Der Junge im Bus

vor 6 Mon.
San Francisco im Oktober. Es ist ein kalte Vollmondnacht, Derek ist müde und will bloß noch schnellstmöglich nachhause! Natürlich verreckt ihm gerade jetzt seine blöde Karre. Also gut, dann muss er wohl den verdammten Bus nehmen. Und irgendetwas an dem Typ, der ihm gegenüber sitzt, lässt ihn aufmerksam werden. Honigaugen! Sterek, Pesaac, A..
Teen Wolf Romanze P16-M+M Drama Beendet

Why do birds suddenly appear...?

Peter blickte sich in Dereks Apartment um und wusste es sofort:
„Das Vögelchen ist ausgeflogen, huh? Was hast du denn ausgefressen, Neffe? Hast du dich schlecht benommen?“

Derek schenkte ihm einen seiner, zum Patent angemeldeten `Warum-fällst-du-nicht-tot-um´-Blicke, doch der perlte an Peter ab, als besäße dieser eine All-Over-Teflonbeschichtung:

„Es wurde ja wohl auch Zeit, dass Stiles weiterzieht, oder nicht?“ bellte Derek: „Es ist schließlich verflucht eng hier bei mir; selbst für EINE Person. Da geht man sich eben schnell auf die Nerven.“

Peter zog wissend eine Augenbraue hoch und erwiderte grinsend:
„Bullshit! Ihr seid euch nicht auf die Nerven gegangen. Ihr wart doch praktisch wie siamesische Zwillinge, oder so. Nach meinen Informationen seid ihr sogar zusammen auf´s Klo gegangen.“

„Stimmt doch gar nicht!“ gab Derek lahm zurück.

„Spuck´s schon aus! Was ist hier gestern gelaufen, nachdem ihr euch auf der Tanzfläche so herrlich aneinander gerieben habt?“ forderte Peter beharrlich zu erfahren.
Man merkte ihm an, dass er Spaß an diesem Gespräch hatte:

„Nichts. Und das geht dich auch gar nichts an!“ grollte Derek:

„Wenn gar nichts passiert ist, gibt es ja auch keinen Grund, zu schweigen.“ gab Peter zurück.
Und dann ging ihm plötzlich ein Licht auf:
„Moment mal! Ich glaube, ich verstehe jetzt langsam, was hier los ist, Derek! Ich muss schon sagen, du bist doch ein verdammter Idiot, Neffe!“

„Wie bitte?“ empörte sich Derek: „Und darf ich auch fragen, wieso ich ein Idiot bin?“

„Weil du in diesen Jungen verliebt bist!“ erwiderte Peter kopfschüttelnd: „Hast du denn wirklich gar nichts gelernt? Unseresgleichen lässt sich nicht mit Menschen ein!“

Derek blickte ihn fassungslos an:
„Also erstens BIN ich nicht in Stiles verliebt und Zweitens: Ich glaube ja wohl nicht, was ich da gerade höre! Ausgerechnet DU hältst eine Rede pro Werwolfseparatismus? Ich meine, sind denn deine `Spielgefährten´…“ er malte Anführungszeichen in die Luft: „… nicht allesamt Menschen? Gelten für dich etwa andere Regeln als für mich?“

„Du verstehst mich falsch, Neffe! Geh´ mit Stiles aus, küss´ ihn, vögel´ mit ihm, spiel´ den Daddy für ihn, wenn du willst, aber verlieb´ dich nicht in ihn, verdammt nochmal! Diese Menschen passen nicht zu uns. Sie haben die Lebenserwartung von Fruchtfliegen, sie sind schwach, zerbrechlich, werden krank...! Sie taugen einfach nicht als Gefährten für uns. Und vor allem nicht für jemanden wie dich! Du und dein sentimentales Langweilerherz, ihr bindet euch doch mit Sicherheit gleich für´s ganze Leben! Und was machst du dann in sechzig oder siebzig Jahren, wenn dein Junge an Altersschwäche stirbt? Wenn er es überhaupt solange schafft und ihn nicht vorher eine schwere Krankheit oder ein Verkehrsunfall dahinraffen. Was wirst du dann anstellen, Derek? Vielleicht mit ihm sterben, oder wie?“

„Ich wiederhole noch einmal, Peter: I c h b i n n i c h t i n S t i l e s v e r l i e b t!“ beharrte Derek erbost.

