Mark Brandis - Feuertaufe

17.11.15 22:11
Grischa Romen ist ein guter Freund von Mark Brandis und ein hervorragender Pilot. Aber was hat er gemacht, bevor sie sich beim Projekt Kolibri kennen lernten? Hier kommt also Grischas erstes Abenteuer bei der VEGA: im wahrsten Sinne des Wortes eine "Feuertaufe" !!
Mark Brandis Sci-Fi P12 Abenteuer Beendet
Inhaltsverzeichnis

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Grischa Romen spielte leise, kaum hörbar auf seiner Mundharmonika während er darauf wartete zu John Harris, dem neuen Direktor der VEGA, vorgelassen zu werden.
Nachdem er vor einigen Tagen die Prüfung zum Raumpilot zweiter Klasse bestanden hatte und zum Sergeant befördert worden war, sollte er heute zu seinem ersten Einsatz abkommandiert werden. Harris persönlich würde ihn einweisen.
Eine Ehre.
Oder ein Problem, je nachdem.
„Sergeant Romen?“ hörte er die Stimme der Sekretärin des Chefs. „Direktor Harris ist nun bereit Sie zu empfangen.“
Rasch stand Grischa auf, ließ seine Mundharmonika in der Brusttasche seiner Arbeitsuniform verschwinden und ging auf die Tür des Direktors zu. Kurz zögerte er noch, dann griff er nach der altmodischen Klinke und öffnete.
„Kommen Sie rein, Sergeant Romen, ich habe nicht viel Zeit und ich muss Ihnen einiges erklären.“, knarrte die Bassstimme von Harris durch das geräumige Büro.
Harris umrundete seinen Schreibtisch und streckte seine Hand zum Gruß aus: die Linke. Sein rechter Arm war bei einem Gefecht mit den Truppen von General Smith in der Sahara geblieben. Allein die Tatsache, dass er trotz modernster medizinischer Ersatzteile sich keinen neuen Arm, egal ob mechanisch oder biologisch, hatte machen lassen, sprach für den unbeugsamen Willen dieses Mannes.
Wie immer kam er ohne große Vorreden zur Sache.
„Wir haben ein Problem auf den Venus-Erde-Routen. Seid dem Sturz von General Smith sind immer noch verschiedene abtrünnige Raumeinheiten unterwegs und machen die VE-Routen unsicher.“ Sagte Harris ernst. „Sie überfallen Frachter, Versorgungskonvois und machen auch vor republikanischen Schiffen auf der Mars-Erde-Route nicht halt. Letzten Monat hat allein die VEGA sieben Frachter verloren.“
„Ist das nicht ein Problem der Strategischen Raumflotte?“ entgegnete Romen.
„Im Prinzip schon….“ Sagte Harris gedehnt. „Das Problem ist, es sind nicht genügend Schiffe und noch viel weniger Besatzungen da, die das uneingeschränkte Vertrauen der Strategischen Raumflotte genießen. Der Verteidigungsminister ist nun an mich heran getreten, ob ich vielleicht eine Lösung hätte. Er kann sich nicht zwingend darum kümmern, weil er mit der einen Hand die Neugestaltung und Umrüstung der Strategischen Raumflotte durchführt und mit der anderen sich die VOR-Vertreter, die ihm wegen ihrer verlorenen Schiffe, ganz zu Recht meiner Meinung nach, die Hölle heiß machen. Sie können keine Einheiten entbehren, die Jagd auf Piraten machen. Und es sind nie genug leichte Schiffe da, die Konvois beschützen können.“
Harris runzelte die Stirn: „Außerdem widerstrebt es mir, die gerade wieder unabhängige VEGA mit Aufgaben zu betrauen, die eigentlich der Strategischen Raumflotte obliegen. Wir sind eine unabhängige Raumfahrtinstitution! Wir sind nicht dafür da, deren Arbeit zu machen…“
„Und was hat das alles mit mir zu tun?“ fragte Romen und lehnte sich in dem Stuhl zurück. Er schmunzelte darüber wie Harris sich darüber ereiferte für jemand anderen die Drecksarbeit machen zu müssen.
„Nun ja….“ Sagte Harris gedehnt. „Die Tatsachen lassen sich nicht leugnen: Wir haben mehrere Frachter verloren. Und so sehr es mir widerstrebt es zuzugeben: Noch ist die Strategische Raumflotte nicht in der Lage sich um das Piratenproblem zu kümmern. Ich fürchte wir stehen allein. Also habe ich die VEGA-Werft in Metropolis dazu autorisiert vier Frachter der Beta-Klasse zu Handelskreuzern umzurüsten…“ Romen richtete sich in seinem Stuhl auf. „…und Sie sollen einen davon fliegen.“
