Mir zuliebe Sherlock. Ein Wunder.. seien Sie bitte nicht tot.

26.07.16 00:00
John ist nach Sherlock Tod verzweifelt. Er versucht damit klarzukommen, seinen besten Freund nie wieder zu sehen und zu begreifen was passiert ist. Er bereut es, Sherlock nichts von seinen Gefühlen ihm gegenüber erzählt zu haben und hofft auf ein Wunder.
Sherlock Holmes Romanze P16-M+M Tragödie/Leid In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel

Tot. Er war tot. John hatte dieses Wort schon so oft in seinem Kopf wiederholt. Wie in einer Dauerschleife spielte es sich in seinen Gedanken ab. Verspottete ihn. Er ist tot. Dein bester Freund ist tot. John schüttelte den Kopf. Er konnte diese Worte, die sich in seinem Kopf befanden nicht ausblenden. Sie dröhnten in seinem Schädel und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Seit Tagen.

Er hatte die Wohnung nicht mehr verlassen. Nicht mehr seit ES passiert war. Seit sein bester Freund sich umgebracht hatte. Umgebracht.. tot. Da war es wieder dieses Wort. Dieses verdammt endgültige Wort. Das war es was John zur Verzweiflung brachte. Diese Endgültigkeit. Jedes Mal traf es ihn wie ein Hammerschlag aus dem Nichts, wenn er sich die Bedeutung dieses Wortes wieder ins Gedächtnis rief.
Er würde Sherlock nie wieder sehen. NIE. Das war etwas was er sich nicht vorstellen konnte. Dieser Begriff war so schwer zu fassen. Nie wieder würde er Sherlock bei seinen Experimenten beobachten können oder beim Spielen der Geige. Er vermisste sogar die Leichenteile im Kühlschrank und er vermisste es für den Detective einkaufen zu gehen. Er vermisste Sherlocks Begeisterung für die Fälle, zu denen Lestrade sie regelmäßig hinzugezogen hatte. Er vermisste es wie Sherlock ihn ab und an in den Wahnsinn getrieben hatte. Er vermisste ihn. Alles an ihm.

John traten Tränen in die Augen. Zum wievielten Male an diesem Tag.. er wusste es nicht. Er saß stumpf auf Sherlocks Sessel und ließ die Zeit an sich vorüberziehen. Sie hatte keine Bedeutung mehr für ihn. Nichts hatte mehr eine Bedeutung für ihn.
Als er aus Afghanistan wiedergekommen war, hatte er nicht gedacht, dass sein Leben wieder einmal halbwegs normal aussehen würde. Denn mit Sherlock hatte sein Leben zwar alles andere als normal ausgehen, doch er war glücklich gewesen. Befreit von den schlimmen Erinnerungen an den Krieg. Abgelenkt von dem einzigen Consulting Detective weltweilt. Selbst die Albträume aus denen er früher jede Nacht schweißgebadet aufgewacht war, waren beinahe vollständig verschwunden gewesen. Jetzt.. jetzt dagegen waren sie durch etwas anderes ersetzt worden. Durch einen anderen Albtraum. Durch einen, der John den Atem raubte und das Gefühl gab zu ersticken. Durch Sherlocks Tod.

Die wenigen Male, in denen John seit Sherlocks Sprung geschlafen hatte, war er jedes Mal schreiend aufgewacht. Das Bild seines toten Freundes nur allzu deutlich vor seinen Augen. Deswegen schlief er nicht mehr.
Schwerfällig stand John auf und schlurfte in die Küche hinüber, um eine neue Kanne Kaffee aufzusetzen. Kaffee war mittlerweile zu einem seiner Grundnahrungsmittel geworden. Während er darauf wartete, dass das Wasser anfing zu kochen, schweifte sein Blick durch die Wohnung. Alles hier war so wie ER es zurückgelassen hatte. John hatte es nicht über sich gebracht, etwas zu verändern. Sherlocks Geige lag neben dem Sofa auf dem Boden und sein Morgenmantel war unordentlich auf einen Stuhl geschmissen worden. Wissenschaftliche Bücher lagen verstreut herum und Sherlocks Tasse, noch zur Hälfte gefüllt mit Tee, stand auf dem kleinen Tisch im Wohnzimmer. Einen kurzen Augenblick loderte Wut in John auf. Warum hatte Sherlock das getan? Was für einen triftigen Grund konnte es gegeben haben? Ihn einfach zu verlassen. Ohne eine Erklärung.

Das Gefühl hielt allerdings nicht lange an und machte schnell wieder der Trauer Platz. Der Trauer.. und der Reue. Warum John es Sherlock nicht gesagt hatte. Warum er nicht den Mut gehabt hatte dazu zu stehen. Zu seinen Gefühlen. Zu den Gefühlen, die er hatte, seit er Sherlock das erste Mal gesehen hatte. Er hatte Sherlock geliebt. Und er hatte es nicht geschafft es zuzugeben. Nicht einmal sich selbst gegenüber. Aber es war die Wahrheit. Er hatte sich Hals über Kopf in Sherlock Holmes verliebt und nun würde er es ihm niemals sagen können.

Der SMS Ton seines Handys riss ihn einen Moment lang aus seinen Gedanken. Er warf einen Blick auf sein Mobiltelefon. Eine Nachricht von Molly. Sie machte sich Sorgen um ihm. Genau wie Lestrade, der ihm schon etliche Male geschrieben hatte. Sogar Mycroft hatte ihm geschrieben. Aber John hatte keinem von ihnen geantwortet. Er fühlte sich noch nicht bereit dazu und war sich nicht sicher ob er es jemals sein würde. Mrs. Hudson hatte sich nicht mehr bei ihm blicken lassen, nachdem er in einem Wutanfall Geschirr nach ihr geworfen hatte, nachdem sie ihn zum wiederholten Male dazu gedrängt hatte die Wohnung zu verlassen und mit Mycroft oder Lestrade zu reden. Er hatte sie nicht getroffen und es tat ihm leid. Unendlich leid, aber er brachte nicht die Kraft dazu auf runterzugehen und sich bei ihr zu entschuldigen.

„Verdammt Sherlock“, flüsterte er. „Verdammt! Warum? Bitte. Bitte, ich bitte dich doch nur noch darum. Um ein Wunder. Ein einziges Wunder. Bitte sei nicht tot. Bitte tu mir das nicht an. Ich kann nicht mehr“, schluchzte er und sank auf den Boden. Das Wasser hatte in der Zwischenzeit schon längst wieder aufgehört zu kochen, aber John bemerkte es nicht. Und es war ihm auch egal. Er saß mit dem Rücken an die Küchenzeile gelehnt, den Kopf in die Hände gestützt und Tränen liefen ihm über die Wangen. Er blickte auch nicht auf, als die Wohnungstür sich knarzend öffnete. Auch nicht, als er Schritt auf dem Fußboden hörte.
Es war ihm egal wer es war und wer versuchen würde, ihn aus seiner Trauer zu reißen. Es würde nicht funktionieren. Als Sherlock gestorben war, war John mit ihm gestorben. Nur das John dazu verdammt war, weiter auf dieser Erde zu weilen.
Er schaute erst auf, als eine tiefe Stimme ertönte. Eine Stimme, die ihm durch Mark und Bein ging.
“Ich habe dich gehört John. Wie du um das Wunder gebeten hast. Hier ist es.“

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FoxyLin 11. Apr 2017

Schön geschrieben ich hoffe es geht bald weiter....ich liebe sherlock *_*