Der Junge im Bus

vor 19 Tagen
San Francisco im Oktober. Es ist ein kalte Vollmondnacht, Derek ist müde und will bloß noch schnellstmöglich nachhause! Natürlich verreckt ihm gerade jetzt seine blöde Karre. Also gut, dann muss er wohl den verdammten Bus nehmen. Und irgendetwas an dem Typ, der ihm gegenüber sitzt, lässt ihn aufmerksam werden. Honigaugen! Sterek, Pesaac, A..
Teen Wolf Romanze P16-M+M Drama In Arbeit

Another Saturday Night and I ain´ t got nobody

Nachdem Stiles in der Küche wirklich alles gegeben und sich selbst übertroffen hatte, servierte er Derek eine absolut vollkommene Mahlzeit: Der Blätterteig war golden, das Fleisch zart und rosa, der Basmatireis locker und duftend, die Soße sämig und köstlich und die karamellisierten Karotten wunderschön anzuschauen und geschmacklich vortrefflich.

„Das war unglaublich!“ bestätigte entsprechend auch Derek im Anschluss und rieb sich den Bauch: „Ich habe wirklich noch NIE so gut gegessen und ich bin in Sterne-Restaurants gewesen. Das war so gut, dass ich das Gefühl habe, nun eine Zigarette zu brauchen!“

Stiles grinste heftig errötend, denn genau so hatte er sich das vorgestellt. Er bedankte sich.
Nach dem Dinner saßen er und Derek noch eine Weile beieinander wobei Stiles den Kopf auf Dereks Schulter betten durfte. Eigentlich hatte der Ältere schon seit einer halben Stunde weg sein wollen, doch er war in ein glückseliges Schnitzelkoma gefallen und hatte Braeden eine SMS geschickt, dass es später werden würde.

Aber am Ende half es nichts. Auch das beste Essen konnte einen Mann nicht auf Dauer ans Haus binden, wenn er einem Wochenende voll sexueller Ekstase mit seiner schönen Geliebten entgegenblickte.
Und Stiles fühlte sich aus irgendeinem doofen Grund wie die betrogene Ehefrau, die zuhause blieb:

„Was machst du eigentlich am Wochenende?“ wollte Derek noch wissen, ehe er aus der Tür ging.

Stiles zuckte mit den Schultern:
„Morgen Abend gehe ich mit den Jungs aus. Ansonsten weiß ich es noch nicht.“ gab er zurück.

Derek zwinkerte ihm zu:
„Schlaf´ ruhig bei mir im Bett, wenn du willst. Da hast du es bequemer! Und was immer du tust; amüsier´ dich gut!“ sagte er und fügte hinzu: „Ich werd´s jedenfalls mit Sicherheit tun!“

„Da bin ich sicher!“ erwiderte Stiles, der die Bitterkeit nicht ganz aus seiner Stimme heraushalten konnte. Er setzte ein leidendes Lächeln auf und verabschiedete Derek mit einem Winken.


Als er allein war, überkam Stiles zunächst ein echter Katzenjammer und er rollte sich traurig auf dem Sofa zusammen.

Nach einer Weile stellte er fest, dass ihn das auch nicht weiterbrachte, also erhob er sich mühsam, räumte das Geschirr weg und machte die Küche sauber, die er beim Wirken seiner kulinarischen Magie in ein Katastrophengebiet verwandelt hatte.

Und als er feststellte, dass es befriedigend war und ihn von seinen trüben Gedanken ablenkte, das Schmutzige sauber zu machen, fuhr Stiles einfach im Rest der Wohnung damit fort. Er putzte, wienerte und polierte, fegte und schwang den Staubsauger.
Es war nur dumm, dass es in Dereks Wohnung schon von vornherein recht sauber gewesen war. Außerdem war sie auch nicht allzu groß und so war Stiles bereits nach eineinhalb Stunden damit fertig.

Und was nun?

Eigentlich wusste Stiles es, doch er hatte es bis jetzt vor sich hergeschoben, weil er Angst vor dem verdienten Donnerwetter hatte.
Schweren Herzens griff er nun nach seinem Telefon und schaltete es ein. Der, den er anrufen wollte war gleichzeitig auch das Hintergrundbild auf seinem Display.
Er hatte die allerliebsten braunen Welpenaugen und die süßesten Grübchen, die ein Mensch haben konnte.
Trotzdem war er höchstwahrscheinlich stinksauer auf ihn.

Man mochte es eigenartig finden, dass Stiles seinen besten Freund zu seinem Hintergrundbild gemacht hatte, aber erstens WAR Stiles nun einmal eigenartig und zweitens gab es einfach niemanden auf der Welt, der Stiles näher stand oder wichtiger für ihn war, vielleicht einmal abgesehen von seinem Vater und darum war dieser Ehrenplatz für Scott absolut richtig gewählt, fand Stiles.

Also gut! Noch einmal tief durchatmen, sich fragen, ob er Mann oder Maus war; sich selbst die Antwort geben, dass das eine ganz saudumme Frage war und er selbstverständlich bloß ein kleines, mickriges, harmloses Nagetier war; dann aber schließlich doch noch die Arschbacken zusammenkneifen und endlich die Nummer wählen.

Scott nahm nach dem zweiten Klingeln ab und statt eines `Hallo´ maulte sein bester Freund sofort:
„ALTER! Das wurde aber auch höchste Zeit! Du bist ein verdammter Mistkerl, weißt du das?“

Und schon schwammen Stiles Augen in Tränen:
„Bitte jetzt nicht schimpfen!“ flehte er: „Später, ja? Aber nicht jetzt! Du hast mit allem recht, ich bin schlecht, ich bin gemein, ich bin ein grässliches Ungeheuer, aber jetzt brauche ich einfach meinen Bruder!“

„Weinst du, Stiles?“ wollte Scott wissen:

„Nö!“ behauptete dieser:

„In Ordnung. Dann setze ich jetzt auch noch das Wort `Lügner´ auf die endlose Liste deiner Verfehlungen!“ sagte Scott streng. Dann schob er butterweich hinterher: „Gott, Stiles du fehlst mir so sehr, dass ich das Gefühl habe, ein schrecklicher Unfall habe mich entzwei gerissen und die eine Hälfte sei nicht mehr da.“

Und da fing Stiles erst recht das Heulen an.
Er versuchte sich zu erinnern, ob er auch früher schon so ein Jammerlappen gewesen war?

Als er endlich wieder einigermaßen verständlich sprechen konnte, versicherte er:
„Mir geht´ s genauso, Bro. Ich vermisse dich!“

Scott hätte an dieser Stelle einen Kübel Schuldgefühle über ihm ausschütten und ihn fragen können, wieso er überhaupt fortgelaufen war, wie ein gelbbäuchiger Feigling, aber dann wäre er nicht der großartige Freund gewesen, der er war. Stattdessen fragte er Stiles bloß:
„Geht es dir gut?“

Diese Frage war gar nicht so einfach zu beantworten:
„Ich habe einen Job, ich habe ein Dach über dem Kopf, ich habe zu essen und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben wirklich verliebt!“ sagte er also.
Und nach einigem Überlegen fügte er ängstlich hinzu:
„Und ich bin schwul, Scott!“

Und seltsamerweise kicherte sein bester Freund bei dieser Eröffnung ein bisschen:
„Das weiß ich doch, Stiles!“

„Also hat Dad schon mit dir gesprochen, richtig?“ wollte Stiles wissen:

„Das auch!“ gab Scott zurück: „Doch eigentlich weiß ich es schon seit der achten Klasse, als du nach dem Lacrossetraining in der Umkleidekabine Jackson Whittemore auf den Schwanz geglotzt hast, als würdest du eine religiöse Erfahrung machen.“

„Wie bitte?“ rief Stiles entsetzt aus: „In der achten Klasse wusste ich es ja noch nicht einmal selbst. Außerdem ist Jackson Whittemore ein riesiges Arschloch!“

Er hörte Scott schon wieder kichern und dann sticheln:
„Und das ist nicht das einzige, was an ihm riesig ist, nicht wahr?“

„Ich bestreite jegliche Kenntnis des besagten Vorfalls und behaupte, es handelt sich um eine dreiste Unterstellung!“ kicherte Stiles nun unendlich erleichtert. Seinen besten Freund lachen zu hören, legte augenblicklich eine Seelenruhe um sein Gemüt, die sich anfühlte, wie eine warme Decke.