„Und wieso riechst du dann aus jedem Knopfloch nach ihm?“ verlangte Peter zu wissen:

„Weil wir uns geküsst haben.“
Derek klang recht kleinlaut bei diesem Geständnis.
Peter schaute ihn mit hochgezogener Augenbraue an und Derek fügte rasch hinzu:
„Aber er hat angefangen!“

„Er hat angefangen?“ fragte Peter verächtlich: „Mensch, wie alt bist du? Fünf?“
Er schüttelte mit dem Kopf und wollte dann wissen:
„Und? Hast du irgendwann zurück geküsst, oder hast du ihn zurückgestoßen und dramatisch ausgerufen: `NEIN! Das dürfen wir nicht! Ich bin doch ein aufrechter Heterosexueller und das wäre falsch!“
Peters Stimme bekam etwas Schrilles und er gestikulierte wie wild, während er seinen Neffen karikierte.
Ganz offensichtlich amüsierte er sich königlich.

„Blödes Arschloch!“ knurrte Derek.

Peter schüttete sich aus vor Lachen:
„Aber genau so war es, richtig? Du bist so eine Witzfigur, Derek! Und dieses Theater wirklich bloß, weil er ein Junge ist? Na und? Dann musst du eben ein bisschen umlernen, aber so schwierig ist das nun auch wieder nicht. Und so viel ist sicher: Mit Kerlen macht es auch auch Spaß! Frag´ einen, der es wissen muss. Ich mach´ dir ein paar hilfreiche Zeichnungen, falls du nicht weißt, wie es geht und wo alles hingehört.“

„Halt` die Schnauze, du Widerling!“ kläffte Derek: „Ich weiß, wie es geht! Ich bin bloß nicht daran interessiert, es auch auszuprobieren. Und ich bin auch NICHT verliebt!“

Peter hatte ein diabolisches Grinsen aufgesetzt:
„Na wunderbar! Dann macht es dir ja wohl nichts aus, wenn ich jetzt mal einen gewissen Jungen suchen gehe. Ich schätze, er braucht nun ein wenig Trost. Ich sehe ihn schon vor mir: Die feuchten, riesigen Augen eines waidwunden Rehs, bereit, sich nun endlich dem großen, bösen Wolf hinzugeben.... das wird großartig! Ich werde ihn verderben, bis ins Mark!“

Derek hatte knurrend die Krallen ausgefahren, doch ehe er noch irgendetwas erwidern konnte, hatte Peter sein Apartment auch schon verlassen.

Und so drosch Derek kurzerhand mit den Fäusten auf eine seiner Wände ein, so dass der Putz nur so flog.


Es war Tag zwei nach dem Pizza-Debakel.
Wie echte `Gentlemen of leisure´ schliefen Scott und Stiles am Morgen gründlich aus, frühstückten dann erst einmal ausgiebig, schauten danach eine Weile in die Glotze und fochten später ein heroisches Duell an der Spielekonsole aus, welche Rafael McCall eigens für seinen Sohn angeschafft hatte, als durchsichtigen Bestechungsversuch, um öfter einmal Besuch von Scott zu erhalten.

Natürlich hatte dies ein Jahrzehnt väterliches Versagen nicht auslöschen können und seine Wirkung somit verfehlt.

Gestört wurde das süße Nichtstun der beiden Freunde lediglich von dem lästigen Umstand, dass Stiles am Nachmittag zu seiner Spätschicht aufbrechen musste.

Hierfür donnerte Stiles sich ein weiteres mal auf, wie ein Flittchen.
Und auch wenn Derek ihn nie so sehen würde, ging es dabei dennoch in erster Linie darum, ihm etwas heimzuzahlen!
Außerdem musste Stiles sich selbst auf Teufel komm raus etwas beweisen; nämlich dass er das Zeug dazu hatte, den Leuten die Köpfe zu verdrehen und ein paar Herzen zu brechen und dass es nicht an ihm lag, wenn man ihn nach einer wilden Knutscherei einfach so mit einem Halbmast liegen ließ und versuchte, ihn mit italienischem Essen abzuspeisen.

