Der Junge im Bus

vor 7 Mon.
San Francisco im Oktober. Es ist ein kalte Vollmondnacht, Derek ist müde und will bloß noch schnellstmöglich nachhause! Natürlich verreckt ihm gerade jetzt seine blöde Karre. Also gut, dann muss er wohl den verdammten Bus nehmen. Und irgendetwas an dem Typ, der ihm gegenüber sitzt, lässt ihn aufmerksam werden. Honigaugen! Sterek, Pesaac, A..
Teen Wolf Romanze P16-M+M Drama Beendet

Chicken Cajun

Stiles hatte eine weitere Nacht voller Sehnsucht auf Dereks Sofa verbracht und stand nun unter der Dusche, um sich den Geruch der Verzweiflung abzuwaschen.
Dann machte er seinen zum Sterben schönen und unerreichbaren Gastgeber Kaffee und Frühstück und brachte ihm beides ans Bett:
„Guten Morgen, Sonnenschein!“ rief Stiles munterer und heiterer, als er sich in Wahrheit fühlte und zog die Vorhänge im Schlafzimmer auf. Er wollte von Derek wissen: „Und? Wie gefällt dir mein Outfit?“

Stiles trug eine seiner neuen Jeans und das `Slut´-Shirt und drehte sich nun ein bisschen, damit Derek ihn von allen Seiten angemessen bewundern konnte.

Dieser bedeckte seine Augen gegen die Sonne und knurrte unzufrieden:
„So gut, dass ich spontan Lust bekomme, dir Dollarnoten in den Bund deiner Hose zu schieben!“

„Prima!“ sagte Stiles: „Dann habe ich ja alles richtig gemacht!“
Er setzte er sich auf Dereks Bettkante und verkündete:
„Ich habe Croissants besorgt.“
Er hielt dem Älteren eines direkt unter die Nase und dieser schnappte grinsend zu.

Stiles lächelte auf ihn hinab und erlaubte sich einen flüchtigen, leichtsinnigen Moment lang darüber nachzudenken, wie schön es doch sein könnte.

Aber gleich im nächsten Moment fühlte es sich dann auch schon wieder so an, als würde jemand mit einer Gabel in seinem Herzen herumstochern, weil Stiles da nämlich die Aussichtslosigkeiten seiner Situation bewusst wurde.
Denn `Morgende danach´, mit gemeinsamem Ausschlafen, einem kleinen Quickie, um sich an die Freuden der vergangene Nacht zu erinnern, Croissants und dann kuscheln bis zum frühen Nachmittag; das alles würde es für ihn mit Derek niemals geben, denn dieser mochte schöne Frauen mit schokoladenbrauner Haut in seinem eigenen Alter und keine blassen, nervösen, hyperaktiven, achtzehnjährigen Spinner, die sich dreist bei ihm zuhause einnisteten und ihm auf den Wecker gingen.
Und wer konnte es ihm verdenken?
Stiles jedenfalls nicht!

E reichte Derek seinen Kaffee; stark und schwarz, und sagte dann schnell:
„Ich muss bald los zur Arbeit. Was willst du heute Abend essen? Ich werde auf dem Heimweg etwas einkaufen gehen.“

„Hühnchen vielleicht?“ fragte Derek, reckte sich und biss ein weiteres Mal von seinem Croissant ab.

Stiles lächelte:
„Abgemacht! Ich werde mein Cajun-Huhn für dich machen. Du wirst es lieben, das tut nämlich jeder!“

„Ich bin gespannt.“ Erwiderte Derek und wollte dann wissen: „Kannst du vielleicht gleich etwas mehr machen, falls Peter oder Braeden mitessen wollen?“

Stiles schluckte kurz.
Braeden!
Natürlich, da war ja noch etwas.
Wie nett von Derek, ihn daran zu erinnern.

„Klar!“ sagte er leichthin und dann machte er sich rasch, beinahe schon fluchtartig auf den Weg.


Im Bus weinte Stiles ein bisschen.

