Ich will Leben!

vor 4 Mon.
Nachdem Tobias -auch Tobi genannt- seine Mutter verliert weiß er nicht mehr weiter. Er isoliert sich von seinen Freunden und verbringt nur noch Zeit in seinem ihm fremden neuen Zimmer. Nach dem er zu seinem Vater zieht, welchen er fünf Jahre lang nicht gesehen hat wird alles nur noch schlimmer. Bis es ihm eines Tages zu viel wird und er sich um..
Liebe/Romantik Drama P16 Romanze In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Verlust

Mein Wecker riss mich aus meinem wunderschönen uns erholsamen Schlaf. Wie sehr ich dieses Ding doch hasste am liebsten würde ich es einfach gegen die Wand klatschen. Genau dies tat ich auch und das uralte, nervtötende Ding gab einen letzten Ächzer von sich bevor er endgültig verstummte. Manche fragten mich immer warum ich nicht mein Handy als Wecker benutzte, aber das lag doch klar auf der Hand. Ich hatte keinen Bock mir alle zwei Wochen ein neues Handy zu kaufen, dass würde meinem Konto gar nicht gut tun. Ich könnte ja auch wie einige aus meiner Klasse es taten, meine Mutter bitten mich morgens zu wecken, aber diesen zusätzlichen Stress wollte ich ihr nicht auch noch antun. Seit Dad sie vor fünf Jahren betrogen hatte und dann einfach mit seiner Affäre durchgebrannt war, litt sie an starken Depressionen. Und zur Arbeit musste sie erst um 10 Uhr weshalb sollte ich sie dann zwingen vier Stunden vorher aufzustehen. Nein, ich verzichte, lieber kaufte ich mir andauernd neue Wecker. Die Teile waren ja nicht so teuer. Nach ein paar Minuten gab ich mir einen Ruck und sprang vom Bett auf. Ich konnte es mir nicht leisten noch mal zu schwänzen, sonst würde ich garantiert sitzen bleiben. Und darauf hatte ich echt kein Bock. Mit schlurfenden Schritten begab ich mich ins Badezimmer um mich fertig zu machen.

Ein Blick in den Spiegel verriet mir das ich echt fertig aussah, meine kurzen, blonden Haare hingen mir ins Gesicht, meine grün/gelben Augen wurden von dicken Augenringen umrandet und abgenommen hatte ich auch schon wieder.

„Wow, siehst du wieder geil aus, Tobi! Jedes Weib steht auf so lauchige Kerle wir dich", sagte ich vor Sarkasmus triefend in den Spiegel. Ich hüpfte unter die Dusche damit ich mich nicht länger im Spiegel angaffen musste.

Nachdem ich meinen Körper gereinigt hatte verschwand auch meine Müdigkeit und ich kümmerte mich um meine Haare und versuchte sie ein wenig zu stylen. Schon sah ich aus wie ein anderer Mensch. Okay, das war vielleicht ein wenig übertrieben, aber zumindest konnte man mich nun wieder ansehen ohne das man direkt erblindete. Nur an meiner Figur hatte die Dusche leider nichts verändert, noch immer war ich untergewichtig und noch immer konnte man jede einzelne Rippe bei mir mit bloßem Auge sehen. Ich würde wirklich alles dafür tun zuzunehmen, jedoch schaffte ich es einfach nicht viel essen in mich herein zu würgen. Es waren immer nur ein paar happen. Wenn ich mehr aß dann wurde mir immer schlecht und ich musste brechen. Mit einem Blick auf die Uhr bemerkte ich das ich schon spät dran war, zog meine Schuhe an, verließ unsere kleine Wohnung und machte mich auf den Weg. Kaum hatte ich die Haustür geöffnet entwich mir ein genervtes Stöhnen. War ja klar das es mal wieder regnete. Eigentlich hatte ich nichts gegen den Regen, aber er nervte mich tierisch, wenn sich die liebe Mutternatur mal wieder dachte mir die Frisur schon am frühem Morgen zu versauen. Gegen die Natur rebellierend zog ich mir meine Kapuze ins tief Gesicht und stiefelte endlich los.

„Tobiiii!", diese schrille, hohe Stimme kannte ich nur zu gut. Ich drehte mich in die Richtung aus der ich glaube die Stimme zu vermachen und sah meine beste Freundin Cathy. Ich wartete damit sie mich einholen konnte und umarmte sie zur Begrüßung.

