Isabella

vor 8 Tagen
Isabella Irena "Bella" Tallish, eine junge Frau geprägt von Schicksalschlägen und schmerzhaften Erfahrungen mit der Liebe. Doch kann sie in einem anderen Land, an der Seite eines mächtigen Mannes endlich ihr Glück und ihren Frieden finden? (Cover erstellt mit Paint!)
Utopie/Dystopie Thriller P18 Action In Arbeit
Bemerkung des Authors: Wir zahlen einen Preis für alles, was wir in dieser Welt erhalten oder nehmen, und ,obwohl es gut ist, höhere Ziele zu haben, ist es nicht leicht, sie zu erreichen. ~ Lucille Maud Montgomery

Kapitel 1

Es ist alles bereit. Die Gäste können kommen. Wir stehen da. Alle vier. Die Jungs in schicken Anzügen. Ich im schwarzen Kleid. Wir sind bereit alles zu geben um Gelder für die Stiftung zu sammeln, die mein Vater nach Mutters Tod gegründet hat. Selbst die beiden Knirpse wollen helfen und haben darauf bestanden genau so einen Anzug anzuziehen, wie Dad und Jackson. Den Wunsch habe ich ihnen nur zu gerne erfüllt. Nun stehen wir hier und warten auf unseren Vater.
"Wo bleibt Dad nur?", will Jackson ungeduldig wissen und schaut aus dem großen Panoramafenster im ersten Stock auf die Straße hinaus. "Die ersten Gäste kommen gerade an."
Ich seufze leise. Wir müssen schnell umdenken.
"Okay. Du gehst runter die Gäste begrüßen und weist ihnen die Plätze zu.", sage ich zu meinem älteren Bruder, was er mit einem Nicken quittiert. "Ich suche inzwischen Dad. Und ihr beiden ...", setze ich an, doch Henry unterbricht mich.
"Wir wollen auch die Gäste begrüßen.", sagt er und klingt dabei so aufgeregt, dass Jackson und ich einen amüsierten Blick wechseln, als Harry, anscheinend nicht weniger aufgeregt als sein Zwillingsbruder, zustimmend nickt.
"Dann kommt mit.", sagt Jackson und hält ihnen beide Hände hin. Henry ergreift Jacksons rechte und Harry seine linke Hand. Als die drei die Treppe hinuntersteigen, gehe ich zum Zimmer meines Vaters und klopfe an.
"Ja bitte?!", raunzt er.
"Daddy. Ich bin es.", sage ich vorsichtig, öffne die Tür und strecke den Kopf herein. Mein Vater sitzt fertig angezogen auf seinem Bett.
"Ich wollte dich holen. Die ersten Gäste sind da."
"Verdammt. Ich kann so nicht runter gehen.", meint er und hält vollkommen entnervt seine Hände hoch. Die Manschetten baumeln vor sich hin. Ich muss lächeln. Das hat er noch nie gekonnt. Mom hat das immer für ihn gemacht und jetzt mache ich es.
"Warte Daddy.", sage ich und gehe auf ihn zu. Als ich mich hinhocken will um ihm die Manschettenknöpfe an den Hemdsärmeln fest zu machen, steht er auf und lächelt mich an.
"Dein hübsches Kleid soll keine Falten bekommen.", meint er, reicht mir die Manschettenknöpfe und streckt mir beide Hände entgegen. Ich befestige sie und umarme meinen Vater kurz.
"Wollen wir?", fragt er und bietet mir wie ein Gentleman aus alten Zeiten seinen Arm an. Ich lächle und hake mich bei ihm ein. Wir verlassen das Zimmer und steigen Seite an Seite die Treppe ins Erdgeschoss hinunter. Aus dem großen Saal, in welchem die Gala steigen wird, hören wir schon erstes Gelächter. In diesem Moment kommt unsere Haushälterin, Mrs. Williams, zu uns.
"Entschuldigen Sie, Sir.", sagt sie kleinlaut zu meinem Vater. Er wendet sich ihr zu.
"Was gibt es denn, Rita?", meint er leicht genervt, denn eigentlich würde er jetzt viel lieber zu seinen Gästen gehen, als sich mit dem, in seinen Augen vollkommen unfähigen Personal rumzuärgern. Ich bin nicht sonderlich erpicht darauf den ganzen Abend zu lächeln und freundliche Konversation zu betreiben. So entschließe ich Mrs. Williams, die aussieht als würde sie gleich in Tränen ausbrechen, aus der Patsche zu helfen, denn ich halte sie keinesfalls für unfähig und habe in ihr eine liebevolle Freundin gefunden.
