Emerald Dearing- Lethal

vor 8 Mon.
Emerald Dearing ist 18 Jahre alt, als sie sich freiwillig für die 66. Hungerspiele meldet. Sie ist der perfekte Karrieretribut- schön, stark, gefährlich und absolut tödlich. Und das kommt nicht nur bei dem Publikum aus dem Kapitol gut an, sondern auch bei ihrem Mentor Gloss, in den sie sich schnell verliebt. Doch auf ihr lastet ein großer Dr..
Die Tribute von Panem Drama P18 Romanze In Arbeit
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Als ich aufwache, ist es bereits hell in meinem Zimmer. Die Sonnenstrahlen scheinen hinein und wärmen mein Gesicht. Es wird ein warmer, schöner Tag, denke ich. Wäre heute nicht der Tag der Ernte.
Ich entscheide mich dafür, direkt auszustehen und anzufangen, mich fertig zu machen. In wenigen Minuten wird so oder so meine Mutter hineinkommen und mich wecken. Sie ist so versessen darauf dass heute alles perfekt läuft, dass sie schon vor Wochen ein Kleid für mich gekauft und geplant hat, wie ich meine Haare tragen werde. Es muss schließlich alles perfekt sein, wenn ich mich freiwillig für die Hungerspiele melde.
„Wenn du erstmal da bist, übernehmen dann Stylisten diese Aufgabe. Ich bin mir sicher, du wirst das beste Team von allen haben, es wollen schließlich alle Distrikt 1 bekommen“, hatte sie mir dann erklärt. Als ob ich das noch nicht wüsste. Als Stylistin würde ich auch keine hässlichen Hinterwäldler aus den äußeren Distrikten haben wollen. Da bringt wahrscheinlich das ganze Make Up auch nichts mehr.
Und ich weiß, dass meine Mutter es gut mit mir meint. Ich meine, ich habe auch nicht wirklich ein Problem mit den Hungerspielen. Sie sind eine super Chance für jeden, der sich beweisen möchte. Jeder Sieger bekommt endlos viel Geld und ein schönes Haus im Dorf der Sieger. Außerdem ist man dann eine Berühmtheit im ganzen Land.
Aber ich lebe bereits in einem schönen Haus. Ich habe mehr Geld, als ich ausgeben kann und auf die Berühmtheit kann ich verzichten. Selbst wenn es streng genommen das Geld und das Haus meiner Mutter sind, steht es mir doch zur freien Verfügung. Ich lebe bereits das privilegierte Leben einer Siegerin, selbst wenn es nicht mein Verdienst ist. Ich bin glücklich, so wie es jetzt ist.
Und das ist wahrscheinlich das Problem.
Ich habe mein ganzes Leben lang dafür trainiert. Es wäre schließlich eine Schande, wenn die Tochter von Crystal Dearing sich nicht im Trainingscenter blicken lassen würde. Eine Verschwendung von Talent, von angeborenen Fähigkeiten.
Aber, um ehrlich zu sein, habe ich mir nie Gedanken über mehr gemacht. Ich war immer zufrieden mit dem, was ich hatte. Und ich dachte immer, meine Eltern sehen das genauso. Royce war immer derjenige, der in die Hungerspiele wollte. Er war wie versessen darauf, zu trainieren und sich freiwillig zu melden und meine Eltern haben ihn unterstützt. Er war immer der Goldjunge, das Lieblingskind, aber das war mir egal. Ich war glücklich.
Ein Klopfen reißt mich aus meinen Gedanken. „Emerald, bist du schon aufgestanden?“, fragt mich meine Mutter, „Kann ich reinkommen?“
„Klar, komm rein“, antworte ich.
Ich stehe schnell von der Bettkante auf und nehme mein Kleid für den heutigen Tag aus dem Schrank. Es ist schön, keine Frage. Das Kleid ist dunkel rosafarben, ist tailliert, ärmellos und der Teil über der Brust ist durchsichtig. Es glitzert teilweise, ist obenrum eng anliegend und endet über dem Knie. Es ist sicherlich das schönste, und auch teuerste, Kleidungsstück was ich je besessen habe.
