The Merciless Black List

vor 10 Tagen
❝Sie werden jeden reinlegen, solange sie bekommen, was sie wollen.❞ | Highland High ist für viele Dinge bekannt. Aber nichts hat jemals den Namen der Schule berühmter gemacht, als die „Shameless Virginity Games", die von einer Gruppe von vier äußerst entschlossenen Jungs geschaffen wurden, die nicht zögern würden, alles zu tun, w..
Liebe/Romantik Drama P16 Romanze In Arbeit

10 ↬ Krankenhaus-Getue und ungestümen Besuch

Die nächsten paar folgenden Minuten sind komplett verschwommen. Mein Kopf hat sich ausgeschaltet, als die panischen Worte Sarahs Mund verlassen haben, und die einzige Sache, an die ich denken kann, ist, dass ich in das verdammte Krankenhaus muss.

Ich musste ihr einen Krankenwagen rufen.

Sie hat eine Überdosis genommen.

Ich habe versucht, dich anzurufen, aber du bist nicht rangegangen.

Ihre Worte wiederholten sich immer und immer wieder in meinem Kopf, als wäre es eine nie endende Schleife, und ich halte mein Handy in meiner Hand so fest, dass ein schmerzvoller Krampf durch meine Finger geht.

Du hast nicht abgenommen.

Gott, das ist alles meine Schuld.  Wenn ich nicht absichtlich ihren Anruf ignoriert hätte und abgehoben hätte, wie Collin gesagt hat, würden wir diese Situation gerade nicht haben. Sie würde nicht so geschockt und vor allem nicht so verängstigt sein. Sie hätte nicht Bishop anrufen müssen und um Hilfe bitten und ihn in dieses Chaos hineinziehen sollen, das sich meine Familie nennt.

Bishop. Scheiße, was war die Sache, die Sarah über ihn erwähnt hat, bevor sie aufgelegt hat? Ich habe kaum darauf geachtet, als sie ihre letzten Worte rausgekeucht hat, dank der schluckenden Schuldgefühle in mir. Denk nach, Aspen, denk einfach nach.

Ich drücke meinen Kopf zwischen meine zitternden Hände und erlaube meiner Lunge, tief einzuatmen, in der Hoffnung, dass ich mich ein wenig beruhige. Es funktioniert nicht einmal ansatzweise so gut, wie ich gehofft hatte.

Bishop wird dich abholen. Er ist schon vor zehn Minuten losgefahren, also wird er gleich bei Tarryn's Haus sein.

Die Glühbirne in meinem Kopf leuchtet endlich auf und ich zwinge mich, sofort die Stufen nach unten zu rennen. Ich passe nicht wirklich auf irgendetwas anderes auf, außer die Fragen, die in meinem Kopf herumschwirren, beginnend mit, wie ich das nicht habe kommen sehen und endend mit, warum zur Hölle sie das tun sollte, also überraschte es mich überhaupt nicht, als mein Körper mit etwas hartem zusammenstosst, als ich um die Ecke biege.

Verwirrt sehe ich auf, als ein starker Griff meine Schultern festhält und mich daran hindert, auf den Boden zu fallen. Und ich sehe, obwohl ich es sofort bereue, den verwirrten Ausdruck in Collins Gesicht. Natürlich hatte er in diesem Moment beschlossen, wieder nach oben zu gehen.

»Hey.« Er hebt seine dunklen Augenbrauen, nachdem er mein Gesicht mit seinen blauen Augen abgesucht hat und bewegt seine Hände keinen Zentimeter auf meinen Schultern. »Alles okay?«

Bei seinen Worten drehe ich meinen Kopf leicht zurück und bemerke das erste mal die Flüssigkeit, die meine Wangen hinabläuft. Eine Welle des Schames kommt über mich, dass ich ihn mich in diesem Zustand habe sehen lassen.

»J-ja«, murmle ich und räuspere mich, während ich seine Hände abschüttle und mich in Richtung Tür umdrehe.

