Parabatai

08.01.17 14:40
Alec ist fertig mit den Nerven, denn seit Tagen ist Jace verschwunden und es gibt keine Hinweise, wo er ist. Da Alec durch seine schlechte Laune alle gegen den Kopf stößt, zieht er sich zurück, um sich wieder etwas zu beruhigen, und denkt dabei an einige wichtige Situationen ihrer gemeinsamen Vergangenheit zurück.
Inhaltsverzeichnis
  • Erinnerungen eines Schattenjägers

Erinnerungen eines Schattenjägers

Völlig unruhig wanderte Alec von einer Ecke seines Zimmers zur anderen. Eigentlich gab es jede Menge zu tun, aber Isabelle hatte ihm geraten, sich erst einmal zurückzuziehen und wieder zur Ruhe zu kommen. Er war sich unsicher, ob er sich tatsächlich beruhigen konnte, denn es war nun schon ein paar Tage her, dass Valentin Jace mitgenommen hatte und bisher hatten sie noch keinen Anhaltspunkt, wo dieser ihn hingebracht hatte. Und mit jedem Tag, der verstrich, ohne dass sie etwas fanden, das ihnen bei der Suche half, wurde Alec unruhiger. Inzwischen waren seine Nerven so zum Zerreißen gespannt, dass er alle gegen den Kopf stieß und dafür verantwortlich machte, dass sie nichts fanden. Das Problem war allerdings, dass ihm der Rat im Nacken saß. Sie suchten Jace ebenfalls, jedoch wollte der Rat ihn als Verräter gefangen nehmen. Sie glaubten, er wäre Valentin freiwillig gefolgt, weil er sein Vater war, aber Alec wusste es besser. Immerhin war er zusammen mit Magnus, Isabelle, Clary und Simon in dem Moment da gewesen. Valentin hatte sie bei Camille aufgespürt, als sie das weiße Buch holen wollten, das sie brauchten, um Jocelyn wieder aufzuwecken. Er hatte sie gefangen genommen und gedroht, sie zu töten, wenn Jace gegen ihn kämpfte und nicht mit ihm ging. Welche Wahl hatte er also gehabt? Doch der Rat glaubte ihm nicht. Sie waren der Meinung, dass Jace ein Maulwurf war und Valentin wegen ihm auch im Besitz des Kelches war.

Alec blieb vor seinem Schreibtisch stehen und krallte seine Finger in den Stuhl, der davor stand. Selbst seine Mutter glaubte ihm nicht. Sie war Jace gegenüber misstrauisch, seit herauskam, dass er Valentins Sohn ist. Dabei kannte sie ihn genauso lange wie er und sollte wissen, dass er sie niemals verraten würde. Sie waren seine Familie, auch wenn sein leiblicher Vater nun wieder aufgetaucht war. Er hatte ihn fallen lassen, hatte ihn glauben lassen, er wäre tot. Außerdem wusste jeder Schattenjäger, was Valentin getan hatte. Wie konnten sie nur davon ausgehen, dass Jace ihm nun helfen würde? Sie hatten nicht gesehen, wie sehr er darunter gelitten hatte, zu glauben, dass die einzige Familie, die er hatte, vor seinen Augen gestorben war. Er hingegen hatte es von Anfang an mitbekommen und obwohl es nun schon einige Jahre her war, erinnerte er sich an ihre erste Begegnung noch so gut, als wäre es erst gestern gewesen.

Schlaflos lag Alec auf seinem Bett und starrte an die Decke. Die Neugier hielt ihn wach. An diesem Tag war jemand Neues ins Institut gekommen und er wollte denjenigen unbedingt kennenlernen. Das Einzige, das er wusste, war, dass der Junge wohl ungefähr in seinem Alter war und vor kurzem seinen Vater verloren hatte und nun ein Waise war. Aus diesem Grund hatte ihm seine Mutter auch verboten, ihn zu sehen. Er sollte erst einmal richtig ankommen und sich einrichten, doch Alec glaubte nicht, dass es so gut war, wenn er jetzt alleine war. Er wusste zwar nicht, wie es war, wenn man niemanden mehr hatte, denn seine Eltern lebten noch und er hatte zudem eine kleine nervige Schwester. Doch der Neue war zudem an einem für ihn völlig fremden Ort. Sollte man ihm da nicht zeigen, dass es Leute gab, die für ihn da wären, wenn er jemanden brauchte? Mit diesem Gedanken im Kopf, fasste Alec einen Entschluss. Er setzte sich auf und schwang die Beine aus dem Bett, um anschließend aufzustehen. Mit nackten Füßen tapste er zu seinem Kleiderschrank und holte sich dort ein Paar Socken heraus. Diese zog er an und lief dann leise zur Tür. Am liebsten hätte er eine Unhörbarkeits-Rune benutzt, doch er bekam erst im nächsten Jahr seine erste Rune. Also musste er versuchen, leise zu sein, sodass ihn niemand mitbekam. Sollte ihn jemand sehen, würde seine Mutter davon erfahren, und sie sah es nicht gerne, wenn Isabelle oder er nachts durch das Institut schlichen. Aus diesem Grund trug er auch extra keine Schuhe. Diese würden nur zu viel Lärm machen.

