Last horizon

vor 18 Std.
Als Ville mit den Jungs auf seine letzte Tour geht leidet er unter Anorexia nervosa. Ebenso wie Chris, seine große Liebe. Doch beide finden kaum Zeit füreinander, und versuchen ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Bis Ville die Nachricht erhält, dass Chris in Peru als verschollen gilt... Kiss & tell TheWind
HIM Drama P18-M+M Abenteuer In Arbeit

Big Bay

Gleißend und glühend rot versank die Sonne im endlosen Atlantik. Das Meer rauschte und schlug schäumend gegen den weitläufigen Sandstrand der Big Bay, während der Himmel endlos zu sein schien. Am fernen Horizont waren nur einige wenige, blass weiße Wolken zu sehen.
Chris strich sich die dunklen, verschwitzten Haare aus Stirn und Nacken, ehe er nach Villes Hand griff um sie mit der seinen festzuhalten. Er liebte es die vertrauten Finger an den seinen zu spüren, er tastete nach Villes Puls, ehe er langsam den Blick hob um den Finnen mit den tiefen, grünen Augen von der Seite eingehend zu mustern. Dabei runzelte er angestrengt die Stirn und versuchte seine eigenen Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen.
Der Finne spürte es und wandte sich mit einem kurzen Lächeln um. Sand klebte noch an seinen Fingern und in seinen wirren, dunklen Haaren, die allmählich in der heißen Luft trockneten. Er spürte deutlich, dass Chris angespannt war und versuchte den Griff seiner Finger zu lockern.
Sein Blick glitt wieder zum Ozean hinüber, den weiß schäumenden Wellen, der Endlosigkeit, dem Himmel, der alles zu berühren schien. Er fühlte sich wie befreit, oder von allem los gelöst.
Der stark tätowierte Finne liebte die langen Sonnenuntergänge, es erinnerte ihn an seine Kindheit, wo er der festen Überzeugung gewesen war, dass die Sonne tatsächlich in die Unterwelt hinab stieg um erst am nächsten Morgen wieder aufzusteigen. Er musste bei dieser Erinnerung lächeln und klopfte sich den warmen Sand aus der Shorts.
Chris hatte er nur mit halbem Ohr zugehört, bis sich dieser neben ihm energisch räusperte und ihn scharf musterte. „Mach das ja nie nie wieder Ville! Versprich es mir!“
Der Ältere zog die nackten Schultern hoch, ehe er sie zuckend wieder sinken ließ. Widerwillig presste er die sinnlichen, zugleich auch verführerischen Lippen aufeinander, während sein Blick voller Sehnsucht erneut auf die weißen Wellen hinaus glitt, ehe er sich in der gleißenden Ferne verlor. Chris musste schlucken, sein Blick war für einige Sekunden an Villes Lippen hängen geblieben. Bestimmt schmeckten sie noch immer nach Sommer und Meerwasser.
„Es ist doch alles gut gegangen, mm?“
Chris zog die braungebrannten, muskulösen Schultern hoch. „Ja. Aber nur weil ich in der Nähe war. Scheiße! Ville... ich will mir gar nicht erst vorstellen, was alles hätte passieren können wenn ich nicht da gewesen wäre oder du den Lash verloren hättest.“ Sein Blick ruhte auf der dünnen Leine, die das Board mit dem Surfer verband. Sie war ein wenig verheddert, schien aber noch in Takt zu sein. Wie oft hatte er Ville eingebläut sie ja niemals von seinem Knöchel zu lösen, wenn er aufs Board stieg. Sie hatte ihm das Leben gerettet. Oder aber die Tatsache, dass er ihn trotz allem nicht aus den Augen verloren hatte.
Trotz allem schien Ville noch immer unbeeindruckt. Er hielt sich den linken Ellenbogen, der durch den Unfall ziemlich lädiert war. Wasser tröpfelte aus seinen dunklen Haaren, die ihm an der Stirn klebten. Sein Atem klang noch immer ein wenig rasselnd, er hatte vor Anstrengung gekeucht, da er kaum Luft bekommen und wahrscheinlich auch zu viel Wasser geschluckt hatte.
„Ville?“
Der Freund wandte sich ihm zu. Seine Miene war ausdruckslos. Er wirkte ein wenig erschöpft, lächelte aber, als sich ihre Blicke begegneten. Das grelle Licht blendete ihn ein wenig, sodass er die grünen Augen zusammen kneifen musste um ihn erkennen zu können. Kurz musste der Finne husten, ehe er ihn erneut von der Seite her ansah.
„Es tut mir leid, Chris. Ich habe die Welle nicht kommen sehen und habe sie falsch erwischt... aber...“
Chris verstärkte seinen Handgriff wieder. Er hatte Angst ihn los zu lassen, ihn in den wirbelnden Strudeln aus dunklem Wasser zu verlieren.
Das Meer konnte grausam sein. Oh so grausam. Das wusste er. Hatte es selbst erlebt. Und doch war er danach immer wieder auf sein Board gestiegen. Es war sein Leben, er fühlte wie seine Seele mit dem Meer verbunden war. Dem endlosen Ozean und dem tosenden Wasser, den Wellen und dem Licht.
„Kein Aber! Verdammt. Die Welle war... sie hat...“
Ville seufzte hörbar neben ihm auf und versuchte sich erneut von ihm zu lösen.
„Das nächste Mal werde ich besser sein.“
Chris holte schnaubend Luft. „Und was wenn nicht? Das war ein Maverick, Ville. Eine Riesenwelle. Du kannst sie unmöglich reiten. Das können nur sehr wenige und selbst ich habe... eine Heidenangst vor ihr. Und Respekt. Und du solltest das auch haben! Manchmal verstehe ich dich nicht. Du bist leichtsinnig, Vil!“
Grüne, wütende Augen musterten ihn von der Seite. „Dann lerne ich es halt! Himmel Chris, bist du noch nie von deinem Board gefallen?“