„Du wirst wunderschön aussehen“, sagt meine Mutter leise.
Ich ignoriere sie und starre weiter auf das Kleid. Es steht mir perfekt, als wäre es eigenhändig für mich entworfen worden. Ich werde fantastisch aussehen, wenn ich mich freiwillig für den Tod melden werde. Meine Eltern werden stolz sein.
Ich frage mich, wann unser Verhältnis so den Bach runter gegangen ist. Ich glaube, es hat etwa vor einem Jahr angefangen. Nach der Ernte hat sie ständig darüber gesprochen, wie stolz sie auf mich ist und dass ich es unbedingt auch versuchen muss. Es wäre schließlich eine Schande, wenn ihre Tochter nicht in die Hungerspiele gehen würde.
„Du wirst dich heute freiwillig melden, Emerald“, sagt sie. „Du wirst Ruhm und Ehre über unsere Familie bringen und uns wieder zurück nach oben bringen.“
„Zurück nach oben?“, frage ich leise.
„Wir werden eine der berühmtesten Familien Panems werden“, führt sie fort. Sie wirkt ein bisschen neben der Spur.
Das beantwortet meine Frage nicht. „Hast du das zu Royce auch gesagt?“, frage ich sie.
„Emerald, dein Bruder…“, fängt sie an.
„Er ist tot. Er ist tot, weil du ihm gesagt hast, er muss sich freiwillig melden. Du hast ihn umgebracht, Mom! Und jetzt tust du das gleiche mit mir“, unterbreche ich sie.
Meine Mutter starrt mich ungerührt an. Gefühle zeigt Crystal Dearing prinzipiell nicht, selbst wenn es um ihre Familie geht.
„Er hat Schande über unsere Familie gebracht, unseren Ruf zerstört. Du hast keine Ahnung, was ich alles tun musste, damit wir nicht alles verlieren!“, sagt sie laut.
Eine Schande ist er also. Es ist eine Schande, dass er gestorben ist. Wie konnte er es nur wagen?
„Du hast kein Recht, Mutter“, sage ich leise. „Du hast kein Recht, über ihn zu sprechen.“
„Emmie, so war das nicht gemeint, Schatz. Du weißt genau, wie viel Stress wir im Moment haben…“, fängt sie an, aber ich unterbreche sie.
„Nein. Du hast die Wahrheit gesagt. Wenigstens ist es jetzt raus“. Sie starrt mich kurz an. „Emerald, ich…“
„Nein, Mutter. Du warst ehrlich. Und jetzt verschwinde, ich muss mich doch fertig machen“
Ohne noch etwas zu sagen, verlässt sie das Zimmer.
Ich starre auf mein Spiegelbild. Es ist schon komisch, dass wir uns so ähnlich sehen, aber im Inneren so verschieden sind.
Sie war nicht immer so. Irgendwann hat sich etwas verändert und sie ist zu dieser gefühlskalten Maschine geworden.

Nachdem ich meine Haare gelockt und an den Seiten hochgesteckt, mich dezent geschminkt und mein Kleid angezogen habe, sehe ich bewundernd mein Spiegelbild an. Ich sehe schön aus. Sexy. Engelsgleich. Unschuldig, aber das bin ich nicht. Ich werde die perfekte Tributin sein. Und meine Mutter wird stolz auf mich sein.
Ich ziehe die Schuhe meiner Mutter an. Sie sind schlicht und haben einen Absatz, aber keinen, der zu hoch ist um darin zu laufen. Ich muss schließlich als erste bei der Bühne sein.
Sie selbst hat sie ebenfalls bei ihrer Ernte getragen und vielleicht ist das ja eine Art Glücksbringer.
Ein Blick auf die Uhr besagt, dass ich noch eine Dreiviertelstunde Zeit habe, bis die Ernte beginnt. Ich werde aber schon eher da sein müssen, wenn ich einen Platz ganz vorne haben möchte.
Ich verlasse mein Zimmer und gehe die Treppe hinunter in die Küche.
„Hast du dich wieder beruhigt?“, fragt Mom mich.
Ich ignoriere ihre Frage. „Wo ist Dad?“, frage ich stattdessen.
