Königsanwärter

vor 4 Tagen
Die Anwärter sind Auserwählte aus dem Volk, die über Jahre hinweg darauf vorbereitet und ausgebildet werden, König zu werden. Da der Tag der Wahl dessen nicht mehr fern ist, wird immer mehr von den jungen Männern gefordert und der Alltag zunehmend stressiger. Somit ist es nicht verwunderlich, dass eine tiefe Freundschaft die Anwärter verbin..
Liebe/Romantik Romanze P18-M+M Drama In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 1

Eher halbherzig versuchte Killian sein Gähnen zu unterdrücken. Die Tränen der Müdigkeit weg blinzelnd schaute er auf, als er seinen Namen hörte.

„... und Killian macht uns gerade wunderbar vor, wie man sich möglichst undiplomatisch in einer solch kritischen Situation verhält“, sagte ihr Diplomatielehrer und sah ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue vielsagend an.
„Gut, dass wir mit Ihnen keine Kriegsverhandlungen führen!“, lachte Peer, der Jüngste in der Runde, ausgelassen.
„'Schuldigung...“, murmelte Killian schnell und schüttelte den Kopf um die Müdigkeit loszuwerden. Dies hatte jedoch nur zur Folge, dass seine hellbraunen Haare in alle Richtungen ab standen. Seine Müdigkeit jedoch blieb. Eher dürftig drückte er seine Haare platt und gab letztendlich seine Bemühungen auf.
„Unser Musterschüler wird doch wohl nicht etwa zu wenig Schlaf bekommen haben?“, fragte Luan mit einem spöttischen Blick, den er langsam zu Aidan, ihrem Prinzen, schweifen ließ.
Nun plötzlich doch wach, fuhr Killian sein Gegenüber in scharfen Ton an. „Was interessiert dich das?!“ Sich gerade hinsetzend warf er seinem Kameraden einen drohenden Blick zu. Wer wusste schon, was er noch von sich geben würde?
Aidan hingegen schien das alles nicht zu interessieren. Er fuhr sich durch die leicht lockigen, blonden Haare und blätterte in seinem Buch herum. Als Sohn des aktuellen Königs schien er ohnehin das genaue Gegenteil seines Vaters zu sein. Er war ausgeglichen und selbstsicher. Seine Selbstbeherrschung war unglaublich und nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Fast nichts.

Der König hingegen war unberechenbar. Geradezu aggressive regierte er ihr Land. Seine Entscheidungen irrational und nicht nachvollziehbar. Schon seit einiger Zeit wurde darüber getuschelt, ob er langsam dem Wahnsinn verfallen würde.
Das war auch der Grund, weshalb die Lehrer den Unterricht nun strenger gestalteten. Die fünf anwesenden Schüler waren die Anwärter auf den Thron. Sobald der König nicht mehr in der Lage war zu regieren, würde einer von ihnen ausgewählt werden, um seinen Platz einzunehmen.
Dieses System kam nun schon seit Generationen zum Einsatz und war überaus erfolgreich. Das Alter und die Anzahl der Anwärter variierten jedoch. Wurde ein neuer König gekrönt so begann die Suche nach neuen Anwärtern, welche sich bis zur nächsten Krönung fortsetzte. Da man nie wusste, wann ein neuer König vonnöten war, breitete man die Suche auch in verschiedene Altersstufen aus. Die Ausbildung fand zwischen 12 und 40 Jahren statt. Überschritt man diese Alter während der Amtszeit eines einzelnen Königs, so wurde man in den Dienst des gegenwärtig gestellt um diesen mit seinem erlernten Wissen zu unterstützen.

Zunächst wurden die Söhne des aktuellen Königs in die Ausbildung aufgenommen, vorausgesetzt, dieser hatte welche. Außerdem gab es immer einen Sohn aus einer der mittellosen Familien. Hauptsächlich diente dies dazu, dem Volk die Hoffnung zu geben, dass jeder, ungeachtet seines Standes, den Thron besteigen konnte und somit auch das Leben der jeweiligen Familie verbesserte. Die restlichen Anwärter kamen meist aus kleineren Adelsfamilien oder von reichen Geschäftsleuten. Die Chance am Ende jedoch ausgewählt zu werden ist für alle gleich und misst sich anhand ihrer Leistungen während der Ausbildung.