So leise er konnte, öffnete Alec seine Tür einen spaltbreit und spähte hinaus, um zu sehen, ob sich gerade jemand im Gang aufhielt. Doch er sah niemanden und schlüpfte aus seinem Zimmer. Langsam schlich er zu dem Zimmer, das dem Neuen seit heute gehörte. Als er vor der Tür stand, schaute er sich noch einmal um und klopfte dann leise an. Alec wartete kurz, aber niemand öffnete ihm. Hatte er das falsche Zimmer erwischt? Er schüttelte den Kopf. Nein, definitiv nicht. Also schlief der Junge eventuell schon. Unschlüssig, was er nun tun sollte, kaute Alec auf seiner Unterlippe herum. Er wollte nicht zurück in sein Zimmer, denn er wusste, dass er wegen seiner Neugier nicht schlafen konnte. Sollte er einfach die Tür öffnen und einen Blick hineinwerfen? Vielleicht würde das schon reichen, um seine Neugier zu stillen. Er überlegte hin und her, denn eigentlich gehörte sich das nicht. Unsicher hob er eine Hand und legte sie auf den Türgriff. Nach einem weiteren Moment des Zögerns öffnete Alec die Tür ein Stück und spähte in das Zimmer. Als er jedoch merkte, dass niemand im Raum war, öffnete er sie noch etwas weiter. Stirnrunzelnd suchte er den Raum mit den Augen ab und entdeckte eine Reisetasche am Fußende des Bettes. Er hatte sich also wirklich nicht im Raum geirrt, doch der Junge war nicht da. Wo konnte er um diese Uhrzeit aber sein?

Ohne einen Laut zu machen, schloss Alec die Tür wieder und überlegte, was er nun tun sollte. Er wollte noch immer nicht zurück in sein Zimmer, denn es gab immer noch dasselbe Problem. Eine gefühlte Ewigkeit stand er in dem Gang und dachte nach. Der erste Ort, der ihm einfiel, wo der Neue sein könnte, war der Trainingsraum. Wenn ihm etwas durch den Kopf ging und er sich ablenken wollte, trainierte er auch immer, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Vielleicht war das bei dem Jungen auch so. Zielstrebig aber leise lief Alec den Gang mit den Zimmern der Schattenjäger entlang. Als er an der Haupthalle ankam schaute er, ob sich dort jemand befand, aber auch da war niemand zu sehen und er atmete erleichtert aus. Dann setzte Alec seinen Weg fort und blieb kurz darauf vor dem Trainingsraum stehen, dessen Tür offen stand. Innerhalb des Raums sah er sofort den blonden Jungen, der dort mit mit einem der Trainingsstäbe übte. Alec bemerkte, dass er wirklich gut war, bei dem was er tat, und blieb einfach nur stumm stehen. Wenn er ehrlich war, wusste er allerdings auch nicht, was er tun sollte. Darüber hatte er sich keinerlei Gedanken gemacht, als er sich entschlossen hatte, nach ihm zu suchen.

“Also entweder kommst du rein oder du gehst wieder. Hauptsache du stehst nicht mehr wie bestellt und nicht abgeholt da herum.”
Durch die plötzlich durchbrochene Stille zuckte Alec kurz zusammen und wurde aus seinen Gedanken gerissen. Ertappt schaute er zu dem Jungen und das Erste, das er bemerkte, waren die golden schimmernden Augen. So etwas hatte er noch nie gesehen. Als er merkte, wie er ihn anstarrte, schüttelte er kurz den Kopf und betrat dann den Raum. Kurz vor dem Jungen blieb er stehen.
“Ähm… entschuldige. Ich wollte dich nicht stören.”
Nervös spielte er am Saum seines T-Shirts herum. Es war ihm ein wenig peinlich, dabei erwischt worden zu sein, wie er ihn beobachtet hatte, ohne sich bemerkbar zu machen.
Der Junge legte den Kopf leicht schief und musterte ihn. Augenblicklich fühlte er sich noch ein wenig unsicherer.
“Wie heißt du? Ich bin Jace.”
Ein kleines Lächeln erschien auf Alec’s Gesicht. So wie es aussah, war die Situation vielleicht gar nicht so schlimm, wie er dachte.
“Ich heiße Alec.”
Nun hoben sich auch Jace’ Mundwinkel zu einem Lächeln und er hielt ihm den Stab entgegen, den er in der Hand hielt.
“Willst du vielleicht ein bisschen mit mir trainieren? Scheinbar können wir ja beide nicht schlafen.”
Ein wenig verwirrt über diese Frage, musste Alec kurz blinzeln. Doch dann griff er nach dem Stab. Jace hatte recht. Im Moment konnte er keine Ruhe finden und etwas Training würde ihm vielleicht helfen, endlich müde zu werden, um später ruhig schlafen zu können. Er schaute dem blonden Jungen hinterher, wie er sich einen weiteren Trainingsstab nahm und anschließend in Anfangsposition ging. Alec tat es ihm gleich und kurz darauf begann der Kampf.

Plötzlich klopfte es an der Tür und Alec wurde aus seiner Erinnerung wieder ins Hier und Jetzt befördert. Er schüttelte kurz den Kopf, um sich vollständig davon zu lösen und drehte sich dann um, bevor er seine Stimme erhob.
“Herein.”
Eigentlich wollte er weiter alleine bleiben. Dieser kleine Ausflug in seine Vergangenheit hatte ihm geholfen, wieder etwas ruhiger zu werden, aber es reichte noch lange nicht, um wieder voll leistungsfähig zu sein, ohne irgendwen anzugehen, wenn es nicht so lief, wie er das gerne hätte. Dabei war er so eigentlich überhaupt nicht, aber er war mit den Nerven am Ende. Frustriert über sein eigenes Verhalten und über die gesamte Situation fuhr sich Alec mit einer Hand durch die Haare, während er darauf wartete, dass die Person vor seiner Tür eintrat. Als sich diese endlich öffnete und Magnus in sein Zimmer kam, fühlte er sich direkt noch ein wenig mieser. Er hatte ihn völlig grundlos vor den Kopf gestoßen, als er versuchte an Jace’ Jacke einen brauchbaren Hinweis zu finden und nichts entdeckt hatte. Dabei konnte Magnus nichts dafür, doch das hatte er in diesem Moment einfach nicht gesehen. Dieser Anfall von ihm hatte Isabelle auch dazu gebracht, ihn zu bitten, sich erst einmal zurückzuziehen - eine Entscheidung, die ihm gut getan hatte. Alec biss sich auf die Unterlippe als Magnus noch ein Stück näher kam und kurz vor ihm stehen blieb.
“Gibt es etwas Neues?”
Innerlich trat er sich für diese Frage in den Hintern, denn dies war definitiv nicht das Erste, das er hatte sagen wollen. Er wollte sich für sein Verhalten entschuldigen, doch nun musste er warten, wie der Hexenmeister reagierte.
Magnus sah ihm betrübt aber doch fest in die Augen und schüttelte leicht den Kopf.
“Nein, leider nicht. Ich brauchte nur eine kurze Pause und wollte währenddessen schauen, wie es dir geht.”
Ein Seufzen entwich Alec’s Lippen und er lehnte sich gegen den Stuhl, der hinter ihm stand.
“Es geht mir ein wenig besser, aber ehrlich gesagt habe ich langsam keine Ahnung mehr, wie wir Jace noch finden sollen. Es gibt bisher einfach keine Hinweise, wo Valentin ihn hingebracht hat.”
Beruhigend und Halt gebend legte ihm Magnus eine Hand auf die Schulter.
“Wir werden ihn finden. Du darfst nur nicht die Hoffnung und die Nerven verlieren.”

