Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: * "Who'll come with me" © Kelly Family 1980

50.

„Du bist wirklich so.. groß geworden!“, hörte Elaine zum wiederholten Mal an diesem frühen Abend von ihrem Großvater, der neben ihr auf dem Sofa saß und leicht ihren Arm tätschelte. „Opa, du kannst auch englisch sprechen, wenn dir das leichter fällt“, erinnerte die Brünette den älteren Mann, dass sie durchaus mehr als nur Deutsch verstand, doch er schüttelte entschieden den Kopf. „Übung schadet nichts“. Und stirnrunzelnd sah er an seiner Enkelin vorbei, um den Mann neben ihr noch einmal eingehend zu mustern. „So.. you're a Brit, yes?“, brummte er mit deutlich gerolltem R in seiner Aussprache an und Ryan, Elaine's früherer Verlobter schmunzelte ein wenig. „That's right“, gab er freundlich zur Antwort, doch der ältere war noch nicht fertig. „Wanna hear what my father used to say about english people?“, fragte er ein wenig provokant, doch noch bevor jemand antworten konnte, klinkte seine Frau sich ein. „Paul! Just be nice as you promised!“, erinnerte sie ihn an ein Gespräch früher am Tag. „But if HE is the one...“, fuhr Paul James mit seiner Tiefen stimme fort und wieder wurde er unterbrochen. „He is NOT, and.. just be quiet, will you!“ Der ältere Ire ließ sich von keinem etwas sagen, außer von seiner Frau und auch ihr Einfluss auf ihn war nicht immer gleich erfolgreich.
Tatsächlich beabsichtigte Elaine im August 2012 ganze zwei Wochen bei ihren Großeltern im irischen Galway zu verbringen, da der letzte Besuch bei ihnen bereits ganze sechs Jahre zurück lag. Auf halbem Weg in Irland traf sie sich mit Ryan, welcher geschäftlich dort zu tun hatte und nun mit seiner englischen Herkunft die Nerven ihres Großvaters strapazierte, auch wenn er eigentlich gar nichts tat, außer nur da zu sitzen. „He is.. „the one“? What do you mean by that?“, erkundigte Elaine sich, doch ihre Großmutter tat so, als wüsste sie überhaupt nicht, wovon ihr Mann gesprochen hatte und gab vor, dass sie ihn eigentlich nur zum Schweigen bewegen wollte.

„I've got to go“, meinte Ryan nach einer Weile und Paul runzelte wieder die Stirn. „Das Essen ist demnächst fertig und es ist unhöflich, nicht zu bleiben. Fiona hat extra ihretwegen gekocht!“, schnaubte der Ire und seine Frau machte in etwa den gleichen Ton, während Ryan aufstand und es praktisch parallel dazu klingelte. „We've invited someone else for dinner, do you remember?“ Die ältere Dame stand auf und ging zur Tür, wobei Elaine und Ryan folgten, nachdem der Brite sich höflich von Paul verabschiedet hatte und selbiger mit neugierigem Blick dann doch auch in den Flur kam.
„And why is THIS guy here?“, rief Paul James von weiter hinten, nachdem Fiona die Eingangstür geöffnet hatte und Elaine sprachlos feststellte, dass niemand anderes als John dort stand. „Der richtige Moment um zu gehen“, stellte Ryan lächelnd fest, umarmte Elaine dann und küsste sie auf die Wange, was bei John auf keine großartige Begeisterung stieß, obwohl er sich redlich Mühe gab, sich nichts anmerken zu lassen. Er hatte im Auto etwas vergessen und verließ gemeinsam mit dem Engländer noch einmal das Haus. „You have absolutely nothing to worry about“, begann Ryan leise und sah John direkt an. „She was always yours. I wish you all the very best. And someday you will fully understand... See you“, verabschiedete er sich und fuhr kurz darauf dann auch schon mit seinem Wagen davon.

Elaine war unruhig geworden, als sie mit ihrem Großvater in das gemütliche Esszimmer hinüber ging, während die Hausherrin am Eingang auf John wartete, um dann die Tür hinter ihm zu schließen. Wie es sich gehörte brachte er Blumen und Whiskey mit, wobei er zumindest schon einen kleinen Stein im Brett hatte bei Paul. „Trotzdem... heute sind ein wenig ZU viele Männer hier, die alle zu dir wollen!“, erklärte er Elaine, die ihrerseits Mühe hatte, jemand anderen als John anzusehen, mit dessen Auftauchen sie wirklich zuletzt gerechnet hatte. „Ein nettes Mädchen aus Deutschland hat uns angerufen und gefragt, ob es ein Problem wäre, wenn du im Urlaub jemanden mitbringst“, erklärte Fiona nun auf deutsch, während sie das Essen auf den Tisch stellte. Sofort war klar, dass so etwas nur von Kira kommen konnte und zurück daheim würde Angelo's Ehefrau ein feines Donnerwetter über sich ergehen lassen müssen. Verschwörungen und Überraschungen mochte Elaine eigentlich noch nie.

