Den Sternen so nah

vor 11 Mon.
give me the worst of you to hold. give me the best of all the grace. you make life worth living. // In den Bergen von Distrikt 2 nahm alles seinen Anfang. Zwei Kämpfer, die sich nach Ruhm sehnten. Zwei Krieger, die nie an etwas anderes als den SIeg dachten. Zwei Menschen, die nicht damit gerechnet hatten sich in einandner zu verlieben. Sie waren..
Die Tribute von Panem Romanze P16 Tragödie/Leid In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

One.

Take what you need, darling
I'm just here for you
Give me your love and physical affection
Give me the worst of you to hold
Didn't take me to the heavens
Give me the best of all the grace
You make life worth living
You make life worth living
- Life Worth Living, Laurel

Es war nicht so, als würde Clove Cato nicht kennen. Sie tat es durchaus. Jeder tat es. Er war Cato Hadley. Seine Familie war wie ein offenes Buch und sie hatte viel Zeit damit verbracht, ihre Gegner genau zu beobachten. Besonders wenn es die Freunde ihres Bruders waren. Doch als er sie in diesem Moment ansah, so eindringlich und liebevoll, fragte sie sich, ob sie ihn wohl jemals wirklich gekannt hatte. Ob niemand ihn wirklich gekannt hatte. Vielleicht nicht mal er selbst. 
Es kostete sie keine Überwindung sich nach vorne zu beugen und Catos Oberlippe zwischen ihren Lippen einzufangen. Sie verteilte federleichte Küsse seinen Hals entlang und an seinem Schlüsselbein, während er seine Arme noch fester um sie schlang. Er fuhr mit seinen Finger sanft unter ihr Top und malte verspielte Muster auf ihre weiche Haut. Sie seufzte und lehnte ihren Kopf zurück. 
„Du solltest jetzt gehen“, wisperte Clove, die Lippen geschwollen. 
Cato ließ von ihr ab und schaute sie mit hochgezogenen Augenbrauen an, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. „Bist du dir da sicher, Clovie?“ Er liebkoste die Stelle, an der ihr Hals in ihre Schulter überging und sie war fast versucht nach zugeben, aber das ging nicht. Nicht heute.
Clove drückte ihn an den Schultern von sich und krabbelte von seinem Schoß herunter. 
„Ja, bin ich. Die Nachtwache kommt gleich in meinen Korridor und ich habe keine Lust wegen dir die große Halle zu schrubben“, erklärte sie.
Er zog sie an den Handgelenken wieder näher zu sich und umschloss sie mit seinen starken Armen. „Dann müssen wir eben ganz leise sein. Das kennen wir doch schon“, meinte er und fuhr mit seinen Fingern sanft auf dem Stückchen Haut entlang, welches zwischen dem Ende ihres Tops und ihrer Hose bloß hervor lag. 
Sie schloss die Augen und wusste noch bevor er sie mit einer fließenden Bewegung mit aufs Bett zog, dass er sie wohl überredete hatte die Nacht hier zu verbringen.
Clove seufzte leicht und biss ihm sanft in den Hals. „Du bist unmöglich“, murmelte sie, während sie sich neben Cato auf die Matratze fallen ließ.
„Clovie“, flüsterte er leise und strich mit seinem Daumen langsam über ihre Unterlippe. „Warum so nervös?“
„Ich bin nicht nervös. Ich will nur heute noch schlafen“, erwiderte sie. „Ich hab morgen einen wichtigen Kampf.“
„Ah ja, der mit Lydia“, erinnerte er sich. „Den gewinnst du doch locker. Aber wenn du wirklich angespannt bist, wüsste ich etwas, was dagegen hilft.“ Er grinste wieder bei dem Gedanken.
