Verlieren, um zu gewinnen - 120' Challenge

02.08.15 16:43
120' Projekt. Es wird ausschließlich sich um Geschichten zu Lightning/Noel oder mit Lightning und Noel handeln. Da diese gemeinsame Charakterwahl oder das Pairing nicht so vertreten ist, dachte mir, dies ist auch eine gute Gelegenheit, um meine so vielen Gedanken zu den beiden gut unter einen Hut zu bringen. Kurzideen lassen sich so super umsetz..
Final Fantasy Romanze P18 Allgemein In Arbeit
Inhaltsverzeichnis
  • In Between Worlds

In Between Worlds

Info: In LR, zum Ende der Welt, als Noel Lightning in der Kathedrale zur Hilfe kommt, um ihr den Rücken freizuhalten. Was passierte wohl, nachdem sie weiter ins Innere lief und ihn zurückließ?


In Between Worlds – Zwischen den Welten

Seine Schritte hallten von den grauen, vom Chaos verschlungenen, hohen Wänden der Kathedrale wider, als er sich auf die junge Frau vor sich zubewegte, ein verächtliches Schnauben durch seine Nase stieß. Diese Kathedrale war der heilige Ort des Ordens. Während die Stadt um sie langsam zu Grunde ging, die Straßen sowie ihre Bewohner immer mehr den Chaos verfielen, einige Viertel und Gassen dieser heiligen, über die Jahrhunderte so hochgepriesen Stadt des Lichtes, Luxerion, gar nicht mehr bewohnbar waren, war dieser Ort der einzige, der selbst unter der ablaufenden Zeit der Welt seinen verfälschten Glanz nie verloren hatte. Wo viel Licht war, wurden die dunkelsten Schatten geworfen, und jetzt bald würde es selbst die nicht mehr geben. Die totbringenden Massen des Chaos strömten durch die Stadt, gebaren eine unabwendbare Schar an Monstern, die aus seinem dunklen Inneren geboren wurden und den finsteren, nie mehr Hoffnung versprechenden Himmel mit den Schreien der Menschen erfüllten. Und jetzt tanzte auch hier im heiligen Gemäuer die dunkle Macht ihren Reigen, wandte sich an den alten Wänden und raubte den in Stein kunstvoll gehauenen Verzierungen ihre Geschichten. Letztlich musste auch der Glauben dieser verlorenen Welt dem bald ewigen Schweigen weichen. Der Orden war dem jungen Mann über die Jahre, die sich zu Jahrhunderten zogen, zu einem Dorn im Auge geworden und jetzt, wo auch sie sich dem Unausweichlichen zu fügen hatten, keine Macht und Gewalt mehr über das Leben so vieler Menschen hatten, kam es ihm wie die letzte Ironie des Lebens vor, in diesen heiligen Hallen zu stehen. Hatten sie ihn doch letztlich zu ihren größten Gegner ernannt, einen Namen gegeben, den sie für nichts fürchteten; einen Ruf, den diese junge Frau vor ihm mit einem Mal beinahe mühelos in den Schatten stellte. Wer hätte auch gedacht, dass ihre Erlöserin sich am Ende aller Tage plötzlich gegen sie stellen würde. Das musste ein wahrlich großer Schock für all diese Fanatiker sein; wenn es denn auch noch ansatzweise von Bedeutung wäre.

Noel hatte Lightnings Plan schon lange durchschaut.

Er setzte einen weiteren Schritt auf die junge Frau vor ihm zu, ehe er unmittelbar vor ihr stehen blieb und seine zwei Schwerter dabei zu seinen beiden Seiten gesenkt hielt. Er hatte sie all die Zeit stets im Auge, hielt jede ihrer Bewegungen unter aufmerksamer Beobachtung, denn wenn er sich auch nur einen Fehler erlaubte, sie in die Enge trieb, wollte er nicht wissen, wie gefährlich sie ihn werden könnte. Obwohl der Tod einer der letzten Dinge war, die ihm jetzt noch Sorgen machen sollten. Wo er doch allgegenwärtig war, seine letzten Atemzüge bereits bestimmte. Er verengte leicht die Lider seiner blauen Augen.

„Gott brachte dich zurück, um alle Seelen zu retten und sie in die neue Welt zu führen.“, sagte er, seine Stimme hallte durch die in stillen Grau gefangenen Kirche und er sah, wie Lightning einen kaum merklichen Schritt von ihm zurückwich, dem jungen Jäger mit einen leicht unsicheren Blick und dennoch einer festen Entschlossenheit in ihren kristallreinen Augen, begegnete.

Um sie konnte er die Aufregung der unter den Orden stehenden und nach seinem Befehl handelnden Offiziere spüren, ihre angespannten Atemzüge hören, als sie sich immer enger um sie schlossen, ihre scharfen Waffen auf sie richteten und das Geschehen beobachteten.