"Dad, geh doch zu deinen Gästen. Ich kümmere mich um alles.", sage ich. Er nickt und umarmt mich flüchtig, bevor ich Mrs. Williams am Arm fasse und in den Wirtschaftsraum am anderen Ende des Flurs führe. Als sie die Tür hinter sich schließt, bricht sie schließlich in Tränen aus.
"Was ist denn passiert?", frage ich besorgt und suche nach einer Packung Taschentücher.
"Die Liste ...", schnieft Rita und putzt sich die Nase mit dem Taschentuch, welches ich ihr gegeben habe. Ich schaue verständnislos drein. Von was von einer Liste redet sie denn?
"Was für eine Liste?", frage ich verwirrt.
"Die Liste mit den vorzubereitenden Gästezimmern.", murmelt sie. Ich nicke.
"Was ist denn damit?", frage ich.
"Sie ist weg!", ruft Rita voller Verzweiflung aus. Ich lächle. Deswegen drucke ich Listen immer dreimal aus, denn Rita ist wirklich schusselig.
"In meinem Büro liegen noch zwei Exemplare. Ich hole dir eins.", meine ich nachsichtig lächelnd, öffne die Tür und laufe in mein Büro um die Liste zu holen und sie zu Rita zu bringen. Als ich sie ihr in die Hand drücke will sie mir um den Hals fallen, doch ich halte sie auf.
"Ich muss jetzt gehen, sollte es noch Probleme geben, frag einfach nach mir.", sage ich und schaue auf die Armbanduhr an meinem Handgelenk. Es ist höchste Zeit, dass ich mich hoffentlich noch unbemerkt in den Festsaal schleichen kann, der sich mittlerweile schon gut gefüllt hat. Ich stehe nun in der letzten Reihe und hoffe, keinem Bekannten zu begegnen. Ich merke wie mir jemand von hinten auf die Schulter tippt. Ich wirbele auf dem Absatz herum. Es ist Jackson.
"Krise abgewendet?", meint er grinsend.
"Krise abgewendet.", bestätige ich grinsend.
"Dad wartet schon. Er will sich seinem wichtigsten Geschäftspartner aus Russland vorstellen.", erklärt mein großer Bruder. Ich seufze. Ich will nicht. Aber was tut man nicht alles für die Familie. Jackson nimmt meine Hand, zieht mich hinter sich her, während er uns einen Weg durch die Menge bahnt. Als wir neben Dad stehen bricht ein Blitzlichtgewitter über uns herein. Verwirrt sehe ich zu Jackson hinüber, der ein Gewinnerlächeln aufgesetzt und unverschämt mit der auf uns gerichteten Kamera flirtet. Mir bleibt nichts anderes übrig als es ihm nachzutun. An der Seite sehe ich Dad mit zwei Männern stehen. Der eine hat ungefähr sein Alter, der andere scheint in den mittleren oder auslaufenden Zwanzigern zu stehen. Sie beobachten mich. Alle drei. Ganz ungeniert und anscheinend sehr neugierig. So stehe ich hier, lächle steif und beantworte gezwungenermaßen Fragen der umstehenden Journalisten, die mir ihre Mikrofone unter die Nase halten. Innerlich koche ich vor Wut. So sicher wie Jackson sich gibt, wusste er von den anwesenden Vertretern der Presse. Dieser Himmelhund. Innerlich koche ich vor Wut beinahe über. Doch plötzlich bekomme ich unerwartet eine Gelegenheit zur Flucht nach vorn. Harry und Henry kommen angestürmt und wollen mit mir spielen gehen. Ich entschuldige mich bei dem Journalisten der Times, der gerade eine Frage zur Stiftung gestellt hat und folge meinen kleinen Brüdern zu Grandpa Abe und Grandma Phillis, die mich beide voller Freude herzen und knuddeln. Onkel Ed und Tante Jean sind mit ihren Söhnen Eli und James die nächsten, die mich nicht weniger herzlich begrüßen, als die Eltern meiner vor zwei Jahren verstorbenen Mutter. Ich spüre die ganze Zeit stechende Blicke in meinem Rücken und mir fällt ein, dass Dad noch auf mich wartet um mich dem Russen und dem jungen Mann bei ihnen vorzustellen. Doch da meine beiden sechsjährigen Cousins mich gerade in der Mangel haben kann ich nicht weg. Nachdem die beiden endlich von mir abgelassen haben und sich mit Henry und Harry in die Kinderecke zum spielen verzogen haben, versuche ich endlich zu meinem sicherlich bereits ziemlich entnervten Vater zu kommen, doch der Plan scheitert - zum Glück - mal wieder an der Umsetzung, denn mein Lieblingsonkel Jesse fängt mich ab. Er ist Dads Bruder und das komplette Gegenteil von ihm. Deswegen kann Dad ihn auch nicht leiden. Jesse ist ewiger Junggeselle, Biker und hat das Herz nicht nur auf der Zunge sondern auch am richtigen Fleck.
