You‘re an angel not asking who I am

20.09.18 08:10
Samu erblickt wundervolle grünbraune Augen. Wird es das Schicksal gut mit ihm meinen und sie wieder sehen...
Sunrise Avenue Drama P18 Romanze Beendet
Inhaltsverzeichnis

Kapitel 91

*Samu*

Die darauf folgenden Tage verlaufen alle ähnlich, ich liege in dem abgedunkelten Zimmer, ergebe mich meiner Trauer. Zwischendurch stehe ich gezwungenermassen auf, wenn ich auf die Toilette muss. Alleine bin ich nie, entweder ist jemand aus meiner Familie hier oder einer der Jungs vorwiegend aber Riku. Sie schauen, dass ich wenigstens etwas esse, denn Hunger habe ich keinen. Das einzige was ich will, mich meiner Trauer zu ergeben.

Zwischendurch wird dieses Gefühl durch Wut ersetzt. Wieso gerade mein Engel? Ich ärgere mich wegen meinem Geburtstag, hätte ich den nicht an diesem Tag gehabt, wäre sie nicht hier her geflogen und würde noch leben. Dieses Gefühl wird durch ein nicht wahr haben wollen ersetzt. Karina muss doch jeden Moment strahlend zur Tür rein kommen, tut sie aber nicht. Dann umfängt mich die Trauer wieder voll und ganz. Diese Gefühlsspirale hält mich gefangen, lässt mich nicht zur Ruhe kommen.

Heute ist Riku bei mir, er betritt das Zimmer und zieht die schweren Nachtvorhänge leicht auf, sodass das helle Tageslicht mich blendet. Was macht er da, frage ich mich. Nur langsam gewöhnen sich meine Augen an das Licht. Mein Freund setzt sich zu mir auf das Bett, sieht mich besorgt und ernst an „So kann das nicht weiter gehen Samu. Das geht jetzt schon mehr als eine Woche, ich will nicht zusehen, wie mein bester Freund vor sich hin leidet. Du isst kaum etwas, ich mache mir Sorgen um dich.“

Er sieht mich durchdringend an, ich erwidere aber nichts, was ihn zum weiterreden bringt „Ich weiss nicht annähernd wie du dich fühlen musst, vermisse sie auch sehr. Aber Karina hätte das sicher nicht gewollt, dass du so leidest. Das heisst nicht, dass du nicht trauern darfst, aber im Moment zerstörst du dich gerade selbst. Wir gehen jetzt raus, machen einen Spaziergang oder fahren mit dem Boot raus. Du musst auf andere Gedanken kommen. Aber zuerst nimmst du eine Dusche, ich lege dir frische Kleider bereit.“

Sein Blick duldet keine Wiederrede, mühsam erhebe ich mich und schlurfe ergeben Richtung Bad. Ich bin zu müde, um mich Riku zu wiedersetzen, habe keine Energie dafür. Die warme Dusche löst meine verspannten Muskeln, was sich gut anfühlt. Nachdem ich mich abgetrocknet habe, ziehe ich mir die bereitgemachten Kleider an. Den Blick in den Spiegel erspare ich mir lieber. Ein zufrieden lächelnder Riku wartet auf mich, doch bevor wir gehen, essen wir eine Kleinigkeit. Das heisst bei mir ein halbes Brötchen, mehr bringe ich nicht hinunter.

Mein Freund fährt uns durch Helsinki, stumm schaue ich aus dem Fenster. Diese Stadt liebe ich, aber jetzt kommt sie mir leer und trostlos vor. Die Landschaft zieht an mir vorbei, erst als wir anhalten, merke ich, dass wir bei der Bootsanlegestelle angekommen sind. Die Sonne scheint hell und warm vom wolkenlosen Himmel, gut habe ich meine Sonnenbrille auf. Gemeinsam steigen wir in mein Boot, das Steuer überlasse ich Riku. Ich bin froh ihn als Freund zu haben, wir können zusammen reden, aber auch schweigen, so wie jetzt. Er drängt mich nicht etwas zu sagen, wofür ich ihm sehr dankbar bin.

Der Wind streichelt mein Haar, die Sonne wärmt mich. Das erste Mal seit Tagen, habe ich das Gefühlt wieder richtig atmen zu können. Tief sauge ich diese Energie in mich auf, fühle mich besser, aber von gut bin ich noch meilenweit entfernt. Wir fahren einfache umher, lassen alles auf uns wirken. Riku hat sogar etwas zu essen mitgenommen, er könnte ständig essen. Ich zwinge mich auch ein paar Bissen zu mir zu nehmen.