Sie ignorierte den Kommentar von Cato einfach, obwohl sie innerlich lächeln musste. Clove konnte es nicht unterdrücken, aber ganz kurz dachte sie an die langen verschwitzten Nächten, von denen sie wollte, dass sie nie enden würden. Wo sein Körper mit ihrem verschmolz und das Keuchen aus ihren Kehlen zu einem stetigen Geräusch wurde, von dem sie glaubte, dass es für einen kurzen Moment das Pochen ihres Herzens ersetzen könnte „Halt die Klappe, Cato.“ 
Clove schaute Cato an, wie sie es bei niemand anderem tat. Sie betrachtete seine Muskeln, welche sich über seinen ganzen Körper hinzogen. Die Perfektion eines Gottes. Niemand könnte je etwas Perfekteres, etwas Vollkommeneres schaffen, als ihn. Es war nicht wohl eine Vermutung, es war eine Erkenntnis. Sie entdeckte die vielen Narben auf seinem Rücken und obwohl sie auf dem ersten Blick als abstoßend galten, war es das, was sie am meisten an ihm begehrte. 
Cato war keinesfalls der Held im Märchen. Er war der Bösewicht, der abends durch die Schatten schlich. Und es war doch belegt, dass die Mädchen das so viel mehr begehrten. Vielleicht weil die Anti-Helden um einiges menschlicher sind. Denn sie haben Schwächen. Sie zerbrechen, sie zerbersten und stehen doch wieder auf, wie der Phoenix aus der Asche.
Und vielleicht war es das, was Clove am meisten an ihm bewundert und er auch an ihr. Sie standen wieder auf, selbst wenn es nichts gab, worauf sie stehen konnten. Wenn da nur der Abgrund war, ohne Ende, ohne die andere Seite. Nur das bodenlose Tief, das die Scheiterung zurück schallte, wenn man nur lange genug hinein schrie. 
Er würde dieses Jahr der Glückliche sein, der in die Spiele ziehen durfte. Sie machte sich keine Sorgen. Cato war wie geboren für diese Spiele. 
Sie würde hier bleiben und im Fernsehen sehen, wie er sein blutgetränktes Schwert durch die Luft schwenkt und es hinauf zum Himmel richtet, wie eine Trophäe, wie der letzte Stein, den er aus dem Weg räumen musste, wenn er gewann, anmutig, brutal.
Clove bewunderte ihn für seine Präsenz. Egal wie sehr man sich auch anstrengte, wie viele Kehlen man aufschlitzte, wie oft man der Erste sein würde, man würde nie so auftreten wie er es tat. Vielleicht schon aus dem einfachen Grund, dass niemand je der Erste sein würde. 
Ja, Clove bewunderte ihn dafür, doch das war nicht immer so gewesen.

4 months earlier:
Clove vermied es Cato an zusehen, als sie sich neben Aimee in der Cafeteria auf ihren Stuhl fallen ließ. Cato und ihr großer Bruder Morson saßen eine Reihe vor ihnen und Clove konnte jeden Catos Blicke auf sich spüren wie ein unheilvolles Prickeln. Clove hatte keine Lust seinen Blick zu erwidern, also tat sie so, als würde sie ihn nicht bemerken und aß stillschweigend ihr Müsli. Doch sie wusste, wie die Sicherheit der am Morgen aufgehenden Sinne, dass Cato wusste, dass sie seine Blicke bemerkt hatte. Und Clove hatte die schwere Befürchtung, dass er sie später noch dafür bestrafen würde, dass sie ihn einfach ignoriert hat. Niemand ignorierte Cato Hadley. 
„Hast du es ihm schon erzählt?“, fragte plötzlich Aimee neben ihr.
