Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit

51.

„You've got to try one of these!“, war John vollkommen in seinem Element und lotste Elaine auf einen der Stände des „Galway Farmers Market“ zu, den er entdeckt hatte. „Die Iren haben in Europa direkt nach den Schweizern den zweithöchsten Verbrauch an Schokolade, hast du das gewusst?“, kommentierte der Blonde und Elaine schüttelte lächelnd den Kopf. Sie schwieg zuerst einfach nur, wie immer, wenn er ihr etwas erklärte, so war es schon früher gewesen und würde sich sicher auch niemals ändern. Kurz wechselte er einige Worte mit dem Inhaber des Standes, welcher ihm dann freundlich eine Platte mit Kostproben präsentierte, aus welchen John ein Stück auswählte und es Elaine vor den Mund hielt. Natürlich zögerte sie und hatte auch ihren üblichen Blick rundum aufgelegt, mit dem sie die Umgebung und die anderen Besucher sondierte. „Just relax“, beruhigte er sie sofort mit sanfter Stimme, denn weder kannte sie hier jemand, noch war es nötig, immer so gestresst zu sein, sobald größere Menschenmengen um sie herum waren. Noch ein wenig unsicher öffnete Elaine dann den Mund und schnappte nach dem Stück Schokolade, was ziemlich rasch ein breites grinsen auf ihrem Gesicht erzeugte. „Just amazing!“, erklärte sie dem Verkäufer, der ihnen dann kurzerhand eine kleine Tüte mit ein paar weiteren Proben schenkte. „Das ist der Unterschied hier. In Deutschland müsstest du schon fast dafür bezahlen, dass du dir nur den Stand ansiehst“, raunte John ihr seitlich zu und sie lachte leise.

„Die verkaufen hier ja sogar frisches Sushi“, fiel Elaine auf, während sie weiter an den unterschiedlichen Ständen entlang schlenderten und ein Asiate gerade die bekannte Spezialität direkt vor den Augen der Marktbesucher zubereitete. „Fast alles hier wird frisch gemacht, da ist nichts mit Konserve oder tiefgefroren“, erklärte der Ire und ließ seinen Blick zum selben Verkäufer wandern, als sie ihn gerade passierten.
„Elaine?“, meinte er plötzlich leise und die Brünette ließ ihren Blick von den bunt dekorierten Auslagen der Stände wieder zu ihrem Begleiter wandern. Zunächst schien er überhaupt nicht weiter auf sie zu reagieren, doch ein wenig verzögert fiel ihr auf, dass er seine Hand mit der Handfläche nach oben in ihre Richtung hielt und abwartete. „Maybe we should... try.. you know..“, es fiel ihm offenbar schwer, die richtigen Worte zu finden, was hauptsächlich daran lag, dass er Elaine nicht noch mehr überrumpeln wollte, eben weil er wusste, dass sie mit öffentlichen Annäherungen nicht sehr gut umgehen konnte. „.. to get used to each other slowly?“, wurde der Satz vervollständigt und sie wusste natürlich, worauf er hinaus wollte. Klar kannten sie sich seit vielen Jahren – wo von „langsam“ eigentlich keine Rede mehr sein konnte - und hatten auch einige sehr private Momente miteinander gehabt, doch jetzt machten sie tatsächlich sogar gemeinsam Urlaub und es schien ihm ziemlich an die Substanz zu gehen, dass sie sich draußen immer noch so fast unnahbar gab.

