Wenn der Tränkemeister mit der Kunstlehrerin

vor 2 Tagen
Die berühmte Künstlerin Raqoovah Thompson (OC) kommt nach Hogwarts, um dort von nun an magische Kunst zu lehren. Als sie dort zum ersten Mal auf den unnahbaren Zaubertranklehrer Severus Snape trifft, ist sie sofort von ihm angetan und versucht nun inständig, seine Aufmerksamkeit zu erlangen; offenbar mit Erfolg, denn der dunkle Zauberer schein..
Harry Potter Romanze P16 Fantasy In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Die Verkündung - Teil 2

An diesem Nachmittag beendete ich den Unterricht meiner Erstklässler etwas früher, denn heute fand ein Quidditchspiel zwischen Ravenclaw und Slytherin statt, worauf die Schüler schon die ganze Woche hinfieberten und deren Konzentration mit jeder weiteren Minute spürbar abnahm.
Ich gab zu, dass ich das Spiel auch kaum erwarten konnte und das nicht nur, weil ich Ravenclaw Slytherin unbedingt besiegen sehen wollte, sondern auch, weil ich mich aus gutem Grund mit Severus treffen konnte. Während sich unsere verfeindeten Häuser den Kampf lieferten, schenkte uns niemand in der hintersten Reihe Beachtung, wenn wir uns aufzogen und spitze Bemerkungen über das gegnerische Team machten oder dem anderen ein Tor der eigenen Mannschaft unter die Nase rieben. Dort mussten wir uns nicht verstellen, da wir in der abgelenkten Masse untergingen und konnten völlig zwanglos sein, ganz im Gegensatz zur Hausaufgabenaufsicht.
Denn wie gewöhnlich lief Severus durch die Tischreihen, während ich an meinem Platz saß und korrigierte. Nur in unbeobachteten Momenten warfen wir uns kurze Blicke zu, bevor jeder wieder seiner Tätigkeit nachging und auch während des Essens war die Stimmung irgendwie merkwürdig. Der einzige Lichtblick war, dass wir nach dem Abendessen Zeit nur für uns hatten, auch wenn wir erst unsere eigenen Räume aufsuchten, um von dort zu apparieren.
Soweit ich wusste, hatte niemand von uns erfahren, wir gaben uns schließlich alle Mühe, damit es dazu kam. Und ganz offensichtlich fiel es Severus leichter als mir, er setzte einfach seinen gewohnten emotionslosen Gesichtsausdruck auf. Das Kollegium ahnte ebenfalls nichts, immerhin verbrachte ich wie gewohnt die meisten Pausen und Freistunden im Lehrerzimmer, aber an manchen Tagen, wenn es sich ergab und unsere Freistunden zusammenfielen, trafen wir uns meistens in Severus‘ Büro, da sich im Normalfall niemand dorthin verirrte. Nur vor einem Zauberer konnten wir es nicht verbergen und das war Albus. Aber er wünschte uns nur das Beste und respektierte den Wunsch, unsere Beziehung bis auf weiteres geheim zu halten. Dass er es wusste, fanden wir jedoch beide nicht schlimm, da wir sicher sein konnten, dass Albus niemals ein Geheimnis verriet.
Die Erstklässler packten ihre Sachen zusammen und ich hörte, dass sie vorhatten, jetzt gleich zum Quidditchfeld rüberzugehen, um sich die besten Plätze zu sichern.
„Habt ihr denn heute keine Hausaufgaben?“, erkundigte ich mich.
„Nein!“, strahlten die Schüler.
„Auch nicht in Zaubertränke?“
„Nein, Professor Snape hat uns nichts aufgegeben, das gab es noch nie!“, jubelten sie und ich zog überrascht eine Augenbraue hoch.