„Cato? Nein“, erwiderte Clove. „Ich nutze den Überraschungsmoment.“
„Cato?“, Aimee schien verwirrt. „Ich meinte Morson.“
Clove ließ ihren Löffel in die Schüssel fallen. „Warum sollte ich? Er wird sauer auf mich sein und ich habe keinen Bock, mich die letzten Monate vor den Spielen mit ihm zu streiten.“
„Bist du sicher, dass du das tun willst?“, fragte Aimee. „Dich für die Hungerspiele melden, für die der beste Freund deines Bruders sich melden wird? Ich meine, das ist irgendwie hart, selbst wenn ihr euch nicht besonders leiden könnt.“
„Aimee, jetzt hör mir mal gut zu“, Clove drehte sich auf ihrem Stuhl zu ihr und schaute ihr tief in die Augen. „Ich will diese Spiele gewinnen. Ich will Ruhm und Annerkennung. Das ist die einzige Möglichkeit an so etwas zu gelangen. Ich meine, Mädchen und besonders Mädchen meiner Statur können nie Friedenswächter werden. Die Spiele sind die einzige Möglichkeit. Und glaub mit, Cato Hadley zu schlagen wird mir die Ehre verschaffen, die ich verdiene.“
Cloves größte Angst war schon immer die gewesen, dass sie in der Menge untergehen könnte. Einfach so verschwinden, wie den Ohrring, den man nur kurz fallen gelassen hatte. Auf der Welt kamen und gingen so viele Menschen, ohne dass es ihr irgendwas genutzt hatte. War so was nicht schrecklich? Zu leben und zu wissen, dass du nur Statist in jemand anderer Geschichte bist? Clove war zwar klein, aber sie hatte das Ziel ganz groß zu werden. Ihr Name sollte fallen, wenn man von den Siegern Distrikt 2 sprach und er sollte als erster fallen.
Aimee nickte und wandte sich wieder ihrem Frühstück zu. Trotzdem schien sie noch nicht ganz überzeugt zu sein. „Sei trotzdem vorsichtig, Clove.“
Clove runzelte die Stirn. „Was meinst du damit?“
„Ich meine damit, dass du dir nichts vornehmen sollst, das du nicht schaffen kannst.“
Clove kniff die Augen zusammen. „Du traust es mir nicht zu Cato zu töten, oder?“ Gerade von ihrer besten Freundin hatte Clove ein bisschen mehr Verständnis erwartet.
„Doch, natürlich“, entgegnete Aimee sofort. „Hat Brutus es abgesegnet?“
Clove nickte. „Ja, er hat den Antrag heute Morgen bei Lyme eingereicht.“
„Dann gibt’s wohl kein Zurück mehr“, meinte Aimee gedankenverloren. „Aber du schaffst das schon. Wenn sogar Brutus es sagt.“
Clove nahm einen vollen Bissen von ihrem Löffel und grinste. „Das ist genau das, was ich von dir hören wollte.“
Ihr Gespräch wurde unterbrochen, indem Cato und Morson vor ihnen aufstanden und ihre Stühle mit einem Quietschen hinter sich schoben wurden. 
Man konnte genau sehen wie Catos sehnige Oberarmmuskeln sich an das feine Polyester seines Shirts schmiegten, jedoch bereit das feine Material bei der nächsten Bewegung zu zerbersten. Clove biss sich auf die Lippe, während sie sich vorstellte, wie seine Muskeln wohl ohne das Trainingshirt aussahen.
Clove hoffte dennoch, dass sie einfach an ihnen vorbei in die Halle gehen würden, doch dem war leider nicht so.
„Ich hoffe, dass du heute Abend kommst, Clove“, sagte Cato zu ihr. „Morson hat erzählt, dass deine Eltern extra ein schönes Kleid für dich gekauft haben.“
Cloves Blick wanderte zu ihrem Bruder. „Ach, du redest also mit ihm über mich und meine Kleider?“
„Ja, leider bist du auch ein Teil in meinem Leben. Wenn auch ein sehr nerviger Teil“, meinte Morson und Clove verdrehte die Augen. Sie war die Nörgeleien ihres großen Bruders längst gewöhnt. „Aber auch nur, weil Mum und Dad nicht aufhören konnten, davon zu reden. Und ach ja, ich soll dir ausrichten, dass du heute um 3 Uhr beim Schneider sein sollst, falls sie noch irgendetwas ändern müssen.“
Clove zog eine Augenbraue hoch. „Ach, und das konnten sie mir nicht persönlich sagen?“
Morson zuckte mit den Schultern. „Ich habe eh gerade mit ihnen telefoniert, also…“
Clove sparte sich dazu einen gehässigen Kommentar zu geben und seufzte stattdessen: „Na super, jetzt muss ich wegen dir meine halbe Nachmittagseinheit ausfallen lassen.“ Das ging wieder an Cato. Wie gern sie dieses Essen doch ausfallen lassen würde. Aber diese Dinners für die privattrainierten Schüler bei den Hadleys waren sehr wichtig für Cloves Ruf und auch allgemein eine Ehre. Wenn das nicht nur Cato und seine nervige kleine Schwester Io wären. Allgemein konnte sie mit der ganzen Familie nichts anfangen. Catos große Schwester Miranda hatte bereits die Spiele gewonnen und saß meistens nur still auf ihrem Stuhl, während sie die ganze Welt hasste. Io war total verwöhnt und nervig. Sie versuchte ständig Cloves Aufmerksamkeit zu erlangen und machte sich bei allem wichtig. Ganz wie ihr großer Bruder. Mr. und Mrs. Hadley schienen von außen sehr nett und Clove glaubte auch, dass sie sie mochten, aber mit denen legte man sich besser nicht an. 
Und Cato war einfach nur arrogant, ein begnadeter Schwertkämpfer, überheblich, leider wahnsinnig attraktiv, von sich selbst überzeugt, aggressiv und ein Arschloch schlechthin. Nur für seinen Ehrgeiz bewunderte Clove ihn. 
Cato schenkte ihr noch ein schadenfreudiges Lächeln, bevor er mit Morson verschwand.
„Gott, wie ich ihn hasse“, murmelte Clove, trotzdem konnte sie es nicht lassen ihm nachzusehen. 
Aimee zuckte nur mit ihren Schultern. Damit war das Gespräch beendet und sie aßen ihr Frühstück auf, bevor der schrille Signalton das Ende der Frühstückszeit verkündete. 
Clove nahm ihre Messer vom Tisch und sortierte sie sorgfältig in ihre Weste ein. Danach machten Clove und Aimee sich auf dem Weg zum Training. An der Waffenkammer mit den Speeren trennten sich ihre Wege und Clove wanderte in den Kraftraum. Brutus wartete bereits etwas abseits von der Gruppe, die gerade dort trainierte, mit ein paar schweren Medizinbällen. 
Clove mochte es viel lieber von einem Sieger trainiert zu werden, als in einer Gruppe. Man wurde besser und sicherte sich einen Platz in den Spielen. Und einen Platz an der Tafel von Adrian und Rowena Hadley. 
„Hey Clove, hab den Antrag heute bei Lyme eingereicht“, begrüßte Brutus sie und reichte ihr einen der Medizinbälle.
„Super“, meinte Clove nur.
„Du scheinst nicht so begeistert zu sein“, ihr Gegenüber runzelte die Stirn.
„Es ist nur, dass wir die zweite Einheit heute ausfallen müssen, weil ich noch zur Anprobe für mein Kleid muss“, seufzte Clove. „Wegen des Dinners bei Catos Eltern.“
Brutus dachte einen Augenblick nach. Ihm schien es wohl auffallen, dass Clove diesen Jungen irgendwie mit allem in Verbindung brachte. Viel zu oft, als dass es etwas mit Hass zu tun haben konnte. „Diese Essen bei den Hadleys sind sehr wichtig für deine Popularitä…Du holst das Training nach.“
Innerlich stöhnte Clove etwas. Sie wollte jedes Training, das sie bekommen konnte, aber das hieß wahrscheinlich nachts im Wald Brutus harte Schläge mit dem Schwert versuchen abzuwehren, während sie selbst die meiste Zeit orientierungslos durch das Unterholz ging und hoffte, dass er nicht gleich von hinten angreifen würde. Aber sie musste es machen. Denn so wohl Brutus als auch Clove wussten, dass Cato Clove um einiges mehr als 1 Jahr überlegen war. Und das konnte mehr als nur ihren Tod in den Spielen bedeuten. 
„Ja, natürlich“, antwortete Clove. 