Es war nicht die Dankbarkeit, weil Derek ihm das Leben gerettet hatte.
Es war auch nicht deswegen, weil Derek so wahnsinnig schön war.

Nein es war vielmehr so, dass etwas in Stiles Innerem genau wusste, dass Derek und er füreinander bestimmt waren.

Blöd nur, dass etwas in Derek Innerem das offenbar ganz anders sah.

Stiles musste sich zwingen aufzustehen, als der Bus an seiner Haltestelle hielt, denn irgendwie tat ihm alles weh. So als seien seine Muskeln durchsetzt von Eiskristallen.
Und das Herz war ja auch bloß ein Muskel!


Heute würde Stiles gemeinsam mit Mason arbeiten. Dieser begrüßte ihn mit einem süßen, schüchternen, jungenhaften Lächeln und drückte ihm erst mal einen Schlüssel für das Café in die Hand: „Den hat Ethan gestern vergessen, dir zu geben.“ verkündete er und wollte dann wissen, wie er denn wohl seinen ersten Arbeitstag überstanden hätte:
„Oh, es war toll! Alle waren echt nett und die Arbeit macht Spaß!“ gab Stiles zurück.

Mason blickte ihn prüfend an:
„Ich frage ja auch nur, weil du überhaupt nicht glücklich wirkst.“

`Na großartig!´, dachte Stiles wenig begeistert. `Offenbar war er sogar für vollkommen Fremde zu lesen, wie ein offenes Buch!´

Doch weil Mason wirklich lieb aussah und es scheinbar auch nur gut meinte, sagte Stiles:
„Das hat nichts mit der Arbeit zu tun. Ich laboriere bloß gerade an einem gebrochenen Herzen herum. Weiter nichts.“

„Ach!“ sagte Stiles neuer Kollege: „Weiter nichts?“ Er schüttelte sorgenvoll den Kopf: „Klingt ernst, wenn du mich fragst! Und glaube mir, ich kenne dieses Gefühl! Es gibt da nämlich einen älteren Kerl, den ich sehr mag, aber der sieht bloß einen kleinen Bruder oder so in mir. Und ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob er Kerle mag. Das geht schon seit einer Weile so und manchmal mag ich weder essen, noch kann ich schlafen. Ich kann an nichts anderes denken, als ihn. Ich sage dir: Es.Bringt.Mich.Um.Den.Verstand!“

Stiles blickte ihn überrascht an:
„Echt? Scheint, als hätten du und ich eine Menge gemeinsam, denn ich kann jedes einzelne deiner Worte unterschreiben.“ entgegnete er.

„Vielleicht sollten wir uns dann mal irgendwann zusammensetzen, uns den Magen mit einer ungesunden Mengen Eiscreme verderben, einen Gilmore-Girls-Marathon absolvieren und über Männer schimpfen?“ schlug Mason vor.

Bei der Vorstellung musste Stiles lachen:
„Aber nur, wenn wir uns dabei auch gegenseitig die Fußnägel lackieren und uns Zöpfchen in die Haare flechten!“

Mason grinste und reichte ihm den kleinen Finger zum Einhaken:
„Pinkie-Schwur?“

„Pinkie-Schwur!“ bestätigte Stiles kichernd und hakte ein.

Das Arbeiten mit Mason war wirklich angenehm. Stiles und er alberten herum und es fühlte sich schnell so an, als würden sie sich schon ewig kennen.

Stiles erfuhr, dass Mason offiziell gar nicht hier im Café arbeiten dürfte, weil er erst sechzehn war und dass er, falls es einmal eine unangemeldete Inspektion geben sollte, ganz schnell verschwinden müsste. Die anderen Jungs hätten ihm lediglich gestattet, im Café zu arbeiten, weil Mason nirgendwo sonst einen Job gefunden hatte und sie Mitleid mit ihm gehabt hätten.
Er sei von zuhause weggelaufen, erzählte Mason, weil seine Eltern mit seinem Schwulsein nicht klargekommen wären. Daher sei er nach San Francisco gekommen - noch so eine Gemeinsamkeit zwischen Stiles und ihm!
Gerade würde er mit ein paar anderen jungen Leuten in einer WG leben. Seine Anfangszeit hier in der Stadt sei ziemlich schwierig gewesen, doch nun sei es in Ordnung, versicherte Mason.

