Kein Liebeslied

14.09.17 13:31
Diese Blicke. Das Einzige, das Valerie in ihrem neuen Job aus der Ruhe bringen kann, sind diese Blicke. Was anfangs ganz harmlos zu beginnen scheint, entwickelt sich zu einem verwirrenden und emotionalen Durcheinander. Wenn er sie doch nur nicht immer wieder so ansehen würde!
Kraftklub Romanze P18 In Arbeit

Kapitel 1 - Weil ich mag wie du tanzt und du tanzt ganz allein.

„Du bist zu spät!“
Die Stimme meines Vaters dröhnt unüberhörbar quer durch den großen Flur des Studios. Das zu überhören ist also quasi unmöglich. Großartig. Nicht, dass mir meine Unpünktlichkeit ohnehin schon peinlich genug ist, nein, jetzt kann ich mich dank meines Vaters gleich noch tiefer in Grund und Boden schämen.
„Ich weiß“, zische ich zwischen zusammengebissenen Zähnen und versuche mir die aufkommende Unsicherheit nicht weiter anmerken zu lassen.
Natürlich ist es mehr als unpraktisch direkt am ersten Tag zu spät zu kommen, aber daran lässt sich nun leider auch nichts mehr ändern. Dabei habe ich mir die allergrößte Mühe gegeben dieses eine Mal pünktlich zu sein. Schon allein, damit ich mir die Vorträge meiner Eltern ersparen können würde, die nun unweigerlich folgen würden.
Den tadelnden Blick meines Vaters ignorierend, gehe ich erhobenen Hauptes an ihm vorbei und sehe aus den Augenwinkeln noch ein verzweifeltes Kopfschütteln seinerseits. Er hasst meine Unpünktlichkeit, ebenso sehr wie ich selbst. Und vermutlich auch der Rest meiner Mitmenschen. Allerdings habe ich bereits mehrfach versucht an dieser Schwäche zu arbeiten, wenn auch nur mit mäßigem Erfolg.
Inzwischen schaffe ich es wenigstens mein Zuspätkommen anzukündigen. Nur hätte mir das am heutigen Tage auch nicht weiter geholfen, immerhin würden die Proben sicherlich nicht verschoben werden, nur weil ich zu spät dran war.
„Sorry“, entschuldige ich mich kleinlaut und ernte böse Blicke von den Anderen. Super. Dieser Tag würde eine absolute Katastrophe werden, soviel stand fest.
„Können wir dann?“, fragt ein Mädchen aus meiner Gruppe bissig.
Ohne eine Antwort abzuwarten startet sie die Musik. Das ist das Zeichen für meinen Vater, der sich in schnellen Schritten von uns entfernt. Ich atme erleichtert aus. Seine neugierigen Blicke hätten mir den Rest gegeben und die Proben einfach unnötig erschwert.

Die ersten Stunden vergehen jedoch wie im Fluge. Das Training ist hart, allerdings anders als ich erwartet habe. Das Team ist sehr entspannt, ebenso wie die Stimmung untereinander. Das große Problem ist die Musik, zu der wir hier proben. Man sollte meinen dass ich wüsste worauf ich mich hier eingelassen habe, immerhin arbeitet mein Vater bereits seit ein paar Jahren mit dieser Band, doch so ist es leider nicht.
Wir unterhalten uns relativ selten über seine Arbeit und noch viel seltener über die Jungs, für die er hier arbeitet. Zwar weiß ich etwas mit dem Namen 'Kraftklub' anzufangen, doch habe ich eigentlich gar keine Ahnung was für Musik die so machen. Bis jetzt. Irgendwie habe ich mir unter dem Namen etwas anderes vorgestellt. Erst recht als mein Vater mir davon erzählte, dass sie Tänzerinnen suchten. Wer hätte schon geahnt dass er mich einer Rockband empfehlen würde. Ist es nicht insgeheim der größte Albtraum eines Vaters, dass die eigene Tochter an Musiker geraten würde, die sie versauen könnten?

Ich war relativ schnell in diese Sache hineingerutscht. Anfangs zögerte ich, einfach weil ich nicht sicher war ob ich das wirklich machen wollte. Mir war die Gefahr einfach zu hoch dass man mir nachsagen würde ich wäre lediglich durch Vitamin B hier gelandet. Zwar entspricht das irgendwie der Tatsache, doch hat das nicht das Geringste mit meinem Können zu tun.
Das Tanzen lag mir einfach schon immer im Blut. Seit meinem sechsten Lebensjahr besuche ich diverse Tanzschulen. Bis heute. Meine Leidenschaft zur Musik und speziell zum Tanzen wurde von Jahr zu Jahr größer, sodass ich irgendwann ganz genau wusste dass ich eines Tages professionell tanzen wollen würde. Und hoffentlich würde das hier mein Sprungbrett zu etwas Dauerhaftem sein, denn leider würde dieser Job auf eine bestimmte Zeit begrenzt sein. Wenn die Festivalzeit erst einmal zu ende ist, würde auch mein Arbeitsverhältnis beendet sein.

