Who'll come with me?

vor 22 Tagen
Was passiert, wenn eine junge Frau das Leben eines männlichen Bandmitgliedes von mitte der 90er an bis in die Gegenwart gehörig durcheinander bringt? Oder ist es doch eher umgekehrt? Kelly Boy && Elaine James (oc)
Kelly Family Romanze P16 Drama In Arbeit
Bemerkung des Authors: * "Summer of 69" © Bryan Adams 1984

53.

„Wenn ihr mich nötigt damit zu fahren, ich schwöre euch, dann stehe ich nachher hinter dem nächsten Kassenhäuschen und übergebe mich“, meinte Elaine entgeistert, als sie vor einem der Fahrgeschäfte des Galway Fairground standen, welcher aktuell für zwei Wochen seine Zelte in der Stadt aufgeschlagen hatte. John und Paddy lachten amüsiert, denn sie schienen ja einiges gewohnt, wo sie früher selbst mit dem fahrenden Volk oder Zirkus unterwegs gewesen waren. „Ich könnte deine Haare halten“, warf John beiläufig ein und duckte sich grinsend zur Seite, als Elaine nach ihm ausholte. Natürlich war nichts davon ernst gemeint, denn wenn die anderen etwas fahren wollten, sie jedoch nicht, dann würde sie einfach hier warten und zusehen. „Also auf mich müsst ihr da auch verzichten. Ansonsten gibt es reihern im Doppelpack. Und WEHE dir, wenn du jetzt sagst, dass du auch gut Haare festhalten kannst!“, wurde Paddy sofort von Rae gewarnt und presste amüsiert die Lippen aufeinander. Wohl hatte er etwas ganz ähnliches im Sinn gehabt, so ertappt wie er jetzt aussah.
Sie einigten sich schließlich einigermaßen darauf, dass ein Riesenrad harmlos und noch absolut im Rahmen war. Die Gondeln sahen von außen aus wie kleine Schiffe und wären auch eigentlich ganz niedlich gewesen, wenn den Herren nicht ausgerechnet ganz oben eingefallen wäre, dass man ja anfangen könnte zu schaukeln und zu drehen, als das Riesenrad gerade angehalten hatte, damit die Mitfahrer etwas vom Ausblick genießen konnten. Zu allem Überfluss fingen sie dann auch noch an „My bonnie is over the ocean“ zu singen und Elaine kniff einfach nur fest die Augen zusammen, um wenigstens nichts sehen zu müssen. „Denkt ihr an das Kassenhaus???“, rief sie mitten in den Gesang hinein und schließlich fiel den Brüdern dann auch wieder ein, dass sie ja eigentlich anständig sein wollten. „Sorry. Ich mach es später wieder gut“, murmelte John in ihr Ohr und während Rae nur grinste, konnte Paddy sich ein „Uuuuh!“, nicht verkneifen, wobei Elaine leicht gegen sein Schienbein kickte. „Depp! Nicht SO wie du das wieder meinst!“, schimpfte sie, wurde dabei aber seitlich fragend angesehen. „Ach.. nicht?“, warf der Blonde neben ihr neckend ein und brachte sie damit wieder einmal zum Erröten. Er wackelte zweideutig mit den Augenbrauen, sie schüttelte den Kopf und das Ganze trug zur allgemeinen Erheiterung bei.

Es war eigentlich klar gewesen, dass man mit diesen beiden Kerlen um allerlei Unsinn auf so einem Rummel nicht herum kam und tatsächlich machten sie jede Losbude genauso unsicher, wie die Spiele bei denen man Bälle oder Ringe werfen musste. Beim Schießen allerdings, hatte Elaine ihnen deutlich etwas voraus und die Männer zogen eine Schnute, wobei Rae sie auslachte. „Das ist nicht fair, weil du bist ja sozusagen vom Fach!“, quengelte Paddy gespielt und John stimmte ihm nickend zu. „Das ist so, als wollte man Chuck Norris im Karate besiegen!“ Fröhlich grinsend tänzelte die Deutsch-Irin um die beiden Grantler herum. „Ja genau... „vom Fach“. Nun tut mal nicht so, als ob ich jeden Tag mit Pistolen und Gewehren zu tun hätte. Ihr seid einfach nur schlechte Verlierer“. Ihre Aufmerksamkeit war bereits auf etwas anderes Konzentriert und bevor die Frauen noch etwas sagen konnten, stürmte man dann auch schon geradewegs einfach weiter und nach ein paar Schritten war sofort klar warum. Ein kleiner Pavillon mit Bühne am einen Ende und Leute beim Karaoke: da konnten die beiden Gesangskünstler natürlich nicht widerstehen und hatten sich kurz darauf auch schon zwei Mikrofone geschnappt. Nach schneller Beratung einigten sie sich offenbar auf einen Song und gaben wenig später den von Bryan Adams komponierten Titel „Summer of 69“, zum besten, wobei sie einen mords Spaß zu haben schienen.
„Die sollten öfter zusammen so richtig auf Rocker machen, findest du nicht?“, bemerkte Rae begeistert und bekam von Elaine ein Nicken. Ja doch, das passte schon ziemlich gut und auch die anderen Zuschauer schienen begeistert. Man merkte eben den deutlichen unterschied zwischen den beiden Brüdern und den anderen die vor ihnen an der Reihe gewesen waren. So viel zum Thema „Vom Fach“.

