Luzifers Chorale

vor 6 Tagen
Kurz vor ihrer Farewell-Tour geschieht ein schreckliches Unglück, bei dem Ville schwer verletzt wird. Joao steht ihm bei, muss jedoch erkennen, dass sich auch sein Schicksal auf grausame Weise erfüllen muss und er sich zwischen Ville und der Unsterblichkeit entscheiden muss. Dies ist der zweite Teil von "Farewell". TheWind
HIM Übernatürlich P18-M+M Drama In Arbeit

Jukkas place

„Ist das jetzt wirklich dein Ernst, Linde?“, fragte der Drummer mit den dunklen, schönen Augen sichtlich ungläubig und ließ seine Tasse sinken, von der er eigentlich hatte trinken wollen.
Linde hielt seinem bohrenden Blick stand und schlug die Beine übereinander.
„Ja.“
Jukka schüttelte langsam den Kopf. „Das kannst du vergessen, scheiße noch mal!“
„Und warum?“
„Warum?“ wiederholte der Dunkelhaarige sichtlich angepisst. Ihm war anzusehen, wie unangenehm ihm das alles war, und auch, dass er den Gitarristen am listen hinaus geworfen hatte, sich aber dennoch zusammen riss. Schon seit einiger Weile saßen sie sich in seiner gerade erst gekauften Wohnung im Osten der Stadt gegenüber. Überall standen noch Umzugskartons herum, die Wände waren teilweise nicht mal mehr gestrichen oder tapeziert und eigentlich hatte Jukka gehofft, dass Linde ihm bei einigen Dingen helfen würde, bis sie wieder auf das unleidige Thema gekommen waren und nun drohten aneinander zu geraten.
„Ja. Warum?“
„Zum letzten mal, Linde, ich werde nicht bei euch einsteigen.“
Linde war seine Enttäuschung anzusehen, auch wenn er versuchte seine Miene unter Kontrolle zu halten, so waren doch seine Schultern ein Stück herab gesackt. Er hatte sich tatsächlich Hoffnungen gemacht, denn er wusste, dass es schwer war einen so talentierten Drummer zu finden, wie es Jukka war. Er mochte ihn und hätte sich eine weitere Zusammenarbeit mit ihm vorstellen können.
Missmutig schob er kurz das Kinn vor.
„Dann steht dein Entschluss also fest, mm?“
„Ja. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber es wäre einfach nicht richtig. Und ich habe Sehnsucht nach meiner alten Band. Vielleicht werde auch ich nach der Tour eine längere Pause machen, reisen, oder all die Dinge tun, für die ich zuvor nie wirklich Zeit hatte. Ich weiß es nicht Linde, vielleicht brauche ich diese Auszeit, ehe ich etwas Neues anfange.“
Linde nickte langsam, auch wenn es ihm noch immer schwer fiel. „ Schon gut. Ich hatte einfach gehofft, dass du es dir vielleicht doch noch anders überlegen würdest. Du bist einer der wenigen Drummer die wirklich wissen was sie tun. Es hätte gepasst.“
Der Ältere grinste kurz, nippte an seinem Kaffee, ehe er die dunkle Tasse neben sich auf den kleinen Glastisch stellte und die Beine ausstreckte. Sein Rücken schmerzte vom Umzug und wenn er daran dachte, was noch alles an Arbeit auf ihn wartete sank ihm der Mut. Aber die alte Wohnung war schlichtweg zu klein geworden und hier hatte er sich von der ersten Sekunde an heimisch gefühlt.
„Vielleicht, Linde. Aber Daniel Lioneye ist euer Ding. Und sagtest du nicht, dass ihr einen Drummer habt?“
„Ja Seppo…“
„Taugt er nicht?“
Linde sah auf. „Doch... sicher.“ Er brach ab, und ließ den Rest seiner Worte und Gedanken unausgesprochen. Denn nun war auch ihm klar geworden, dass sie bloß noch die Abschiedstournee zusammen spielen, ehe sich ihre Wege unweigerlich trennen würden. Sicher, sie würden Freunde bleiben, aber es war so gut wie ausgeschlossen, dass sie nochmal in ein und derselben Band spielen würden. Linde bedauerte es, er mochte den jungen Mann, seine Energie, seine innere Kraft, aber auch er hatte eingesehen, dass sich Dinge irgendwann zwangsläufig veränderten. Es vielleicht sogar auch mussten.
„Magst du noch einen Kaffee haben?“, fragte Jukka nach einer ganzen Weile.
Linde nickte dankbar. „Ja.“
„Und wegen Ville?“
„Was soll mit ihm sein, mm?“
Jukka begann herum zu drucksten und er wich sogar seinem Blick aus, was sonst nicht seine Art war, und das war etwas, was den blonden Finnen wiederum hellhörig machte. „Was ist los?“
„Es fühlt sich nicht richtig an.“
„Was meinst du?“
Nachdem er die kleine Thermoskanne geholt und Linde nach geschenkt hatte, fuhr er mit dieser seltsam angespannten Stimme fort: „Ich weiß auch, dass Ville nicht mehr in der Lage war um am neuen Album zu arbeiten, aber ich finde dennoch, dass wir es vielleicht übertrieben haben.“
Linde zog überrascht eine Augenbraue hoch. „Übertrieben? Himmel Jukka! Er konnte nicht mehr an den Songs arbeiten, und er wollte es schlichtweg auch nicht mehr. Es hat ihm nichts mehr bedeutet, er hat es gehasst!“
„Wegen Johnny?“
Linde seufzte auf. „Ja... das kann sein. Er wollte die Dinge, die zwischen ihnen beiden vorgefallen waren, in den neuen Songs verarbeiten, er hat wie ein Bassessener an den Songtexten und den Riffs gearbeitet, aber dann hat er doch alles wieder über den Haufen geworfen. Es ging nicht mehr vorwärts. Nichts ging mehr. Und das weißt du.“
„Natürlich...“, sagte Jukka langsam. „Und doch. Wir hätten ihn nicht derart aus den Verträgen drängen sollen. Er hat jetzt überhaupt nichts mehr.“
Ihre Blicke begegneten sich erneut, ehe Linde aufstand und zwischen den Kartons und den verpackten Möbel hin und her lief, ehe er sich mit dem Hintern gegen ein dunkles Regal lehnte, das mitten im Raum stand.
„Das haben wir auch nicht. Ich habe ihm gesagt was Fakt ist und er hat schließlich eingesehen, dass wir so nicht weitermachen können. Er hat zugestimmt, Jukka. Ich habe ihn weder aus den Verträgen mit BMG sowie Sire und Razor & Tie gedrängt noch ihn zu irgendetwas gezwungen. Jedenfalls nicht direkt. Ich habe ihm bloß vor Augen geführt was für eine Scheiße er sich da zusammen gereimt hatte, dass es nichts taugte. Und auch, dass ich keine Lust mehr darauf hatte. Und ihr auch nicht.“
„Scheiße noch mal!“, entfuhr es Jukka heftig, „Er ist der Frontmann... es war sein Leben...“
„Ja. Aber es hätte nichts mehr gebracht, und das weißt du!“, erwiderte er wütend, „Es ist vorbei. Nur noch diese Tour, dann wird es unsere Band nicht mehr geben.“
„Ah. So einfach ist das für dich, ja?“
Linde zuckte nun ebenfalls wütend die Schultern. „Warum nicht? Er war erleichtert, als er aussteigen konnte, und glaub mir, es wäre früher oder später ohnehin dazu gekommen. Er war nicht mehr er selbst, er wollte es nicht mehr und er konnte es nicht mehr. Sein inneres Feuer war erloschen. Ich habe ihn bei den Arbeiten im Studio noch nie so deprimiert und leer erlebt.“
„Und dann setzten wir ihn quasi vor die Straße?“
Linde raufte sich nicht zum ersten Mal die blonden, langen Dreads. „Er kann jederzeit wieder bei BMG unterschreiben, wenn er neues Material hat oder solo etwas veröffentlichen will. Oder bei Love Records. Ich habe nicht alle seine Anteile. Und er hat noch immer sein eigenes kleines Studio... Himmel, er kann machen und tun was und wie er es will. Und wenn er es nicht will, dann lässt er es eben!“
nach einer kurzen pause, in der sie sich aus dem weg zu gehen versuchten, setzte Linde nach: „Ich hätte ja weitergemacht, hätte er nur einen verdammten Song auf die Reihe bekommen. Einen, der gut ist. Aber das hat er nicht.“
„Und das hast du ihn auch spüren lassen.“
Linde schnaubte. „Ja. Ich war wütend. Es war vertane Zeit. Und jetzt gilt es nur noch die Tour zu spielen. Ich will endlich mit meinen eigenen Sachen anfangen.“
„Ah.“
Linde schüttelte schnaubend den Kopf. „Die anderen auch. Aber weißt du was, es ist mir egal was du glaubst zu wissen oder nicht. Vil und ich kennen uns schon verdammt lange und er wollte nicht mehr. Mit ihm steigt und fällt eben auch alles. Und was hätten wir sonst tun sollen? Hätte ich etwas da neue Album schreiben sollen? Oder hätten wir uns einen neuen Frontmann suchen sollen? Jukka bitte, sieh doch endlich ein, dass es keinen Sinn mehr gemacht hat, so leid es mit tut. Aber manchmal muss man zu neuen Ufern aufbrechen, vorwärts kommen und all den alten Mist hinter sich lassen.“
„Dann war das alles nur noch Mist für dich?“
Er hielt auf einmal inne. „Nein... nicht alles. Aber vieles...“
Jukka schüttelte ungläubig den Kopf, ehe er aufstand und damit begann die ersten Kisten auszuräumen oder beiseite zu räumen. Linde beobachtete ihn eine ganze Weile, dann half er ihm und gemeinsam wuchteten sie die dunkle, schwere Coach zur gegenüberliegenden Wand hinüber.
„Danke...“
„Kein Ding. Vergiss nicht, wir sind Freunde. Und auch Ville.“
„Ja Ville...“, sagte Jukka langsam. „denkst du, dass es ihm gut geht?“
Linde wischte sich über die Stirn. „Sicher. Warum auch nicht? Er hat Joao. Er ist ganz vernarrt in ihn, und ja ich glaube trotz aller Zweifel dass er wirklich glücklich werden könnte. Wenn ihre Beziehung hält. Und das wünsche ich ihm.“
„Ohne seine Musik?“
Linde zuckte mit den Schultern. „Er kann jederzeit wieder zu uns in den Proberaum kommen. Und du kannst es auch.“