Romen war aufgestanden und starrte den Direktor an.
„Das ist nicht Ihr Ernst, Sir.“ Sagte er gedehnt.
„Doch, durchaus.“
„ Sir! Ich war noch nie beim Militär. Ich hasse diesen Verein.“
„Sie sind ja auch nicht beim Militär. Sie sind immer noch bei der VEGA.“
„Was sagt der Verteidigungsminister dazu, dass Sie Ihre kleine Privatflotte aufrüsten?“
„Der ist froh, dass ich schnell eine Lösung gefunden habe. Und vier Handelskreuzer lassen sich schwerlich als Flotte bezeichnen.“
„Sollen wir etwa Jagd auf Piraten machen?“
„Ach Unsinn! Sie sollen die VEGA-Konvois beschützen, verdächtige Schiffe melden und wenn Sie angegriffen werden in der Lage sein sich verteidigen zu können. Es geht darum, dass unsere Frachter wieder sicher auf den VE-Routen operieren können. Wenn sich bei den Piraten herumgesprochen hat, dass die VEGA-Konvois beschützt werden und jeder wehrlose Frachter sich plötzlich in einen Raketen speienden Handelskreuzer verwandeln kann, werden diese Verbrecher es sich zweimal überlegen einen unserer Frachter anzugreifen.“
„Und die VOR? So beschützen wir nur unsere Konvois und Frachter und verlagern die Aufmerksamkeit auf die VOR-Frachter. Ihre Verluste werden sich erhöhen, wahrscheinlich sogar sehr stark und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schlitzaugen darüber sonderlich begeistert sein werden.“
„Bis jetzt wird gar nichts getan. Und jeder Pirat, den wir mit unseren Frachtern aus dem Verkehr ziehen ist einer weniger, der die VOR-Frachter angreifen kann. Ich weiß, dass es sich dabei mehr um Kosmetik und psychologische Kriegsführung handelt, aber in unserer jetzigen Situation ist das, was wir jetzt gerade auf die Beine stellen können, unsere einzige Option. Zumindest so lange, bis die Strategische Raumflotte wieder Leichte Einheiten für Konvoi-Operationen entbehren kann. Und schwerere Einheiten, um Jagd auf Piraten zu machen.“
„Und warum ich? Ich habe keinerlei militärische Erfahrung!“ sagte Romen vorsichtig.
„Sie sind ein Überlebenskünstler.“ Grinste Harris. „Ihre Lebensgeschichte und die Tatsache, dass Sie das Regime von General Smith überlebt haben spricht für Sie. Sie werden auch mit Piraten fertig werden. Außerdem fürchtet sich ein echter Zigan doch nicht vor einer solchen Herausforderung, oder?“
„Fürchten direkt nicht….“ Sagte Romen gedehnt. „Aber einige meiner Entscheidungen werden vielleicht nicht ganz mit dem Gesetz….“
Harris unterbrach ihn: „Sie haben eine klar umrissene Aufgabe: Beschützen Sie die VEGA-Frachter! Wenn Sie dabei einen oder mehrere Piraten zur Strecke bringen, umso besser. Keine eigenmächtigen Aktionen! Sie werden keine Piraten verfolgen oder so was in der Art, haben Sie mich verstanden?“
„Ähh, …. Ja, Sir“ unwillkürlich hatte Romen Haltung angenommen.
„Um mit der Beta klar zu kommen, werde ich Ihnen einen Bordingenieur zuweisen, er kennt sich mit den Modifikationen aus und wird sie begleiten. Kennen Sie Usko Koskinen?“
„Äh,…. nein, Sir.“ Erwiderte Romen verwirrt.
„Dann werden Sie ihn bald kennen lernen. Ihr Schiff befindet sich in Hangar 18 auf der VEGA-Werft Metropolis, dort werden Sie auch Ihnen Bordingenieur treffen.“
„Ja, Sir.“
„Die Befehle erhalten Sie natürlich noch schriftlich. Weggetreten.“
Etwas verwirrt verließ Romen das Büro des Direktors. Hatte er gerade wirklich als Zivilist das Kommando über einen Handelskreuzer erhalten? Er hatte überhaupt keine Erfahrung darin, ein bewaffnetes Raumschiff zu kommandieren, er hatte gar keine Erfahrung als Kommandant vorzuweisen! Harris war entweder verrückt oder so sehr von ihm überzeugt, dass er Grischa das zutraute.
Aber er würde sich seiner Aufgabe stellen, schließlich war er, wie Harris richtig bemerkt hatte, ein Zigan, ein stolzer Zigeuner. Und ein Überlebenskünstler.
„Wird schon schiefgehen….“ Murmelte er und ging auf den Aufzug zu um sich wie befohlen auf der VEGA-Werft, Hangar 18 einzufinden.

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