Was die Bäume flüstern...

vor 2 Mon.
...ist nur eine der Fragen, zu denen der Alkenenlehrling Corvan und seine Freunde zum Zeitvertreib kleine Geschichten erfinden. Doch als ihre heile Welt plötzlich durch ein Verbrechen erschüttert wird, sieht Corvan sich mit völlig anderen Fragen konfrontiert. Zum Beispiel der, was eigentlich richtig und was falsch ist. Ursprünglich ein Beitr..
Schreibchallenges Romanze P16 Fantasy Beendet
Bemerkung des Authors: Der Text ist im Rahmen der Mythen-Challenge auf Myff entstanden (vollständige Liste siehe hier: http://www.myfanfiction.net/de/groups/g/100/ran_an_die_feder_schreibuebungen__-challenges/1/t/226/mythen-challange/1). Ich behalte mir vor, die Reihenfolge der Fragen ein wenig abzuändern, damit sie besser in die Rahmengeschichte hinein passen. Viel Spaß beim Lesen, über kritische Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge freue ich mich immer sehr.// EDIT: Dieser Text ist mit der Zeit immer mehr zu einer eigenständigen Erzählung geworden. Wer also einen Plot vermisst: Nur Geduld, das kommt noch - und die Kapitel werden auch immer länger... ;-)

Was die Bäume flüstern

Der Frühling war warm dieses Jahr und es hatte sich bereits der Sommer im Lande Farás angekündigt. Noch hatte der fünfte Monat erst begonnen, doch die Schüler in den Hallen der Alkenen wurden mit den steigenden Temperaturen immer munterer. Tagsüber glichen die langen, kühlen Korridore des Gebäudes, das sich eng an die Berghänge des Zentralmassivs schmiegte, einem Bienenstock.
Laut lachend lief auch eine Gruppe Jungen des ältesten Jahrgangs durch die Flure. „Wisst ihr schon, was ihr dieses Wochenende unternehmen werdet?“, erkundigte sich Jarus, ein Junge mit feuerrotem Haar, das ihm flammengleich vom Kopf abstand. „Weiß noch nicht“, meinte einer der Jungen, andere zuckten stumm die Schultern. „Was ist mit dir, Corvan?“, wandte sich Jarus grinsend an einen großen, schlaksigen Jungen, „reitest du wieder zu deinem Mädchen?“
Der Angesprochene wurde rot und ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen, dann nickte er. „Elaya hat von einem schönen See erzählt, nicht weit von der Schule der Veannen“, berichtete er und fuhr sich durch das rabenschwarze Haar, „sie meinte, ich soll euch fragen, ob ihr mitkommen wollt.“

So kam es, dass die Gruppe der Jungen am darauf folgenden Samstag gemeinsam nach Osten ritt, dorthin, wo die Veannen, Heilerinnen und Magierinnen, eine Schule für Mädchen betrieben. Gemeinsam mit den Mädchen zogen die Schüler der Alkenen zum dem Teich, der ruhig zwischen einigen Bäumen lag. Dicht spannte sich ein grün leuchtendes Blätterdach über dunklem Wasser. Der Tag war angenehm warm und die Jugendlichen genossen es, wie die Sonnenstrahlen ihre Haut streichelten. Einige Zeit spielten sie lachend auf der Wiese, jagten sich gegenseitig. Die Jungen maßen ihre Kräfte, indem sie die Mädchen hochhoben und trugen. Schließlich lagen sie erschöpft im langen, weichen Gras und blickten hinauf in das grüne Laub über ihren Köpfen. Sachter Wind bewegte die Zweige.
„Es ist ein bisschen so, als würden sie sprechen“, murmelte Corvan nachdenklich. Die Worte waren ihm einfach so aus dem Mund gefallen. Die Jungen begannen zu lachen. „Ist das dein Ernst?“, fragte der vorlaute Daian. „Ich finde die Idee schön“, verteidigte Elaya ihren Freund und kuschelte sich noch ein wenig näher an seine Brust. Die anderen Mädchen stimmten mit ein. „Wenn ich die Augen schließe, klingt es, als würden die Bäume mir etwas zuflüstern...“, sagte die dunkelhaarige Ala mit einem Lächeln auf den Lippen.
„Was flüstern sie denn?“, neckte sie der breitschultrige Junge an ihrer Seite. Sie lauschte mit geschlossenen Augen, dann zuckte sie die Schultern. „Keine Ahnung“, gestand sie, „aber ich wünschte, ich könnte sie verstehen.“
„Die Bäume sind alt“, murmelte Elaya, die ebenfalls ihre Augen geschlossen hatte, „und sicherlich haben sie viel gesehen... vielleicht erzählen sie von ihrem langen Leben, vor dem, was vor hundert Jahren war, vor zweihundert...“
„Vielleicht erzählen sie auch viel ältere Geschichten“, überlegte Corvan, ebenfalls mit geschlossenen Augen, „vielleicht erzählen sie vom Anbeginn der Zeit. Es gibt so vieles, das wir nicht wissen. Vielleicht könnten die Bäume es uns verraten, wenn wir sie zu verstehen wüssten? Vielleicht erzählt es uns der Wind, der schon immer da ist, wenn wir ihm nur zuhören?“
Er erwartete schon, Lachen aus der Menge zu hören, doch bis auf das Flüstern in den Zweigen blieb es still. Er machte die Augen auf und sah erstaunt in die Runde. Jeder der Gruppe hatte auf einmal eine nachdenkliche Miene aufgesetzt und so mancher der Jugendlichen schien angestrengt zu lauschen.