„That..“, begann die 33-jährige leise und verfiel dann zuerst wieder in Schweigen, bevor sie sich plötzlich nach oben reckte, die Lippen leicht spitzte und ihn ganz flüchtig auf den Mund küsste. „...sounds pretty good to me“, erklärte Elaine flüsternd und nahm dann tatsächlich seine Hand, was John offenbar regelrecht sprachlos machte. So oft war er zurückgewiesen worden, wenn er Versuche dieser Art gestartet hatte und nun schien es plötzlich ganz einfach zu sein. „You look as if you'd seen a ghost“, kam das Englisch bei Elaine in dieser Umgebung wie selbstverständlich, denn wenn alle um einen herum so sprachen, passte man sich scheinbar doch ziemlich schnell an. „Kein Geist“, kam nach einer Weile die leise Antwort und der Blick mit dem er sie bedachte, war mit Worten kaum richtig zu beschreiben. „Aber du bist... ich weiß nicht, was ich sagen soll“. Ein wenig runzelte die Brünette nun ihre Stirn und wollte ihre Hand bereits wieder zu sich nehmen, als er sie ganz plötzlich dicht an sich zog und ihre Gesichter jetzt nur noch Millimeter voneinander entfernt waren. „Ich meinte es nicht negativ, aber vielleicht war ich niemals vorher von etwas so überrascht wie jetzt gerade“ erklärte der Musiker leise, was in ihm vorging und Elaine bedachte ihn mit einem sanften lächeln. „Ich fand, dass es langsam an der Zeit wäre... naja“. John nickte bereits und damit war es nicht mehr nötig, den Satz zu ende zu sprechen.

Tatsächlich machten sie den Eindruck wie ein ganz gewöhnliches Paar, als sie langsam weiter schlenderten, sich noch einige Marktstände ansehen und irgendwann in eine ruhigere Gegend kamen, wo man bereits die Sirenen von Schiffen hören konnte. „Ist der Hafen in der Nähe?“, erkundigte er sich bei Elaine und sie nickte, da sie sich wenigstens dieses eine Mal an einem Ort besser auskannte als er. „Aber da ist es nicht besonders interessant. Auf der anderen Seite vom Fluss ist der South Park. Das ist kein Park in dem Sinne sondern eben... mehr wie ein Naturschutzgebiet. Ist aber recht hübsch“, erklärte Elaine und sah nebenbei zu ihrer Hand, über die er ganz leicht mit seinem Daumen strich. Diese Vertrautheit fühlte sich einfach nur unglaublich gut an und ein wenig schlich sich in ihre Gedanken, wie dumm es doch gewesen war, sich so lange davor zu drücken.
„Auch auf die Gefahr hin, dass du dich gleich wieder aufregst, habe ich eine weitere Überraschung, aber dafür musst du dich noch ein wenig gedulden“. Seufzend täuschte Elaine einen kleinen Ohnmachtsanfall vor und schwankte gespielt hin und her, wobei er lachend den Arm um ihre Hüfte legte und sie festhielt. „Ich warte schon fast mein ganzes Leben lang auf den Moment, in dem du vollkommen wehrlos in meine Arme fällst. Dabei hätte ich dir einfach nur öfter mit Überraschungen drohen müssen!“. Er beugte sich grinsend herüber und ließ Elaine dabei ein wenig rückwärts in der Luft hängen, bevor sie einen kleinen Kuss auf die Wange bekam und dann auch wieder normal auf ihre Füße gestellt wurde. „Fast dein ganzes Leben? Als wir uns kennengelernt haben warst du schon über zwanzig“, erinnerte sie sich an früher und meinte damit seine These widerlegen zu können. „Und jetzt bin ich Mitte vierzig. Das ist zumindest gut die Hälfte meines bisherigen Lebens“. Wüsste Elaine nicht, dass er tatsächlich bereits so alt war, hätte sie völlig anders geraten, denn in dieser Familie sah man wohl generell deutlich jünger aus, als man eigentlich war.