„Erzähl´ mir von dem Kerl, in den du verliebt bist! Ist er gut zu dir? Ist er gut genug für dich?“ fragte Scott nun großmütterlich:

„Derek ist der schönste Mann, den ich je gesehen habe. Er ist mehr als nur gut zu mir, denn ohne ihn wäre ich schon längst tot. Ihm verdanke ihm so ziemlich alles. Und er ist viel, viel zu gut für mich!“ entgegnete Stiles plötzlich wieder sehr ernst:

„NIEMAND ist zu gut für dich!“ bestimmte Scott in einem Ton, der keine Widerrede duldete. Und mit einem Grinsen in der Stimme stellte er die Frage: „Und? Ist dieser Derek genau so gut bestückt, wie unser Jackson?“

„Waa...? SCOTT! Du bist unmöglich!“ schimpfte Stiles: „Und ganz ehrlich: Ich weiß es gar nicht!“

„Wie?“ fragte Scott verblüfft: „Ihr habt es noch gar nicht getan? WIESO?“

„Virgo intacta!“ bestätigte Stiles seufzend: „Immer noch! Und das wird wohl auch noch eine ganze Weile so bleiben. Es sei denn, ich gebe beizeiten dem Liebeswerben von Dereks Onkel Peter nach. Derek selbst ist nämlich straight!“

„Moment mal! Was? Der Kerl den du magst mag dich nicht, aber dafür irgend so ein ekliger, alter Sack aus seiner Verwandtschaft? Ich setze mich sofort auf meine Maschine und komme zu dir. Gib´ mir die Adresse.“

„Also erstens: Ich geb´ dir die Adresse nicht, denn sonst hat sie als nächstes mein Dad, der dann mit einem halben Dutzend seiner Männer hier klingelt, um mich abzuholen. Denn, sagen wir es doch einmal wie es ist: Du hast den Verhörmethoden meines Vaters absolut nichts entgegenzusetzen, du kleines, reizendes, unschuldiges Hundebaby! Zweitens: Du hast keine `Maschine´! Du hast etwas, das aussieht, wie eine umgebaute, elektrische Zahnbürste und das in einer gerechten Welt für den Straßenverkehr gar nicht zugelassen sein sollte! Damit schaffst du es niemals lebend bis nach San Francisco. Und drittens: Peter ist eigentlich gar kein ekliger alter Sack. Er ist erst vierzig oder so. Und verflucht attraktiv. Das Problem bei ihm ist nur, dass er ein wirklich böser Junge ist. Er hat überhaupt keine Skrupel, ohne lange Vorrede nach meinen Genitalien zu langen und mir die ungezogensten Dinge vorzuschlagen, die er mit mir anstellen will. Und ich habe noch nicht entschieden, ob ich sie ihm eines Tages erlauben will.“

„Das klingt furchtbar. Jetzt sag´ mir schon die Adresse! Ich komme und reiße dem Kerl die Eier ab!“ rief Scott entsetzt.

Stiles stellte sich plötzlich vor, wie Scott hinter Peter her wäre, um diesen ohne Narkose, mit einem stumpfen Buttermesser zu kastrieren und bei der Vorstellung musste er ein wenig kichern:
„Vergiss´ es, Alter. Das schaffst du nicht. Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass Peter am Ende uns beide zu einem Dreier überredet. Er ist ein echter Menschenverführer! Und außerdem richtig stark! Mach´ dir keine Sorgen, Scott: Ich habe alles im Griff! Und außerdem beschützt mich Derek.“

„O.K.! Jetzt erklär´ mir nochmal ganz genau, wer dieser Derek überhaupt ist? Wie habt ihr euch kennengelernt, in welcher Beziehung stehst du zu ihm und was will er von dir als Gegenleistung für seinen `Schutz´?“ forderte Scott und klang dabei beunruhigt.

„Mach dir wegen Derek keine Sorgen! Wir haben uns im Bus kennengelernt, wo er mich erst davor bewahrt hat, ausgeraubt und später auch noch davor, verprügelt zu werden. Dann hat er mich mit zu sich nachhause genommen. Er ist der liebste Mensch, den man sich vorstellen kann, wenn er nicht gerade schimpft, knurrt oder die Zähne fletscht, aber selbst das gefällt mir. Er hat mir wieder und wieder geholfen. Ich wohne übrigens auch bei ihm. Und er hat niemals auch nur die kleinste Gegenleistung für irgendetwas von mir gefordert.“

„Er knurrt?“ fragte Scott ratlos und unzufrieden: „Beißt er auch und hebt überall sein Beinchen? Hör mal, Stiles: Niemand tut irgendwas für einen völlig Fremden, ohne irgendeine eine Gegenleistung zu fordern. Du bist zu leichtgläubig. Warst du immer schon!“

„Das mit dem Knurren ist so eine Spezialität von ihm. Er tut immer wahnsinnig schlecht gelaunt und bärbeißig, ist aber in Wirklichkeit ganz lieb; so wie der Großvater bei `Heidi´, weißt du? Mit dem Unterschied, dass Derek richtig heiß ist! Und außerdem: Welche Gegenleistung sollte er denn von mir wollen? Wenn er meinen jungfräulichen Körper missbrauchen wollte, wäre ich sofort mit Begeisterung dabei und würde mich freiwillig mit gespreizten Beinen auf den Rücken werfen, aber leider zeigt er nicht das leiseste Interesse. Und dass ich kein Geld habe weiß er auch. Er selbst hat dafür umso mehr. Er hat mir heute Morgen gestanden, dass er Millionär ist.“

Scott war nicht überzeugt:
„Dann...dann ist er wahrscheinlich ein Menschenfresser! Er wartet nur auf den passenden Moment um dich zu Steaks zu verarbeiten und in die Pfanne zu hauen. Sieh´ zu, dass du aus Hannibal Lecters Wohnung rauskommst, ehe es zu spät ist.“

Jetzt musste Stiles lachen:
„Du spinnst! Derek ist kein Menschenfresser. Wenn er einer wäre, hätte er seine Chance gehabt, als ich mit vierzig Grad Fieber in seinem Bett gelegen habe. Das hätte ihm sogar einen Arbeitsgang erspart, denn da war ich schon halb gar. Nein, er ist einfach nur ein einsamer, aber sehr fürsorglicher Kerl. Vor ein paar Jahren wurde beinahe seine ganze Familie getötet. Er ist wirklich ziemlich allein! Und er hat mich schlicht gern, schätze ich. Vertrau´ mir bitte! Ich BIN in Sicherheit.“

Scott seufzte:
„Kann ich dich trotzdem bald mal besuchen? Ich glaube, ich muss mich einfach mit eigenen Augen davon überzeugen, dass es dir gut geht und erst dann kann ich aufhören, verrückte Visionen von deinem viel zu frühen Tod zu haben. Und dann werde ich deinen Derek genau unter die Lupe nehmen!“

„Aber nur wenn du mir zwei Sachen versprichst.“ erwiderte Stiles: „Nimm´ einen `Greyhound´, aber nicht deine `Maschine´, wenn du kommst und lass´ meinen Dad zuhause!“

Scott willigte ein und sie verabredeten sich für nächste Woche, wo Stiles tagsüber frei haben würde, weil er Spätschichten im Café schieben musste.

Dann wollte Stiles wissen, was es in Beacon Hills Neues gäbe; ob der Coach mal wieder volltrunken samstagnachts ohne seine Hosen durch die Innenstadt spaziert wäre, ob die Spinner, die schon seit Jahrzehnten behaupteten, in der Stadt gäbe es Werwölfe, mal wieder einen Infotisch für ihre eigenartigen Verschwörungstheorien am Markttag abgehalten hätten, solche Sachen eben; der übliche Wahnsinn!

Und natürlich interessierte es Stiles, wie es zwischen Scott und Allison lief.
Wie zu erwarten, hatte sich da nicht viel getan. Die Argents hassten Scott noch immer und daran würde sich wahrscheinlich nicht einmal etwas ändern, wenn er ihre Tochter eines Tages heiratete und sich die ersten Enkelkinder ankündigen würden, aber Scott und Allison hielten Stand, denn das mit ihnen war nun einmal Bestimmung und damit würden Chris und Victoria Argent sich wohl oder übel abfinden müssen.

