Please don't throw me away...

vor 3 Tagen
Riku Juhani Rajamaa ist ein junger, leidenschaftlicher und in vieler Leute Augen sehr talentierter finnischer Gitarrist. Seit mehreren Jahren ist sein Hobby nun schon sein Beruf, doch seit einiger Zeit hat er ein ziemlich großes Problem. Die Sängerin, für die er gespielt hat, hat ihn herausgeschmissen und er findet einfach keine neue feste Ans..
Sunrise Avenue Romanze P16-M+M
Bemerkung des Authors: Traut ihr euch nicht einen Kommi dazulassen? Ich freue mich über jedes Feedback. Liebe Grüße, eure Anja.

Kapitel 3

„Dieser Samu war ja mal voll daneben!“, kaum sitzen wir wieder im Auto, regt sich meine Freundin lauthals über seine Reaktion auf.
In Gedanken stimme ich ihr teilweise zumindest zu, doch ich versuche sie etwas zu beruhigen, schließlich soll sie den Wagen möglichst sicher nach Hause manövrieren.
„Er hat bestimmt seine Gründe dafür“, verteidige ich ihn und lege meine Hand kurz beruhigend auf ihre.
Kurz schaut sie zu mir, dann wieder auf die Straße.
„Du bist zu warmherzig für diese Welt, Riku. Er ist mit dir herumgesprungen, als wärst du nicht eventuell seine einzige Rettung für die Band, denn du warst der letzte Kandidat und es sah ja wohl nicht so aus, als hätten sie schon jemanden gefunden! Und du? Du nimmst ihn auch noch in Schutz! Das muss ich nicht verstehen, oder?“, immer wieder schaut sie kurz zu mir, doch nun hält sie an einer Ampel, die gerade Rot geworden ist.
„Denk nicht, dass mir seine Reaktion gefällt. Aber ich versuche die Sache auch von seiner Seite aus zu sehen. Eine Band ist immer zum Teil auch eine Familie. Wenn dort jemand herausgerissen wird, dann verlierst du nicht nur einen Gitarristen, ohne den die Band quasi nicht existieren kann. Du verlierst auch einen Freund und in gewisser Weise auch einen Bruder. Samu kämpft gerade mit sich selbst. Einerseits ist er zutiefst verletzt und würde am liebsten alles hinschmeißen, doch andererseits hat er eine gewisse Verantwortung für den Rest der Band. Den Rest der Familie. Wenn ihm die Musik nicht mindestens genauso viel bedeuten würde wie mir, dann hätte es diese Band nie soweit geschafft und er würde jetzt nicht gegen seinen eigentlich eigenen Willen versuchen irgendwie weiterzumachen“, ich bin überrascht von mir selbst, wie diese Worte einfach so aus mir herausfließen, doch ich habe seine innere Verzweiflung zu stark gespürt, um sie zu ignorieren.
Kia schaut mich mit großen Augen an.
Sie kann nicht wissen, wie es ist, Teil einer Band zu sein, Teil eines größeren Ganzen. Es ist das Beste auf der Welt, doch manchmal kann es auch die Hölle sein. Doch das mache ich ihr gar nicht zum Vorwurf. Ich mache ihr überhaupt keine Vorwürfe.
Ich will nur, dass sie versucht, es zu verstehen.
„Ich…“, sie bricht ab, schaut mich einfach nur weiterhin an.
Im Augenwinkel bekomme ich mit, wie die Ampel auf Grün springt, doch sie anscheinend nicht. Gerade, als ich sie darauf hinweisen will, schreckt sie von dem Hupen des Fahrers hinter uns auf.
Schnell legt sie den ersten Gang ein, fährt an und beschleunigt so schnell wie möglich, um ihn nicht noch mehr zu reizen.
Schweigend schauen wir beide geradeaus.
„Glaubst du, Sami wird sich noch bei dir melden?“, fragt sie nach einer Weile leise.
Einige Augenblicke muss ich darüber nachdenken.
„Wahrscheinlich schon. Um mir zu sagen, dass ich nicht in Frage komme“, niedergeschlagen lehne ich meinen Kopf an die Fensterscheibe.