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Talvenlaulu 12. Jul 2018

Huhu und Terve! :) <3 Wow, Joao ist irgendwie krass drauf! Einerseits völlig verständlich "bezug auf Ärzte und KH", seine Willensstärke ist bewundernswert und andererseits...erzählt er Linde ja auch nicht alles..."geht ja auch irgendwie nicht" schwierig, schwierig... Ich finds sehr schön,wie er für Ville bedingungslos da sein will, egal wie schwer und grausam es wird/werden könnte. Er es einfach für Vil so schön wie möglich machen möchte<3 Linde ist ehrlich zu sich und auch zu Joao. Er hat ja nun auch einiges zu verdauen...uijui. Thank you so much! Ich hibbel den nächsten Zeilen entgegen :) <3

Talvenlaulu 24. Jun 2018

Hallihallo Sweetheart! Voi, Villes "bewusstes" Leid beginnt nun "wein" Gut, dass Jesse und Linde da waren! Jesses Gefühle sind sehr real...dieser Kloß im Hals, der die Luft zum atmen nimmt und einen sich fast übergeben läßt...Die Verzweiflung, Sorge, Angst und starre Leere. Aber ich sehe auch die kleinen, zarten Hoffnungsfunken...:) Ich bin total gespannt und danke dir! <3<3<3

Talvenlaulu 07. Jun 2018

Terve my dear! <3 :) Ahhh, wo ist das Wunder??? Oder,wo ist ER und warum lässt er das alles zu? Das sind wirklich grausame Aussichten für Ville...Joao ist so "mutig/tapfer" (hab grad keine besseren Worte) sich gegen den "leichteren" Weg ihn einfach zu töten zu stellen (und auch gegen die Weissagung) Seine Liebe und Hoffung sind unglaublich tief! <3<3<3 Azizos hat aber vielleicht sogar Recht, dass Vil irgendwann an einem Punkt sein wird und um Erlösung bittet...? Ich mag Azizos "alte" Sprache/Ausdrucksweise! Du schreibst mitreißend, hell, dunkel... total schön! :) Man kann sich so gut in jede Person reinfühlen und verstehen...ihre Achterbahnfahrten der Emotionen..alles! I love it! :) <3 Paljon kiitoksia! <3

TheWind 08. Jun 2018
hihi du meine Güte, weiß gar nicht was ich dazu sagen soll :-) Ich liebe einfach alles Antike / Geschichte / Altertum und habe viel über Azizos gelesen und versucht ihn mir vorzustellen :-) Abwarten süße, es gibt immer noch Wunder und Wege :-)
Talvenlaulu 08. Jun 2018
Ui,da triffst du genau meinen Nerv! Liebe auch alles Historische und Altertümliche! Bin supergerne im Museum etc...:) Du beschreibst ihn ziemlich treffend ( kann ihn mir genau vorstellen!) Anmutig, groß, ehrfürchtig...genauso wie Joao! Seine Person ist dir nicht minder gelungen!!! Du hast ein sehr gutes/feines Gespür für deine Protagonisten <3 Jaa, abwarten fällt mir grad etwas schwer, hihi ;)