Well kept secrets

11.04.15 12:37
Ein Twoshot basierend auf einer Idee, die meine Schwester und ich hatten.
X-Men The Avengers Allgemein P12-M+M Sci-Fi Beendet
Inhaltsverzeichnis
Bemerkung des Authors: Meine Schwester und ich sind ziemliche Steve/Sharon-Fans und mein Lieblings-X-Men ist der junge Charles Xavier. Der Name von Charles' Mutter lautet Sharon. Da hatten wir die Idee, dass Charles Steves und Sharons Sohn sein könnte und dass Steves Serum Charles' Mutation hervorgerufen hat. Das ist das Ergebnis unserer Überlegung.

Well kept secrets: Charles

Ein kleiner Junge versteckte sich hinter einem Apfelbaum in dem kleinen Garten. Er kicherte leise, erstickte es jedoch mit großen Augen mit seinen Händen.
„Wo hat sich Charles nur versteckt?“, ertönte die Stimme seines Vaters und Charles lugte vorsichtig hinter dem Baum hervor. Sein Vater schaute unter die Tische und sah sich lächelnd im Garten um.
Schnell versteckte Charles sich wieder und gluckste in sich hinein.
„HA! Gefunden!“, zwei starke Hände hoben den Vierjährigen hoch und Charles begann laut zu lachen und zu zappeln.
„Dieses Mal war es ein wirklich gutes Versteck, Charlie“, Steve hob den Jungen auf seine Schultern und Charles krallte sich automatisch an den Haaren seines Daddys fest. „Fast hätte ich dich nicht gefunden.“
„Ich weiß“, lachte der kleine Charles und quietschte vor Lachen auf, als sein Vater zum Haus rannte und seinem Sohn das Gefühl gab, zu fliegen.

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Charles war sechs, als er erfuhr, dass sein Dad ein Superheld war.
„Mum!“, rief er und zupfte seine Mutter am Ärmel, „Mum, guck mal! Dad ist im Fernsehen!“
Sharon sah von den Akten auf und blickte zum Fernseher, der gerade eine Kampfszene von Captain America in kompletter Uniform Seite an Seite mit Black Widow übertrug.
„Warum hat er denn sowas komisches an?“, fragte Charles stirnrunzelnd. „Er sieht aus wie eine laufende Flagge.“
Sharon lachte und strich ihrem Sohn über die weichen, braunen Haare. „Weißt du, Charlie, dein Dad hilft uns alle zu beschützen.“
„Aber er ist kein Feuerwehrmann“, Charles sah seine Mutter irritiert an.
„Nein“, diese deutete auf das gerade gezeigte Bildmaterial des New York Kampfs. „Dein Dad kämpft mit Onkel Tony, Onkel Bruce, Tante Natasha, Onkel Thor und Onkel Clint gegen Menschen, die uns angreifen. Sie werden Die Avengers genannt und kümmern sich um alle Gefahren, um die sich die Polizei und die Feuerwehrmänner nicht kümmern können.“
Charles‘ Stirnrunzeln verschwand nicht. „Aber die Avengers sind Superhelden sagen die Jungs in der Schule.“
Sharon lächelte. „Richtig, Charles. Sie sind Superhelden und dein Dad ist einer von ihnen.“
„Groovy“, murmelte Charles und als die Nachrichten vorbei waren, zappte er auf der Suche nach anderem Bildmaterial durch die Kanäle.


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Charles war neun, als er seine Kräfte erhielt.
„Mummy? Daddy?“
Müde blinzelte Steve und sah sich schlaftrunken nach seinem Sohn um. „Charles?“
Wie viel Uhr… was los…
Charles presste die Hände an die Schläfen. „Aufhören!“
Steve weckte Sharon mit einem kurzen, sanften Rütteln an der Schulter.
Was ist los mit ihm? Stimmt etwas nicht? Ist er krank? Sharon, Sharon, Sharon, aufwachen, aufwachen, komm schon, wach auf, es geht um Charles, Charles, Charles, Charlie…
Charles schluchzte auf. „Ich werde verrückt. Ich werde verrückt, Dad!“
Steve war sofort raus aus dem Bett, Sharon blinzelte sich noch den Schlaf aus den Augen und versuchte die Situation zu begreifen.
„Was ist los, Charlie?“, Steve ging vor seinem Sohn in die Hocke.
Verrückt? Was meint er mit verrückt?
