Der Junge im Bus

vor 19 Tagen
San Francisco im Oktober. Es ist ein kalte Vollmondnacht, Derek ist müde und will bloß noch schnellstmöglich nachhause! Natürlich verreckt ihm gerade jetzt seine blöde Karre. Also gut, dann muss er wohl den verdammten Bus nehmen. Und irgendetwas an dem Typ, der ihm gegenüber sitzt, lässt ihn aufmerksam werden. Honigaugen! Sterek, Pesaac, A..
Teen Wolf Romanze P16-M+M Drama In Arbeit

Männerwirtschaft

Stiles konnte gar nicht anders, als wie ein Honigkuchenpferd zu grinsen:
„Nachhause?“ echote er: „DU willst dass ICH wieder mit dir zurückkomme?“

Derek knurrte böse:
„Habe ich das nicht gerade gesagt? Also? Was ist nun? Kommst du? Wie du schon ganz richtig bemerkt hast, bin ich barfuß und im Pyjama! Ich will hier nicht festfrieren!“

Stiles zog seine Jacke aus und hielt sie Derek hin, doch der knurrte lediglich erneut, ohne auch nur in Betracht zu ziehen, das Kleidungsstück anzurühren.
Stattdessen verschränkte er die Arme vor der Brust, gegen den kalten Wind:
„Entweder du kommst auf der Stelle mit mir, oder ich gehe allein!“

„Warte!“ rief Stiles aus: „Ich komme mit dir! Aber ich habe zwei Bedingungen.“

Dereks Gesicht verfinsterte sich noch ein kleines bisschen mehr:
„WIE BITTE!“ donnerte er fassungslos: „Bedingungen hast du?“

Stiles würde jetzt nicht fragen, wieso Derek hinter ihm hergelaufen war, oder wieso er ihn bat, mit ihm zu kommen. Das wagte er noch nicht und hatte überdies Angst , dass ihm die Antwort nicht gefallen würde!
Natürlich; eines Tages würde er es wissen wollen, aber noch nicht heute, nein!

Er ließ sich aber in diesem Augenblick auch nicht von Dereks zur Schau getragenem Ärger beirren. Dieser hatte ihn schließlich gerettet, versorgt und gepflegt und nun war er ihm einen Block lang ohne Schuhe und im nun praktisch in seiner Unterwäsche hinterhergejagt. Irgendetwas MUSSTE das doch bedeuten, oder?
Und das gab ihm nun genug Selbstvertrauen, um zu sagen, was ihm wichtig war:
„Meine erste Forderung lautet, dass du es mir sofort sagst, wenn du mich irgendwann wieder loswerden willst. Ich meine, dein Apartment ist nicht groß und es ist im Grunde nur für eine Person geeignet. Außerdem weiß ich, dass du eigentlich ein Einzelgänger bist und deine Ruhe magst. Ich will nicht das Gefühl haben, ich falle dir zur Last. Also: Wenn es dir mit mir zu viel wird, musst du es gleich sagen, denn ich will nicht raten müssen, hörst du?“

Stiles Stimme war fest und entschlossen.

Derek blickte ihn skeptisch an. Dann nickte er knapp:
„Akzeptabel! Und was willst du NOCH?“

Stiles schaute ihn von unten her an und in der Morgensonne glommen seine Augen beinahe golden:
„Du hast die ganze Zeit für mich gesorgt und dich um mich gekümmert. Ich will, dass du mir erlaubst, nun auch Dinge für DICH zu tun, wenn ich kann und mich um DEIN Wohl zu sorgen!“

„Ich brauche niemanden, der sich um mich sorgt! Ich komme klar!“ behauptete Derek grimmig.

