Vagabond heart

vor 1 Mon.
Nachdem Ville auf dem Gig in Portland schwer im Gesicht verletzt wird, flieht er zusammen mit seinem Freund Henri in die Drogen und verliert dadurch alles, was er einst geliebt hat. Die letzte Tour endet in einem Desaster und Ville erkennt seine Fehler zu spät. Er verliert sich immer mehr in seiner Sucht, bis Daniel bei ihnen auftaucht und seine..
HIM Drama P18-M+M Tragödie/Leid Beendet

No memory

Los Angeles, USA

Ville räkelte sich halb nackt durch das schmale, gemütliche Bett, ehe er vorsichtig in Richtung der breiten Fenster blinzelte, durch die das grelle, warme Licht herein fiel und auf seinem schönem, entspannten, aber auch sichtlich müdem Gesicht tanzte. Schnaubend warf sich der 34-Jährige herum, doch es brachte alles nichts. Er war wach. Und dazu auch noch ziemlich verkatert, sodass ihn der Schmerz, der durch seinen Schädel fuhr auf keuchen ließ.
Mürrisch blinzelte der stark tätowierte Finne erneut in Richtung der Fenster, ehe er sich halb im Bett aufsetzte und sich mit der linken Hand durch die dunklen, verwuselten Haare fuhr, die ihm vereinzelt in die grünen Augen fielen. Er war hundemüde, stand aber dennoch wenig später auf und ging die wenigen Schritte nackt in Richtung des kleinen aber durchaus luxuriös eingerichteten Badezimmers hinüber und stellte die Dusche an. Aufseufzend lehnte der Finne mit den grünen Augen den noch immer dröhnenden Kopf gegen das kühle Glas, während das heiße Wasser auf seine angespannten, tätowierten Schultern niederprasselte und seine Lebensgeister allmählich wieder zurückkehrten.
Was war gestern Abend nur passiert?, fragte er sich immer wieder, während er langsam Luft holte und versuchte sich an irgendetwas zu erinnern. Doch ganz gleich wie sehr er sich auch anstrengte und sich das Hirn zermarterte, es waren bloß noch vereinzelte Fetzen, die jedoch kaum einen Sinn ergaben und wild durcheinander gingen. Er sah vor seinem inneren Auge immer wieder grelle, aufflackernde Lichtblitze, wild feiernde, tanzende Menschen, dazu dröhnende Musik, das wars. Der Rest war wie ausgelöscht.
Was zum Geier war nur passiert? Wie war er bloß in sein Hotelzimmer zurückgekommen? Und warum um alles in der Welt konnte er sich an rein gar nichts mehr erinnern? Ville kniff wütend die Augen zusammen. Das Wasser perlte auf seiner hellen Haut, ehe es seinen schlanken wie auch trainierten Körper hinab rann. Seine Schlüsselbeine stachen durch die Haut, wenn er Luft holte. Auch seine Hüftknochen waren definiert und von dunklen Tätowierungen umgeben, die bis zu seiner dunklen Scham hinab reichten. Das Wasser tröpfelte an ihm hinab, er drehte sich nochmals kurz um, ehe er aus der Dusche stieg und nach einem der hellen Hotelhandtücher angelte und es sich um die schmalen, männlichen Hüften band. Die nassen Haare knotete er sich eilig im Nacken zusammen, dann blieb er vor dem ovalen Badezimmerspiegel stehen. Er sah verdammt verkatert aus, aber er war unversehrt. Erleichtert stützte er sich mit beiden Armen auf dem weißen Waschbecken ab, doch auch jetzt streikte seine Erinnerung.
Er wusste bloß noch, dass er gestern Abend auf dem Coachella Festival hier in Los Angeles gewesen war. Doch irgendetwas musste dort passiert sein, weshalb er sich an gar nichts mehr erinnern konnte, und das machte ihn nicht nur wütend, nein, es beunruhigte ihn auch zunehmend.
Mit wenigen Schritten war Ville wieder in seinem Zimmer und durchwühlte seine wenigen Sachen, die er mit nach LA genommen hatte. Es war noch alles da, selbst seine Brieftasche, Ausweise und auch seine EC- und Kreditkarten.
Erleichtert aber noch immer sichtlich verwirrt ließ er sich auf das schmale, zerwühlte Bett zurück sinken und sah dem warmen, heller werdenden Licht dabei zu, wie es weiter über den mit dunklen Fliesen ausgelegten Boden huschte und den Raum nach und nach erhellte.
Wasser tröpfelte aus seinen feuchten, dunklen Haaren. Unschlüssig blieb Ville sitzen. Ihm war noch immer etwas flau im Magen und ganz allmählich meldeten sich auch die Kopfschmerzen wieder, die dumpf durch seinen Schädel hämmerten und ihn zusammen fahren ließen.
Hatte er sich so sehr auf dem Festival betrunken, dass er einen Filmriss hatte? Aber wie war er dann hier auf sein Zimmer gekommen? Und er war nackt gewesen…
Zähneknirschend sah er sich um. Auch das Zimmer war weder verwüstet noch demoliert worden, es sah nur sehr unordentlich aus, da er seine Tasche achtlos in die Ecke geworfen hatte. Und seine Kleidungsstücke verteilt auf dem Boden lagen.
Was war hier nur abgelaufen?
Sein Blick glitt zu seinem dunklen Gitarrenkoffer hinüber. Auch er war noch da, ebenso auch wie sein Handy und seine heiß geliebten Kippen, die neben ihm auf dem kleinen Nachttisch lagen. Unruhig griff er danach, dann steckte er sich eine Marlboro Light an und lehnte den Kopf zurück. Nach einigen Zügen hatten sich seine Nerven wieder ein Stück weit beruhigt, und doch. Er zermarterte sich noch immer das Hirn darüber, was in der letzten Nacht nur passiert sein könnte.
Wenig später begann Ville seine Sachen zu durchsuchen, bis er ein frisches, schwarzes T-Shirt aus dem Koffer gezogen und sich übergezogen hatte, dann angelte er nach einer dunklen Boxershort und seinen Skinny Jeans, die verstreut herum lagen. Er konnte sich nicht mal mehr daran erinnern, wie er die Sachen überhaupt ausgezogen hatte, geschweige denn welche Musik er auf dem berühmten Festival gehört hatte. Es war seltsam!
