Who'll come with me?

vor 2 Mon.
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit

48.

„Das ist jetzt wirklich euer Ernst?“ Entgeistert sah Elaine abwechselnd Rae und Paddy an, die jedoch beide breit grinsten und gar nicht verstanden, warum sie jetzt so unbegeistert war. „Bitte Mama, ich will da doch so gerne hin. Weißt du noch, damals in Frankreich?“, bettelte der blonde Junge und seine Mutter rümpfte immer noch die Nase. „Ausgerechnet daran erinnerst du dich“, gab sie brummig zu verstehen und Noah verschränkte die Arme, wobei er ihr wirklich sehr ähnlich war, wenn auch eher im Verhalten, anstatt der Optik wegen. „Ja, denn das war toll!“ Elaine wunderte sich doch ein wenig darüber, wie ein Kind in seinem Alter – damals hatte er sogar noch den Kindergarten besucht – sich für die Gebete und Gesänge französischer Mönche begeistern konnte. Sicher, es hatte etwas sehr feierliches und irgendwie mystisches an sich gehabt, aber dass man so vernarrt darin sein konnte, war ihr nicht ersichtlich „Ich dachte, ihr wollt uns zum Abendessen einladen und nicht.. SOWAS. Außerdem geht das erst um halb elf los und dauert sicher bis weit nach Mitternacht“.
Wieder einmal zeigte sich eindeutig, dass Elaine keine Überraschungen mochte. Schon gar nicht solche, bei denen sie dazu genötigt wurde, eine Kirche zu besuchen. „Du stellst dich an, als würden wir dich zum Friseur schicken, um dir eine Glatze rasieren zu lassen“, gab Rae gerade zu verstehen, als Paddy zur Tür ging, wo es geklingelt hatte. „Das kommt dem in etwa gleich. Ich hab von all dem überhaupt keine Ahnung und sitze dann wieder nur da wie bestellt und sitzen gelassen, während ihr euch so richtig wohl fühlt. Ich geh einfach nach Hause und hole Noah später wieder ab. Ruft mich an, wenn es vorbei ist“.
Dagegen sagte zwar keiner etwas, doch als Elaine sich umdrehte, stand John grinsend hinter ihr, sah aber zuerst seinen Bruder und dessen Verlobte an. „I told you, she would not be amused at all“, schmunzelte er und die Brünette blickte abwechselnd zwischen allen anderen hin und her. „So als kleine Unterstützung für dich, wusste ich ganz genau, wen ich anrufen muss“, kommentierte Paddy und Elaine seufzte resignierend. „Und im Dom wird es dunkel sein. Falls du also angst haben solltest, halte ich notfalls deine Hand“, plapperte John fröhlich und Elaine sah finster drein.

Bei so viel geballter Überzeugungskraft hatte man kaum eine Chance und so saß Elaine später am Abend tatsächlich im Kölner Dom, der vollständig in Dunkelheit lag und nur durch das große Hauptportal drang das flackernde Licht eines Feuers herein, welches kurz zuvor entzündet worden war. „Erklärst du mir dann, was die machen?“, flüsterte Noah andächtig zu Paddy hinüber und setzte sich dann direkt neben ihn, als der frühere Novize lächelnd nickte. „Warum sind hier so viele Kameras vom Fernsehen“, murmelte Elaine und John beugte sich dicht zu ihrem Ohr. „Die sind jedenfalls nicht hier, weil WIR in dieser Kirche sitzen“, gab er leicht grinsend zu verstehen, denn er kannte Elaine's Abneigung gegenüber Fernsehkameras, wenn sie selbst davon aufgenommen werden könnte. „Das ist eine weltberühmte Kirche und eine Ostermesse mit einem Kardinal ist wichtig genug, um ins Fernsehen zu kommen“.
Draußen wurde etwas gesprochen und im Dom selbst hörte man hier und da leises Flüstern. „Ich dachte er ist der Erzbischof von Köln. Kann man Bischof und Kardinal zur selben Zeit sein?“ Der Musiker nickte, denn sie hatte ja schon selbst herausgefunden, was es mit dem Ganzen auf sich haben könnte.

