Pastways - Far North (2)

27.10.18 17:19
Dies ist der zweite Teil der Pastways Reihe. Nachdem Penelope in Rom Schmerz und Leid erfahren hat, legt sie sich schlafen und wird wieder erweckt. Sie erkundet die Welt und sieht die Jahrhunderte an sich vorbeiziehen. 793 n. Chr. befindet sie sich in England und bereist das Land. Im Kloster Lindisfarne findet sie und ihr Begleiter Jaron ein Dac..
The Vampire Diaries Vikings Fantasy P18 Romanze Beendet
Bemerkung des Authors: [b]Author's Note[/b]: Dieser Text ist Teil einer vierteiligen Reihe, deren letzter Teil in Mystic Falls spielen wird. Es werden historische Ereignisse angeschnitten, dennoch gebe ich keine Garantie auf datengenaue Wiedergabe. Ich hoffe meine kleine Reise durch die Zeit gefällt euch und vielleicht lasst ihr mir ein paar Gedanken dazu da. Dies ist der zweite Teil von Pastways und um ihm genauer folgen zu können, solltet ihr schon den ersten gelesen haben. Viel Spaß damit! [b]Trailer[/b]:https://vimeo.com/70359957 oder https://www.youtube.com/watch?v=SW7i8sUEN-o ________________________________________________________________________ Music: Linkin Park – Roads Untraveled [i]Die wirkliche Entdeckungsreise strebt nicht nach neuem Land, sondern danach, Dinge mit neuen Augen zu sehen.[/i] Skandinavisches Sprichwort

14. Ferth - Journey

An dieser Stelle muss ich zugebenermaßen einen großen Sprung machen. Alessa ließ mich gewiss nicht fast tausend Jahre in einer Höhle in der syrischen Wüste zu Staub zerfallen. Mein Schlaf währte etwa hundert Jahre und als Alessa mich mit dem Blut von mehreren armen Sklaven wiedererweckte, hatte sie Recht behalten. Ich war zwar immer noch ich selbst und hatte keine Sekunde meines Lebens vergessen, aber die Jahre, die an mir vorbei gezogen waren, hatten mich wirklich befreit. Die alles erdrückende Ohnmacht hatte sich gelegt, noch spürte ich die Narben, welche Marcus‘ Tod bei mir hinterlassen hatten, die Zeit schien wirklich heilend.
Alessa blieb lange bei mir, wir durchstreiften jeden Winkel der alten Welt, gemeinsam erkundeten wir fernere Länder, als unsere Vorstellung zuließ. Je mehr die Welt sich vor unseren Augen aus den Schatten aufdeckte, desto begieriger waren wir mehr zu erfahren. Unbeschreiblich waren die Gefühle, welche mich in dieser Zeit durchströmten. Eine unstillbare Neugier nach dem Unbekannten, nach Wissen und neuen Fähigkeiten. Diese Zeit, welche wir miteinander verbrachten, nenne ich gerne insgeheim Entdeckerzeit, natürlich war es längst nicht jene Entdeckerzeit, die heute in den Geschichtsbüchern steht. Vasco da Gama und Kolumbus sollten erst etwa tausend Jahre später ihre Sternstunden feiern.
Alessa und ich mussten erkennen, dass sich einige aus unseren Reihen so rapide vermehrten, dass eine Epidemie vor allem im Nordosten der bekannten Welt ausbrach. Vampire waren beinahe außer Kontrolle, fielen in Scharen über Dörfer her. In jenem Jahrhundert lernten wir unser eigen zu töten, die neuen Vampire waren längst nicht so stark wie wir, hatten nur einen Bruchteil von unseren Fähigkeiten und ähnelten daher eher einem Ungeziefer, welches man von seinem Getreide fernhalten wollte. Wir bemerkten, dass wir auch über jene Vampire die Kontrolle hatten, die nicht unser eigen waren. Kontrolle über jedes Wesen ist wohl bis heute unsere größte Macht. Was nützte einem Geld und Schönheit, wenn man einfach jedem glauben machen konnte, dass man beides davon besaß, auch wenn dem nicht so war? Illusion ist bis heute doch auch unter den Menschen noch die stärkste aller Waffen, nur dass sie von ihnen als Psychologie abgestempelt wird. Wenn sie doch wüssten, dass sie schon längst Opfer sind…

