Never ending pain

vor 5 Mon.
Felicia hat eine schwere Last zu tragen, die sie keinem ihrer Freunde anvertrauen kann. Sie hat ihre Lebenslust verloren und vor allem den Männern abgeschworen. Nur ein Mann kann bei ihr durchdringen, aber kann er ihre Ängste und Probleme akzeptieren?
Sunrise Avenue Drama P16 Romanze In Arbeit
Bemerkung des Authors: Ich würde mich super über Kommentare freuen, damit ich weiß, wie euch die Story bis jetzt so gefällt :-D

Kapitel 4

„Hey Träumerchen“, der blonde Mann holte mich aus meinen Gedanken zurück. Der Anzugtyp war verschwunden, anscheinend war das Gespräch beendet. „Dein Cocktail ist echt super. Jedes Kind wäre wahrscheinlich davon begeistert. Ich meine, natürlich trinke ich viel lieber was mit mehr Wums, aber das hier ist echt voll in Ordnung. Was ist da drin? Schmeckt nach ziemlich viel Orangensaft“, er verfiel wieder in seinen Redeschwall, den ich aber gespannt mit verfolgte. Seine Stimme hatte etwas, dass mich in den Bann zog und ich einfach nur zuhören wollte.
„Du redest schon wieder so viel!“, stellte ich fest. „Stimmt. Stört es dich? Tut mir leid, selbst wenn es dich stört, kann ich nichts dagegen tun. Es liegt in meiner Natur. Okay.... vielleicht auch irgendwie etwas an meinem Job“, schmunzelnd überlegte er. „Was arbeitest du denn?“, fragte ich neugierig. Die Augen des Mannes zuckten zu mir zurück und er schien kurz verunsichert zu sein. „Äh, ich bin in der Musikbranche. Ich muss viel reden können“, erklärte er und schien zufrieden mit dem zu sein, was er gesagt hatte.

„Nur mal interessehalber. In meinen Gedanken bist du zwar das hübsche, blonde Mädchen, aber dein Namen interessiert mich doch“, auffordernd sah er mich an. Hübsches, blondes Mädchen? Fast hätte ich lachen müssen, vergaß es dann aber doch schnell. „Felicia. Du?“, fragte ich neugierig. War es falsch, sich doch ein kleines bisschen für diesen Mann zu interessieren? Wer wusste schon ob er nicht genauso war wie....? Um Himmels willen, konnte jemand diese beschissenen Gedanken abschalten? „Samu“, sagte er und lächelte. Sofia kehrte vom Klo zurück, sah kurz zu Samu, dann zu mir, runzelte die Stirn und drückte sich mit so weit Abstand wie nur möglich an mir vorbei. Seufzend sah ich ihr nach. Sie hasste mich bestimmt. „Hast du Lust mir diesmal eine deiner „Erwachsenen-Cocktails“ zu mixen?“, fragte Samu. „Klar. Irgendwas bestimmtes?“, fragte ich. „Wie gesagt, ich mag Überraschungen“, erwiderte er. Ich stellte meine Utensilien auf die Bar und mischte ihm meinen extremsten Killercocktail zusammen.
„Wow, okay. Soll ich dich jetzt Killerlady nennen?“, fragte er und verzog das Gesicht. „Mein Name ist Bond, Feli Bond“, schlug ich ironisch vor und machte eine typische Bond Bewegung mit der imaginären Pistole. „Das heißt aber nicht, dass du irgendwas in den Cocktail gemixt hast, weil du die Lizenz zum töten hast, oder?“, er brachte das so trocken rüber, dass ich tatsächlich etwas lächeln musste. Erstaunt sah Samu auf, sagte aber nichts.

