Wie erschafft man seine eigenen Dämonen?

24.01.17 21:47
Nun ja. Eigentlich ist die Antwort ziemlich einfach. Sie leben bereits in der Seele, eines Menschen. In dem einem mehr, in einem anderem weniger. Je nach Ereignis treten sie mehr zum Vorschein. Wenn ich es damals hätte verhindern können, hätte ich es sofort getan. Wenn ich gewusst hätte, welche Ausmaße das annimmt, hätte ich es niemals an ..
Sweet Amoris Tragödie/Leid P16 Übernatürlich Beendet
Inhaltsverzeichnis
  • Wie erschafft man seine eigenen Dämonen?

Wie erschafft man seine eigenen Dämonen?

Nun ja. Eigentlich ist die Antwort ziemlich einfach. Sie leben bereits in der Seele, eines Menschen. In dem einem mehr, in einem anderem weniger. Je nach Ereignis treten sie mehr zum Vorschein. Heute Lebe ich seit genau einem Jahr mit Ihm. Wenn ich es damals hätte verhindern können, hätte ich es sofort getan. Wenn ich gewusst hätte, welche Ausmaße das annimmt, hätte ich es niemals an meine Seele gelassen. Diesen Schmerz kann sich keiner vorstellen. Das Wissen selbst an allem, Schuld zu sein macht es nicht besser.

Wortlos starrte ich in den schwarzen, Wolkenverhangenen Nachthimmel. Kalter Wind, machte diese Erdrückende Atmosphäre nicht besser. Wie vor einem Jahr war ich hier, und starrte wie Hypnotisiert an die Stelle, wo sie einst stand. Hinter dem Zaun, des Daches unserer Schule stand sie und schaute in die Dunkelheit. Gin. Ich wusste damals wie schlecht es um sie stand. Ich wusste, dass dieser Augenblick nur eine Frage der Zeit sein würde.
Jeden Freitag habe ich sie zum Arzt begleitet und mir alles angehört. Nie werde ich vergessen können wie kaputt und in sich zusammen gesunken sie im viel zu großen Sessel saß. Auch wenn Gin für die Ärzte Stabil aussah, sagten Ihre grauen Augen etwas ganz anderes. Oft genug sagte sie, dass Ihre Tabletten nicht halfen.
Ich habe es ignoriert, ihr Psychiater hat die Dosis erhöht.
Alle haben weggesehen. Sie hätte meine Hilfe gebraucht. Mehr als jeder andere Mensch auf dieser elenden Welt. Aber ich war einfach zu dumm. Zu dumm, es zu sehen.

An diesem Abend, auf dem Dach haben wir viel geredet. Gin hat mir vieles erklärt und mir vieles verziehen. Warum tat ich es damals, in so einem Moment? Warum nicht schon vorher. Keine Ahnung. Sie lächelte ab und zu. Ich dachte sie wäre über dem Berg. Ich dachte, sie würde wieder zurück klettern. Zurück zu mir. Aber alles was sie wollte war, die Zeit zu überbrücken. Ein weiterer Fehler von mir, zu denken es wäre nur mit Worten gut zu machen.
Plötzlich knallte es, und der Himmel wurde hell Erleuchtet.
Wunderschöne Muster und Farben zeichneten sich im dunklen Himmel ab. Immer und Immer wieder. Der Geruch von verbrannten Feuerwerkskörpern stieg in meine Nase. Noch immer, sah ich gebannt zu Gin.
Ich sah den Schmerz. Ich konnte dem Dämon schier ins Gesicht sehen, der ihr all das angetan hatte. Sie lächelte, als ihr eine Träne die Wange hinunter lief.

„Danke. Für alles.“

Bittend schüttelte ich mit dem Kopf. Das war nicht, meine Gin. Sie wand sich dem dunklen Abgrund zu. Als wäre sie fremdgesteuert breitete sie ihre Arme aus und schloss die Augen. Ich schrie, und versuchte vergebens ihre Hand zu erreichen. Meine schreie wurden von den Feuerwerkskörpern verschluckt. Sie fiel und verschwand aus meinem Blickfeld. Ein dumpfes Geräusch hallte durch die Nacht. Minuten lang war es still. Fassungslos stand ich da und hielt den Atem an.
Vorsichtig ging ich zum Geländer und sah hinunter. Gin lag im Schnee.
Als würde sie zum Himmel sehen und das Feuerwerk ansehen.
Ihre grau, weißen Haare färbten sich rot. Stille Tränen bahnten sich ihren Weg über meine Wangen. Eine Ewigkeit stand ich damals dort und habe auf sie herunter gesehen.
Noch nie in meinem Leben fühlte ich mich so kaputt und gebrochen. Ich hätte alles getan, um das ungeschehen machen zu können.