„Ich höre Stimmen in meinem Kopf, Dad“, wimmerte Charles und kniff die Augen zusammen, so fest, dass es wehtat. „Ich höre Stimmen in meinem Kopf! Ich höre deine Stimme und ich höre Mums Stimme und ich höre die Stimme der Nachbarin und die Stimme von allen! Ich werde verrückt!“
Sharon und Steve tauschten nur einen Blick aus. Bruce.
Zwanzig Minuten später saß die dreiköpfige Familie im Avengers Tower in Bruce‘ Labor.
Sharon und Steve trugen beide nur Jacken über ihren Pyjamas, Charles hatten sie einen Pullover und zwei Jacken übergezogen.
„Ganz offensichtlich“, Bruce sah immer noch in das Mikroskop, „ist es eine verspätete Auswirkung des Serums.“
Steve erstarrte und Sharon griff instinktiv nach seiner Hand. Charles sah verwirrt zwischen seinen Eltern und Onkel Bruce hin und her.
„Charles‘ Gene weisen eine unglaubliche Mutation auf“, erklärte Bruce, schob das Mikroskop beiseite und rückte seine Brille zurecht. „Wenn mich nicht alles täuscht, verleiht Charles das Serum in Steves DNS die Fähigkeit zur… nun ja. Zur Telepathie.“
„Telepathie?!“, wiederholten Steve und Sharon wie aus einem Mund, Charles, der in der Mitte saß, legte den Kopf schief.
„Ich soll Gedanken lesen können?“, fragte er skeptisch nach.
Bruce nahm die Brille ab und lächelte Charles ruhig an. „Nicht nur das, Charles. Man hat schon sehr früh die Leistungsfähigkeit deines Gehirns festgestellt und in Begleitung dieser Mutation kann es sein, dass du gedanklich mit anderen sprechen lernen kannst, Illusionen erzeugen und-“
„Bruce“, flüsterte Sharon und warf ihm einen warnenden Blick zu.
Kann nicht sein… Charles… Serum… Steve… Telepathie?… Gedanken lesen?… warum erst jetzt?… unmöglich… Bruce täuscht sich nicht… was tun?
„Sharon, ich habe einen Doktor in Genetik, Biochemie, Biologie und Physik. Ich kann euch helfen, ihr müsst euch keine Sorgen machen“, beruhigte Bruce Charles‘ Mutter.
Steve schwieg immer noch, aber sein Blick lag sorgenvoll auf seinem Sohn.
„Die Mutation ist nicht gefährlich“, fuhr Bruce fort. „Ich werde mich morgen mit Tony zusammensetzen und dann können wir euch mehr sagen.“
Steve nickte nur und legte eine Hand auf die Schulter seines Sohnes. „Wie wäre es mit einem Eis, Charlie, als Entschädigung?“
Sämtliche Sorgen über Telepathie waren wie von Charles Gesicht verschwunden und wurden durch ein breites Lächeln ersetzt, das zwar ein paar Zahnlücken aufwies, jedoch für Steve im Moment das Schönste auf der Welt war.


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Charles war zehn, als sein Vater starb.
Er brütete über seinen Hausaufgaben, als seine Mutter durch die Tür kam und sich still zu ihm an den Tisch setzte.
Wie soll ich es ihm sagen… oh Charles… Steve… Steve… Steve…
„Mum?“, Charles legte den Stift zur Seite und suchte den Blick seiner Mutter. Er zuckte zusammen, als er die Tränen darin sah. „Mum, was ist passiert?“
Sharon holte tief Luft und nahm Charles‘ Hand in ihre. „Charles… es gab einen Vorfall.“
Charles schwieg, wartete darauf, dass seine Mutter fortfuhr und hielt sich aus ihrem Kopf heraus.
„Während einer Mission gegen HYDRA“, Sharon schluckte heftig.
Charles wusste, was HYDRA war. Onkel Bucky hatte es ihm erklärt. Er wusste auch, dass sein Dad und die Avengers gegen HYDRA kämpften.
„Während einer Mission gegen HYDRA hat dein Dad seinen Schild verloren“, seine Mutter hielt eindeutig Tränen zurück. Charles wusste, was nun kommen würde, ohne in ihren Kopf zu blicken.
„Dad ist tot“, sagte er leise und sandte sein Bewusstsein auf die Suche nach der telepathischen Präsenz seines Vaters. Erfolglos. Er traf nur auf eine gähnende Leere. „HYDRA hat ihn umgebracht.“
Sharon blickte auf die Tischplatte und mit einem leisen Plitsch kamen ihre Tränen auf. „Ja. Steve ist tot.“
Ein weiteres Plitsch.