Brutus nickte. „Gut. Wir fangen mit Kraft an. Schmettere den da“, er deutete auch den Medizinball. „Gegen die Puppen.“
Das Gesicht der Strohpuppen war Clove in den letzten Jahren sehr vertraut geworden. Das ausdruckslose Gesicht, der üppige Körperbau. Es machte ihnen nichts aus zu fallen, sie waren dazu geschaffen. Jeden Tag. Immer wieder. Bis auf diesen Unterschied fand Clove, dass sie viel mit ihnen gemeinsam hatte. Doch Clove wurde geschaffen um zu siegen, um auf zusteigen. Sie war geschaffen um alles zu tun. Nur nicht zu fallen. Niemals zu fallen. 
Nichtsdestotrotz erwischte sie sich immer wieder dabei, wie sie sich nachts in die Trainingsräume schlich und die Puppen wieder zusammennähte. Um sich daran zu erinnern, dass es auch anders kommen könnte. Dass je weiter man aufstieg, nur ein falscher Schritt genügte, um tief in den Abgrund zu fallen. 
Clove sah die Dinge, anders als Cato, in verschiedenen Blickwinkeln. Sie war sich der Konsequenzen bewusst und sie würde sich nie im Leben überschätzen. Cato hingegen war so sehr von sich überzeugt, von allem was er tat. Clove wartete nur darauf, bis er fallen würde. Aber vielleicht würde er es ja nie. Vielleicht tat er all diese Dinge nur, weil er wusste, dass er immer siegen würde. Und das machte Clove am meisten Angst.
Innerlich verdrehte Clove die Augen, weil sie schon wieder an Cato denken musste. Wie oft waren ihre Gedanken heute schon zu ihm abgeschweift? Oder würden es noch tun? 
Clove nahm den Medizinball, holte Schwung und schmiss ihn auf die Strohpuppen. Sie musste nicht einmal hinsehen um zu wissen, dass sie nicht einmal die Hälfte ungeworfen hatte.
„Das kannst du aber besser“, sagte Brutus nur und gab ihr einen neuen Ball. Während Clove ihn warf, dachte sie nur an die Puppen und wie sie sie zusammennähte.

Clove erreichte den Schneider mit einer halben Stunde Verspätung, die sie mit Duschen verbracht hatte. Sie wollte schließlich nicht verschwitzt ihr Kleid anprobieren. 
Ihre Eltern warteten schon auf sie.
„Na, keine irren bergespringende Junkies, die ihr retten müsst?“, begrüßte Clove ihre Eltern, während eine Frau ihr ihre Jacke abnahm. Ihre Eltern waren Chirurgen und hatten eine eigene Praxis nicht weit von ihrem Haus. Clove wohnte in einer der etwas abseits stehenden Bergdörfern, doch irgendwo im Nirgendwo eine Praxis auf zumachen, war nicht sehr zentral und praktisch. 
Ihre Patienten waren meistens irgendwelche Junkies, die frei kletterten, versuchten über die Stromzaun zu springen oder der Klassiker: Arrogante, selbst überzeugte Schüler aus der Akademie, die noch nicht gelernt hatten, ihre Fähigkeiten einzuschätzen. 
Dass ihre Eltern genau das Gegenteil von dem machten, was sie machen wollte, störte Clove nicht. Cloves Eltern wurden nicht wegen dem Lebenretten Chirurgen. Sicherlich nicht wegen dem Lebenretten.
„Die sind alle so weitgehend stabil“, sagte Cloves Vater Limerick. „Wir hatten letztens einen mit einer offenen Bauchfraktur. Die Gedärme hingen ihm wortwörtlich heraus.“
„Hat er überlebt?“, wollte Clove wissen.
„Nein“, antwortete Limerick. „Aber es war verdammt cool.“
„Du solltest nicht so darüber reden, Jackson“, meinte Cloves Mutter Perth und kam auf sie zu. „Man weiß nie, was die Menschen noch so mitkriegen.“
Limerick schüttelte den Kopf. „Deine Mutter und ihr Aberglaube.“
Clove glaubte nicht an solche Dinge. Sie hatte Menschen sterben sehen. Auf dem OP-Tisch ihrer Eltern, in der Akademie, auf den Straßen in Distrikt 2. Wenn man tot war, war man tot.  Daran war nichts Übernatürliches. 
