Zeig mir das Feuer

vor 11 Mon.
So zu sein, wie man ist, ist verdammt schwer. Und dann auch noch so zu sein, wie man ist, wenn sich alles um einen herum verändert, ist einfach nur hart.
Tokio Hotel Drama P18-M+M Romanze Beendet
Inhaltsverzeichnis

01. Donnerstag, 03. Juli 2014

Hallo, Hallo.

Lange lange ist diese Geschichte her. Denn aufgepasst. Sie ist nicht neu. Ich wurde nur von einigen Lesern angeschrieben, dass der zweite Teil zu "das Mädchen im Regen" nicht mehr da ist.
Verrückte Sache, denn ich habe ihn nicht raus genommen.
Also bin ich dabei die Geschichte rund um Bill, Lea, Tom, Leon und all die anderen verrückten neu hochzuladen. Der vierte Teil fehlt schließlich ebenfalls.

Und noch mal. Es ist der zweite Teil einer Geschichte. Wer den ersten Teil nicht gelesen hat, dem könnten einige Informationen fehlen.
Man muss ihn aber nicht lesen.

1. Teil: Das Mädchen im Regen
2. Teil: Zeig mir das Feuer
3. Teil: Aus Liebe ...
4. Teil: Die Zeit bleibt nicht stehen

und los geht's :)

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Nervös tippelte ein Mädchen am Flughafen herum. Tage, Wochen und Jahre hatte sie auf diesen Augenblick gewartet. Ihr Blick wanderte zur Anzeigetafel, auf der die ankommenden Maschinen aufgelistet waren. Der Flug aus New York war vor einer viertel Stunde gelandet. Und dann sah sie ihn, wie er unsicher umherblickte, als würde er jemanden suchen. Die Jahre hatten ihn verändert, aber sie würde ihr kleines Baby immer und überall erkennen.
So schnell sie konnte drängelte sie sich durch die Menschenmasse hindurch. Er hatte sie noch nicht mal erkannt, als Lea ihn ansprang, ihre Arme in einem Nacken verschränkte und sich so fest sie konnte an ihn drückte.
Ihr kleiner Bruder war zunächst erschrocken, instinktiv erkannte er aber das Mädchen an seiner Brust und drückte sie ebenso an sich.
„Lea“, murmelte Leon glücklich in ihr Haar. Er hatte sie so sehr vermisst. Jeden Tag, jede Sekunde und jede Minute. Die drei einhalb Jahre ohne seine Schwester waren die reine Hölle gewesen. Erst bei ihr konnte Leon wieder Leon sein.

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Geschwister sich losließen. Beide hatten Tränen in ihren Augen und Lea schätzte sich glücklich Bills wasserfeste Schminke benutzt zu haben. Wobei dieser in der letzten Zeit sich sowie so eher selten schminkte.
Leon blickte erstaunt an seiner Schwester auf und ab. Es war kein Wunder gewesen, das er sie nicht erkannt hatte. Sie hatte fast keine Ähnlichkeit mehr der der Lea, die er kannte. Leon wusste nicht, ob er oben oder unten mit ihren Veränderungen anfangen sollte. Ihre Haare waren ganz stufig und fransig geschnitten, trotzdem hatten sie eine beachtliche Länge. Die Farbe war allerdings nicht mehr schwarz, sondern eine Mischung aus Schwarz, Rot und Lila. Leas Augen waren tief schwarz und leicht rot umrandet. Oben herum trug sie ein sehr enges Top mit großem Ausschnitt, eine Hotpants und hohe Schuhe, die ebenfalls in diesem merkwürdigen rot-lila Ton waren. Durch ihre Schuhe war sie viel größer, als normal und ihre Beine wurden optisch bis ins Unendliche verlängert. Die Lea, die Leon kannte, hatte sich nie so figurbetont und reizend gekleidet. Leons Meinung nach traf hübsch es schon gar nicht mehr. Das war sie vielleicht früher gewesen. Aber jetzt. Leon war schon allein davon überwältigt, welche Lebensfreude sie ausstrahlte. Ganz anders als bei ihrem letzten Treffen. Das Einzige, was noch an die alte Lea erinnerte, war das Medaillon um ihren Hals. Das trug sie noch immer um ihren Hals und würde sie auch niemals ablegen.
„Komm lass uns nach Hause fahren“, schlug Lea vorfreudig vor. Sie konnte es kaum fassen. Ihr kleiner Bruder war endlich bei ihr. Sie konnte ihn wieder in ihre Arme schließen und ihn durch Knuddeln so oft und lange sie wollte.
„Nach Hause“, murmelte Leon vor sich hin. Er war gerade von zu Hause gekommen. Dort, wo er jetzt hinkommen würde, war er noch nie gewesen. Leon wusste nicht mal, ob er sich jemals dort wohlfühlen würde. Trotzdem folgte er ihr zuversichtlich aus der Flughafenhalle.
„Wo wohnen wir denn jetzt eigentlich?“, fragte er sie schüchtern. Lachend drehte Lea sich zu ihm um.
„Na bei Bill und Tom, wo sonst?“