„Eine heilige Mission. Du würdest sie nur für eins in der Welt aufgeben.“ Mit einer langsamen Bewegung hob Noel das kurze Schwert in seiner linken Hand, hielt seine spitz verlaufende Klinge gegen den Hals seiner ehemaligen Widersacherin; guten Freundin, und war insgeheim überrascht darüber, dass sie weder zurückwich, noch sich gegen seine angedeutete Drohung behauptete. Alles was er sah, war das wilde Schimmern in Lightnings Augen. Augen, in denen er unter einer anderen Situation, und in so vielen von ihnen, bereits unwiederbringlich versunken war. Die Nacht, in der er sie das letzte Mal sah, ihre tiefsten Geheimnisse zu erfahren versuchte, war gar nicht so lange her und das Gefühl ihrer warmen Haut gegen seine eine unauslöschbare Erinnerung. Doch er durfte jetzt keine Schwäche zeigen, nicht hier, nicht am letzten Tag der Menschheit, inmitten eines Kampfes, dessen Ende noch nicht endgültig entschieden war. Er musste stark sein, für sein Versprechen an Jul, seine Freunde… und für sie.

Er kannte ihren Standpunkt, und sie seinen. Es lag nichts mehr zwischen ihnen.

Gemach neigte er seinen Kopf leicht zur linken Seite, bewegte seinen Oberkörper nur schwach mit. Die wilde Chimära, die das hereinströmende Chaos hervorgebracht hatte und die Wachposten, die zum Schutze der Zeremonie in der Kathedrale standen, wohl schon vor ihnen Erscheinen aufgemischt hatte, stieß einen markerschütternden, hungrigen Schrei hinter ihm aus. Er brauchte nicht seine Augen, um zu wissen, wo sie sich gerade befand und auf ihre Beute lungerte. Und auch die beiden bewaffnenden Männer, die sich ihm und Lightning von hinten näherten, bemerkte er, ohne sich umsehen zu müssen.

„Lightning. Ich weiß genau, warum du Gott hintergehst.“, rief er, seine Stimme bebte laut. Gefährlich. Nur eine Täuschung. Die wirklich wichtigen Worte lagen in ihren Blicken. Sie blieben unausgesprochen, und doch verstanden sie sich problemlos, wussten sie, was als nächstes geschehen würde. Wenn er eine neue Zukunft wollte, wenn er wirklich an sie glauben wollte, dann hatte er Lightning zu stützen, dies nun zu tun, denn all seine Hoffnung lag bei ihr.

Und im nächsten Moment, bewegten sie sich, er, der Schattenjäger und sie, die Erlöserin, aneinander vorbei. Er wich nach links zur Seite, der Griff seiner Finger schloss sich fester um das große Schwert in seiner rechten Hand und er vollzog einen kraftvollen, zielgenauen Schwung mit der flammenförmigen Klinge. Der scharfe Stahl schnitt zischend und mit einen schmatzenden Geräusch durch Haut und Fleisch, ließ den Mann, der sich hinter Lightning befand, schmerzhaft aufschreien, gleichzeitig mit dem Mann, den die junge Frau hinter seinen Rücken niederstreckte. Seine Waffe von dieser Tat noch immer in die Luft haltend, blutbehaftet, hatte Noel den Blick seiner blauen Augen zu Boden gerichtet, ließ ihn traurig, jedoch bedauernslos und langsam in die Höhe gleiten, während er die Körper der beiden Männer zu Boden fallen spürte. Leblos. Tot. Etwas anderes hätte die Führung seiner Waffe auch nicht zugelassen. Er hatte bereits so viele Menschen getötet, so viele Leben auf seinem Gewissen, da machten diese paar mehr auch nichts mehr aus. Und heute würde sowieso jeder sterben. So gab es nur wenige Tode, die er heute noch bereute.

