Schlaflos

vor 3 Tagen
„Ich geb´ dir tausend für die ganze Nacht; fünfhundert vorher und fünfhundert hinterher!“ Derek hat schon alles versucht, um endlich wieder einmal eine Nacht durchschlafen zu können, außer dieser einen Sache! (Sterek, AU)
Teen Wolf Drama P18-M+M Romanze In Arbeit

Schlaflos

Derek hatte bereits alles ausprobiert; Tabletten, Alkohol, Drogen, Sport bis zu totalen Erschöpfung und gerade kam er von einem mehrwöchigen Meditationslehrgang aus einem Kloster in Tibet zurück, doch nichts hatte ihm bislang geholfen!
Seit eineinhalb Jahren war es in jeder verdammten Nacht dasselbe Spiel: Er schlief niemals mehr als höchstens ein bis zwei Stunden am Stück!

Und das fing langsam an, ihm an die Substanz zu gehen!

Kaum schloss er des Nachts die Augen, sah er es wieder vor sich; die brennenden Körper und das panische Durcheinanderrennen. Er hörte die ängstlichen Schreie, das Brüllen der Flammen, das Krachen im Gebälk des Hauses, welches Stück für Stück in sich zusammenstürzte. Er hatte den Geruch brennenden Fleisches in der Nase und beißenden Rauch in seinen Lungen.

Und die Hilflosigkeit!

Er hatte niemanden retten können, außer sich selbst.
Und so war nun auch seine Welt; sie bestand aus ihm und nur aus ihm allein!
Sie waren einmal so viele gewesen, doch nun nicht mehr!

Wie immer, wenn Derek nicht schlafen konnte, setzte er sich ans Steuer seines mitternachtsblauen Fünfer-BMWs und fuhr durch die Straßen seiner Stadt, denn ebenso wie er selbst, schlief auch Los Angeles nicht.

Er betrachtete die unzähligen Lichtpunkte, die an ihm vorbei sausten und in seiner Erschöpfung verschwamm alles was er sah, zu einem bunten Einerlei.

Alles, bis auf dieses eine Gesicht am Straßenrand!


Nach ihrem Autounfall hatten seine Eltern Stiles nicht viel hinterlassen. Seine Mutter war sofort tot gewesen. Sein Dad hatte im Krankenhaus noch über einen Monat lang um sein Überleben gekämpft, ehe er ihr in den Tod gefolgt war.
Die Arztrechnungen und die Bestattungskosten hatten alles aufgezehrt, was an Ersparnissen dagewesen war.
Am Ende hatte es noch für ein Busticket nach L.A. gereicht.

Stiles war wochenlang wie betäubt durch die Straßen der Großstadt geirrt, hatte teilweise aus dem Müll gelebt, bis ihm zum ersten Mal ein Kerl Geld für seinen Körper angeboten hatte.
Er hatte Hunger gehabt und da war es ihm gleichgültig gewesen, woher das Geld kam.

Und es war ja auch nicht so, dass er noch eine Familie gehabt hätte, die es kümmern würde, was er so trieb.

Also war dies nun sein Leben: Er stand hier am Kantstein und bot sich für ein paar Dollar an, genauso wie all die anderen Jungs links und rechts von ihm, die das Leben hier angespült hatte, wie Treibgut!

Die meisten der Kerle in dieser Branche waren Einzelkämpfer, die vermutlich zu allem bereit wären, nur um einen kleinen Vorteil für sich selbst rauszuschlagen.
Der einzige Lichtblick und der Grund, warum Stiles nicht schon längst aufgegeben und sich vor einen Zug geworfen hatte war Scott!

Scott hatte ihm buchstäblich das Leben gerettet und ihm alles beigebracht, was er selbst über das Business wusste: Wo man stehen konnte, ohne gleich von der Polizei eingesammelt zu werden, welches die üblichen Preise waren, wo die Kleiderkammern, die Obdachloseneinrichtungen mit Duschen, Waschmaschinen, dem gratis Mittagessen und die Sozialarbeiter zu finden waren, die an Jungs wie sie Kondome und saubere Spritzen verteilten.