Aber diesmal kam es von Charles‘ Träne.


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Charles war elf, als sie nach England zogen.
„Mum, ich möchte in Brooklyn bleiben“, äußerte er leise seine Meinung, während seine Mutter den Wagen aus der Stadt heraus auf eine wenig befahrene Landstraße lenkte.
„Charles“, sagte Sharon scharf, „ich habe es dir schon mehrfach erklärt. Wir können nicht in New York bleiben. HYDRA hat von dir erfahren und will dich als Druckmittel einsetzen. Nirgendwo in den Staaten sind wir sicher.“
„Ich habe Freunde in New York“, widersprach Charles und sah aus dem Fenster, die englische Landschaft zog verschwommen an ihm vorbei. „Ich wollte mit Onkel Bruce und Onkel Tony an meiner Mutation forschen. Ich wollte Onkel Tonys und Tante Peppers Baby sehen.“
Sharon seufzte. „Tony und Pepper werden Bilder schicken, sobald der kleine Mann auf der Welt ist.“
„Ich wollte ihn wirklich sehen“, entgegnete Charles und schlug sein Buch wieder auf und begann zu lesen.
„Charles…“, Sharon nahm eine Hand vom Lenkrad und strich über Charles‘ Schulter. „Hätten wir eine Wahl, wäre ich sofort in Brooklyn geblieben. Glaubst du, ich reiße dich gern aus deinem Leben, deinem Freundeskreis, deiner Familie? Aber ich will, dass du lebst und deswegen sind wir hier. Wer bist du?“
Charles sah nicht von seinem Buch auf, als er die Daten seiner neuen Identität predigte: „Charles Francis Xavier, geboren am 7. Mai, Sohn von Sharon Xavier und Dr. Brian Xavier. Mein Vater ist an Krebs verstorben. Ich wohne in Westchester Mansion. Ich bin englischer Staatsbürger. Ich wurde in London geboren, Kings‘ College Hospital. Meine Lieblingsfarbe ist blau, meine Hobbys sind Lesen und-“
„In Ordnung, Charlie“, schnitt Sharon ihm das Wort ab und hielt den Wagen. „Willkommen zu Hause.“
Charles packte sein Buch in die Tasche und öffnete die Tür.
Westchester Mansion war kein Haus.
Es war ein Anwesen.
„Mum“, Charles drehte sich halb zu seiner Mutter um. „Wer hat uns nochmal das Haus zur Verfügung gestellt?“
„Tony“, erwiderte Sharon, die gerade die Koffer aus dem Kofferraum holte. „Er hat es von seinem Vater Howard geerbt.“
„Na“, Charles ging zu seiner Mutter, um ihr zu helfen. „Das erklärt einiges.“


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Charles war dreizehn, als er seine Kräfte zum allerersten Mal aktiv einsetzte.
Er spürte diese Präsenz im Mansion. Eine männliche Präsenz, die er nicht kannte. Selbst wenn Raven verwandelt war, war ihre telepathische Präsenz weiblich.
Es war jemand im Anwesen.
Charles tastete sich gedanklich vorwärts, bis er das fremde Bewusstsein unauffällig berührte.
Agent Thirteen… Auftrag… töten… Rogers… der Junge… hier nicht… wo sind sie… sie sind hier… ich weiß es… Captains Balg…
Charles hob zwei Finger an die Schläfe und tauchte tiefer in die Gedanken des Mannes ein.
Sein Name war Brock Rumlow. Er wurde Crossbones gerufen. Er war ein Killer. Ein Killer und ein HYDRA-Agent.
HYDRA.
Sofort drang Charles tiefer in die Gedanken des Mannes vor, durchsuchte seine Erinnerungen, sah Bilder von Onkel Bucky, aber er sah anders aus, als er ihn kannte, sah Bilder seines Vaters, in voller Montur, sah Bilder seiner Mutter, sah Bilder von SHIELD, sah Bilder über Bilder über Bilder…
Mum!, rief er gedanklich aus. Mum, HYDRA hat uns gefunden! Es ist ein Mann im Haus, ein Brock Rumlow, Crossbones, er-
Weiter kam er nicht, denn er hörte die Stimme des Mannes laut und deutlich von unten.