Chris ließ ihn los. „Ja, natürlich bin ich das, aber ich bin noch nie dabei fast ertrunken, Herrgott noch mal.“ Er stand auf. Tränen glitzerten in seinen braunen, gegen den Wind zusammen gekniffenen Augen, während sein Blick wieder auf den endlosen Atlantik hinausging. Heute war es vielleicht gut gegangen, aber was würde beim nächsten Mal sein? Diese Vorstellung erschreckte ihn, vor allem aber auch Villes scheinbare Ruhe. Wollte er es nicht einsehen, dass es verdammt hätte schief gehen können? Warum nur war er derart leichtsinnig gewesen?
Die Sonne sank immer tiefer, der Himmel erlosch, ebenso auch das Meer.
Ville beobachtete ihn. Ihm saß die Angst noch immer tief in den Knochen. Er zitterte, und ja, er hatte lange Sekunden nur noch seine eigenen Luftblasen vor seinen Augen aufsteigen sehen, während er panisch versucht hatte wieder an die Oberfläche zu kommen, doch der Sog der Monsterwelle war mörderisch gewesen und hatte ihn immer wieder mit sich gerissen, bis er völlig entkräftet gewesen war und zu ertrinken drohte. Chris hatte ihn gefunden, er hatte das grüne Board einsam auf den Wellen tanzen sehen und war ohne zu zögern nach ihm getaucht.
Ville erhob sich und stand nun wieder neben seinem Freund. Zögernd tastete er nach dessen Hand um sie festzuhalten. Chris seufzte auf, dann neigte er den Kopf und lehnte ihn an Villes nackte Schulter. Er liebte seine Nähe, seine Wärme, seinen Geruch und schloss für einen kurzen Augenblick lang die Augen.
„Vielleicht sollten wir woanders surfen gehen...“
Ville kicherte mit seiner tiefen Stimme neben ihm. Er legte ihm den Arm um die Hüften und drängte sich an ihn. Haut rieb an Haut. Dann begann er mit bebenden Lippen seinen Hals zu küssen, doch Chris schob ihn von sich.
„Du liebst die Big Bay. Und ich tue es auch, Chris. Bitte. Es war ein Unfall... und...“
Erst jetzt sahen sie sich wieder in die Augen.
„Ja das war es, Vil, aber ich hatte Angst um dich.“
Der schwarzhaarige Finne seufzte hörbar auf. Er strich sich die Haare aus dem Gesicht, dann kehrte er zu der Stelle zurück, an der ihre Boards noch immer im nassen Sand lagen und begann damit ihre Sachen zusammen zu suchen. Es dunkelte bereits und er war müde. Sein Arm pochte, ebenso auch wie seine Schulter, die er sich wahrscheinlich gezerrt hatte.
Chris wandte sich nun auch endgültig vom Ozean ab und lächelte, als er ihn sah. Er half ihm mit den Taschen und den beiden Langboards, dann schlenderten sie Seite an Seite über den hellen, weitläufigen Strand, bis zum kleinen Parkplatz wo Chris den Jeep heute Morgen geparkt hatte. Ville verstaute die Bretter derweil auf der geräumigen Ladefläche, ebenso wie ihre Rucksäcke und öffnete die schon ziemlich verbeulte Beifahrertür.
Doch Chris zögerte. Irgendetwas fühlte sich anders an als sonst, wenn er vom Strand zurückkehrte. Das Gefühl der puren Befreiung fehlte ihm. Stattdessen fühlte er eine tiefe Bedrückung, die ihm den Brustkorb zuzuschnüren schien.
Der Parkplatz lag verlassen vor ihnen, die meisten Touristen waren bereits wieder in ihre Hotels und Ferienanlagen zurückgekehrt. Nur in der Ferne konnte man noch tausende von kleinen Lichtern erkennen, die in der Dunkelheit blinkten und die Anwesenheit Kapstadts verrieten.
Chris seufzte auf und legte beide Hände aufs Lenkrad. „Du willst also wirklich weiter machen?“
Ville hatte sich derweil eine Zigarette angesteckt und einen Arm aus dem geöffneten Fenster hängen. Der noch warme Wind spielte mit seinen Haaren, sodass er immer wieder blinzeln und sie beiseite schieben musste. Seine zerschrammte Schulter brannte, sobald er damit den Sitz berührte. Er drehte ihm den Kopf zu. „Ja, warum nicht?“
Chris biss sich wieder auf die Lippen. Er kämpfte noch immer gegen seine Panik an und versuchte sich nichts anmerken zu lassen, doch sein Freund war zu feinfühlig und wusste es wahrscheinlich bereits. Er hörte wie er den Rauch seiner Marlboro Light genüsslich ausstieß.
„Wir beide, Chris, wir lieben das Surfen, also warum damit aufhören?“
Der Jüngere hob den Blick.
Ein Scheinwerferpaar streifte ihren Wagen, dann war es wieder dunkel. Auch Chris wollte eigentlich längst fahren, er hatte einen Mordshunger und er wollte mit Ville schlafen. So oft und intensiv es nur irgendwie ging, und wenn es nur war um dieses Gefühl in seiner Brust zu verdrängen, diese Panik, diese Leere, die unter der Wasseroberfläche noch immer auf ihn lauerte.
Ville drückte müde aber noch immer lasziv lächelnd seine warme, vertraute Hand.
„Also?“
Brummend startete er schließlich den Motor, fuhr aber noch immer nicht gleich los. „Was wenn es wieder passiert und ich nicht da sein kann? Ville bitte... du hättest heute sterben können...“
Sein Freund senkte den Blick. Er wirkte mit einem Mal betroffen, ja vielleicht sogar auch nachdenklich. „Ich weiß. Ich habe es gespürt. Aber es ist nicht passiert. Mach dir keinen Kopf, ich bitte dich. Ich werde besser aufpassen.“
Chris erwiderte nichts mehr, er starrte ihn bloß in der beginnenden Dunkelheit an, ab und zu wurde Villes Gesicht vom Feuerschein seiner Zigarette erhellt; die grünen, schönen Augen, sein ebenmäßiges, männliches Gesicht, seine leicht geöffneten Lippen und seine offenen, langen Haare.