Die Proben enden wesentlich besser als sie begonnen haben. Wir sind zufrieden mit unserer Leistung und haben unsere Tanzstile etwas besser kennen lernen können. Außerdem haben wir bereits erste Eindrücke zur geplanten Show erhalten. Morgen würden wir dann das erste Mal auf die Musiker selbst treffen, mit denen wir uns ein wenig austauschen können.
Ich muss zugeben, dass ich mich gerade darauf sehr freue. Jetzt wo ich die Musik ein bisschen kennen gelernt habe, interessiert es mich umso mehr wer eigentlich hinter diesen Texten steckte. Vermutlich werde ich mich zuhause ein wenig schlau lesen, damit ich morgen nicht allzu unvorbereitet auftauche. Pünktlich bin ich morgen auf jeden Fall.

„Bis morgen“, verabschiedet sich das letzte Mädchen, während ich noch immer damit beschäftigt bin meinen Kram zusammenzusammeln. Ich bin erst in einer knappen halben Stunde mit meinem Vater verabredet, da wir im Anschluss gemeinsam etwas essen gehen wollen. Immerhin haben wir uns eine ganze Weile nicht mehr gesehen.
Mit meinen sechsundzwanzig Jahren wohne ich schon seit längerem nicht mehr im Haus meiner Eltern. Ich bin vor knapp vier Jahren nach Bremen gezogen, um dort eine wirklich großartige Tanzschule zu besuchen. Ein Studium kam für mich nie in Frage, stattdessen stürzte ich mich direkt nach der Schule in das Arbeitsgeschehen und tat in meiner Freizeit alles dafür noch besser zu werden und vielleicht endlich einen ernsthaften Job als Tänzerin an Land zu ziehen. Denn bis vor kurzem habe ich in einem kleinen Theater im Background getanzt. Das war zwar ganz nett, doch längst nicht das, was ich mir vom Leben erhofft hatte.

Gedankenversunken schlendere ich auf die Musikanlage zu, schalte sie ein und drücke auf play. Natürlich dröhnt mir ein Song von Kraftklub entgegen. 'Am Ende', wie mir das Display verrät. Der hatte mir vorhin schon gut gefallen, so dass ich gar nicht erst nach einer Alternative suche.
Ich beschließe, einfach noch ein wenig weiter zu proben, während ich auf meinen Vater warte. Also werfe ich meine Sporttasche, die ich mir bereits über die Schultern gelegt habe, wieder beiseite und starte die vorhin geprobte Choreographie. Allerdings dauert es nicht lang bis mein Körper sich verselbstständigt und etwas völlig anderes tanzt, als vorhin in der Gruppe. Ich lasse mich von dieser Welle tragen und bewege mich einfach so, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Einfach um ein noch besseres Gefühl für diesen Song zu bekommen.

