Caitlyn

vor 7 Tagen
Caitlyn wurde ermordet. Der Täter wird gesucht. Ihre Bekannten blicken zurück. Sie kannten Caitlyn. Sie glaubten es jedenfalls. Wer war Caitlyn wirklich? Ein Mosaik an Sichtweisen, das Caitlyn ergibt. Und ihr Mörder?
Krimi/Thriller Krimi P16 Mystery In Arbeit
Inhaltsverzeichnis
Bemerkung des Authors: Widmung: Für meinen Englischlehrer Herrn K., weil ich ihm beweisen wollte, dass es Geschichten gibt, in denen die Hauptperson im ersten Kapitel stirbt. Für meinen Vater, weil ich die Spülmaschine ausräumen musste und dabei diese Idee hatte (keine Angst, es geht nirgendwo ums Spülmaschinen ausräumen).

Prolog

»Du hättest dich nicht einmischen sollen.«
Ja, das denke ich auch. Sagen tue ich es nicht. Ich hätte nie dem Typen folgen sollen. Ich hätte nie nachfragen sollen. Und diese ›Ich hätte nie‹ Sätze könnte ich fortsetzen bis in alle Ewigkeit. Naja, vielleicht nicht bis in alle Ewigkeit, aber auf jeden Fall bis zu ›Ich hätte niemals auf diesen Baum klettern sollen.‹
»Jetzt halt die Fresse und setz dich dort hin!«
Ich hatte schon seit Minuten nichts mehr gesagt, trotzdem folge ich seiner Aufforderung. Er folgt meinen Bewegungen mit Augen und Pistole. Mein Angstgefühl bleibt trotzdem aus. Wahrscheinlich pumpt mein Herz zuviel Adrenalin durch meine Venen. Als ich sitze, tritt er hinter mich, nimmt grob meine Hände und fesselt mich. Ich weiß, dass er dafür seine Pistole zur Seite gelegt haben muss. Wenn ich wollte, könnte ich mich jetzt wehren. Ich tue es nicht. Meine Neugier ist zu groß. Meine Fragen brauchen Antworten. Ich will die Logik dahinter verstehen.
Janina hat einmal gesagt, meine Neugier würde mich noch eines Tages umbringen. Loreen hat das Gleiche über meinen Hang zur Logik gesagt. Ich hoffe, sie würden beide unrecht haben.
Er tritt wieder vor mich, die Pistole wieder in seiner Hand. Chance vertan.
»Wieso hast du dich eingemischt?«
»Ich war neugierig.«
»Wieso warst du neugierig?«
»Ich bin dran mit den Fragen. Wieso hast du es getan?«
»Was soll das? Ich stelle hier die Fragen.« Er sieht verwirrt aus. Wenn ich ihn weiter verwirre, bekomme ich vielleicht meine Antworten.
»Kennst du das Spiel nicht? Wir stellen uns gegenseitig Fragen. Immer abwechselnd. Wer nicht antworten will trinkt einen Schluck Alkohol.« Kurz ist er verwirrt. »Ich habe keinen Alkohol.«
Dann schlägt seine Verwirrtheit in Wut um. »Das hier ist kein Spiel!« Er kommt näher. Entsichert die Pistole. Dass ich keine Angst zeige, scheint ihn noch wütender zu machen. Weil ich noch nicht sterben will, versuche ich, Angst zu spielen. Entweder ich bin eine schlechte Schauspielerin oder es ist ihm doch egal. Jedenfalls hilft es nicht.
»Also, wieso warst du neugierig?«, fragt er mit einem ziemlich bedrohlichen Unterton. Ich habe auf seine Frage keine Antwort. Aber ich brauche eine, sonst wird er nur noch wütender. Auf einmal hab ich Angst. Das Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Erst recht nicht solche Angst. Todesangst. Was ist, wenn ich die falsche Antwort gebe? Was ist, wenn ich eine falsche Bewegung mache? Was ist, wenn sich jemand Drittes einmischt? Würde er schießen? Würde er mich wirklich umbringen? Als ich ihm in die Augen blicke, kenne ich die Antwort. Ja, er würde schießen.
»Ich…wollte einfach…wissen, wer hinter der Maske steckt. Wer…das alles…getan hat.« Seit Jahren habe ich in einem Satz nicht so viel überlegen müssen, was ich sage.
»Du wolltest also einfach nur wissen, wer Frau König umgebracht hat.« Er sagt es, als wäre es ihm vollkommen egal. Als hätte er nicht zuerst auf jede einzelne Gliedmaße geschossen, bevor er ihren Kopf auf den Boden knallte. Die Bilder von ihrem Körper in der Blutlache kommen wieder hoch. Ich verdränge sie so gut wie möglich und antworte mit einem Nicken. Es scheint ihm zu reichen.