"Wenn das nicht die kleine Bella ist.", meint er und umarmt mich breit grinsend.
"Onkel Jesse.", flüstere ich und erwidere seine Umarmung.
"Ich bin gleich wieder da.", sage ich und lasse meinen Lieblingsonkel los. Dann eile ich zu Dad hinüber. Er lächelt mir entgegen und nimmt meine Hand.
"Igor, Lucien; darf ich euch meine Tochter Isabella vorstellen? sagt er und scheint vor Stolz fast zu platzen, was ich absolut nicht verstehen kann. Was hab ich in meinem zwanzigjährigen Leben denn bitte erreicht, dass man stolz auf mich sein könnte?
"Isabella, das sind Igor und Lucien Petrov.", setzt mein Vater nach. Aha, Vater und Sohn also. Ich lächle und wende mich den beiden Herren zu, die mich eingehend und erwartungsvoll mustern. Lächelnd schüttele ich den beiden die Hand. Der jüngere, Lucien, lächelt breit und verschmitzt, was mich offensichtlich ein bisschen beruhigen soll.
"Egal was mein Vater ihnen über mich erzählt hat, es stimmt nicht.", erkläre ich leicht lächelnd, was dazu führt, dass der alte Petrov in schallendes, beinahe brüllend anmutendes Lachen ausbricht. Es dauert nicht lange bis sein Sohn und Dad mit einstimmen. Ich stehe daneben und verziehe keine Miene. Das Lächeln wird langsam echt anstrengend, aber ich halte durch.
"Nur nicht so bescheiden, Isabella.", ermahnt mich mein Vater und ich seufze.
"Wie ist eigentlich die Sitzordnung?", schaltet sich Jackson ein, der neben mir aufgetaucht ist und so dem im Kollektiv ausgebrochenen Lachanfall unterbricht, wofür ich ihm irgendwie dankbar bin.
"Der Plan müsste doch aushängen oder nicht?", fragt Dad und mir ist schon jetzt klar, dass ich nicht bei meiner Familie sitzen werde. Vielmehr hege ich den Verdacht, dass ich meinen Platz bei den Russen beziehen soll um sie mit meinem "unwiderstehlichen Charme" um den Finger zu wickeln.
"Die Liste ...", überlege ich gespielt um Zeit zu schinden. "Die Liste liegt als zweifache Kopie in meinem Büro. Soll ich sie holen?"
"Wie willst du durch die Masse durch?", fragt Jackson scheinheilig. Was für ein Mistkerl. Dad und er haben doch alles geplant und wollen mich augenscheinlich mit Lucien Petrov verkuppeln. Soll ich gute Miene zum bösen Spiel machen und einfach mitspielen? Oder soll ich den beiden gehörig die Tour vermasseln und dem Vater-Sohn-Duo aus Russland gleich mit?
"Ich begleite Sie, wenn Sie es gestatten, Miss Tallish.", bietet Lucien an und ich kann nicht anders als das Angebot anzunehmen, auch wenn in meinem Kopf die Alarmglocken Sturm schrillen.
"Dann kommen Sie.", meine ich. Dad schaut auf die Uhr an seinem Handgelenk.
"Beeilt euch. In zehn Minuten gibt es Essen.", meint er. Ich nicke und blicke den jungen Petrov an, der neben mich tritt und mir den Arm anbietet. Ich ergreife ihn und lasse mich von ihm aus dem Saal führen.