Gerade, als er die dunkle Hose anziehen wollte, segelte ein kleiner beschriebener Zettel zu Boden. Verwundert griff er danach und drehte ihn ins helle Licht, das durch die offenen Fenster herein fiel.
Es war bloß eine Handynummer darauf gekritzelt. Kein Name, keine Adresse nichts. Nur diese verdammte Nummer. Ville stöhnte auf. War es etwa so schlimm gewesen, dass er sich die Nummer dieses Typs hatte geben lassen?
Und was war sonst noch so passiert?
Vielleicht sogar hier, in diesem Hotel und in diesem Bett?
Panik erfasste ihn, denn das war eigentlich überhaupt nicht seine Art, und selbst wenn er betrunken gewesen wäre, hätte er sich dann wirklich auf einen wildfremden Mann eingelassen und offensichtlich Sex mit ihm gehabt?
So?
Im Grunde war er recht schüchtern, wenn nicht sogar introvertiert, sodass es ihm oftmals schwer fiel überhaupt auf andere zu zugehen und jemanden anzusprechen oder gar näher zu kommen. Das alles verwunderte ihn zunehmend, sodass er immer wieder den Kopf schüttelte.
Stöhnend fasste sich Ville an den Kopf, während er versuchte seine noch feuchten, dunklen Haare wieder halbwegs im Nacken zusammen zu binden und sich die lästigen Strähnen zurück zu schieben. Dann griff er nach seinen heiß geliebten Kippen, öffnete die kleine Balkontür und setzte sich blinzelnd wie auch sichtlich erschöpft auf einen der weißen Plastikstühle um über das morgendliche, im warmen Licht glitzernde Los Angeles zu blicken. Der unscheinbare Zettel lag neben ihm. Immer wieder starrte er ihn an, konnte sich aber nicht wirklich dazu durchringen die Nummer anzurufen. Er wäre sich doch nur selten dämlich vorgekommen, oder?
Seit Gestern Nachmittag war er hier in Coachella. Er hatte ein paar Tage ausspannen wollen, nachdem er mit Tim zusammen im Studio an seinen wenigen Songs gearbeitet hatte, die er als sein neues Solo Projekt veröffentlichen wollte. Es hatte lange gedauert, bis er sich zu diesem Schritt durchgerungen hatte, aber jetzt stand sein Entschluss fest und auch Tim hatte Henris Stimme gut gefunden. Henri… Ville keuchte voller Schmerz auf und starrte wieder Gedanken verloren vor sich hin. Die Arbeiten im Studio waren seltsam, und anders, da er nicht mehr die Stimme hatte, die er früher gehabt hatte. Und Ville sang auch nicht mehr. Nein. Es war Henri, der ihm die Songs eingesungen hatte.
Damals… als sie noch zusammen gelebt hatten.
Oh das alles war schon so lange her und doch schmerzte es ihn noch immer, aber die Studioarbeiten halfen ihm dabei, den Schmerz ein wenig mehr zuzulassen und vielleicht irgendwann auch hinter sich lassen zu können.
Rauchend blickte der Finne über die Stadt. Das mit dem Coachella Festival war Tims Idee gewesen. Er hatte ihnen schließlich auch die völlig überteuerten Tickets besorgt. Aber er selbst war leider verhindert gewesen, sodass Ville sich schließlich dazu entschlossen hatte, allein hin zu gehen, da er einige der Bands, die gestern Abend gespielt hatten, kannte und hatte sehen wollen.
Wieder zog der schwarzhaarige, tätowierte Mann an seiner Kippe und genoss das milde, warme Licht auf seinen halb geschlossenen Augenlidern, bis ihm wieder der Zettel mit der Nummer einfiel. Hatte sie etwas zu bedeuten? Hatte er mit ihm geflirtet? Hatten sie vielleicht sogar hier herum gemacht? Die Vorstellung verunsicherte ihn dermaßen, dass er sichtlich nervös mit dem Fuß zu hibbeln begann, ehe er wieder an seiner Kippe zog und den grauen Rauch durch die Nase ausstieß.
Trotz aller Ungewissheit begann er wenig später damit, sein kleines Hotelzimmer wieder auf Vordermann zu bringen. Rauchend räumte er einige Dinge beiseite, bis er jedoch wieder innehielt und den Zettel betrachtete.
Es war eine Handynummer. Nicht mehr und nicht weniger.
Kopfschüttelnd steckte er den Zettel ein, dann öffnete er die Tür und trat auf den schmalen Hotelflur hinaus. Die Tür zog er hinter sich zu, dann ging er rauchend nach unten. Er wollte sich ein wenig in Los Angeles umsehen, bis er heute Abend wieder aufs Coachella gehen würde.
Er hatte noch immer ein ziemlich flaues Gefühl im Magen, besonders wenn er an die Telefonnummer dachte. Er spürte den Zettel an seiner Hand, wenn er sie in seine Hosentasche steckte. Er zerknitterte ihn, dann blieb er auf dem überfüllen, warmen Sunset Boulevard stehen.
„Verdammt noch mal“, murmelte Ville ungehalten und wählte plötzlich die Nummer auf seinem dunklen Handydisplay. Mit klopfendem Herzen lauschte er dem nervigen Tuten in der Leitung, doch es ging niemand ran. Mit gemischten Gefühlen steckte der Frontmann sein Handy zurück, dann überquerte er die viel befahrene Straße, bis er den Plattenladen entdeckte, der sich direkt gegenüber seinem Hotel befand. Er war ihm schon gestern Nachmittag aufgefallen, und er hatte sich vorgenommen hinzugehen.
Kurzerhand betrat er den Laden und durchstöberte die ersten Regale, bis er unweit des kleinen Tresens mit einem braunhaarigen Mann zusammen stieß und verwundert herum fuhr. Doch als er in die Augen des Mannes blickte, glaubte ihm vor lauter Schreck wie auch Überraschung das Herz stehen zu bleiben. Denn es war Daniel, dem er plötzlich wieder gegenüber stand.