Nein, das war allein Dereks Schuld, weil er ein Trottel war, der nicht wusste, was er wollte, oder nicht wollte, was er wusste, oder was immer sein verdammtes Problem sein mochte!

Und momenteweise tat es auch wirklich gut, wütend auf Derek zu sein und auf ihn zu schimpfen.

Bis Stiles wieder einfiel, wie dieser einmal barfuß und im Pyjama einen Block lang hinter ihm her gerannt war, um Stiles zu bitten, bei ihm zu bleiben.

Oder er erinnerte sich daran, wie er von Derek aufopfernd gepflegt worden war, als er selbst so furchtbar krank gewesen war und wie der Ältere ihm auf diese Weise aller Wahrscheinlichkeit nach das Leben gerettet hatte.

Oder Stiles rief sich einfach nur in Erinnerung, wie unglaublich schön und lieb Derek war und wie sehr er den Klang seiner Stimme liebte.

Und manchmal zwischendurch schloss Stiles auch einfach bloß die Augen und erinnerte sich an die unerhörten Gefühle, welche die atemlosen, hungrigen Küsse zwischen ihm und Derek in ihm ausgelöst hatten.
Es war erst zwei Tage her, aber die Erinnerung daran fühlte sich dennoch irgendwie schon jetzt episch, herausragend und irgendwie nostalgisch an.

Dummerweise hatte diese Erfahrung bewirkt, dass Stiles völlig das Interesse daran verloren hatte, seine Unschuld an irgendeinen x-beliebigen Kerl zu verschleudern.
Er wollte Derek oder keinen!

Und das bedeutete höchstwahrscheinlich, dass er als alte Jungfer sterben würde.

Doch dieser traurige Umstand hinderte Stiles keineswegs daran, den Hormonhaushalt der schwulen Bevölkerung San Franciscos ein wenig aufzupolieren!
Nur gucken, nicht anfassen; so lautete seine Devise.

Während seiner heutigen Spätschicht war wenig los und Stiles langweilte er sich ein wenig. Er hatte Lust, sich zu amüsieren und außerdem war das Trinkgeld bislang ziemlich bescheiden gewesen, darum drehte Stiles die Musik ein wenig auf. Madonna und Britney Spears gaben „Me against the music“ zum Besten.
Nun griff Stiles sich einen grinsenden Danny bei den Hüften, umtanzte ihn einige Male, wobei er eng, wirklich sehr eng auf Tuchfühlung ging, seine Fingerchen bald hier, bald dorthin wandern ließ und als er schließlich wieder an Dannys Vorderseite angekommen war, ging er lasziv und langsam vor ihm in die Knie, hielt inne, als sein Kopf auf Hüfthöhe angekommen war und blickte feurig und vielsagend zu Danny hinauf. Dann erhob er sich wieder, um seinem Kollegen einen kleinen Kuss auf die Lippen zu hauchen.

Die Café-Besucher johlten und Danny zog Stiles lachend an sich:
„Die bist wirklich ein ziemlich freches Ding, kleine Jungfrau!“ flüsterte er Stiles ins Ohr: „Ich glaub´ ich gehe mich mal eben abkühlen.“
Mit einem selbstzufriedenen Grinsen blickte Stiles seinem Mitarbeiter hinterher, wie er im Keller verschwand, um den Waschräumen seine Aufwartung zu machen.

In diesem Moment öffnete sich die Tür des Cafés.
Stiles hatte Mason nicht mehr gesehen, seit dieser sich endlich getraut hatte, Deaton zu küssen und ging einfach mal optimistisch davon aus, dass dies dem Umstand zuzuschreiben war, dass die beiden frisch Verliebten jetzt sicherlich jede freie Minute im Bett verbrachten, um Dinge zu tun, von denen er selbst nach wie vor nur träumen konnte.

Als Mason jedoch nun das Café betrat und Stiles das Gesicht sah, welches der Jüngere zog, war alles klar.
Er musterte den Freund prüfend:
„Was ist?“ erkundigte er sich.