793 nach Christus, den ich wohlbemerkt niemals zu Gesicht bekommen hatte, war das römische Reich zerbrochen. Lange hatte es Bestand gehabt und war doch wie alle großen Reiche dieser Welt, nicht von Dauer gewesen. Das Christentum hatte sich in Europa eingenistet, seinen Weg selbst in die heidnischen Dörfer Germaniens gefunden und so wurden wir von Dämonen der Unterwelt, zu Kreaturen der Hölle. Des Öfteren hatte mir eine nächtliche Mahlzeit schon ein Kreuz entgegengestreckt, lateinische Gebete gemurmelt, die nicht einmal er selbst verstand und mich in die Hölle gewünscht. Die alten Götter waren tot, Zeus, Jupiter, sie alle waren nicht unsterblich oder allmächtig gewesen. Die religiöse Kontroverse, die letztendlich zum Brand der größten und wundervollsten Bibliothek, die jemals errichtet wurde, geführt hatte, war für diesen Gedächtnisschwund verantwortlich. Keine Statue des Göttervaters stand nun mehr auf seinem Sockel in den Tempeln. Große Kreuze, aus dem Gold gefertigt, welches die frommen Christen der Kirche zukommen ließen, schmückten nun Kirchen, die wie Unkraut aus dem Boden zu wachsen schienen. Ich bin nie ein großer Freund von Religion gewesen, damals hatten Zeus und Jupiter in meinen Augen noch einen Sinn ergeben, wegen ihnen wurde nicht diskutiert, oftmals akzeptierte man in Rom sogar die rauen Götter der Germanen oder anderer Völker. Die neuen Religionen jedoch verursachten Unruhe, Blut floss und es würde noch viel mehr fließen.
Von diesen Unruhen vor allem im südlichen Teil des heutigen Europas in den Norden getrieben, streifte ich gemeinsam mit meinem treuen Zögling Jaron durch die Königreiche des Landes, welches uns nun als England ein Begriff ist. Alessa und ich hatten uns vor gut einem Jahrhundert getrennt, sie hatte ein großes Interesse am Morgenland, wollte dorthin reisen, wo die Sonne aufging. Jaron hatte ich, kurz bevor Alessa abgereist war, erschaffen. Er war der zweite Vampir, den ich weckte. Den ersten hatte ich töten müssen, nachdem er beinahe ein ganzes Dorf ausgelöscht hatte. Auch Jaron war schwer zu bändigen gewesen, immerhin war er gotischer Abstammung, hatte den Krieg quasi im Blut und sein Durst nach Gemetzel war unerträglich gewesen, bis ich ihn zu einem friedlichen Beschützer bezaubert hatte. Mir widerstrebte es diese Mittel einzusetzen, doch einen weiteren meiner Zöglinge hatte ich nicht umbringen wollen und Jaron erwies sich nun als friedvoller stiller Begleiter, auf den ich mich in jeder Situation verlassen konnte. Bevor ich ihn verwandelte, war Jaron ein Söldner gewesen, ein käuflicher Soldat, der vor allem für Fürsten und Grafen die lästige Drecksarbeit erledigte. So war es damals seine Aufgabe gewesen, die freche Dame vom Hof zu meucheln. Zu Jarons Glück hatte ich in ihm irgendetwas erkannt. Womöglich den Umstand, dass er nirgendwo dazugehörte und auf einer ewigen Suche war, nur nicht wusste wonach. Ich hegte keinerlei romantische Gefühle für ihn, eher hatte er in mir eine geschwisterliche Zuneigung hervorgerufen. Zusätzlich hatte er in mir die Inspiration geweckt, mich im Umgang mit Waffen zu üben. So konnte er mir allerlei beibringen, wenn es mir auch widerstrebte ein Schwert gegen einen Menschen zu richten, fand ich die ästhetischen Bewegungen ansprechend. Sie wirkten beinahe wie ein Tanz, ein Tanz des Todes, der mich faszinierte.

