Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: * "Amazing Grace" © John Newton 1748 ** "Sorry seems to be the hardest word" © Elton John 1976 *** "Your Song" © Elton John 1970

5.

„Argh, nein! Es heißt „glänzeT“ und nicht „glänzeN der Wald“, schimpfte Elaine prustend mit Maite, die sich vor Lachen kaum auf den Beinen halten konnte und sich mit beiden Händen an den Rand des schwarzen Flügels klammerte, an dem sie gerade eigentlich übten. Es war der 14. November 1995 und nach einer siebentägigen Tour durch Dänemark im Oktober, waren sie alle über die Schweiz und nach drei Konzerten in Hamburg nach langer Zeit wieder einmal im heimischen Köln.
Gegenüber der Hafenanlage, wo das Hausboot der Kellys vor Anker lag, befand sich ein weitläufiges ehemaliges Fabrikgelände, mit einem Komplex aus Büros und Studios. Auf eben diesem Grundstück war für die zweitägige Aufzeichnung einer Kelly-Weihnachtsshow für den Sender Sat 1 ein großes, beheiztes Zirkuszelt aufgestellt worden. In selbigem saß Elaine an einem Flügel und versuchte bisher erfolglos, der ungefähr gleichaltrigen Maite die richtige Aussprache des Textes von „Leise rieselt der Schnee“, beizubringen. „Gwen wird tot lachen, wenn du so einen Müll singst bei eurem Duett morgen. Und die Zuschauer erst!“, meckerte Elaine weiter, doch Maite konnte einfach nicht aufhören zu lachen. „Und genauso heißt es „rieselt“ und nicht „rieselm..“ oder was auch immer du da gerade gesagt hast. Lies doch wenigstens richtig vom Blatt ab, wenn du es dir nicht auswendig merken kannst!“. Es war eine Mischung aus Belustigung und Ärgern, welche sie empfand, doch eigentlich überwog schon das Grinsen darüber, dass es bei Maite heute einfach nicht klappen wollte und Paddy es auch nur schlimmer machte, indem er aus der anderen Ecke des Zeltes immer wieder herüber rief und seine Schwester triezte.
„Sei du da drüben gefälligst leise!“, ermahnte Elaine ihren Freund, der mit Peter, Alfred und Willi von der österreichischen Band „Zillertaler Schürzenjäger“ eine Session an den Gitarren einlegten. Die Männer traten als Gastmusiker in der Weihnachtsshow auf und wollten gleich noch mit einigen der Kellys zu deren Vater Dan, welchen sie aus früherer Zeit kannten. Auch das Familienoberhaupt würde im zweiten Teil der Aufzeichnung am kommenden Tag einige Worte vor der Kamera sprechen und so konnten sie alles in einem Aufwasch heute Abend klären.

„Leute, wir müssen los“, rief Kathy vom Eingang her zu Paddy und den Gastmusikern hinüber und nickte auch Maite zu, die sich kichernd von ihrer Übungspartnerin verabschiedete und aus dem Zelt hinaus tänzelte. „Elaine?“, machte die älteste Kelly-Schwester auf sich aufmerksam und winkte die jüngere zu sich heran, weil es dort drüben eindeutig leiser war. „Dein Vater hat angerufen. Er trifft sich doch erst am Samstag in München wieder mit uns. Es war irgendwas und er muss bis Ende des Festivals in Bonn bleiben. Sag mir, wenn du etwas brauchst, okay?“ Das überraschte Elaine nun, doch sie nickte und Bedenken hatte sie dabei jetzt nicht, immerhin war sie zuhause und kannte praktisch jeden Winkel der Stadt auswendig. „Klar, danke. Kann ich vielleicht noch ein wenig hierbleiben und spielen?“ Kathy nickte und die Brünette ging zurück zum Flügel. Zuhause hatte sie derzeit keinen und warum nicht die Gelegenheit nutzen? Paddy winkte ihr beim Hinausgehen kurz und sie tat es ebenso. Wenn fremde dabei waren, hielt er sich ihr gegenüber grundsätzlich zurück. Elaine war das Versteckspiel schon gewohnt und dachte sich nichts weiter dabei. Auf dem Flügel lag das Script für den Rest der Aufzeichnung am kommenden Tag und beim durchblättern las Elaine, dass die Kellys am nächsten Tag gemeinsam mit dem irischen Sänger Johnny Logan „Amazing Grace“ singen wollten. Sie mochte dieses Lied unheimlich gerne und begann einfach aus der Erinnerung heraus, die ersten Töne zu spielen, Noten brauchte es dafür keine.