Sie drehten eigentlich unbewusst eine kleine Runde und waren irgendwann wieder zurück auf dem Markt, wobei ihnen einer der Standbetreiber ein Bündel Weintrauben schenkte, mit dem sie dann eine Weile beschäftigt waren. „Die Letzte ist meine! Der Kerl vorhin hat eindeutig MICH angesehen!“, beschwerte Elaine sich, als nur noch eine Traube übrig war. „Ja, ihm sind beinahe die Augen rausgefallen. Der hatte ganz anderes im Sinn als dir nur Obst zu schenken. Und deshalb ist die letzte für mich. Als Wiedergutmachung.“, stellte er mit strengem Tonfall fest und die Dunkelhaarige schnaubte. „Was kann ich denn dafür, wenn der Typ auf mich steht?“, gab sie zu bedenken, doch John blieb weiter unnachgiebig, auch wenn das gerade eher eine kleine Blödelei war, als ernst gemeint. „Bitteeee“, quengelte Elaine und sah ihn mit einem Unschuldsblick an, der ihn scheinbar überhaupt nicht beeindruckte. „Das reicht dieses Mal nicht“, stellte er klar, dass sie sich wohl etwas mehr einfallen lassen musste.
Mit dem Finger deutete die Brünette plötzlich an, dass er etwas näher kommen sollte und beugte sich dann zu seinem Ohr, welches sie beim Sprechen ganz leicht mit den Lippen streifte. Die genauen Worte waren lediglich für John selbst hörbar und als Elaine sich wieder zurückziehen wollte, machte er deutliche Anstalten dazu, ihr von sich aus wieder unmissverständlich näher zu kommen.

„Das gibt’s jetzt aber echt nicht, ne?“, vernahmen sie eine sehr bekannte stimme irgendwo hinter ihnen und wurden kurz darauf dann auch schon eifrig auf die Schulter geklopft, nachdem sie es gerade noch so geschafft hatten, sich aus einer all zu verräterischen Haltung zu lösen. Hinter ihnen standen Paddy und Rae, die grinsten wie zwei Honigkuchenpferdchen, als sie die ertappten Gesichter von Elaine und John bemerkten. „Was... macht ihr denn hier?“, fand die Deutsch-Irin ihre Sprache zuerst wieder und das Grinsen der Beiden war noch immer nicht verschwunden. „Wir sehen uns Kapellen an um für unsere Hochzeit nächstes Jahr die richtige zu finden“, erzählte die Schottin und tauschte begeisterte Blicke mit ihrem Verlobten aus. Es war jedes Mal die reinste Freude, den beiden zuzusehen, denn sie hatten sich wahrlich gesucht und gefunden, anders konnte man es nicht ausdrücken. „Und Aidan?“, war es dieses Mal John der sich erkundigte. „Meine Eltern“, kam es abermals von Rae und nun musterte sie die anderen beiden ausgiebig. „Und was genau macht ihr hier?“
Es wäre eigentlich nicht schwer gewesen, es einfach so zu sagen, wie es war, doch anhand der langjährigen Gewohnheit kam natürlich wieder eine schnell ausgedachte Ausrede. „Ich besuche meine Großeltern hier und wir sind uns zufällig über den Weg gelaufen“, hatte Elaine gleich parat und sowohl Paddy, als auch die Schottin zogen jeweils eine Augenbraue nach oben.

„Wo übernachtet ihr?“, wollte Elaine wissen und darauf gab es scheinbar keine richtige Antwort, da das junge Paar spontan drauflos gefahren war und immer ebenso kurzfristig irgendwo unterkam. „Meine Familie hat eine Pension. Sie ist für die Öffentlichkeit noch bis September geschlossen, aber wir wohnen auch dort und sie haben sicher überhaupt nichts dagegen. Was sagt ihr?“ Wieder wechselten die beiden einen Blick, bevor dieses Mal der frühere Teeniestar das Wort ergriff. „Also „WIR“, ja?“, führte er Elaine grinsend vor Augen, was sie eben gesagt hatte, nur Sekunden nach ihrer Behauptung, sie und John wären einander zufällig begegnet.
Tatsächlich kamen sie um die Beantwortung der Frage noch einmal herum und schließlich verschwanden die beiden zu ihrem Auto, wobei man sich kurzerhand an der Pension verabredet hatte in einer Stunde. „Ich hätte fragen sollen, ob dir das überhaupt recht ist, tut mir leid“. Manchmal war Elaine ein wenig zu schnell bei der Sache, doch John schüttelte den Kopf. „Zuerst einmal ist das hier dein Urlaub und ich bin ungefragt dazu gekommen. Zweitens ist das mein Bruder und seiner Freundin, warum sollte ich sie nicht hier haben wollen? Du denkst schon wieder zu viel nach“. Damit strich er ihr eine Strähne hinters Ohr und sie traten schließlich ebenfalls den Rückweg an.