So führte uns die Flucht vor religiösen Auseinandersetzungen nach York. Einer Stadt an der südlichen Grenze von Northumbria, einem der sieben Königreiche in England, welches am nördlichsten liegt. Bei unserer Ankunft innerhalb der Stadtmauern, wurde mir wiederholt bewusst, dass sich die Zustände verschlechterten. Rom oder Damaskus waren Städte gewesen, die so weit entwickelt gewesen waren, dass sie zu meiner Zeit dort ein Kanalsystem eingeführt hatten. All dies wurde längst wieder zerstört, der Fortschritt wurde als Teufelswerk deklariert und die Zeiten wurden dunkler. In York schlug mir ein Gestank in die Nase, dass ich beinahe kehrt machte, um im Galopp wieder hinauszureiten, doch das wissende Grinsen in Jarons Gesicht hielt mich davon ab. Unser Weg zum Marktplatz führte uns durch enge verschlungene Gassen, vorbei an Strohbedeckten Lehmhäusern. Der Boden war nicht befestigt, sondern schlammig und nur passierbar, wenn man auf Holzplanken entlang balancierte. Hoch zu Pferd hatte man hier keine Möglichkeit, so stiegen wir aus dem Sattel und kämpften uns durch den morastigen Boden weiter durch die Gassen Yorks. Händler kamen uns entgegen, schmutzige Gesichter sahen uns an und ich roch weder vertraute Düfte, noch angenehme. Die enge Gasse weitete sich und führte uns auf einen halbwegs befestigten Platz, zwar waren die Pflastersteine lose und rutschig, doch kamen wir voran. Ein Dunst zog über uns hinweg, die Buden, welche links und rechts unseren Weg säumten, zeigten allerlei Lebensmittel. Fisch, Fleisch, madiges Brot und runzlige Äpfel. Mir schwante, dass hier ein Leben im Luxus kaum möglich sein würde und so richtete ich mich innerlich darauf ein, halb verdorbenes Hammelfleisch und verschrumpelte Rüben zu mir zu nehmen.
„Woher kommt ihr, Reisende? Ihr seht aus, als hättet ihr einige Stunden Ritt hinter euch. Kommt seht euch meine Waren an!“, verlangte ein Händler von uns und bot uns eine Theke mit Wein und malzigem Bier dar. Jaron schnupperte an einer Weinampulle und rümpfte die Nase.
„Da ist ja mehr Wasser als Wein drin.“, brummte er und verdrehte leicht genervt die Augen, als der Händler beteuerte, den besten Wein in ganz Northumbria zu verkaufen.
„Wenn das der beste Wein sein soll, dann sollten wir Northumbria schleunigst verlassen.“, antwortete er darauf und bedeutete mir weiterzugehen. Ich schmunzelte darüber, dass auch Jaron keinen Gefallen an York fand. Wir beide vereinbarten beinahe ohne Worte am nächsten Tag weiter zu reiten.
Nach einer nächtlichen Stärkung im örtlichen Hurenhaus, kamen wir zurück in unsere Gaststätte. Ich hatte Jaron beigebracht nur so viel zu trinken, dass der Mensch danach ohne Beschwerden weiterleben konnte. Natürlich musste man so mindestens zwei Menschen „anzapfen“, dennoch war jede Seite zufrieden. In diesen Zeiten der religiösen Reformation, wäre es ohnehin unklug zu viel Aufsehen mit gebissenen Leichen zu erregen.
Ich lag auf einem halbwegs trockenen Strohbett und zog die Decke bis ans Kinn, auch Vampire können frieren und genau das tat ich in diesem Moment. Jarons dunkle Augen sahen mich an, er saß auf seinem Bett und legte gerade sein Lederwams ab.
„Was ist?“, fragte ich neugierig, weil er wirkte, als müsste er etwas loswerden.
„Du hast mir gesagt, dass du sehr alt bist.“, versuchte er mir seine Gedanken wie immer geordnet darzulegen. Ich nickte nur leicht, als Bestätigung. Bei solchen Unterhaltungen fiel mir auf, dass wir nicht viel miteinander redeten, zumindest nicht über die Vergangenheit.
„Aber du hast mir nie gesagt, was dich antreibt. Was versuchst du zu finden?“
„Wie kommst du darauf, dass ich etwas suche?“, entgegnete ich lächelnd und legte den Kopf etwas schief.
„Ich folge dir, seit mehr als hundert Jahren, Penelope. Wir waren an den entlegensten Orten, den belebtesten Städten und nun sind wir hier…“, führte er auf und lehnte sich an die Wand. Mit einem Finger zwirbelte er an seinen langen braunen Haaren herum. Meist trug er sie offen mit einigen geflochtenen Strähnen, die ich ihm manchmal, wenn mir langweilig war, in die Haare flocht.
„Wenn du so alt bist wie ich, dann suchst du nur das Unbekannte, etwas, was du noch nicht kennst.“, erklärte ich.
„Also suchst du die Suche.“, fand er einen Weg, es in Worte zu fassen.
„Ja, bis ich etwas finde, was mich mehr interessiert.“
„Hast du es schon mal gefunden?“
Ich musste an Marcus denken, unsere Zeit, die im Vergleich zu den Jahrhunderten zwischen hier und Rom, wie ein Wimpernschlag wirkte. Kaum eine Sekunde in meinem langen Leben, doch diese Sekunde bedeutete mir mehr als ganze Jahrhunderte.
„Ja, kurze Zeit.“, erwiderte ich mit einem Schatten über den Augen, den Jaron zwar schon einmal gesehen hatte, aber kaum kannte. Er fragte mich nicht weiter und ich war mir nicht sicher, ob ich ihm auch weiter geantwortet hätte. Was Jaron suchte, wusste ich. Er wollte genau dies, die Freiheit dorthin zu gehen, wohin er wollte. Ich hätte ihn nicht aufgehalten, wäre er durch die Tür spaziert, genauso wenig wie er mich aufgehalten hätte.