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wolkenloch 06. Feb 2019

Hallo Aeffle,

leider habe ich erst gestern bemerkt, dass Du in den vergangenen Wochen die fünf letzten Kapitel Deines Werkes hochgeladen hast.
Corvan hat Elaya endlich wiedergefunden. Er hat verzweifelt gekämpft, um sie aus den Fängen Ephemeras zu befreien - schließlich den König der Alkenen um das Leben seiner Geliebten angefleht und sie begegnet ihm danach mit einer Kälte, die unbegreiflich und erschreckend ist. Warum? Was ist das für ein Land, das man das Gute nennt, wo es aber kein Liebe gibt?
Ich hätte mir, nach allem, was Corvan durchgemacht hat, ein schöneres Ende für ihn und Elaya gewünscht. Naja!

Eine spannende Geschichte von gut und böse geht hiermit zu Ende, mit wunderbaren Myhten über so manches Rätsel auf dieser Welt. Danke für das aussergewöhnliche Leseerlebnis, Aeffle. Liebe Grüße und alles Gute

wolkenloch 06. Apr 2018

Einfach großartig! Spannend, wortgewaltig. Und werde nun bloß nicht wieder rot, denn kein Wort von mir ist übertrieben. Gratuliere zu den zwei neuen fesselnden Kapiteln.
Es dauert zwar immer seine Zeit, bis ein neues Kapitel erscheint, aber das Warten lohnt sich allemal, wie man hier wieder beispielhaft sieht. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Liebe Grüße

aeffle 06. Apr 2018
Hallo Wölkchen, blöd grinsen und mich ganz tierisch über dein Lob freuen darf ich aber, oder? ;-) Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung, ich freue mich, dass ich dich fesseln konnte. Danke auch für deine Geduld beim Warten auf Update! :-) Ganz liebe Grüße, aeffle
wolkenloch 06. Apr 2018
Darfst Du, klar! Wobei ich sagen muss, dass das Wort 'blöd' so gar nicht zu Dir passt. Die Freude war übrigens ganz auf meiner Seite beim Lesen Deiner neuen Kapitel und das Lob hast Du Dir mehr als redlich verdient. Schade nur, dass Du nicht mehr Rückmeldungen für Deine hervorragende Arbeit bekommst.
aeffle 08. Apr 2018
Ach, ich bin einfach froh, wenn ich sehe, dass die Leserzahlen steigen und freue mich über jede Rückmeldung, die ich bekomme - insbesondere über die regelmäßigen Kommentare von dir und cryptickid. :-)
cryptickid 05. Apr 2018

Wohohow! Was für ein Fliow! Da sitzt jedes Wort! Wahnsinnig spannend der Kampf zwischen den beiden. Offensichtlich besitzt sie ( den Namen will ich nicht nennen, falls ein neuer Leser diesen Kommentar lesen sollte :) enorme magische Fähigkeiten, die sogar diesen Bann brechen können.
Ich wünsche ihr alles Gute! Vielleicht erfahren wir auch,,wie es mit ihr weitergehen wird?
Liebe Grüße ^^

aeffle 05. Apr 2018
Hallo cryptickid, was für ein Lob, da werde ich ja ganz rot. ;-) ich freue mich, dass dir der Kampf gut gefallen hat. Dass sie sehr mächtig ist, hast du gut beschrieben - das passt schon irgendwie zu ihr. Ich mag sie auf jeden Fall ziemlich gerne, daher ist es nicht ganz auszuschließen, dass sie noch einmal auftaucht, zumindest am Rande. :-) Danke, dass du der Geschichte immer noch treu geblieben bist und mir sogar einen so lieben Kommentar da gelassen hast. :-) Ganz liebe Grüße, aeffle