Alec senkte seinen Blick, denn die Schuldgefühle wurden bei Magnus’ Worten noch ein wenig stärker.
“Aber genau das habe ich getan. Ich habe die Nerven verloren und euch dafür verantwortlich gemacht. Es tut mir leid, wie ich mich verhalten habe…”
Mehr konnte er nicht sagen, denn Magnus legte ihm einen Zeigefinger auf die Lippen, um ihn am Weiterreden zu hindern. Natürlich hätte er trotzdem weiter sprechen können, aber die Geste zeigte ihre Wirkung und er schwieg.
“Alexander… Auch wenn es nicht richtig war, verstehe ich es. Die Situation ist nicht einfach für dich. Immerhin ist er dein Parabatai und ihr steht euch näher als irgendwem anders.”
Was er über diese ganze Parabatai-Sache dachte, behielt er für sich. Seit Jace verschwunden war und er sah, wie sehr Alec darunter litt, hatte er sich Gedanken darüber gemacht. Er war schon früher zu der Erkenntnis gekommen, dass das alles ziemlich grausam war und Alec’s Zustand verdeutlichte seine Meinung noch zusätzlich. Das wollte er ihm allerdings nicht sagen. Ihm ging es so schon schlecht genug. Magnus zerriss es beinahe das Herz, ihn so zu sehen, und er wusste, dass er alles in seiner Macht stehende tun würde, um Alec zu helfen, aber auch er wusste langsam nicht mehr, wie sie Jace noch aufspüren sollten.
“Es tut mir trotzdem leid…”
Alec griff mit beiden Händen hinter sich nach der Tischkante und krallte seine Finger ins Holz. Gleichzeitig presste er seine Kiefer aufeinander. Obwohl Magnus so verständnisvoll war, fühlte er sich mies und dieses Gefühl konnte er ihm auch nicht nehmen. Er war in einer Ausnahmesituation, aber er hatte dennoch unangemessen reagiert.
“Ich werde wieder zu den anderen gehen und ihnen helfen. Versuch einen klaren Kopf zu bekommen und wenn du dich so weit fühlst, kommst du nach.”
Mehr als ein Nicken brachte er nicht zustande. Magnus machte auf dem Absatz kehrt und verschwand wieder aus dem Raum.

Eine ganze Weile starrte Alec auf die Tür und dachte über Magnus’ Worte nach. Er wusste, dass er recht hatte. Die Situation war nicht einfach für ihn, denn die Person, die ihm am nächsten stand, war spurlos verschwunden. Dennoch war sein Verhalten daneben gewesen. Es war seine freie Entscheidung gewesen, Jace als seinen Parabatai zu wählen, und er hatte gewusst, auf was er sich einließ. Als Schattenjäger lernte man schon sehr früh, was es bedeutete, einen Parabatai zu haben - welche Vor- und Nachteile diese Verbindung hatte. Allerdings hätte er als Zwölfjähriger nie gedacht, wie schwer es sein würde, wenn man nicht wusste, wo der eigene Parabatai war, obwohl man sicher war, dass es ihm nicht gut ging. Am Tag zuvor war er gedanklich so weit gewesen, die Verbindung zu Jace zu nutzen, um ihn zu finden. Doch diesen Gedanken hatte er ganz schnell wieder verworfen. Diesen Fehler hatte er schon einmal getan und die Verbindung dadurch geschwächt. Nebenbei hatte er Jace unwissentlich in Gefahr gebracht und dieses Risiko wollte er nicht noch einmal eingehen. Er hatte ihn damals nicht gefragt, ob er sein Parabatai sein wollte, um ihn dann durch so eine Dummheit seinerseits zu verlieren. Während er völlig in Gedanken versunken war, driftete Alec erneut in eine Erinnerung ab.