„Dein Vater hat zu tun, aber er wird dich verabschieden kommen“, antwortet sie.
Wow. Natürlich ist die Arbeit wieder wichtiger. Wie sonst auch immer. Könnte ja nur eines der letzten Male sein, die er seine Tochter sieht. Aber welche Rolle spielt das schon?
„Möchtest du noch was essen, Schatz?“, fragt sie dann.
„Nein danke, ich gehe schon gleich los“, antworte ich leise. Ich warte nicht auf Ihre Antwort, sondern gehe direkt nach draußen.
Der Weg von meinem Zuhause im Dorf der Sieger zum Marktplatz dauert zu Fuß nur etwa zehn Minuten. Als ich ankomme, sind schon einige Leute da. In einer halben Stunde wird der Platz voll sein, denn bei der Ernte herrscht Anwesenheitspflicht.
Es ist eigentlich eine Schande, dass die Ernte ausgerechnet hier abgehalten wird. Dieser Ort ist mit Abstand der schönste in Distrikt 1. Er ist riesig und umgeben von viele Läden, in denen ich schon oft einkaufen war. Es sind schöne Erinnerungen, die ich mit diesem Ort verbinde.
Für den heutigen Festtag ist der Platz geschmückt und Distrikt 1 zeigt sich von der besten Seite.
Einzig die vielen Kameras zerstören das schöne Bild unseres Distrikts.
Selbst ohne die Anwesenheitspflicht würden fast alle hierher kommen. Die meisten wollen sich das große Fest nicht entgehen lassen, vor Allem da hier auch viel gewettet wird. Es werden Wetten auf die Tribute selbst geschlossen, aber auch darauf, wie weit die Tribute kommen und aus welchem Distrikt der Sieger oder die Siegerin kommt.
Nachdem ich mich habe registrieren lassen, stelle ich mich in die Reihe der Achtzehnjährigen. Einige von ihnen begrüße ich, aber die meisten sind mir sowieso egal.
Meine einzige echte und beste Freundin Camille trifft nur kurz nach mir ein. Sie umarmt mich und sieht mich anschießend an. „Bist du bereit?“, fragt sie mich vorsichtig.
Camille, die mit ihren braunen, lockigen Haaren und grauen Augen im Gegensatz zu mir nicht dem Stereotypen unseres Distrikts entspricht, ist die Tochter von einer der bedeutendsten Parfümherstellerinnen von Distrikt 1. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Ich habe einmal das Gerücht gehört, dass ihr Vater der ehemalige Oberste Friedenswächter ist, aber Camille spricht nicht gerne darüber und das respektiere ich.
Trotzdem ist sie der einzige Mensch hier, dem ich wirklich vertrauen kann. Sie versteht mich, obwohl unsere Leben ziemlich unterschiedlich sind. Sie hat nie für die Spiele trainiert und ihre Mutter ist der überbeschützerische Typ. Sie würde niemals zulassen, dass Camille sich freiwillig melden würde.
„Ja“, antworte ich. „Es ist das, worauf ich mich mein ganzes Leben lang vorbereitet habe. Ich bin bereit und ich weiß, dass ich es schaffen kann.“
Sie sieht mich immer noch misstrauisch an, wirkt aber ein wenig beruhigt.
Heute ist mein Tag. Alles muss perfekt laufen, deshalb muss ich mich jetzt dringend zusammenreißen. Ich kann nicht schwach wirken.
Auf der Bühne haben sich bereits der Bürgermeister Mr. Halloway und die Betreuerin von Distrikt 1, Pandora Seberg, eingefunden.
Pandora Sebergs Aussehen könnte man insgesamt als sehr merkwürdig beschreiben. Sie hat hellgrüne Haare, die mit grünen und schwarzen Rosen geschmückt hat. Ihre Haut ist sehr blass geschminkt und sie trägt hellgrünen Lippenstift. Merkwürdigerweise sind ihre Augenbrauen immer noch in ihrem natürlichen hellbraun.
Letztes Jahr waren ihre Haare noch dunkelviolett.