„*Standing on your mama's porch
You told me that it'd last forever
Oh, and when you held my hand
I knew that it was now or never
Those were the best days of my life“, erklang die letzte Strophe des Songs, wobei im Anschluss noch eine kleine Show und ein wenig Unsinn mit den Zuschauern folgte, bevor die beiden unter Applaus der anderen Anwesenden die kleine Bühne verließen und sich scheinbar sehr angeregt mit einem der Inhaber der Anlage hier unterhielten. „Wir kommen gleich wieder!“, rief Paddy den Damen zu und dann waren sie auch schon verschwunden.

„Ich weiß nicht, ob ich wissen will, was die jetzt wieder aushecken“, seufzte Elaine nach einigen Minuten, als sie in der Nähe des Pavillons standen und warteten, wobei sie dann auch schon von hinten überrascht und breit angegrinst wurden. „Aaach wie toll!“, kicherte Rae und besah sich das
schwarze Shirt ihres Verlobten, auf dem in grün geschrieben stand „Kiss me, i'm irish“, dekoriert mit Kleeblättern. Natürlich kam die Schottin der Aufforderung auf dem Kleidungsstück nur zu gerne nach und beide wurden dabei grinsend beobachtet, wobei ihr kleines Zwischenspiel doch ziemlich ausgiebig ausfiel. „Öhm... wie wär es mit selber machen, anstatt so zu glotzen!“, schimpfte Rae mit Elaine, die bisher sehr eifrig über die Tatsache hinweg sah, dass John sich gemeinschaftlich mit seinem Bruder das selbe Shirt zugelegt hatte. „Ihr tut es immer noch. Warum versteckt ihr euch ständig? Und ausgerechnet vor uns? Das ist SOWAS von unnötig“. Genau mit solchen Dingen hatte die Brünette öffentlich eigentlich deutliche Probleme, aber nachdem sie sich früher am Abend schon eine Standpauke anhören durfte, war sie eigentlich nicht scharf auf eine weitere Zurechtweisung dieser Art.
„In deinem Fall ist das genaugenommen Betrug, denn im Gegensatz zu IHM, bist du ja nicht mal hier geboren“, meckerte Elaine in Richtung John und eigentlich rechneten alle damit, dass sie tatsächlich wieder eine Ausrede finden würde, warum sie sich zurückhalten wollte. Ganz anders als erwartet folgte tatsächlich ein Kuss, der zwar in seiner Art harmlos war, jedoch ziemlich wenig heimlich für ihre Verhältnisse. Nach dem Marktbesuch am Mittag sorgte die Dunkelhaarige damit gleich für die zweite Überraschung des Tages und es war schwer zu sagen, was er in dem Moment dachte, denn der Blick, der seinerseits nun auf Elaine lag, war ziemlich schwer zu deuten.

„Geht doch“, stichelte Paddy und schlenderte mit Rae langsam weiter, woraufhin die anderen beiden ihnen ein wenig verzögert folgten. Er hatte einen Stand entdeckt, an dem man mit Dartpfeilen auf Luftballons zielen musste und je nachdem wie viele man traf, wurde dann der Preis bestimmt.
Rae feuerte ihren Freund an und noch während Elaine das Tun der beiden beobachtete, kam ihr plötzlich ein Gedanke, der ihr sogar selbst für die eigenen Verhältnisse ein wenig fremd erschien. Kurzum nahm sie John an der Hand, zog ihn hinter die nächstgelegene Hütte und küsste ihn dort gleich wieder. „Wenn ich nicht völlig sicher wüsste, dass du es tatsächlich bist, würde ich dich fragen, ob nicht eine Entführung durch Außerirdische mit eine Rolle spielt“, flüsterte der Musiker gegen ihre Lippen, doch Elaine lächelte nur und hob die Schultern, anstatt eine Antwort zu geben. „Wenn ich gewusst hätte, was dieses Shirt für eine Wirkung hat..“, begann er nun wieder, doch da legte die Dunkelhaarige ihm auch schon einen Finger vor die Lippen und kam dann anderweitig wieder ganz nahe heran. „Sei einfach still“, flüsterte sie und setzte den eben unterbrochenen Kuss fort. Seine Hände schoben sich jeweils in ihren Nacken und an den Rücken und erst als nach mehreren Minuten ganz in der Nähe ein Kichern zu vernehmen war lösten sie sich wieder voneinander. „Wollt ihr euch nicht lieber ein Zimmer nehmen?“, flötete Rae und Paddy legte grinsend einen Arm um ihre Schulter. „Erwischt“, meinte er mit einem lockeren Grinsen und musterte die beiden aufmerksam. Erneut hatte Elaine rote Wangen bekommen, was dieses Mal jedoch nicht nur daran lag, dass man sie auf frischer Tat ertappt hatte.