Irgendwann hatten Scott und Stiles sich endlich alles berichtet, was sie in der Zeit ohne einander erlebt hatten und sie legten auf, mit der Gewissheit, dass sie sich ja schon in ein paar Tagen Auge in Auge gegenüberstehen würden.

Stiles Blick fiel auf die Uhr. Es war kurz vor Mitternacht und er war noch überhaupt nicht müde.

Er schaute sich in dem Regal mit Dereks DVDs um, doch dann wurde ihm klar, dass es nur Spaß machte, sich diese alten Schinken anzuschauen, wenn Derek bei ihm war und sie ein wenig geschwisterlich miteinander kuschelten. Allein würde es ihn bloß traurig machen und daran erinnern, dass Derek eben jetzt NICHT bei ihm war.
Und was er stattdessen tat!

Stiles drehte sein Handy in der Hand und überlegte, wenn er jetzt noch anrufen könnte.

Er tippte zunächst, einer spontanen Eingebung folgend, eine Nachricht an Mason:
`Lust, morgen zu mir zu kommen, damit wir diese `Gilmore-Girls-und-Eiscreme´-Sache durchziehen können? Wenn uns das irgendwann zu `girlie´wird, habe ich auch eine Spielekonsole.´

Fünf Minuten später erhielt Stiles Antwort:
`Ich bringe Nagellack, Haarspängchen, die Gilmore-Girls-Prämium-Edition und Battlefield 1 mit!´

Stiles schrieb zurück:
`Cool! Ich sorge für reichlich Häagen Dazs. Zwölf Uhr O.K.?“

Als die Bestätigung der Uhrzeit kam, legte Stiles sein Handy zunächst auf den Couchtisch, nur um es dann wie ferngesteuert ein paar Minuten später wieder zur Hand zu nehmen.

Und außerdem noch die Visitenkarte von Peter.

Denn wenn Stiles ganz ehrlich zu sich war, dann war er gerade ziemlich geil.
Und allein!

Er begann die Nummer zu wählen, doch mittendrin hielt er inne und überlegte sich, was das bedeutete.

Derek würde das überhaupt nicht gefallen!

Und abgesehen davon: Wie wäre es wohl, mit Peter allein zu sein und ihm das `Go´ zu geben?
Dereks Onkel hatte Stiles nicht allzu viel Grund gegeben, ihm zu vertrauen. Was wenn Stiles zwischendurch feststellte, dass ihm das alles zu schnell ging? Oder er es sich ganz einfach anders überlegt?

Stiles war sich nicht sicher, ob sich Peter dann noch zurückpfeifen ließe.
Und diese Vorstellung war ziemlich beängstigend.

Stiles legte also sein Telefon wieder hin.
Er musste irgendwie auf andere Weise Abhilfe schaffen und griff nach seinem Rucksack.
Erst jetzt stellt er fest, dass der kleine Dildo, den er gekauft hatte und der in seiner pastellfarbenen Unschuld eher wie ein Babyspielzeug aussah an seinem Fuß Saugnäpfe besaß.
Und das brachte Stiles auf eine Idee.

Es wurde mal wieder Zeit zum Duschen!

Stiles stellte das Wasser an, flüsterte dem kleinen Delfin zu, dass sie nun beide gemeinsam ihre Unschuld verlieren würden und brachte das Spielzeug in der richtigen Höhe an der Wand der Duschkabine an. Er verteilte ein wenig von dem Gleitgel, brachte sich in Position, stellte einen Fuß auf den Duschwannenrand und dann begann er.
Das Gefühl war eigenartig, ein kleines Brennen und so, als steckte da etwas, wo es eigentlich nicht hingehörte.
Dennoch trieb Stiles sein kleines Experiment weiter und mittlerweile war er auch bereits hart. Er nahm noch ein wenig von dem Gleitgel in seine Rechte und begann, an seiner Erektion auf und ab zu fahren, während er gleichzeitig seine Hüfte vor und zurück bewegte. Er schloss die Augen und träumte sich Derek herbei, stellte sich vor, dass dieser nun hier bei ihm unter der Dusche wäre.

Und es dauerte bloß wenige Minuten, ehe Stiles den heftigsten Orgasmus seines Lebens erlebte, der ihn weich in den Knien werden ließ und ihm einen kleinen Lustschrei entlockte.

Nach einem kurzen Moment der inneren Sammlung spülte Stiles alle Spuren seiner göttlich-verwerflichen Selbstbefleckung fort, verließ die Dusche, trocknete sich ab und ging hinüber ins Schlafzimmer.
Als Stiles dort die Pyjamahose und das Unterhemd entdeckte, welche Derek letzte Nacht getragen hatte, konnte er nicht widerstehen, zog sich beides über und kroch ins Bett. Er beendete damit seine heutige, erwachsene Interpretation von `Kevin - Allein zu Haus´, indem er beinahe augenblicklich einschlief, wie ein Baby.
Wie ein böses, ungezogenes Baby!

Am nächsten Morgen erwachte Stiles ein kleines bisschen schuldbewusst, aber abgesehen davon eigentlich recht guter Dinge. Er freute sich auf den heutigen Tag, den er mit seinen neuen Freunden verbringen würde.
Er schwang die Beine mit Elan über die Bettkante, zog den Pyjama von Derek schweren Herzens aus, schnupperte noch einmal daran und steckte ihn dann mit ein paar anderen Kleidern in die Waschmaschine. Derek musste ja nicht unbedingt mitbekommen, dass sein Mitbewohner ein kranker Perverser war, der heimlich seine getragenen Kleidung anzog.

Nach einem üppigen Frühstück ging Stiles einkaufen, um die Vorräte wieder aufzustocken, damit er nachher seinen Besuch bewirten konnte und um etwas im Haus zu haben, was er Derek Sonntagabend vorsetzen konnte, denn der ganze heterosexuelle Geschlechtsverkehr würde diesen dann sicherlich hungrig gemacht haben.


Mit Mason war es wirklich witzig. Sie verzichteten am Ende doch noch darauf, sich Bänder in die Haare zu flechten. Stattdessen begruben sie ihr Cookiedough-Eis unter Bergen von Marascino-Kirschen und Schlagsahne und aßen davon, bis ihnen kotzübel war, während die Dramen von Lorelai und Rory Gilmore über die Leinwand von Dereks Heim-Entertainment-Systems flimmerten.

Als sie dessen überdrüssig wurden, starteten sie die Spielekonsole und lieferten sich heiße Schlachten. Es sollte sich schnell zeigen, dass Mason mindestens ein ebenso großer Zocker war, wie Stiles selbst.

Am frühen Abend erkundigte sich Mason, ob Stiles Lust auf Pizza habe. Stiles nickte grinsend, doch anstatt eine zu bestellen, stellte er sich selbst in die Küche, improvisierte einen Quark-Öl-Teig, weil der nicht vorher gehen musste und zauberte ihnen in einer Dreiviertelstunde ein Blech Pizza Margherita.

Und als ihre Bäuche gefüllt waren, sprachen sie schließlich über das Thema, das sie bislang an diesem Tag erfolgreich ausgeklammert hatten: Ihre unglücklichen, einseitigen Lieben zu mysteriösen, älteren Männer!