„*Amazing grace. How sweet the sound.
That saved a wretch like me
I once was lost. But now I'm found.
Was blind. But now I see“, sang Elaine vor sich hin und stellte sich kurz vor, wie es wohl wäre, wenn sie vor einem großen Publikum auftreten müsste. Die Brünette spielte bei ihren Überlegungen wie selbstverständlich weiter, erwischte jedoch kurz einige schiefe Töne, da sie zusammen zuckte, als sich unerwartet eine andere Stimme bemerkbar machte, mit der sie nicht gerechnet hatte.
„*'t Was grace that taught my heart to fear
And grace my fears relieved
How precious did that grace appear
The hour I first believe“, sang John vor sich hin, während er den Flügel umrundete und dann neben Elaine stehen blieb. „Ich habe mich getäuscht. Du bist nicht nur ein wenig musikalisch. Einen Song einfach aus dem Gedächtnis heraus auf einem Instrument zu spielen zeugt von einer großen Begabung. Und du solltest öfter singen. Es lohnt sich wirklich, deiner Stimme zuzuhören“.
Sofort spürte Elaine wieder diese Wärme in sich aufsteigen, wie es jedes mal der Fall war, wenn er ihr gegenüber etwas nettes sagte oder tat. „John Michael Kelly! Meinst du etwa, deine Schmeichelei könnte es wieder wett machen, dass du mich eben fast zu Tode erschreckt hast?“, ermahnte sie ihn und setzte einen Gesichtsausdruck auf, als wäre sie wirklich böse auf ihn. Zu glauben schien er es nicht, denn das Grinsen auf seinem Gesicht wurde zunehmend größer. „Wow, so förmlich mit beiden Vornamen? Dann entschuldige ich mich in aller Höflichkeit und...“ kurz musste er überlegen. „.. gelobe feierlich Besserung, dich nie wieder in solche Schrecken zu versetzen!“.
Augenrollend winkte Elaine ab. „Ist ja schon gut. Ich habe nicht damit gerechnet, dass jemand reinkommt. Kathy sagte, ihr wolltet euren Vater besuchen“.
Bei dem Thema runzelte der Musiker die Stirn und deutete auf die Klavierbank, wo Elaine sofort ein Stück zur Seite rückte, um ihm Platz zu machen.

„Ich war morgens schon bei ihm. Seine Freundin Silvia ist immer ein wenig empfindlich, wenn es darum geht, dass wir alle zusammen zu Besuch kommen, also teilen wir uns auf“. Das überraschte Elaine nun, denn sie hatte nicht gewusst, dass Dan Kelly tatsächlich mit einer Frau zusammenlebte. John schien die Frage in ihrem Gesicht abgelesen zu haben, denn prompt antwortete er darauf. „Sie ist seine Physiotherapeutin und irgendwann hat es dann wohl gefunkt. Verzeih mir, wenn ich das nicht näher ausführen möchte, aber es gibt private Angelegenheiten, die man von seinen Eltern nicht so genau wissen möchte“. Räuspernd verzog Elaine das Gesicht. „Okay... ich weiß worauf du hinaus willst. Das ist... ja, keine näheren Ausführungen“. Sie grinsten beide schief und John spielte einhändig eine Melodie auf der schwarzweißen Tastatur.
„Ich dachte, du kannst kein Klavier..“, hakte Elaine leise nach und sah ihm seitlich beim Spielen zu. „Nein, eigentlich nicht, nur so ein paar Kleinigkeiten“, gestand er und hielt die Hände dann wieder still. „Ich würde gerne so spielen können wie Elton John“, erzählte Elaine und schlug unterdessen die ersten Töne von dessen „**Sorry seems to be the hardest word“ an. Sie verehrte den britischen Musiker sehr und konnte die meisten seiner Stücke tatsächlich auswendig auf dem Flügel spielen. John nickte darauf nur lächelnd und hörte ihr eine ganze Weile schweigend zu. Er merkte selbst, dass er es schon wieder tat, dass er sie übermäßig aufmerksam beobachtete. All das nur gute sechs Wochen nachdem er ihr in Paris gesagt hatte, dass es zwischen ihnen nur Freundschaft geben konnte, mehr jedoch nicht. Sie hielten sich seither beide so gut es ging daran, auch wenn Elaine oftmals aus einer Situation ganz plötzlich hatte flüchten müssen, weil sie wieder von einer Flut an unerwünschten Gefühlen überfallen worden war.