Ja, wo sonst? Lea ihr zu Hause war noch nie wo anders gewesen, als bei den Zwillingen. Es war nie einfach gewesen und es würde auch in Zukunft nicht leichter werden. Aber jetzt war ihr kleiner Bruder ja da.
„Komm schon. Sei nicht so langsam“, forderte sie ihn auf. Sie war so voller Energie und glücklich, dass er endlich bei ihr war, dass sie nur noch strahlen konnte. Bill hatte sie in der letzte Zeit immer als kleine Sonne bezeichnet, weil sie immer vor sich hingestrahlt hatte. Da war ihr sogar egal gewesen, dass sie eigentlich hätte lernen müssen, weil sie in ziemlich genau zwei Wochen ihre Abschlussprüfungen hatte. Dann hatte sie ihren Abschluss als staatlich geprüfte Innenarchitektin in der Tasche und konnte anfangen zu arbeiten.
„Lea?“ Ihr kleiner Bruder sprach sie sehr unsicher an. Irgendwie konnte erinnerte er sie ein bisschen sich selbst, als sie so plötzlich in einer ganz neuen Welt gewesen war.
„Ja, was ist denn mein Kleiner?“ Ein bisschen verzog Leon das Gesicht. Er war schon lange nicht mehr kleiner als sie und mochte es nicht so von ihr genannt zu werden.
„Werden … werden sie mich auch mögen?“ Es fiel ihr ziemlich schwer nicht zu lachen, weil es so ziemlich unmöglich war, das Bill und Tom ihn nicht mögen würden.
„Leon. Du bist mein kleiner Bruder. Na klar werden sie dich lieben. Sei einfach ganz du selbst, dann wird schon alles gut.“ Ihr Lächeln beruhigte den Jungen ein wenig. Es war fast so wie früher.
„Alle Zweifel beseitigt?“, fragte sie ihn und griff nach einem seiner Koffer. Leon nickte ein wenig, schulterte seine schwere Tasche und zog den dritten Koffer, den er an Klamotten dabei hatte, hinter sich her.

Zusammen liefen sie nun wirklich zum Auto. Leon bekam ganz große Augen, als Lea vor einem wirklich schönen Wagen haltmachte.
„Ist das deiner?“, fragte er sie ganz verzückt. Lea konnte nicht anders, als die Augen zu verdrehen. Waren denn echt alle Männer gleich und fanden Autos unwiderstehlich? Anscheint.
„Nein, das ist nicht mein Wagen, sondern Bills“ klärte sie ihn auf. „Ich hab noch keinen Eigenen.“
„Warum das denn?“ Leon klang verdammt verwirrt. „Ich dachte Tom und Bill könnten sich etwas-“
„Ich will aber nicht, dass Bill und Tom mir einen Wagen kaufen. Wenn ich bald anfange zu arbeiten, werd ich mir schon einen eigenen Wagen kaufen können und im Moment brauche ich keinen. Bill und Tom fahren, wenn sie denn überhaupt mal fahren, immer mit einem Auto. Und da Tom sowie so meistens darauf besteht zu fahren, kann ich meistens mit Bills Auto fahren“ erklärte Lea und verstaute mit der Hilfe ihres Bruders seine Tasche und Koffer in ihrem Kofferraum. Eine Tasche war schon dort drin. Es war Leas. Immerhin verbrachte sie die meiste Zeit eigentlich auf dem Campus. Sie musste lernen und das tat sie zu Hause eher nicht. Das war sie mit anderen Dingen beschäftigt.