„Ich war neulich bei Deaton zuhause.“ berichtete Mason mit einem versonnen Lächeln: „Keine Spur von Ehefrau und Kindern: Ein typischer Junggesellenhaushalt! Er hat mich zu sich zum Abendessen eingeladen. Gott, ich war so aufgeregt und unsicher, aber am Ende ist gar nichts passiert, außer essen und reden. Ich denke, er hat nicht einmal eine Ahnung, dass ich so für ihn empfinden könnte. Der Gedanke ist mit Sicherheit viel zu abwegig für ihn. Und ich kann´s ihm nicht mal verdenken. Ich meine, er ist fast zehn Jahre älter als mein Dad. Aber ich will ihn nun mal, verdammt! Andere Kerle sind mir total egal und ich denke pausenlos nur an ihn!“

„Ich kenne das Gefühl.“ erwiderte Stiles mitfühlend: „Aber hast du eine Ahnung, was Alan für DICH empfindet? Mag er dich?“

Mason lachte bitter:
„Oh, ja, er hat mich gern. Wie einen kleinen Bruder oder Sohn, um den man sich kümmern muss, dem man ein paar Streicheleinheiten zukommen lassen muss und dem man hin und wieder einen Schein zusteckt, damit er klar kommt.“

„Verdammt!“ rief Stiles aus: „Ja Mann, ich kenne das Gefühl! Derek lässt mich bei sich im Bett schlafen, hält mich im Arm und während IHM dabei die Muttermilch einschießt, kann ICH nur daran denken, es mit ihm schmutzig zu treiben! Es ist einfach zum Heulen!“

Mason riss überrascht die Augen auf:
„Du schläfst bei ihm im Bett? Himmel! Ich würde tausend Tode sterben!“

Stiles zeigte mit beiden Daumen auf sich selbst und kommentierte:
„Schau mich an! `The Walking Dead´!“

Mittlerweile lief der Fernseher und Mason zappte gelangweilt durch die Kanäle:
„Wir zwei sind ziemlich dämlich, weißt du das eigentlich?“ sagte er unvermittelt: „Wir verlieben uns in ältere Kerle, die wir nicht haben können und mit denen wir im Grunde nichts gemeinsam haben, dabei wären du und ich doch eigentlich ideal füreinander: Ähnliche Interessen, beinahe gleich alt, eine ähnliche Biographie...es könnte so einfach sein!“

Stiles zuckte mit den Schultern:
„Ich schätze, diese Dinge kann man sich nicht aussuchen.“

Mason legte den Kopf schief und fragte:
„Wollen wir es trotzdem mal ausprobieren?“

Stiles brauchte eine Weile, ehe er überhaupt begriff, worauf Mason hinauswollte. Dann fragte er sich flüchtig, ob er damit möglicherweise seine Gefühle für Derek verriet, doch noch im selben Augenblick wurde ihm klar, dass allein schon der Gedanke ein großer Haufen Pferdescheiße war. Derek wollte ihn schließlich überhaupt nicht und wäre vermutlich der Erste, der ihn beglückwünschte, wenn er einen netten Freund fände!
Und so antwortete er betont gelassen:
„Klar! Wieso nicht?“
Also näherte sich Masons Gesicht seinem eigenen, bis sich ihre Lippen schließlich berührten; zunächst noch ganz zaghaft, doch dann immer fordernder, bis Stiles schließlich den Mund ein wenig öffnete und Masons Zunge einließ.

Nach einer Weile lösten die beiden sich voneinander und Mason blickte Stiles skeptisch an:
„Und? Wie war das für dich?“

Stiles überlegte kurz, wie er es ausdrücken sollte. Schließlich sagte er:
„Da hast schöne, weiche Lippen und für jemanden, der genauso wenig Erfahrung hat, wie ich selbst, küsst du wirklich gut, aber wenn ich ganz ehrlich bin, dann hat irgendetwas gefehlt. Der Funke vielleicht?“

Mason nickte:
„Ging mir genauso. Schade! Du bist nämlich echt süß! Lust, noch ein bisschen zu daddeln?“
Er reichte Stiles seinen Controller.

Der Angesprochene kicherte, nahm die Steuerung entgegen, legte seinen Kopf auf Masons Schulter und dann spielten sie.

Die Situation zwischen ihnen hätte peinlich sein können, doch aus irgendeinem Grund war sie es nicht.

Nach einer weiteren Stunde verabschiedete sich Mason, weil er heute noch eine WG-Besprechung mit anschließendem Kochen und Gesellschaftsspielen hatte und für Stiles wurde es Zeit, sich zu entscheiden, was er anziehen wollte, wenn er heute Abend mit Danny und Ethan tanzen ging.

Er drehte sich mit seiner neuen Garderobe vor dem Spiegel, bestimmte dann aber, der Schlampenlook sei nur etwas für die Arbeit und er entschied sich für das Althergebrachte: ein schlichtes, weißes T-Shirt, darüber ein blau kariertes Flanellhemd, dass er offen trug und seine best sitzende Jeans in der ihm sein eigener Arsch so gut gefiel.
Dann gab er schließlich noch eine Portion Stylingcreme in seine Haare und knetete daran herum, bis er mit seiner Optik halbwegs zufrieden war.

Er steckte sich Geld, seinen gefälschten Ausweis, laut dem er zweiundzwanzig war, seinen Schlüssel und sein Busticket in die Hosentasche, griff nach seiner Jeansjacke, auch wenn ihm jetzt schon klar war, dass er darin frieren würde und verließ das Apartment.
Er hätte ja eine andere Jacke angezogen, wenn er eine gehabt hätte, aber er war im Spätsommer von zuhause ausgerissen und nun war schon beinahe Winter und für den war er, bezüglich seiner Garderobe nicht eingerichtet.

Sicher hätte Derek gar nichts dagegen gehabt, wenn Stiles sich eine von seinen Jacken geliehen hätte, aber er wollte es trotzdem nicht tun, ohne seinen großzügigen Gastgeber vorher wenigstens zu fragen. Da fror er lieber.


Im Café war Ethan gerade dabei, die letzten Gäste hinauszukomplimentieren. Danny war auch schon da und begrüßte Stiles mit einer Umarmung. Er sah heiß aus in seinem hautengen, tief ausgeschnittenen T-Shirt, dass einen Blick auf den Ansatz einer bestens definierten Männerbrust gewährte.
Dann kam jemand aus dem Keller, den Stiles sehr wohl kannte, aber im Leben nicht hier erwartet hätte und ihm fiel die Kinnlade herunter: Großartige Figur, teure, hervorragend sitzende Kleidung und im Kontrast dazu das fiese, blasierte, ein wenig echsenhafte Gesicht:

„Kennst du Jackson schon?“ wollte Danny wissen: „Er arbeitet manchmal am Wochenende bei uns als Springer.“

Stiles grinste schief:
„Hey, Whittemore! An dich habe ich ja schon seit Jahren nicht mehr gedacht.“ log er und vermied den Blick auf die bestens ausgefüllte Jeans.

„Stilinski!“ sagte Jackson mit einem gemeinen, kleinen Grinsen: „Ich hab´ immer schon geahnt, dass du eine Tunte bist, aber jetzt ist die Sache wohl klar!“

„Hey, Alter! Benimm´ dich nicht wie ein Arschloch!“ ermahnte ihn Danny. Dann wollte er wissen: „Woher kennt ihr Zwei euch eigentlich?“

„Ich bin mit unserem Schätzchen hier ein paar Jahre lang gemeinsam zur Schule gegangen.“ beantwortete Stiles die Frage.

„Ist nicht wahr? Die Welt ist echt klein!“ erwiderte Danny verblüfft:

„Ja! Bedauerlicherweise!“ brummte Jackson mit abfälligem Blick auf Stiles:

„Was ist los, Jackson? Machen dir deine Hämorrhoiden wieder zu schaffen, oder warum guckst du so verkniffen aus der Wäsche?“ stichelte Stiles.

„Immer noch dasselbe vorlaute, kleine Arschloch wie früher, was Stilinski?“ knurrte Jackson und machte sich dann daran, Ethan halbherzig beim Aufräumen zu helfen.

Als sie zum Aufbruch bereit waren, wollte Danny wissen:
„Und Jackson? Willst du nun mit uns kommen?“

Jackson schaute ihn an, als ob allein schon das Angebot eine Zumutung sei:
„Machst du Witze? Geht ihr mal schön allein zu eurer kleinen Loserparty. Wann immer ich mit euch ausgehe, endet es doch sowieso bloß damit, dass ich die Hände von irgendeinem Kerl aus meiner Hose ziehen muss und so etwas ist nun einmal echt nicht mein Ding!“

Danny lachte:
„Du meinst wohl `Ist nicht mein Ding, bis ich das zweite Bier intus habe´, wie?“

„Bild´ dir bloß nicht ein, du wüsstest etwas von mir, bloß weil ich dich einmal an meinen heißen Luxuskörper gelassen habe. Ich hatte bloß Mitgefühl mit dir!“

Wieder ein Lachen von Danny:
„Sicher Kumpel. Das ist auch das Erste, was mir zu dir einfallen würde, wenn ich dich beschreiben müsste: Dein mitfühlendes Herz! Aber weißt du, womit ICH Mitgefühl habe? Mit euch armen Schrankschwestern! Das Leben könnte so leicht sein, aber was macht ihr? Pisst euch ein bei der Vorstellung, dass jemand rauskriegt, wer ihr wirklich seid. Hab´einen prächtigen Abend, Jackson! Leg´ ein paar Babes flach und beweis´ dir, was für ein ein toller Hecht du bist!“

„Du mich auch, Mahealani! Einen schwulen Abend für euch, Mädels!“ bellte Jackson, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand.