Stiles lächelte. So leicht würde er Derek nicht davon kommen lassen:
„Das ist Unsinn! Jeder braucht jemanden! Also? Was sagst du? Wirst du mir das erlauben?“

„Was soll dass überhaupt bedeuten? Komme ich dir etwa irgendwie hilfebedürftig vor? Was genau willst du denn für mich tun?“ murrte Derek:

„Was immer ich kann! Zu aller erst einmal: Schluss mit Pizza und Take-Away! Von dem Mist kann man auf die Dauer nicht leben. Ich werde für dich kochen! Und ich kann das wirklich gut! Ich habe all´ die Jahre, seit meine Mom tot ist, für meinen Dad gekocht. Und der ernährt sich noch furchtbarer als du, wenn man ihm freie Hand lässt lässt!“ erklärte Stiles schmunzelnd.

Derek gab ein unschlüssiges Grunzen von sich:
„Also dieser Bedingung stimme ich erst zu, wenn ich gekostet habe, was du so zusammenrührst!“

Stiles Grinsen wurde breiter:
„Abgemacht! Und Du WIRST zustimmen, denn ich bin VERDAMMT GUT in der Küche!“

Irgendwie klang dieser letzte Satz von Stiles in Dereks Ohren schmutzig und gar nicht nach der Zubereitung von Mahlzeiten. Er hoffte bloß für Stiles, dass dieser es nicht so gemeint hatte.
„Also gut, was ist nun? Können wir jetzt endlich zurück!“ bellte Derek noch unfreundlicher als gewöhnlich:

Stiles nickte und legte Derek im Gehen seine Jacke um die Schultern. Als dieser ihn finster anfunkelte, sagte der Junge bloß:
„Ich fange schon mal mit der Fürsorge für dich an, damit du weißt, woher jetzt der Wind weht! Und wage es bloß nicht, die Jacke da weg zu nehmen.“

Stiles hätte beim besten Willen nicht sagen können, woher er die Frechheit nahm, so mit Derek zu sprechen.

„Ist dieser Befehlston jetzt die Art, wie ich in meinem eigenen Haushalt mit mir sprechen lassen muss?“ Fragte Derek dann auch sogleich unzufrieden.

Stiles setzte mit seiner Entgegnung sogar noch einen drauf:
„Gewöhn´ dich besser beizeiten daran!“ antwortete er zwinkernd und hakte sich bei Derek unter.

Und registrierte mit einem leichten Kribbeln im Bauch, dass seine Jacke tatsächlich da blieb, wo sie war.


Als sie wieder zurück in Dereks Apartment waren, verlangte dieser dann überraschend:
„Käseomelett! Ich hätte gern eins!“
Als wäre er die Königin von England, oder so.

Stiles lachte, nickte, ging ans Werk und fünfzehn Minuten später stellte er dem Älteren einen hübsch dekorierten Teller vor die Nase.

`Wo hatte Stiles in seiner Küche bloß die Balsamico-Reduktion gefunden, um damit den Tellerrand dekorativ zu bemalen?´ fragte sich Derek.

Stiles blickte unzufrieden auf das Mahl und klagte:
„Wenn du eine gute Currymischung im Haus hättest und nicht das billige Zeug aus dem Supermarkt, dann wäre es besser; oder mit frischen Kräutern. Hier muss dringend mal jemand einkaufen gehen!“

Derek kostete und fand das Omelett eigentlich auch so bereits ganz wunderbar.
Bis auf dass Stiles ihn mit Argusaugen beobachtete, während er kaute:
„WASCH?“ fragte Derek mit vollem Mund und mit Eikrümeln um sich spuckend.

Stiles lachte und reichte ihm eine Serviette:
„Du kannst wirklich süß sein, wenn du übellaunig bist!“

„Isch bin nisch...!“ Derek schluckte herunter und versuchte es noch einmal: „Ich bin nicht süß, kapiert? Niemals!“

Stiles blickte ihn weiterhin belustigt an und Derek knurrte, auf den Teller deutend:
„Ist ganz gut!“

„Danke! Sag ich doch: Ich kann das!“ Gab Stiles schulterzuckend zurück.