„Gut das ich dich Treffe! Wollen wir vielleicht zusammen zur Schule gehen?", fragte sie mich.

„Das du das noch fragst! Wir gehen eigentlich jeden morgen zusammen", verdrehte ich die Augen und schmunzelte.

„Ja, das stimmt schon, aber vielleicht hast du ja heute keinen Bock auf mich", sagte sie und lächelte mich an. Cathy wusste genau das sie immer zu mir kommen konnte, also wusste sie auch, dass es so gut wie niemals Momente gab in denen ich keine Lust hatte was mit ihr zu machen. Wir machten so gut wie was immer zusammen und es ist auch sehr außergewöhnlich das wir mal nicht beieinander übernachtet hatten. Viele Leute dachten auch genau deswegen das Cathy und ich was miteinander hätten, aber wir empfanden lediglich Freundschaft füreinander. Und diese lebten wir auch so gut wie wir konnten aus. Es regte mich auch ein wenig auf, dass manche glaubten eine Freundschaft zwischen Mann und Frau sei nicht möglich.
„Worüber grübelst du so? Dir steigt ja förmlich der Rauch vom Kopf auf", sie sah mich neugierig an.

„Über nichts besonders. Das Wetter heute ist echt kacke, findest du nicht auch?", ich hatte kein besonderes Interesse daran mich mit Cathy über meine Gedankengänge zu unterhalten.

„Du willst doch nicht ernsthaft über das Wetter reden oder?", Das ebenfalls blonde Mädchen zog eine Augenbraue hoch und funkelte mich aus braunen Augen an.

„ Wieso denn nicht?", fragte ich und zog grinsend eine Augenbraue hoch.

„Weil... äh... weil darum!", stammelte sie. Wir schlenderten weiter und erreichten endlich das trockene innere der Schule. Meine Klamotten klebten mir so am Leibe wie eine unangenehme, schwere zweite Haut. Es war auch echt dumm von mir, mir keinen Schirm mitzunehmen.

„Du siehst echt scheiße aus", lachte Cathy mich aus.

„Dann schau du sich doch mal an! Deine Haare hängen dir wie ein nasser Waschlappen vorm Gesicht rum!", konterte ich und lachte sie aus.

„Und dein Make-Up ist auch verlaufen, benutz das nächste mal lieber Wasserfestes", fuhr ich glucksend fort.
„Du bist blöd!", kicherte das Waschlappenmonster vor mir. Die erste Schulklingel sagte uns das wir nur noch fünf Minuten Zeit hätten um in unsere Räume zu gelangen. Cathy und ich machten uns langsam auf den Weg zu unserer Klasse und tropften dabei den ganzen Schulflur voll.

„Beeil dich mal ein bisschen, du Vollhonk!", herausfordernd sah die blonde mich an und ehe ich mich versah rannte sie schon los. Sie wollte also ein Wettrennen. Das konnte sie ruhig haben, trotz meiner eher mageren Figur war ich nicht gerade langsam, da ich alle zwei Tage joggen ging um meinen Muskelaufbau etwas zu unterstützen. Bisher konnte mal zwar keine wirklichen Ergebnisse erkennen, aber irgendwann in der Zukunft hoffte ich darauf nicht mehr der ultimative Lauch zu sein. Ich rannte Cathy hinterher und nach nur ein paar angerempelten Schülern später hatte ich sie eingeholt.

„Leg mal 'nen Zahn zu wenn du nicht willst das ich dich überhole", flüsterte ich direkt hinter ihr. Nun legte Cathy wirklich einen Zahn zu. Nun liefen wir in gleicher Geschwindigkeit, aber sie wusste nicht das ich mich noch ein wenig zurück hielt. Ein zweites klingeln ertönte und wir ließen uns genau rechtzeitig in unseren Raum nieder.