„Es hat mich ein wenig überrascht, dass dein Vater tatsächlich ganze vier Tage in Bonn bleibt. Von dort aus kann er dich eher schlecht überwachen.“, äußerte John seine Gedanken laut und ließ seinen Blick noch immer über ihr Gesicht wandern. „Das hier ist Köln, ich bin zuhause, kann mich nicht verlaufen und kenne jeden Winkel der Stadt. Außerdem kann er mich nicht ewig wie ein Kind behandeln und wird sich bald damit abfinden müssen, dass ich irgendwann meinen eigenen Weg gehe“.
Hätte John ihr Alter schätzen sollen, wäre er auf irgendetwas Anfang zwanzig gekommen, hätte jedoch nie im Leben vermutet, dass Elaine noch nicht einmal volljährig war. Manche wurden eben viel früher erwachsen – wozu sie ohne Frage gehörte – und andere etwas später. „Ich weiß einen „Winkel“, den du sicher noch nicht kennst oder zumindest nur von weitem“, erzählte er in einem scheinbar geheimnisvollen Tonfall und erhob sich von der Klavierbank. „Traust du dich?“, neckte er Elaine und hielt ihr galant seine Hand entgegen. Sie musste leise lachen, denn irgendwie stand sie auf diese kleinen Aufmerksamkeiten und er schien es zu wissen. „Glaubst du wirklich, dass du in Köln etwas kennst, was ich noch nicht gesehen hab? Wird das ein Wettstreit oder so etwas“. Sie schlüpfte in ihre Jacke und sah sich um, ob noch irgendwo etwas anderes herum lag, das ihr gehörte. Da schien nichts mehr zu sein und bevor Elaine aufstand, legte sie tatsächlich ihre Hand langsam in seine. „Ich glaube nicht nur, ich garantiere es dir. Oder bist du vorher schon auf dem Boot gewesen?“ Darauf konnte die Brünette nur den Kopf schütteln und war ein wenig verblüfft. Mit Paddy traf sie sich zum Großteil im Studiokomplex oder bei sich zuhause, wenn sie in Köln waren und die meiste Zeit des Jahres befanden sie sich sowieso alle auf Tour. Das Boot stellte für sie bisher immer etwas dar, was allein der Familie vorbehalten blieb.Ihr Freund hatte nie Anstalten gemacht, dass er sie dorthin mitnehmen wollte und Elaine fand, dass es sich nicht gehörte zu fragen.

Draußen mussten sie an mehreren Mitarbeitern von Ed vorbei, die sich jedoch nichts weiter dachten, denn zuhause fanden sie es ebenfalls nicht für nötig, dass sie darauf achten sollten, wohin die Tochter ihres Chefs ging. Der Anlegeplatz war nur ungefähr fünfzig Meter auf der anderen Straßenseite, doch da vor der im Frühjahr gebauten Mauer immer Horden von Fans lagerten, lotste John sie über einen kleinen Umweg in den Rheinhafen. „Pass auf, hier rutscht man leicht“, mahnte er Elaine zur Vorsicht und griff dann wieder sachte nach ihrer Hand, um sie über den Steg auf das Deck des Bootes zu führen. Eine Tür wurde von ihm geöffnet und führte sie unter Deck, wo Elaine sich kurz darauf in einem gemütlichen, eher antik eingerichteten Wohnzimmer wiederfand. In dessen Mitte stand ein großer Flügel und eine Wand war völlig verdeckt von einer Sammlung an Drehleiern. „Kannst du sie spielen?“, fragte Elaine interessiert und deutete auf die Streichinstrumente. John allerdings schüttelte den Kopf und blieb neben dem Flügel stehen. „Nur Kathy. Unsere Schwester Caroline kann es auch, aber sie lebt in den USA.“
Elaine wusste, dass es noch mehr Geschwister gab als diejenigen, die gemeinsam Musik machten und sie war auch darüber im Bilde, dass Danny, Caroline, Paul und auch Kathy eine andere Mutter hatten als John und die nachfolgenden Geschwister.