„Du denkst, du kannst Serah retten.“

Der Tod der jüngeren Schwester Lightnings war einer von ihnen…

Nicht weit von sich, vernahm er das hektische Rühren weiterer Männer, ihre Empörung, Schock und Überraschung über den Tod ihrer Kameraden, über das, was auf einmal vor sich ging und der junge Mann hob alarmiert, rein instinktiv seinen Kopf. Ihre Reaktion auf das Realisieren, dass er und Lightning nach ihrer wortlosen Absprache zusammen arbeiteten, zu langsam, als er abrupt nach vorne vor schoss, sein Schwert erneut durch das Fleisch eines weiteren, den Tod geweihten Mannes stieß, bevor dieser nach seinem lauten Befehl, sie aufzuhalten, selbst dem gefährlichen Abfeuern der Kugeln in seiner Waffe nachkam. Eine halbe, schnelle Drehung um ihn selbst und ein tödliches Nachziehen der dolchähnlichen Klinge in seiner anderen Hand, ein Schwung, der nur für den bereits nächsten Stoß vorgesehen war und durch den anderen Mann neben ihn glitt, ihn durch das große Schwert in seiner rechten Hand leblos auf den mit weißen und schwarzen Marmorplatten ausgelegten Boden fallen ließ. Eine Kette an Bewegungen, über die er gar nicht lange nachzudenken hatte, denn sie waren nur der Zweck, ein Weg zum Ziel. Er wandte sich um sich selbst und seine Augen fielen auf die junge Frau hinter ihm. Sie sah, wie sie kurz hadern, erstarrt dastand und ihre morganitfarbenden Haare wirbelten in der Luft auf, als sie seinen Blick begegnete, ihren Kopf hob, um ihn direkt ins Gesicht sehen zu können. Worauf wartete sie? Warum stand sie noch immer da? Sie hatte sich zu beeilen, wenn sie Serah und auch all die anderen Seelen dieser Welt retten wollte. Sie durfte nicht länger zögern. Hinter dem Rücken der jungen, schönen Frau sah er, wie die schwarze Chimära unruhig mit ihren starken Vorderpranken aufstieß, ihr, auf ihren Rumpf drohender, großer, löwenähnlicher Kopf riss seinen Mund weit aus, stieß einen Schrei aus, während die beiden anderen Köpfe auf ihren Schultern sich ungelenk, dennoch lauernd durch die Luft bewegten, bereit waren ihre todbringenden Zähne in jede noch verbliebene Form des Lebens zu stoßen. Für große Abschiedsreden war keine Zeit. Sie hatte zu verschwinden. Jetzt!

Er riss seine Augen weit auseinander, trat einen Schritt mit seinen rechten Fuß auf sie zu, als er ihr laut zurief: „Lauf!“

Bemerkte, wie Lightnings Körper kurz zusammenzuckte, sie das, was auch immer sie noch immer hier hielt, endlich von sich schüttelte. Das schwache Nicken ihres Kopfes ging in der zügigen Bewegung unter, mit der sie sich umdrehte und los lief.

„Lasst sie nicht entkommen!“

Ein Knurren entwich seinen Lippen, ehe er sich umwandte, den zwei weiteren Männern, die ihre Verfolgung aufnehmen wollten, den Weg versperrte und durch einige wenige gekonnte Schwerthiebe ebenfalls zu Boden schickte. Diese verblendeten Diener des Ordens wurden langsam echt lästig.

Er drehte sich wieder um, als er das gewaltige Grollen der Chimära hörte, hatte das Gefühl, sein Herz setzte für einen Schlag aus, als er sah, wie Lightning gradewegs auf das Ungetüm zulief. Seine Augen weiteten sich vor Schock. Lauf, hatte er gesagt, schon richtig. Aber doch nicht genau auf diese Ausgeburt der Hölle zu. „Lightning!“

Zu spät, selbst er konnte sie nicht mehr rechtzeitig erreichen und Noel hielt seinen Atem an. Der löwenartige Körper der Chimära bäumte sich auf, doch Lightning lief immer noch weiter auf sie zu. Kurz bevor es seine krallenverzierten Pranken nach der jungen Frau auf den Boden niederschlug, nutze diese die einzige Chance, die ihr noch blieb und ließ sich zu Boden fallen, nutze den aufgebrachten Schwung, um unter den massigen Leib hin durchzurutschen. Das war doch Glück auf Wahnsinn. Ein erleichterter Seufzer verließ seine Lippen, als er sah, wie sie den mit einem königsblauen Teppich ausgelegten Pfad durch die Halle folgte und in den offenen, unterirdischen Treppengang vor dem Altar auf dem höchsten Podest in der Kirche verschwand.

„Rette Serah.“ Sein Blick sank herab, seine Arme entspannten und seine Augen schlossen sich. Er konnte spüren, wie der Name einen leicht stechenden Schmerz durch sein Herz jagte, Erinnerungen weckte, Bilder vor seinem inneren Auge lebendig werden ließ. Die Erinnerung daran, wie die von Etro auserwählte Seherin damals in seinen Armen zusammenbrach, das Leben aus ihren Körper wich. Das Gefühl der Hilfslosigkeit, das ihn in diesem Moment ergriffen hatte, zu wissen, dass er sein Versprechen gegenüber Lightning, sie zu schützen, nicht halten konnte, hatte er seitdem her nie wieder vergessen. Er hatte sie sterben lassen. Er hatte versagt.