„Boys... how many children did your dad have? Ten?“, fragte Paul James, nachdem ihm am frühen Abend Paddy, ein weiterer Sohn seines alten Freundes Dan Kelly,
vorgestellt worden war. „Twelve“, antworteten John und Paddy wie im Chor, womit sie alle anwesenden zum Lachen brachten. „Du bist hier geboren, right? In Dublin in einem Wohnwagen, ich weiß das noch. Ich kannte dich schon, als du SO ein kleiner... Hosenschei...“ sprach er, doch seine Frau unterbrach ihn mit einer deutlichen Ermahnung. „Paul... wir wissen alle, was kleine Kinder in ihre Windel machen, auch ohne deine Ausführungen?“, wieder kicherten alle, ehe der Hausherr nun Rae genauer unter die Lupe nahm. „From Scotland, yes?“, wiederholte er, was man ihm zuvor erzählt hatte und die Rothaarige nickte freundlich. „A lot better than Brits...“, grummelte er und sah dabei Elaine an, weil er sich an Ryan erinnerte, er noch am Vortag mit ihr hier gewesen war. „Und was für eine Frage, natürlich könnt ihr hier übernachten. Eine Kapelle aussuchen, das ist ja sowas von romantisch.“, seuftzte die ältere Dame nun und blickte zwischen John und Elaine hin und her. „Vielleicht ist für euch ja auch was dabei“. Doch ihre Enkelin räusperte sich leise. „Oma, erinnere dich, was ich dir am Telefon erzählt hab“ und sie nickten beide. Um was genau es in dem Gespräch gegangen war, verrieten die Frauen nicht und es spielte genaugenommen auch keine Rolle.

„Soll ich euch etwas kochen?“, war die Gastgeberin sofort zur Stelle, doch sie schüttelten einheitlich den Kopf. „Wir wollten selbst was machen und ich verspreche, dass wir anschließend auch wieder aufräumen. Sauber machen kann ich persönlich sowieso besser als kochen“, witzelte sie, wobei durchaus etwas dran war. Natürlich, für den Hausgebrauch reichten ihre Kochkünste, aber ein Menü mit mehreren Gängen brauchte man von Elaine nicht erwarten.
„Dein Bruder musste gestern singen, als beweis dass er der ist, für den er sich ausgibt!“, klinkte Paul sich noch einmal ein und Elaine stöhnte leise. „Vielleicht können wir die Tage im Garten grillen und bestimmt spielen die jungen Herren dir dann gerne etwas vor“. Damit war der alte Ire zufrieden und trollte sich wie üblich zu seinem Whiskey und dem Pfeifentabak.
„Ich komm nicht mit rüber, ich warte auf einen Anruf, aber Elaine kann euch alles Zeigen“, richtete die Großmutter nun an Paddy und Rae, die sich höflich bedankten und den anderen beiden schließlich zur direkt nebenan gelegenen Pension folgten.
„Hier, das ist ein Flur weiter als unser... mein Zimmer und...“, so langsam wurde es ein wenig überflüssig mit dem vortäuschen, denn Elaine war ziemlich sicher, dass inzwischen auch wirklich der Letzte gerafft hatte, dass sie tatsächlich – mehr oder weniger – ganz bewusst hier waren und nicht nur zufällig auf dem Markt übereinander gestolpert.
Sicher, John hatte seine (mehr-oder-weniger-)Freundin überrascht, doch das war von langer Hand geplant gewesen und Schwägerin Kira hatte wie so oft ihre Finger mit mit spiel gehabt.
Paddy und Rae bezogen kurzum ihr Quartier für die nächsten Tage, während Elaine sich in der Küche schon einmal einen Überblick verschaffte, was sie denn alles zur Hand hatten.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^