Wo Goblins fröhlich metzeln ...

vor 3 Mon.
Ein Haufen Goblins bekommt sich ordentlich in die Haare ...
Fantasy - klassisch Fantasy P16 Humor Beendet
Inhaltsverzeichnis

Ein Abschied zum Ende

Allmählich begriff Jukkar, was sich so plötzlich verändert hatte. Er konnte wieder klar denken! Scheinbar klang die Wirkung des Harzschnapses endlich ab, sodass das Getümmel ringsherum gleich wieder viel lebendiger wirkte. Zuvor hatte sich der junge Goblin ein recht bedröppelt gefühlt, was angesichts seines dezenten Drogenrausches wohl nicht weiter verwunderlich war. Doch prompt wünschte er sich seinen benebelten Zustand auch schon zurück, denn nun machte sich die Wunde am Rücken erst richtig bemerkbar.
Jukkar hatte das letzte Mal als kleiner Winzling geheult, nachdem ihn drei größere Kerle zusammengedroschen hatte. Jetzt traten ihm erneut die Tränen in die Augen und rannen seine Wangen hinab, so heftig brannte sein Fleisch. Er schaffte es ja kaum seinen Arm zu heben und selbst als er einmal in die Nähe eines Berggoblins kam, war sein Hieb in etwa so kräftig wie eine sanfte Brise im Frühling. Trotzdem genügte es den anderen immerhin etwas zu irritieren, wofür er sogleich mit einem satten Treffer bestraft wurde. Ein Keule krachte knackend in die Hüfte des Berggoblins und bescherte ihm dabei eine Wunde, um die ihn selbst Jukkar nicht beneidete.
Doch sonst hielt sich der junge Goblin nach besten Bemühen eher im Hintergrund. Zwar wurde der Schmerz allmählich erträglich, doch gleichzeitig zitterten ihm die Knie immer mehr und er fühlte sich einfach nur elend.
In diesem Zustand wäre Jukkar am Ende wohl doch noch in eine Klinge gelaufen. Allerdings schienen Glück und Zufall dem Kampf so langsam ebenfalls überdrüssig zu werden. Der Geruch von Blut hing schwer in der Luft, vermischte sich mit Schreien, Kriegsmusik und dem allgegenwärtigen Rascheln des Laubs. Doch noch etwas anderes lauerte da im Walde und sorgte dafür, dass die Spannung in der Luft geradezu greifbar wurde, bevor ein vielstimmiger Ruf sie urplötzlich zerriss: "Nulopjartlok Hejmorat! Lasst das Rudel los!"
Die Worte hätten Jukkars Ohren zwar eigentlich erreichen müssen, doch gingen sie für ihn wohl einfach zwischen Schmerzen und dem restlichen Lärm unter. Selbst viele Winter nach diesem Ereignis waren sämtliche Erinnerungen des jungen Goblins an das Eintreffen ihrer Verstärkung irgendwie nicht ganz so deutlich, wie sie hätten sein sollen. Denn just in diesem Augenblick konnte man sie wirklich nur sehr schwer übersehen.
An der linken Flanke, wo das Gestrüpp am Boden eine dichte Mauer bildete, preschte völlig unvermittelt eine neue Goblinmeute aus dem Wald hervor. Allesamt ritten sie auf grauen und braunen Morg, die mit ihren blutrünstig kreischenden Herren auf dem Rücken flink zwischen den Bäumen hindurch schossen. Ihr Rüstungen bestanden aus den für Ebenengoblins typischen Fellwesten, spitzen Mützen mit Pelzrändern und runden Schilden. Die Klauen hielten Speere mit breiten Spitzen, Krummschwerter oder lange Knüppel umfasst, während einige zudem aus vollem Lauf heraus ihre Pfeile abfeuerten. Die Wucht, die ein solches Geschoss entwickeln konnte, war unglaublich und durchschlug Lederharnische ebenso mühelos, wie die dünnen Eisenpanzerungen der Berggoblins. Für die fand das Schlachtenglück an jenem Tag deshalb ein äußerst plötzliches Ende.
Wie ein Pflug fuhren sie durch das Getümmel und schlugen dabei breite Furchen, in denen die übel zugerichteten Leichen der Feinde zurückblieben. Selbst ein Schild und noch so viel Kraft in den Armen half nichts, wenn eine der Keulen heran sauste. Die Berggoblins wurden von der Wucht schlichtweg umgeworfen, woraufhin sie am Boden den Morgklauen und Speerspitzen der nachrückenden Reiter zum Opfer fielen. Bald schon befand sich nahezu die gesamte Flanke der gegnerischen Streitmacht auf dem Rückzug und lief panisch kreischend den Hang hinauf. Lediglich ein Häuptling scharte einige seiner letzten Krieger um seine Standarte, nur um in einem Sturm aus Klauen und Klingen zu vergehen, der selbst den Stoff des Banners völlig zerfetzte.
Doch selbst die Woge aus Goblinreitern konnte den in dicke Chitinplatten gepanzerten Leib der Schwarmlingskönigin nicht überwinden. An ihr bissen sich die Morg vergeblich die Zähne aus, Speerspitzen brachen ab und selbst die sonst so vernichtenden Pfeile zeigten keinerlei Wirkung. Lediglich die langen Knüppel schienen der mächtigen Kreatur etwas anhaben zu können. Allerdings ließ die Königin diesen neuerlichen Angriff auch nicht einfach über sich ergehen, sondern teilte mit ihren stampfenden Beinen und Beißzangen ordentlich aus. Kurz bevor die ersten Ebenengoblins sie erreichen konnten, wirbelte das monströse Geschöpf plötzlich herum und schleuderte Reiter mitsamt Morg durch die Gegend.
Eigentlich ein recht furchteinflößender Anblick, wie die Königin dort wie aus schwarzem Fels in der haarigen Brandung stand. Allerdings war Jukkar viel zu sehr damit beschäftigt nicht umzukippen, als dass er auf so etwas geachtet hätte. An seinem Rücken pulsierten die Wundränder im Takt seines Goblinherzens und auch wenn die Blutung nun allmählich zum erliegen kam, hatte sie die Fellweste am Rücken doch schon völlig durchtränkt. Sein eigener Lebenssaft klebte ihm in Haaren, an den Fingern und schier überall.
Zuletzt prallte Jukkar ächzend gegen einen Baum und klammerte sich prompt mit aller Kraft daran fest, um nicht einfach zu Boden zu fallen. Seine Kampfeslust hatte den jungen, geschundenen Goblin längst verlassen und sein Bewusstsein stand ebenfalls kurz davor. Die Nagelkeule war bei seinem letzten, schwächlichen Schlag einfach aus seiner Klaue gerutscht. Doch Jukkar hatte ohnehin nicht vor, sich nochmal in den Kampf zu werfen. Sollte sie doch im Laub verrotten!
So tat der junge Goblin nichts weiter, als sich an seinem Baum festzuklammern und mit Augen, die ohne jede Mordlust viel zu tief im fahlen Gesicht lagen, neben dem Geschehen zu stehen.
Warixs Streitmacht verlor den Kampf ohnehin. Selbst für Jukkars trübe Blicke schien dies nur allzu offensichtlich. Die berittene Meute hatte die gesamte linke Flanke des Feindes überrannt und in die Flucht geschlagen. Nun rückten dort die neu versammelten Kampfmobs aus dem Vorgebirge nach, um der restlichen Streitmacht aus den Bergen in den Rücken zu fallen. Die mächtige Gestalt der Schwarmlingskönigin schien das einzige zu sein, das Warixs Horde überhaupt noch zusammenhielt, während sie die Attacken der Morgreiter ein ums andere Mal zurück schlug. Goblins wurden von ihr zerstampf oder in Stücke gerissen, bis sich schließlich keiner der Grünhäutigen mehr in ihre Nähe wagte. Doch dieser Zustand währte nicht für lange.