Mason ließ den Kopf hängen und gestand:
„Ich habe gekniffen, Stiles!“

„Wie bitte?“ fragte dieser entgeistert: „Sag´ nicht, dass du vorgestern gar nicht mit zu Alan gegangen bist?“

„Doch bin ich!“ rechtfertigte sich Mason kläglich: „Wir haben gemeinsam gekocht, gegessen, danach ein wenig auf dem Sofa gelegen und geschmust und das war auch wirklich alles sehr schön, sogar noch, als die ersten Kleidungsstücke fielen, doch als es dann richtig ernst wurde, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen.“

„Und wie hat Alan reagiert?“ erkundigte sich Stiles: „War er sauer? Enttäuscht?“

„Enttäuscht war er bestimmt, aber auch sehr lieb und verständnisvoll.“ Gab Mason traurig zurück: „Ich bin dann irgendwann nachhause gegangen und seitdem haben wir nicht mehr miteinander gesprochen. Denkst du, es ist ein sehr schlechtes Zeichen, dass er sich nicht gemeldet hat?“

Stiles schüttelte heftig den Kopf:
„Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, er will dir lediglich Zeit geben und dich nicht bedrängen.“ spekulierte er und wollte dann wissen: „Aber wovor hattest du denn eigentlich so große Angst?“

„Ist das nicht offensichtlich?“ schnaubte Mason unzufrieden: „Ich habe doch eigentlich gar keine Ahnung, wie es überhaupt läuft. Und Deat...also ich meine Alan, der ist dreißig Jahre älter als ich! Er hat mit Sicherheit schon eine Menge Sex in seinem Leben gehabt. Ich wollte ihn nicht enttäuschen oder mich total blamieren.“ Der Junge zog ein unglückliches Schnäuzchen: „Trotzdem habe ich ja wohl beides geschafft und zwar gründlich! Alan wird nie wieder ein Wort mit mir sprechen. Ich hab´s echt total versaut!“

„Nein, das hast du nicht!“ erwiderte Stiles entschieden: „Ich bin mir ganz sicher, Alan versteht das.“

Mason blickte ihn zweifelnd an und klagte:
„Ich verstehe es ja nicht einmal selbst, denn das Dümmste an der ganzen Angelegenheit ist, dass ich es im Grunde ja wirklich will. Ich WILL mit ihm schlafen und zwar mehr, als alles andere!“

„Also gut!“ erklärte Stiles: „Dann weißt du ja, was du jetzt tun wirst: Du gehst auf direktem Weg zu Alan und erklärst es ihm! Und er wird dir dann sagen, dass alles gut ist, der Himmel über euch verfärbt sich rosarot, sanft setzen die Streicher ein und dann...“ Stiles schenkte ihm ein schelmisches Grinsen: „... dann treibt ihr es, wie die Karnickel!“

Mason wurde rot:
„Ich soll jetzt noch zu ihm gehen?“ fragte er unsicher und blickte auf seine Armbanduhr: „Bis ich bei ihm bin, ist es zehn Uhr abends. Da kann ich ihn doch nicht mehr stören!“

„Keine Ausreden!“ entgegnete Stiles streng und deutete mit dem Zeigefinger auf die Tür: „Geh´!“

Der Junge zögerte einen Augenblick, doch Stiles präsentierte den Trick mit den bösen Augenbrauen, den er von Derek gelernt hatte und das machte scheinbar Eindruck, denn nun trabte Mason tatsächlich artig los.

Stiles blickte ihm mit einem belustigten Kopfschütteln hinterher.
Und ein klein wenig beneidete er ihn.


Masons Herz hämmerte wie wild gegen seine Rippen, als er Deatons Klingelknopf betätigte. Er zuckte ein wenig zusammen, als der schrille Ton erschallte.
Einige Sekunden lang geschah gar nichts und Mason dachte schon darüber nach, einfach wieder zu verschwinden, doch dann öffnete sich Alans Tür und der Ältere blickte ihn erwartungsvoll an:

„Hi!“ piepste Mason mit einem schüchternen, kleinen Lächeln:

„Hey, Kleiner! Schön, dich zu sehen!“ gab der Buchhändler zurück und zu Masons Erstaunen wirkte er dabei uncharakteristisch verunsichert.