Irgendwann um die Mittagszeit betrat Alan überraschend das Café und Stiles freute sich, ihn wiederzusehen:

„Und? Hat das kleine Wölfchen deinem besonderen Freund gefallen?“ wollte der Ladenbesitzer wissen.

Stiles kratzte sich am Kopf:
„Das kann ich nicht genau beantworten, denn das ist bei meinem Freund immer sehr schwer zu sagen. Er hat die Art Gesicht, bei dem man nie wirklich bestimmen kann, ob er sich nun freut, oder gerade unter schmerzhafter Verstopfung leidet.“

Alan lachte:
„Klingt nach einer echten Frohnatur!“ kommentierte er.
Dann erblickte er Mason hinter dem Tresen.
Ein kleines Lächeln huschte über Alans Gesicht und er entschuldigte sich.


Da Stiles im Augenblick nichts besseres zu tun hatte, beobachtete er die beiden.

„Hey Hewitt!“ begrüßte der Mann den Jungen:

„Hey, Deaton!“ gab dieser zurück, errötete ein wenig unter seiner braunen Haut und fragte: „Das Übliche?“

Als Alan nickte, erhielt er sogleich ein Stück Torte und einen Latte Macchiato mit Kakaoherzchen auf dem Milchschaum, begleitet von einem schmachtenden Blick Masons.

Der Eine saß vor dem Tresen, der Andere dahinter und einen Moment lang schienen die beiden alles andere um sich herum auszublenden. Sie steckten die Köpfe zusammen und sprachen sehr intim miteinander, so dass Stiles kein Wort verstand.

Sie sahen aus wie Liebhaber!

Doch dann hatte Alan seinen Kaffee ausgetrunken, seine Torte verspeist und der Zauber war von einer Sekunde auf die nächste verflogen.
Alan Deaton erhob sich, zahlte, verabschiedete sich winkend von Stiles und Mason und war verschwunden.

Und Stiles konnte beinahe dabei zuschauen, wie der verliebte Junge vor seinen Augen zerbröselte, wie ein zertretenes Mürbeplätzchen.

Es war herzzerreißend!

Und so trat Stiles hinter den Tresen zu Mason, legte diesem kameradschaftlich einen Arm um die schmalen Schultern und bemerkte:
„Als du sagtest, du seist verliebt in einen älteren Kerl habe ich gedacht, du meinst jemanden, der vielleicht zwanzig ist. Ich dachte nicht an jemanden, der geschätzte dreißig Jahre älter ist als du!“

Mason ließ den Kopf hängen:
„War es so wirklich so offensichtlich, dass es um Deaton geht?“ fragte er niedergeschlagen.

Stiles zuckte mit den Achseln:
„Also für mich war es jedenfalls nicht zu übersehen.“ Erwiderte er, doch als er Masons entsetzten Blick sah, schob er schnell hinterher: „Aber dass heißt nicht, dass Alan selbst es bemerkt haben muss. Oder irgendwer sonst!“
Weil das den Jüngeren offenbar nicht sonderlich beruhigte, fragte Stiles, um ihn abzulenken:
„Warum nennen Alan und du euch denn eigentlich beim Nachnamen?“

Mason lächelte:
„Als ich neu in der Stadt war, war Deaton einer der ersten, die ich hier kennengelernt habe. Er hat den Buchladen ein Stück die Straße runter, weißt du?“
Stiles nickte, auch wenn er Alans Laden nicht unbedingt als einen Buchladen identifiziert hätte und Mason fuhr fort:
„Er war wirklich nett zu mir, hat mir geholfen, hier Fuß zu fassen. Er hat mir diesen Job und auch mein WG-Zimmer besorgt und dennoch konnte ich mich nie überwinden, ihn beim Vornamen zu nennen. Darum ist er irgendwann dazu übergegangen, es bei mir genauso zu machen und dabei ist es geblieben.“

