man, dass die Familie lange in Deutschland gelebt hatte. 
„Liebe Paten, die Eltern dieses Kindes haben Sie gebeten, das Patenamt zu übernehmen. Sie sollen Ihr Patenkind auf seinem Lebensweg begleiten, es im Glauben mittragen und es hinführen zu einem Leben in der Gemeinschaft der Kirche. Sind Sie bereit, diese Aufgabe zu übernehmen und damit die Eltern zu unterstützen?“, fuhr der Priester jetzt fort, ehe er langsam die wenigen Stufen vom Altarraum hinab zu den ersten Bänken ging und dem kleinen Aidan mit dem Daumen ein Kreuz auf die Stirn zeichnete „“Ich bin bereit“, meldeten John und Rion sich einstimmig zu Wort und kaum zu ende gesprochen, wechselte der Ire einen vertrauten Blick mit Elaine, die ihn breit anlächelte. Er war ganz aus dem Häuschen gewesen, als sein Bruder ihn darum gebeten hatte, Pate für Aidan zu werden und wieder einmal zeigte sich, wie gern er Kinder mochte. 

Es folgte eine Lesung und verschiedene Fürbitten, jeweils von Angelo, Patricia, Rion und Rae's Vater vorgetragen, ehe die kleine Gemeinde schließlich zum Taufbecken gebeten wurde, wo sich alle im Kreis versammelten. Wieder einmal fiel Elaine auf, dass alle anderen wesentlich mehr Ahnung von Kirche hatten, als sie selbst, denn um sie herum wusste man ganz genau, was man bei den Fragen nach Absage und Glaubensbekenntnis sagen musste. Sie selbst war gut im Improvisieren und hatte nach einer Weile dann auch begriffen wie es ungefähr ging. 
Der Priester bekam von einem Helfer eine kleine Silberne Kanne gereicht, während er Rae dazu aufforderte, ihren Sohn ein wenig über das Becken zu halten. „Aidan Patrick, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, sprach er und goss dem kleinen Jungen drei Mal vom Weihwasser über den Kopf. Aidan blinzelte ein wenig erstaunt und machte dann mit dem Mund ein blubberndes Geräusch, was alle leise lachen ließ.
Es folgte die Salbung mit einem ziemlich gut riechenden Öl aus einem kleinen Gefäß, anschließend wurde dem Baby ein weißes Gewand kurz übergelegt und schließlich schickte der Priester Paddy an eine große Osterkerze um dort die kleinere Taufkerze zu entzünden. 
„Aidan, empfange das Licht Christi. Liebe Eltern und Paten! Ihnen wird dieses Licht anvertraut. Christus, das Licht der Welt, hat Ihr Kind erleuchtet. Es soll als Kind des Lichtes leben, sich im Glauben bewähren und dem Herrn und allen Heiligen entgegengehen, wenn er kommt in Herrlichkeit.“ zelebrierte der Geistliche und sah dann in sein kleines rotes Handbuch, ehe er John zunickte, der eine Karte aus der Innentasche seiner Jacke hervor holte. „Even if you don't remember...“ begann er und sah Paddy an, ehe er schmunzelnd den Kopf schüttelte, denn in einer deutschen Kirche sollte er auch bei der entsprechenden Sprache bleiben. „Du erinnerst dich nicht daran, aber diesen Spruch hat unser Vater vor über zwanzig Jahren bei deiner eigenen Taufe in Irland vorgelesen. Ich fand ihn schon immer passend und so soll er jetzt auch für Aidan sein.“ Er trat zu ihnen hinüber und hielt die kleine Hand des Babys leicht fest. 
„*Deine Hände sollen immer Arbeit finden,
immer einen Groschen in der Tasche,
wenn Du ihn brauchst.
Das Sonnenlicht soll in Dein Fenster scheinen
und Dein Herz voll Gewissheit sein,
dass nach jedem Unwetter ein Regenbogen leuchtet.
Der Tag sei Dir günstig und die Nacht Dir gnädig.
Die gute Hand eines Freundes soll Dich immer halten.
Und möge Gott Dir das Herz erfüllen,
mit Frohsinn und Freude.“, sprach der Blonde zur Hälfte auswendig und sowohl Paddy, als auch Rae schienen sehr gerührt und nickten eifrig, als er zu Ende gesprochen hatte. 