Plötzlich hörte man rascheln vom Hauptportal her, es wurde etwas gesungen und die Gemeinde gab Antwort, alles auf Latein. Elaine verstand die Worte zwar, doch fehlte ihr ein wenig die Umsetzung. Nicht zu leugnen war aber, dass es irgendwo zwischen Romantisch und Feierlich war, als nach und nach in der ganzen Kirche die kleinen Kerzen an und auf den Bankreihen entzündet wurden, indem die kleine Prozession ihr Licht vom großen Feuer draußen weitergab.
Noah hatte inzwischen riesengroße Augen und konnte sich an der Szenerie scheinbar gar nicht satt sehen. Bei Aidan war es ganz ähnlich, nur dass der kleine Mann sich eben noch nichts dabei dachte und wohl nur von so vielen Kerzen ziemlich fasziniert war.
Die Deutsch-Irin merkte wie nach ihrer Hand gegriffen wurde und wie üblich, zog sie diese sofort weg, doch dieses Mal wehrte John sich entschieden dagegen, anstatt nur zu schweigen wie er es sonst tat. Wie schon zuvor lehnte er sich dicht zu ihrem Ohr. „It's pitch-black in here, so no-one will see us. Just relax“, flüsterte er und küsste dann ganz sanft ihre Wange. Es war das erste mal, dass sie tatsächlich richtig in der Öffentlichkeit solche Vertrautheiten austauschten. Natürlich hatte er recht und es war sicher niemand her gekommen, weil es hier vielleicht ein paar ehemalige Teeniestars der 90er in ihrer Freizeit zu sehen gab. Paddy redete ganz leise mit Noah und Rae wippte Aidan auf ihrem Schoß ein wenig auf und ab, wobei der kleine inzwischen doch deutlich gähnte. Nach halb elf in der Nacht war es eben ziemlich spät für so ein kleines Kind.

Es folgten viele vorgelesene Texte und Paddy war noch immer nicht müde, Noah alles zu erklären, was ganz vorne in der Kirche vor sich ging. Blinzelnd sah Elaine hinab, als sie plötzlich leichten Druck an ihrem Knie spürte und im Schein der Kerzen auf der Bank vor ihnen entdeckte sie, wie John seine Hand dort abgelegt hatte. Zuerst leicht streichend, drehte er schließlich die Handfläche nach oben, als würde er auf etwas warten. Die Dunkelhaarige verstand den Wink, doch das wirklich erstaunliche daran war viel eher, dass sie tatsächlich ihre eigene Hand in seine legte und die Finger langsam verschränkte. Die Überraschung war ihm förmlich ins Gesicht geschrieben und als ihre Blicke sich dann im Halbdunkel begegneten, lächelten beide ganz leicht. Diese Nähe hielt zumindest so lange, bis nach etwa 45 Minuten beim sogenannten „Gloria“ plötzlich alle Lichter im Dom angingen und Elaine sich doch ein wenig beobachtet vorkam unter so vielen anderen Leuten. Für John schien es schon eine Menge an Bedeutung zu haben, dass sie ihm zumindest so lange diese Annäherung zugestanden hatte, denn es war das erste mal dieser Art überhaupt außerhalb ihrer privaten Wohnräume.
Tatsächlich interessierten sich einige der Besucher in den Umliegenden Bankreihen durchaus für die scheinbar bunt gemischte Truppe, doch der Hauptgrund dafür waren wohl die deutlich herauszuhörenden Stimmen der beiden Männer, die beim Singen wirklich alles rings drum herum übertönten.