„Verstehe!“ sagte Stiles: „Und wie wird das mit euch beiden weitergehen? Willst du ihm sagen, was du empfindest?“

Mason blickte ihn hilflos an:
„Ich glaube, ich würde kein Wort herausbringen, wenn ich es versuchen würde. Und ich habe auch wirklich nicht die leiseste Ahnung, wie er darauf reagieren würde. Die Sache ist nämlich die: Er kennt beinahe jedes Detail meines Lebens, weil ich ihm einfach alles über mich erzählt habe, in den vielen langen Gesprächen, die wir geführt haben, doch ich weiß rein gar nichts über IHN! Er tut immer so verdammt geheimnisvoll. Er könnte ein verheirateter Familienvater sein? Oder sein Buchladen ist möglicherweise nur eine Tarnung, um Geld für die Mafia zu waschen? Vielleicht führt er auch ein geheimes Doppelleben voller sexueller Abartigkeiten und Ausschweifungen? Ich weiß es einfach nicht! Ich weiß rein gar nichts über ihn. Und es nicht zu wissen, macht bloß, dass ich ihn noch mehr will!“

Gegen seinen Willen musste Stiles ein wenig kichern:
„Mit anderen Worten: Das Geheimnisvolle gibt dir den Kick?“

„Zur Hölle, ja!“ fluchte Mason lachend: „Und manchmal stelle ich mir vor, ich komme eines Tages zu Deaton in den Laden, wenn er gerade mal keine Kundschaft hat; dann schnappe ich ihn mir einfach und küsse ihn und danach ist dann alles klar: Er sagt mir, dass er mich genauso liebt, wie ich ihn, er nimmt mich mit zu sich nachhause, verrät mir all´ seine Geheimnisse, wir haben großartigen Sex und leben von da an glücklich, bis an das Ende unserer Tage!“

„Zu schade, dass das Leben keine RomCom ist.“ bestätigte Stiles: „Da funktionieren die Dinge auf diese Weise.“

„Weißt du, dass ich beinahe verzweifelt genug bin, es trotzdem einfach zu probieren? Danach weiß ich wenigstens Bescheid. Und das Schlimmste was mir passieren kann ist, dass ich hinterher um eine Illusion ärmer bin, oder nicht?“

Stiles dachte an seine eigene Situation und fragte sich, was ihm selbst eigentlich lieber wäre; verzweifelte Sehnsucht oder enttäuschte Hoffnung?
Im Augenblick zog er die verzehrende, quälende Sehnsucht noch vor, doch SO lange trieben Derek er dieses grausame Spielchen ja auch noch nicht. Wer wusste schon, wie er es in ein paar Monaten sehen würde. Vielleicht wären Braeden und Derek bis dahin ja bereits verlobt und Stiles würde gefragt werden, ob er Trauzeuge sein wolle. Dadurch könnten sich die Dinge wohl ein wenig verändern.

„Hast du eigentlich schon einmal einen Freund gehabt?“ fragte Stiles, vor allem auch, um sich von den bezaubernd-grauenhaften Zukunftsvisionen abzulenken, welche sein bescheuertes Hirn netterweise für ihn ausspuckte.

Mason ließ unglücklich seinen Kopf hängen:
„Ganz Ehrlich? Die einzige intime Erfahrung meines Lebens war ein wenig betrunkenes Herumgeknutsche mit meinem besten Freund Liam und der ist straight! Ist das nicht erbärmlich?“

Stiles fragte sich gerade erstaunt, ob Mason und er wohl parallele Leben führten:
„Nein! Das ist überhaupt nicht erbärmlich!“ versicherte er: „Es kommt mir nur reichlich bekannt vor, denn bei mir war es ganz genau so.“

„Im Ernst?“ fragte Mason überrascht: „Ein toller Kerl wie du? Ich meine, sieh´dich an! Du bist heiß!“

Die Röte suchte sich langsam ihren Weg aus dem Kragen von Stiles Schlampenshirt über seinen Hals und sein Gesicht und setzte zum Schluss seine Ohren in Brand:
„Öh!“ machte Stiles ausgesprochen intelligent und zuckte mit den Schultern.