»Warte!«, ruft er mir nach und das Geräusch seiner Schritte signalisieren mir, dass er dicht hinter mir ist. »Du gehst schon?«

»Sieht so aus«, sage ich, während ich meine Sneakers anziehe und mich nicht gewillt fühle, mit ihm zu reden, während ich ihm den Rücken zudrehe.

Trotz dem verräterischen Zittern meiner Hände, schaffe ich es, die Schnürsenkel zu binden, bevor ich aufstehe und mich wieder in Richtung Tür umdrehe. Ich weiß, meine Sachen sind immer Koch oben, aber ich konnte mich in dem Moment nicht weniger dafür interessieren. Ich werde später genug Zeit haben, um darüber nachzudenken.

»Kannst du Cassidy sagen, dass ich gehen musste, wenn sie fragt, wo ich hingegangen bin, bitte?«

Ich sehe zu ihn auf, der nur einige Schritte entfernt von mir ist, mit dem besten flehenden Blick, den ich in dieser Situation schaffe hinzubekommen. Ich habe keine Zeit mehr, nach oben zu rennen und selbst wenn, würde ich es sowieso auf keinen Fall tun. Es ist schon schlimm genug, dass er mich so gesehen hat. Ich kann mir nicht mal vorstellen, was passieren würde, wenn mich Tarryn, oder schlimmer Jade so sehen würden.

»Ja.« Er verengt seine Augen ein wenig und sagt das Wort so zweifelhaft, als würde er tatsächlich etwas anderes erwidern oder fragen wollen.

»Okay, danke.« Ich nicke leicht mit dem Kopf, drehe den Türknopf in meiner Hand, bevor ich die Tür öffne und meine Augen auf das Auto von Bishop richte, das bereits auf mich auf dem Fahrweg wartet.

Meine Füße bewegend, eile ich über die breite Schwelle die Treppe nach unten und schlüpfe ins Auto, in einer Zeit, die sich wie weniger als eine Sekunde anfühlt.

»Gott, Aspen.« Bishop dreht sich zu mir um, sobald die Autotür geschlossen ist, und ein schweres Seufzen verlässt seine Lippen. »Es tut mir so leid. Ich weiß nicht, was ich jetzt sagen soll.«

Ich bin mir nicht sicher, wann mich dieses Gefühl von übermäßiger Müdigkeit und Verzweiflung überkommen hat, aber ich kann es dieses Mal nicht verbergen. Ich wäre fähig, es in mir zu behalten - so wie ich es immer mache -, wenn ich nicht so perplex wäre.

»Bring...« Ich wische die frischen Tränen, die mein Gesicht nach unten strömen, mit meinem Handrücken weg, fahre mit meinen Fingern durch meine Haare und stoße einen kurzen Atem aus. »Bring mich einfach zu ihr.«

-

Die Fahrt ins Krankenhaus scheint sich Ewigkeiten zu ziehen, jedoch nicht so lange, wie ich es gerne gehabt hätte. Bishop macht keinen Versuch die drückende Stille zu brechen und ich ebenfalls nicht.

Ich weiß immer noch nicht, was ich von seiner Anwesenheit hier halten soll. Ich habe keine Ahnung, wieso Sarah sich entschieden hat, ihn anzurufen, von all den Menschen die sie kennt, aber ich denke, sie dachte nicht wirklich daran, was sie damals getan hat. Es ist nicht so, dass ich nicht erleichtert bin, dass er hier ist, denn ich bin es wirklich. Naja, nicht so erleichtert, wie ich sein sollte, aber der kleine, unwichtige Teil von mir, der schreit vor Freude darüber, mit ihm zu reden, weil ich weiß; er würde nicht zögern, mir seine Schulter zum ausheulen anzubieten.