Mittlerweile sind wir fast zuhause angekommen.
„Ich hätte gern versucht, ihm zu helfen“, murmle ich eher zu mir selbst, dann schließe ich meine Augen, lausche auf die Motorengeräusche und die vorbeirauschenden Straßen.
Als wir unsere Wohnung wenig später wieder betreten, schlage ich vor, einen Film zu gucken, um uns beide abzulenken.
Wir haben beide den Rest des Tages frei.
Sie stimmt zu und während sie den Film aussucht, hole ich eine Flasche Rotwein zusammen mit zwei Gläsern.
Gerade als ich sie fragen will, welchen Film sie ausgesucht hat, ertönt die Türklingel. Überrascht stelle ich alles auf dem Sofatisch ab.
„Bereite schon einmal alles vor“, sie nickt lächelnd und ich gehe zur Tür.
Ohne groß darüber nachzudenken, wer es sein könnte, öffne ich sie und bin extrem überrascht Samu davor stehen zu sehen.
„Du?“, fragend mustere ich ihn.
Gespielt locker steht er da, die eine Hand in seiner Hosentasche vergraben, die andere nervös in seinen eigenen Haaren versenkt. Sein Blick ist voll Reue.
„Darf ich reinkommen?“, fragt er zerknirscht.
Kurz zögere ich, will ihn aber auch nicht abschieben, also nicke ich und gebe den Weg frei.
Ich schaue ihm dabei zu, wie er Jacke und Schuhe auszieht, dann deute ich in Richtung Wohnzimmer. Kia ist genauso überrascht wie ich. Sie hat sich bereits in eine dünne Decke gekuschelt. Die Weingläser stehen halb gefüllt auf dem Tisch, daneben liegt die Fernbedienung für den DVD-Player bereit.
„Oh“, nun wird Samu noch unwohler in seiner Haut, er lächelt jedoch tapfer.
„Hey“, entgegnet Kia überraschenderweise mit dem warmen Lächeln, in das ich mich damals sofort verliebt habe.
„Ich hab mich vorhin gar nicht vorgestellt. Ich bin Kiara, Rikus Freundin. Aber du kannst mich auch einfach nur Kia nennen. Das tun alle“, sie streckt ihm die Hand entgegen und setzt sich etwas auf.
Samu scheint nicht wirklich zu wissen, was hier vor sich geht. Er hat wohl eine andere Reaktion auf seinen Auftritt erwartet.
Auch ich bin überrascht. Anscheinend habe ich sie vorhin im Auto doch umstimmen können.
Diese Geste scheint dennoch bei Samu das Eis zu brechen, denn seine Schultern entspannen sich sichtbar als er ihre Hand ergreift und ihr ein Lächeln entgegenbringt.
„Samu Haber. Eigentlich Sänger und Gitarrist, aber meistens einfach nur der größte Idiot auf Erden. Sehr angenehm“, stellt er sich ebenfalls nochmal vor und erntet sowohl ihr als auch mein Schmunzeln.
„Setz dich doch“, fordere ich ihn auf und deute auf den Sessel, der schräg neben dem Sofa steht.
Mit einem dankbaren Lächeln, dass viel besser zu ihm passt, als das wütende Funkeln in seinen Augen, welches ich ihm Studio erleben durfte, lässt er sich in diesen hinein sinken und entspannt sich sichtbar noch etwas mehr.
„Ich wollte euch direkt nachfahren, aber ohne Samis Beschreibung wäre ich verloren gewesen“, er scheint nicht wirklich die Worte zu finden für das, was er mir eigentlich sagen will.
„Wir wohnen gar nicht weit voneinander entfernt“, stellt er fest und lächelt, doch dieses Mal wirkt es leicht gezwungen.
So viel Verständnis ich auch für seine Situation habe, langsam könnte er mal mit der Sprache herausrücken.
„Was willst du hier?“, bringe ich nun wohl etwas forscher hervor als gewollt, aber das ist mir im Moment relativ egal, wenn ich ihn so aus der Reserve locken kann.
Kurz begegne ich seinem Blick, bevor er ihn auf den Tisch senkt.

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