So bekomme ich auch eine Weile gar nicht mit, dass ich beobachtet werde. Erst als der Song das dritte Mal endet und aus Richtung der Tür ein begeistertes Klatschen zu hören ist, drehe ich mich verwundert um. Im Türrahmen steht eine große, schlanke Gestalt. Ein junger Mann ungefähr in meinem Alter mit blondem Haar, das im Nacken deutlich kürzer wird. Ich bewege mich auf die Anlage zu, um sie wieder auszuschalten.
Verwundert sehe ich ihn an, muss über diese anerkennende Geste jedoch ein wenig schmunzeln. Aber wer ist der Typ und was will er hier? Weiß er nicht, dass dieser Bereich ausschließlich für die Tänzerinnen ist?
Mein Blick fängt seine schlanke Figur ein, die zwar darauf schließen lassen könnte dass auch er Tänzer ist, doch sagt mir mein Gefühl dass dem nicht so ist. Allerdings weiß ich ihn auch sonst nicht einzuordnen, weshalb ich beschließe einfach dankend zu nicken.
„Sind die Proben nicht schon längst vorbei?“
Ich zucke nichtssagend mit den Schultern. „Ja, aber ich warte noch auf Jemanden.“
Er nickt schweigend, macht jedoch keinerlei Anstalten wieder zu verschwinden. Was will der jetzt hier? Er glaubt doch wohl nicht, dass er mir weiterhin beim tanzen zuschauen kann. Oder?
„Tu einfach so als wäre ich gar nicht da“, murmelt er und wechselt von einem Bein aufs andere. Scheinbar hat er wirklich keinerlei Interesse daran wieder zu verschwinden.
Trotzig verschränke ich die Arme vor der Brust, nur um deutlich zu machen dass ich mich definitiv nicht weiter rühren werde solange er dort steht. Auch wenn mich Zuschauer bisher noch nie gestört haben, nervt dieser Typ mich in diesem Moment doch schon sehr. Einfach weil er sich ohne ein Wort angeschlichen und dann noch nicht mal bemerkbar gemacht hat. Das war in meinen Augen schon etwas dreist.
Er legt die Stirn in Falten und sieht mich abwartend an. Sein Blick gleitet meinen Körper hinauf und fängt den meinen schließlich ein. Einen Moment sehe ich ihn einfach nur an.
Dann räuspere ich mich verlegen und lasse die Arme wieder sinken. Ich versuche mir nicht anmerken zu lassen, dass seine Anwesenheit mich irgendwie aus dem Konzept zu bringen scheint.
„Genau genommen darfst du dich hier nicht aufhalten. Dieser Bereich ist eigentlich nur für die Tänzer“, informiere ich ihn und wende den Blick wieder meinem Spiegelbild zu.
Die große Spiegelwand reflektiert den ganzen Raum - so wie das in Tanzsälen meistens der Fall war – und somit auch das Spiegelbild des Fremden. Ich muss mich regelrecht davon abhalten ihn durch die Spiegel nicht weiterhin anzusehen. Wann verschwindet der endlich?
„Ich glaube das ist schon okay.“ Er grinst frech und zwinkert mir spielerisch zu. Der muss ja wahnsinnig überzeugt von sich selbst sein. Was bildet der sich eigentlich ein?
„Aber wenn meine Anwesenheit dich so aus der Ruhe bringt, sollte ich vielleicht doch besser gehen.“ Das Grinsen in seinem Gesicht wird nur noch breiter als er sich von mir abwendet und zum gehen ansetzt.
„Vielleicht solltest du dich besser daran gewöhnen. Bis morgen!“, höre ich ihn noch sagen. In dem Moment dämmert es mir. Der Kerl muss Teil der Band sein, die wir morgen treffen sollen.

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21. Sep 2017

Omg bitte wann kommt der nächste Teil

coffeetosleep 29. Aug 2017

So, erstes Kapitel durch.
Fazit:
Meine Liebe zu Felix - oder besser gesagt, der mysteröse Unbekannte, haha - ist nun größer denn je! :D
Ich kann ihn mir richtig vorstellen, wie er da steht und sie beim Tanzen beobachtet.
Und als sie Felix als Tänzer vermutet hat, musste ich so lachen hahahaha Wenn die nur wüsste! :D
Mache mich mal an die näächsten Kapitel, bin jetzt auf jeden Fall sehr neugierig!

irgendeinenummer 01. Sep 2017
Hehe, ja die Arme. Das kommt davon, wenn man völlig unvorbereitet eine neue Arbeitsstelle antritt. xD Aber die gute Valerie wird noch öfter ins Fettnäpfchen laufen. Da wird's noch ein paar lustige Momente geben, denke ich. ^^ Vielen Dank für dein Kommi, ich freu' mich immer sehr! <3
coffeetosleep 27. Aug 2017

Ok, ich habe noch nicht angefangen, zu lesen, aber ich habe gleich auf abbonnieren geklickt!
Ich hätte nie eine Fanfic über Kraftklub erwartet und bin auch nie auf die Idee gekommen, danach zu suchen. ABER jetzt, wo ich weiß, dass diese existiert, ist mir klar geworden, dass das genau das ist, was ich gebraucht habe!

Ich mache mich bald ans Lesen und melde mich sicher nochmal, haha. Oh man, kann es kaum erwarten!

Liebe Grüße :)

irgendeinenummer 29. Aug 2017
Haha! :D Mir ist auch erst vor Kurzem klar geworden, dass die Welt sowas noch gebrauchen könnte. Gibt ja leider nicht sehr viele FF's zu den Jungs. ^^ Daher wünsch' ich dir mal viel Spaß beim Lesen. Ich hoffe, die Story sagt dir zu und du hast ein wenig Freude daran. Ich würde mich freuen, wieder von dir zu lesen. Liebe Grüße zurück! (: