VNP - Very Normal Person (REUPLOAD)

15.04.17 15:10
Jamie hat mit Fußball so gar nichts am Hut. Als sie nach Dortmund zieht und ihr Bruder sie zu einem Spiel der Borussia mitnimmt ist sie nicht gerade begeistert - bis sie Moritz kennenlernt. Ein ganz normaler Typ... oder?
Borussia Dortmund Romanze P16 Humor In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

„Jamiiiiiiiiiiiiiiiiiiiie!“ „Saaaaaaaaaaaaaaaaaaamiiiiiiiiiiiiiiiahhhh, scheiße!“ Na wenn das mal kein perfektes hollywoodtaugliches Wiedersehen war.
Da stand mein großer Bruder Samuel nach zwei Jahren eher sporadischem Kontakt in meiner Zimmertür und was tat ich? Ich fiel über den nächstbesten Umzugskarton. In Zeitlupe aufeinander zu laufen sollte man dann wohl doch besser draußen. Auf einer Blumenwiese. Und nicht in einem Raum, dessen größter Bestandteil diese hässlichen Pappdinger waren, die immer noch darauf warteten ausgepackt zu werden.
Gestern war der erste Tag meiner wohl verdienten Sommerferien gewesen. Doch anstatt vorfreudig in einer fliegenden Sardinenbüchse auf dem Weg in den Süden zu sein, saß ich mit Leidensmiene neben meiner debil grinsenden Mutter in einem Umzugswagen der sich über die hoffnungslos überfüllten Autobahnen kämpfte. Umziehen am ersten Ferientag. Wer hats erfunden? Ironischerweise der schweizer Chef des Umzugsunternehmens, der den LKW nur noch an diesem Tag frei hatte. Also saßen wir jetzt leicht gequetscht in der Mittagshitze in einem Lastwagen und hörten der leicht gebrochenen Erzählung unseres polnischen Fahrers Karol zu, der seit Stunden irgendwas von seinem Pudel schwafelte. Kurz gesagt: Ich schwitzte wie verrückt und ich langweilte mich. Beides Zustände, an die ich mich besser gewöhnte. Denn es war Sommer und weit und breit war kein erfrischendes Meer in der Nähe und wenn man absolut keinen Menschen in dieser schrecklich großen Stadt kennt ist Langeweile vorprogrammiert. Die einzige die wie ein Honigkuchenpferd vor sich hin strahlte war meine Mutter. Schon seit Monaten freute sie sich auf ihren neuen Job im Krankenhaus im Dortmunder Stadtteil Brackel. Allein wenn ich schon an den Namen dachte, schüttelte es mich. Aber anscheinend war ich die einzige, die damit Brackwasser assoziierte. Als ich dann endlich die rettenden Buchstaben auf dem großen gelben Schild sah, trübte sich meine Stimmung noch mehr. Natürlich war ich froh mich endlich wieder bewegen und richtig atmen zu können, aber noch viel lieber wäre ich jetzt wieder in meinem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein in dem die Luft immer ein bisschen nach Salz roch und nicht so industriemäßig wie hier und hätte mit meiner Clique die Halfpipes mit unseren Skateboards gerockt.
Stattdessen stand ich jetzt vor meinem neuen Zuhause. Es war aus grauem Stein und schien noch ziemlich neu. Doch trotzdem war es schon von vielen Bäumen umgeben und versprühte ein bisschen norddeutsche Gemütlichkeit.

„Na Schatz, wie gefällt es dir?“ Meine Mutter, die zuvor den schon auf uns wartenden Umzugshelfern ein paar Anweisungen gegeben hatte, legte jetzt ihren Arm um mich. „Als ich es gesehen habe wusste ich sofort: Das oder keins. Ich hab mir gedacht, dass du vielleicht ganz gerne ein Stück alte Heimat hier im Pott hättest.“ Sie lächelte. „Ja, ganz nett. Aber ist es nicht ein bisschen zu groß für uns beide?“ „Du weißt ich habe mir schon immer ein größeres Arbeitszimmer gewünscht und naja…“ Sie lächelte und ich wusste genau, was sie dachte. Sie wünschte sich noch immer, dass Samuel wieder bei uns einziehen würde. Auch ich hatte nichts dagegen wieder einen Mann im Haus zu haben. Meinen Vater hatte ich nie kennen gelernt, er hatte sich schon vor meiner Geburt aus dem Staub gemacht. Alles was ich von ihm kannte war seine Kontonummer von den Unterhaltszahlungen. Und dass meine Workaholic-Mutter jemand Neuen an ihrer Seite haben würde sah ich in näherer Zukunft auch nicht. Vielleicht würde sie hier ja endlich mal zur Ruhe kommen und auch mal wieder ausgehen, jetzt wo sie ihre wohl verdiente Beförderung bekommen hatte. Ich würde es ihr gönnen.
Denn Samuel ließ sich partout nicht davon überreden aus seiner Wohngemeinschaft mit seinem Freund David aus- und in unseren weiblichen Chaoshaushalt wieder ein zu ziehen.
Ja, Sami war schwul. Aber nicht so tuntig schwul, sondern einfach irgendwie cool schwul, weswegen ich von vielen Mädchen aus meiner Klasse bis heute beneidet wurde. Entsprechend traurig war ich auch, als er nach Dortmund ging um Sportjournalismus zu studieren und ich ihn nur noch pixelig über Skype oder an Weihnachten zu Gesicht bekam.
„Ma, Sami kommt nicht wieder zurück. Ich kanns verstehen.“ Ich grinste und spielte mit dem Skateboard in meinen Händen. Ich hatte mich geweigert es in einen Karton zu stopfen, deshalb hatte es genau wie der Katzenkorb im Fußraum des LKWs Platz gefunden.
„Na komm, nimm Naomi und dann zeig ich dir mal das Haus, ja? Ich hoffe ich habe deinen Geschmack getroffen.“ Mehr oder weniger motiviert zog ich vorsichtig den Korb mit meiner Katze Naomi aus dem Laster. Nicht, dass ich irgendetwas von Topmodels hielt, aber sie war einfach eine schwarze Schönheit. Nur lange nicht so launisch wie ihre Namensgeberin.
Neugierig betrat ich hinter meiner Mutter unsere neuen vier Wände. Ich war das erste Mal hier, da ich mich bisher standhaft geweigert hatte bei der Einrichtung des Hauses zu helfen. Aber es gefiel mir. Alles war in weiß, creme und warmen Holztönen gehalten. Das Erdgeschoss war aufgeteilt in ein kleines Gästebad, Mamas Arbeitszimmer, eine Küche mit Essplatz, sowie einem großen Wohnraum mit Sofalandschaft und einem großen Esstisch. Eine geschwungene Holztreppe führte ins Obergeschoss. Von dem kleinen Flur gingen vier Türen ab. Da waren ein kleines Gästezimmer, das große Badezimmer, das Schlafzimmer meiner Mum und schließlich mein Zimmer.