Als er Caius tötete, hatte er das Chaos, das aus den Toren der unsichtbaren Welt strömte, das all den Überlebenden dieser Katastrophe einen Teil ihrer Menschlichkeit raubte, das nun ihre Welt zerstörte, entfesselt. Er hatte die Welt ins Verderben gestürzt. Und alles, was ihn all die Zeit selbst am Leben erhielt, waren ein Versprechen und Worte der Hoffnung. Und diese Hoffnung… Er hatte sie einfach laufen lassen, ohne sich von ihr zu verabschieden, oder auch nur die Chance genutzt zu haben, ihr zu sagen, dass es ihm leid tat…

Im nächsten Augenblick schoss sein Kopf alarmiert in die Höhe und sein Blick wanderte an die reich verzierte, graue Wölbendecke, sah wie die dunklen Schatten des Chaos sich wandten, sich im Kreise drehten und aus den Schleiern der Dunkelheit sich ein schwarzer Kopf reckte. Er neigte seinen Oberkörper zur Seite, während seine Augen so plötzlich, wie das weitere, aus dem Chaos geborene Monster unmittelbar vor ihm sich auf seine krallenbesetzten, vier Pranken abfing, dieser Bewegung kaum folgen konnten und nur die starke Erschütterung des Bodens den jungen Jäger ein paar unkontrollierte Schritte zurückstolpern ließ. Einige schwarze, sowie weiße Marmorplatten lösten sich unter der Wucht des Aufpralls vom Boden, zersprangen in tausende, kleine Splitter und flogen durch die Gegend, zwangen Noel dazu, seinen linken Arm schützend vor sein Gesicht zu halten. Das Ungetüm brüllte laut und sein Schwanz peitschte wild durch die vielen Bankreihen, riss manche von ihren Platz, oder zerschlug das massive Holz in viele Teile und verteilte sie über den ganzen Boden der Kathedrale. Einige verfehlten ihn nur knapp.

Das dreiköpfige Wesen stampfte erneut auf. Langsam ließ Noel den Arm vor seinem Gesicht wieder herabsinken, während er den heißen, faulen Atem dieser Höllenkreatur über seine Haut streifen fühlen konnte. Hinter sich konnte er ein weiteres, unheilverkündendes Brüllen hören und der junge Mann spähte kurz über seine Schulter. Na klar, wieso sich auch nur mit einer Chimära herumärgern, wenn man es doch mit zwei von ihnen gleichzeitig tun konnte. Und hinter dem zweiten dazu gestoßenen Ungeheuer konnte er die Stimmen weiterer, in die Halle nachrückender Anhänger des Ordens hören. Das war’s dann wohl.

Sein Kopf sank herab und einige Strähnen seines braunen Haares fielen ihm in sein ansehnliches Gesicht, während ein leicht bitteres Lächeln sich heimlich auf seine Lippen schlich. Noel stieß einen Ton aus, lachte kurz leise auf. Nichts, nicht einmal Angst konnte er angesichts seiner ausweglosen Situation fühlen. Das einzige, was sich in seiner Brust rührte, war der eigenwillige, törichte Kämpferwille eines Kriegers, der ihn selbst im Augenblick seines Todes bis zum Letzten trieb, der eines Jägers. Dies war also, wie auch er sterben und endgültig aus dieser Welt scheiden würde. Doch Tod hin oder her, jetzt ging es nicht mehr darum, dass er starb, sondern wie er das tat. Oft genug hatte der junge Mann dem Tod schon ins Angesicht geblickt, aber gewöhnen und erstrecht mit abfinden konnte man sich wohl trotzdem nie ganz. Das erklärte wohl auch die unbezwingbare Kampfeslust, die selbst die überkam, die nichts mehr zu gewinnen hatten, aber das Wort ‚aufgeben‘ einfach nicht kannten. So wie er.

Wie in Zeitlupe sah er eine riesige Pranke auf sich zurasen und in genau demselben Moment kam in ein Gedanke, ein nur minimales Streben danach, hier jetzt nicht armselig dahinzuscheiden, sich von nach fleischtrachtenden Krallen zerreißen, noch von einen Kugelhagel durchlöchern zu lassen, ohne zuvor etwas geleistet, zumindest nur eine Sache in seinen Leben geschafft zu haben; Lightning solange wie ihm möglich den Rücken freizuhalten und zu verhindern, dass diese Idioten ihr sofort hinterherliefen. Sollte dies noch so böse für ihn ausgehen.