Unter Johlen und wüsten Beschimpfungen machten die Horde der Ebengoblins plötzlich wieder kehrt. Diesmal ritten sie allerdings keinen hirnlosen Frontalangriff gegen die Königin, sondern wichen rechtzeitig vor den monströsen Beißwerkzeugen nach links und rechts aus. Für einen Augenblick wirkte die große Kreatur verwirrt und trat ein Stück zurück, bevor sie sich wieder fing und mit triumphierenden Klicken auf die Reiter zur ihrer Rechten losging. Drei Goblins wurden mitsamt Morgs erbarmungslos zu Boden geschleudert und nur mit Mühe konnte der Rest seinen gefallenen Kumpanen ausweichen. Im nächsten Moment krachten vier schwere Keulen in den Hinterleib der Königin, die sich daraufhin zornig aufbäumte. Doch kaum, dass sich die Kreatur in ihrem dicken Chitinkleid umwandte, erfolgte auch schon die nächste Attacke in ihrem Rücken. Sie konnte sich wenden und drehen wie sie wollte, immer gab es mindestens drei Goblins, die ihre Waffen aus der anderen Richtung gegen sie schwangen.
Ein wahnsinniger Wirbel aus Morgreitern umgab die Königin und dachte nicht im Traum daran, sie wieder frei zu geben. Der Eingekreisten selbst hingegen halfen nun weder ihre Chitinplatten, noch ihre gefräßigen Beißzangen, mit denen sie wie wild nach den Grünhäutigen schnappte. Hin und wieder bekam sie sogar jemanden zu fassen und fügte ihm Wunden zu, die zumindest in diesem Leben nicht mehr heilen würden. Aber die Schwarmlingskönigin hätte sich schon in einen Kraken verwandeln müssen, um ihren Gegnern beizukommen, die sie johlend vor Übermut und Irrsinn umkreisten. Immer wieder hieben sie dabei mit ihren Keulen auf die mächtige, jedoch allmählich ermüdende Kreatur ein und schlugen ihrem Chitinpanzer damit Risse, in die andere sogleich ihre Speer trieben.
Mit jedem weiteren Treffer wurden die schmerzerfüllten Laute der Königin kläglicher, bis es schließlich mit ihr durch ging. Vollkommen unvermittelt verlor sie die Nerven und stürmte blindlings drauflos, gegen den Kreis aus Morgreitern, der unter überraschten Rufen auseinander stob. Doch die Königin schien ihre wiedergewonnene Freiheit nicht einmal zu bemerken. Stattdessen trampelte sie rasend vor Schmerzen den Hang hinauf in den Wald, fort vom Schlachtfeld und das sollte auch auf lange Zeit das letzte sein, was die Goblins aus dem Vorgebirge von ihr sahen. Die Wachen und was vom einfachen Fußvolk der Schwarmlinge überlebt hatte, schloss sich seiner Herrscherin ohne Umschweife an. Die Königin war alles was es in ihrem Leben gab und wo auch immer sie hinging, dorthin folgten ihr die Untertanen bedingungslos.
Doch mit der Königin gingen nicht nur die Schwarmlinge. Mit ihr war der letzte Pfeiler, auf den sich Warixs Armee noch gestützt hatte, weggebrochen. Nun stand nichts mehr zwischen dem verbliebenen Haufen an der rechten Flanke und den heranbrausenden Morgreitern. Mit Fängen und Speeren hetzten sie die Berggoblins die Hänge empor, oder erlegten sie wo auch immer sie gerade standen.
Unter der Führung eines besonders herausragenden Reiters fuhr eine Gruppe der Ebenengoblins sogar mitten in den Pulk hinein, der sich um Lumz mit seiner Leibgarde gebildet hatte. Die Flagge seines Stammes auf den Rücken gebunden, ein schartiges Krummschwert in Händen und sein Zähne fletschendes Tier unter sich ritt er die kreischenden Gegner so rücksichtslos nieder, wie es nur jemand kann, der seinen Lebtag nichts anderes gemacht hat. Hinter ihm drang sein Gefolge in die von ihm geschlagenen Lücke vor und stach mit flinken Speeren nieder, was nicht schnell genug Platz machte.