Auf der Bühne stehen neben ihren Stühlen noch zehn weitere, die für die lebenden Sieger aus Distrikt 1 reserviert ist.
Manche von ihnen, wie Topaz, sind schon sehr alt und kaum noch zurechnungsfähig. Andere, wie Cashmere und Gloss, haben erst vor wenigen Jahren gewonnen und sind noch nicht durch Drogen oder Alkohol zerstört.
Ich kann meinen Blick erst von Gloss abwenden, als meine Mutter die Bühne betritt. Sie ist natürlich perfekt gestylt und trägt ein (für ihr Alter eindeutig zu kurzes) Etuikleid. Sie sieht mich an und lächelt mich aufmunternd an. Sie weiß, dass ich keine Wahl habe als zu tun, was sie von mir verlangt.
Irgendwann, als der Platz fast voll ist, steht Bürgermeister Halloway auf und stellt sich an das Mikrofon. Er beginnt, die gleiche Rede vorzulesen, die er jedes Jahr vorliest und ich blende seine Worte schnell aus.
Anschließend liest er die Namen der Sieger unseres Distrikts vor, von denen es in den letzten fünfundsechzig genau elf gibt. Einer von ihnen, Valour, ist schon vor einigen Jahren gestorben, aber die anderen leben alle noch.
Nun trippelt Pandora zur Bühne und löst den Bürgermeister ab. Sie erzählt das Übliche, wie dass es eine Ehre ist, dass sie hier sein darf und so weiter.
Dann läuft sie endlich zu den Loskugeln. Ich sehe, wie die Menschen plötzlich angespannter werden und dass Glitterie Hayes, ein Mädchen aus meinem Jahrgang, sich bereit macht, nach vorne zu laufen.
Ich muss unbedingt schneller sein als sie. Mutter würde es mir nie verzeihen, wenn ich die Chance nicht bekomme, weil ich zu langsam bin.
„Ladies First!“, ruft Pandora energisch.
Sie zieht einen Zettel aus der Loskugel und öffnet ihn langsam. Ich mache mich bereit, nach vorne zu laufen.
„Der diesjährige weibliche Tribut für Distrikt 1 ist…“, sagt sie mit klarer Stimme.
„…Diamond Edwardson!“
Ich kenne das Mädchen vom Sehen. Sie ist ungefähr 1-2 Jahre jünger als ich und stammt aus einer der Arbeiterfamilien, deren Eltern in den Diamantminen arbeiten. Viele von ihnen nennen ihre Kinder Diamond, weshalb es ein schrecklich häufiger Name ist.
Bevor sie, Glitterie oder sonst jemand die Chance haben, bin ich auch schon vor der Bühne. „Ich melde mich freiwillig“, rufe ich laut.
„Super, dann komm herauf“, sagt Pandora erfreut.
Ich betrete entschlossen die Bühne und setze mein lange erprobtes Lächeln auf.
„Wie ist dein Name, Schätzchen?“, fragt sie mich lächelnd.
„Emerald Dearing“, sage ich laut, mit erstaunlich klarer Stimme. Die Menschen fangen an zu klatschen und Pandora wirkt, wie immer, begeistert.
„Kommen wir nun zum männlichen Tribut!“, trällert sie nun.
Sie geht zur Kugel der Jungen und zieht einen Zettel heraus. „Derek Grayson!“, ruft sie.
Dieser wird ebenfalls direkt durch einen Freiwilligen ersetzt, der nach vorne stürmt und dabei mehrere andere aus dem Weg schubst. Ich kenne seinen Namen schon, bevor sie ihn vorliest, da er in meinem Jahrgang ist. Sterling Allaway.
Sterling Allaway war von Anfang an der beste und stärkste Kandidat für die diesjährigen Hungerspiele. Er ist, genau wie ich, perfekt trainiert und extrem tödlich. Er wird definitiv einer meiner härtesten Gegner werden.
Nachdem der Bürgermeister den extrem langweiligen Hochverratsvertrag vorgelesen hat, schütteln Sterling und ich uns unsere Hände. Als ich ihn ansehe, lächelt er, aber seine Augen strahlen keinerlei Wärme aus.

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