In der Eingangshalle, will ich meine Hand von seinem Arm lösen, doch er lässt mich nicht. Verwirrt sehe ich zu ihm hoch, denn er überragt mich mindestens um zwei Köpfe. Er lächelt mich an.
"Besser?", fragt er. Ich weiß nicht was er damit meint und so bleibt mir nichts anderes übrig als zu schweigen.
"Sie scheinen sich in dem Raubtierkäfig nicht wirklich wohl gefühlt zu haben.", erklärt er. In diesem Moment kann ich nicht anders. Ich fange an zu lachen. Raubtierkäfig passt so ziemlich gut zu dieser Veranstaltung.
"Ihnen ist klar, dass die uns nur verkuppeln wollen?", will ich noch immer leicht kichernd wissen. Lucien lächelt immer noch. Dann nickt er.
"Ich finde das eigentlich nicht schlimm.", erwidert er in akzentfreiem Englisch. Dabei lächelt er. Ach nein? Aber er weiß doch nicht das Geringste über mich.
"Wissen Sie, warum ich beim Essen gern neben Ihnen sitzen will?", fragt er. Ich schüttele den Kopf und nutze die Gelegenheit meine Hand von seinem Arm zu lösen.
"Um mehr über Sie zu erfahren, Isabella.", sagt er lächelnd. "Sie sehen wirklich gut aus. Aber das ist nicht alles. Hier ...", er tippt sich an seine rechte Schläfe, "... und hier ...", jetzt legt er die Hand auf sein Herz, "... ist so viel mehr, was nur darauf wartet an die Oberfläche befördert zu werden."
Als er geendet an, glotze ich in an wie eine komplette Vollidiotin. Erde, tu dich auf. Das hat noch nie ein Mann zu mir gesagt. Endlich finde ich meine Stimme wieder.
"Schauen wir mal ob Ihnen dieses Glück, vergönnt ist Lucien.", meine ich und gehe voran zu meinem Büro. Ganz die wohlerzogene junge Dame bitte ich ihn herein und bitte ihn es sich auf einem der Sofas gemütlich zu machen, da ich nicht weiß, wie lange ich nach dem Sitzplan suchen muss.
"Darf ich Ihnen helfen?", fragt er. Offenbar will er nicht tatenlos herumsitzen.
"Ich hab es schon.". murmele ich und ziehe aus einer Ablage den Sitzplan hervor.
"Wir sollten ihn zu meinem Vater bringen.", sage ich und verlasse mein Büro, wieder mit Lucien im Schlepptau, als uns ein Mann beinahe über den Haufen rennt. Ich erinnere mich an ihn. Es ist Charlés, der Concierge, also der Mann der heute durch das abendliche Programm führen wird.
"Isabelle!", keucht er völlig außer Atem. "Endlich habe ich Sie gefunden. Ihr Vater verlangt nach dem Sitzplan. Haben Sie ihn?"
Lucien grinst und kann sich ein Lachen gerade noch so verkneifen.
"Außerdem soll der Eröffnungstanz noch vor dem Essen stattfinden. Es gibt Probleme in der Küche.", fügt Charlés hinzu. Ich seufze leise. Jetzt wird wieder die Kabbelei losgehen, wer den ersten Walzer des Abends mit mir tanzen darf. Darauf habe ich keine Lust. Ich ziehe in Erwägung Übelkeit und Magenschmerzen vorzutäuschen, doch da für Lucien die Möglichkeit besteht mich zu verpfeifen, lasse ich es lieber sein.
"Jetzt hören Sie schon auf zu reden. Nehmen Sie bitte einfach den Sitzplan und verschwinden Sie auf Ihren Posten.", meine ich völlig entnervt und drücke dem Concierge den Sitzplan in die Hand. Der macht auf dem Absatz kehrt und rennt davon. Lucien fängt an zu lachen.
"Was für ein komischer Kauz ist das denn?", fragt er. Ich zucke entschuldigend mit den Achseln und grinse jetzt ebenfalls.
"Ich habe keine Ahnung.", erwidere ich. Lucien bietet mir wieder seinen Arm an und ich ergreife ihn erneut. Dann lasse ich mich von ihm wieder zurück zum Saal führen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es eine lange Nacht werden wird ...

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