Dann stand der waghalsige Reiter urplötzlich vor König Lumz persönlich und hätte fast nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Unter einigem Ziehen und Zerren brachte er seinen Morg gerade so zum Stehen, bevor er noch seinen eigenen Vorgesetzten niedertrampelte. Der bekam allerdings trotzdem eine ordentliche Ladung aufgeworfenen Drecks gegen die Brust geschleudert, was er mit einem Klumpen Rotz vergalt. Einen Augenblick standen sich der etwas mürrisch wirkende Ebenengoblin und ein verärgerter Lumz schweigend gegenüber, dann ballte letzterer die Klaue zur Faust und boxte dem anderen einmal kräftig gegen die Wade.
"Du un dein Pack sind so verlässlich wie verdammter Durchfall, Kiusehrak!", knurrte er, begleitet vom nächsten Klumpen Spucke, der den Ebenengoblin direkt neben dem ersten an der Hüfte erwischte. "Wenn so was noch ein verschissenes Mal passiert, schwör ich dir, dass wir jedes einzelne eurer ranzigen Dörfer auftreiben un abfackeln! Haben du un deine Säcke aus den Hügeln schon vergessen, was ich das letzte Mal mit euch angestellt hab, als ihr aufmüpfig geworden seid?! Hä?!"
Bei seinen letzten Worten steigerte sich Lumz Stimme bis zu einem aufgebrachten Kreischen, woraufhin Kiusehrak von neuem missmutig das Gesicht verzog.
"Im Gebirge gibt`s zu viele Wege ...", murrte er deshalb lediglich, doch Lumz quittierte diese Antwort mit abfälligen Schnauben.
"Trottel seid ihr! Verfluchte Trottel! Haben eure dämlichen Viecher keine Schnauzen zum Rumschnüffeln mehr, oder was?!"
Unter dem spitzen Fellhelm zeigten sich nun sogar ein paar zornige Fältchen auf Kiusehraks Stirn. Der Reiter schien tatsächlich ein wenig aufmüpfig werden zu wollen.
Es war nun schon einige Jahre her, seit er und seine Goblinreiter sich Lumz angeschlossen hatten. Damals ging es noch heiß her zwischen den Suljak Karakor und einem Häuptling aus der Ebene, der wohl glaubte, mit den in Wäldern und Senken des Vorgebirges versteckten Goblindörfern leichte Beute gefunden zu haben. Lumz aber lockte ihn in eine Falle und überzeugte ihn vom Gegenteil, wobei ihm Kiusehrak mit seiner Reiterhorde etwas zur Hand ging.
Für seine Dienste überließ er es dem Häuptling, was er mit den nun schutzlosen Hütten der Ebenengoblins anstellen wollte. Jedoch schien es seitdem im Verständnis füreinander, das bei Goblins wenn überhaupt vorhanden ohnehin nie sonderlich ausgeprägt ist, einige Probleme zu geben. So sah Lumz in Kiusehrak und seinen Reitern lediglich einen weiteren unterjochten Stamm, wohingegen dieser das ganze eher als ein beiderseitiges Bündnis verstand.
Es hätte einem blutrünstigen Ebenengoblin wie Kiusehrak nämlich gar nicht geschmeckt, zugeben zu müssen, dass er einem dreckigen Häuptling aus dem Vorgebirge diente. Selbst einem mittlerweile so mächtigen wie Lumz.