Als er weg war, fragte Ethan:
„Warum fragst du überhaupt ob er mit will, Danny? Du weißt doch, was dabei rauskommt. Der Typ ist ein widerlicher, feindseliger Troll!“

„Ich mag ihn trotzdem irgendwie.“ gab Danny zurück und wollte dann von Stiles wissen: „War er in der Schule eigentlich auch schon so liebenswert?“

„Ich schätze, seine charmante Persönlichkeit wurde Jackson in die Wiege gelegt, denn er ist immer noch genau so ein Sonnenschein, wie ich ihn in Erinnerung habe. Ich wundere mich nur, dass er es nötig hat, in der Gastronomie zu jobben. Seine Adoptiveltern sind doch reicher als die Rockefellers.“

Ethan kicherte:
„Seine Eltern halten ihn kurz und zahlen nur noch seine Miete und ein kleines Taschengeld. Das soll seinen ekelhaften Charakter formen, oder was auch immer.“

„Sei nicht so gehässig!“ forderte Danny und wollte dann wissen: „Nehmen wir deinen Wagen, Eth?“

Ethan schüttelte den Kopf, bückte sich unter den Tresen, schnappte sich eine große Flasche Bourbon, hielt sie hoch und verkündete:
„Nope! Öffentlicher Personennahverkehr, Baby, denn ich will mich heute wegschießen!“

Danny grinste:
„Bin dabei!“ bestätigte er und so machten die Drei sich auf den Weg zur Bushaltestelle.

Die Disco, die sie betraten war gigantisch und mit nichts zu vergleichen, was Beacon Hills zu bieten hatte.
Stiles war auf der Stelle eingeschüchtert, bis ins Mark. Er schickte ein Stoßgebet in Richtung der Gottheit, die sich für kleine, schwule Jungfrauen zuständig fühlte; dass Ethan und Danny ihn hier nicht allein lassen mochten, denn dann wäre er verloren gewesen.

Er folgte seinen Begleitern in Richtung eines Tresens wo er sie zunächst einmal alle auf ein überteuertes Bier einlud.

Einen Augenblick später hatten die drei Lust zu tanzen. Zunächst bewegte sich jeder für sich allein auf der überfüllten Tanzfläche zur Musik. Dann lagen sich Ethan und Danny plötzlich in den Armen. Stiles bespannte sie heimlich aus dem Augenwinkel und musste zugeben, dass diese Zwei wirklich verdammt heiß miteinander aussahen, wie ihre Körper praktisch miteinander verschmolzen, während sie sich küssend und mit geschlossenen Augen wie eins zur Musik bewegten.

Ein paar Stücke später besannen sich die Zwei offenbar, dass sie heute nicht allein hier waren und sie nahmen Stiles in ihre Mitte.

Später gingen die Jungs eine Weile vor die Tür, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Und offensichtlich mochte Ethan Gras zu seiner frischen Luft, denn er zündete sich einen Joint an und ließ ihn kreisen.
Und diesmal sagte Stiles nicht nein!
Hinterher fragte er sich dann, warum alle so ein Theater ums kiffen machten, denn er spürte überhaupt nichts.

Sie gingen schließlich wieder hinein und nahmen nach einer Weile ihren tanzenden Dreier wieder auf, wobei Stiles ein weiteres Mal die Füllung des Sandwiches darstellte. Zunächst tanzten sie einfach nur, doch dann spürte Stiles unvermittelt Ethans Zunge an seinem Nacken und dessen Zähne, die zärtlich an seinem Ohr knabberten. Im selben Moment verschloss Danny ihre Lippen miteinander und ging auch sofort mit seiner Zunge zum Nahkampf über.
Stiles erstarrte ein wenig.

Nichts gegen Mason und seinen süßen, unschuldigen Kuss von heute Nachmittag, aber bei dem, was Stiles gegenwärtig erlebte, zeigte sich, dass ein wenig Erfahrung einen großen Unterschied machen konnte.

Stiles spürte Ethans Becken, das sich gegen sein eigenes drängte und damit auch gleichzeitig seines gegen das von Danny, der in diesem Moment mitbekam, dass sich in Stiles Jeans langsam eine Reaktion auf die gegenwärtigen Ereignisse bemerkbar machte.

Stiles blickte ihn schuldbewusst an, doch Danny hatte scheinbar überhaupt kein Problem damit, sondern ließ seine Hand mit erfahrenen Fingern ein paar Mal über seinen Schritt fahren, was Stiles ein Stöhnen entlockte, welches allerdings von der Musik verschluckt wurde.

Und plötzlich dämmerte es Stiles, dass das THC in seinem Blut scheinbar doch eine gewisse Wirkung haben mochte.

Nach einer Weile schlug Danny vor, dass sie zum Bakers Beach hinausfahren sollten, um auf die Golden-Gate-Bridge und den Ozean hinauszuschauen und so machten sie es schließlich auch. Bei einer Außentemperatur von zwölf Grad und dem Wind, der vom Pazifik her ins Land blies und sich deutlich kälter anfühlte, fror Stiles ziemlich in seiner dünnen Jeansjacke, doch die beiden Jungs nahmen ihn netterweise in ihre Mitte. Die Bourbonflasche und der zweite Joint, die nun im Kreis herumgingen, taten ihr Übriges um Stiles sein Frieren vergessen zu lassen.


Derek lag auf dem Rücken, postorgasmisch und ein wenig atemlos. Er schaute an Braedens Zimmerdecke und musste plötzlich an Stiles denken. Er fragte sich, was der Junge wohl gerade trieb und ob es ihm gut ging. Er war froh, dass Stiles heute mit seinen Kollegen ausgehen wollte. So war wenigstens sichergestellt, dass er in dieser Minute nicht unter seinem Onkel lag, denn diese Vorstellung passte ihm ganz und gar nicht. Wenn Derek es irgendwie verhindern könnte, das Stiles Peter in die Hände fiel, dann würde er es tun, denn er wusste, wie sein Onkel sein konnte. Er benutzte Menschen, saugte ihnen das Leben aus und ließ sie dann hinter sich, ohne auch nur noch einmal zurückzublicken.
Das wollte Derek nicht für Stiles. Er wollte ihn um jeden Preis retten und hätte dabei selbst nicht einmal sagen können, warum. Vielleicht einfach nur, weil er ihn bereits bis hierhin gerettet hatte und einfach nicht gern auf den letzten Metern verlor?
Aber vielleicht auch einfach deswegen, weil er den kleinen, frechen Kerl mittlerweile richtig gern hatte. Es gab nicht viele Menschen, die sich einen so sicheren Platz in Dereks Herzen erobert hatten. Und schon gar nicht in so kurzer Zeit, denn immerhin kannten Stiles und er sich ja tatsächlich erst seit wenigen Wochen.
Derek kam es deutlich länger vor.

Als habe sie seine Gedanken erraten, legte sich Braeden nun halb auf Derek und verlangte:
„Erzähl´ mir etwas über diesen Jungen, der bei dir wohnt!“

„Wer? Stiles?“ fragte Derek überrumpelt, um Zeit zu schinden.

Braeden rollte mit den Augen:
„Nein, Derek, ich spreche über einen der anderen Jungs, die neuerdings mit dir in deiner Zweizimmerwohnung wohnen. Natürlich rede ich über Stiles! Wie kommt es, dass du ihn bei dir aufgenommen hast? Ich hätte im Leben nicht geglaubt, dass du so etwas einmal machen würdest. Gerade jemand wie du: Menschenscheu, einzelgängerisch!“

„Menschenscheu und einzelgängerisch sind Synonyme!“ knurrte Derek:

„Stimmt!“ räumte Braeden ein: „Aber ich bleibe dennoch bei meiner Formulierung, um meinem Gedanken Nachdruck zu verleihen. Und jetzt lenk´ nicht ab, Hale! Stiles? Warum hast du ihn bei dir aufgenommen?“

„Na ja, er hat doch ein Dach über dem Kopf gebraucht!“ entgegnete Derek eingeschüchtert:

„Diese Stadt ist voll von obdachlosen Kindern, aber die nimmst du auch nicht alle mit nachhause, oder? Was ist das Besondere an Stiles?“

Diese Frage hatte Derek bislang vermieden, sich selbst zu stellen. Er hatte sich bis dato gesagt, das eben einfach eins zum anderen geführt hatte: Erst der gewalttätige Busfahrer, dann die kalte Nacht, in der er den obdachlosen Jungen nicht draußen schlafen lassen wollte, dann Stiles Grippe...
Aber was hatte am Anfang von alldem gestanden? Wieso war Stiles ihm überhaupt aufgefallen? Warum hatte er ihn nicht ausgeblendet, wie die geschätzten dreißig anderen Leute, die an jenem Abend mit ihnen im Bus gefahren waren?