In Gedanken versunken saß Alec in der Bibliothek des Instituts. Vor ihm lag das Graue Buch, doch er starrte die ganze Zeit nur Löcher in die Luft. Dabei sollte er eigentlich die Runen daraus üben, aber er konnte sich einfach nicht darauf konzentrieren. Es war inzwischen etwa ein halbes Jahr her, dass er seine erste Rune erhalten hatte, und vor ein paar Wochen war ihm ein Gedanke gekommen, der ihn nicht mehr los ließ. Er wusste nicht, ob er dieses Hirngespinst in die Tat umsetzen oder wieder verwerfen sollte. Bisher hatte er noch mit niemandem darüber geredet, doch es beschäftigte ihn so sehr, dass er kurz davor war, jemandem davon zu erzählen. Alec war so vertieft, dass er nicht mitbekam, wie jemand die Bibliothek betrat und zu ihm kam. Erst als der Stuhl neben ihm geräuschvoll über den Boden geschoben wurde, bemerkte er es.
“Du solltest ein wenig aufmerksamer sein.”
Er schaute zur Seite und blickte in das grinsende Gesicht von Isabelle. Er selbst war allerdings noch nicht wieder vollständig aus seinen Gedanken zurück und erwiderte es deswegen nicht.
“Ich glaube nicht, dass mich hier irgendwer angreift.”
Das Grinsen verschwand aus Isabelles Gesicht. Sie beugte sich ein Stück nach vorn, stützte die Ellbogen auf den Tisch und legte den Kopf auf ihre Hände. Die ganze Zeit schaute sie ihm dabei in die Augen und wirkte besorgt.
“Was ist los, Brüderchen? Du bist schon seit Tagen so nachdenklich.”
Ein wenig überrascht weiteten sich seine Augen etwas. Normalerweise war er derjenige, der für Stimmungslagen empfänglicher war als seine Schwester, doch scheinbar war sein Verhalten so auffällig, dass selbst sie es bemerkt hatte. Mit einem Seufzen lehnte er sich zurück und ließ den Kopf hängen. Wenn Isabelle es schon gemerkt hatte, war es wohl auch anderen bereits aufgefallen. Ob es seine Eltern auch schon mitbekommen hatten? Doch wenn dem so wäre, hätte seine Mutter schon lange wissen wollen, was los war. Vermutlich waren sie mit der Leitung des Instituts so beschäftigt, dass sie nichts bemerkten, und Alec war froh darüber. Er wollte noch nicht mit ihnen darüber reden. Nicht, so lange er nicht wusste, was er tun wollte.

Unsanft wurde er in die Seite gepiekst und aus seinen Gedanken geholt, in die er erneut versunken war.
“Nun sag schon. Du kannst es mir wirklich erzählen.”
Er hob eine Augenbraue und sah Isabelle skeptisch an.
“Und kurz darauf weiß es das ganze Institut.”
Seine Stimme klang vollkommen ernst und Isabelle verzog ihre Lippen zu einem Schmollmund.
“So schlimm bin ich nun auch nicht. Ich kann wichtige Dinge durchaus für mich behalten. Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst.”
Als er seine Schwester schmollen sah, schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen. Er wusste, dass sie wichtige Geheimnisse nicht mehr ausplauderte. Als kleines Kind hatte sie wirklich alles erzählt. Ganz egal, ob man ihr vorher sagte, dass sie es für sich behalten sollte. Doch inzwischen waren sie etwas älter und sie hatte sich gebessert. Dennoch ärgerte er sie zu gerne damit und rieb es ihr unter die Nase, wenn die Situation es zuließ.
“Okay, ich sage es dir.”
Augenblicklich erhellte sich Isabelles Miene und ein neugieriges Blitzen trat in ihre dunklen Augen. In diesem Moment hoffte Alec, dass sie wirklich niemandem etwas sagen würde, und löste seinen Blick von ihrem, um vor sich auf den Tisch zu starren, während er ihr erzählte, was ihn beschäftigte.
“Vor einiger Zeit kam mir ein Gedanke, der mir seitdem im Kopf herumspukt. Ich überlege, Jace zu fragen, ob er mein Parabatai werden will.”
Alec versuchte gar nicht lange um den heißen Brei herumzureden. Davon hielt er ohnehin nichts und Isabelle wusste, dass er immer direkt sagte, was er dachte. Dennoch hatte er ein mulmiges Gefühl im Magen, obwohl er sich gleichzeitig auch befreit fühlte, weil er es endlich ausgesprochen hatte. Gespannt schaute er zu seiner Schwester und wartete, wie sie darauf reagierte. Ihre Augen fingen an zu leuchten, als sie seine Worte vollkommen realisiert hatte.

“Ist das dein Ernst?”
Im ersten Moment wusste Alec nicht, ob sie das positiv oder negativ meinte, doch als er das breite Lächeln auf ihren Lippen sah, war er sich sicher, dass es gut gemeint war. Deswegen verzogen sich auch seine Mundwinkel zu einem Lächeln.
“Ja, ich meine es ernst. Ich weiß nur nicht, wie Jace darauf reagiert und ob er das will.”
Er senkte betrübt den Blick. Jace war für ihn und auch für Isabelle inzwischen wie ein Bruder und sie waren ein wirklich gutes Team. Er bewunderte ihn für sein Talent beim Kämpfen und für seine Schnelligkeit. Dennoch war er sich nicht sicher, ob der Blonde diese Verbindung mit ihm eingehen wollte. Isabelle legte ihm ermutigend eine Hand auf den Arm.
“Ich bin mir sicher, dass er sich darüber freuen wird. Ihr beide ergänzt euch sehr gut und du bist nicht nur sein Bruder sondern auch sein bester Freund.”
Alec hob den Blick wieder zu ihr und lächelte sie dankbar an. Vermutlich hatte sie recht. Es gab eigentlich keinen Grund, warum Jace seinen Vorschlag ablehnen sollte. Zumindest fiel ihm gerade keiner ein. Doch trotz Isabelles Worte war er sich noch etwas unsicher, ob er ihn wirklich fragen sollte. Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, wurde die Tür erneut aufgerissen und Jace stand plötzlich neben ihnen.
“Hier bist du ja, Izzy. Ich habe im ganzen Institut nach dir gesucht. Hodge will mit dir reden.”
Er war leicht außer Atem, so als hätte er das Gebäude im Eiltempo abgesucht. Isabelles Blick löste sich von ihm und wanderte zu Jace und auch er schaute zu dem Schattenjäger.
“Was will er denn?”
Jace zuckte nur mit den Schultern und schaute sie abwartend an. Mit einem genervten Seufzen erhob sich Isabelle, doch bevor sie den Raum verließ, grinste sie Alec verschmitzt an.
“Jetzt, wo Jace einmal da ist, kannst du ja mit ihm reden.”
Alec’s Augen weiteten sich erst überrascht, doch dann warf er seiner Schwester einen bösen Blick zu, die ihm daraufhin die Zunge rausstreckte und mit einem leisen Kichern die Tür hinter sich schloss.