„Thirteen“, grüßte er und Charles begann zu rennen. „So sieht man sich wieder. Siehst gut aus.“
„Und du siehst… gut geröstet aus“, konterte seine Mutter spitz. „Bist du hier um mich zu holen?“
„Dich und das Balg, Thirteen“, bestätigte Crossbones und Charles hörte das Laden einer Waffe.
Er wusste, dass seine Mutter immer eine Handfeuerwaffe bei sich trug, aber Crossbones trug mehrere Messer, Pistolen und Maschinengewehre.
„Er ist nicht da“, sagte Sharon ruhig. „Er ist auf Klassenfahrt.“
Ich bin gleich da, Mum!
Bleib wo du bist, Charles! Ich werde mit ihm fertig! Hol Raven und verlass das Haus! Lauf in die Stadt! Hörst du?
Nein!
Charles!
„Lüg nicht, Thirteen“, in Crossbones‘ Stimme lag Hohn. „Ich weiß, dass er da ist. Also holst du ihn jetzt oder ich puste dir das Hirn weg und kümmere mich selber darum?“
Klick.
Das Geräusch der Sicherung einer Handfeuerwaffe.
„Runter mit der Waffe, Thirteen.“
„Bring mich dazu, Rumlow.“
Es ging schnell.
Charles spürte im Bewusstsein des Mannes, wie sein Gehirn den Befehl zum Abdrücken gab, und er hielt den Befehl auf.
Er hielt den Mann fest in seinem telepathischen Griff und machte ihn bewegungsunfähig.
„Charles!“, hörte er seine Mutter rufen. „Was…“
Der Dreizehnjährige blieb neben dem Mann stehen, dessen Finger nur Millimeter vom Abzug entfernt war.
„Komm schon, Mum“, brachte er unter der Anstrengung seiner Kräfte hervor. „Ich kann ihn nicht lange einfrieren.“
Sharon handelte sofort. Sie zog ihr Starkphone heraus und alarmierte Nick Fury.
Mit schnellen Fingern hatte sie Rumlow alle Waffen abgenommen und ihn gefesselt. Ein Schlag mit dem Maschinengewehr gegen seine Schläfe erledigte den Rest.
Mit dem Verlust des Bewusstseins entglitt er Charles und fiel zu Boden.
Erschöpft taumelte Charles gegen die Wand und legte eine Hand auf seinen pochenden Kopf.
„Onkel Bruce wäre fasziniert, oder Mum?“, brachte er undeutlich hervor, dann sackte er ohnmächtig an der Wand zusammen.


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Charles war fünfzehn, als er seine Mutter verlor und in die Staaten zurückkehrte.
Tony und Pepper hatten als nahe Vertraute von Sharon und Steve das Sorgerecht zugesprochen bekommen und würden sich bis zu Charles‘ 21. Geburtstag um ihn kümmern.
„Charlie-Boy“, Tony lehnte sich vor und verschränkte die Hände. „Hör mal, ich bin wirklich nicht gut in sowas…“
Wirklich nicht. Was sagt man einem Fünfzehnjährigen, der gerade seine Mutter durch HYDRA verloren hat und dessen Vater schon seit fünf Jahren tot ist?
„Es ist in Ordnung, Onkel Tony“, sagte Charles ruhig und blickte aus dem Fenster. „Wir konnten uns nicht ewig verstecken. Das hätte uns schon nach Crossbones klar sein müssen.“
Tony fuhr sich durch die dunklen Haare und drehte das Scotch-Glas in seiner Hand.
„Weißt du, Charlie-Boy“, begann er schließlich, „dein Dad kannte meinen Dad gut.“
Charles fragte nicht, wie das sein konnte. Er wusste, dass sein Dad siebzig Jahre lang im Eis gefangen war.
„Mein Dad hat mir immer viel von ihm erzählt und“, Tony lachte in sich hinein, „ich war neidisch auf ihn. Steve Rogers bedeutete meinem Vater offenbar mehr als ich. Heute weiß ich, dass das nicht wahr war, als Kind jedoch habe ich zu Captain America aufgesehen. Zuerst konnte ich Steve nicht leiden, fand ihn arrogant und überpatriotisch und bierernst und…“
Was rede ich da eigentlich? Sharon ist gestorben, die Steve-Predigt hätte ich viel früher halten müssen. Super Timing, Stark.