Derek ahnte, dass es irgend so eine merkwürdige Wolfssache war, die da am Wirken gewesen war. So war es doch immer, wenn er irgendetwas tat oder fühlte, was er nicht verstand. Und Derek war nun einmal nicht gut darin, solche Dinge zu entschlüsseln.
Nabelschau war einfach nicht seine Sache!

„Ich weiß nicht. Es war nur ein Gefühl. Ich habe nicht groß darüber nachgedacht, als ich Stiles mitnahm.“ beantwortete Derek also Braedens Frage so ehrlich, wie er konnte.
Auf Braedens Gesicht lag ein mysteriöses Lächeln:
„Aha?“ gab sie vieldeutig zurück:

„Was denn?“ brummte Derek: „Willst du mir vielleicht irgendetwas sagen?“

Braeden schien nachzudenken. Dann schüttelte sie den Kopf:
„Nein, sorry! Ich bin abergläubisch. Wenn ich anfange, in deinem Karma herumzupfuschen, versaue ich mir damit mein eigenes! Du musst selbst drauf kommen.“
Sie knuffte Derek mit einer Faust sacht in die Seite und fragte:
„Und Großer? Bereit für die nächste Runde?“

„Karma?“ murmelte Derek verwirrt und wollte gerade protestieren, doch er wurde abgelenkt, weil Braeden auf einmal auf ihm saß und anregend ihr Becken bewegte.


Am Strand ging der Inhalt der Bourbonflasche gerade zur Neige und Ethan zog eine Tüte mit bunten Pillen aus seiner Tasche und bot Danny und Stiles davon an.

Stiles Augen weiteten sich erschrocken und er schüttelte den Kopf. Danny hingegen schimpfte:
„Steck´ diesen Dreck weg. Das letzte Mal, als ich etwas probiert habe, was einer deiner komischen Freunde in seiner dreckigen Badewanne zusammengekocht hat, bin ich im Krankenhaus aufgewacht. Und biete Stiles nichts von der Scheiße an, Eth! Er ist ein harmloser Kleinstadtjunge und hat vor dem heutigen Tag vermutlich noch nicht einmal Whiskey getrunken, stimmt´s nicht?“

Stiles senkte ertappt den Kopf, doch Danny nahm sein Gesicht in seine Hände und sagte:
„Wusste ich´s doch! Du bist wirklich wahnsinnig süß, Kleiner!“
Danny küsste ihn sanft und Stiles ließ es sich artig gefallen.
Von Ethan forderte Danny:
„Jetzt steck´ schon die Pillen weg und spendier´ uns stattdessen lieber noch etwas zu rauchen!“

Ethan folgte tatsächlich, ließ das Ecstasy verschwinden und fischte stattdessen einen weitere Thai-Stick aus seiner Tasche, zündete ihn an und schickte ihn auf die Reise. Als er bei Danny ankam, inhalierte dieser tief, drückte dann seine Lippen auf die von Stiles, blies ihm den Rauch in den Mund und forderte:
„Drinnen lassen!“

Stiles gehorchte, bis ihm schwindelig wurde und er nach Luft schnappen musste. Dann spürte er den Rausch.
Sein Dad würde ihn umbringen, wenn er wüsste, was er hier gerade tat, aber es machte nun mal kurzfristig, dass alles nicht mehr so weh tat. Im Gegenteil: Er fühlte sich gut! Erst recht, als sich Ethans Hand plötzlich eine Weg unter sein T-Shirt suchte und Danny seinen Nacken zu küssen begann.
Und auf einmal schien die ganze Welt nur noch aus Armen und Beinen zu bestehen, aus Lippen und Händen und aus Hüften, die sich an Hüften drängten.

„Verflucht! Es ist zu kalt, um es hier draußen zu machen!“ schimpfte Danny nach einer Weile verfroren und Ethan schlug vor:
„Wir könnten zu mir fahren. Da ist heut´ niemand und mein Bett ist groß genug für drei, wie wir wissen!“
Ethan und Danny tauschten einen vielsagenden Blick und Danny wollte wissen:
„Bist du dabei, Stiles?“

„Sicher!“ bestätigte der Angesprochene hastig, als sei er gar keine arme Unschuld vom Lande, sondern als seien Dreier mit Kerlen, die er eigentlich noch gar nicht richtig kannte keine große Sache für ihn.

„Also gut!“ sagte Danny, nahm Stiles und Ethan bei der Hand und rannte mit ihnen zurück zur Straße.

Sie beschlossen ein Taxi zu nehmen, weil sie keine Lust hatten, in der Kälte auf den Bus zu warten, während sie es eigentlich kaum erwarten konnten, einander anzuspringen, wie die paarungswilligen Primaten, die sie in diesem Augenblick waren.

Ihre Taxifahrerin war ein Trans*Frau um die vierzig; riesig, üppig und von madonnenhafter Schönheit, wie Stiles beiläufig bemerkte.
Sie beobachtete die drei Jungs, die auf dem Rücksitz offenbar versuchten, einander gegenseitig zu verzehren mit einem kleinen Lächeln diskret im Rückspiegel und fuhr sie dann auf dem schnellstem Weg zum Ziel, weil sie offenbar ganz genau verstand, dass manche Dinge keinen Aufschub duldeten.


Als die Drei Ethans Heim betraten, wurde Stiles eines sofort klar: Dies hier war nicht einfach irgendein Schlafzimmer, es war eine Fickhöhle!
Der ganze Raum bestand praktisch nur aus einem riesigen Bett, auf welches ein pornorotes Laken gezogen war.
Darüber prangte der Druck eines Gemäldes in Grautönen, das zwei liegende, nackte Kerle in leidenschaftlicher Umarmung zeigte.

Auf dem Nachttisch standen zwei naturalistische Dildos unterschiedlicher Hautfarbe.
Aus irgendeinem bekloppten Grund, nahm es Stiles für Ethan ein, dass er bezüglich der Auswahl seiner Sextoys kein Rassist war.

Außerdem befanden sich rund um das Bett verteilt Dutzende Kondome; zu Stiles Erleichterung nur originalverpackte und keine bereits benutzten, und eine riesige Tube Gleitgel – ganz offensichtlich die Familienpackung!

„Bist du eigentlich aktiv oder passiv, Stiles?“ fragte Danny, so als sei das eine ganz normale Frage, die man mal eben so ohne Vorwarnung stellen konnte.

Stiles blieb beinahe das Herz stehen und er machte:
„Öhh...“

Auch wenn das nicht Stiles eloquentester Moment gewesen war, verstand Danny ihn trotzdem und sagte verblüfft:
„Du hast es noch nie getan, oder?“

Ethan kicherte und Stiles blickte betreten zu Boden:
„Wollt ihr vielleicht lieber, dass ich gehe?“

Danny warf Ethan einen strafenden Blick zu und küsste Stiles auf die Stirn:
„Ich finde, das erste Mal sollte deinem Prinzen vorbehalten sein. Ich bin eben auch ein romantisches Ding! Aber das heißt nicht, dass du jetzt gehen solltest. Wir machen einfach eine kleine Lehrstunde daraus!“

Stiles hatte keine wirkliche Ahnung, worauf Danny hinauswollte, doch er blieb.

Sowohl Ethan als auch Danny zogen ihre T-Shirts aus und schauten dann Stiles an, als ob sie von ihm dasselbe erwarteten, doch irgendwie fühlte er sich gerade ganz und gar nicht motiviert zu strippen, im Angesicht dieser beiden vollkommenen Körper.