Dieser Unmut stand dem berittenen Goblin auch jetzt deutlich ins Gesicht geschrieben, während er sich auf dem Schlachtfeld umsah und nervös mit dem Speer in seiner rechten Hand spielte. Mittlerweile hatten seine Leute ihre grünhäutigen Verwandten aus den Bergen gänzlich vom Ort des Geschehens die Hänge empor gejagt, wo die Bäume dichter standen und sich einige mit den Morgreitern sogar noch letzte Kämpfe lieferten.
Und inmitten all dieser chaotischen Rückzugsgefechte, wehte das Banner des Rabenschädels, das Lumz mit solcher Inbrunst hassen gelernt hatte. Mit einem Mal war der aufmüpfige Kiusehrak vergessen, während sich seine Klaue um den Säbel ballte und ein gieriges Grinsen die Fratze des Häuptlings verzerrte.
„Den dort! Holt mir seinen verdammten Schädel!“, kreischte Lumz völlig außer Rand und Band, bevor er selbst als erster losstürmte.
Seine Leibwächter folgten hastig hintendrein und schafften es im Gedränge kaum, ihren Boss wieder einzuholen. Dieser schubste sich derweil wie ein Besessener den Weg frei und scheute sich nicht einmal mehr davor auch gegen seine eigenen Leute die Hand zu erheben. Einen stieß er derart kräftig seinen Säbelgriff in den Rücken, dass der Pechvogel direkt in den Speer eines Berggoblins stolperte. Ein weiterer humpelte ohnehin schon und verlor durch seinen Boss völlig das Gleichgewicht. Jammernd rollte der Kerl den Hang hinab, bis er mit einem Baum zusammenstieß. Gleich darauf warf sich sogar ein Berggoblin dem Häuptling aus dem Vorgebirge entgegen und ein wildes Ringen um die Oberhand entbrannte, bis von der Seite eine Keule heran sauste.
Eine schnaufende Routar stand neben ihrem Häuptling, der sich jedoch keinen Deut darum scherte. Kaum, dass sich der Klammergriff des Berggoblins lockerte, stürmte Lumz aufs Neue drauf los. Diesmal verlor seine Leibwache allerdings nicht wieder den Anschluss und übernahm es stattdessen jeden zur Seite zu stoßen, der ihrem Boss zu nahe kam. Bald trennten sie nur noch wenige Schritte von Warixs lockend flatternden Rabenbanner, unter dem sich ein letzter Strudel der Gewalt gebildet hatte.
Wo jeder andere nur noch das Ziel hatte möglichst schnell und möglichst lebendig aus dem Gemetzel zu entkommen, hatte die Rabenfresse die Reste seines Stammes zusammen geschart. Während sie die dicht stehenden Bäume als Deckung nutzten, hieben und stachen seine Leute nach jedem, der sich in Reichweite wagte. Einem der Ebenengoblins spießten sie dabei den Morg quasi unterm Hinter auf. Tier mitsamt Grünhäutigen stürtzten daraufhin zu Boden und nur mit Mühe konnte sich der Reiter vor den Waffen des Feindes in Sicherheit bringen.
Ungeduldig warf Lumz einen suchenden Blick über die Schulter nach seinem Troll. Doch Örkzen war irgendwo am anderen Ende des Schlachtfeldes damit beschäftigt, Berggoblins durch die Luft zu werfen. Also machte sich der Häuptling aus dem Vorgebirge bereit, sich höchstpersönlich ins Getümmel zu werfen und zu Warix durchzubrechen, da sauste plötzlich ein Speer direkt auf ihn zu. Die Wucht mit dem das Geschoss gegen den Schild prallte, ließ seinen Arm regelrecht schlottern, doch Lumz quittierte die Attacke nur mit einem zornigen Zähnefletschen.
„He, Arschloch!“, keifte ihm gleich darauf eine gehässige Stimme entgegen und ein Kerl mit langer krummer Nase trat aus dem Pulk der Berggoblins hervor.
„Du dreckiger Sack, Rabenfresse! Was fällt Gesindel wie dir ein?!“ Lumzs Stimme war kein Stück leiser als die seines Rivalen und mit einem Mal wurde es fast schon still um die Kontrahenten.