„Kommt ihr mit, oder wollt ihr lieber allein sein?“, fragte Rae nun völlig ernst, ohne dass etwas wie Ärgern oder Sticheln dahinter steckte. Vorstellbar wäre es durchaus, dass sie nun lieber für sich sein wollten, doch schüttelten beide gleichzeitig den Kopf. Was sich jedoch von sonstigen Gelegenheiten ähnlicher Art deutlich unterschied war, dass Elaine seine Hand nun nicht wie üblich los ließ, sondern sie weiter festhielt, als sie Paddy und Rae zurück auf den Hauptweg folgten. „Sure, you wanna do this?“, flüsterte John ihr beim Gehen ins Ohr, strich mit dem Daumen über ihre Hand und bekam als Antwort ein kurzes Nicken, von einem kleinen Lächeln begleitet. „Hab ich schon getan, oder nicht?“, kommentierte sie und anstatt noch etwas zu sagen, küsste er einfach von der Seite her ihre Schläfe, was wieder einmal nicht ungesehen geblieben war. „“Wow, wenn ihr erst mal loslegt, dann aber richtig“, frotzelte Rae und Elaine gab ihr von hinten einen leichten Schubser zwischen die Schulterblätter. „Nun langt es mal wieder mit deinem vorlauten Mund“, grummelte sie, meinte es aber nicht wirklich böse. Dieser Tag brachte wohl einiges an Veränderungen mit sich und im Stillen stellte Elaine fest, dass es manchmal einfach notwendig war, über den eigenen Schatten zu springen. Und die Zurechtweisung der Schottin hatte auch ihren Teil zu allem beigetragen. Ob sich das auf Dauer so beibehalten ließ, wollte die Deutsch-Irin jetzt nicht vorab beschwören, doch sie fühlte sich mit dem nicht-Verstecken tatsächlich ziemlich gut und was John anging, so sprach allein sein Blick schon Bände. „Alleine sein wäre allerdings auch nicht so schlecht gewesen“, flüsterte er leise genug, dass die anderen beiden es nicht mitbekamen und erhielt dafür einen leichten Klapps auf den Hintern. „Meinst du, das würde es besser machen?“ Er lachte leise, sah aber ganz neutral drein, als sein Bruder sich plötzlich zu ihnen umdrehte, als hätte er ein Gespür dafür, wann es etwas interessantes zu sehen oder hören gab.

Eigentlich waren sie so weit durch, doch kurz vor Ende des Festplatzes, kamen sie dann noch an einer ganzen reihe von Ständen mit verschiedenen Leckereien vorbei und konnten schließlich nicht widerstehen, sich etwas von dem Zeug zu kaufen. Paddy war sofort Feuer und Flamme für die leuchtend Grüne Zuckerwatte gewesen, über welche Rae und er sich jetzt lachend hermachten. Elaine hingegen hatte sich für eine bunt gemischte Tüte mit allerlei Sachen entschieden und tatsächlich war sie an dem Abend um Längen lockerer, als es ansonsten für sie der Fall war.
„Mund auf“, schmunzelte sie und hielt John ein Stück mit weißer Schokolade überzogene Ananas entgegen. Vorsichtig nahm er das Obst, nicht ohne dabei ihre Finger zu berühren, was die 33-jährige verlegen mit dem Kopf schütteln ließ. Er hatte heute wirklich fast nur noch Augen für sie und Elaine stellte fest, dass ihr genau das einfach nur verdammt gut gefiel.
„Noch eins?“, fragte sie leise nach und er nickte, wobei ihre Wahl dieses mal auf eine Traube mit zartbitter fiel. Es folgte das selbe spiel, bei dem Paddy seine Verlobte mit dem Ellbogen anstieß und grinsend in Richtung der beiden nickte. Ja, da hatte wohl jemand Gefallen gefunden am öffentlichen Austausch von kleinen Aufmerksamkeiten.