„What's your name, son?“, fragte Paul, als sie am Essen waren, denn er hatte die erste Vorstellung nicht mitbekommen, da er noch mit Granteln und Grummeln beschäftigt gewesen war über so viele Besucher an einem einzigen Tag. „John Kelly, Sir. We've met each other back in the seventies. I was about ten years old“, erklärte er höflich und sofort schien der alte Herr hellhörig zu werden. „Kelly? Like...“, begann er und murmelte die restlichen Worte in seinen sprichwörtlichen, aber nicht tatsächlich vorhandenen Bart. Seine Frau schmunzelte, denn jetzt hatten sie seine Aufmerksamkeit geweckt. „Dan Kelly war sein Vater“, erklärte sie ihrem Mann und der musterte John nun höchst interessiert. „Well yes... durchaus Ähnlichkeit, aber.... kannst du das auch beweisen?“ Paul war früher einmal Polizist gewesen und später in den privaten Personenschutz gewechselt, was man ihm heute noch immer anmerkte. „Paul!“, entfuhr es seiner Frau und auch Elaine ließ den Kopf herum fahren. „Opa! Also ehrlich jetzt!“, wiesen sie ihn gemeinsam zurecht, doch John lachte und schüttelte den Kopf. „It's okay. Er hat ja recht. Ich würde auch wissen wollen, wer sich in meinem Haus herumtreibt. Ich habe eine Gitarre im Auto und..“ Doch der Gastgeber fiel ihm ins Wort und deutete in Richtung Wohnzimmer. „Nimm meine“. Wobei seine Frau bereits aufgestanden war und mit dem entsprechenden Instrument zurück kehrte, welches John lächelnd entgegen nahm und zuerst die Saiten ein wenig stimmte.
„Late seventies 'til early eighties.. then you might definitely know this one“, erklärte er zuerst, begann dann mit einer leisen Melodie und Elaine neben ihm lächelte, wobei Paul seinen Platz verließ und direkt neben dem Musiker stehen blieb, um zu beobachten, ob er das auch richtig machte.

„*Who'll come with me?
Don't be afraid I know the way.
Who'll sing with me?
Don't be afraid I know the way.

Who'll dance with me
All through the world?
Don't be afraid I'll show the way“, sang er mit deutlicher Stimme und völlig unerwartet hob Paul eine Hand um ihn zu unterbrechen. „It's enough now!“, stellte er fest. „I remember you... singing the same song as a young boy. You truly are your father's son“, stellte er tatsächlich ziemlich gerührt fest und tätschelte John die Wange wie man es ansonsten bei Kindern tat.
Die Frauen schienen erleichtert, dass die Sache sich geklärt hatte und das Essen konnte weitergehen, wobei Elaine's Großvater nun gar nicht oft genug dafür sorgen konnte, dass John den Teller wieder voll hatte. „Die Figur hast du aber nicht von Dan, der hatte einen ziemlichen Bauch früher“, lachte der ältere Ire und auch der Blonde musste grinsen. „Ich esse auch gerne, aber jeder ist eben anders veranlagt“.

Bisher hatte Elaine sich noch nicht wirklich mit John unterhalten können, denn ihr Großvater war bei der Unterhaltung ziemlich in den Vordergrund getreten und konnte gar nicht genug von früher erzählen und daran erinnern, wobei er und John's Vater wohl auch einiges an Unsinn zusammen getrieben hatten. „Wir sind da gewesen vor zehn Jahren, bei der Beerdigung, you know“, erklärte nun Fiona leise und der Musiker nickte ihr lächelnd zu. „Ed hat es mir gesagt. Aber es waren so viele Leute dort. Hätten wir gewusst...“ doch nun schüttelten beide den Kopf. „An so einem Tag hat man anderes zu denken, als.. well... wen man am besten zum Kaffee einladen sollte, damit die Leute nicht gekränkt sind“.

„Wir dachten übrigens, ihr könnt drüben in der Pension schlafen“, erklärte die Hausherrin den beiden und legte einen Schlüsselbund vor Elaine ab. „Im September haben wir Neueröffnung nach der Sanierung und es wäre gar nicht schlecht, wenn ihr vielleicht im Voraus schon alles ein wenig testet. Zum Essen kommt ihr natürlich rüber, ich muss nur ein wenig vorher Bescheid wissen. Wo die Sicherungen sind weißt du noch?“ Elaine nickte und nahm die Schlüssel lächelnd an sich. „Ich hab ganz viele alte Videos von Früher, die könnten wir uns doch noch ansehen!“, klinkte der Großvater sich jetzt wieder ein und brachte seine Frau damit zum seufzen. „Paul..sie sind jung und wollen allein sein, verstehst du das nicht?“, wies Fiona ihren Mann zurecht und der runzelte zuerst die Stirn, bevor ihm wohl ein Licht aufging. „Oh.. oooohhhh“, machte er zweideutig und lachte, wobei er ziemlich an Elaine's Vater erinnerte. „Opa!“, entfuhr es Elaine entsetzt, doch John konnte wieder nur grinsen, denn die beiden mochten zwar etwas älter sein, aber alles andere als weltfremd und verklemmt. „Okay then... die Videos laufen nicht weg. See you tomorrow!“ verabschiedete er sich und verschwand im Wohnzimmer, woher es gleich darauf nach Pfeifentabak roch und einige Flaschen und Gläser leise klirrten. „Ich helf dir noch aufräumen“, erklärte Elaine sofort, doch sie wurde ziemlich energisch wieder aus der Küche geschoben, zurück zu John, der sich im Flur einige Fotos an der Wand ansah. „No you won't. Ihr geht jetzt rüber und genießt den Abend. Ihr könnt alles nehmen, was ihr möchtet, wie immer“.