In Gedanken war er allerdings schon wieder ganz woanders und legte sich gerade einen Plan zurecht. Sein Blick viel auf das alte, zerschlissene, aber immerhin frisch gewaschene T-Shirt von Derek, das auf dem Sofa lag und in welchem Stiles ein paar Nächte lang geschlafen hatte:
„Brauchst du das noch, oder würdest du es mir vermachen?“ Wollte Stiles nun wissen.

„Was willst du mit dem schäbigen Ding?“ erkundigte sich Derek: „Das ist doch eigentlich schon fast ein Fall für den Müll!“

„Vorstellungsgespräche!“ erwiderte Stiles geheimnisvoll.
Derek zog fragend eine Augenbraue hoch, doch dann erwiderte er bloß mit einem Schulterzucken:
„Von mir aus. Bedien´ dich!“

Stiles strahlte, zog eine Schere aus einer Schublade und begann den Kragen aus T-Shirt zu schneiden, zog es über, betrachte sich im Spiegel und verfeinerte sein Werk noch ein wenig. Derek beobachtete ihn dabei, sagte jedoch nichts.

Dann zog Stiles die zerschlissene, durchlöcherte Jeans aus seinem Rucksack, die er getragen hatte, an dem Abend, als er Derek kennengelernt hatte, produzierte mit der Schere absichtlich noch ein weiteres Loch auf der linken Gesäßseite, direkt unterhalb der Arschbacke und und schlüpfte dann hinein. Er drehte sich noch einmal zufrieden vor dem Spiegel. Ein Stück seiner Boxershorts lugte aus dem neuen Loch in seiner Hose und durch den ausgeschnittenen Hals des T-Shirts entblößte er einen, gerade noch so vertretbaren Teil seiner Brust, was im Klartext bedeutete, man sah seine Nippel nicht und damit war es noch für´s Fernsehen tauglich, wie ein gewisser Vorfall beim Superbowl vor ein paar Jahren bewies. Außerdem lugte entweder die eine, oder die andere Schulter heraus, je nachdem, wie Stiles sich gerade hielt.
Er fragte Derek:
„Und? Wie sehe ich aus?“

„Wie ein Flittchen und zwar wie ein billiges!“ brummte Derek und zog eine eigenartige Grimasse.

Stiles grinste:
„Ausgezeichnet!“

Derek schenkte ihm einen verblüfften Blick und fragte:
„Und wo bitte willst du dich genau bewerben? In einem Bordell vielleicht?“

Stiles Grinsen bekam etwas Dreckiges:
„Sicher Kumpel! Ich werde meine Jungfräulichkeit meistbietend versteigern!“

Derek, der dem kleinen, unvorsichtigen Verrückten, dem er gerade aus einem unerfindlichen Grund eine dauerhafte Bleibe angeboten hatte, beinahe alles zutraute, war sich nicht sicher, ob dieser gerade einen Scherz gemacht hatte, oder nicht und bekam es ein kleines bisschen mit der Angst zu tun:

„Ich will gleich los.“ verkündete Stiles nun: „Es kann ein paar Stunden dauern. Gehen wir später zusammen einkaufen, damit ich dir Abendessen machen kann?“

Derek zuckte mit den Schultern:
„Von mir aus.“ sagte er betont gleichgültig. Dann griff er in eine Schublade, zog einen Schlüssel heraus und warf ihn Stiles zu:
„Den hier wirst du brauchen!“ bellte Derek: „Ich habe heute auch noch andere Dinge zu tun und werde bestimmt nicht wie ein Heimchen am Herd hier sitzen und darauf warten, dir die Tür aufzumachen!“

Stiles blickte ihn verblüfft an, kehrte dann noch einmal um und schlang die Arme um Dereks Nacken:
„Danke, Grummelwolf! Danke für alles!“

Derek löste sich von ihm und schenkte ihm einen ganz merkwürdigen Blick:
„GRUMMELWOLF?“

Stiles lachte:
„Na, das bist du doch, oder nicht? Ein schlecht gelaunter, einsamer Wolf! Oder willst du etwa sagen, das sei keine treffende Beschreibung für dich?“

„Treffender, als du denkst!“ brummte Derek in seinen Drei-Tage-Bart und fügte lauter hinzu: „Na dann: Viel Glück im Puff! Und denk dran: Immer nur nach Vorkasse!“

„Werd´s mir merken!“ rief Stiles über seine Schulter hinweg und schon war er aus der Tür.