Nachdem wir mittlerweile jeden Abend miteinander verbrachten, wurde das Korrigieren von Hausaufgaben immer lästiger, da es so viel Zeit in Anspruch nahm und Severus an manchen Tagen bis spätabends an seinem Schreibtisch saß. Oft kam er erst ins Bett, wenn ich schon schlief, aber anscheinend hatte er nun eine Lösung gefunden, die nicht nur ihm zusagte: weniger Hausaufgaben.
Als der Gong ertönte, stürmten die Hexen und Zauberer hinaus auf die Gänge. Der Letzte hatte das Klassenzimmer soeben verlassen, als ich mich daranmachte, im Raum Ordnung zu schaffen. Ich zückte meinen Zauberstab und ließ sämtliche Gegenstände an ihre vorgesehenen Plätze fliegen, keine Sekunde zu früh, denn kaum war ich fertig, stand Severus plötzlich in der Tür. Als er eintrat, sah er sich aufmerksam um, ich glaube, er hatte den Kunstsaal vorher noch nie betreten.
„Was machst du denn hier?“, wollte ich deshalb überrascht wissen.
„Ich wollte dich von einer Idee überzeugen.“
„Eine Idee?“
Er grinste.
„Was hältst du davon, wenn wir nun alle von unserer Beziehung in Kenntnis setzen würden?“, fragte er und ich konnte fast nicht glauben, was gerade über seine Lippen kam.
„Das fragst du noch? Um mich musst du dir da keine Gedanken machen, es kommt ganz auf dich an. Willst du es denn?“
Er nahm meine Hand und zog mich zu sich.
„Absolut.“
Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte… Stattdessen schlang ich überglücklich meine Arme um ihn. Endlich würde diese Heimlichtuerei ein Ende finden! Vorbei waren die Tage, an denen wir abends in das Zimmer des anderen apparierten, um nicht gesehen zu werden und morgens wieder zurückzukehren, damit wir nicht aus ein und demselben Zimmer kamen und nie wieder würden wir uns Ausreden einfallen lassen müssen, wenn wir doch öfters außerhalb der Unterrichtszeit zusammen gesehen wurden. Wir würden uns während des Essens ausgelassen unterhalten und müssten uns für eindeutige Blicke nicht mehr rechtfertigen.
In den letzten Wochen hatte Severus immer Wert darauf gelegt, dass unsere Gespräche in der großen Halle auf ein Minimum beschränkt blieben und wir unsere Blicke bei uns behielten. Anfangs fiel es mir noch schwer, den Mann, dem ich eben noch meine Lippen auf den Mund drückte, plötzlich zu ignorieren, aber mit der Zeit wurde es besser. Vor allem, nachdem mich Severus ein paar Unterrichtsstunden Selbstdisziplin lehrte, in denen ich lernte, meine Gedanken und Gefühle zu kontrollieren.
All das würde nach schier endlosen anderthalb Monaten endlich ein Ende haben und ich freute mich unbeschreiblich darüber. Ich hatte es mir zwar nicht anmerken lassen wollen, aber insgeheim hatte ich mir in der letzten Zeit nichts sehnlicher gewünscht, als mit der Wahrheit rauszurücken und es in die Welt hinauszuschreien. Aber ich sah, wie Severus vor allem in den letzten Wochen immer entspannter wurde, sodass ich seinen Fortschritt nicht boykottieren wollte.
„Sehr schön“, sagte Severus. „Dann werde ich Albus gleich mitteilen, dass seiner Rede zum Abendessen ein episches Ereignis folgen wird.“
„Du meinst die Ansage, dass du tatsächlich eine Freundin gefunden hast?“, scherzte ich.
„Und dann auch noch eine Ravenclaw“, gab Severus zu bedenken. „Welch Schande.“
Wir grinsten und dann machte er sich auf den Weg.
Heute Abend würde es also soweit sein. Ein leises Kribbeln machte sich breit. Dabei hatte ich doch eigentlich keinen Grund, aufgeregt zu sein…