Aber der größere, wichtigere Teil von mir kann nicht anders, als sauer und übermäßig peinlich berührt zu sein. Er war nicht bestimmt dafür gewesen, es zu wissen. Ich wollte nicht, dass er es weiß, weil ich wusste, dass er mich mit anderen Augen sehen würde, als wäre ich eine zerbrochene Vase, die repariert oder zusammengeklebt werden müsste. Was genau das ist, was er gerade tut.

»Bitte hör auf, mich so anzusehen.«

Ich drehe mich weg von ihm und starre aus dem Fenster. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht fähig bin, ihm in die Augen zu sehen, ohne wieder in Tränen auszubrechen. Ich habe mehr meiner erbärmlichen und zerbrechlichen Seite gezeigt, als ich ihn, oder irgendwen anderen jemals sehen lassen wollte.

»So wie, Aspen?«, sagt er die Worte etwas lauter, als ich sie erwartet hätte und zucke unfreiwillig zusammen. »Ich mache mir Sorgen. Du hast, seitdem du ins Auto gestiegen bist, kaum aufgehört zu weinen und ich weiß nicht, was ich machen kann, damit es dir besser geht.«

Das schwere Seufzen, das aus seinem Mund kommt, bringt mich dazu, meinen Kopf zu ihm zu drehen, während ich in meine Wangeninnenseite beiße, um den Schmerz in meiner Brust zu überstehen.

»Es gibt nichts, was du tun kannst, damit es mir besser geht, Bishop. Sie hat eine verdammte Überdosis genommen und ich war nicht da, um sie aufzuhalten. Was denkst du, kann man gegen den ganzen Scheiß, in den sie Sarah und mich gebracht hat, machen?«

Er atmet scharf ein, öffnet seinen Mund, um weiter zu argumentieren, aber ich gebe ihm keine Chance dazu. Schnell setze ich meinen Fuß auf die ausgebleichte Kerbe, schmeiße die Beifahrertür zu und beginne, auf den Haupteingang des Silver Lake Medical Center zuzugehen.

Ich höre Bishops Fahrertür zuschlagen, bevor ich seine Schritte weiter hinter mir höre; aber ich mache keinen Anstand, mich umzudrehen oder auf ihn zu warten. Hauptsächlich, weil ich nicht mit ihm darüber streiten will. Ich weiß, dass es so enden würde, wenn ich meinen Mund nicht halte und ich würde es nicht ertragen, eine weitere Person jetzt zu verlieren.

-

»Aspen.« Sarah berührt sanft meine Schulter. Obwohl ihre Berührung absolut nichts auslöst, aber nur mehr von der Kälte in meinem Körper verbreitet, wie eine unangenehme, kratzende Decke. »Hör auf damit. Du hast die letzten dreißig Minuten wie verrückt dein Fuss herumgetappt. Ich denke nicht, dass ich es noch eine Sekunde länger aushalte.«

Ich höre sofort auf, hebe meinen Blick von den polierten Boden auf ihr Gesicht: »Ich kann nicht anders, Sarah«, fahre ich sie an, die Worte klingen härter, als beabsichtigt. »Die erzählen uns einen Scheiß darüber, was mit ihr ist und du hast nicht mal versucht, mir zu erklären, was zur Hölle passiert ist. Ich glaube, ich habe einen ziemlich guten Grund, nervös zu sein, findest du nicht?«

Ihre Augen huschen einige Sekunden über mein Gesicht, bevor sie sich langsam über die Lippen leckt. »Ich hab dir bereits gesagt, was passiert ist, Aspen. Gott, hast du mir überhaupt zugehört?«

»Natürlich hab ich zugehört. Was für eine verschissene Frage soll das bitte sein?«

»Hey«, sagt Bishop sanft und bringt mich dazu, meinen festen Griff vom Plastikstuhl, auf dem ich sitze, zu lösen. »Ich hole Kaffee. kommst du mit, Sarah?«

Seine komische Frage bringt mich dazu, verwirrt meine Augenbrauen zu runzeln. Was zur Hölle macht er gerade? Er mag Sarah nicht mal, oder zumindest schien das meiner Ansicht nach immer so zu sein in den letzten Wochen, und jetzt lädt er sie ein, mit ihm mitzugehen? Ich will hier nicht sitzen, warten, irgendwas anderes, als sie tun. Ich weiß, dass ich mich möglicherweise wie eine komplette Zicke verhalte, aber er ist mein bester Freund, nicht ihrer.