Wurde ein König ausgewählt, so fanden die verbliebenen Anwärter meist einen Platz als Berater an der Seite des Königs, in den Gebieten, in denen sie sich während ihrer Ausbildung hervorgehoben hatten.
Das gleiche System fand ebenfalls Anwendung bei der Auswahl der Königin. Nur zogen sich die meisten Anwärterinnen nach der Wahl zurück und standen nicht im Dienst des Königshauses.

Das Altersfenster der derzeitigen Generation erschloss sich von 16 bis 29 Jahre. Damit waren sie alle, im Vergleich zu anderen Generationen, nahe beieinander. Vor wenigen Jahren, zu der Zeit in der Killian zu ihnen kam, waren sie noch zu sechst gewesen. Jedoch überschritt einer das Alter eines Anwärters und trat somit den Beratern des Königs bei und ein anderer erlag einer Infektion. Ein schwerer Schlag für die Königsfamilie, da es sich bei ihm um ihren ältesten Sohn handelte. Zwei Jahre zuvor kam Peer mit 14 Jahren zu der Ausbildung hinzu.

Heute war er mit seinen 16 Jahre allerdings noch immer der Jüngste und stammt aus einer kleineren Adelsfamilie. Danach kam Aidan mit 21 Jahren. Dieser begann seine Ausbildung im Alter von 12 Jahren, wie es vom Sohn des Königs erwartet wurde. Luan hatte seine Ausbildung ebenfalls mit 14 Jahren begonnen, war nun jedoch bereits 22 Jahre alt. Seine Familie gehörte zu den wenigen Reichen im Land, die ihren Wohlstand durch ein Erbe erhalten hatten. Killian war 25 Jahre alt. Erst mit 18 Jahren kam er zu den Anwärtern und war somit einer der ältesten Anfänger seit Generationen. Man wurde so spät auf ihn aufmerksam, da seine Familie erst seit kurzem zu den erfolgreichen Händlern zählte. Der Älteste in der Gruppe war Toran mit 29 Jahren. Man fand ihn mit 12 Jahren auf der Straße, während er versuchte für sich und seine Schwester etwas Geld für das Abendbrot zu erbetteln. Das Volk war überaus begeistert, als sowohl er, als auch seine Schwester, 3 Jahre später, für die Ausbildung auserwählt wurden.

„Mir scheint, dass nur Aidan und Toran den Sinn in meinem Unterricht erkannt haben“, ließ der Lehrer verlauten und reagierte so auf die Unruhe unter seinen Schülern. Gelangweilt und mit hochgezogenen Augenbrauen lehnte er sich gegen eines der vielen Bücherregale der Bibliothek.
Es war allgemein bekannt, dass Peer zu allem etwas zu sagen hatte und auch jede Gelegenheit dazu nutze, dementsprechend schenkte man ihm auch keine weitere Beachtung, in der Hoffnung er würde diese Eigenschaft irgendwann von alleine ablegen. Luan hingegen war für kleinere Machtspiele immer zu haben. Von Haus aus war er es gewohnt zu bekommen was er wollte. Killian mochte diesen Charakterzug von Anfang an nicht und zeigte dies auch offen. Gut verstanden haben sie sich jedoch trotzdem immer, solange es nicht darum ging, besser als der jeweils andere dar zustehen. Seit ein paar wenigen Wochen war die Situation zwischen ihnen allerdings angespannter geworden.