Letztere brauchte Stiles glücklicherweise nicht, denn Scott hatte ihm gründlich den Kopf gewaschen, als er vor einer Weile meinte, mit Drogen anfangen zu müssen, um vergessen zu können:
„Spar´s dir und sei nicht so eine Heulsuse, kapiert!“ hatte Scott ihn angebrüllt: „Wir haben hier alle unsere traurigen Geschichten, aber wenn du mit dieser Scheiße anfängst, dann kannst du dir gleich einen Sarg bestellen! Es gibt echt keinen Mist, der durch Drogen nicht noch schlimmer werden würde!“

Und da hatte Stiles es bleiben lassen.
Scott und er wohnten momentan in einem kleinen, schäbigen Zimmer in einem leerstehenden Haus mit einem Haufen Junkies, Huren, Straßenkindern und Kleinkriminellen, aber das war okay, denn man ließ sie Ruhe und jeder hier hatte genug mit sich selbst zu tun.

Sie teilten sich eine schmutzige Matratze und hatten einen kleinen Campingkocher, so dass sie sich sogar manchmal etwas Warmes zu essen machen konnten.
So übel war ihr Leben gar nicht!

Scott und er waren kein Paar oder so, sie machten nur manchmal ein bisschen rum, knutschten oder kuschelten sich im Bett aneinander.
Sie fickten nicht, denn danach stand keinem von ihnen der Sinn, aber ihr Körperkontakt tat beiden dennoch gut, weil er sie daran erinnerte, dass sie mehr waren, als lediglich Fleisch.
In ihrem Job war das wichtig!

Doch nun war Scott krank und konnte schon seit einer Woche nicht mehr arbeiten und so musste Stiles für sie beide allein sorgen.
Eigentlich wäre das kein Problem gewesen, wenn ihm nicht Isaac, dieses fiese kleine Wiesel ständig die Kundschaft vor der Nase wegschnappen würde.
Und genauso war es auch heute wieder, als der dunkelblaue, sauteure BMW neben Stiles am Straßenrand anhielt.

Der Kerl, der die Scheibe herunterkurbelte war etwas, was sie hier nicht oft zu Gesicht bekamen: Er war verdammt heiß!
Und er winkte ausgerechnet Stiles heran!

Die Freier, die sie sonst so hatten waren in der Regel frustrierte Schrankschwestern mit Ehefrau und mehreren Bälgern zuhause, Geschäftsleute, die neben ihren siebzig Arbeitsstunden die Woche keine Zeit für Beziehungsanbahnung hatten und einfach bloß ein bisschen Druck abbauen wollten, oder alte, einsame Kerle, die sonst niemanden mehr hatten.

Aber dieser Typ hier war ein ganz anderes Kaliber.
Er sah aus, wie ein verdammtes Unterwäschemodell!
Es war klar, dass Isaac sich den nicht entgehen lassen wollte. Er versetzte Stiles einen Stoß, so dass dieser auf allen Vieren landete, lehnte sich in das heruntergelassene Autofenster und sagte schnurrend:
„Hey, Baby! Du willst ihn nicht, glaub´ mir! Du willst mich! Siehst du die Fresse? Die Leberflecken überall? Die hat er am ganzen Körper! Sieht aus wie ein Dalmatiner! Wahrscheinlich hat er AIDS!“

„Du Arsch!“ zischte Stiles, rappelte sich wieder auf und klopfte sich den Staub ab.

Der Typ schaute zwischen den beiden Jungen hin und her und sagte dann zu Isaac:
„Verzieh´ dich, Lockenkopf. Ich will den anderen!“

Stiles warf seinem Konkurrenten ein triumphierendes Lächeln zu, als er um die Luxuskarre herum schritt, um zur Beifahrerseite zu gelangen:

„Brauchst gar nicht so zu grinsen Stilinski! Der Kerl wird dich vermutlich abstechen, deine Leber essen und den Rest von dir auf dem Müll entsorgen!“ knurrte Isaac gehässig und schlenderte zurück zu seiner Straßenecke.

Stiles war unterdessen auf den Beifahrersitz geschlüpft und betrachtete sich seinen Freier noch einmal genauer.
Der Kerl sah müde aus, doch abgesehen davon war er umwerfend schön.

Stiles versuchte, diesen Umstand zu ignorieren und spulte seinen üblichen Text ab:
„Blasen zwanzig, ficken fünfzig, ich mache es nicht ohne und du zahlst für das Zimmer!“

„Ich geb´ dir tausend für die ganze Nacht; fünfhundert vorher und fünfhundert hinterher!“ sagte der Fremde.

Stiles war einen kleinen Moment sprachlos.