Die Fahrt zu ihren neuen zu Hause dauerte ein wenig. Es war nicht mehr das gleiche Haus, in das sie gezogen waren, als Bill, Tom und Lea nach Amerika gekommen waren. Sie hatten nach einer Weile festgestellt, dass ihr Haus viel zu klein für sie drei war. Außerdem hatte Bill und Toms heiß geliebtes Studio einfach nicht in ihr in den Keller passen wollen. Der Umzug war noch nicht lange vonstattengegangen. Erst nachdem klar gewesen war, dass Leas kleiner Bruder zu ihnen kommen würde, hatten sie sich endgültig auf die Suche nach einem neuen zu Hause gemacht. Ein Haus in der auch endlich ein Studio für Bill und Tom drin war. Sie hatten sogar Lea als Innenarchitektin damit beauftragt ihr neues Haus zu gestalten und das, obwohl sie noch gar nicht fertig mit ihrem Studium war. Jetzt hatte sie wahrscheinlich danach schon eine Festanstellung deshalb. Lea glaubte den Zwillingen noch immer nicht, dass sie da nicht irgendwas gedreht hatten. So einfach ging das nicht. Das Mädchen war sich ziemlich sicher, das sie da ihre Finger im Spiel hatten. Immerhin hatte sie alles, was auch nur irgendwie an ein Danke erinnern könnte, abgelehnt. Es war schließlich ihr Job und, dass sie ihn ordentlich gemeistert hatte, freute sie.
„Lea?“ Wieder wurde sie durch ihren Bruder aus ihren Gedanken gerissen.
„Ja?“ Ganz kurz blickte ich zu ihm, dann konzentrierte sie sich wieder auf die Straße.
„Alles Gute nachträglich zum Geburtstag.“ Ein sanftes Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus. Ihr Geburtstag war noch keine Woche her.
„Danke“, meinte Lea und blickte kurz lächelnd zu ihm.

Dann dauerte es auch gar nicht mehr so lange, bis Lea in eine Einfahrt einbog und ein Haus oder eher eine Villa in Sicht kam.
„Ach du meine Güte!“ Mehr brachte Leon nicht zustande. Lachend schnallte sich das Mädchen ab und stieg aus. Leon folgte ihr ein bisschen langsamer. Das musste er erst mal auf sich wirken lassen. Er hatte nicht geglaubt so, zu leben. Das war ein gewaltiger Unterschied zu dem, was er gewohnt war.
„Willkommen in deinem neuen zu Hause“, meinte Lea zu ihm und öffnete die Tür. Sie ließ ihren kleinen Bruder voran laufen und schloss hinter ihm wieder die Tür.
„Was ist mit meinen Koffern?“, fragte er sie verschüchtert.
„Holen wir später. Oder wir lassen sie holen.“ Sie zwinkerte ihm zu und zog sich dann die Schuhe aus. Lea wusste genau, wie sie Bill und Tom dazu bringen konnte, ihre Sachen rein zutragen. Man könnte auch fast sagen, sie hatte ihre beiden Jungs fest in ihrem Griff.
„Bill? Tom? Ich bin wieder zu Hause!, rief sie dann durch das Haus, bekam aber keiner Antwort. Mit einer Handbewegung verdeutlichte sie ihrem Bruder, ihr zu folgen. Schnell zog Leon ebenfalls seine Schuhe aus und folgte seiner Schwester. Neugierig blickte er sich dabei um.
Heftig zuckte er zusammen, als Lea plötzlich kreischte. Mit großen Augen blickte er zu seiner Schwester. Anscheint war sie von Bill und Tom erschreckt worden, jetzt allerdings lag sie in den Armen des Sängers und wurde in Grund und Boden geküsst. Peinlich berührt blickte Leon wieder weg. Es war ihm ziemlich unangenehm seiner Schwester beim Küssen zu zusehen.