„Bei der aktuellen Lage wissen wir nicht, wie viel Zeit uns noch für eure Ausbildung bleibt!“, versuchte der Lehrer zurück zum Unterricht zu kommen.
„Meinen Sie nicht, dass dies eine unglückliche Aussage für einen Diplomatielehrer ist?“, meldete sich nun auch Toran zu Wort, welcher dabei leicht auf Aidan deutetet. Diese blickte nun doch von einem Buch auf und sah seinen Lehrer direkt an.
Der Lehrer stockte, sich der Anwesenheit eines Sohnes vom König bewusst werdend. Er schluckte und atmete tief durch. „Die Diplomatie ist nicht nur angenehm. Man muss auch den Wahrheiten ins Gesicht sehen.“ Damit schien das Thema für ihn beendet zu sein, denn er begann wieder, nun jedoch etwas nervöser, mit dem Unterrichtsstoff.

Killian schnaubte mit hochgezogenen Brauen kurz auf. Ein Diplomatielehrer, der sich so schnell aus der Ruhe bringen ließ. Kein Wundern, dass der ehemalige Anwärter nicht an der Seite seines Königs weilte, sondern als Lehrkörper sein Dasein fristete.
Nun sah er zu Aidan und legte den Kopf schief. Stumm stellt er ihm die Frage, ob es ihm gut ginge. Nachdem dieser dies bemerkte lächelte er beruhigend und nickte ihm kurz zu. Dann fuhr er sich erneut durch die Haare, nur um sich wieder seinem Buch zu widmen.

Der weitere Unterricht verlief ruhig. Auch die Nervosität des Lehrers ließ nach einer gewissen Zeit wieder nach. Dadurch verfiel er wieder in sein gewohnt schnelles Unterrichtstempo und versuchte den Anwärtern den trockenen Unterrichtsinhalt über Diplomatie nahezubringen. Es war eines der weniger beliebten Fächer. Wäre der Unterricht abwechslungsreicher oder mit Interaktionen gestaltet, dann wäre die allgemeine Beteiligung mit Sicherheit größer. Auch Killian konnte sich nicht aufraffen den Ausführungen des Lehrers zu folgen. Er konnte sich noch so viel Mühe geben, aber alles lenkte mehr Aufmerksamkeit auf sich, als der Unterricht. Seine Müdigkeit half ihm bei seiner Konzentration nicht im Mindesten.

Um nicht erneut Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen, sah er sich ein wenig um. Ihre kleine Tischgruppe war von vollen Bücherregalen umgeben, welche sich weit in den Raum hinein erstreckten. Für Lesebegeisterte, wie zum Beispiel Aidan einer war, war diese Bibliothek ein Traum. Hier fand man fast alle Bücher die es in ihrem Land gab. Es gab nur wenige Schriften, die aufgrund ihrer Seltenheit hier nicht einzusehen waren oder sie waren schlichtweg noch zu neu.

Hinter dem Lehrer befand sich ein großes Holzsprossenfenster. Da sie sich im ersten Obergeschoss befanden, hatte man einen großzügigen Blick über die Ländereien östlich der Stadt. Derzeit erstreckte sich ein gelbes Meer aus Rapsblüten auf den Feldern bevor in etwas weiterer Entfernung sich die umliegenden Berge erhoben. Killian könnte Stunden damit verbringen einfach nur aus dem Fenster zu schauen und die Umgebung zu beobachten.

Als es an der schweren Holztür klopfte, wurde er von seiner Betrachtung jedoch abgelenkt. Ihr Lehrer sprach die Erlaubnis hereinzukommen aus. Ein Bote, welcher sich auch sogleich für die Störung des Unterrichts entschuldigte, betrat den Raum. Danach ging er schnellen Schrittes zum Lehrer, übergab ihm wortlos einen Brief, um anschließend den Raum so schnell wieder zu verlassen, wie er gekommen war.
Das Schriftstück wurde eilig und stumm gelesen, ohne, dass dabei eine Miene verzogen wurde.
'Zumindest seine Gesichtszüge hatte er unter Kontrolle.' dachte Killian leise schnaubend und grinste leicht, möglichst darauf bedacht, dass dies niemand sah.