Und der junge Mann versuchte das unangenehme, prickende und kalte Gefühl der Gänsehaut zu unterdrücken, die sich soeben auf seiner Haut ausbreitete, als der Griff seiner Finger um die zwei Schwerter in seinen beiden Händen sich intensiv festigte. Er hielt die Klingen schützend vor seinen Körper, sah die prächtige Pranke des geifernden Monsters vor sich auf ihn herab brausen. Fühlte einen kräftigen Windzug seine rechte Körperhälfte streifen, als er sich rechtzeitig aus der Gefahrenzone wandte. Der Boden vibrierte, als sie neben ihn niederschlug und neue Marmorplatten löste, den Teppich unter seinen Füßen aufwölbte. Einige der Steinsplitter bohrten sich in den, mit zotteligen, schwarzen Fell und mit gelbschimmernden Schuppen versehenden, langen Hals des drachigen Kopfes an der linken Schulter der Bestie, ließen jenen aufheulen. Und im selben Moment, den Noel blaue Augen sich mit den finsteren, tiefroten Tiefen der Chimära streiften, schnappte der schwarze Kopf mit seinen breiten und gefräßigen Maul nach ihm. Der beißende und unangenehme Gestank nach faulem Fleisch drohte seine Sinne zu vernebeln und er sprang zur Seite, ehe die scharfen Zähne ihn erwischen konnten. Energisch drehte er die große Klinge in seiner rechten Hand, bevor er diese gewaltvoll und mit aller Kraft in die verschmutze, linke Pranke des Ungetüms stieß und gleichzeitig mit einen ausholenden Schlag seines anderen Schwertes nach den rechten Drachenkopf schlug, der von der Seite nach ihm langte. Der scharfe Stahl seines Schwertes fuhr durch zähes Fleisch und Muskelstränge und der mittlere Kopf, sowie der rechte, mit blauleuchtenden Schuppen bedeckte Kopf schrien markerschütternd auf. Schnell zog der junge Mann seine Waffe aus der durchstoßenden Pranke und wich mit einen kraftvollen Sprung aus der direkten Nähe der Chimära, ließ den linken Kopf, den das Monster zappelnd und wütend durch die Luft bewegte, ebenfalls nicht aus den Augen. Noch während er sicher auf seinen beiden Füßen aufkam, schnappte er kurz angestrengt nach Luft, vernahm dennoch plötzlich ein Gefühl der Gefahr hinter seinem Rücken. Sein Kopf ruckte zur Seite, als ein heißer Atemhauch die Haut seines Halses traf. Braune, bewegte Haarsträhnen warfen Schatten in seine Sicht, und er konnte nur noch intuitiv reagieren. So schnell wie ihm möglich, versuchte er sich umzudrehen und er riss seine Augenlider vor Schrecken weit auseinander, als völlig zeitgleich, wie er mit seinen rechten Arm ausholte, er mit den Schwert nach dem anderen Monster stieß, sein aufgebäumter, schwerer Leib ihn mit einen brutalen Stoß zu Boden warf. Der harte Aufprall mit seinen Rücken raubte Noel den Atem aus seinen Lungen und seine Knochen knackten schmerzhaft unter dessen Wucht. Ein stechender, pochender Schmerz breitete sich augenblicklich ihn seinen ganzen Körper aus, wollte ihn aus Leibeskräften schreien lassen, und war doch zu stark, als dass er das könnte. Er keuchte lautlos, versuchte sich stöhnend zu winden und seine Finger quetschten sich um die beiden Griffe seiner Schwerter, dessen Halt sich in seinen Händen gelockert hatte, aber nicht aus ihnen verschwunden war. Gesplitterter Stein bohrte sich grob durch seine Kleidung, in seine Haut und er fühlte Hitze und Blutdurst auf sich herab geifern. Als es ihm gelang unter größter Mühe seine Augen zu öffnen, mit verschwommener Sicht nach oben zu starren, hing das abscheuliche, löwenähnliche Antlitz der Chimära wie ein düsterer Schatten über ihm. Eine Erschütterung ging durch den Boden, fuhr den jungen Mann schmerzhaft durch Mark und Bein, während weitere Marmorplatten zersprangen und über sein Gesicht hinwegfegten. Und dann, als er urplötzlich spürte, wie mit Schmutz und Blut behaftende Klauen gegen seine linke Schulter stießen, ihn unter ihren Gewicht brutal zu Boden drückten und sich durch seine Kleidung und Haut in sein Fleisch bohrten, verließ ein grauenerfüllter Schmerzensschrei seinen Mund. Vom nicht abschüttelbaren Überlebenswillen getrieben, wandte und bewegte er sich, fühlte, wie eine äußere Kralle über seinen Hals rutschte, eine brennende, gerade Spur durch seine Haut zog und aus nichts weiter als einem Reflex, schaffte Noel es seinen rechten Arm zu bewegen, ihn vom Boden zu heben. Grölend stieß das Ungeheuer sein gigantisches, weit geöffnetes und stinkendes Maul auf ihn herab, war bereit, vergilbte, scharfe Zähne mit tödlicher Absicht in verletzliches Fleisch zu schlagen. Indes mobilisierte der junge Jäger alle Kräfte, die er aus seinen schmerzenden Körper hervorbringen konnte, stemmte die große Klinge seines Schwertes vor sich in die Höhe und zeitgleich dröhnte ein gequälter, gleißender Laut durch die große Halle der Kathedrale. Der einst in einer fernen Zukunft geborene, junge Mann roch den verdorbenen, heißen Atemgeruch des löwenähnlichen Kopfes, während er kraftvoll das scheidende Stahl durch die zottenverhängende, schwarze Mähne stieß, es tief in den Hals der Bestie bohrte. Verzweifelt stach er immer weiter, versuchte so den rauenden, knurrenden Kopf von sich zu schieben, schrie selbst ein weiteres Mal auf, als die Chimära unter ihren Winseln, ihren nun eigenen Überlebenskampf abermals mit ihren kräftigen Beinen aufstieß, erneut mit ihrer klauenversehenden Pranke auf seine bereits verletzte, blutende Schulter niedertrat. Blut lief über seine Finger, seinen Arm und tropfte auf ihn herab, tauchte seine Kleidung in die grausame Farbe dieses Kampfes. Blut, das seiner Seele nichts mehr anhaben, sie nicht weiter mit Schuld beflecken konnte.