Ebenso schnell wurden sie aus dem Haus komplimentiert und gingen langsam die wenigen Schritte zur besagten Pension hinüber. „Schaffen die beiden das allein mit den Gästezimmern und allem?“, erkundigte der Ire sich neugierig, als er an dem doch recht großen Gebäude hinauf sah, während Elaine die Tür aufschloss. „Eine Cousine meines Vaters arbeitet hier mit ihrer.. naja... Lebensgefährtin und deren Sohn aber Oma und Opa sind die eigentlichen Gastgeber“. In dieser Familie schien man wirklich ziemlich aufgeschlossen zu sein was alternative Formen des Zusammenlebens anging. Das erklärte wohl auch die sofortige Bereitschaft der Großeltern, dass John ebenfalls hierher kommen konnte. „Erzählst du mir jetzt endlich, warum du mir nichts gesagt hast?“, hakte Elaine nach, kaum dass sie das Gebäude betreten hatten, doch er hatte ziemlich offensichtlich andere Pläne. „DAS ist wirklich das erste, was dir einfällt, sobald wir alleine sind?“, wurde die Brünette gefragt, woraufhin sie leicht grinsend näher kam und ihre Finger langsam über sein Hemd krabbeln ließ. „Eigentlich nicht, ich wollte dich nur nicht gleich so überfallen?“, murmelte sie und kam dann ganz nahe. „Vielleicht WILL ich überfallen werden?“, gab er zu Bedenken und sie nickte. „Das Gefühl hab ich auch“, flüsterte die Deutsch-Irin und küsste ihn dann ziemlich ausgiebig.

„Und wie lange kannst du bleiben?“, wurde John nach einer Weile gefragt, während Elaine ihn in ein Büro zog und dort die vorher angesprochenen Sicherungen einlegte, wobei es gleich an verschiedenen Stellen hell wurde. „So lange du bleibst. Ich muss in der ersten Woche im September mit Maite in Lichtenberg in Bayern auftreten, aber bis dort hin sind die Ferien ja längst vorbei“. Elaine sah ihn ungläubig an, denn wenn sie gerade richtig verstand, bedeutete es, dass sie tatsächlich zum ersten mal überhaupt gemeinsam so etwas wie Urlaub machen konnten. „Two weeks? In Ireland.. with... me?“, flüsterte sie ihm zu und er nickte ganz leicht. „Vor zehn Jahren hatten wir nur drei Tage für uns und ich wollte es dieses Mal richtig machen“, folgte Elaine seinen Worten. „Allerdings...“, schien John noch etwas zu überlegen, was ihn ein wenig belastete, wie man an seinem Gesichtsausdruck sehen konnte. „Können wir an einem Tag rüber an die Ostküste fahren und... Falls du nicht willst würde ich auch allein gehen. Ich weiß, dass die Fahrt sehr lang ist“ Die Angelegenheit schien ihm schwer zu fallen, doch Elaine hatte verstanden, welchen Ort er besuchen wollte. „Natürlich. Ich war an dem Tag damals mit dir auf diesem Friedhof und das werde ich auch dieses Mal“. Sie hatte richtig geraten, denn sein Nicken war eindeutig.

„Komm mit in den Garten. Er ist fast so schön wie eurer damals in East Grove war“, wusste die Dunkelhaarige zu berichten, machte einen kurzen Abstecher in die Küche und kam mit zwei Flaschen Guinness direkt aus dem Kühlschrank zurück. „Opa weiß, was gut ist“, lachte sie und reichte John eine davon, wobei er ihr langsam durch die Hintertür hinaus folgte. Es war bereits Abend und die Sonne ging unter, aber sie waren schon früher bis spät in die Nacht irgendwo draußen gewesen und hatten damit kein Problem. „Überraschung gelungen, auch wenn du eigentlich keine magst?“, flüsterte John seitlich in ihr Ohr, als sie nebeneinander in einer modernen hölzernen Hollywoodschaukel lagen und es sich einfach nur gut gehen ließen. „Ja okay... manche spontane Dinge sind doch nicht ganz so doof“, murmelte sie, drehte sich dann seitlich und rückte näher, um den Kopf bei ihm abzulegen. „Wir sollten nach Irland ziehen. Ich könnte hier in der Pension arbeiten und du würdest sicher irgendwas finden, wo du Musik machen kannst“. Lächelnd strich John über ihr Haar, sagte aber nichts. Eine schöne Idee, nur hatten sie beide Verpflichtungen, die sie nicht einfach so von jetzt auf gleich sein lassen konnten. Träumen durfte man dennoch, das konnte einem zum Glück niemand verbieten.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^