»Klar«, sagt Sarah, entkreuzt Beine und steht so rasch auf, als würde ihr Hintern brennen.

»Ich bring dir einen Vanilla Cappuccino, wenn sie einen haben, okay?« Bishop schenkt mir ein kleines Lächeln, seine Hände sind in den Hosentaschen vergraben und ich nicke zustimmend.

»Danke.«

Ungefähr zehn minuten später, nachdem ich mich damit beschäftigt habe, meine Füße hin und her zu schieben, zwinge ich mich endlich dazu, aufzustehen. Ich gehe zur großen Tafel in einer entfernten Ecke auf dem sauberen Flur, meine Augen bleiben auf den bunten Zeichnungen hängen, die dort befestigt sind, während ich sie stumm anschaue.

Ich habe Kunst schon immer geliebt, obwohl ich eine der Personen bin, deren Zeichnungen die Fähigkeit haben, andere erblinden zu lassen. Gerade, als ich mich umdrehe und zu meinem ursprünglichen Platz zurückkehren will, erspähe ich einen bekannten Kopf, der gerade um die Ecke kommt und ich wünschte mir sofort, ich hätte das Bilder-behangene-Tafel weiter angesehen.

»Du bist alleine hier? Wo ist Sarah?«, fragt mich Brad, während er seine Augenbrauen hebt und schnell auf mich zukommt.

Seine dunklen Haare stehen auf jeder möglichen Seite auf, was ihn so aussehen lässt, als wäre er gerade wenige Minuten vorher aufgewacht. Ich presse meine Lippen zusammen, bevor ich einmal tief einatme.

»Sie ist gerade Kaffee holen gegangen.«

»Oh, okay«, sagt er stumpf, wendet seinen Blick ab von mir, um den Gang abzusuchen. »Lass uns das einfach hinter uns bringen.« Die Art, wie er das sagt, lässt es mir kalt den Rücken hinunterfahren.

»Was meinst du mit „das hinter uns bringen"? Lassen sie Mom schon jetzt raus?«

Ich sollte es besser wissen, als ihn etwas zu fragen, sogar irgendwas, aber ich kann es nicht ausstehen, nichts über ihren Zustand zu wissen. Ich fühle mich komplett hilflos und der Gedanke alleine, bringt mich dazu, jedes einzelne meiner Haare von meinem Kopf reißen zu wollen.

Brad scheint nicht daran interessiert zu sein, meine Frage zu beantworten, da er der Verzweiflung in meiner Stimme nicht wirklich Aufmerksamkeit zu schenken scheint. Er beginnt, den Flur hinunter zu wandern, mit Leichtigkeit, die ihn umgibt, als gäbe es im Moment nichts, was Sorgen bereiten könnte, und ich beeile mich, meine Schritte zu beschleunigen, um ihn einzuholen.

»Warum zur Hölle sagt mir niemand was los ist? Sie haben Mom vor einer Stunde hergebracht und ich weiß immer noch nicht, ob es ihr gut geht. Hast du versucht, jemanden nach ihr zu fragen?«

Das erhascht endlich seine Aufmerksamkeit und bringt ihn dazu, seinen Kopf zu mir zu drehen.