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Talvenlaulu 17. Jun 2019

Moi Sweetheart! Da hat der Fronter ja ne heftige Op hinter sich...und hadert ja nun auch sehr mit seinem Zustand :( Verstehe sein Sehnen, mit dem Schmerz alleine sein zu wollen...mhm, Daniel war vielleicht wirklich übereifrig mit dem Anruf!? Villes Hoffnung oder Traum, musikalisch etwas wieder gerade biegen zu können...man leidet mit. Seine Schuldgefühle wegen seinem Verhalten...schnief...Wow, die Szene in Lillys Auto... Frust, Angst, Wut und Depris auf engstem Raum! Die schweren Themen Henri und Band! Ich finds klasse wie Vil für seine Art zu lieben so einsteht!:)<3 Ja, es gibt noch das Licht, auch wenn es wohl noch weit entfernt scheint...Ich danke dir sehr für jedes Wort, aus ganzer Seele!<3<3<3 Und ich freue mich total auf die Fortsetzung!!! KIITOS for all!

Talvenlaulu 12. Jun 2019

Hey darling!<3 Oh was für eine lange Rückreise, auch seelisch irgendwie...Schön, wie es beide doch noch genießen können...trotz erster Anlaufschwierigkeiten... und wie Vil es voneinander trennen kann innerlich!<3 :) Oh weh, die Kiefersache...uh der Arme, das müssen wirklich heftige Schmerzen sein :( Gut, das Lilly für beide da ist! Ein turbulenter Neustart für die beiden Verliebten in Helsinki! Daniel ist super :) So süß, wie er den Sänger begehrt und einfach verliebt ist<3<3<3 hrrr I want mooorrreeeee!!! kribbel,hibbel ;) Kiit and Kiss <3<3<3

Talvenlaulu 08. Jun 2019

Terve Sweetie <3<3<3 Daniels Standpunkt ist klar und total richtig...und doch verstehe ich den Fronter genauso... dieser fiese, innere Kampf mit sich und in die Umständen in die man einfach reingeraten ist... dieses sich klein machen, vielleicht aus Ängsten und Unsicherheiten die einen fest im Griff haben. Dieses nicht anders können, obwohl man genau weiß das da was gewaltig falsch läuft... aber sehr schön, wie er doch kämpft und sich , wenn auch schwer... von Henri erstmal löst... trotz der (Rest)Liebe die auch noch in ihm lodert. Er braucht Luft zum atmen und vielleicht auch Helsinki<3 zum runterkommen... Es ist so wunderbar, wie du einen in all diese Gefühle mitnimmst und teilhaben lässt an all den Hürden und Abenteuer, die das Leben so bereit hält für einen. Danke dir so sehr, für deine wunderbaren Zeilen!!! <3<3<3 Hui, Himmel und Hölle sind sich immernoch sehr nah...hrrr, freu mich aufs weiterlesen1;)

TheWind 09. Jun 2019
für dich immer <3 <3