Wieder war es Danny, der Stiles zu Hilfe kam:
„Na, komm´ schon, Stiles! Du musst nicht schüchtern sein!“ sagte er schnurrend: „Ein dürrer Junge mit milchweißer Haut und breiten Schultern? Das ist doch mal eine sexy Abwechslung zu all den gebräunten Muskelschwestern, mit denen wir es sonst zu tun haben.“

Er stand hinter Stiles, zog ihm sein Hemd von den Schultern und begann, sein T-Shirt hoch zu schieben.
Nun war auch Ethan zur Stelle. Er schenkte Stiles ein bezauberndes, kleines Grinsen und versicherte:
„Du musst keine Angst vor uns haben, Süßer! Hier passiert nichts, was du nicht willst. Wenn du Stopp sagst, ist sofort Schluss, hörst du?“
Ethan machte sich an seinen Jeansknöpfen zu schaffen.

Stiles nickte unbehaglich, weil er sich fragte, was ihn wohl erwartete, das eine solche Ermutigung notwendig machte.

Wenig später waren sie alle drei nackt.
Und Stiles war überrascht, wie sehr ihm das gefiel, was nun folgte. Es war sanft und zärtlich und hatte nichts von der raubtierhaften Wildheit, vor der er gefürchtet hatte, sich nicht retten zu können.
Ethan küsste Danny und dann küsste er Stiles.
Stiles schickte seine Hände auf Wanderschaft, bald hier und bald dorthin und fremde Hände und Lippen berührten wiederum ihn, während Zähne kleine, zärtliche Bisse verteilten.

Stiles war sich bewusst dass das, was hier gerade geschah vielleicht nichts mit der Liebe zu tun hatte, nach der er sich sehnte, aber es war dennoch liebevoll. Und es war etwas, was er gerade brauchte und nachdem er sich gesehnt hatte. Es war die lang vermisste Bestätigung, dass auch sein Körper es verdient hatte, berührt und liebkost zu werden und das mit ihm nichts verkehrt war.

Ihre Leiber rollten sich neben- und übereinander: Blicke, Lächeln und starke Arme, die Körper festhielten!
Sicherlich lag es auch an Stiles berauschtem Zustand, dass er sich in diesem Moment gehen lassen konnte, aber es war zum Teil auch seinen beiden Begleitern zuzuschreiben, für die Sex und Körperlichkeit offensichtlich etwas ganz Spielerisches und Selbstverständliches war. Das sorgte dafür, dass es auch Stiles, der ewigen Jungfrau, nicht mehr wie diese riesige, ernste, furchteinflößende Sache erschien.

Erst als Ethan nach einem Kondom fischte, zuckte Stiles ein klein wenig zusammen und seine Augen wurden groß und furchtsam.
Danny sah es und versicherte:
„Keine Angst, das ist nicht für dich, sondern für mich!“

Stiles saß halb aufrecht, an den Kopf des Bettes gelehnt. Danny machte es sich zwischen seinen geöffneten Beinen bequem, legte seinen Oberkörper auf Stiles Bauch ab und den Kopf auf seiner Brust.

Es sah geübt aus, wie Ethan das Kondom mit den Zähnen aufriss und sich mit einer Hand über seine Erektion rollte. Dann hatte er auch schon das Gleitgel zur Hand und verteilte es strategisch günstig.

Er griff nach Dannys Beinen, legte sich eines über die Schulter und das andere um die Hüfte.

Stiles staunte beiläufig über Dannys Gelenkigkeit und er hielt den Atem an, als er sah, wie sich Ethan langsam in Danny versenkte.

Nun beobachtete Stiles Dannys Reaktionen sehr genau: Seinen Atem, seine Körperspannung, seine Mimik. Er wollte wollte wissen, was er wohl fühlte, während er gefickt wurde; ob es ihm gefiel oder ob es ihm vielleicht weh tat?

Es war deutlich, dass es nicht das erste Mal war, dass diese Zwei dies miteinander taten. Sie wirkten aufeinander eingespielt, wussten, was der Andere mochte und auch was ihm nicht gefiel.

Stiles hätte sich wie ein Eindringling und Fremdkörper fühlen können, doch das tat er nicht. Ethan und Danny ließen ihn spüren, dass er willkommen und Teil des Ganzen war und nicht nur dadurch, dass Dannys Rücken auf Stiles Unterleib und ruhte und dieser dadurch Ethans Stöße in gleicher Weise spürte, sondern auch, weil Danny Stiles Hand währenddessen hielt und diese in seiner Erregung drückte, weil er zwischendurch gelegentlich den Kopf in den Nacken legte, ihn anschaute und ihm zulächelte, um sich zu vergewissern, dass es Stiles gut ging und weil Ethan zwischendrin immer wieder die Lippen nicht nur von Danny, sondern auch von Stiles suchte und sie beide warm, keuchend und hungrig küsste.

Und während Stiles die beiden Liebhaber beobachtete, stellte er sich vor, an Dannys Stelle zu sein und Derek sei an der von Ethan. Allein diese Vorstellung reichte aus, um ihn erregt aufstöhnen zu lassen.

Dannys Körper, der rhythmisch gegen den von Stiles gestoßen wurde und die Reibung, die dadurch an seinen Genitalien entstand, reichten schließlich aus, dass Stiles gemeinsam mit seinen beiden Bettgefährten kam.

Als sie alle wieder Luft zum Atmen hatten, bemerkte Stiles verlegen an Danny gewandt:
„Sorry! Ich fürchte, ich habe dich eingesaut!“

Danny kicherte:
„Ist nicht schlimm!“ versicherte er und reichte Stiles eine Box mit Papiertüchern.

Ethan angelte sich auch eines der Tücher, um das Kondom zu entsorgen, ließ sich dann seufzend neben Danny plumpsen und legte einen Arm um diesen.

„Jetzt pass´ gut auf!“ wies Danny Stiles an und dann beobachteten sie beide, was Ethan nun wohl täte.
Und es dauerte keine zwei Minuten, bis dieser eingeschlafen war.

„Das ist seine Spezialität!“ verkündete Danny und strich liebevoll durch Ethans Haar.
Sowohl er, als auch Stiles musste ein bisschen lachen.

„War das hier O.K. für dich, Stiles?“ wollte Danny nun wissen.

Stiles zuckte mit den Achseln:
„Es war sicher nicht das, was ich von diesem Abend erwartet habe, aber es war...irgendwie schön!“ dann fiel ihm etwas ein: „Kann ich mich jetzt eigentlich immer noch `Jungfrau´ nennen?“

Danny lachte und küsste ihn sacht:
„Du bist wirklich süß! Und ja; ich denke, wir können mit gutem Gewissen behaupten, dass deine Jungfräulichkeit immer noch intakt ist. Das, was hier heute geschehen ist, war doch eher so etwas, wie Anschauungsunterricht, stimmt´s“

„Ja, und es war auch wirklich sehr anschaulich!“ bestätigte Stiles mit einem schiefen Grinsen. Dann traute er sich zu fragen: „Machen du und Ethan so etwas eigentlich öfter? Habt ihr das hier geplant?“

Danny stützte den Kopf auf den Arm und blickte belustigt auf Stiles hinab:
„Fragst du mich gerade allen Ernstes, ob wir zwei Perverse sind, die regelmäßig unschuldige Jungs mit in unsere Lasterhöhle schleifen, um mit ihnen Unzucht zu treiben?“

„Ich…ähm…Nein!“ stammelte Stiles verlegen, doch Danny lachte bloß und versicherte:

„Nein, Stiles. Ethan und ich haben das hier nicht geplant. Es war ganz spontan. Und ich fand es übrigens auch schön mit euch beiden! Und zum anderen Teil deiner Frage: Ja, Ethan und ich hatten auch früher schon mal einen Dreier! Bist du jetzt schockiert?“

Stiles schüttelte den Kopf und schmiegte sich an Danny:
„Nein bin ich nicht!“

Sie lagen noch eine Weile Arm in Arm beieinander und streichelten einander sanft und müde, doch Stiles wurde plötzlich klar, dass er nicht die Nacht hier verbringen wollte. Er brauchte jetzt ein bisschen Zeit allein, um die Erlebnisse des heutigen Tages zu verarbeiten.

„Bist du mir böse, wenn ich jetzt einfach verschwinde?“ fragte er Danny zaghaft.