Gegen Abend machen wir uns auf den Weg nach Hause. Dort angelangt umarme ich Riku und sage ein einfaches und von Herzen kommendes „Danke“

„Nicht dafür Samu. Ich hoffe das es dir ein wenig geholfen hat.“, sieht er mich fragend an. Ich nicke als Bestätigung, was ihn ein wenig lächeln lässt. Jetzt liege ich wieder im Gästezimmer, Riku hat recht so kann es nicht weiter gehen. Ich sollte mein Leben wieder auf die Reihe bekommen, für meinen Engel muss ich es einfach. In den nächsten Tage versuche ich in einen geregelten Alltag zu finden. Das heisst wieder regelmässig zu essen, die Körperhygiene, einfach die einfachsten normalen Dinge zu machen.

Es gelingt mir jeden Tag mehr, der Schmerz in mir wird nicht besser, aber erträglicher, je mehr Tage vergehen. Ich Besuche meine Mutter, meine Schwester und meine Nichten, was mir gut tut. Für einen kleinen Moment kann ich meine Sorgen vergessen. Auch die Jungs unternehmen viel mit mir, ich bin so dankbar so tolle Freunde und Familie zu haben. Aki schaut auch ab und an bei mir vorbei, er ist mir in der kurzen Zeit in der wir uns kennen, zu einem guten Freund geworden. Karinas Familie hat sich ab und an bei mir gemeldet, oder ich mich bei ihnen.

Sie haben mir erzählt, dass die Wohnung von meinem Engel geräumt werden muss, der Vermieter hat sich bei ihnen gemeldet. Er will so schnell es geht weiter vermieten, was für ein gefühlskranker Mensch. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass Peter und Lilian das übernehmen, könnte jetzt nicht in ihre Wohnung gehen. Sie nehmen ihre Persönlichen Sachen vorerst zu sich nach Hause. Wenn ich soweit bin, kann ich zu ihnen kommen und mir die Sachen durchsehen.

Es gibt gute und schlechte Tage, kommt ganz darauf an was ich mache. Die Musik hilft mir sehr dabei meine Trauer zu verarbeiten. Sie wirkt bei mir wie eine Art Ventil, durch dass ich meine Emotionen raus lassen kann. Aber manchmal hilft selbst das nicht und es laufen wieder Tränen. Aber diese Tage werden immer weniger. Die Gespräche helfen mir auch sehr, meine Gedanken fresse ich jetzt nicht mir in mich hinein, darüber zu reden wirkt befreiend.

Heute helfe ich meiner Mutter beim Einkauf, wir laufen durch die Gänge, bis ich wie angewurzelt stehen bleibe. Eine Träne nach der anderen löst sich aus meinen Augen, mein verschwommener Blick ist auf eine Packung Cornflakes gerichtet. Tröstend nimmt mich meine Mutter in den Arm, fährt mir beruhigend mit einer Hand meinen bebenden Rücken auf und ab. Langsam beruhige ich mich wieder, sie sieht mich liebevoll an und fragt „Geht es wieder mein Grosser?“

Ich nicke zaghaft, wische mir die Spuren aus dem Gesicht. Solche kleinen Dinge werfen mich immer wieder aus der Bahn, aber ich brauche je mehr Tage vergehen, weniger Zeit um mich zu fangen. Wir beenden den Einkauf, heute übernachte ich bei meiner Mutter, ganz alleine will ich noch immer nicht sein. Die Alpträume, welche mich gelegentlich heimsuchen, werden zum Glück immer weniger. Nächste Woche werden die Jungs, Aki und ich zusammen sitzen und besprechen wie es weiter gehen soll.

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Inged 18. Jul 2018

Hallo! Was für eine berührende Story!!! Ich mag deinen Schreibstil und freu mich riesig auf das nächste Kapitel. Bin gespannt wie es mit den zwei weitergeht. Lg Inged

Swissflower 18. Jul 2018
Hallo Vielen Dank. Freut mich sehr, dass dir meine Story gefällt. LG Swissflower
01. Jul 2018

Hi erst mal!
Du schreibst sooo gut, so dass man Kopfkino bekommt! ;)
Ich bin eigentlich nicht an Samu und so interessiert, aber Deine Schreibweise fasziniert mich trotzdem um so mehr! Wäre schön, wenn Du auch mal bei mir vorbeischauen könntest! ;)

Schöne Ferien noch!

LG Mimi_BTS

Swissflower 01. Jul 2018
Hallo Freut mich sehr, dass dir meine Schreibweise gefällt. :-) Dir auch schöne Ferien LG Sunrise82
chenupet 09. Jun 2018

Du schreibst sehr gut, kann mir alles genau vorstellen.
Freue mich auf weitere Kapitel.
Schönes Wochenende. :)
LG Chenupet

Swissflower 09. Jun 2018
Vielen Dank. Das freut mich sehr, das es so rüberkommt, dass du es dir vorstellen kannst. Wünsche dir auch ein schönes Wochenende:-) LG Swissflower