„Ich dachte mir, vielleicht willst du hier noch ein wenig spielen. Es ist doch etwas gemütlicher als im Zelt“, erklärte John, warum er sie her gebracht hatte. Außerdem war es später Herbst wo es draußen abends und nachts schon empfindlich kühl wurde. Natürlich, das Zelt war beheizbar, aber es war nicht für nächtliche Privatsessions aufgestellt worden. „Ich möchte niemanden stören“, gab Elaine eilig zur Antwort, denn auch wenn sie eigentlich gerne hier sein wollte, machte es sie andererseits unruhig und ein wenig nervös. Der Musiker winkte lässig ab. „Nur Barby ist hier und sie schneidert unten an Kostümen, Vincent und Sean sind im Beiboot. Die anderen sind bei Vater, ich denke Jimmy trifft sich irgendwo mit Nicola und Patricia wird bei Dave sein“. Es gab also durchaus Beziehungen bei manchen Kellys, nur gingen sie damit nicht so hausieren, wie andere Prominente es gerne taten,.
„Willst du mich jetzt nicht noch ein wenig mit deiner Hommage an Elton erfreuen?“, fragte John grinsend nach und hatte bereits auf der gepolsterten Bank vor dem Flügel platz genommen, wobei seine Hand auf das freie Stück neben sich deutete.

„So langsam verstehe ich das! Ich muss mir meinen Aufenthalt hier erst einmal verdienen, was?“ Tadelnd wedelte sie mit dem Zeigefinger, setzte sich dann aber neben ihn und stimmte „***Your Song“ an. „Meinst du, Elton würde mich heiraten, wenn ich ihm einen zehnseitigen Brief schreibe, in dem ich ihm ganz genau erkläre, warum das absolut notwendig ist?“, plauderte Elaine und verursachte bei John ein leises Lachen. „Ich hoffe doch sehr, dass er das ablehnen wird“, erklärte er und Elaine drehte fragend den Kopf. Ja, er hatte sich wieder zu einer unangebrachten Äußerung hinreißen lassen, das war ihm selbst klar, aber bevor Elaine nachhaken konnte, hatte John bereits die passenden Ausflüchte parat. „Soweit ich weiß hat Elton in solcher Hinsicht leider nichts für Frauen übrig“. Elaine seufzte dramatisch. Das hatte sie natürlich gewusst, aber zu ihrer Blödelei gerade passte es besser, wenn sie nun die Enttäuschte spielte. „Ausgesprochen schade. Dann werde ich mich wohl anderweitig umsehen müssen. Aber einen guten Pianisten zu finden ist glaube ich nicht so einfach“.

Elaine war irgendwann zu einem anderen Lied übergegangen, wobei sie bei Elton John Titeln verweilte, da sie immerhin darüber gesprochen hatten. John sah ihr kurz zu und hatte dann nur wenig Mühe, eine Art zweite Stimme mit nur einer Hand passend zum Spiel von Elaine einzubringen. „Du bist ein Lügner. Du spielst viel besser, als du es behauptet hast“, merkte sie an und drehte den Kopf zu ihm, denn sie brauchte zum spielen die Tasten nicht sehen. „Ich bin sicher noch aufgrund ganz anderer Dinge ein Lügner“, reagierte er leise auf ihre Aussage und Elaine wusste zunächst nicht so richtig, was er damit andeutete.
Er sagte weiter nichts dazu, doch fiel ihr stattdessen auf, dass er nicht mehr spielte und kurz darauf spürte sie die leichte Berührung seiner Fingerspitzen, wie sie sanft über ihren Handrücken strichen. Elaine schluckte hart und unterbrach ihre Melodie dann ebenfalls, weil sie sich kein Stück mehr konzentrieren konnte. „Ich glaube es ist schon spät und ich sollte meine momentane Freiheit nicht gleich überstrapazieren“, versuchte sie wenig überzeugend, die Situation irgendwie zu entschärfen, woraufhin John nickte. Seine folgende Aussage jedoch passte zu der zustimmenden Geste in keinster Weise. „Please don't go..“, sagte er leise und murmelte es so vor sich hin, dass man glauben könnte, er spräche mit sich selbst. Elaine wusste natürlich, dass die Worte an sie gerichtet waren und ein warmer Schauer lief über ihren Rücken, als sie John dabei zusah, wie er ihre Hand anhob und einen vorsichtigen Kuss darauf platzierte.