Mit höllischen Schmerzen in seiner Schulter, so brutal und sinnesraubend, wie er es nur selten erlebt hatte, fing Noel sich heftig zu bewegen an, fühlte ein widerwärtiges Knacken seiner Knochen, als es ihm gelang, sich unter den tödlichen Krallen fortzuwenden. Und begleitet von unerträglichen, brennenden Schmerzen, hob er seinen teils zerschundenen Arm, verspürte selbst eine zermürbende Qual, als er mit der langen, dolchähnlichen Klinge ebenfalls in den blutigen Hals der Chimära stieß. Stach so gewaltvoll zu, wie ihm nur irgend möglich. Das Ungetüm heulte mit einen letzten, winselten Schrei auf, jedoch nicht ohne ihn seiner Tötungswut noch einmal nach dem jungen Mann zu schnappen, ehe jener sich mit letzter Kraft zur Seite rollte.

Die Wucht des, den Boden erbeben lassenden Falles des massigen Körpers neben ihn, stieß Noel über den zerstörten Untergrund und ließ seinen Körper gegen die springende Fassade einer der hohen, die Decke stützenden Standsäulen krachen. Ein zerberstender Schmerz schoss durch seine gegenschlagende, rechte Seite, raubte ihm sämtlichen Atem, bevor der junge Jäger hart auf den Boden aufschlug und still liegen blieb.

„Passt auf!“

Dumpf vernahm er hektische Schritte und Schreie, ein eröffnetes Feuer, viehisches Brüllen; die Geräusche eines Kampfes, dessen Laute durch die Dunkelheit seiner verschwommen und vom Schmerz beherrschten Sinne jedoch kaum zu ihm durchdrangen. Seine Lungen nahmen nur widerwillig das Atmen wieder auf, und jedes Ringen nach Luft tat einfach nur weh. Er musste sich einige Rippen gebrochen haben. Seine Finger tasteten sich über den zersplitterten Marmorbeleg, ehe er sich, trotz seiner Orientierungslosigkeit, auf seine zitternden Arme zu hieven versuchte. Den Schmerzenslaut, auch neben dem festen Zusammenbeißen seiner Zähne, der seinem Mund entkam, konnte er bei der Belastung seines verletzten Körpers kaum verhindern. Seine Seite stach und pochte, seine Schulter brannte und Blut floss heiß an seinem Arm herunter. Noel stieß mit seinen Rücken gegen die bröckelige Steinsäule, stützte sich gegen sie, als er sich so nur irgendwie aufzurichten versuchte. Die Finger seiner rechten Hand griffen blind nach dem Heft seines Schwertes, fanden es glücklicherweise und schlossen sich um es, während er sich mühselig in die Höhe hob. Der junge Mann warf seinen Kopf nach hinten, stütze sich noch doller, keuchte wiederholt schmerzhaft, stöhnte immer wieder auf. Nur zögerlich und unter größter Anstrengung gaben seine Lider ihm Sichtfeld aus verworrenem Schwarz, hellen Blau und ein wenig Gelb preis und er fühlte von oben herab ihn ein heißen, übelriechenden Hauch streifen. Hörte eine bedrohliches, tiefes Knurren und im nächsten Moment einen unerwarteten, unerträglichen Schmerz durch seinen linken Oberarm und einen Teil seiner ohnehin schon lädierten Schulter stoßen. Tief und schneidend bissen scharfe Zähne sich durch seine Haut, in sein Fleisch. Das Knurren wurde tiefer und das Beißen immer fester. Von Pein getrieben, schrie der junge Jäger verzweifelt auf.