Nach mir unendlich lang erscheinenden 8 Stunden Unterricht durfte ich mich endlich auf den Weg nach Hause machen. Und zu meinem Glück hatte es aufgehört zu regnen. Cathy wurde heute von ihrer Mutter abgeholt weswegen ich alleine Nachhause gehen musste. Glückliches Schwein! Ich beneidete sich ehrlich darum. Meine Mutter hatte nämlich vor drei Jahren ihren Führerschein verloren als sie zum wiederholten male betrunken beim Fahren erwischt wurde. Mich störte es nicht damals nicht wirklich ich war damals 14 und fand es cool immer mit der Bahn irgendwo hinzufahren. Inzwischen fand ich Bahn fahren immer noch cool, aber ich verließ mich lieber auf mein Board um von A nach B zu gelangen. Jap, ich war leidenschaftlicher Longboarder. Einer der wenigen Trends bei denen ich mitgegangen war. Zu Anfang hatte ich mich echt mega dumm angestellt und war sogar beim geradeaus fahren auf die Fresse geflogen. Jetzt konnte ich mit stolz behaupten das ich eigentlich nur noch auf die Fresse flog wenn ich über einen Bordstein fuhr.

Zuhause angekommen Schloss ich die Wohnungstür auf. Das hieß wohl das meine Mum zur Arbeit gegangen war. Erleichtert trat ich ein. Sie konnte froh sein das sie ihren Job überhaupt noch hatte, so oft wie sie fehlte. Ich zog meine Schuhe und Jacke aus. Mit einem leicht angewiderten Gesichtsausdruck bemerkte ich das ich wohl schon wieder Duschen müsse. Der Regen heute morgen hatte seinen Teil dazu gegeben, aber auch die Pfütze vorhin in die ich eine Bruchlandung gemacht hatte, weil ich zu faul war mein Schnürsenkel zuzumachen. Vorher dachte ich das dies nur in Filmen möglich wäre da ich noch nie aus diesem Grund hingeflogen war. Tja es war wohl doch möglich. genervt tapste ich ins Bad.

Eine Dusche später machte ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer was ich dort sah lies meine Kinnlade herunter klappen. Meine Mutter lag auf dem Sofa und schlief. Sie war also schon wieder nicht Arbeiten gegangen. Aber wieso hatte sie dann abgeschlossen?

„Mum, steh auf!", sagte ich leicht säuerlich. Keine Reaktion. Ich ging auf sie zu und rüttelte leicht an ihrer Schulter.

„Mum?", wieder keine Reaktion. Das gab es doch nicht wie fest konnte diese Frau denn bitteschön schlafen. Ich ging in die Küche, holte ein Glas und füllte es mit kaltem Wasser. Dies musste sie einfach wecken. Ich goss die kalte Flüssigkeit über ihr Gesicht und fing an mir sorgen zu machen als ich noch immer keine Reaktion von ihr vernahm.

„Mum!", rief ich nun etwas lauter. Erst jetzt bemerkte ich die leeren Packungen auf dem Wohnzimmertisch liegen. Sie sahen ein wenig so aus wie die von Aspirin. Als ich sie genauer unter die Lupe nahm las ich im kleingedruckten das Wort Schlaftabletten. Verzweifelt suchte ich nach dem Puls meiner Mutter. Ich war kein Arzt oder so und hatte auch allgemein immer Probleme dabei den Puls zu finden. Aber als ich nicht mal etwas fand als ich ihren Hals abtaste zückte ich mein Handy und rief einen Krankenwagen.

Meine Mum wurde Notdürftig von den Sanitätern untersucht, der eine schaute mich mitleidig an und schüttelte den Kopf. Im inneren war mir natürlich klar was er damit meinte, aber es drang noch nicht zu meinem Gehirn durch und ich sah ihn fragend an. Langsam kam der Sanitäter auf mich zu.

„Wir werden deine Mutter nicht mehr retten können", noch immer realisierte ich seine Worte nicht.

„I-ist sie... Tod?", fragte ich. Der Sanitäter nickte. Danach wurde ich von einer Art... Vakuumblase eingehüllt die alles um mich herum abprallte und die Worte der Sanitäter merkwürdig dumpf erscheinen lies. Ich hörte sie, aber verstand sie nicht. So als würden sie eine andere Sprache. Meine Mutter war Tod. Das einzige Familienmitglied das mir noch geblieben war, nachdem mein Vater sich verpisst hatte und niemand wusste wo er sich aufhielt. Die ganze Zeit schwirrte nur der eine Gedanke in meinem Kopf herum und ich bemerkte gar nicht wie ich ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Meine Mutter war Tod.

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