„Das macht nichts, Onkel Tony“, griff Charles den Gedanken auf. „Ich erfahre gern mehr über meine Eltern.“
Ich hab schon wieder vergessen, dass der Junge Telepath ist. Mann.
„Jedenfalls verstanden wir uns nicht gut“, fuhr Tony fort. „Erst während der Chitauri-Invasion in New York wuchsen die Avengers zu einem Team und zu Freunden zusammen. Steve zog mit Bruce, Natasha und Clint im Avengers Tower ein und wir haben uns mehr als nur einmal das Leben gerettet. JARVIS und ich haben ihm nach SHIELDs Fall bei der Suche nach dem Summer Sergeant geholfen.“
„Onkel Bucky?“, hakte Charles nach. Tony hatte einen Hang zu blöden Spitznamen, Clint war meistens Katniss, Legolas oder Merida, Bucky war mit dem Nicknamen Summer Sergeant gestraft worden und sein Dad wurde größtenteils Capsicle, Stars and stripes oder Spangles gerufen. Thor hingegen hatte es mit Goldilocks besonders hart getroffen. Bei Bruce änderte es sich ständig und bei Natasha traute er sich nicht. Verständlich.
„Genau“, Tony nickte ihm zu und nahm einen Schluck von seinem Scotch. „Klar gab es Streits, aber Cap hatte Angewohnheiten, die wirklich amüsierend waren. Man konnte nicht über Sex reden, ohne dass er roter wurde als meine Rüstung.“
Charles spürte, wie sein Gesicht heiß wurde. „Ich glaube, das habe ich geerbt.“
Tony grinste. „Und er hat allen Frauen die Tür aufgehalten, außer Natasha natürlich, er hat für drei gegessen und nicht zu vergessen hat er diese Liste geführt mit allem, was er in der modernen Welt nachholen musste.“
Charles lächelte traurig. Er hatte diese Liste gesehen.
„Und deine Mum…“, Tony stellte den Scotch ab und die Fröhlichkeit wich aus seiner Stimme. „Sharon war die Nichte von Peggy, der besten Freundin meines Dads. Meine Eltern hatten wenig Zeit für mich, also ließen sie mich oft bei Harrison und Amanda. Ich bin mehr oder weniger mit Sharon aufgewachsen und, verdammt, sie war schon als Kind ein Terminator.“
Charles konnte ein Lächeln nicht zurückhalten.
„Sie war ein Ehrgeizling erster Klasse. Sie hat bei SHIELD niemandem ihren Nachnamen verraten und sich alles ohne Bevorzugung wegen ihrer Abstammung von der SHIELD-Gründerin erarbeitet. Sie hat geschuftet und trainiert und ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass sie fast mit Natasha mithalten kann.“
Charles schloss die Augen und erinnerte sich an den Tag einige Monate nach Crossbones‘ Tod. Zwei HYDRA-Agenten, die Sharon fremd waren, waren in das Mansion vorgedrungen und Charles hatte gesehen, wie sie die Männer mühelos niedergemacht hatte. Es war furchterregend zu sehen wie die Mutter mordete, aber Sharon war eine Carter, mit Captain America verheiratet und Agent Thirteen gewesen. Charles wusste, wozu sie in der Lage war und was sie bereits getan hatte.
„Deine Mum und dein Dad waren ein tolles Paar“, sagte Tony und füllte sein Glas nach. „Sharon hat den guten, alten, braven Steve ein bisschen aufgerüttelt und Steve hat die impulsive, abenteuerlustige Sharon ein wenig gebremst. Sie haben sich perfekt ergänzt. Fast so gut wie Pepper und ich. Sorry. Das musste sein.“
Charles sandte einen billigenden Gedanken in Tonys Bewusstsein und versuchte sich seine Eltern jung und frisch verliebt vorzustellen. Aber ihre Gesichter begannen schon zu verblassen.
„Es war ein Riesenereignis, als du auf die Welt gekommen bist“, berichtete Tony weiter und griff nach seiner Brieftasche. „Ich glaube, ich habe das Bild, was deine Eltern mir damals geschickt haben, direkt neben Peppers und Peters in meinem Geldbeutel. Da. Schau.“
Charles sah das Bild an. Ein pausbäckiges Baby in einem Iron-Man-Strampler, einem blonden Haarflaum, das über die Jahre hinweg dunkler werden würde, und strahlend blauen Augen grinste zahnlos in die Kamera.