Ich wurde augenblicklich aus meinen Gedanken gerissen, als Albus sich erhob und mit einem Löffel ein paar Mal gegen das Glas in seiner Hand klopfte, um für Ruhe zu sorgen.
Ich begann, nervös mit den Fingernägeln auf der Tischplatte zu kratzen und warf einen kurzen Blick zu Severus, der sich sachlich zu Albus gedreht hatte und seinen weiteren Ausführungen lauschte. Wie jeden Abend hielt er gegen Ende des Abendessens eine kurze Rede, um danach Schüler und Lehrer in ihre Räume zu entlassen. Als er allerdings heute seinen Schlussmonolog beinahe beendet hatte, fügte er noch stimmungsvoll hinzu:
„Und nun bitte ich um Aufmerksamkeit, da Professor Thompson und Professor Snape eine wichtige Ankündigung zu machen haben.“
Mit einem Mal drehten sich alle Köpfe in unsere Richtung. Ich war gespannt, was Severus tun würde, ob er eine kurze Rede halten, es beiläufig erwähnen oder mich einfach vor allen küssen wollte, obwohl ich letzteres eher ausschloss.
Stattdessen verschränkte er seine Hand mit meiner auf dem Tisch und wir sahen uns einen Moment lang mit festem Blick in die Augen, als wir uns wieder abwandten und auf die Reaktionen warteten. Etwas unschlüssig tuschelten die Schüler und Lehrer, als Albus Klarheit schaffte und feierlich verkündete:
„Professor Thompson und Professor Snape sind nun offiziell ein Paar.“
Mit einem Mal war es totenstill im Saal. Ein Schüler ließ vor Schreck seine Gabel fallen, die mit einem lauten Klirren auf den Teller fiel und neben mir konnte ich Severus leise „Longbottom…!“ zischen hören. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Schlossbewohner ihre Sprache wiederfanden und reges Gemurmel einsetzte. Es war irgendwie unangenehm.
Ich schnappte ein paar Gesprächsfetzen der Kollegen auf, deren Reaktionen unterschiedlich waren. Ich hörte Dinge wie „Severus und Raqoovah, die passen doch gar nicht zusammen!“, „Das wird nicht lange halten…“, „Meinen Segen haben sie!“, „Ob da nicht schwarze Magie im Spiel war…?“, „Nach all der Zeit hat es Severus mehr als verdient, nicht mehr allein zu sein!“, „Als sie während der Quidditchspiele so vertraut miteinander waren, hätte ich es eigentlich merken müssen…“.
Einzig und allein Hagrid lächelte freudig und prostete uns zu.
Albus entließ alle in ihre Gemeinschaftsräume, aber seine Kundgabe ging fast unter. Zu erschütternd war diese Verkündung. Es dauerte lange, bis sich die große Halle endlich geleert hatte und nur noch Albus übrig war.
„Sie haben das doch recht positiv aufgenommen“, strahlte der Schulleiter. Wenn er damit meinte, dass zumindest keiner Selbstmord beging, dann hatte er wohl recht.

„Wie wäre es noch mit einem Butterbier zur Feier des Tages?“, fragte Severus später, als wir den Korridor entlang liefen.
„Klar, hast du welches?“
„Filch hat einige konfisziert, aber ich glaube kaum, dass es jemanden stören würde, wenn wir bei der Vernichtung dieser Regelwidrigkeiten helfen würden.“

Ob es etwas Schöneres gab, als mit Severus nachts auf den Stufen der Treppe in einer menschenleeren Eingangshalle mit einer illegalen Flasche Butterbier anzustoßen? Glaube ich kaum.

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FUNFACTS zu ‘Die Verkündung Teil II - ihre Sicht‘
Schon gewusst?

[x] Ursprünglich sollten beide Teile von ‘Die Verkündung‘ ein einziges Kapitel werden, aber es ist so lang geworden, dass zwei daraus entstanden.

[x] Dieses Kapitel ist eines der am meisten überarbeiteten Kapitel der gesamten FF.

[x] Das zusätzliche Ende, das nach der Überarbeitung nachträglich eingefügt wurde, hat mich auf die Idee für ein eigenständiges einzelnes Kapitel gebracht, das zwischen dem 2. und 3. Teil erscheinen wird.