Am nächsten Tag ließen wir York hinter uns. Nach einem langen Gespräch mit dem Wirt des Gasthofes hatte ich ein neues Ziel im Auge. Ich wollte zu einem Ort, an dem es so wenig wie möglich gab. Einem rauen Ort, der dennoch gemütlich war, so zumindest hatte der Wirt es geschildert und mich neugierig gemacht. Auch wenn es bedeutete, direkt in die Fänge des Christentums zu reisen. Jaron hatte bei meiner Idee nur mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Solange die mich nicht in eine Kutte stecken.“
Lindisfarne. Dies war unser Ziel, ein Kloster, welches auf einer kleinen Insel an der östlichen Küste gelegen war. Dort sollte es nicht viel mehr geben außer dem Kloster, ein paar Fischern und Schafen. Heute kommt es mir seltsam vor, dass ich genau zu jener Zeit dorthin wollte. Als hätte ich geahnt, was geschehen würde. Womöglich war es wieder Intuition oder eben Schicksal. Von York ritten wir fast zwei Tage. In diesen zwei Tagen regnete es fast andauernd, der sonst so schweigsame Reiter neben mir fluchte fast ununterbrochen, was mich wiederum so erheiterte, dass ich den Regen lieb gewann. Die Landschaft, durch die unser Weg uns führte, war grün, dicht bewaldet mit Kiefernwäldern und großen alten Eichen, die den Pfad säumten. Nebelschwaden zogen früh am Morgen über das hügelige Land und machten es für uns schwer den richtigen Weg zu finden.
„Ich hoffe für dich, dass jenes Kloster es wert ist.“, rief Jaron hinter mir und wischte sich die Tropfen von der Stirn. Seine langen Haare waren klatschnass, sowie seine Gewänder. Leder hielt den Regen zwar vorwiegend fern, aber gegen diese Flut hatte es keine Chance. Auch ich war bis auf die Haut nass und durchgefroren.
„Sie werden ein Kaminfeuer haben und wie ich Mönche kenne, sicherlich ein ordentliches Bier.“, rief ich über meine Schulter und lachte, als Jaron nur zustimmend brummte.
„Mir ist immer noch schleierhaft, wieso du gerade in ein Wespennest stechen willst.“, er meinte damit, dass ich drohte in die Höhle des Löwen zu laufen. Zwei Vampire in einem Kloster, das hörte sich noch nach heutigen Maßstäben äußerst unklug an.
„Wo ist dein Sinn für Abenteuer?“
„Zwischen Abenteuer und Selbstmord gibt es für mich einen Unterschied.“
„Glaubst du wirklich ein paar Mönche machen mir Angst? Ich bin neugierig, wie sie leben, was sie den lieben langen Tag anstellen.“, gab ich ihm eine konkrete Antwort, die er mit einem langsamen Nicken hinnahm.