Vorsichtig heftete Alec seinen Blick auf Jace, in dessen Gesicht die Verwirrung deutlich zu sehen war. Der Blonde wandte sich zu ihm und schaute ihn fragend an.
“Was meint sie? Worüber willst du mit mir reden?”
Alec biss sich auf die Unterlippe und verfluchte sich innerlich dafür, dass er es Isabelle erzählt hatte. Sie hatte es zwar für sich behalten, um was es ging, aber er wollte selbst entscheiden, ob und wann er Jace danach fragte. Doch diese Möglichkeit hatte sie ihm genommen und er ärgerte sich sowohl über sie als auch über sich selbst. Eilig überlegte er, wie er es Jace sagen konnte, der bereits ungeduldig eine Augenbraue gehoben hatte. Am Ende entschied er sich, es so wie immer zu tun: gerade heraus, ohne lange drumherum zu reden. Allerdings wollte er dabei nicht vor Jace sitzen, sondern mit ihm auf Augenhöhe sein, denn genau das war auch bei der Parabatai-Verbindung wichtig. Deswegen stand er auf, schaute Jace fest in die Augen und atmete noch einmal tief durch, während er all seinen Mut zusammensuchte.
“Ich wollte dich fragen, ob…”, begann er, stockte aber noch einmal. “Willst du mein Parabatai werden?”
Völlig überrumpelt weiteten sich Jace’ Augen und obwohl Alec das überhaupt nicht von ihm kannte, schienen ihm die Worte zu fehlen und er sah ihn einfach nur schweigend an. Mit jedem Moment, der verstrich, ohne dass Jace etwas sagte, fühlte er sich allerdings unwohler und die Angst stieg, dass er vielleicht einen Fehler begangen hatte. Er spürte, wie sein Herz vor Aufregung schnell und kräftig gegen seinen Brustkorb schlug. Es schien eine gefühlte Ewigkeit zu dauern, bis der Blonde endlich etwas sagte.
“Bist du dir sicher? Du weißt, was das bedeutet...”
Jace schien unsicher zu sein und Alec wusste, dass das eher selten vorkam. Normalerweise war er derjenige, der unsicher und vorsichtig war, wohingegen sein Bruder immer der Mutigste von ihnen war. Mit dieser Frage hatte er ihn aber scheinbar vollkommen überfahren. Doch jetzt, wo es ausgesprochen war und Jace nicht sofort abgeblockt hatte, war er sich sicher, dass er genau das wollte.
“Ich bin mir absolut sicher. Und ich weiß sehr wohl, was das bedeutet. Ich werde immer für dich da sein, ganz egal, was kommt, mit dir kämpfen und dir den Rücken stärken, wann auch immer es nötig ist. Genauso wie umgekehrt.”

Es gab allerdings auch noch einen anderen Grund, warum er Jace danach gefragt hatte. Es war nicht nur, weil sie sich so schon sehr nahe standen und sich blind aufeinander verlassen konnten. Er wollte Jace damit zeigen, dass er nie wieder alleine sein würde. Auch wenn er es nicht zeigte, bemerkte Alec sehr wohl, dass er immer wieder daran dachte, wie er nach dem Tod seines Vaters plötzlich ganz alleine da stand, bevor er hierher kam und seine Eltern ihn adoptiert hatten. Er wollte ihm die Gewissheit geben, dass es jemanden gab, der immer für ihn da war.
“Also wenn du dir wirklich sicher bist, dann bin ich es auch.”
Verwirrt zog Alec die Augenbrauen zusammen, bis Jace ihm seine rechte Hand entgegenstreckte und ihn angrinste. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlug er ein und obwohl der Blonde es nicht genau ausgesprochen hatte, war klar, dass es nun beschlossene Sache war. Kurz danach lösten sie ihre Hände voneinander und Jace kratzte sich am Nacken.
“Dir ist aber schon klar, dass wir noch bis nächstes Jahr warten müssen, oder?”
Diese eine Frage löste die ganze Anspannung in Alec’s Körper, die sich dort gebildet und festgesetzt hatte, und er strahlte Jace an.
“Natürlich weiß ich das.”
Daran hatte Alec bereits gedacht. Immerhin war sein Bruder zwei Jahre jünger als er und bekam erst in ein paar Monaten seine erste Rune. Bevor sie jedoch an die Zeremonie denken konnten, mussten sie es ihren Eltern sagen. Beide liebten Jace wie ihren eigenen Sohn, aber trotzdem wusste er nicht, wie sie auf diese Neuigkeit reagieren würden.
“Zuerst müssen wir es aber Mom und Dad sagen.”
Er hatte seine Gedanken gerade ausgesprochen, als Jace mit einem breiten Grinsen im Gesicht nach seiner Hand griff und ihn zur Tür zog.
“Das machen wir am besten sofort.”

Alec fuhr sich mit beiden Händen über das Gesicht und stieß sich vom Schreibtisch ab, um sich anschließend auf sein Bett zu setzen. Er ließ sich nach hinten fallen und starrte an die Decke. Damals hatte sich seine Mutter tatsächlich gefreut, als sie und sein Vater erfuhren, dass Jace und er sich entschieden hatten, Parabatai zu werden. Inzwischen sah das ganz anders aus. Als er daran dachte, was sie ihm vor ein paar Tagen gesagt hatte, presste er die Kiefer aufeinander. Maryse hatte ihm geraten, Jace zu vergessen, da er nicht sein richtiger Bruder war. Auch jetzt noch fragte er sich, wie sie so etwas sagen konnte. Sie wusste ganz genau, dass er weit mehr für ihn war, als nur ein Bruder. Er war sein Parabatai und sie hatten sich geschworen immer füreinander da zu sein und sich zu helfen und zu unterstützen. Und dazu gehörte auch, dass er nun alle Hebel in Bewegung setzte, um ihn zu finden und die Suche nicht aufgab. Er würde seinen Parabatai niemals aufgeben, denn er wusste, dass dieser dasselbe für ihn tun und ihn nie verraten würde. Sie hatten in letzter Zeit ihre Probleme und Differenzen gehabt - was ihre Verbindung ziemlich geschwächt hatte - aber das hatten sie beide verbockt und mit ein wenig Hilfe von Isabelle wieder hinbekommen. Diese hatte sie unter dem Vorwand, der eine wolle mit dem anderen reden, in einen Raum gelockt. Zuerst hatte es nicht so ausgesehen, als würden sie sich aussprechen, aber dann hatten sie sich doch einen Ruck gegeben. Es hatte ihnen beiden gefehlt mit dem jeweils anderen zu reden und genau das fehlte ihm auch jetzt. Er konnte mit Jace über so gut wie alles reden und er fragte sich, wie dieser wohl reagierte, wenn sie ihn fanden und er erfuhr, was Maryse inzwischen von ihm hielt. Alec konnte sich denken, dass es ihn sicherlich sehr treffen dürfte, denn für ihn war sie über die Jahre zu seiner Mutter geworden. Die ganze Zeit hatte sie ihm das Gefühl gegeben, dass sie ihm vertraute und vermutlich hatte sie das auch getan, denn sonst hätte sie nie zugestimmt, dass sie Parabatai wurden. Er wusste noch ganz genau, wie sehr sie sich am Tag ihrer Zeremonie gefreut hatte.

Ein wenig nervös saß Alec in der Haupthalle des Instituts und wartete darauf, dass die Zeremonie für den Parabataibund endlich losging. Er war froh, wenn es endlich vorbei war. Das ganze drumherum nervte ihn gewaltig. Seine Mutter war seit Tagen total aufgeregt - so kannte er sie gar nicht. Er verstand nicht, warum aus dieser Zeremonie so eine große Sache gemacht wurde. Er wusste durchaus, dass sie nicht oft stattfand, da die meisten Schattenjäger ohne einen Parabatai durchs Leben gingen. Nur die wenigstens fanden jemanden, dem sie so blind vertrauten und der sie so gut ergänzte, dass diese Verbindung in Frage kam. Dennoch störte es ihn ungemein. Außerdem stand er ungern so sehr im Mittelpunkt und dies war nun schon seit Tagen der Fall. Hinzu kam, dass er immer wieder gefragt wurde, ob er sich wirklich sicher war, dass er das auch wirklich wollte. Dabei bekam er das Gefühl, dass sie ihm in seinem Alter nicht zutrauten, so eine wichtige Entscheidung zu treffen. Und obwohl Alec jedes Mal versicherte, dass er durchaus wusste, was er tat, ließen sie ihn damit nicht in Ruhe. Ein Seufzen kam ihm über die Lippen. Aus diesen Gründen war er froh, wenn es bald los ging und er das hinter sich bringen konnte. Als er Jace gefragt hatte, ob dieser sein Parabatai werden wollte und er zugestimmt hatte, hatte er sich darauf gefreut. Doch diese Vorfreude war ihm von allen Erwachsenen im Institut kaputt gemacht worden.

Plötzlich tippte ihm jemand auf die Schulter und er fuhr erschrocken zusammen. Alec schaute sich um und erblickte Isabelle. Jemand anderen hatte er aber auch gar nicht erwartet. Seine Schwester erschreckte ihn gerne, wenn er gerade in Gedanken versunken war. Normalerweise hatte er damit auch kein Problem, aber da seine Laune so schon nicht die Beste war, hatte er dafür heute keine Nerven mehr.
“Mach das nie wieder, Izzy!”
Bei seinen harschen Worten wurde ihre Miene augenblicklich besorgt und sie setzte sich auf den Stuhl neben ihm.
“Welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?”
Erneut entwich Alec ein Seufzen und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
“Ich bin einfach nur froh, wenn dieser Tag vorbei ist. Mom läuft die ganze Zeit herum und begrüßt die wichtigen Schattenjäger, die extra hierher gekommen sind. Damit macht sie mich total nervös. Und du weißt ja, was in der letzten Zeit los war.”
Isabelle wusste über die ständigen Nachfragen, ob er sich sicher war, Bescheid. Immerhin hatte sie es mehrmals mitbekommen und die anderen Male hatte er es ihr erzählt. Doch sie konnte noch weniger dagegen machen, als er selbst. Aber er hoffte, dass diese Fragen ein Ende hatten, wenn die Zeremonie vorbei und Jace und er endlich Parabatai waren. Isabelle schlang ihre Arme um seinen Hals und legte ihren Kopf auf seine Schulter.
“Lass dich nicht so verrückt machen. Ich freue mich für dich und Jace. Nimm dir die ständigen Nachfragen nicht so zu Herzen, Brüderchen.”
Alec ließ kurz seinen Kopf gegen ihren sinken, bevor sie sich von ihm löste und aufmunternd anlächelte.
“Mom hat mich übrigens gebeten, dich zu holen. Die Zeremonie soll gleich anfangen und alle warten schon in der Kapelle auf dich. Jace ist auch schon da.”
Erleichtert darüber, dass der Moment nun endlich da war und er das Ganze hinter sich bringen konnte, atmete Alec tief durch und stand dann auf, um mit Isabelle zu der großen Halle zu laufen. Er fühlte sich ein wenig mies, weil er das alles so schnell wie möglich abschließen wollte. Dabei war er sich sicher, dass sich Jace genauso darauf freute, wie er noch vor einiger Zeit. Und nun fühlte sich diese Zeremonie eher wie eine Herausforderung an, die sie aber keinesfalls sein sollte.