„Lass Mum doch ihren Spaß“, sagte Clove. „An irgendetwas muss man doch glauben. Morson zum Beispiel glaubt immer noch, er sei besser im Training als ich. Ich lasse ihm den Spaß.“
„Du verträgst dich doch mit deinem Bruder, oder Clovie?“, fragte Perth mit zusammengekniffenen Augen. 
„Natürlich. Er ärgert mich und ich stehe über ihm“, antwortete Clove. 
Ihre Eltern seufzten, gingen jedoch nicht mehr weiter darauf ein. So ein Streit zwischen Geschwistern würde sich legen, wenn sie älter waren. 
Die Schneiderin brachte ihr das Kleid und sie verschwand damit in der Umkleide. Es war rot und bodenlang. Clove seufzte, denn sie wusste, dass sie bestimmt Absatzschuhe tragen müsse. Das Kleid passte ihr besser als sie dachte. Der Ausschnitt verlief spitz und das Kleid fiel an ihr herunter, aber es passte sich dennoch ihrer Körperform an. Als Clove es berührte stellte sie fest, dass es aus Seide war. 
Sie hob den Kopf und sah in den Spiegel. Das Kleid sah schön an ihr aus. Schöner, als sie vielleicht erwartet hatte. 
Wenn Clove ganz ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie niemals gedacht so schön auszusehen. Es war schlichtweg einfach nicht ihre Art. 
Sie wendete den Blick von der Clove ab, deren Anblick sie im Spiegel sah. Es war merkwürdig sie als etwas anderes zu sehen als eine Kriegerin, eine zukünftigte Mörderin. Clove hatte immer gedacht, dass dies dasjenige wäre, was sie ausmachte, aber im Spiegel sah sie eine Siegerin und es fühlte sich überraschend gut. Sie gönnte sich einen Augenblick, um die Augen zu schließen und sich vorzustellen, nach ihrem Sieg in so einem Kleid beim Bürgermeister von Distrikt 2 zu Abend zu essen. Sie wollte besonders gefeiert werden, denn in ihr steckte viel mehr als in allen anderen Schülern der Akademien. An ihr war mehr Besonders. Sie war sogar mehr als an Cato Hadley. 
Clove atmete tief ein und trat aus der Kabine. Ihre Eltern und die Schneiderin starrten sie mit großen Augen an, bevor sie sich trauten zu sprechen.
„Du siehst wunderschön aus, Clovie“, stellte Perth fest. Limerick nickte nur. 
Die Schneiderin kam auf sie zu und gab ihre zwei Armstulpen in dem Stoff ihres Kleides. Sie hatten einen etwas dunkleren Ton als das Kleid. „Ja, also ich denke mit den richtigen Schuhen ist die Länge in Ordnung. Ich würde es nur hier und hier etwas enger machen“, sie zeigte auf ihre Brüste und ihre Taille. „Das betont ihren Körper mehr.“
„Wann wären sie dann fertig?“, fragte Perth. „Wir brauchen es heute Abend.“
„Wenn ich mich beeile könnte ich es ihnen so gegen 18.00 Uhr vorbei bringen. Das kostet allerdings extra“, antwortete die Schneiderin.
Perth seufzte, als hätte sie schon damit gerechnet und zückte ihre Kreditkarte. Clove ging wieder in die Umkleide und zog sich um. Für einen Moment schloss sie die Augen und dachte darüber nach, wie Cato wohl reagieren würde, wenn er sie in dem Kleid sah. Clove liebte die Vorstellung Cato aus der Fassung zu bringen, obwohl es ihr noch nie gelungen war. Erst viel später wurde ihr klar, dass es eigentlich genau andersrum war.
Sie übergab das Kleid der Schneiderin und verließ zusammen mit ihren Eltern das Geschäft. Clove sah nicht besonders glücklich dem Abend entgegen. Da würde sie lieber 5 Mal die große Waldrunde absolvieren, aber es blieb ihr wohl nichts anderes übrig
Komisch, Clove hatte nie gedacht, dass Cato ihr Untergang sein würde und noch weniger hätte sie damit gerechnet, dass er auch gleichzeitig ihr Anfang sein würde.

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