Das Kloster Lindisfarne lag auf einer kleinen felsigen Insel, namens Holy Island, direkt an der Küste. Ein guter Schwimmer hätte sie ohne Mühe erreicht. Um uns herum erstreckte sich ein steiniger Strand, das raue von Wind und Wetter aufgewühlte Meer war grau und wirkte nicht gerade einladend.
„Wie willst du da nun hinüber kommen?“, fragte Jaron belustigt und stützte sich auf einen langen Ast, der wohl als Treibholz angespült worden war. Wir hatten unser Gepäck bereits von den Rücken der Pferde losgebunden und die Tiere in die Freiheit entlassen. Sie wussten, dass wir sie irgendwann rufen würden. Ich schulterte meine Bündel und sah mich weiter um.
„Vielleicht gibt es eine Anlegestelle, immerhin müssen auch die Mönche dorthin kommen.“, schlug ich vor den Steinstrand weiter abzugehen. Erleichtert seufzte Jaron gegen den scharfen Wind an.
„Ich dachte schon, du wolltest schwimmen.“
„Würde es etwas ausmachen, wir sind sowieso schon bis auf die Haut durchnässt?“, konterte ich lachend, strich mir über meine triefenden Haare und blickte in den grauen Himmel, der keinerlei Wetterwechsel versprach.

Wir hatten eine alte Fischerhütte, ein paar hundert Meter weiter, entdeckt. Zwar hatte der alte Mann sich geweigert uns bei dem Wetter überzusetzen, dafür aber hatte er sich bereit erklärt für eine gewisse Entlohnung sein Boot an zwei wildfremde Reisende zu verkaufen. Es war kein edler Kahn, eher ein größeres Ruderboot, doch erfüllte es seinen Zweck. Die Wellen brachten uns oft in gefährliche Schieflagen, dennoch konnten wir mit unserem vampirischen Geschick sofort Herr der Lage werden und waren schnell durch das Wasser gerudert.
„Du schuldest mir etwas!“, rief Jaron durch den peitschenden Regen, während ich ruderte. Ich war immer noch stärker als der Gote und dementsprechend schneller.
„Ich dir?“, erwiderte ich verwundert.
„Du schleppst mich ans Ende der Welt, in ein Kloster.“, regte er sich immer noch über unser Ziel auf.
„Wir sind nicht am Ende der Welt und wenn wir erst einmal da sind, reden wir über meine Schulden bei dir.“, Jaron beschwerte sich nicht das erste Mal über unser Reiseziel. Komischerweise verstummte er meistens, wenn wir am Ziel angekommen waren. Wohl, weil er es doch interessanter fand, als vorher angenommen. Aber das würde er niemals zugeben.
Es knirschte leise, als der Rumpf des Bootes auf Grund stieß. Ich legte die Ruder auf den Boden, sprang zusammen mit Jaron aus dem Kahn ins etwa knietiefe Wasser und zog das Boot mit ihm zusammen an Land. Dort schnürten wir es an einem Baum fest. Schließlich wussten wir nicht, wie tückisch die Flut auf die Insel floss.
Mit Sack und Pack auf dem Rücken mussten wir etwa eine Stunde einen umschlungenen Pfad, welcher stetig bergauf führte, zum Kloster wandern. Mir gefiel es hier. Auch wenn die Insel von weitem eher klein gewirkt hatte, gab es hier Platz für allerlei verschiedene Landschaften. Kleine Wälder aus robusten Pinien und Kiefern, grüne Weiden, auf denen ein paar Schafe grasten und felsige kaum bewachsene Stellen. Ein paar Möwen flogen kreischend über uns hinweg, als wir endlich das Tor des Klosters erreichten. Ich überließ es Jaron den schweren Türklopfer zu betätigen. Er musste ihn fünf Mal auf das feste Holz knallen lassen, bis sich hinter den Mauern etwas rührte. Ein Schieber wurde zur Seite geschoben und ein Paar brauner Augen begrüßte uns. Sie gehörten scheinbar einem älteren Mönch, denn seine Augenbrauen waren schon ergraut.
„Was ist Euer Begehr?“, fragte er eher abweisend, Jaron blickte in meine Richtung, was meistens ein Zeichen dafür war, dass ich übernehmen sollte.
„Wir sind Reisende und bitten um Eure Gastfreundschaft.“, erklärte ich ihm höflich, aber doch bestimmt.
„Lindisfarne ist ein heiliger Ort, keine Gaststätte.“, wiederholte der Mönch etwas konkreter, dass er keine Fremden aufnehmen wollte.
„Ich bin mir sicher, dass Ihr uns Eure Gastfreundschaft gerne anbietet.“, meine Stimme blieb zuckersüß, während meine Augen sich leicht verdunkelten.
„Ich biete Euch meine Gastfreundschaft gerne an, kommt nur herein.“, revidierte er seine Aussage und lächelte sogar durch den Türschlitz hindurch. Jaron warf mir einen vielsagenden Blick zu, doch ich zuckte nur mit den Schultern und ging als erste durch das Tor, welches sich vor uns öffnete.

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