Zunächst herrschte einen Moment lang Stille zwischen den beiden.
Schließlich war es Mason, der sich dazu durchringen konnte, das Schweigen zu beenden, indem er fragte:
„Ich schätze, ich habe dir wohl ein bisschen was zu erklären, oder?“
Deaton schüttelte den Kopf und beeilte sich zu versichern:
„Nein, Mason, du musst mir gar nichts erklären. Ich verstehe das schon! Es war viel zu früh für dich. Es hat dich überfordert. Und es tut mir leid, denn ich hätte es echt besser wissen müssen und hätte dich nie in diese Situation bringen dürfen. Du bist viel zu jung, um...“
An dieser Stelle wurde er von Mason energisch unterbrochen:
„Hey! Stopp! Lass´ uns gar nicht erst so anfangen!“ forderte er und verschränkte die Arme vor der Brust: „Ich bin echt kein Kind mehr und ich weiß schon ganz gut, was ich will. Und was ich will, das bist DU!“

Deaton schaute den Jungen zweifelnd an:
„Ich habe dich wirklich gern, Mason.“ versicherte er: „Aber deine Reaktion von vorgestern Abend hat mir gezeigt, dass du noch nicht bereit dafür bist. Und das ist ja auch gar nicht schlimm. Ich habe keine keine Eile! Ehrlich! Lass´ uns noch ein bis zwei Jahre warten und dann weitersehen.“

„Deaton!“ sagte Mason fest.

„Hewitt?“ fragte Deaton, überrascht von der Schärfe des Tons seines Gegenübers.

„Halt´ die Klappe!“
Mason Stimme klang nun wieder ganz sanft und er strich mit beiden Händen über den kahlgeschorene Kopf des Älteren: „DU hast vielleicht keine Eile; ich aber schon.“
Er küsste Alan und bat:
„Also? Können wir jetzt bitte einfach in dein Schlafzimmer gehen und so tun, als ob ich nie gekniffen hätte, wie ein elendiger Waschlappen?“

„Du bist kein W... !“ setzte Deaton an doch er kam nicht weiter, weil er von einem weiteren Kuss unterbrochen wurde, sowie von ungeduldigen Fingern, die sich ihren Weg unter seine Kleidung suchten.

Denn diesmal würde Mason nicht kneifen!


Stiles kam zurecht!
Es war Samstag; Tag fünf nach seinem überstürzten Auszug bei Derek und er kam wirklich gut mit dieser Sache klar.
Oh, ja!

Stiles hatte heute wieder einmal die Spätschicht im Café.
Scott war gestern schon nach Beacon Hills zurückgekehrt; mit einen liebevollen Brief an Stiles Vater im Gepäck, der alles erklären, aber auch deutlich machen sollte, dass Stiles nicht die Absicht hatte, wieder nachhause zu kommen, weil er nun hier in San Francisco lebte. Außerdem enthielt das Schriftstück ein Versprechen. Das Versprechen, dass sie sich bald wiedersehen würden!

Noch hatte Stiles keine feste Bleibe gefunden, doch Scott hatte seinen Vater, der immer noch auf Außendiensteinsatz war dazu überredet, dass sein Freund noch eine weitere Woche in seinem Apartment verweilen durfte und Stiles hatte ab morgen vier Tage am Stück frei und würde sich dann ausgiebig auf Wohnungssuche begeben.
Und er würde sich für den kommenden Sommer an der Universität von San Francisco einschreiben!

Dann würde sein Leben endlich wieder in normalen Bahnen verlaufen: Ein Job, Freunde, ein Studium...wer brauchte da bitteschön noch die Liebe?
Die würde ihn doch sowieso nur ablenken.

Alles paletti also, richtig?


Derek hatte miese Laune!
Wann hatten Fertiggerichte eigentlich angefangen, wie Dreck zu schmecken?

Wann hatte Stille aufgehört, sich nach Frieden und Beschaulichkeit anzufühlen?

Wann hatte das Alleinsein damit begonnen, ihm wie Einsamkeit vorzukommen?

Derek kannte die Antwort und sie passte ihm überhaupt nicht!