„Was!? Wie kann das sein?“

„Dort ist noch jemand am Leben!“

Er fühlte ein Reißen von Muskelsehnen, als die Zähne sich nur noch fester verbissen und er im selben Moment von seinen Füßen gerissen wurde. Ohne Sinn und Augen, die sahen, schlug er mit seinen freien Arm und den noch immer sich in seinen Besitz befindenden Schwert nach dem, was ihn da angriff. Die Klinge traf auf Widerstand, fuhr schmatzend durch einen Leib und Noel fühlte, wie die scharfen Zähne ihn endlich losließen. Seine verschwitze Hand verlor ihren Halt und der Griff seiner Waffe glitt durch seine Finger, als er zu Boden fiel. Hart wurde sein Rücken mit dem Boden konfrontiert, und die Wucht des Aufpralls riss seinen Körper herum. Stöhnend und unter aller Anstrengung rollte sich Noel auf seinen Bauch. Schritte näherten sich, stürmten an ihm vorbei, ehe er mitbekam, wie wiederholt der automatische Mechanismus duzender Feuerwaffen erklang. Erneut, jegliche Vernunft und den Schmerz ignorierend, wollte er sich wieder aufrichten, konnte gleichzeitig vernehmen, wie etwas vor ihm zu Boden sank. Eine Hand berührte den jungen Mann an seiner rechten Schulter.

„Hör auf. Denkst du nicht, das reicht?“ Eine weibliche Stimme, leicht befehlend, stark, doch sie war ihm völlig unbekannt. „So bleib doch liegen. Du hast tapfer gekämpft.“

Wer sprach da zu ihm?

Sich den Worten und der Hand, die noch immer auf seiner Schulter lag widersetzend, stemmte er sich auf seine Arme. Und als er seine Augen zu öffnete, sein Gesicht in die Höhe hob, war seine Sicht zumindest klar genug, um zu erkennen, ihn sofort zu sagen, dass es völlig egal war, wer diese Frau vor ihm war, die auf ihn herabsah. Ihre Kleidung sagte ihm, dass sie zum Orden gehörte und das reichte, mehr musste er nicht wissen.

„Wie ist dein Name?“ Er lachte bitter auf, hustete.

„Mein Name…? Egal…“, stöhnte er, während er sich auf zittrigen Armen in die Höhe hievte.

„Ich bin der letzte Mensch… dem ihr Fanatiker helfen solltet… denke ich.“ Dann hörte er schon ein entrüstetes Luftholen. Die Hand verschwand von seiner Schulter und ein Schrei schallte durch die Hallen der Kathedrale.

„Der Schattenjäger!“

„Was!?“

„Verschwinde vom ihm, Aremiah!“

Noel stieß einen erstickten Laut aus, als dann plötzlich eine Art gewaltiger Stromstoß durch seine Glieder fuhr, in jeder Faser seines Körpers ein lähmendes Knistern zurückließ. Der helle Energiestoß, der sich entladend auf in niederschlug, raubte ihn jedes Gefühl, ehe dieser seinen Versuch, aufzustehen, unterbrach und der junge Mann wieder kraftlos zusammenbrach. Er konnte sich kein Stück rühren, war Gefangener seines eigenen Körpers. Sein schwerer Kopf fiel mit einem dumpfen Schlag auf seinen ausgestreckten Arm und unter halbgeschlossenen Lidern drohte die Welt um ihn schwarz zu werden. Er fühlte, wie die abgenutzten Lederbänder um seinen rechten Unterarm und seiner Hand unter der elektrischen Spannung rissen und der Armschmuck nicht mehr richtig saß.

Von ihm aus…

Von ihm aus durfte es jetzt soweit sein, konnte er hier und jetzt sterben. Er hatte getan, was er konnte. Nun hatte er nichts mehr zu bereuen.

Doch im nächsten Augenblick fassten Finger grob in sein Haar und zogen seinen Kopf gewaltvoll nach hinten. Er keuchte überrascht, schmerzerfüllt auf, und der kalte Lauf einer Waffe setzte sich bedrohlich gegen seinen entblößten Hals. Seine Arme wurden brutal hinter seinen Rücken gezogen und seine Handgelenke in einem eisernen Griff hinter ihm festgehalten, während sein Oberkörper so in eine aufrechte Haltung gezwungen wurde. Der gerissenen Bänder seines Schmucks purzelten über die Haut seines Armes und ihre Enden trafen fast lautlos auf den zerstörten Boden.