Derek fragte sich, übrigens nicht zum ersten Mal, seit er Stiles kennengelernt hatte, ob er denn eigentlich den Verstand verloren hatte, sich mit diesem Bengel einzulassen.


Stiles war ewig nicht mehr derart guter Dinge gewesen, als er sich in den Bus ins Zentrum setzte. Als er an seinem Ziel, dem Castro-Distrikt anlangte, lief er beschwingt durch die sonnigen Straßen, traute sich sogar, dem einem oder anderen Kerl ein Lächeln zu schenken oder ihm zuzuzwinkern, denn so war Stiles nun einmal: An einem Tag noch eine Panikattacke, wenn er das böse Wort mit S aussprechen musste und am nächsten stürzte er sich bereits kopfüber hinein ins queere Leben.

Er hatte in seinem Leben nie ein Gefühl für das richtige Maß entwickelt, nie gemerkt, ob und wann er sich überforderte, ob er eine kluge Entscheidung traf, oder geradewegs in eine Katastrophe steuerte.

Und nun führte Stiles sein Weg in jedes Geschäft und in jede Gaststätte mit einer Regenbogenfahne vor der Tür; sogar in einem Sex-Shop, wo man ihn zwar genommen hätte, wenn sein gefälschter Ausweis nicht durchgefallen wäre und in einer Lederboutique, wo der Bär hinter dem Tresen den nuttigen Stiles mit den Augen noch ein klein wenig weiter auszog, so dass dieser schließlich freiwillig verzichtete.

In einem süßen kleinen Straßencafé passte dann schließlich alles!
Stiles führte das Vorstellungsgespräch mit einem Jungen in seinem Alter namens Danny, der ein süßes schüchternes Lächeln hatte.
Und eine tolle gestählte Brust, auf die er mit tiefem V-Ausschnitt und wohl nicht ohne einen gewissen Stolz, sondern eher schon ein wenig schamlos hinwies:

„Du hast Glück, Stiles. Wir suchen tatsächlich händeringend nach jemand Neuem. Mein Kollege Ethan hat sich letzte Woche so gründlich mit seinem Bruder verkracht der, nebenbei bemerkt sowieso ein ziemliches Arschloch war und ich bin heilfroh, dass wir ihn los sind und darum ist nun eine Stelle frei. Ansonsten arbeiten hier bei uns noch Isaac und Mason der heute auch da ist.“

Ein schmaler, schwarzer Junge, der keinen Tag älter aussah, als zwölf schenkte ihnen beiden ein strahlendes Lächeln und winkte ihnen zu:

„Wir können hier nicht mehr als den Mindestlohn zahlen, aber der Tipp ist sehr gut, insbesondere, wenn du dich so kleidest, wie jetzt gerade!“ Mit einem Schmunzeln fügte Danny: „Auch, wenn du ein paar Pfund mehr auf den Rippen vertragen könntest. Außerdem schadet es sicher nicht, wenn du gelegentlich ins Gym gehen würdest! Auch wenn manche Kerle, auf magere Twinks wie dich stehen.“

„Ich war krank!“ rechtfertigte sich Stiles

„HIV?“ fragte Danny verständnisvoll.