Ehe es hier noch richtig peinlich wurde, rief nun zum Glück wieder die Pflicht: Nach und nach hatte das Café sich nämlich nun zu füllen begonnen und Stiles und Mason mussten ihre Plauderei abbrechen, um Bestellungen aufzunehmen.

Bis zum Feierabend ergab sich keine Gelegenheit mehr für die beiden, ihr Gespräch fortzusetzen und als Ethan und Isaac kamen, um sie abzulösen, wollte Mason unbedingt noch einmal zu Alan in den Laden, um zu sehen, ob dieser wohl mit ihm zu Abend essen wollte:

Stiles war damit also nicht der Einzige, der sich heute Abend noch mit seinen Anteil an Herzschmerz und Verzweiflung abholen würde.


Er ging in den Supermarkt, um die Zutaten für Cajun-Chicken für vier Personen zu besorgen (Yeah!?) und setzte sich dann in den Bus nachhause.

Vor der Tür zu Dereks Haus traf Stiles Peter, der ihn mit Küsschen links und rechts begrüßte, ihm galant die Einkäufe abnahm und dann begeistert erklärte:
„Derek hat gesagt, du willst heute für uns Kochen, Süßer? Da konnte ich einfach nicht widerstehen! Vorbeizukommen.“

„Darauf hatte ich gehofft, mein Prinz!“ erwiderte Stiles sarkastisch und stapfte hinter Peter her die Treppen hinauf.

Als sie Dereks Apartment betraten, saß Braeden bereits auf dem Sofa und hatte elegant ein Bein über das andere geschlagen. Sie trug einen kurzen, knallroten Rock, einen Lippenstift in derselben Farbe und sah so umwerfend aus, das sich sogar in Stiles selbst etwas bei ihrem Anblick regte.
Verflixt!
Er konnte Derek so verdammt gut verstehen, denn diese Frau war einfach der Hammer!
Braeden begrüßte Stiles so herzlich, als seien sie alte Freunde, umarmte ihn und schenkte ihm ein warmherziges, umwerfendes Lächeln.
Der Empfang zwischen Peter und Braeden hingegen viel ausgesprochen frostig aus. Es war eindeutig, dass diese zwei sich nicht im Geringsten grün waren.

„Sind Peter und du etwa gemeinsam gekommen?“ erkundigte sich Derek schließlich übellaunig bei Stiles und ehe dieser antworten konnte, verkündete Peter schon schnurrend:
„Und wenn es so wäre? Stiles und ich sind zwei attraktive Single-Männer und können machen, was wir wollen, stimmt´s nicht, Süßer?“
Dabei schlang er seine Arme besitzergreifend um den Jüngeren.

Statt irgendwie zu dementieren oder zu versuchen, Peters Umarmung loszuwerden, seufzte Stiles lediglich theatralisch und warf Derek einen `Womit-habe-ich-das-verdient´-Blick zu.

Während Stiles kochte, hatte er einmal mehr das zweifelhafte Vergnügen, Derek und Braeden beim Knutschen und Herumturteln beobachten zu dürfen, während Peter bei ihm in der Küchenecke herumlungerte und sich sogar noch ein paar Extra-Hände wachsen ließ, um den Koch damit sexuell zu belästigen.

Stiles versuchte ja, den Älteren in die Kocherei mit einzubinden, wie man es pädagogisch sinnvoll auch mit einem unausgelasteten Kind tun würde, dass zu Übersprungshandlungen neigte, doch ganz ehrlich: Dieser Mann hatte die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs! Die Frühlingszwiebeln waren noch nicht einmal bis zur Hälfte zerkleinert, da wurde Stiles von Peter auch schon wieder mit fordernde Beckenbewegungen gegen den Spülstein gedrängt. Und die Bitte, ob Peter nicht vielleicht Karotten schälen könnte, zog ausufernde Beschreibungen dessen nach sich, auf welche Arten sich phallusförmiges Gemüse sonst noch verwenden ließe.