Zwar kamen die Männer noch auf die Idee, den Irrgarten zu besuchen, welchen sie auf Schildern ausgeschrieben gesehen hatten, doch dafür war es dann doch schon ein wenig zu dunkel, und es war kein sehr berauschender Gedanke, bei Nacht stundenlang zwischen hohen Hecken umher zu irren. Vielleicht ergab sich die nächsten Tage ein Besuch ja noch, doch für diesen Abend sollte es erst einmal gut sein mit Unfug.
„Oma hat gesagt, ihr könnt gerne bleiben, so lange ihr wollt. Wir müssen nur wieder aufräumen“, berichtete Elaine den anderen. Das wiederum war für jeden klar und sie sorgten sowieso dafür, dass alles wieder ordentlich an seinen Platz kam. „Wir haben keinen festen Zeitplan, außer eben wann wir zurück nach Hause müssen. Meine Eltern sind auch nur begrenzt verfügbar“, antwortete Rae als sie auf dem Weg zurück zur Pension waren und gerade den Haupteingang aufschlossen. „Gibt's hier eigentlich eine Bar?“, fragte die Schottin urplötzlich und Elaine dachte nach, bevor sie etwas dazu sagte. „Drüben beim Speisesaal, warum?“ Die Rothaarige grinste breit. „Mein Bruder mag sein wie er will, aber er ist einer der besten Barkeeper in ganz Schottland. Geht einfach in den Garten und ich bring euch ein Paar Cocktails, wie wäre das?“ Paddy erkundigte sich noch, ob er helfen sollte, doch sie schickte ihn mit den anderen beiden, nachdem sie sich mit einem kleinen Kuss „verabschiedet“ hatten. Es war ja nur für wenige Minuten und dennoch schien es für beide ein schönes Ritual geworden zu sein.

„Das ist Unfair. Ihr seid richtige Iren... naja.. oder Schotten. Beides Nationen die Trinkfest sind. Ich bin zur Hälfte deutsch und .. außer Bier vertragen die nicht viel“, plauderte Elaine und setzte sich in die Hollywood-Schaukel, welche sie am vorigen Abend schon einmal belegt hatten. „Wenn du betrunken auf dem Boden liegst, trage ich dich ganz heldenhaft in dein Bett und decke dich zu“, grinste John und entschied sich – natürlich! - für den Platz direkt neben ihr. Paddy sagte nichts und freute sich einfach nur still, dass die beiden heute so entspannt waren und endlich dieses unnötige Versteckspiel sein ließen.
„Okay, here we go! Das reicht zwar für eine ganze Fußballmannschaft, aber die Nacht ist ja auch noch lang“, präsentierte die Schottin begeistert ihr großes, mit Gläsern gefülltes Tablett, welches sie auf einem Tisch abstellte. „Bedient euch!“. Na das konnte ja wirklich noch was werden.

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mpk1981 02. Aug 2017

Hallo, ich habe hier schon ganz vieleFF gelesen, aber erst deine hat mich dazu bewogen das ich mich hier anmelde. Ich wollte einfach los werden wie toll ich deine Geschichte finde. Ich hoffe es geht bald weiter. Eine Vermutung lässt mich seit mehreren Kapiteln nicht mehr los: Ich glaube ja das John Noahs Vater ist und hoffe inständig das sie es ihm bald sagt, weil er kinder ja so liebt. Am anfang musste ich mich erstmalan die Geschichte gewöhnen, da es nicht um Paddy ging(er hat mich schon immer fasziniert) und mit John konnte ich nichts anfangen, da er viel älter ist. Aber durch deine FF hast du ihn mir näher gebracht und man könnte meinen das man ihn und seine Familie schon ewig kennt.
Ich freue mich auf neue Kapitel
Liebe grüße

Casnix 02. Jul 2017

Die Geschichte ist wirklich schön :) Ich hoffe auf ein Happy End - nach so langer Zeit. Echt schön, jeden Abend was Neues zu lesen. Und mir gefällt, dass auch mal John der Hauptcharakter ist. Tolle Idee.

JuliehCan 29. Jun 2017

Ich freue mich jedes Mal wenn du wieder ein neues Kapitel hochlädst...du schreibst so toll und deine Geschichte ist einfach nur interessant :-) mach weiter so

Cherry84 29. Jun 2017
Aww, vielen Dank für die netten Worte ^-^