„Steve hat stolz Größe und Gewicht herumerzählt und immer wieder betont, dass du seine Augen geerbt hast“, Tony steckte das Bild wieder weg. „Und du warst die Hauptattraktion. Selbst der Summer Sergeant und Natasha waren für den Moment, in dem du auf ihrem Arm warst, wie ganz normale Menschen. Das war auch der Tag, an dem Pepper und ich beschlossen haben, eine Familie gründen zu wollen.“
Charles lächelte in sich hinein.
„Cap und Sharon waren Eltern wie aus dem Bilderbuch und sie haben sich geliebt und vor allem haben sie dich geliebt. Vergiss das nicht, Charlie-Boy, der gute Cap und Sharon würden im Grab Saltos schlagen, wenn du‘s tust.“
Der schwere Stein auf seinem Herzen wurde ein kleines bisschen leichter und Charles spürte wie erneut der Tränenkloß in seinem Hals anschwoll.
Danke, Onkel Tony, bedankte er sich telepathisch, denn er traute seiner Stimme nicht.
Dafür bin ich doch da, Charlie-Boy.


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Charles war siebzehn, als er Bruce, JARVIS und Tony in Intelligenz zu übertrumpfen begann.
„Unmöglich“, Bruce stürmte in den gemeinsamen Wohnraum im Avengers Tower. „Unmöglich!“
„Mal wieder stimme ich dem Grünling zu!“, Tony folgte ihm auf dem Fuße, ein Ausdruck der puren Entgeisterung und Begeisterung zugleich auf seinem Gesicht.
„Auch ich teile Ihre Meinung, Sir und Master Bruce. Master Charles‘ cerebrale Fähigkeiten grenzen an Unmöglichkeit“, mischte JARVIS mit.
Peter sah von seiner Kamera auf und hob die Brille hoch, um seinen Vater und den Hulk deutlicher zu sehen. „Ich hab doch gesagt, dass Charles euch irgendwann mal wegbuttert.“
„Aber doch nicht so bald!“, Bruce raufte sich die grauer werdenden Haare und Tony klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.
„Ganz ruhig, Smasher“, sagte er und wandte den Blick zur Decke. „He, JARVIS?“
„Ja, Sir?“
„Sag Charles, dass er seinen Hintern hierher bewegen soll. Darauf müssen wir anstoßen!“
Peter runzelte die Stirn. „Dad-“
„Und du wirst vermutlich auch noch ein brillanterer Kopf als mein Science Bro und ich werden“, Tony warf die Hände in die Luft. „Bruce! Die Jugend übertrumpft uns! Wir werden alt!“
Peter schüttelte lachend den Kopf. „Dad, du bist unmöglich.“
„Nein, Charles ist unmöglich!“, protestierte Tony und packte Pepper an den Schultern, sobald sie die Wohnung betrat. „Pep! Gottseidank bist du da!“
„Tony?“, Pepper formte ein stummes „Was ist diesmal passiert?“ in Peters Richtung.
„Onkel Tony, Onkel Bruce“, Charles kam durch die Tür. „Ihr-“
„Ich brauche einen Drink“, schnitt Tony seinem Ziehsohn das Wort ab und schritt geradewegs zur Bar.
„Für mich einen Apfelsaft“, Bruce ließ sich auf einen der Barhocker fallen.
„Könnten Sir und Master Bruce etwas Hydraulikflüssigkeit für mich entbehren?“, ertönte JARVIS elektronische Stimme und Tony warf einen Apfel an die Decke.
„Das hat wehgetan, Sir“, kommentierte JARVIS diese Aktion sarkastisch.
Ich habe die Skala bei Onkel Bruce’s Test zur cerebralen Leistungsfähigkeit überschritten, erklärte Charles die Situation für Pepper. Das scheint Onkel Bruce und Onkel Tony minimal zu stören.
Pepper zog anerkennend beide Augenbrauen in die Höhe. „Beeindruckend, Charles.“
Tony fuhr herum und warf ihr einen schockierten Blick zu. „Pepper!“
Peter stand von der Couch auf und schlich sich aus dem Raum.
„Verräter“, murmelte Charles dem Siebenjährigen zu, aber Peter grinste nur breit unter seiner Brille und schlüpfte zur Tür heraus.


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Charles war einundzwanzig, als er zurück nach England ging.
Tony hatte ihm seinen Privatjet zur Verfügung gestellt und dafür war Charles ihm sehr dankbar. All die Menschen mit all ihren Gedanken auf so engem Raum verursachte bei ihm auf die Dauer Kopfschmerzen.