Als hätte es nie eine Unterbrechung gegeben, steckte der Lehrer den Brief weg und fuhr mit dem Thema fort. Als dies jedoch beendet war atmete er kurz auf.
„An diesem Punkt werde ich den Unterricht nun beenden. Der Nachmittagsunterricht findet heute nicht statt. Es wurde eine Konferenz für die Lehrer einberufen.“ Mit dem letzten Wort drehte er sich auch schon in Richtung Tür und verließ schnell den Raum, die Anwärter nicht weiter beachtend.
Ein wenig überrumpelt sahen sich die Anwärter an.
„Wie, das war es jetzt für heute?“ fragte der Jüngste etwas verwirrt nach.
„Scheint so“, war die knappe Antwort Luans.
„Na dann. Wir sehen uns beim Mittagessen!“ meinte Peer nur und verließ die Bibliothek ähnlich schnell wie der Lehrer. Nach kurzem Zögern tat Luan das Gleiche.

Auch Aidan stand von seinem Platz auf, allerdings nur um zwischen den Regalen zu verschwinden und nach neuen interessanten Büchern Ausschau zu halten. Bevor auch Toran verschwinden konnte sprach Killian ihn schnell an und bat ihn darum, ihm zu sagen, was sie heute besprochen hatten. Dies passierte im Allgemeinen oft, da Toran durch seine lange Anwesenheit als Anwärter viele Themen bereits mehrfach unterrichtet bekommen hatte. Geduldig begann er den Unterrichtsinhalt zusammenzufassen.

„Es sieht dir gar nicht ähnlich so wenig aufzupassen“, meinte er schließlich, als er geendet hatte.
Etwas verlegen kratzte Killian sich am Hinterkopf. „Ja, ich weiß. Ich bin heute nur etwas müde. Tut mir leid.“
„Das bist du in letzter Zeit öfters.“ Der Ältere runzelte leicht die Stirn und sah ihn mit seinen grauen eindringlicher Augen an.
„Mir schwirrt in letzter Zeit einiges im Kopf herum. Das wird bestimmt bald besser.“ Optimistisch lächelnd schaute der Braunhaarige Toran an.
„Wenn dich etwas bedrückt, kannst du jederzeit zu mir kommen und mit mir darüber sprechen. Das weißt du doch?“ Um seine Worte zu bekräftigen legte er dem jüngeren Anwärter eine Hand auf die Schulter und drückte sie kurz.

In diesem Moment konnte Killian einen Blick auf Aidan erhaschen, der nun etwas weiter hinten ein Buch aus dem Regal zog. Als dieser die Lektüre aufschlug, verlagerte er sein Gewicht von dem einem Bein auf das andere und warf seinen Kopf leicht in den Nacken, damit ihm die Haare nicht ins Gesicht fielen.
„Killian?“ Erst jetzt bemerkte er, dass er den Älteren vergessen und den Jüngeren angestarrt hatte.
„Entschuldige! Natürlich, dass weiß ich doch. Danke! Aber ich denke, das werde ich schon alleine schaffen“, antwortete er schnell und sah Toran wieder an. Dieser hatte sich kurz nach Aidan umgedreht und sah Killian jetzt mit stärker gerunzelter Stirn an, beließ es jedoch dabei.
„Komm, wir gehen in die Küche. Vielleicht lässt ein wenig Essen dich munterer werden!“

- - - - -

„Liam! Was gibt es heute zu Mittag? Unserem kleinen Lehrerliebling hier, fehlt es scheinbar an Energie“, lachte Toran und schob Killian an der Schulter vor sich in die Küche, auf den angesprochenen jungen Mann zu. Dieser war im Alter der Anwärter und vor seiner Anstellung in allen nötigen Bereichen geschult worden, um nun so etwas wie ein Mädchen für alles zu sein. Er koordinierte die Aufgaben der Bediensteten und kümmerte sich um die Wünsche und Anliegen der Anwärter, sowie um die Ordnung in deren Räumlichkeiten. Damit war er der einzige Bedienstete der mit ihnen in der Burg lebte. Lehrer, Küchenpersonal und sonstige Angestellte kamen nur über Tag zu ihren Dienstzeiten hierher.