Mein Blick ging zur Tür, die gerade geöffnet wurde. Mich packte auf einmal eine Heidenangst und aus Reflex heraus, versteckte ich mich unter der Bar, sodass man mich nicht sehen konnte. Samu sagte zum Glück nichts, obwohl er vermutlich mehr als verwirrt zu sein schien. Ich war erstarrt vor Angst. Wieso traute er sich überhaupt noch hierher? Er hatte mein Leben zerstört und jetzt tauchte er einfach so in diesem Laden auf. Mir traten die Tränen in die Augen, meine Hände zitterten wieder unentwegt und verkroch mich in die letzte Ecke unter dem Bartisch. Ich wusste, dass ich wohl oder übel keine Wahl hatte, als irgendwann wieder hervorzukommen, aber nicht wenn er noch hier drin war. Plötzlich trat neben mir Sofia auf den Boden, blieb kurz stehen und setzte sich dann ruckartig neben mich. „Feli?“, sagte sie leise.
Im Augenwinkel sah ich, dass sie gerade dabei war, einen Arm um mich zu legen. „Lass mich“, zischte ich und rutschte hervor. „Lasst mich doch einfach alle in Ruhe“, sagte ich etwas lauter, stand wieder auf, schnappte mir ein Taschentuch und wischte mir Tränen weg, dann bahnte ich mir einen Weg vor die Bar schnurstracks auf die Tür zu. Ihn sah ich zum Glück nicht, vermutlich hätte er sich gleich noch eine eingefangen, wenn er hier gesessen wäre. Doch Samu saß noch immer auf seinem Hocker, als ich kurz vor der Tür war, drehte er sich um und fasste mit seiner Hand auf meine Schulter und wollte mich davon abhalten zu gehen.

Wieder wurde ich durch diese Berührung zur Furie. Und es tat mir fürchterlich leid für Samu, aber das ging zu weit. Aus Reflex heraus holte ich aus und gab ihm eine saftige Ohrfeige, die ihn erstaunt zurück weichen ließ. „Finger weg von mir!“, fauchte ich und verschwand nach draußen. Ich rannte, mal wieder, rannte nach Hause und verkroch mich dort in meinem Bett. Mein Tränenvorrat war innerhalb weniger Minuten aufgebraucht und wieder starrte ich wie am ersten Tag nur an die Wand und rührte mich nicht. Es war gerade bergauf gegangen und jetzt? Hatte er mal wieder alles zerstört. Das war nun wirklich mein Ende. Ich hatte einen Neuanfang begonnen, aber jetzt hatte ich alle die mich vielleicht etwas mochten zurückgestoßen und ich wusste, dass mich Niilo, Sofia und auch Samu gerade einfach nur hassten.
Mein Weg ging ins Bad. Ich hatte es unzählige Male in Romanen gelesen und im Fernsehen gesehen. Und doch hatte ich jetzt eine rießen Angst davor es selbst zu tun. Was machte das für einen Menschen aus mir? Ein Mädchen, dass aus unerklärlichem Grund nicht weiter wusste und sich somit das Leben nahm? Zum Glück würde ich das Gerede darüber nicht mehr hören. Ich legte mich in meine Badewanne, griff nach einer neuen Verpackung von Rasierklingen und öffnete diese.
Meine Hände verselbstständigen sich. Ich konnte nichts mehr kontrollieren. Die erste Klinge setzte ich an meinem linken Arm an und drückte. Es ging so schnell, dass ich den Schmerz zu erst nicht spürte. Meine Hand schnitt meine Pulsader längs auf. Viel zu schnell flossen Mengen an Blut aus meinem Arm, dass mir sofort schwummrig wurde. Dann fuhr meine Hand zum anderen Arm und tat genau dasselbe. Es tat höllisch weh. Aber meine Gedanken fingen langsam an zu verschwimmen und das war ein fantastisches Gefühl. Plötzlich wurde die verdammte Badezimmertür aufgerissen und Sofia trat mit Niilo ein. Die Stimmen hörte ich nur am Rande.

„FELI! Ach du scheiße. Schnell, Niilo. Ruf den Krankenwagen!“, schrie Sofia. Sie kramte etwas aus meinem Schrank und schon spürte ich etwas auf meinen Armen. Sofia drückte zu. Ich fühlte meine Beine inzwischen überhaupt nicht mehr und mir war sehr schwindelig, was mich sofort in eine Bewusstlosigkeit lotste, die förmlich nach mir schrie. „Bleib da! Feli! Bitte. Wir brauchen dich doch! Bitte, Feli. Das kannst du uns nicht antuen“, Sofia flüsterte bettelnd. Sie hielt mich davon ab in das tolle Licht zu gehen, was so verlockend für mich leuchtete. Wenn ich mich nicht total irrte, sah ich kurz meine Eltern am Ende dieses Lichtes. Ich wollte sie sehen! „Feli!“, bettelte Sofia. Wieder hielt sie mich davon ab, vollkommen wegzudriften.
Verflucht! Ich wollte doch nur meine Eltern sehen und keinen Schmerz mehr fühlen. Um mich herum wurde es plötzlich noch lauter und ich hörte für mich unbekannte Leute. Wieder wurde an mir herumgerüttelt. Aber ich hatte nicht die Kraft irgendjemanden anzuschreien, dass sie ja die Finger von mir lassen sollten, geschweige denn hörte mein Mund sowieso nicht auf mein Gehirn. Das verlockende Licht verschwand plötzlich und ich sah nur noch Dunkelheit. Die Stimmen waren plötzlich weg und ich spürte absolut gar nichts mehr.