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ATheobald84 20. Jun 2018

Juhu endlich geht es mir den beiden wieder Berg auf. Und ja sein Lieblings Zitat ist auch meines hab eine Kette wo das drauf steht mit den patronus von seversus. Bin gespannt wie es weiter geht

TheRealTR 30. Jun 2018
Hallo ATheobald84, danke für dein Review! Ja, endlich ein Happy-End in Sicht ^^ Ich finde auch, dass das eines der schönsten Zitate in HP ist ^^ TheRealTR
Yen00 02. Jun 2018

Hallo TheRealTR,

ich habe soeben alle bisher veröffentlichte Kapitel innerhalb einiger Tage gelesen und muss zugeben, dass die Art wie du schreibst mich echt fasziniert!
Oft musste ich schmunzeln und finde es gut, dass du die Sicht von Severus und Raqoovah(übrigens ein echt interessanter Name) mit einbeziehst.
Von den bisherigen Severus Snape Fanfictions die ich gelesen habe finde ich deine am spannendsten und professionellsten, da du auch sehr auf deine Wortwahl achtest.
So macht es viel mehr Spaß deine Fanfiction zu lesen und man darf gespannt auf die nächsten sein. ;)
Ach und das Kapitel mit der WhatsApp-Gruppe hat mich echt umgehauen haha.
Mach weiter so! :D

Liebe Grüße,
Lilian

TheRealTR 03. Jun 2018
Hi Yen00, danke für dein Review!! Freut mich, dass dir die FF so gut gefällt, dass du alle Kapitel am Stück gelesen hast ^^ Ich fühl mich echt so sehr geehrt, dass du meine Geschichte am spannendsten und professionellsten von allen Snape-FFs findest, wow, was für ein Kompliment!! ^^ Es macht mir auch so Spaß zu schreiben und ich geb mir viel Mühe, dass die FF gut wird. Ja, die WhatsApp-Gruppe ist auch eines meiner Lieblingskapitel, ist mir bei Autofahren eingefallen ^^ Ich hoffe, du bleibst dran am lesen und findest weiterhin Gefallen an der FF!! :) TheRealTR
Thirishri 06. May 2018

Hey TheRealTR,
Herzlichen Glückwunsch zu deinem Jubiläum :-)
Huh, ich muss sagen, dass ich echt froh bin, dass sich das Blatt jetzt wieder zugunsten von Raqoovah (wo hast du eigentlich diesen spannenden Namen her? :-)) wendet, ich habe die letzten Kapitel doch ganz schön mitgelitten.

Ich kann verstehen, dass man nicht immer so viel Motivation zum Schreiben hat und mal nicht weiter kommt. Mach dir da bloß keinen Stress und schreibe so, wie es dir gut tut und Spaß macht.

Mir gefällt deine Story sehr und ich bin sehr gespannt auf das entsprechende Kapitel aus Severus Sicht (wie gesagt, kein Stress!) =) Bestimmt hat er einiges mitbekommen, vllt nicht alles, aber mehr als Raqoovah denkt :)

TheRealTR 10. May 2018
Hi Thirishri, danke für dein Review und deine lieben Worte!! ^^ In der nächsten Zeit werde ich vielleicht ein bisschen mit dem Schreiben zurückschrauben, aber ich habe nicht vor, eine längere Pause zu machen oder ganz aufzuhören ^^ Freut mich, dass dir meine FF gefällt und du darfst gespannt sein auf die kommenden Kapitel, versprochen ^^ Den Namen Raqoovah hab ich mir ausgedacht, weil er was Bestimmtes bedeuten sollte, wie schon mal in einem früheren Kapitel erwähnt und ich hab einfach keinen gefunden, der zutrifft, deswegen ein Fantasiename, obwohl ich den auch irgendwie komisch finde. Und er sollte unbedingt mit "R" anfangen, den Grund dafür könnte ich im kommenden Kapitel mal in die Bemerkung schreiben, das würde bestimmt viele interessieren ^^ TheRealTR