‚Jul…‘

“Zugegeben, niemand von uns hatte wirklich damit gerechnet, dass du am letzten Tag tatsächlich noch hier auftauchen würdest. Aber ein Risiko, dass es jemand versuchen würde die heilige Zeremonie zu stören… Wofür?“ Finger fuhren über seine Haut, legten sich unter sein Gesicht, nur um darauf grob sein Kinn zu umfassen, es so brutal nach oben zu dirigieren, ehe die weibliche Stimme weitersprach. Noel sah wütend in das fremde Gesicht auf, erkannte kurzes, schwarzes Haar und brennend braune Augen. Einen unbarmherzigen, harten Blick. Ein enttäuschter Laut verließ die Lippen der Frau.

„Was für eine Verschwendung, ein so schönes Gesicht… Aber du weißt sicherlich was Ungläubigen und Ketzern, Gotteslästerern deines Ausmaßes droht, nicht wahr?“

Sie ließ sein Gesicht wieder los.

„Wobei eine Exekution jetzt doch so völlig ihren Sinn verliert. Deine Seele ist ohnehin verloren und das Ende der Welt im vollen Gange. Also…“, sie wandte sich von ihm ab. „was stelle ich mit dir jetzt bloß an?“

Sie wussten nichts davon, wurde Noel in dem Moment schlagartig klar. Sie wussten nicht, dass Lightning hier war. Die Frau, jene Taten sie verehrten, in deren Hände sie all ihre verdorbenen Hoffnungen legten. Die Frau, ohne, dass sie es bemerkt hatten, die sich von ihnen abgewandt hatte und ihre Pläne zerschmettern würde, daran hatte er überhaupt keinen Zweifel. Ein widerwilliges, vielleicht auf jeden anderen leicht verrückt wirkendes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Der junge Mann stieß einen glucksenden Laut aus.

„Mach mit mir, was du willst. Töte mich, wenn du willst. Das macht überhaupt nichts…“, sagte er leise, seine Stimme war schwach. Er war müde…

‚denn ich glaube an dich, Lightning. Ich glaube daran, dass du es schaffen wirst.‘

Er brach nieder - zumindest soweit der grobe Umgang mit ihm es zuließ -, kniff die Lider seiner Augen zusammen, versuchte nicht mehr, sich länger wach zu halten. Fühlte sich vergehen, verblassen, sodass selbst der rabiate Ruck, mit dem er wieder in die Höhe gezwungen wurde, ihn nicht mehr richtig erreichte. Seine Augen öffneten sich langsam und blickten verschwommen an die hohe, vom Chaos umworbene Decke. Und je länger er den gemalten, in Grau gefangenen Himmel fixierte, umso klarer, lebendiger wurden die Engel, die er aus dem zerstörten, himmlischen Gemälde sinken sah. Bestehend aus lauter, gold, weiß und silbern glitzerenden Punkten. Rein, ehrlich, unschuldig…

Doch wie würde es wirklich weiter gehen? Jetzt, wo mehr zerstörte wurde, als jemals wieder wachsen man zu hoffen fähig war. Wie würde das Leben in der neuen Welt aussehen? Eine Welt in Frieden. Eine Welt, von keinem Gott bestimmt. Eine Welt, in der alle glücklich waren. Würde es eine solche Welt denn wirklich irgendwann geben?

Doch während seine Seele immer weiter in unbekannte Sphären floh, seine Sinne leise wispernd verklangen und auch kein Schmerz ihn mehr erreichte, schienen selbst diese Gedanken auf einmal nur noch unwichtig. In diesem Augenblick, in dem er fühlte, wie sein Körper starb, aber seine Seelenhoffnung nicht…

„Tötet ihn.“


~~~~°~°~°~°~ Verlieren, um zu gewinnen - 120‘ Challenge ~°~°~°~°~~~~

Sein Leben war verwirkt, seine Zeit abgelaufen.

Und doch war der Tod so fern, das Ende nicht erreicht, noch nicht endgültig.

Denn jetzt wurde ihm klar, sie waren schon immer Wanderer zwischen den Welten.

Nur ewig auf der Suche.

Nach guten, und auch schlechten Zeiten.

Wusste nicht, ob all seine Wünsche, Hoffnungen und Träume reichten, um es jemals zu erreichen.

Das Licht, dem er folgte.

Ein Licht, das immer schwächer wurde…

verzweifelter…

Unter den nagenden Gefühlen des Verlustes litt.

Ihn nicht wahr nahm, nicht spürte.

Angst hatte.

Vor der grausamen Vorstellung, von der Welt vergessen und zugleich nie gekannt zu werden.

Konnte es verstehen. Es ging ihm doch nicht anders.

Dabei war sein Licht doch immer so stark.

Er würde nie seinen hellen Glanz vergessen.

Nicht zulassen, dass die Welt es vergaß.

Denn sie würden die neue Welt erreichen.

Alle.

Gemeinsam.

„Auch mit dir.

Lightning.“

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