Eine Ewigkeit, und bei einem Leben, dass so lange währte, wie seines war das wörtlich zu verstehen, war Derek bestens allein klargekommen.
Er hatte hin und wieder eine Liebhaberin gehabt, hatte einen Onkel, der ihm mit schöner Regelmäßigkeit auf die Eier ging und mehr Gesellschaft hatte er beim besten Willen nicht gewollt.

Braeden würde noch eine Weile fort sein und Peter hatte in einer Samstagnacht wichtigeres zu tun, als Derek zu bespaßen, denn das war für dauergeile Lustmolche wie seinen Onkel selbstverständlich so etwas wie die `Hauptgeschäftszeit´.

Grimmig fragte sich Derek, ob es Peter wohl mittlerweile gelungen war, Stiles ausfindig und sich zu Willen zu machen.
Nicht, dass es ihn jetzt noch etwas anging, aber er schüttelte sich bei diesem Gedanken.

Derek hatte plötzlich das Bedürfnis, an die frische Luft zu kommen, also schnappte er sich Brieftasche und Schlüssel und machte sich auf den Weg zu seinem Camaro.

Er nahm sich vor, einfach ein wenig ins Blaue fahren; ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen.

Und irgendwie landete Derek auf diese Weise irgendwann im Castro-Distrikt.

Na ja, und wenn er schon mal hier war, dann könnte er doch wenigstens mal einen kurzen Blick riskieren, um sich zu vergewissern, dass es Stiles gut ging und das Peter nicht in seiner Nähe war, oder nicht?
Da war doch nichts bei!


Fünfmal war Derek nun bereits verstohlen an jenem Café vorbei geschlichen, in welchem Stiles arbeitete, ehe er sich endlich dazu durchringen konnte, einzutreten.

Als die Tür sich öffnete, hatte Stiles nur kurz von dem Kakaoherz aufgeblickt, welches er gerade für einen Kunden auf dessen Milchschaum gezaubert hatte. Bei dem Anblick hätte ihn dann beinahe die Rache des kaffeebereitenden „Drachen“ ereilt, welcher in seinem Rücken gefährlich zischte, denn da stand nun Derek, der sich unsicher im Eingang des Café herumdrückte und scheinbar die Erlaubnis suchte, näher zu treten.

Fuck!

Warum musste dieser Kerl in Natura noch so viel besser aussehen, als in den lästigen Bildern die ungefragt in den letzten Tagen dann und wann vor Stiles geistigem Auge entstanden waren?

Schlagartig war alles wieder da: Die heißen Blicke, die brennenden Küsse und schließlich der eiskalte Interruptus.

Stiles entschied sich trotzig dafür, Derek zunächst einmal zu ignorieren und die Kaffeebestellung an den Mann zu bringen; in diesem Fall an einen hübschen Kerl Anfang zwanzig mit babyblauen Augen. Die zwei plänkelten kurz miteinander und Stiles verabschiedete sich mit einem Zwinkern und einem Hüftschwung.

Und ihm war völlig egal, wie albern und kindisch dies sein mochte und dass es Derek vermutlich ohnehin vollkommen kalt ließ, mit wem Stiles flirtete.

Großzügig wandte er sich dann schließlich doch noch einem beklommen wirkenden Derek zu und erkundigte sich:
„Bist du für einen Kaffee hier, schöner Mann? Oder willst du mich vielleicht mal wieder auf eine Pizza einladen?“

Zunächst einmal versuchte Derek, sich ausschließlich durch Blicke mitzuteilen, weil Worte ihm nun einmal nicht so recht lagen, aber dann rang er sich schließlich doch noch mühsam dazu durch zu fragen:
„Können wir reden?“

„Na dann schieß´ mal los!“ gab Stiles kühl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

Derek blickte sich unbehaglich in dem gut besuchten Café um und so wandte sich Stiles schließlich mit einem genervten Seufzer an seinen heutigen Kollegen Jackson:
„Ich bin kurz vor der Tür!“ teilte er diesem mit, weil er wusste, was passieren würde, wenn er den Bödmann auch noch höflich um Erlaubnis fragen würde.