»Ich war es nicht.« Ich kann nicht anders, ich muss lachen. So absurd das alles ist. Aber er war es. Ich weiß es. Und er kann es nicht abstreiten. Es gibt Beweise.
»Du warst es. Du hast Frau König umgebracht. Mit meinen Beweisen ist das offensichtlich.«
Er lehnt sich entspannt an den Tisch hinter ihm. Seine Wut ist verraucht. »Siehst du. Das ist dein Problem. Du hast Beweise. Du hättest mich überführen können. Nur blöd, dass die Beweise in deinem Zimmer liegen. Blöd, dass du gleich sterben wirst und nie mehr erzählen kannst, dass ich der Mörder bin.« Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Er wird mich umbringen. Und er hat es mit einer solchen Ruhe gesagt, dass ich nicht mehr daran zweifle. Ich werde heute Nacht sterben. In dieser dreckigen Hütte am See. Mein Blut wird sich um mich herum ausbreiten und ich werde darin sterben, wie Frau König es tat.
»Und weißt du, was das Schöne daran ist?« Er lässt mir keine Zeit zu überlegen, was an meinem Tod positiv sein wird. »Wenn du hier liegst, mit einer Pistole in der erschlafften Hand. Und die Beweise in deinem Zimmer liegen. Wer glaubst du ist dann der Mörder?«
Ich beiße die Zähne zusammen. »Immer noch du.«
Er lacht nur. »Nein. Du wirst es sein. Jedenfalls werden sie das sagen. Du hast sogar ein Motiv. Und wen interessiert schon die Wahrheit, wenn die Lüge so logisch, so greifbar ist?«
Ich merke erst, dass ich weine, als mir die erste Träne die Wange herunterläuft. Er hat recht. So verdammt recht. Niemand hat je die Wahrheit interessiert. Selbst mich nicht. Ich wollte auch lieber das Logische. Das Greifbare. War die Wahrheit unlogisch, habe ich sie immer ignoriert. Und trotzdem versuche ich, Mut zu schöpfen. Kraft zu schöpfen. Meine Augen sind genau auf ihn gerichtet. Er wird mich nicht brechen.
»Dann erschieß mich doch.«
Er stutzt. Ich habe ihn überrascht. Aber da ist noch etwas Anderes in seinen Augen. Enttäuschung. »Schade, ich hatte gehofft, du würdest betteln. Das war bei Frau König so schön. Sie hat gebettelt. Gefleht. Versprechungen gemacht. Sie hat alles versucht. Oh, war das schön, ihr dabei zu zuschauen und zu wissen, dass ich es gleich beenden werde. Wie habe ich den Moment genossen, als ihr klar wurde, dass sie keine Gnade erfahren würde.« Er warf den Kopf in den Nacken und lacht. Er lacht nicht wie ein Irrer oder wie der Bösewicht in einem Film. Er lacht ein normales, fröhliches Lachen. Und das macht alles nur noch schlimmer.
Plötzlich verstummt sein Lachen. Da war ein Geräusch. Da! Wieder. Es sind Stimmen. Leise aber hastig. Ein Scheinwerfer blitzt auf. Draußen sind Leute. Erleichterung durchflutet mich. Ich werde nicht sterben.
»Du Hure!«, zischt er. »Du fucking Hure!«
»Glaubst du wirklich, ich hätte niemanden informiert, wo ich bin? Ich bin vielleicht neugierig, aber nicht lebensmüde.«
»Ach echt jetzt du stück scheiße?! Wenn die mich hier finden ist mein ganzer Plan dahin! Scheiße! Verdammte Scheiße!« Er läuft auf und ab. Rauft sich die Haare. Dann richtet er die Pistole wieder auf mich. »Jetzt hast du es erst recht verdient.«
Die Stimmen draußen werden Lauter. Er gerät noch mehr in Panik, bis er das Fenster zum See fokussiert. Ich weiß, dass er hindurch klettern wird. Dass er fliehen wird. Und, dass sie ihn nicht erwischen werden. Dafür sind sie noch zu weit weg.
»Stirb, Caitlyn.«
Er zielt auf meinen Kopf.
»Ich verzeihe allen. Egal, was sie getan haben.« Wäre ich doch bloß nie hier her gekommen.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anerya 03. Jan 2018

Hallo fantasyMara,

Bitte entscheide dich für eine Rubrik, eine doppelte Einordnung ist nicht erlaubt.

Gruß, Anerya

fantasyMara 03. Jan 2018
Hallo Anerya, Hab ich gemacht, vielen Dank für den Hinweis :) lg fantasyMara