„Also dann, Charlie-Boy“, Tony trat vor und steckte mit einem Zwinkern eine Flasche Jack Daniel’s in die Tasche seines Ziehsohnes. „Für Notfälle.“
Charles trank nicht viel, aber das war Tonys Weg „Auf Wiedersehen und alles Gute“ zu sagen.
„Danke, Onkel Tony“, bedankte er sich und umarmte seinen Ziehvater zur Verabschiedung.
„Schlepp ja viele Mädels ab“, murmelte Tony schnell, aber Pepper hörte es trotzdem und schlug ihm auf den Arm.
„Tony!“, mahnte sie und wandte sich schließlich lächelnd Charles zu. „Wir werden dich vermissen, Charles.“
Das wird hart für Peter…
„Er schafft es schon“, erwiderte Charles und ließ sich von seiner Ziehmutter drücken. „Sein Nachname ist Stark, Starks sind Überlebenskünstler.“
Pepper lachte und warf Tony einen schiefen Blick zu, der Peter gerade irgendetwas über Teilchenbeschleuniger erklärte. „Oh ja. Auf jeden Fall. Wir wünschen dir alles, alles Gute an Oxford, Charles. Du willst nicht länger in Westchester Mansion wohnen?“
„Ich mag das Anwesen, ich würde es gerne behalten“, berichtigte Charles, „aber für meine Studienzeit werde ich nicht darin wohnen.“
„In Ordnung“, Pepper nickte und blinzelte die Tränen in ihren Augen weg.
Mach’s gut, Charles.
Bruce trat vor und hielt Charles ein leicht abgenutztes Notizheft hin. „Hier.“
Das sind alle meine Aufzeichnungen, Forschungsergebnisse und Notizen zu deiner Mutation.
Charles‘ Augen wurden groß. „Das kann ich nicht annehmen, Onkel Bruce, das-“
„… betrifft dich“, vollendete Bruce Charles‘ Satz. „Und ich habe Kopien. Aber das Original sollte in deinen Besitz übergehen.“
Charles verstaute das Notizheft in der Tasche und schüttelte Bruce zum Abschied die Hand.
Bucky war der nächste in der Reihe. Nach Steves Tod hatte er seinen Platz als Captain America bei den Avengers eingenommen. Er war immer noch kein Mann der großen Worte, immer noch jagte ihm seine Zeit im Red Room und bei HYDRA nach, aber er schüttelte die Schatten der Vergangenheit langsam aber sicher ab.
„Dein Dad wäre stolz auf dich“, waren Buckys einzige laut gesprochene Worte, aber Charles spürte die volle Ehrlichkeit und Wahrheit darin. Ein kleiner Stich in seiner Brust machte sich bemerkbar, aber er verdrängte ihn.
„Das hoffe ich“, erwiderte Charles und Bucky nickte ihm zu.
Sharon natürlich auch. Natasha und Clint wurden von Fury auf eine Mission beordert und Thor hat Verpflichtungen in Asgard, aber ich kann dir sagen, dass sie alle dir alles Gute wünschen.
Charles lächelte Bucky zu und wandte sich schließlich an Peter, der mittlerweile elf Jahre alt war. „Hey Pete.“
Peter funkelte ihn böse an. „Du lässt mich mit all den komischen Superhelden-Futzis allein. Das verzeihe ich dir nicht.“
„Peter!“, rief Tony gespielt entsetzt auf. „Ich bin zutiefst gekränkt!“
Charles lachte. „Du hast noch JARVIS, Peter. Und der Sohn von Norman Osborn kommt mittlerweile öfters vorbei, oder?“
„JARVIS ist immer so rational“, murmelte Peter, dann hellte sich sein Gesicht auf. „Aber mit Harry kann ich ihn bestimmt gut ärgern!“
„Damit würde ich vorsichtig sein“, Charles erinnerte sich an den Tag, an dem Peter JARVIS so lange genervt hatte, bis dieser in dessen Zimmer mitten in der Nacht Musik, Licht und Sprinkleranlage angeschaltet hatte. „Erinnerst du dich?“
„Klar“, Peters Grinsen wurde noch breiter. „Aber Harry kann hacken. Das wird cool!“
Charles lächelte, dann drehte er sich zum Jet.
Los geht’s, Charles Rogers, sagte er sich selbst in Gedanken. Auf in ein neues Leben.

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