„Wieso fehlt es dir an Energie?“, wurde die Gegenfrage gestellt und langsam sah der Angesprochene von seiner Arbeit, einem Dienstplan für das Küchenpersonal, auf.
Bevor Killian darauf antworten konnte kam Toran ihm bereits zuvor. „Er schläft in letzter Zeit wohl nicht genug.“
„Tatsächlich?“, fragte Liam und warf dem Braunhaarigen einen vielsagenden Blick zu. Dieser begegnete ihm auch bereits mit einem warnenden. Er wusste was ihm schlaflose Nächte bescherte. Sie waren gute Freunde und da kam es nicht selten vor, dass man sich gegenseitig um Rat fragte. Doch Toran musste nicht wissen was der Grund war. Überhaupt war der Grund heikel und nicht für Andere bestimmt.

Der älteste Anwärter hatte jedoch gar nichts von dem Blickaustausch mitbekommen. Er war direkt zu einer der Küchenhilfen gegangen, um nachzusehen, was sie in ihrem Topf umrührte. Als sie bemerkte, wer neben ihr stand schreckte sie zurück und senkte ihren Blick sofort auf den Topf vor ihr. Alle wussten was für eine Wirkung der Älteste auf junge Frauen hatte. Ein Blick aus seinen grauen Augen genügte um sie nervös zu machen. Er selber ignorierte dies jedoch, oder nahm es nicht wahr.

„Das sieht gut aus“, murmelte er und sie begann sofort schneller in ihrem Topf herumzurühren.
„Mädchen, was tust du denn da?! Du rührst viel zu schnell!“, rief die Küchenchefin von der anderen Seite der Küche aus und kam eilig auf sie zu.
Bei den Beiden angekommen schob sie Toran auch sogleich beiseite. „Toran, du sollst meine Mädchen nicht immer so nervös machen! Geh woanders hin“, sagte sie leicht kopfschüttelnd und scheuchte ihn mit einer Handbewegung weiter weg. Dann redete sie etwas leiser auf die Küchenhilfe ein. „So ruinierst du doch nur alles!“

Grinsend ging er zurück zu den beiden anderen Männern, welche das Szenario mit hochgezogenen Augenbrauen beobachteten. Dies war bei weitem nicht das erste Mal, dass so etwas passierte. Man fragte sich nur, worin der Spaß für den Anwärter bestand. Darin, die Mädchen nervös zu machen oder, die Küchenchefin zu reizen.

„Sag mal, weißt du was mit den Lehrern ist?“, fragte Killian schnell, bevor das Thema wieder auf ihn gelenkt werden würde.
„Nein, tut mir leid. Von offizieller Seite weiß ich wohl genauso viel wie ihr. Den Gerüchten zufolge geht es aber um ein baldiges Ende der aktuellen Regentschaft und wer von euch befähigt ist, die Nachfolge anzutreten“, umso mehr er sagte, umso leiser wurde er.
„Daran mag ich noch gar nicht denken“, murmelte der Braunhaarige. „Also, Luan wäre sofort bereit“, scherzte Liam. Jeder von ihnen wusste, dass dieser den Thron besteigen wollte.

„Nun steht hier nicht so herum und haltet die Leute von der Arbeit ab. Das Essen ist gleich fertig. Geht in den Speisesaal. Da werdet ihr dann auch sehen, was es für euch gibt“, kam die Küchenchefin tadelnd auf sie zu und zog die Anwärter in Richtung der Tür.
Killian hob noch schnell die Hand zum Abschied bevor die Tür vor ihrer Nase geschlossen wurde und sie sich schulterzuckend in den Speisesaal begaben.