„Hey“, wurde er dann vom älteren Zwilling angesprochen. Leon hatte Tom gar nicht bemerkt.
„Hallo“, grüßte er schüchtern zurück und Tom grinste ziemlich breit.
„Nur nicht so schüchtern sein“, zog er ihn damit auf und Leon blickte peinlich berührt zu Boden.
„Komm lassen wir die beiden erst mal alleine. Ich zeig dir dein Neues zu Hause“, beschloss der Älteste im Hause einfach so und verließ auch schon den Raum. Leon nahm an, dass es so etwas wie das Wohnzimmer war. So richtig umgesehen hatte er sich noch nicht. Dafür wurde er viel zu sehr von seiner küssenden Schwester abgelenkt.
„Na komm schon!“, rief Tom ihm zu und Leon blieb keine andere Möglichkeit, als ihm zu folgen.
„Machen die beiden das öfters?“, fragte Leon den Älteren, nachdem sie den Raum verlassen hatten.
„Ja, beinahe ständig. Ist aber auch kein Wunder. Lea war das letzte Mal vor drei Wochen zu Hause.“
„Wo ist sie denn sonst?“, fragte der Neuankömmling neugierig nach.
„Auf dem Campus der Uni. Sie lernt ziemlich viel, ist aber wirklich supergut, in dem was sie tut. Hier zu Hause wird sie aber zu leicht abgelenkt“, erklärte Tom und blickte sich im Flur um.
„Wovon wird sie denn abgelenkt?“ Leon wollte alles wissen, was seine Schwester betraf. Er hatte sie so lange nicht gesehen und nur ganz selten etwas von ihr gehört.
„Na von Bill“, lachte Tom darüber. „Wer soll sie denn sonst ablenken, außer meinem Bruder? Sie verlegen das lernen dann immer aufs Bett.“ Augenblicklich wurde der 18-Jährige ein bisschen rot um die Nase. So genau hatte er denn doch nicht wissen wollen, was seine Schwester tat. Und schon gar nicht, wenn es um Sex ging, worum es offensichtlich ging.

„Wo sind denn deine Sachen?“, fragte Tom ihn, nachdem er sie nicht entdeckt hatte und er war sich ziemlich sicher, dass die beiden Geschwister noch nicht oben gewesen waren. Das hätten sie gehört, denn immerhin hatten sie das Mädchen erschrecken wollen.
„Noch im Auto“ gab Leon die Auskunft, dann fügte er noch grinsend etwas hinzu. „Ich glaubte, sie wollte, dass ihr sie raus holt.“ Augenblicklich verdrehte Tom die Augen.
„Ja, klar. Das sieht ihr wieder ähnlich“, grummelte Tom vor sich hin. „Komm wir gehen es rein holen.“ Aber anscheint wusste Lea auch, das es gemacht wurde, wenn Lea es wollte. Ein klein wenig schüttelte Leon den Kopf. Seine Schwester war echt der Hammer.
„Meine Fresse“, hörte er im nächsten Moment Tom, der sich beschwerte. Schnell lief Leon aus der Haustür wieder heraus und sah Tom dabei zu, wie er die Taschen auslud.
„Was hast du denn da drin? Die sind ja noch schwerer als Bills Koffer!“
„Warte“, lachend lief Leon zu ihm. „Ich helf dir.“