»Ich weiß nicht mehr als du, okay?« Er kratzt seinen Nasenrücken, bevor er sich wieder wegdreht. »Aber ich hab mich nicht auf das bezogen. Ich hab darüber geredet, dass wir verdammt noch mal von hier wegkommen. Ich muss zurück zur Arbeit. Wenn wir hier nur herumsitzen, helfen wir damit niemandem und damit verdiene ich auch definitiv kein Geld.«

»Sie hat eine Überdosis genommen mit den Pillen, die du ihr gegeben hast, verdammt nochmal!«, zische ich und ignoriere die Tatsache, dass einige Blicke auf uns gerichtet sind. »Wenn du nicht hier sein willst, fein, dann geh. Niemand zwingt dich, hier zu sein. Aber ich bleibe, bis ich mehr über ihren Zustand weiß.«

Sein Körper erstarrt sofort. Er wirft seinen Kopf herum und starrt mich an. »Halt deinen verdammten Mund, Aspen, oder du wirst uns beide in Schwierigkeiten bringen.« Sein Kiefer ist starr, während er einen Schritt auf mich zu macht, sein Blick verunsichert mich mehr, als er sollte.

»Ich werde jetzt Sarah finden und dann werden wir alle drei, auch du, nach Hause gehen. Du wirst nicht hier bleiben, damit das klar ist. Deine Mutter ist müde und sie will jetzt niemanden sehen, also ist das genau das, was wir tun werden. Du kannst morgen wiederkommen, wenn es ihr besser geht, aber in der Zwischenzeit bin ich der Verantwortliche hier und du tust was ich sage, verstanden?«

-

In Brads Anwesenheit habe ich mich immer unwohl gefühlt, aber die Zeit auf dem Beifahrersitz seines tollen Porsche den ganzen Weg nach Hause zu verbringen, toppt das ganze und bringt es auf ein ganz neues Level. Seine fordernden Worte scheinen das einzige zu sein, was in meinen Gedanken gerade schwirrt. Die Angst vor den kommenden Stunden bringt mich sogar dazu, kurz sogar meine Mutter zu vergessen.

Ich bin mir nicht sicher, wie lange diese ganze Situation dauern wird, aber ich weiß, dass ich nicht abhängig von ihm sein will, besonders, nachdem ich nachgedacht habe, dass er nie mehr als ein paar Stunden am Tag da war und vorzugsweise in der Nacht. Er ist nicht wirklich gut darin, sich unter Kontrolle zu halten und ich kann das Warnsignal, das in mir aufkommt, nicht abstellen. Mom mag zwar in den vergangenen Jahren nicht der Elternteil gewesen sein, der sich besonders um ihr Kinder kümmert, aber zumindest hat sie uns vor Brads Ausschweifungen geschützt. Auch wenn sie das komplett unwissend getan hat.

»Ich werde in ein paar Stunden zurück sein«, murmelt Brad, als der Wagen vor unserem kahlen Haus langsamer wird. »Bestellt euch etwas, oder was auch immer, wenn ihr hungrig seid. Es ist schon fast zehn und das ist nicht gerade die beste Nachbarschaft. Also versucht beide, vorsichtig zu sein, okay?«

»Ja«, sagen Sarah und ich gleichzeitig und ich öffne die Autotür.

»Ach ja, Sarah?«, fährt Brad fort. »Danke, dass du mich heute angerufen hast. Ich schätze das sehr.«

Er beendet seinen Satz und meine Kinnlade fällt hinunter.

Was zur Hölle? Seit wann sagt er Wörter wie „danke"?

»Kein Problem«, sagt Sarah, als wäre es eine komplett normale Konversation zwischen ihnen. »Ich habe nur getan, was ich für richtig hielt. Ich denke, das würde jeder tun.«

Seine Worte hinterlassen einen unangenehm bitteren Nachgeschmack, als er sagt: »Nicht jeder«, bevor er das Auto wieder startet und schnell abfährt.

»Was war das denn gerade?«, frage ich Sarah sofort, als ich sie an der Vordertür abfange.

Sie seufzt sanft, aber sieht mich nicht an. Stattdessen bleibt ihre Aufmerksamkeit auf den Schlüsselbund fixiert, von dem sie einen Schlüssel ins Schüsselloch steckt und die Haustür aufsperrt.