Keine halbe Stunde später saßen die beiden Männer rauchend auf der weitläufigen, hölzernen Terrasse des Mar´kenda, einem kleinen aber gemütlichen Restaurants beisammen. Jeder von ihnen hatte ein Bier vor sich stehen. Sie warteten noch auf ihr Essen, sahen sich aber über den Tisch und die flackernden Kerzen immer wieder an.
Überall schaukelten kleine Lichterketten in der noch warmen Luft und man konnte selbst hier noch das stetige Rauschen des Meeres hören. Es klang wie ein sanftes Dröhnen.
Ville hatte sich die dunklen Haare im Nacken zusammen gebunden und er trug eins von Chris Hemden. Die Ärmel hatte er sich hochgekrempelt und die obersten Knöpfe offen gelassen. Er wirkte völlig ruhig und entspannt, immer wieder nippte er lächelnd an seinem Bier, bis ihm Chris und besonders sein leerer Blick auffielen und er aufseufzend Luft holte.
„Sag bloß, du denkst noch immer über diese Sache nach, mm?“
Sein jüngerer Freund schreckte aus seinen Gedanken auf. „Was? Ja… ich hätte dich verlieren können.“
„Hast du aber nicht. Bitte Chris. Dann zeig mir eben wie ich eine dieser Mavericks reiten kann und ich werde es hin bekommen. Vertrau mir!“
„Das hat nichts mehr mit Vertrauen zu tun, Vil!“, er klang gereizt und knallte die bunte Serviette auf den hölzernen Tisch. Er starrte ihn noch immer zweifelnd wie auch wütend an, „Am besten du lässt es ganz und fliegst nach Finnland zurück! Verdammt, ja vielleicht wäre das wirklich das Beste!“ Er musste Luft holen, „Denkst du wirklich ich könnte den Anblick vergessen, als ich dich an den Strand gezogen habe und du nicht mehr geatmet hast? Deine Lippen waren blau angelaufen, dein Kopf ist zur Seite gerutscht, scheiße ich habe mich noch nie so verdammt hilflos gefühlt, Vil, ich bin hier für dich verantwortlich… ich will das nicht mehr erleben müssen! Wirklich nicht.“

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Talvenlaulu 22. Feb 2018

Thanks, my dear <3 Oha, Vil und Chris steuern wohl nun beide auf eine Katastrophe zu...uh voi...Ich fühle mit beiden Männern mit und kann beide Seelen völlig verstehen...freu mich riesig auf die nächsten Kapitel von dir! Still love it! You know! ... :) <333 Kiit!

Talvenlaulu 07. Feb 2018

Hello! I simply love it! Its on the point! ;) Kiit, Süße! <3 <3 <3

Talvenlaulu 22. Jan 2018

Hei Sweetie! Chris und Ville haben/ hatten also das gleiche Problem. Ihre Beziehung scheint ja von Anfang an nicht ganz einfach zu sein...kann Chris ihm helfen? Läßt Vil Hilfe zu? Oh, warum ist dass Problem so heftig wieder da? Es lauert noch einiges im Verborgenem...Ui, danke dir, und kanns kaum abwarten, bis es weitergeht ;) Freuuuu mich schon <3 Rock on!! :)