Danny schüttelte den Kopf:
„Nicht doch, Kleiner.“

Stiles küsste Danny noch einmal. Bat ihn, Ethan auszurichten, dass es eine schöne Nacht für ihn gewesen sei und suchte in dem Durcheinander seine Kleider zusammen.


Das Taxi, dass ihn heimfuhr erinnerte Stiles noch einmal daran, was das hier für ein verrückter Tag gewesen war, indem ihn das Interieur mal eben in die Straßen von Bombay entführte. Der Taxifahrer war klein, alt, hatte dunkelbraune Haut und trug einen Turban. Irgendwo brannten Räucherstäbchen und Stiles war sicher, dass so etwas vermutlich in einem Taxi nicht erlaubt war. Aus dem Radio erklang fremdartige und für westliche Ohren irgendwie zu schrille Musik. Die Fahrerkabine war wild geschmückt und das Zentrum bildete eine goldene Statue von Ganesha, dem Elefantengott, der würdevoll auf dem Armaturenbrett thronte.

Als Stiles schließlich vor Dereks Apartment ankam, ging in der Ferne bereits die Wintersonne auf.

Stiles war zu müde, um zu duschen und fiel ganz einfach in dem T-Shirt und der Boxershorts ins Bett, die er gerade anhatte.


Er wurde wieder wach, weil es an der Tür Sturm klingelte.
Er hatte keine Ahnung, wie spät es sein mochte, tapste verschlafen und benommen zur Tür. Sein Kopf fühlte sich dabei an, als habe jemand sein Hirn entnommen und ihn mit nassen Windeln gefüllt und zu allem Überfluss stand vor der Tür auch noch ein putzmunterer Peter Hale, ready for action!

„Derek ist nicht da!“ maulte Stiles:

„Umso besser! Dann hab´ ich dich ja endlich mal für mich alleine!“ sagte Peter begeistert, drängte sich geschickt durch die halb geöffnete Tür, um dann sofort die Arme um Stiles zu schlingen:
„Wow Stiles! Du Riechst ja wie eine Seefahrerkneipe: Rauch und Alkohol!“ stellte er fest.
Dann vergrub Peter seine Nase an Stiles Hals und schnupperte weiter.
Er hob den Kopf und schenkte Stiles ein schmutziges Grinsen:
„Falsch! Du riechst wie ein orientalisches Bordell! Was zur Hölle hast du letzte Nacht getrieben?“

Stiles machte sich los und sagte schnell:
„Ich muss duschen!“

„Fein! Ich komme mit!“ behauptete Peter:

„Auf keinen Fall!“ bestimmte Stiles: „Und wenn du es dennoch wagst, mir zu folgen, mache ich dich fertig. Dann ist die Duschszene in `Psycho´ nicht mehr die schlimmste in der Geschichte, kapiert? Mach´ dich lieber nützlich und mach mir einen Kaffee, weil mir nämlich gleich der Kopf platzt!“

„Jawohl, Sir!“ erwiderte Peter: „Gott, ich stehe drauf, wenn du diesen Befehlston anschlägst, Baby!“

Okay, Peter hatte ihn wieder einmal rumgekriegt mit seinem Charme.
Stiles schenkte ihm ein halbes Lächeln.

Im Bad schloss er trotzdem vorsichtshalber die Tür ab. Nicht, dass er denken würde, dass Peter sich im Ernstfall von einer verschlossenen Tür hätte aufhalten lassen.
Es war eher symbolisch!

Als er und Peter einen Augenblick später beim Kaffee beieinander saßen, wollte Stiles wissen:
„Gibt es einen bestimmten Grund für deinen Besuch? Du wusstest doch, dass Derek nicht hier sein würde.“

„Einsamkeit, Langeweile und die Sehnsucht nach dir führen mich her, Süßer!“ gab Peter zurück: „Und nun erzähl mir all´ die schmutzigen Details deines Wochenendes!“

„Träum´ weiter, Peter! Ich erzähle dir gar nichts!“ gab Stiles energisch zurück.

„Ach, komm´ schon Prinzessin! Ich male mir sonst die Schlimmsten Sachen aus, die passiert sein müssen!“ bettelte Peter.

Stiles kicherte:
„Deine Fürsorge ist rührend, aber vergiss´ es! Meine Lippen sind versiegelt!“

„Glaube ich nicht!“ sagte Peter und küsste ihn.
Mit vollem Zungeneinsatz!

Stiles fragte sich gerade, ob man zur selben Zeit eine Jungfrau und ein Flittchen sein konnte, denn dies war der vierte Kerl, den er in zwei Tagen küsste:
„Lass´ gut sein, Peter!“ sagte er atemlos: „Lass´ uns lieber etwas spielen!“

„Aber wir spielen doch schon etwas!“ behauptete Peter, drückte Stiles in das Sofa und nagelte ihn mit seinem Gewicht dort fest: „Komm schon Stiles! Nun, da das Siegel ohnehin schon gebrochen ist, hast du doch nichts mehr zu verlieren. Und ich weiß ja nicht, welcher Stümper sich da letzte Nacht Zutritt verschafft hat, aber jetzt kann ich dir wenigstens nochmal zeigen, wie es richtig geht!“

Stiles blickte kopfschüttelnd zu Dereks Onkel hinauf:
„Weißt du, was ich an dir bewundere Peter? Deine übergroße Bescheidenheit! Aber jetzt mal ganz im Ernst: Du willst es HIER mit mir treiben? Auf dem Sofa deines Neffen und das, obwohl dieser jeden Augenblick zur Tür reinkommen könnte.“

„Wir können doch auch in Dereks Bett umziehen und ein `Bitte-nicht-stören!´-Schild an die Tür hängen.“ gab Peter gleichgültig zurück.

„Schreckst du eigentlich vor irgendwas zurück?“ erkundigte sich Stiles, doch es war mehr eine rhetorische Frage:

„Mein Neffe kennt mich. Ich müsste schon wirklich kreativ werden, um ihn sprachlos zu machen.“ entgegnete Peter: „Andererseits hat er für dich wirklich etwas übrig und er würde sich zu Tode ärgern wenn wir es tun würden.“ Er grinste und fügte an: „Bonus, würde ich sagen.“

Stiles wurschtelte sich mühsam unter dem Körper des schwereren und stärkeren Mannes hervor und ging hinüber zu einem Schrank in Dereks Wohnzimmer:
„Sorry Peter!“ sagte er über seine Schulter hinweg, während er kramte: „Ich schätze, du solltest dein Glück nochmal versuchen, wenn ich verzweifelter bin, als heute. Und nur zur Information: Mein `Siegel´ ist noch intakt!“

Er fand das Gesuchte und hielt es hoch: Dereks Schachbrett!

Peter machte ein unzufriedenes Gesicht und nannte ihn `Nerd´.

Schach war Stiles Spiel, aber natürlich war es nicht das von Peter, der seine Befriedigung sofort wollte und nicht etliche Züge darauf warten konnte.
Und so stellte Stiles das Schachbrett wieder zurück und zog stattdessen Spielkarten hervor.

Peter klatschte begeistert in die Hände und rief:
„Yeah! Strip-Poker!“

Stiles wollte ernst bleiben, doch es gelang ihm nicht.
Er kehrte kichernd zu Peter zurück, reichte ihm die Spielkarten, damit er mischen konnte und drückte ihm einen kleinen Kuss auf die Stirn.

Als Derek heimkehrte, war Peter schon wieder gegangen und Stiles stand in der Küche, um das Abendessen zuzubereiten.
Heute stand Jäger-Bigos mit Pilzen auf der Speisekarte; ein Eintopf mit reichlich Schweinefleisch und fettiger Wurst nach einem Rezept von Stiles polnischer Großmutter.
Nach einem Wochenende voll von Sex, würde Derek etwas Handfestes brauchen, dass ihm seine Kräfte wiedergab, hatte sich Stiles überlegt.
„Das riecht gut!“ stellte Derek fest und linste hungrig über Stiles Schulter. Dann wollte er wissen: „Wie war dein Wochenende?“

„Sex, Drugs and Rock and Roll!“ antwortete Stiles betont lässig und beiläufig: „Und bei dir?“

„Genauso!“ behauptete Derek, weil er dies wieder für einen von Stiles flapsigen Sprüchen hielt, doch dann ließ ihn etwas an Stiles Tonfall aufhorchen und er blickte seinen Hausgast prüfend von der Seite an.

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