Als er zusammen mit Isabelle vor der Kapelle ankam, stand Jace vor der Tür und wartete bereits auf sie. Er lächelte sie an und obwohl Alec’s Laune so schlecht war, erwiderte er es. Seine Schwester ließ sie alleine und betrat den Raum, während er mit Jace noch davor stehen blieb.
“Bist du bereit?”
In Jace’ Worten konnte Alec die Freude heraushören und sein schlechtes Gewissen meldete sich. Er freute sich durchaus darauf, aber diese Freude wurde von zu vielen negativen Gefühlen überdeckt, sodass er sie nicht wirklich zeigen konnte. Deswegen nickte er nur, damit sein Bruder seine Stimmung nicht anhand seiner Stimmlage mitbekam. Gemeinsam gingen sie in die Halle, in der bereits alle auf sie warteten. Die Anwesenden saßen in mehreren Reihen hintereinander und drehten sich augenblicklich zu ihnen um. Am anderen Ende des Gangs auf dem kleinen Podest stand bereits einer der Stillen Brüder. Das Ganze wirkte ähnlich wie bei einer Hochzeit, nur das es bei dieser Zeremonie keine besondere Dekoration und niemanden ähnlich den Trauzeugen gab. Aber genau wie bei einer Hochzeit gab es einen großen Adamantstein mit einer Rune darauf und außerdem folgten ihnen alle Blicke, als sie auf Bruder Jeremiah zu liefen. Ein paar Schritte vor ihm blieben sie stehen und Alec’s Nervosität steigerte sich, weil er ganz genau spürte, dass ihn alle ansahen und vermutlich jede kleine Reaktion genau beobachteten. Er fühlte sich unglaublich unwohl, versuchte sich dies aber nicht anmerken zu lassen, obwohl er das leise Gemurmel hinter sich hörte. Er versuchte es auszublenden und sich nur auf die Zeremonie zu konzentrieren. Alec atmete tief durch und kurz darauf gab der Stille Bruder allen Anwesenden zu verstehen, dass Ruhe im Saal herrschen sollte. Nachdem alle leisen Gespräche verstummt waren, ergriff er das Wort, welches er direkt in ihre Gedanken schickte.
“Es ist an der Zeit, dass Alec Lightwood und Jace Wayland ihr Blut tauschen, die Worte des Parabatai-Eids sprechen und sich anschließend gegenseitig die Vereinigungs-Rune auftragen, um diesen Bund zu besiegeln.”

Während der Worte des Stillen Bruders schaute Alec Jace die ganze Zeit fest in die Augen und sein Herz begann schneller zu schlagen. So lange hatte er darauf gewartet, dass dieser Moment endlich kam und die nervigen letzten Tage waren mit einem Mal vergessen. Ihm wurde in diesem Augenblick klar, dass es völlig egal war, ob die anderen unsicher waren, dass er das Richtige tat. Wichtig war nur, dass Jace und er sich sicher waren, dass sie dies hier wollten und es nicht später bereuten. Er sah wie der Blonde einen kleinen Dolch von Bruder Jeremiah entgegennahm und sich mit einer kurzen schnellen Bewegung einen Schnitt auf der Handfläche zufügte. Danach gab er die Waffe an ihn weiter und alle warteten darauf, dass er dasselbe tat. Fest entschlossen niemandem einen Grund zu geben, an ihm zu zweifeln, griff er nach dem Dolch und schnitt sich ebenfalls in die Hand. Er gab dem Stillen Bruder die Waffe zurück und schaute Jace dann wieder fest in die Augen, während er ihm seine Hand entgegenstreckte und dieser einschlug. Es begann leicht zu brennen, als die beiden zugefügten Wunden aufeinander trafen, doch Alec zuckte mit keiner Wimper. Stattdessen durchbrach er die Stille, die sich über die Kapelle gelegt hatte.

“Wo du hingehst, da gehe ich hin,
wo du stirbst, sterbe ich und
da will ich begraben sein:
Der Erzengel tue mir an, was er will -
Nur der Tod soll mich und dich scheiden!”

Alec war froh, dass ihn seine Stimme trotz seiner Nervosität nicht im Stich ließ und der Eid klar und deutlich über seine Lippen kam. Hätte er sich verhaspelt, wäre dies ein wenig peinlich geworden. Jace wiederholte den Eid und als er zu Ende gesprochen hatte, lösten sie ihre Hände wieder voneinander und Alec fischte in seiner Hosentasche nach seiner Stele und sein Gegenüber förderte seine eigene ebenfalls zu Tage. Er nickte ihm kurz zu und wandte sich dann zu dem Adamantstein. Mit der Spitze der Stele berührte er die Parabatai-Rune, die darauf zu sehen war und drehte sich dann wieder zu Jace, der inzwischen sein T-Shirt ein Stück angehoben hatte, sodass er ihm die Rune auf der linken Seite des Bauchs auftragen konnte. Alec trat einen Schritt näher und als die Stele Jace’ Haut berührte, biss er sich kurz auf die Unterlippe, da er genau sah, wie dieser leicht zusammenzuckte. Da er seine erste Rune noch nicht so lange hatte, konnte er sich an den brennenden Schmerz noch nicht so gewöhnen wie er selbst. Er beeilte sich die Rune fertigzustellen und als er die Stele wieder absetzte, hörte er das erleichterte Seufzen von Jace. Er wusste ganz genau, wie unangenehm das Brennen war, denn er erinnerte sich noch sehr gut daran. Deswegen lächelte er ihn aufmunternd an, bevor er die Stele wieder in seine Hosentasche steckte. Nun schob er sein T-Shirt ein wenig nach oben und Jace wiederholte das Ganze bei ihm.