Stiles riss entsetzt die Augen auf:
„Grippe!“ beeilte er sich zu sagen: „Dabei habe ich ziemlich abgenommen!“

„Ach so!“ erwiderte Danny. Dann wollte er wissen: „Kannst du morgen um elf anfangen? Dann kann Ethan dich einarbeiten. Er ist ein netter Kerl. Du wirst ihn mögen. Außerdem ist er heiß! Er und ich haben so einen On-Off-Sache miteinander laufen, aber momentan ist es eher Off, also falls du interessiert bist...“

Stiles lachte über das großzügige Angebot, doch er winkte ab:
„Ich denke, eher nicht.“ dann fügte er schüchtern hinzu: „Ich habe jemand anderen im Auge. Aber der ist Straight. Behauptet er wenigstens, auch wenn er mich heute gebeten hat, bei ihm einzuziehen!“

Stiles hatte keine Ahnung, warum er dem wildfremden Kerl überhaupt irgendetwas über seine Gefühle erzählte. Vielleicht weil er so schöne, dunkelbraune Augen hatte und ihm Scott wie verrückt fehlte.

Danny erwiderte Anteil nehmend:
„Die Unentschlossenen! Das sind die Schlimmsten! Lass´dir bloß nicht das Herz brechen, Kleiner!“

„Dafür könnte es möglicherweise schon zu spät sein!“ gab Stiles leise zurück.

Nachdem er sich auch noch ein wenig mit Mason bekannt gemacht hatte, verabschiedete Stiles sich nach einer Weile und kehrte in sein neues Zuhause zurück.


Ohne vorher zu klingeln ließ er sich selbst mit dem Schlüssel ein, einfach weil wissen wollte, wie sich das anfühlte.

Und es fühlte sich toll an!
Nach zuhause!

Derek war da, hockte am Küchentresen und aß gerade einen Donut.
Stiles schüttelte nachsichtig den Kopf.

„Und?“ wollte Derek wissen: „Wie war´s im Freudenhaus?

„Super!“ gab Stiles zurück: „Sie zahlen den Mindestlohn, doch wenn ich schamlos Haut zeige, wird’ s vielleicht ein bisschen mehr. Morgen früh um elf fange ich an!“

„Aha!“ machte Derek stirnrunzelnd und wartete auf mehr Information. Als diese jedoch nicht kam, hakte er auch nicht weiter nach.

„Gehen wir jetzt einkaufen?“ erkundigte sich Stiles: „Heute müsstest du noch einmal zahlen, aber sobald ich etwas verdiene, werde ich etwas beisteuern.“

„Pfft!“ machte Derek, was immer er damit auch ausdrücken wollte, und fragte dann: „Willst du dir nicht vorher etwas zivilisiertes Anziehen?“

„Nö!“ gab Stiles zurück: „Das ist mein neues Glücks-Outfit!“

Derek rollte mit den Augen und brummte:
„Deine Beerdigung, Kumpel!“
Dann schnappte er sich seine Autoschlüssel, zog sich seine schwarze Lederjacke über und sie verließen gemeinsam das Apartment.

Als Stiles den Camaro sah, gingen ihm beinahe die Augen über:
„Das ist deine Karre, Derek?“ fragte er ungläubig: „Also ich selbst habe ja zuhause einen klosteinfarbenen Jeep, der eigentlich nur noch von Klebeband zusammengehalten wird und nur jedes dritte Mal anspringt. In einer guten Woche!“

„Klebeband?“ fragte Derek verständnislos.

Anstatt einer Antwort zuckte Stiles lediglich mit den Schultern.