„Meine Fresse ist das hübsch geworden. Dankeschön!“ Spontan umarmte ich meine Mutter. Aber nur kurz. Schließlich war ich immer noch ziemlich sauer, dass ich mein ganzen altes Leben aufgeben musste. Sie lächelte. „Dann nutz die paar Minuten um dich ein bisschen umzusehen und anzukommen, bevor hier alles voller Kartons ist. Und bitte lass Naomi erst raus, wenn die Arbeiter weg sind, sonst können wir bald Suchplakate aufhängen.“ Und weg war sie. Neugierig trat ich weiter in mein Zimmer ein und musste ein bisschen über mich selber lachen. Ich war zwar mit vollem Herzen Skateboarderin, was ja nicht gerade das weiblichste war, aber wenn es um mein Schlafzimmer ging musste es gemütlich sein. Es war in weiß und blau gehalten und ich war mir sicher, dass die vielen Kissen einen tollen Freunde-Ersatz abgeben würden. Als könnte sie meine Gedanken lesen, kam ein leises Jaulen aus dem Katzenkorb. „Na dich hab ich natürlich auch noch. Als ob ich dich vergessen könnte.“ Lächelnd steckte ich einen Finger durch das Gitter, der sofort von einer rauen kleinen Zunge bearbeitet wurde. Kichernd und so gut es ging kraulte ich sie hinter dem Ohr.
Doch wie von meiner Mutter vorausgesagt hielt diese traute Zweisamkeit nicht lange. Schon war das laute Stampfen der stämmigen Umzugshelfer auf der Treppe zu hören, die unsere Kartons in die jeweiligen Zimmer trugen. Nach einer Stunde war der LKW leer, unser Haus aber dafür umso voller. Kaum waren die Arbeiter weg, machte sich meine Mutter schon fröhlich summend daran, auszupacken. Doch ich ließ meine Kartonstapel unangetastet. Es war zwar erst acht Uhr abends, aber ich war müde. War Müdigkeit nicht auch ein Anzeichen von Depressionen? Na super. So schnell machte Dortmund also depressiv.

Auch jetzt, einen Tag später, vertrat ich diesen Standpunkt immer noch. Außerdem schien hier auch noch die Schwerkraft stärker zu sein, als anderswo. Dagegen war das Bermudadreieck ein Rosamunde Pilcher-Film.
Lachend half Sami mir hoch. „Wie ich sehe hast du angefangen auszupacken?“ Es klang mehr wie eine Feststellung, als wie eine Frage, als er seinen Blick über die überall im Raum verteilten Kisten schweifen ließ. „Ich will nicht drüber reden.“ muffelte ich nur und klopfte meine Hose ab.
„Wie ich meine kleine Pessimistin vermisst hab. Na komm her!“ Lächelnd zog er mich in eine feste Umarmung, die ich erwiderte.
„Ich hoffe, du hast heute noch nichts vor.“ Sagte er lächelnd, als er sich schließlich von mir löste. „Sehr witzig. Was soll ich denn schon vorhaben?“ „Ach das wird schon. Wahrscheinlich wirst du schneller Freunde finden, als du gucken kannst. Und wer dir blöd kommt wird von mir persönlich vermöbelt.“ Er grinste. „Aber um auf heute zurückzukommen…“ Er grinste noch breiter und zog einen gelb-schwarz gestreiften Polyester-Fetzen hinter seinem Rücken hervor.
„Nee, oder!?“

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blue-rider 15. Apr 2017

Hallo,

bitte unterlasse es, bei jedem Kapitel zu aktualisieren. Diese sind ja nicht "neu", da es sich um einen Reupload handelt. Solltest du weiterhin aktualisieren, obwohl es sich nicht um eine neue Geschichte handelt, werde ich den Text zeitweise sperren.

Gruß
blue-rider

uniquesnowflake 15. Apr 2017
Hallo blue-rider, welcher Aktualisierungszeitraum ist denn bei einem Reupload erlaubt? Liebe Grüße, uniquesnowflake