Das obligatorische „Vater Unser“, gefolgt von einem Segen schloss die Feier ab und in schönstem Sonnenschein traten alle miteinander schließlich durch das große Portal auf den Kirchplatz hinaus. „Ich hätte auch etwas vorgelesen, aber ich kann in deutsch nicht sehr gut texten“, murmelte Rion seitlich neben Elaine und grinste schief, was sie auch zum schmunzeln brachte. „Aber ihre Fürbitte war doch auch ganz schön“, erinnerte Elaine den Mann und er ließ den Kopf wiegen. „Indeed. Aber bitte nicht „Sie“ sagen, in Ordnung. Ist doch alles die selbe Familie“. Die Brünette lachte und schüttelte den Kopf. „Ich gehöre nicht zur Verwandtschaft“. John hatte das Gespräch mitgehört und mischte sich nun auch ein. „Sie ist unser Bodyguard!“, gebrauchte er trocken die Worte, die Elaine sonst immer selbst nutzte und legte eine Hand an ihren Rücken, um sie mit sanfter Gewalt zum Auto zu befördern, da sie zusammen gefahren waren. Es gefiel ihm überhaupt nicht, wie dieser Schotte Elaine ansah, aber so direkt sagen konnte er das nun ja auch nicht, wenn er keinen komischen Eindruck machen wollte.
„Was war das eigentlich für ein total toll riechendes Zeug, was der Priester Aidan auf die Stirn geschmiert hat?“ John lachte kurz, während er das Auto ausparkte und Noah auf dem Rücksitz dann auch noch „kann man das essen?“, kommentiert hatte. „Das war Chrisam und er hat ihn gesalbt, nicht geschmiert“, korrigierte er, woraufhin die Deutsch-Irin sich leise räusperte. „Ja gut, du weißt ja, ich bin eher in anderen Dingen bewandert. Ich glaube, ich hab das gleiche Zeug bekommen, als ich 94 bei der Firmung war“. Er nickte amüsiert und sie fuhren ins neue Domizil von Rae und Paddy, wo man noch ein wenig feiern wollte. 

„Mama, kann ich auch getauft werden?“, fragte Noah, als sie bereits am Tisch saßen und die erste Ladung Kaffee verteilt wurde. „Er ist nicht getauft?“, fragte John sofort erstaunt nach und auch Joey und Patricia in der Nähe schienen sich für das Thema zu interessieren. „Ich bin auch nicht getauft, who cares?“, sagte Rion und zuckte leicht zusammen, als seine Mutter sich von der anderen Tischseite aus zu Wort meldete. „Gun bhrìg...(Blödsinn)“, meinte sie naserümpfend auf Gälisch. „Du bist getauft, aber aus der Kirche ausgetreten“, wusste sie zu berichten und der Schotte lehnte sich flüsternd zu Elaine, die den Platz neben ihm bekommen hatte. „Ich fand es ehrlicher, mich von dem Zeug zu lösen, anstatt so scheinheilig jeden Sonntag in die Kirche zu rennen und hinten herum... du weißt schon“. Er hatte einfach beschlossen, Elaine zu duzen, da sie sich bisher auch nicht dagegen wehrte. „Have you ever been to Scotland, Elaine?“, säuselte er ihr zu und sie nickte leicht. „In Glasgow, but that was many years ago. With my father“, erklärte sie ihm und Rion kramte in seinem Jackett. „Call me, if .. you know“, zwinkerte er ihr zu und schien dabei tatsächlich nicht zu bemerken, dass er von anderer Seite ziemlich finster beobachtet wurde. Auch Rae hatte ihren Bruder bereits im Blick, doch er reagierte nicht auf ihre beiläufigen Handzeichen. 

„Hey... danke dass ihr heute alle mit uns feiert!“, meldete Paddy sich zu Wort und auch Rae tauchte mit dem gemeinsamen Sohn neben ihm auf, den sie gerade ihren Eltern wieder abgenommen hatte. „Aber ihr seid ja wahnsinnig, so viele Geschenke!“, wusste die Rothaarige zu berichten und blinzelte mehrmals, wobei alle nur grinsten. Nicht nur Elaine und John hatten es beim einkaufen übertrieben, denn im Wohnzimmer türmten sich förmlich die Päckchen, Tüten und andere Mitbringsel. „Ich hab einen Pub und koche dort auch selbst. Schon mal Haggis probiert? Mein Rezept ist Legendär“, fragte der Schotte grinsend und tätschelte Elaine ein wenig die Schulter, woraufhin sie den Kopf schüttelte. „Who in the world would want that...“, sagte John eine ganze Spur unhöflicher, als man es von ihm gewohnt war und nun schaltete Rae sich ein, da sie fand, man hätte der Situation lange genug zugesehen. Sie reichte Aidan an Paddy weiter und ging zu ihrem Bruder, um etwas fester als nötig die Hand in seine Schulter zu krallen. „Kann ich dich mal sprechen!“ Es war eine Aufforderung und keine Bitte und da er seine kleine Schwester kannte, wusste er das auch ganz genau. „Dein Wunsch sei mir Befehl“, faselte er und folgte ihr dann, als sie ihn in den Flur lotste. 
„Noch ein Wort von ihm und ich vergesse mich, das ist mein Ernst“, presste John zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, ohne Elaine anzusehen und sie drehte mit erstauntem Blick ihren Kopf zu ihm. „Bitte... ist dir nicht aufgefallen, dass er dich fast... wie sagt man...“ er musste einen Moment überlegen, denn in manchen Augenblicken, wenn er sehr von etwas anderem eingenommen war, fehlten auf deutsch manchmal die passenden Worte. „Undress you with his eyes!“, zischte er leise und die Brünette hatte ihn wirklich bisher nie zuvor in so einer Stimmung erlebt. „Du siehst Gespenster“, flüsterte sie zurück und schob ihre Hand auf der Tischplatte langsam zu seiner, ließ es dann aber sein, da Maike, Jimmy's Frau zu ihnen herüber sah. „Er wollte doch nur nett sein und Kontakte knüpfen“, versuchte sie die Situation zu entschärfen, doch er ließ sich davon nicht besänftigen. „Kontakte, ja natürlich. Neben deiner Nummer würde er wohl auch gerne wissen, wo dein Bett steht“ knurrte der Blonde und sie verstand wirklich rein gar nichts mehr. Er war eifersüchtig und das richtig ernsthaft. Anstalten dazu hatte er ja schon beim Zusammentreffen mit Rea Garvey gemacht und auch wenn irgendwelche Geschäftskollegen einfach so bei ihr auftauchten, war er immer sehr daran interessiert, was sie wollten. Aber so extrem? Nein, das war wirklich neu. 