Im Auto wollte er dann von Derek wissen:
„Und was würdest du heute gern essen?“

„Fleisch!“ war die einsilbige Antwort von der Fahrerseite:

„Geht´s ein bisschen präziser?“ fragte Stiles und machte diese eigenartige Sache mit seinen Augen, die er immer tat, wenn er ratlos war, wobei er das eine kurz schloss, während er das andere offenhielt: „Zum Beispiel die Zubereitungsform? Schaschlik? Frikassee? Braten? Und wie steht´s mit der Spezies? Affe? Schlange? Bisamratte?“

„Steak! Kuh!“ erwiderte Derek brummend:

„Alles klar!“ erwiderte Stiles: „Und es bringt wahrscheinlich nicht viel, wenn ich dir einen kleinen Vortrag über das Darmkrebsrisiko in Verbindung mit rotem Fleisch halte, oder?“

„Ich werde nicht krank!“ behauptete Derek ein weiteres Mal: „Also verschone mich!“

„Wie steht´s mit Beilagen? Sind grüne Bohnen und Kartoffelpralinen O.K.?“

Derek warf einen Blick zur Seite und fragte abfällig:
„Was zur Hölle sind Kartoffelpralinen?“

Stiles rollte mit den Augen:
„Vergiss´ es einfach! Du kriegst total männliche Ofenkartoffeln!“


Im Supermarkt schoben die beiden Männer einen riesigen Einkaufswagen vor sich her, der sich immer weiter füllte, weil Stiles auch gleich die, im Grunde nicht vorhandenen Vorräte bei Derek ein wenig aufstocken wollte.
Beim Fleisch forderte Derek:
„Nimm auch gleich noch ein Steak mehr mit. Ich habe Peter seit vierundzwanzig Stunden nicht gesehen. Das heißt, er wird bestimmt heute noch irgendwann überraschend hereinschneien, um mir den letzten Nerv zu rauben.“

Stiles grinste über die Hassliebe, zwischen Onkel und Neffe. Dass sie nicht miteinander konnten, war mehr als offensichtlich. Doch ohne einander ging es offensichtlich eben auch nicht.

Auf dem Weg zur Kasse kamen Derek und Stiles zwei Kerle entgegen, die ganz offensichtlich ein Paar waren und ihnen beiden verschwörerisch zuzwinkerten.

Stiles antworte mit einem Lächeln.

Derek mit einem kleinen Knurren:

„Siehst du?“ brummte er, als die zwei außer Hörweite waren: „Das wäre nicht passiert, wenn du dir etwas Seriöses angezogen hättest!“

Stiles kicherte und entgegnete:
„Ich denke, dein guter Ruf wird es überleben, dass die Zwei dich gerade für schwul gehalten haben!“
Statt einer Erwiderung erhielt Stiles ein weiteres Knurren.


Wieder zuhause machte Stiles sich gleich daran, die Lebensmittel zu verstauen und zu kochen, während Derek ihm vom Sofa aus dabei zuschaute.
Stiles schenkte dem Älteren ein kleines Lächeln und erwartete eigentlich bloß, einmal mehr unfreundlich dafür angebrummt zu werden, doch offensichtlich geschahen noch Zeichen und Wunder, denn Derek lächelte zurück.
Und Stiles blieb bei dem Anblick beinahe das Herz stehen.

Schließlich senkte er den Blick und tat als müsse er jetzt unglaublich dringend die Zwiebeln schneiden.


Dereks Instinkt hatte ihn nicht getrogen, denn einen Augenblick später klingelte es an der Tür und es war natürlich wieder einmal Peter, der sich neben Derek auf das Sofa plumpsen ließ, dann einen Blick auf Stiles in der Küche warf und kommentierte mit unverschämtem Grinsen:
„Na so was, Derek! Ist unser Stiles jetzt etwa dein kleiner Haussklave? Dann würde ich ihm aber nicht erlauben, Kleider zu tragen.“

„Halt die Klappe Peter!“ schnaubte Stiles.

Dereks Onkel fiel der Unterkiefer herunter.

Und Derek selbst?
Der lachte so laut und befreit, dass er damit beinahe die Zimmerwände zum Beben brachte.

Stiles staunte, denn er hatte nicht angenommen, dass Derek überhaupt zu solch einem Freudenausbruch fähig wäre.
`Derek so oft wie möglich zum Lachen bringen!´ schrieb er in diesem Moment glücklich auf seine innere To-Do-Liste.

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