Ziemlich grob wurde Alec aus dieser Erinnerung gerissen, als es erneut an der Tür klopfte. Diesmal machte sich die Person allerdings nicht die Mühe zu warten, bis er sie hereinbat, sondern riss kurz darauf einfach die Tür auf und trat ein. Er löste seinen Blick von der Decke, an die er die ganze Zeit gestarrt hatte, und schaute zur Seite. Als er sah, dass es sich um Isabelle handelte - wer sollte auch sonst einfach in sein Zimmer kommen - setzte er sich auf und fuhr sich erst durchs Gesicht, um auch noch die letzten Reste seiner Erinnerung zu vertreiben, und dann durch die Haare.
“Was willst du, Izzy?”
Sein Tonfall klang nicht so nett, wie er beabsichtigt hatte, was vermutlich daran lag, dass seine Schwester noch immer die Angewohnheit hatte, ihn unsanft aus seinen Gedanken zu holen, und er dafür gerade nicht in Stimmung war. Sie ließ sich davon allerdings wie immer nicht irritieren und kam auf ihn zu. Vor seinem Bett blieb sie stehen und anstatt ihm zu antworten, stellte sie ihm eine Gegenfrage.
“Geht es dir inzwischen etwas besser?”
Alec dachte über diese Frage genau nach, denn er konnte sich denken, dass seine Schwester nicht nur bei ihm war, um ihn danach zu fragen. Von seiner Antwort hing also vielleicht ab, was sie ihm zu sagen hatte. Für einen Moment ging er in sich und er musste feststellen, dass er wieder ruhig war. Zumindest ruhig genug, um nicht direkt jeden anzugehen, wenn es nicht so lief, wie er sich das vorstellte. Noch immer wurmte ihn seine Reaktion und es war ihm ein wenig unangenehm, dass ihn Isabelle wegschicken musste, damit er nicht noch mehr Leute verärgerte. Alle gegen sich aufzubringen, wäre bei der Suche nach Jace wenig hilfreich. Alec seufzte kurz, bevor er zu einer Antwort ansetzte.
“Es geht mir wieder gut. Du musst dir keine Sorgen machen, dass ich direkt wieder jemanden angehe.”
Isabelle lächelte ihn erleichtert an und auch auf seine Lippen stahl sich ein Lächeln.
“Super, denn ich habe gute Neuigkeiten für dich.”

Alec’s Augen weiteten sich überrascht und er stellte sich die Frage, wie gut die Neuigkeiten genau waren, die sie für ihn hatte. Doch er kam gar nicht dazu, sie danach zu fragen, denn sie grinste ihn breit an und die Worte platzten dann einfach heraus.
“Wir haben einen Hinweis, wo sich Jace aufhalten könnte.”
Er brauchte einen Augenblick, um das Gesagte vollständig zu realisieren. Doch als sein Gehirn die Information verarbeitet hatte, lachte er kurz bitter auf. Da hatten sie tagelang nach Spuren gesucht und jetzt, wo er sich für kurze Zeit zurückzog, um sich wieder beruhigen zu können, fanden sie etwas. Das war wirklich zu komisch. Doch er glaubte ihr. Isabelle hatte keinen Grund, ihn dabei anzulügen.
“Wieso hast du mir das denn nicht gleich gesagt?”
Er schwang die Beine aus dem Bett und stand auf. Seine Schwester zuckte mit den Schultern und sah ihn die ganze Zeit an.
“Ich wollte sicher gehen, dass es dir wieder gut genug geht, damit du Clary und mich begleiten kannst, wenn wir dem Hinweis nachgehen. Da das aber der Fall zu sein scheint, kannst du mitkommen.”
Alec konnte es ihr nicht einmal übel nehmen, dass sie es am Anfang für sich behalten hatte. In seinem Zustand, bevor er sich zurückgezogen hatte, wäre er kaum in der Lage gewesen, eine Mission mitzumachen. Doch da es ihm besser ging, könnten ihn keine zehn Pferde aufhalten, das Institut zu verlassen und die Information zu überprüfen. Immerhin konnte es gut sein, dass sie Jace nun endlich fanden. Er schnappte sich seine Stele und erneuerte alle Runen, von denen er der Meinung war, dass er sie brauchen könnte. Isabelle beobachtete ihn dabei und als er die Stele in seine Hosentasche wandern ließ, erwiderte er ihren Blick.
“Na dann mal los.”
Er wandte sich von ihr ab und gemeinsam verließen sie sein Zimmer, um sich auf eine neue Mission zu begeben, bei der sie hoffentlich seinen Parabatai wiederfanden.

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SasoNoAkasuna 08. Jan 2017

Hey, also … äh … ja xD

Ich weiß nicht, was ich schreiben soll xD
An sich finde ich es wie immer sehr gut geschrieben und man kann sich gut in Alec hineinversetzen, dass er sich erst einmal beruhigen musste…
Doch was mir manchmal fehlte, war die Tatsache, dass ich nicht wusste, wieso Jace mit Valentin mitgegangen war und was allgemein vorgefallen war… x_x
Aber ich denke, das kann man auch weglassen, wenn man vielleicht die Bücher, den Film oder die Serie kennt. Du hast dir diese Szene mit Sicherheit nicht einfach ausgedacht…
Davon abgesehen: Ich mag es, was du geschrieben hast. :)
Und ich hoffe für Alec, dass sie Jace finden und er seinen Parabatai bald wieder bei sich hat, damit er sich nicht mehr so große Sorgen um ihn machen muss.
Ich glaube, ich beende damit das Kommi und hoffe, dass du bald wieder etwas neues schreibst. :D

Liebe Grüße,
SasoNoAkasuna