Wie wild fing ich an zu schreien, raufte mir die roten Haare und schlug auf alles ein was mir vor die Augen kam. Die Tatsache, dass ich daran schuld war trieb mich in den Wahnsinn. So gern wollte ich zu Ihr um sie in den Arm zu nehmen, aber irgendetwas hielt mich davon ab. Zu dieser Zeit wusste ich nicht warum, im Gegensatz zu Heute.

Wie ein kleiner Virus, schlich er sich in meine Seele. Er schlich sich bei mir ein, um mich zu zerstören. Er tat es, als ich am schwächsten war. Es war genau derselbe, der für Gins Tot verantwortlich war. Als er das Ziel erreicht hatte, sie zum Selbstmord zu zwingen, suchte er sich jemand neues. Jemand dessen Seele ziemlich angeschlagen und kaputt war. Da nur ich bei Ihr war, konnte seine Wahl nur auf mich fallen. Er lockte mich mit Ihrer Wiederbelebung, und ich stimmte dem Vertrag zu.
Ein weiterer Fehler. Er Kontrolliert mein Denken und Handeln. Alles was ich sehen will und alles was ich nicht sehen will.
Sein Ziel ist es, mich zu Zerrstören. Mich zu so einer Tat, zu zwingen.
Nur die Erinnerungen an Gin, lassen mich nicht durch drehen.
Erst da wurde mir klar, mit welcher Bürde sie leben musste.
Nie wieder soll ein Mensch so etwas durch machen müssen, wie sie es getan hat und wahrscheinlich noch viele andere vor ihr. Vielleicht mache ich wirklich alles falsch. Aber jetzt habe ich die Changs etwas Richtiges zu tun. Entspannt lehnte ich mich an das Geländer und sah dem Feuerwerk zu.

Auch sie hat lange die Farben im schwarzen Nacht Himmel bewundert. Es kostet Unmengen an Kraft den Drang zu unter drücken, nicht hier und jetzt vom Dach zu springen. Gin konnte dem nicht standhalten. Aber ich werde es tun. Ich werde mit diesem Monster Leben. Vielleicht kann ich das wieder gut machen, was ich bei Gin nicht geschafft habe. Wer weiß, vielleicht werde ich damit auch das Leben von anderen retten. Auf weitere Sünden kann ich verzichten. Hatte Gin dasselbe Ziel und ist gescheitert?

Plötzlich fühlte ich eine Hand auf meiner Schulter. Lysander stand stumm neben mir und sah ebenfalls in den Himmel. Auch mein bester Freund musste Ihren Tot erst einmal verarbeiten. Jeder der Gin kannte, wäre nie von einem Suizid ausgegangen. Eigentlich war sie die fröhlichste Person die ich je kannte.
Jeden hat sie mit Ihrer guten Laune angesteckt. Sogar mich, und das will schon was Heißen. Gin war Hilfsbereit und hat die Bedürfnisse der anderen über ihre eigen gestellt.
Auch wenn sie am Ende mehr Arbeit hatte als zuvor. Es war ihr egal. Sie hat sich nie beschwert, nie Protestiert und nie geweint. Wenn sie geweint hat, dann alleine. Stil und für sich.
„Alles ok bei Dir?“
Ich Nickte Stumm und starrte wie Hypnotisiert weiter in die Nacht. Das Feuerwerk war schon lange vorbei und das neue Jahr hatte begonnen. „Ihr wird es gut gehen. Wo auch immer sie jetzt ist.“ Zu meiner Rechten legte sich eine weitere Hand auf das Geländer. Zwei graue Augen starrten mich mit einem dunkeln grinsen an. Fast schon wirkte es angsteinflößend. Mein Dämon macht sich oft einen Spaß daraus, und nimmt die Gestalt von Gin an. Ich ließ meinen Blick nur kurz zu Ihm schweifen. „Ja davon bin ich überzeugt.“, „Kommst du wieder mit rein? Die Sonne wird gleich aufgehen.“

„Ja, geh schon mal vor.“ Er verschwand und ließ mich allein mit Ihr. Als Lysander verschwunden war, stieß sich das Wesen vom Geländer ab und schlich um mich herum. Flüsterte mir Dinge ins Ohr, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagten. Sie schrie und schimpfte so laut das ich mir am liebsten die Ohren zu halten würde. Stattdessen sah ich stur geradeaus zur aufgehenden Sonne.
Der Dämon verzog das Gesicht zu einer unheimlichen, Wütenden Fratze und verschwand mit dem Schein der Sonne, in meinen Körper zurück.
Meine sonst grauen Augen, formten sich zu Schlitzen und färbten sich rötlich. Ich Atmete tief durch und trat den Rückweg an. Das Sonnenlicht spiegelte sich im Dämonen rot, meiner Augen. Nie wieder wird dieses Vieh das Wichtigste nehmen was ich habe. Nie wieder …

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SweetSecret 12. Aug 2017

Toll geschrieben:)