Stiles musste an den kleinen `Flipper´ denken, der noch immer in seinem Rucksack darauf wartete, seine Unschuld zu verlieren und musste gegen seinen Willen ein wenig kichern, was natürlich Öl in Peters Feuer war.
Und während Stiles sich noch abmühte, Peter davon abzuhalten ihn zu bespringen und zu schwängern, traf den Jungen eine überraschende Erkenntnis: Er mochte Peter!

Mit ihm fühlten sich schwere Dinge leichter an und das war für jemanden wie Stiles, der immer alles viel zu schwer nahm, der versuchte, die Fäden in seinem Leben zusammenzuhalten, der sich immer alles genau aufschrieb, weil er hoffte, auf diese Weise Sinn in die Sinnlosigkeit zu bringen, eine wahre Wohltat.
Stiles machte sich natürlich nichts vor. Ihm war klar, dass Peter es höchstwahrscheinlich bloß darum ging, ihn zu erlegen, weil er seinen Kopf für seine Trophäenwand wollte (und auf Stiles Kopf hatte Peter es hierbei vermutlich auch gar nicht nicht in erster Linie abgesehen), aber Peter war lustig!
Er wirkte irgendwie unverwüstlich!
Und Stiles brauchte in diesen merkwürdigen Zeiten, Gott weiß etwas, dass so wirkte, als habe es Bestand.

Er würde Peter deswegen vielleicht nicht gleich gewinnen lassen, doch was sprach dagegen, mit dessen eigenartiger Fixierung auf ihn ein wenig zu spielen, ein wenig mit ihm zu flirten und sich zu amüsieren? Schließlich hatte Peter es ganz richtig erfasst: Stiles war Single! Er konnte tun und lassen, was er wollte.
Und auch, mit wem er es wollte!

Nach einer Weile stand dann endlich das Geflügelgericht auf dem Tisch, oder in diesem Fall auf dem Küchentresen und es schien allseits zu munden, wie Stiles zufrieden feststellte.
Sogar so sehr, dass Derek und Braeden anfingen, sich gegenseitig verliebt und kichernd damit zu füttern.
Stiles sah es und hatte das Gefühl, jeden Moment zusammenbrechen zu müssen, von seinem Barhocker zu sinken und hart auf dem Boden aufzuschlagen.
Zum Glück war Peter hilfreich zur Stelle, um ihn abzulenken.

Indem er ihm die Hand unter den Hosenbund schob und sie über Stiles nacktes Hinterteil wandern ließ:

„Ahh....iieh!“ machte er erschrocken, wie eine kleine Prinzessin, die ein Maus gesehen hatte und brachte Peter damit vergnügt zum Lachen.

Derek unterbrach seine süßliche `Susie und Strolch´-Performance und blickte die beiden streng an, um zu ergründen, was vor sich ging, doch da sie auf der anderen Seite des Küchentresens saßen, war es ihm unmöglich, zu sehen, was Peter tat.

Sein Onkel grinste lediglich harmlos und Stiles mühte sie nun damit ab, Peters Hand wieder aus seiner Hose zu ziehen:

„Du kannst es besser treffen, Stiles!“ kommentierte Braeden mit einem giftigem Blick auf Peter.

„Ich weiß!“ erwiderte Stiles und musste sich zwingen, dabei nicht Derek anzuschauen.

Nach dem Essen deckte Stiles das Geschirr ab und begann, die Küche aufzuräumen. Als Peter sich anbot, ihm zu helfen, drehte Stiles sich zu ihm um und fragte mit hochgezogener Augenbraue:
„Hast du mir heute denn noch nicht genug geholfen?“

Peter zuckte grinsend mit den Schultern und räumte dann ganz brav und ohne irgendwelche Paarungsversuche die Spülmaschine ein.


Nach getaner Arbeit servierte Stiles den Anderen auf dem Sofa die Eiscreme, die er zum Nachtisch besorgt hatte.