Alles in allem war es eine sehr schöne Messe, das fiel einem auch auf, wenn man nur wenig bis keine Ahnung hatte und nach über zweieinhalb Stunden standen sie kurz nach 1 Uhr nachts wieder an ihren Autos. „Mama, da sind kinder getauft worden, hast du das gesehen? Und auch ein Erwachsener. Du sagst immer, ich bin schon zu groß, aber das stimmt dann ja gar nicht“. Elaine lächelte nur und hatte das Gefühl, das sie um die Sache auf Dauer wohl nicht herum kommen würde, denn ihr Sohn ließ in dem Bezug einfach nicht locker und fing immer wieder davon an, seit er gesehen hatte, wie Aidan getauft worden war.
„Dann sehen wir uns morgen“ wurde sich auf dem Parkplatz verabschiedet, während Rae – mit ihrem inzwischen schlafenden Sohn auf dem Arm - , Paddy und John zum einen Auto gingen, wobei Elaine mit ihrem eigenen Wagen her gefahren war. „Wartet mal bitte eben...“, verzögerte die Brünette mit leisen Worten die Abfahrt noch um eine kurze Zeit. „Würde es dich stören, wenn... John vielleicht bei uns übernachtet?“, fragte sie ihren Sohn und wurde dabei von anderer Seite höchst überrascht angesehen. „Nö. Wir haben ja ein großes Sofa und morgen sind wir doch sowieso alle bei Paddy und Rae eingeladen“, sagte er schlicht und öffnete dann auch schon die hintere Wagentür, um auf seine Sitzerhöhung zu klettern. Er war um die Zeit natürlich auch eindeutig müde und keiner konnte es ihm verdenken, denn so lange war er wohl bisher noch nie wach gewesen.
„Nur wenn du willst natürlich“, erklärte die Deutsch-Irin ein wenig schüchtern in Richtung John, doch anstatt eine Antwort zu geben, stieg er einfach nur ins Auto, nahm den Beifahrersitz ein und beobachtete durch die Windschutzscheibe, wie sein Bruder und dessen Zukünftige breit grinsten. „Ja, dann in dem Fall wirklich bis morgen“.

Selbst wenn die Fahrt nicht lange dauerte, war auch Noah jetzt vollends k.o. Und zuhause angekommen, musste er von seiner Mutter sogar halb ins Haus und bis zum Bett getragen werden. Nur die Schuhe streifte er sich von den Füßen, ließ seine Jacke neben dem Bett fallen und kuschelte sich dann auch schon an sein Kissen.
Elaine hatte John ins Wohnzimmer geschickt, um dort auf sie zu warten und genau da saß er dann auch am Rand der Couch, um zu ihr auf zu sehen, als die aus dem Kinderzimmer zurück kam. „Er ist total erledigt und das kann ihm wirklich keiner verdenken“, kommentierte sie und sah auf die Wanduhr, die inzwischen bereits nach halb 2 nachts zeigte. „War es jetzt so schrecklich dort?“, wollte der Ire wissen und sofort schüttelte sie den Kopf. „Überhaupt nicht. Es war eigentlich sogar... ziemlich schön“. Schmunzelnd kam er näher, nachdem sie sich zu ihm gesetzt hatte, und legte langsam die Arme um ihren Körper, wobei er zwischen ihnen vorerst noch ein wenig Abstand ließ. „Warte erst bis Weihnachten, das kommt noch besser... vorausgesetzt man hat etwas für diese Atmosphäre übrig“, kommentierte er und beobachtete sein Gegenüber dann aufmerksam, was ihr natürlich nicht entging und mit einem fragenden Blick bedacht wurde. „Miss James, wie komme ich zur Ehre einer so späten Einladung?“, sprach der Blonde irgendwann seine Gedanken aus und ließ seine Hand wie federleicht über ihre Wange streichen. Anders wie sonst zögerte Elaine dieses Mal keinen Moment, als es darum ging zu antworten. „Ich wollte einfach, dass du hier bist. Das will ich immer und mir ist klar geworden, dass es vieles einfacher macht, wenn ich genau das einfach ausspreche... vielleicht ein wenig umschreibe, aber immerhin“. Bisher war sie diesbezüglich stets sehr zurückhaltend gewesen, doch je länger sie inzwischen Zeit miteinander verbrachten, desto klarer schien es Elaine zu werden, dass es praktisch keine Hindernisse mehr gab. Sicher, er war noch verheiratet, allerdings inzwischen getrennt und das hatte er seiner Familie auch gesagt. Die wiederum wussten sogar Bescheid darüber, dass ihr ältester Bruder – Danny und Paul nun einmal ausgenommen – inzwischen ernsthaft mit der Tochter ihres Früheren Sicherheitschefs angebandelt hatte. Eigentlich beste Voraussetzungen dafür, dass alles endlich so laufen könnte, wie sie es sich eigentlich schon immer gewünscht hatten.