An meine erste Krankenwagenfahrt konnte ich mich nicht erinnern. Aber nach dem was die Ärzte mir erzählt hatten, war es wohl auch keine tolle gewesen. Zweimal mussten sie anhalten, weil sie um mein Leben gebangt hatten, aber jetzt war ich anscheinend außer Lebensgefahr. Es war jedes Mal eine riesige Qual für mich die Kontrollen über mich ergehen zu lassen, weil alle paar Minuten jemand an mir herumfummelte. Niilo und Sofia durften mich noch nicht besuchen, aber laut der Krankenschwester Mara, war ab morgen auch das wieder erlaubt. Genau diese saß gerade an meinem Bett und versuchte mich darüber aufzuklären, was so ein Selbstmordversuch denn überhaupt bedeutete.
„Hör zu, Felicia. Ich kenne dich jetzt schon drei Tage. Du hast mit mir fast kein Wort gewechselt. Ich muss wissen, wieso du dir dein Leben nehmen wolltest. Mit deinen Freunden hatte ich auch schon ein Gespräch. Sie meinten, dass du seit ein paar Tagen wie ein völlig neuer Mensch seist. Ist irgendetwas passiert, dass dich verändert hat?“, fragte sie vorsichtig. Ich mochte sie irgendwie. Aber das konnte ich ihr nicht anvertrauen. Niemandem konnte ich das anvertrauen. „Du hast blaue Flecken, an Stellen die für mich als Krankenschwester, nicht ganz unbekannt sind. Ich falle unter die Schweigepflicht. Alles was du mir hier erzählst, bleibt zwischen uns. Ich sage es nicht weiter. Aber sag mir was passiert ist, damit ich dir helfen kann“, erklärte sie.
„Sie wissen es doch, wieso wollen sie es dann von mir hören?“, fragte ich schließlich. Es hatte ja doch keinen Zweck. Aber aussprechen werde ich es auf keinen Fall. „Es ist der erste Schritt. Wenn du das willst, schlag ich dir eine sehr nette Frau vor, die sich mit dir eine Weile unterhält. Sie kennt sich mit Frauen wie dir aus. Sie könnte dir helfen“, schlug sie vor. „Eine Therapeutin? Nein, auf gar keinen Fall. Ich werde darüber nicht reden“, weigerte ich mich. „Okay. Aber ich schreib dir ihren Namen und die Adresse auf. Vielleicht kommst du irgendwann darauf zurück. Aber glaub mir, es gibt Auswege. Es gibt immer Auswege, auch wenn es im Moment nicht danach aussieht. Du hast sehr gute Freunde und sie werden verstehen müssen, dass du im Moment nicht so für sie da sein kannst wie früher, aber du musst dir klarmachen, dass sie für dich da sind. Die Schmerzen lassen nach. Ich weiß, dass du Berührungsängste hast. Übe mit deiner Freundin. Sie hilft dir sicherlich“, schlug Mara vor und erhob sich.

Ich wusste, dass ich das was sie mir versuchte klarzumachen wirklich ernst neben sollte, aber im Moment ging das einfach nicht. Trotzdem schwor ich mir etwas und das wollte ich tatsächlich durchziehen. „Okay“, erwiderte ich. Zufrieden nickte Mara und ging aus dem Zimmer. Ich sah auf meine Arme. Sie waren komplett in Verbände gehüllt. Wenn ich daran dachte, wie es darunter aussehen musste, könnte ich mich wirklich übergeben. Schnell konzentrierte ich meinen Gedanken wieder auf meinen Schwur. Ich würde Niilo und Sofia nicht mehr anschreien. Anvertrauen würde ich mich ihnen immer noch nicht, aber ich wollte mein Leben normal weiterleben. Ich würde mit ihnen Kaffee trinken gehen oder abends in eine andere Bar als unsere. Sie sollten sich keine Sorgen mehr um mich machen. Mit diesen Gedanken legte ich mich schlafen und viel in ein traumloses Land.

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Es wurden noch keine Kommentare geschrieben.