Braeden erklärte, dass sie gern eine DVD schauen wolle und hatte auch schon eine zur Hand.
Derek schaute sie ungläubig an, als er das Cover erblickte:
„Echt jetzt? Den willst du sehen?“

Braeden nickte kichernd:
„Jawohl; ganz genau! Ich will sehen, wie ihr weißes Kolonialherrenvolk euch schamhaft in meiner Gegenwart windet!“

Der Film den sie Derek gereicht hatte war `Vom Winde verweht´.

Die nächsten viereinhalb Stunden hatten die vier also das zweifelhafte Vergnügen, Vivian Leigh in der Rolle einer verzogenen Gutsherrentochter aus den Südstaaten dabei zuzusehen, wie sie sich durch die Wirren des Bürgerkriegs kämpfte und eine dysfunktionale On-Off-Beziehung mit Clarke Gable und seinem lächerlich dünnen Bärtchen führte.

Derek und Braeden bekamen von dem Film nicht allzu viel mit, weil sie offenbar versuchten, sich gegenseitig zu verspeisen, angefangen bei den Lippen.

Es war absolut widerlich!

Eine Zumutung!

Eine widerliche, hundsgemeine, Herzen brechende Zumutung, die Stiles zwei dicke Tränen der Verzweiflung in die Augen trieb, die er sich rasch verstohlen wegwischte, ehe einer der beiden es mitbekam.

Einer jedoch hatte es gesehen!
Es war nicht ganz klar, ob Peter Mitgefühl mit Stiles hatte, oder er einfach nur seine verzweifelte Lage ausnutzen wollte, (vermutlich war es ein bisschen von beidem) jedenfalls zog er den Jüngeren in seine Arme und breitete liebevoll und schutzspendend eine Decke über sie beide.

Diese Tat veranlasste Derek tatsächlich kurzzeitig, in seinem Treiben innezuhalten und zu schauen, was da gerade zwischen den beiden Männern vorging, bis Braeden es schließlich wieder schaffte, Dereks volle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.


Zumindest vor sich selbst musste Stiles sich eingestehen, dass es sich gut anfühlte, sich von Peter halten zu lassen.
Irgendwie hatte dieser es geschafft, sich hinter Stiles zu manövrieren, so dass der Jüngere nun zwischen seinen Beinen saß, sich an den breiten Brustkorb schmiegen und den Kopf in Peters Halsbeuge legen konnte.

Und als Stiles den heißen Atem des Älteren im Nacken spürte, und Peters Hand sich unter Stiles T-Shirt schob, um seinen Bauch und seine Brust zu streicheln, fühlte er sogar ein kleines, verdächtiges Zucken und Pochen in seiner Hose, dem er nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken versuchte.


Doch auch das längste Südstaatenmelodram ging einmal vorbei und Braeden machte sich zum Gehen bereit, auch wenn Derek das überhaupt nicht passte:
„Du kannst doch hierbleiben. Mein Bett ist groß genug!“ versuchte er die Schöne zu überreden und Stiles betete, dass Braeden gegen Dereks Augenaufschlag; ganz anders als er selbst, immun sein möge.

Und so war es zum Glück auch:
„Sorry, Süßer, aber ich muss morgen früh raus und schlafe am Besten in meinem eigenen Bett!“ sagte Braeden kaltlächelnd, stellte sich auf die Zehenspitzen und gab Derek einen kleinen, letzten Kuss. Dann fügte sie hinzu:
„Aber am Wochenende bin ich ganz Dein!“

`Oh, toll!´ dachte Stiles, `am Wochenende, wenn er selbst frei hatte und somit reichlich Zeit, sich vorzustellen, was Derek und Braeden wohl gerade miteinander trieben.´

War sein Leben nicht großartig?

Als Peter sich von Stiles verabschiedete und ihn erwartungsvoll anschaute, hatte dieser plötzlich das Gefühl, dem Älteren etwas schuldig zu sein. Aber Peter konnte doch nicht allen Ernstes annehmen, dass Stiles mit ihm nachhause gehen wurde, nur weil er ihn heute Abend davor bewahrt hatte, sich aus dem Fenster zu stürzen, um seinem wehen Herzen zu entkommen, oder?
Nein, das kam gar nicht in Frage!
Stattdessen umarmte Stiles Peter und flüsterte ihm ein „Danke!“ ins Ohr.