„War das... gerade tatsächlich ein Geständnis, dass du mich gerne bei dir haben willst?“, bemerkte er, was ihre Worte eigentlich bedeuteten und nun nickte sie ganz langsam. „Ich bin oft nicht so gut darin, Dinge direkt zu sagen. Mir liegt es besser, wenn ich ein wenig subtil drum herum reden kann“, gab Elaine zu verstehen und er nickte lächelnd. „Ich kenne dich fast zwanzig Jahre. Glaubst du, mir ist das noch nicht aufgefallen?“ Sie lachten beide leise, ehe die Deutsch-Irin fast ein wenig schüchtern nach seiner Hand griff. „Zwar hat Noah dir das Sofa zugesagt, aber in meinem Bett ist auch noch Platz. Und ich rede wirklich nur von schlafen“. Nicht etwa, dass sie ihm nicht unglaublich gerne näher kam, doch an einem Abend wie diesem verlangte es sie viel eher nach gemütlicher und unverfänglicher Zweisamkeit als nach Dingen die nicht jugendfrei waren.
Ohne eine Antwort zu geben, nahm er einfach nur ihre Hand in seine, erhob sich dann und zog die Jüngere hinter sich her in ihr Schlafzimmer – den Weg kannte er ja inzwischen.

„Heute in der Kirche..“, murmelte John ihr einige Zeit später zu, als sie dicht aneinander gekuschelt im Bett lagen und einfach nur vor sich hin dösten – zum Schlafen schien die Müdigkeit noch nicht ganz ausreichend. „Ich dachte wirklich nicht, dass du das zulässt“. Sie hatte ganz öffentlich seine Hand gehalten und auch wenn es im Dom mit Ausnahme der Kerzen dunkel gewesen war, stellte es für jemanden wie Elaine einen großen Fortschritt dar. „Zuerst wollte ich auch... du weißt schon... so tun als wüsste ich nicht, worauf du hinaus willst, aber dann... ich weiß auch nicht. Mir war danach“. Er lächelte und ließ seine Hand durch ihr Haar streichen, worauf Elaine ein leises Geräusch von sich gab, was fast ein wenig wie das Schnurren einer kleinen Katze klang. „Denkst du, dass du es irgendwann schaffst.. ich meine...“, murmelte der Musiker weiter und sie ließ ihm die Zeit, die richtigen Worte zu finden. „Ich will am liebsten einfach jedem Zeigen, was zwischen uns ist, was uns verbindet, verstehst du das?“ Und sie nickte ganz sachte. „Ich werde mir weiter Mühe geben. Und ein wenig besser ist es doch schon geworden. Weißt du das gar nicht zu würdigen?“
Grinsend strich er nun an ihrer Seite entlang und krabbelte mit der Hand langsam unter den Stoff ihres Shirts. „Natürlich. Aber mehr ist immer besser“.
Und bevor er auf krumme Ideen kommen konnte, hielt die Dunkelhaarige seine Hand fest. „Wir sind morgen eingeladen und können nicht völlig übernächtigt da ankommen. Verheizt auszusehen an Feiertagen ist eindeutig Jimmy's Job und da er eingeladen ist, müssen wir frisch sein wie ein Frühlingsmorgen“.
Langsam zog er seine Hand zurück und legte sie anderweitig wieder um Elaine. Er hatte nicht vor gehabt, ausfällig zu werden, doch in jedem Fall hatte sie recht, dass man am Ostersonntag bei der Familie nicht gerade den Eindruck einer durchzechten Nacht erwecken sollte.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^