Zusammen luden sie die vier Koffer aus und liefen zusammen damit direkt nach oben in die zweite Etage.
„Also hier ist Bill und Leas Zimmer“, fing Tom an zu erklären und öffnete die Tür, damit er Leas Koffer darin abstellen konnte. Mehr als ein riesiges Bett konnte Leon aber nicht erkennen, dann hatte Tom die Tür schon wieder verschlossen.
„Bill hat da war vorbeireitet“, erklärte Tom ihn und Leon nickte verstehend. „So dann haben wir hier ein kleines Badezimmer, aber das benutzt von uns niemand. Es ist eigentlich nur für Gäste. Jedes der Zimmer hat eigentlich ein eigenes Badezimmer. Zumindest das von Lea, Bill, mir und dir.“ Leon konnte gar nicht anders, als nur zu nicken. Was sollte er auch anders machen? „Unsere Zimmer sind hier hinten direkt gegenüber. Ganz nebenbei, finde ich, dass es die Schönsten sind.“ Der Gitarrist zwinkerte ihm zu und öffnete dann direkt eine Tür. „Dein Zimmer.“ Neugierig trat Leon an Tom vorbei und in sein neues Zimmer. Es war noch ziemlich weiß und nicht nur mit einem Bett und einem großen Schrank ausgestattet.
„Lea war unsicher“, erklärte Tom ihm und als er sich zu ihm umdrehte, sah er ihn im Türrahmen lehnen. „Eigentlich wollte sie dir ein schöneres Zimmer geben, wenn du herkommst. Aber sie wusste nicht, was sie für dich machen sollte. Sie … sie war ziemlich traurig, weil sie nicht mehr wusste, was die gefallen würde.“ Verstehend nickte der Jüngere. Was sollte er auch machen? Leon wusste auch nicht mehr so richtig, was oder besser wer Lea war. Als sie noch bei ihm zu Hause gelebt hatte, war sie nicht so lebensfreudig gewesen und ganz sicher hatte er sie noch nie küssen sehen. Allein das war schon ein wenig überraschend und anders.
„Du siehst trotzdem ein wenig enttäuscht aus“, stellte Tom fest.
„Was? Ach Quatsch. Ich … ich meinte … ich …“
„Schon gut“, unterbrach Tom sein Gestammel. „Soll ich dich noch ein wenig allein sein, damit du dich einleben kannst? Oder magst du wieder mit runter kommen.“
„Ich würde ganz gerne hier bleiben“, murmelte Leon. Er musste das alles erst mal sacken lassen.
„Okay. Dann bis später.“
„Später?“, fragte Leon nach. Was war denn später?
„Morgen ist doch der amerikanische Unabhängigkeitstag“, lachte Tom mal wieder und schloss die Tür hinter sich. Kaum war die Tür hinter ihm verschlossen, ließ der 18-Jährige sich auf das Bett fallen.

Im Wohnzimmer fiel Bill rückwärts mit Lea auf das Sofa.
„Bill“, wisperte die junge Frau und war schon ganz außer Atem.
„Ich hab dich vermisst, Lea“, flüsterte Bill ihr zu und fing noch einmal kurz ihre Lippen ein.
„Ich hab dich auch vermisst.“ Die drei Wochen, ohne Bill hatten sich hingezogen, wie Kaugummi. Dabei hatte sie eigentlich die ganze Zeit lernen müssen.
„Eigentlich ist vermissen gar kein Ausdruck“, murmelte Bill und fuhr zärtlich mit den Finger ihr Gesicht entlang. Sehnsucht wäre der treffendere Begriff dafür.
„Es dauert ja nicht mehr lang. Dann bin ich fertig“, murmelte Lea und kuschelte sich an ihn. „Nur noch zwei Wochen.“
„Seid ihr jetzt bald fertig?“, erklang Toms Stimme und kurz darauf erschien schon der ältere Zwilling über ihnen. „Ich würd dich nämlich auch ganz gerne begrüßen, nachdem ich dir deinen Bruder schon abgenommen habe.“
„Tut mir leid, Tommy.“ Sie erhob sich vom Sofa, oder eher von Bill und lief um das Sofa herum, damit sie den anderen Zwilling drücken konnte. Ihn hatte sie schließlich ebenfalls vermisst.
„Ich weiß schon, wie du das wieder gut machen kannst“, grinste Tom und Lea verstand ihn. Wissend blickte sie zu ihm nach oben.
„Was soll ich dir kochen, du Nimmersatt?“, fragte sie ihn.
„Egal. Hauptsache es schmeckt und es ist nicht von Bill.“
„Hey!“, beschwerte sich der Jüngere von ihnen und setzte sich auf dem Sofa auf. „Es hat dich ja niemand dazu gezwungen zu essen.“
„Stimmt. Das konnte man auch nicht essen, ohne das einem schlecht dabei wurde.“
„Ich mach euch was“, lachte Lea und verzog sich, bevor die beiden sich nur wieder in die Haare bekamen.
„Sag mal hast du die Küche eigentlich wieder aufgeräumt?“, fragte Tom seinen kleinen Bruder, nachdem Lea weg war. Bill wurde bleich im Gesicht.
„Ich dachte das wolltest du machen!“ Doch dann war es schon zu spät.
„BILL! TOM! Was habt ihr mit meiner Küche gemacht?“