„In Paris.. du hast gesagt...“, setzte die Brünette zum Sprechen an, doch dieses mal fiel er ihr tatsächlich ins Wort und seine Augen sahen nun direkt in ihre. „Ich weiß, was ich sagte. Was glaubst du, warum ich mich selbst einen Lügner nenne?“, unterbrach er ihren Versuch, eine Erklärung zu finden und hob die Hand an ihre Wange. Sie hatten sich an dem Abend in Paris darauf geeinigt, dass mehr als Freundschaft nicht drin war. Dennoch saßen sie jetzt wieder hier und hatten Mühe, sich voneinander fern zu halten. „Elaine...“, startete John erneut den leisen Versuch, eine weitere Rechtfertigung zu finden, als die junge Frau von sich aus diese Diskussion beendete, indem sie sich das fehlende Stück hinüber beugte und ihn einfach küsste.
Es war als ob ein Knoten geplatzt wäre, denn jetzt schien keiner von ihnen mehr das Bedürfnis zu haben, sich der Situation entziehen zu wollen. Elaine erschrak, als sein Arm sich unerwartet um ihre Hüfte legte und er sie so dicht an sich zog. „Sorry“, murmelte John gegen ihre Lippen, doch Elaine schüttelte nur den Kopf und setzte den Kuss ohne Umschweife fort. Es hatte jetzt nichts mehr von diesem schüchtern anmutenden, vorsichtigen Herantasten wie vor zwei Monaten in Paris, denn die Leidenschaft, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatte, war förmlich greifbar.

Sie verloren sich langsam aber sicher in den übersprudelnden Empfindungen, welche die plötzliche Nähe und all die Berührungen hervorriefen. Paris schien vergessen oder zumindest das, was sie dort vereinbart hatten. Weder dachte einer von ihnen in diesem Moment an Paddy, noch an Ed, der über so eine Männerwahl der minderjährigen Tochter höchstwahrscheinlich nicht sehr begeistert reagierte. Auch wenn es wie eine abgedroschene Floskel klang, konnte man gegen Gefühle eben meistens einfach nichts ausrichten. Entschuldigen konnte das natürlich nicht, dass sie anderen mit dieser Sache hier gehörig auf den Schlips traten.

Es war für beide unmöglich zu sagen, wie lange sie jetzt schon hier saßen, eng aneinander gedrängt und die Lippen miteinander verschlossen... als jemand lachend zur Tür hereinkam und dann abrupt verstummte. „Uhm.. besetzt. Sorry, wir wollten nicht...“, erklärte Dave, der Freund von Patricia und rieb sich verlegen die Stirn. „Was?“, fragte seine bessere Hälfte und betrat direkt hinter ihm das Wohnzimmer. Elaine und John waren zwar eilig auseinander gezuckt, als sie die fremde Stimme vernommen hatten, doch natürlich saßen sie auch jetzt noch viel zu dicht beieinander und sahen ZU ertappt drein, um keinen verdächtigen Eindruck zu machen.
„Nur dein Bruder und seine Freundin“, meinte Dave, machte Patricia platz und ging rückwärts wieder aus dem Raum. „Sorry nochmal, ich dachte hier wäre niemand“, entschuldigte er sich und war dann auch schon außer Sichtweite verschwunden. John's Schwester begriff natürlich sofort und wenn auch fragend und nachdenklich, so machte ihr Blick nicht den Eindruck, als wollte sie die beiden anklagen oder verurteilen.

Elaine hielt es für das beste, wenn sie nun verschwand, denn mit diesem Ausgang des Abends hatte wohl niemand gerechnet und schon gar nicht gewollt, dass es so kam. „Ich sollte nach Hause, mein Vater wird womöglich einen Kontrollanruf machen. Danke nochmal, dass ich... hier spielen durfte“. Sie musste sich zusammenreißen, dass ihre Stimme weiterhin fest und deutlich klang und es fiel ihr unglaublich schwer, ihren Platz auf dieser Bank – und neben John – jetzt zu verlassen. „Dann.. gute Nacht“. John blickte sie nur mit einem langsamen Nicken an, ihm schien es vorläufig die Sprache verschlagen zu haben.
Den Blick gesenkt ging die Brünette an Patricia vorbei, da sie doch noch irgendwie einen strafenden Blick erwartete. „Schlaf gut“, wünschte die Sängerin ihr dennoch mit unerwartet freundlichem Tonfall. „Du auch, danke“. Beim Hinausgehen bekam Elaine gerade noch so mit, wie John von seiner Schwester etwas gefragt wurde, daraufhin aber wieder nur nickte und sich wortlos in seine Kajüte zurückzog. Nein, das war ganz und gar nicht so gelaufen, wie man es sich wünschte.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^