Peter seinerseits küsste Stiles sanft und erwiderte:
„Es war mir ein Vergnügen, kleine Jungfrau. Jederzeit wieder!“


Als Derek und Stiles wieder unter waren und Stiles mit geputzten Zähnen aus dem Bad zurückkehrte, saß Derek auf dem Sofa und fragte säuerlich:
„Das nennst du also `Auf jemand besonderen warten´? Verdammt! Mein Onkel ist schon durch mehr Hände gegangen, als eine alte Fünfdollarnote. Er spielt doch bloß mit dir Stiles! Merkst du das denn gar nicht?“

Stiles gab ein trauriges, kleines Lachen von sich:
„Natürlich merke ich das! Mir ist klar, dass er mich bloß ficken will. Aber vielleicht wäre das ja gar nicht mal das Schlechteste, was mir passieren könnte, denn schließlich WILL ich endlich gefickt werden, verflucht nochmal! Natürlich kann ich darauf warten, dass irgendwann endlich jemand kommt, der dann meine, bis dahin völlig überhöhten, unrealistischen Erwartungen enttäuscht. Aber ich könnte in der Zwischenzeit auch mit jemandem wie Peter ein bisschen üben, weil ich weiß, dass ich von ihm absolut nichts zu erwarten habe; keine Liebe, keine emotionalen Höhenflüge, wahrscheinlich nicht einmal ein bisschen Kuscheln hinterher. Er würde mich einfach nur ganz ehrlich und unsentimental flachlegen. Und die Tatsache, dass er es schon mit so ziemlich jedem und jeder getrieben hat, kann doch nur vorteilhaft für mich sein. Das heißt, er hat Erfahrung und wird mir bei meinem ersten Mal wenigstens nicht wehtun! Und falls es dir noch nicht aufgefallen ist: Ich habe nicht allzu viele Optionen! Ich brauche jedenfalls noch keinen Besenstiel, um mir die möglichen Freier vom Leib zu halten!“

„Ich will aber etwas Besseres für dich!“ entgegnete Derek und seine Worte waren so aufrichtig und lieb, das Stiles beinahe das Herz stehen blieb:
„Ich will jemanden, der deine Überhöhten Erwartungen noch übersteigt und der dich liebt und überglücklich macht!“

Das war zu viel für Stiles:
„Das Leben ist nun einmal kein Disney-Film!“ bellte er barsch, machte sich dann auf dem Sofa lang, zog sich die Decke über den Kopf, kehrte Derek den Rücken zu und fing an zu schluchzen.

Hilflos legte Derek sich hinter Stiles, schlang die Arme um ihn und versicherte:
„Ich werde dir bei der Suche helfen, Kleiner! Wir durchstöbern zusammen Datingportale, oder ich gehe mit dir auf schwule Tanzveranstaltungen. Ich werde dein Co-Pilot sein. Alles, was du willst, aber bitte, bitte verschwende dich nicht an jemanden wie wie Peter!“

Am liebsten hätte Stiles Derek grob von sich gestoßen und ihn angebrüllt, dafür dass er so lieb und gleichzeitig so unglaublich blind war, doch er tat das genaue Gegenteil davon, drehte sich zu seinem Gastgeber herum und klammerte sich an ihn.

Irgendwann fragte Derek dann:
„Willst du heute bei mir schlafen, Kleiner?“

Stiles war sich der Tatsache bewusst, dass es die wohl dümmste Entscheidung der Welt wäre, dieser Einladung zu folgen.

Er tat es trotzdem!

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Feltro 22. Jan 2019

Hi there! I'm an Italian guy, who is currently trying to learn German (and since I am still very bad at it, I thought it was better to write this in English). I wanted to thank you for this wonderful fanfiction.
It's quite advanced for me, so I have to read it very slowly, but I love it! The characters, the places, the scenes, everything is described in a rich and effective way. Reading your work has become for me a very enjoyable way to expand my German vocabulary. Thank you again so much for this!