- - - - -

Völlig erschöpft schlug Killian die Augen auf. Nach dem Mittagessen hatte er entschieden sich doch noch ein wenig schlafen zu legen. So wie er sich jetzt fühlte war dies wohl eine schlechte Idee gewesen. Seine Augen brannten und er fühlte sich erschöpft und etwas zittrig. Würde er jetzt jedoch noch weiter schlafen, könnte er in der Nacht kein Auge mehr zu tun.

Ächzend stand er auf und streckte sich etwas. Das hatte ihm schon mal nicht geholfen. Unmotiviert ging er rüber zum Fenster um einen Blick auf die Gartenanlage zu werfen. Dabei stellte er fest, dass es bereits zu dämmern begann. Die sorgsam angepflanzten Büsche warfen weite Schatten und die Blüten der Pflanzen strahlten nicht mehr in ihren bunten Farben, sondern erschienen bereits dunkler und matter. Den Blick etwas nach oben gerichtet war es ihm erneut möglich über die Eben zu sehen. Dieses Mal jedoch in südliche Richtung. Damit ging es ihm schon besser. Er liebte es in die Ferne blicken zu können. Dies gab ihm jedes Mal ein Gefühl von Freiheit.

Im Augenwinkel nahm er plötzlich unten eine Bewegung wahr. Als er dorthin blickte, sah er, wie Aidan sich gerade von einer der Gartenbänke erhob und sich die Hose abklopfte. Sofort musste er anfangen zu grinsen. Kurzerhand entschied er sich, dem Jüngeren entgegenzugehen, da dieser sich scheinbar in das Gebäude zurückziehen wollte.

Er verließ sein Zimmer und eilte schnellen Schrittes die Treppe am Ende des Flures hinunter. Auf dem Gang in Richtung Garten konnte er Aidan erkennen, der gerade durch die Tür herein kam. Er lächelte leicht als er seinen Blick hob und den Älteren auf sich zukommen sah. Nachdem sie mit ein paar letzten Schritten die Entfernung zwischen ihnen zurückgelassen hatten, grinste der Prinz etwas schief. „Gut geschlafen?“
Etwas verwirrt runzelt Killian die Stirn. „Wie bitte?“, fragte er nach.
„Ich wollte vorhin zu dir, doch du hattest geschlafen. Also bin ich wieder gegangen, um dich nicht zu wecken“, erklärte der Jüngere seine Frage.
„Aber du hättest mich doch ruhig wecken können. Der Schlaf hat mir eh nicht geholfen.“

Sich kurz auf dem dunkler werdenden Flur umherblickend ergriff der Älter schließlich die Hand des Prinzen und zog ihn daran zur innen liegenden Wand in den Schatten eines Wandvorsprunges. „Du hättest mich wecken sollen“, sagte er nochmal mit etwas Nachdruck in der leiser werdenden Stimme und legte eine Hand an die Wange des Jüngeren.

Vorsichtig näherte er sich Aidans Gesicht und schloss die Augen kurz bevor sich ihre Lippen trafen. Seufzend zog er den Jüngeren weiter zu sich als er keine Gegenwehr spürte. Aidan folgte wie selbstverständlich der Bitte nach mehr Nähe und legte ebenfalls eine Hand an die Wange seines Gegenübers. Die andere legte er in dessen Nacken um ihn näher an seine Lippen zu ziehen. Vorsichtig begann er seine Lippen zu bewegen, was Killian im lächelnd gleichtat.

Beide genossen sie die Nähe des Anderen und die Gefühle, die sie bei sich gegenseitig auslösten. Die Aufregung ließ ihre Herzen schneller schlagen, ihre Atmung beschleunigen und Schmetterlinge in ihren Bäuchen tanzen.
Völlig abgelenkt vergaßen sie die Welt um sich herum, bis sie plötzlich ein Räuspern hinter sich hörten.

Hinter Killian stand jemand im dunkler werdenden Flur mit verschränkten Armen an den Mauervorsprung gelehnt und sah sie direkt an.

Ende Kapitel 1

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Es wurden noch keine Kommentare geschrieben.