Spät in der Nacht saßen sie zu viert in ihrem Garten. Leon musste sich noch immer das Lachen verkneifen. So aufbrausend hatte er seine Schwester auch noch nie gesehen und er hatte sich auch nie vorstellen können, dass Bill und Tom sich von einem Mädchen so einschüchtern lassen würden.
„Wo hast du so gut kochen gelernt, Schwesterchen?“, fragte er dann seine Schwester. „Das war nämlich wirklich lecker. Ich glaub nicht mal Oma kann so gut kochen.“
„Jede Menge Übung. Immerhin können die beiden Knalltüten nicht kochen und, da ich nicht verhungern wollte, oder mich nur noch von Fertiggerichten und Fastfood ernähren wollte, war das unausweichlich“, erklärte sie. Eigentlich war sie gar nicht mehr so wirklich sauer auf die beiden. Es war einfach nur süß, wie die beiden ihr immer noch entschuldigende Blicke zu warfen. „Und ich hatte eine wirklich gute Lehrerin“, fügte sie noch hinzu.
„Ja, wen denn?“, hakte Leon nach und genoss es mal wieder etwas mehr über seine Schwester zu erfahren.
„Unsere Mum“, kam es von Bill. Überhaupt fiel Leon auf, dass er sehr wenig mit dem jungen Sänger gesprochen hatte. Er war hauptsächlich mit seiner Schwester beschäftigt.
„Kommt Chloe heute eigentlich noch?“, fragte Tom dann Lea. Sie schüttelte mit dem Kopf und grinste.
„Na Gott sei Dank“, murmelte Tom.
„Doch Interesse an ihr?“, fragte Lea den Gitarristen. Augenblicklich setzte dieser sich auf.
„Was? Nein! Spinnst du?“
„Wer ist Chloe?“, fragte Leon Bill leise, während Lea seinen großen Bruder anscheint ganz schön aufzog.
„Leas beste Freundin. Sie ist mit ihr auf der Uni und Chloe steht auf Tom. Man sieht es ihr an, wenn sie zu uns kommt. Sie klebt dann immer an seinen Lippen und ja. Tom will aber nichts von ihr“, klärte Bill ihn auf und lächelte. Sie hatten sich schon vor ein paar Jahren kennengelernt, aber erst jetzt kam es Leon so vor, als würde er den richtigen Bill kennenlernen. Keine Maske oder so etwas. Vielleicht kam ihm das aber auch nur so vor. Immerhin konnte man niemanden schon nach einem Tag richtig kennen.
„Und Lea zieht Tom damit wohl immer wieder auf, oder wie?“, hakte Leon nach. Seine Schwester und Tom rannten inzwischen durch den Garten.
„Ja. Sie mag das“, gab Bill die Auskunft und wenn er ehrlich war, mochte er das auch sehr. Dann waren sie immer so ausgelassen, und wenn Bill ehrlich war, fand er auch, dass Chloe gut zu Tom passen würde, aber wenn er nicht wollte, konnte er ihn nicht dazu zwingen.

Es war kurz vor Mitternacht, als Tom, Bill und Lea eng zusammenrückten. Leon stand da ein wenig daneben und wusste nicht so richtig wohin mit sich.
„Na komm her.“ Lea klopft neben sich auf einen Stuhl. „Du bist doch jetzt auch hier zu Hause.“
„Stimmt, setzt dich zu uns. Gleich kommt das Feuerwerk“, meinte auch Bill dazu.
„Und das sieht man von hier aus wirklich gut“, lachte Tom. So richtig wohl schien der Jüngste unter ihnen sich nicht zu fühlen, aber er kam dem Wunsch seiner Schwester nach und setzte sich zu ihnen. Pünktlich um Mitternacht stiegen die ersten Raketen über der Stadt auf. Tom hatte recht gehabt, man konnte es von ihrem Garten aus wirklich sehr gut sehen. Für die Amerikaner war der Unabhängigkeitstag noch viel wichtiger als Neujahr und so langsam musste Leon einsehen, dass auch er jetzt Amerikaner war. Dass er zumindest auf amerikanischen Boden leben würde.

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SunnyElla 08. Apr 2018

So Teil 2 hätten wir jetzt auch durch. Ich hab eben mal geschaut und gesehen das auch von Teil 4 die Rede ist. Hat die FF einen anderen Namen als angegeben oder finde ich die einfach nicht ? Heute gehts bei mir mit dem 3. Teil weiter - wäre toll wenn du mir auf die Sprünge helfen könntest.
VG Ella