Doch auch so ließ Jackson sich natürlich nicht von einer Arschloch-Antwort abhalten und bellte:
„Ficken kannst du in deiner Freizeit, Stilinski!“

„Ja, ja, du mich auch!“ gab Stiles zurück, griff Derek am Arm und zog ihn hinter sich her, nach draußen.
„Sprich!“ forderte er, nachdem sie sich auf den Treppen eines Hauseingangs niedergelassen hatten.

Natürlich sprach Derek nicht!
Das wäre ja auch zu leicht gewesen.
Stattdessen war er damit beschäftigt, herzzerreißend schön auszusehen, während er Stiles mit einer Mischung aus Scheu und Unbehagen anschaute.

„Was mache ich bloß mit dir?“ schimpfte Stiles nun kopfschüttelnd:

„Du bist geschminkt!“ stellte Derek dümmlich fest.
Stiles boxte dem Älteren in den Oberarm:
„Na und? Wenn du bloß für eine Stilberatung vorbeigekommen bist, dann kannst du dich gleich wieder verpissen!“

„Sieht gut aus!“ murmelte Derek kleinlaut, doch Stiles ahnte, dass er dies lediglich aus Verlegenheit sagte:

„Ich verliere langsam die Geduld mit dir!“ knurrte Stiles: „Wieso bist du gekommen? Doch nicht, um mit mir über mein Outfit zu sprechen?“

„Warum... bist du weggegangen?“ brachte Derek schließlich unter einiger Anstrengung hervor.

„Allein schon für diese dämliche Frage sollte ich dich gleich noch einmal schlagen, du Trottel!“ entgegnete Stiles böse.

Doch Derek kapierte es offensichtlich wirklich nicht, denn er blickte ihn fragend an und wollte wissen:
„Können wir denn nicht einfach alles vergessen, was neulich Nacht passiert ist und so weiter machen, wie vorher? Es lief doch gut mit uns. Wir waren Freunde! Und das neulich war ein kleiner, bedeutungsloser Ausrutscher; weiter nichts!“

„War es nicht!“ stellte Stiles klar: „Nicht für mich!“

„Oh!“ machte Derek.

Stiles schüttelte den Kopf:
„Kapierst du es eigentlich wirklich nicht, Derek? Ich will nicht dein Freund sein. Ich bin verliebt in dich!“

Dereks Blick war missmutig:
„Nein, das glaube ich nicht. Du bist dankbar, weil ich dir geholfen habe, als es dir schlecht ging. Du verwechselst da bloß etwas! Das kann schon mal passieren.“

Diesmal hieb Stiles fester zu:
„Idiot!“ knurrte er.

Beleidigt rieb sich Derek den Oberarm und wollte wissen:
„Wieso schlägst du mich andauernd?“

„Weil du so unglaublich dumm bist!“ schimpfte der Angesprochene: „Ich bin nicht dankbar und verwechsele etwas! Ich liebe dich, Mann! Und nicht nur auf die süße, brüderliche Art! Wenn ich dich anschaue, dann denke ich nur an ein einzige Sache, nämlich daran, dass ich dich packen und in irgendeine finstere Ecke zerren will, um es da schmutzig mit dir zu treiben, kapiert? Ich will nicht, dass wir losziehen und gemeinsam einen Kerl für mich aussuchen, weil ich den Mann, den ich will nämlich schon gefunden habe! Und bedauerlicherweise will er mich eben nicht!“

„Sorry!“ murmelte Derek: „Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich nicht das für dich sein kann, was du dir wünschst.“

Betont gleichgültig zuckte Stiles mit den Schultern.
Und dann blinzelte er verdächtig.

Derek streckte verstohlen die Hand nach der von Stiles aus und verschränkte ihre Hände miteinander:
„Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du nicht wieder mit nachhause kommen willst?“

Stiles war klar, dass es nur eine richtige Antwort auf diese Frage gab.

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Feltro 22. Jan 2019

Hi there! I'm an Italian guy, who is currently trying to learn German (and since I am still very bad at it, I thought it was better to write this in English). I wanted to thank you for this wonderful fanfiction.
It's quite advanced for me, so I have to read it very slowly, but I love it! The characters, the places, the scenes, everything is described in a rich and effective way. Reading your work has become for me a very enjoyable way to expand my German vocabulary. Thank you again so much for this!