„Du musst meine Fotos anschauen!“, kam Leon, Joey's siebenjähriger Sohn an und drückte seinem Onkel eine ziemlich interessant aussehende Digitalkamera in die Hand. Das eher unangenehme Gespräch war somit erst mal unterbrochen „Die hast du zu Weihnachten bekommen, oder?“ fragte John seinen Neffen und legte einen Arm um seine Schultern, als er ein paar Fotos durch scrollte. „Die sind richtig gut. Willst du später Fotograf werden?“, fragte er ernsthaft nach, denn für einen Jungen in seinem Alter waren die Motive wirklich sehr schön getroffen und Leon nickte stolz, wobei er ein wenig rot wurde. Strahlend schnappte er sich seine Kamera wieder und ging weiter zu Maite, die eben ihr Interesse an den Bildern bekundet hatte. Es dauerte eine Weile, bis die Blondine zu lachen anfing und auch ihr Mann direkt daneben grinste. „Ey Angelo, du siehst echt dämlich aus, wenn du dir Schweinebraten in den Mund schiebst! Und da Leon so toll fotografiert, haben wir das sogar als Serie... wie ein Daumenkino!“ Sie kicherte, gab die Kamera dann herum und alle stimmten ihr grinsend zu. „Aaach sieh einer an. Elaine und John unterm Mistelzweig!“, flötete sie begeistert und die beiden wurden dann doch ein wenig verlegen. Klar, der Kuss war harmlos gewesen, doch was dabei in ihnen vorgegangen war, hatte weit mehr zu bedeuten gehabt. „Uhm... wo ist das denn?“, fragte Maite plötzlich verdutzt und Paddy tauchte neben ihr auf, wobei sich sofort ein breites Grinsen auf sein Gesicht schlich. „Jimmy, ich glaub das ist dein Musikzimmer“, wusste er den Raum auf dem Foto zu benennen, doch die anderen hatten noch nicht gesehen, um welche Art Bilder es sich überhaupt handelte. „Und vor allem: WAS ist das??“, fuhr die Blondine fort und schob sich dann an allen anderen vorbei zu John und Elaine, denen sie die Kamera vor die Nase hielt „Leon hat wohl ein Talent für Bilderserien.. ihr habt jedenfalls auch eine bekommen. Und ehm.. naja...“

In dieser Familie war es natürlich unmöglich, etwas geheim zu halten und nach der Reaktion  von Maite kamen auch die meisten anderen heran, um einen Blick auf den kleinen Bildschirm zu erhaschen. Elaine wurde heiß, denn was dort tatsächlich fast wie ein kleiner Film ablief war eine Szene an Weihnachten bei Jimmy zuhause, als John und sie sich heimlich aus dem Wohnzimmer geschlichen hatten um an anderer Stelle allein zu sein. Der Mistelzweig war eine Sache, weil sie mehr oder weniger genötigt worden waren, doch völlig allein in einem anderen Raum konnten sie kaum mehr behaupten, sie hätten sich nur geküsst, weil irgendjemand sie dazu aufgefordert hatte.. oder aus Tradition, zumal das ganze ziemlich vertraut aussah. Sie hatten nicht einmal bemerkt, dass der kleine Leon damals wohl die Tür geöffnet haben musste und das sprach ja auch schon sehr für sich. 
„Okay. DIE Erklärung will ich hören!“, meinte Jimmy begeistert und klatschte in die Hände. Es war bei ihm zuhause passiert, also hielt er es für sein Recht, als erster Ansprüche zu stellen. „Ich glaube, das wollen wir alle!“, stimmte seine Schwester Maite ihm zu und verschränkte mit einem gespielt strengen Gesichtsausdruck die Arme vor der Brust. „Also?“, Elaine überlegte fieberhaft, wie sie aus dieser Situation wieder heraus kommen konnten.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^