Tausend?
Wofür?
Höchstwahrscheinlich war es entweder etwas sehr Schräges, etwas Widerliches oder etwas Schmerzhaftes, doch was immer es sein mochte, er würde sich einfach zusammenreißen und es durchziehen.
Sofern der Kerl nicht wirklich seine Leber essen wollte, war alles andere egal.
Er musste einfach nur an das Geld denken. Von tausend Dollar könnte er Medizin für Scott besorgen, oder ihn vielleicht sogar zu einem richtigen Arzt bringen und nicht zu diesem Quacksalber, zu dem die Jungs immer gingen, wenn sie sich einen Tripper, oder Filzläuse geholt hatten.

„Um die Ecke gibt’s ein Stundenhotel, das ganz okay ist! Saubere Laken sind im Preis inbegriffen und es ist nicht zu teuer!“ teilte Stiles mit.

Sein Freier schwieg, schlug eine andere, als die vorgeschlagene Richtung ein und bald erkannte Stiles, dass es nach Beverly Hills ging:
„Wohin fahren wir? Zu dir nachhause?“ fragte er unbehaglich.

Er erhielt keine Antwort.

Eine von Scotts Überlebensregeln hieß, niemals zu einem Freier nachhause zu gehen, wenn er ihn nicht wenigstens ein bisschen kannte.
Doch auf der anderen Seite standen die tausend Dollar, die er gut gebrauchen konnte.


Als der Junge neben ihm endlich mal eine Weile still war und aus dem Fenster schaute, wagte Derek einen Blick auf den Beifahrersitz.
Schmal, hellbraunes Haar, das ein wenig widerspenstig in alle Richtungen abstand, eine Garderobe, die schon bessere Tage gesehen hatte, bestehend aus Jeansjacke - und hose und einem karierten Flanellhemd über einem verschlissenem weißen T-Shirt.
Aber dann waren da ja noch diese Augen. Die waren Derek als erstes aufgefallen. Sie waren anders, als bei den anderen Jungs, die da am Straßenrand herumgestanden hatten. In ihnen lagen Witz, Frechheit und Lebendigkeit.
Sie waren der Grund, dass Derek den Wagen angehalten hatte.

Doch hätte Derek irgendwem erklären müssen, was er vorhatte, wäre er ins Schwitzen gekommen. Er hatte selbst keine Ahnung.


Das `Four Seasons´ in Beverly Hills?
Stiles traute seinen Augen nicht.
Wollte der Kerl etwa hier absteigen?

Tatsächlich! Sein Freier stieg aus und reichte dem Mann vom Parkservice seinen Autoschlüssel:
„Kommst du? Ich hab´ nicht die ganze Nacht Zeit!“ fragte er nun ungehalten.

Eilig entstieg Stiles dem Fahrzeug und trottete hinter dem schweigsamen und offensichtlich ziemlich schlecht gelaunten Fremden her:
„Warte hier!“ sagte dieser in der Lobby und ging an die Rezeption. Wenig später kam er mit einer Schlüsselkarte wieder und bedeutete Stiles, ihm zu folgen.

Sie stiegen in den Fahrstuhl und Stiles merkte, wie er immer nervöser wurde, weil er gleich mit diesem eigenartigen Kauz hinter verschlossenen Türen allein sein würde.

Das Zimmer war sicher eins der günstigeren, die dieses Hotel zu bieten hatte, doch damit war es noch immer um Längen schöner und größer, als alles, was Stiles in den letzten neun Monaten, seit dem Tod seiner Eltern gesehen hatte. Er blickte sich schüchtern um und versuchte, nicht ZU überwältigt auszusehen:
„Darf ich vorher Duschen?“ fragte Stiles, als er das luxuriöse Badezimmer erblickte.

Der Fremde nickte.

Es war beinahe schon unanständig, wie sehr Stiles das heiße Wasser genoss, welches über seinen Körper rann. In der Tagesstätte für Obdachlose oder im Schwimmbad, wo er sonst duschte, war das Wasser immer bestenfalls lauwarm, meistens jedoch eher kalt.

Eine Weile später riss Stiles sich dennoch los und kehrte, mit einem der großen, kuscheligen Handtücher um die Hüften zu seinem Freier zurück, welcher in einem Sessel sitzend, auf ihn gewartet hatte:
„Von mir aus kann´s losgehen!“ erklärte Stiles, ließ sein Handtuch fallen, schlug die Tagesdecke des großen Doppelbetts zurück und legte sich mit ein wenig gespreizten Beinen und dem Gesicht nach unten hin:

„Was soll das werden?“ fragte der Fremde ärgerlich: „Dafür bist du nicht hier!“

Stiles seufzte.
Er hatte es geahnt! Nun kam das dicke Ende!