Die umstehenden Goblins wichen langsam voreinander zurück und formierten sich stattdessen zu zwei lauernden Kampfmobs, an deren Spitze die beiden Häuptlinge standen. Gespannte Stille erfüllte die Luft und wurde nur von Waffenklirren aus der Ferne gestört, wo das Gemetzel ungestört seinen Lauf nahm. Eine Weile musterten sich die beiden Häuptlinge bloß mit böse funkelnden Augen, während die Blicke ihrer Untergebenen aufgeregt zwischen ihnen hin und her huschten.
Warixs sah abgekämpft aus. Seine Rüstung aus Eisen wirkte mitgenommen und so zerschunden wie ihr Besitzer selbst. Den Brustpanzer zierte ein langer Kratzer und eine Delle, während die rechte Beinschiene nur mehr an einem Gurt vor sich hin klapperte. Der linke Ärmel der zerfledderten Fellweste wies einen Riss auf und eine verkrustete Wunde zog sich von dort bis zum Ellbogen. Wie es aussah war Warixs am Ende doch nicht umhin gekommen, selbst ein paar Keulenhiebe auszuteilen. Allerdings schien Lumz selbst wohl auch kein Stück besser auszusehen, nachdem er erst eingekreist worden war und sich dann einmal übers Schlachtfeld geprügelt hatte. Anstelle zweier mächtiger Goblinbosse wirkten sie eher wie geschundene Hunde, die sich nun um den letzten Fetzen Fleisch stritten.
Doch einstweilen verharrte sowohl Lumz als auch Warix mit einer Mischung aus Vorsicht und Ratlosigkeit. Sollte man sich erst noch weiter beleidigen, oder gleich zu Handgreiflichkeiten übergehen?
„Erst nehm ich mir deinen dämlichen Kopf, un danach deine mickrigen Hügel!“, fauchte Warix erneut und machte einen drohenden Schritt nach vorn.
Auf einmal stiegen Lumz die Worte einfach so in den Sinn, die er selbst dann nicht hätte zurückhalten können, wenn er es gewollt hätte.
„Hehe … Un mit welcher Armee willst-“
Der Häuptling aus dem Vorgebirge kam nicht einmal dazu, seine hämische Bemerkung zu vollenden. Doch selbst der halbe Satz genügte schon, um Warixs grüne Fratze noch grüner werden zu lassen. Mit schrillen Kreischen ging er Waffe schwingend auf Lumz los, der kurzzeitig einfach sein Hirn ausschaltete und es seinem Gegner gleich tat. Im nächsten Moment warf sich allerdings noch jemand ganz anderes auf die beiden und verhinderte damit nur knapp, dass sie sich Hals über Kopf in die Speere der Feinde stürzten.
„Was zum?! Idioten! Lasst mich los ihr Arsch-“
Eigentlich hätte man Routar und den anderen beiden Leibwächtern danken müssen. Stattdessen traf den einen ein Stiefel ins Gesicht, den anderen eine Schildkante gegen die Schulter, während letztere sich nur knapp vor einer Kopfnuss retten konnte. Kaum, dass er sich aus der Umklammerung seiner Leute befreit hatte, wirbelte Lumz auch schon wieder herum, doch das Letzte, was er von seinem Erzfeind erblickte, war, wie dieser unter wüsten Flüchen von vier seiner Berggoblins in Sicherheit gezerrt wurde.
„Stiiiiirb, Arschloooooch!!!“, schrie der Häuptling aus den Bergen zum Abschied.
„Halt`s Maul!“, lautete die ebenso herzliche Antwort aus dem Vorgebirge.
Mit diesen letzten Worten beendeten die beiden also ihre Bekanntschaft. Im Nachhinein war es fast schon ein wenig traurig. Da stritt man sich drei Jahre lange und dann so etwas ...
Im nächsten Moment prallten scheppernd die beiden Kampfmobs aufeinander und versperrten Lumz endgültig die Sicht.

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