»Ich wollte nur höflich sein.«

»Höflich?« meine Augenbrauen schnellen nach oben. »Dieser Mann verdient alles außer höflich!«

»Sei nicht so beurteilend, Aspen.« Sie drückt die Tür mit ihrer Schulter auf und dreht endlich ihren Kopf, um mich anzusehen. »Er lebt in diesem Haus, ob es dir gefällt oder nicht, also warum akzeptierst du es nicht endlich?«

Ich fahre mit der Hand durch meine leicht verknoteten Haare und stoße einen lauten Atemstoß aus. »Ist das dein ernst? Er ist der Grund, wieso Mom jetzt im Krankenhaus liegt!«

Sie beobachtet mich einen Moment vorsichtig, bevor sie ihren Mund wieder öffnet. »Kann sein. Aber sie ist eine erwachsene Frau, die für sich selbst denken kann, das heißt, es gibt nicht viel, was wir tun können.«

Ich bin so geschockt über ihre anwesenden Aussagen, dass ich nicht bemerkt habe, wie schnell sie im Haus verschwunden ist. Zu dem Entschluss kommend, dass es nicht weiterhilft, im Türrahmen stehen zu bleiben, gehe ich auch hinein in Richtung der Couch im Wohnzimmer. Ich bin unglaublich müde und eine kleine Pause von allem zu bekommen, klingt ziemlich gut im Moment. Um ehrlich zu sein kann ich mich nicht mal erinnern, wann ich das letzte mal den Fernseher für mich gehabt habe. Brad ist der einzige, der sich 90% der Zeit auf der Couch breit macht und ich habe nicht wirklich das Bedürfnis, mehr Zeit mit ihm zu verbringen als nötig.

Meine eigentlichen Pläne, jedenfalls, sind zu einem abrupten Stop gekommen, sobald ich die Unordnung auf dem kleinen Kaffeetisch sehe. Ich bin es ziemlich gewöhnt, dass das Wohnzimmer chaotisch ist, aber jetzt gerade, ist er chaotischer, als ich es je gesehen habe.

»Verdammter Brad«, murmle ich leise, während ich mich hinunterbeuge und die leeren Bierdosen, die überall verstreut liegen, aufhebe.

Ich weiß, dass es nicht nur Brads Schuld ist. Er ist nicht der einzige, der sich nicht mehr um die Dose kümmert, sobald sie ausgetrunken ist, aber ich kann mich nicht davon abhalten, ihn alleine innerlich zu verfluchen, für all die Veränderungen, die passiert sind, seitdem meine Mutter mit ihm in Kontakt kam.

Ein plötzliches Klingeln schallt durchs Haus und ich zucke kurz zusammen; ein paar Dosen fallen mir dabei aus den Händen.

»Sarah!«, rufe ich. »Kannst du bitte aufmachen? Ich bin gerade mit etwas beschäftigt.«

Ich warte einige Sekunden, warte auf eine Antwort von ihr, aber es kommt nichts. Verärgert stöhne ich auf, gehe ich zum Müllkübel in der hinteren Ecke der Küche und werfe den Inhalt meiner Hände hinein, bevor ich mich zur Tür drehe.

Zu diesem Zeitpunkt kocht mein Blut bereits wegen jeder einzelnen Sache, die heute passiert ist. Also denke ich nicht einmal darüber nach, wer so verzweifelt versuchen könnte, unseren Haushalt zu erreichen. Ich habe keinen Pfefferspray bei mir, also wenn ein psychopathischer Mörder vor der Tür steht, bin ich glaube ich geliefert.

Ich öffne die Tür, kneife meine Augen zusammen, um die Person, die von der Dunkelheit ummantelt vor der Tür steht, zu erkennen, aber sie macht es mir viel leichter, indem sie ihren Kopf zu mir dreht.

»Hey, sorry, dass ich so spät noch störe, aber ich hab dir was mitgebracht.«

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Gelöschter Kommentar
Anerya 10. Jul 2017

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