Doch was sollte man machen. Er setzte eine professionelle Miene auf, erhob sich vom Bett, setzte sich, nackt wie er war rittlings auf den Schoß des Fremden und schnurrte:
„Okay, Baby! Du bist der Boss! Sag mir, was ich für dich tun soll!“

Der Kerl schob Stiles von sich herunter, erhob sich und warf ihm sein T-Shirt und seine Boxershorts mit der Forderung zu:
„Zuerst einmal kannst du das hier wieder anziehen!“

Stirnrunzelnd kam Stiles dieser ungewöhnlichen Forderung nach.

Und während er selbst sich anzog, zog Fremde sich aus, so dass sie am Ende beide in T-Shirt und Unterhosen dastanden:

„Willst du etwas essen?“ fragte sein Freier nun:

„Essen?“ fragte Stiles ratlos.

Sein Gegenüber zog ärgerlich die dichten, ausdrucksstarken Brauen zusammen:
„Spreche ich irgendwie undeutlich? Ja, ich habe `essen´ gesagt! Ich habe Hunger und werde mir jetzt beim Zimmerservice ein Steak bestellen. Und weil ich höflich bin, biete ich dir auch etwas an. Bist du vielleicht ein bisschen zurückgeblieben?“

„Bin ich nicht!“ sagte Stiles leise und ein wenig ärgerlich. Dann rief er sich jedoch wieder zur Ordnung, beschloss, die raue Ansprache des Fremden nicht an sich heranzulassen und sagte:
„Essen wäre schön! Ich nehme dasselbe, wie du!“

Bis ihre Steaks kamen, schaltete der Kerl den Fernseher ein, zappte durch die Kanäle und beachtete Stiles nicht weiter:
„Gefalle ich dir plötzlich nicht mehr, oder warum willst du mich nicht ficken?“ erkundigte er sich also.

Sein Freier war mittlerweile bei einer Übertragung eines Lacrossespiels hängen geblieben, wendete ihm langsam den Kopf zu und erwiderte:
„Mit dir ist alles in Ordnung! Aber ich habe dich nicht mitgenommen, weil ich dich flachlegen will.“
Dann zückte er seine Brieftasche, zog fünf Hundeartdollarscheine daraus hervor und legte sie Stiles in die Hand:
„Wie versprochen!“ kommentierte er.

Stiles wollte gerade fragen, wofür er denn bitteschön hier sei und so überreichlich bezahlt wurde, als es an der Tür klopfte.
Es war der Zimmerservice mit ihrem Essen.

Das Steak mit der Kräuterbutter, der Salat und die Süßkartoffelecken rochen himmlisch und sahen unglaublich verführerisch aus.
So fürstlich hatte Stiles seit einer Ewigkeit nicht mehr gegessen und dadurch verlor er schlagartig das Interesse an seiner Frage und machte sich über das Essen her.

Erst mit gefülltem Magen fragte er sich wieder, was dieser Kerl wohl mit ihm vorhatte.
Er hatte immerhin den Bizeps, die breiten Schultern und die riesigen Hände, um jemanden wie Stiles wie einen Zweig zu zerbrechen, also fragte der Junge schließlich:
„Und was geschieht nun?“

Der Fremde tupfte sich mit einer Serviette die Mundwinkel, nahm Stiles seinen Teller ab, stellte ihn zurück auf den Teewagen und schob diesen aus dem Zimmer. Dann erst antwortete er auf die Frage:
„Jetzt schlafen wir!“

Stiles blickte den Mann ratlos und auch ein wenig misstrauisch an, aber er sagte nichts und schaute dem Fremden dabei zu, wie er unter die Decke schlüpfte:
„Kommst du?“ fragte dieser.

Stiles nickte.
Er hatte wirklich schon einiges mit Freiern erlebt, doch das hier war neu!

Er legte sich also neben den Fremden und fragte:
„Und nun? Willst...willst du mich halten? Oder von mir gehalten werden, oder so?“

So weit hatte Derek noch gar nicht gedacht:
„Uhm...? Ich weiß nicht?“ murmelte er. Dann entschied er: „Nein! Bleib einfach nur hier, und dann wird geschlafen!“

Es klang wie ein Befehl!
Und es klang wie unterdrückte Peinlichkeit.

Irgendetwas daran rührte Stiles.

Er nickte einfach bloß und richtete sich auf seiner Bettseite ein.
Die Satinbettwäsche war ein Traum! Und die Matratze fühlte sich an, als sei sie aus kuscheligen Schäfchenwolken gemacht! So bequem hatte er es bereits seit einer Ewigkeit nicht mehr gehabt.

Trotzdem würde er in dieser Nacht ein Auge offen halten, denn er war noch immer nicht zu hundert Prozent überzeugt, dass der Fremde ihn nicht im Schlaf erwürgen und sich aus seiner Haut ein neues Paar Schuhe mit passendem Gürtel machen würde.

Ehe sein Freier einschlief, sagte er noch:
„Wenn du mich im Schlaf beklaust, werde ich dich jagen und ich werde dich finden!“

„Klar doch! Wenn er eine Nutte ist, dann ist er wohl auch ein Dieb!“ brummte Stiles mürrisch und drehte sich auf die andere Seite.
Er erhielt keine Antwort, denn der Andere war bereits eingeschlafen.

Stiles eigener Schlaf war leicht und das war auch der Grund dafür, dass er sofort hellwach war, als der Fremde neben ihm stöhnend und schwitzend hochschreckte.

Und nun begriff Stiles langsam, wofür er hier war. Es war das Gleiche, was Scott in der ersten Zeit auch in vielen Nächten für ihn getan hatte!

„Hey, du! Ist in Ordnung!“ flüsterte er und zog den Fremden ohne großes Nachdenken in seine Arme: „Schlaf´ weiter! Du bist in Sicherheit, hörst du?“

Im Licht des Vollmonds, welches durch das große Fenster hereinschien, konnte Stiles das Stirnrunzeln seines Gastgebers sehen und er wiederholte: „Es ist okay! Es war nur ein böser Traum!“
Er hatte sacht damit begonnen, dem Fremden die verschwitzten Haarsträhnen aus der Stirn zu streichen:
„Versuch´ einfach, noch ein bisschen zu schlafen. Ich passe auf, ja? Dir wird nichts passieren!“

Die Situation war wirklich eigenartig, denn immerhin kannten sie sich ja gar nicht.
Stiles folgte hier einfach bloß seinem Instinkt.

Der Fremde sprach kein Wort, doch er beruhigte sich langsam wieder. Er versuchte nicht, Stiles loszuwerden. Im Gegenteil; er begann damit, sich vertrauensvoll in seinem Arm einzurichten und war bald darauf wieder eingeschlafen.


Als Derek das nächste Mal erwachte, konnte er es beinahe nicht fassen. Die Sonne schien in das Fenster und stand bereits hoch am Himmel.

Der fremde Junge an seiner Seite erwachte nun ebenfalls und murmelte ein verschlafenes:
„Morgen!“

Derek nickte.
Ein Blick auf die Armbanduhr verriet ihm, dass es halb zehn war.
Es war kaum zu glauben!
Er musste mindestens neun Stunden ohne Unterbrechung geschlafen haben.

Derek erhob sich und verschwand kurz im Bad. Als er wiederkehrte, fragte er den Jungen:
„Willst du frühstücken?“

Dieser schüttelte den Kopf:
„Nein, es gibt jemanden, nach dem ich unbedingt sehen muss! Er wird sich schon fragen, wo ich so lange stecke.“ erklärte er, erhob sich, zog sich an und machte Anstalten, zu verschwinden.

„Warte!“ rief Derek: „Du kriegst doch noch etwas von mir!“
Er griff nach seiner Brieftasche und zog weitere fünfhundert Dollar hervor. Nach kurzem Nachdenken legte er noch weitere zweihundert dazu und reichte sie dem Jungen.

Der blickte ihn skeptisch an:
„Wofür ist das? Ich habe doch gar nichts getan!“

„Doch hast du!“ versicherte Derek.
Dann wollte er noch wissen:
„Hast du eine Karte, oder so? Wie kann ich dich erreichen, wenn ich dich brauche?“

Stiles musste lachen.
Wofür hielt ihn dieser Typ?
Für irgend so einen Callboy für die oberen Zehntausend?
Er war doch bloß Dreck, der am Straßenrand herumlag!

Er kritzelte seinen Namen und eine Telefonnummer auf einen Block, der auf dem Nachttisch lag:
„Das Handy gehört Scott und mir gemeinsam. Nicht wundern, wenn ich mal nicht selbst drangehe!“

„Was ist ein `Stiles´?“ wollte der andere Mann wissen.

Der Junge lachte erneut und zeigte mit beiden Daumen auf sich:
„Das bin ich!“

„Und wer ist Scott?“ fragte Derek: „Ist er... dein Zuhälter? Oder dein Freund?“

„Weder noch!“ gab Stiles einsilbig zurück: „Melde dich, wenn du mich sehen willst!“

Und mit diesen Worten war er verschwunden.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Es wurden noch keine Kommentare geschrieben.